Kommentar

Unwürdiges Gepolter: Danke, Schalke!

Für Romantik ist im modernen Fußball bekanntlich wenig Platz. Und doch erwischt sich jeder Fan bei der Suche nach Spielern, die es wirklich ernst meinen mit ihrem Klub, für die der VfL Bochum mehr ist als nur ein Arbeitgeber auf Zeit. Dieses Gefühl hatten viele Anhänger auch bei Sebastian Polter. Als er nach dem Klassenerhalt vor wenigen Wochen gemeinsam mit Manuel Riemann, Simon Zoller und Anthony Losilla das Bermuda-Dreieck stürmte, schien es so, als hätte sich Polter in diesen Verein ernsthaft verguckt.

Doch in einem Atemzug mit drei wirklich treuen Seelen genannt zu werden, hat Polter nicht mehr verdient. Der 31-Jährige wechselt ausgerechnet zu Schalke 04, es ist sein achter Klub im elften Profijahr. Nüchtern betrachtet ist das nachvollziehbar: Auf Schalke bekommt er mehr Geld und vor allem einen längeren Vertrag. Auch die Frankfurter Eintracht, die rechtzeitig einen Rückzieher gemacht hat, hätte ihm mehr bezahlt. Wie gesagt: Romantik gibt es kaum noch, und das wissen die allermeisten Fans auch, wenn sie die Emotionen ausblenden.

Stillos, aber clever

Was sie aber – völlig zu Recht – ärgert, ist das unwürdige Gepolter des erfolgreichsten VfL-Torschützen der Vorsaison. Erst sagte der Angreifer in einem Interview: Der VfL Bochum und ich – das sind Topf und Deckel. Um nur kurze Zeit später über den Berater und die Medien auf einen Wechsel zu drängen. Sie haben den Verein damit stillos, aber clever unter Druck gesetzt. Denn die meisten Fans wollten Polter im VfL-Trikot nicht mehr sehen, auch im Klub waren viele genervt. Die Verantwortlichen waren also gezwungen, eine Lösung zu finden.

Immerhin: Polter wurde ablösefrei verpflichtet, nun gibt es rund 1,5 Millionen Euro. Sportlich mag er ein Verlust sein, zehn Tore müssen ersetzt werden. Doch Philipp Hofmann und Simon Zoller stehen schon bereit. Und einen Spieler, der seine Eigeninteressen öffentlich derart zur Schau stellt, kann der VfL ohnehin nicht gebrauchen. Schließlich hat er schon in Berlin, privat wie beruflich, keinen Hehl daraus gemacht, dass ihm jeder Euro heilig ist, auch auf Kosten der Solidarität. All das ist aber nicht mehr das Problem des VfL Bochum. Dafür geht ein Dank in die Nachbarstadt.

++++++++++++


Ihr wollt die Berichterstattung, hinter der viel Arbeit und auch Kosten stecken, mitfinanzieren? Darüber freuen wir uns sehr. Nutzt dafür gerne die unkomplizierte Zahlungsoption via PayPal. Danke, dass ihr Tief im Westen – Das VfL-Magazin jetzt und auch in Zukunft möglich macht.

++++++++++++

Neue Saison

Bochum plant neuen Kader – weiter mit Schindzielorz?

Die Tage nach dem letzten Saisonspiel werden oft für einen Rückblick genutzt. Höhepunkte, an die Spieler und Fans gerne erinnert werden, gab es in den vergangenen Monaten ja genug. Der VfL Bochum hat als Aufsteiger die ganze Bundesliga überrascht, stand nur dreimal auf einem Abstiegsplatz und hat ansonsten souverän den Klassenerhalt geschafft. Wenige Rückschläge, wie das späte Pokalaus im Viertelfinale, den Spielabbruch gegen Mönchengladbach oder die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte in München werden von zahlreichen positiven Erlebnissen verdrängt. Spektakuläre Tore, endlich wieder volle Stadien, dazu die furiosen Siege gegen Bayern im Februar und Dortmund im April. Nicht nur die Verantwortlichen fragen sich, wie sich das noch toppen lässt.

Reis rechnet mit Abgängen

Das muss auch gar nicht gelingen, das jetzige Niveau zu halten würde schon reichen. Wobei die Voraussetzungen nicht besser werden, weiß auch Trainer Thomas Reis. „Für mich ist jetzt schon klar, dass es noch schwerer werden wird. Bei uns haben sich einige Spieler gut entwickelt, die womöglich plötzlich interessant werden für andere Klubs“, rechnet der Fußballlehrer mit einigen personellen Veränderungen. Aber nicht nur damit. „Dann wird aus der Euphorie des ersten Jahres, die jetzt riesengroß ist, im Umfeld eine andere Erwartungshaltung. Außerdem gehen die Aufsteiger Schalke und Bremen sicher mit einem deutlich höheren Etat als wir in die Saison – womit die Konkurrenz noch stärker, der Klassenerhalt noch schwieriger wird.“ Kurzum: Platz 15 oder mehr wäre im zweiten Jahr das noch viel größere Wunder.

Vor allem dann, sollte der personelle Aderlass so groß werden wie von einigen Anhängern befürchtet. Elvis Rexhbecaj ist wahrscheinlich nicht zu halten, Sebastian Polter wird mit anderen Klubs in Verbindung gebracht. Auch Maxim Leitsch, Armel Bella Kotchap und Gerrit Holtmann kokettieren mehr oder weniger mit einem Wechsel, wobei der VfL hier das Heft des Handelns in der Hand hält – mit Ausnahme von Leitsch, bei dem es eine Ausstiegsklausel geben soll. Offen ist außerdem, ob Milos Pantovic in Bochum bleiben wird. Eine Einigung steht weiter aus. Jürgen Locadia und Konstantinos Stafylidis sollen ebenfalls verlängern – sofern sich eine Weiterverpflichtung finanzieren lässt. Unklar ist, wie es mit Danny Blum, Eduard Löwen, Herbert Bockhorn und Vasilios Lampropoulos weitergehen soll. 

Wolfsburg sucht neuen Manager

Es wartet also viel Arbeit auf Sebastian Schindzielorz, der den neuen Kader plant und in dieser Transferperiode selbst nicht von Bord gehen dürfte. Für die weitere Zukunft ist das aber nicht ausgeschlossen. Der Erfolg beim Revierklub sorgt dafür, dass auch andere Vereine interessiert nach Bochum schauen. Vor allem der VfL Wolfsburg tut das, schreibt der kicker. Die Niedersachsen suchen einen Nachfolger für Geschäftsführer Jörg Schmadtke, der Ende Januar 2023 aus dem Amt scheiden wird. Schindzielorz soll ein Kandidat für die Nachfolge sein, schließlich war er schon als Spieler in Wolfsburg erfolgreich und wurde 2009 Meister. Der Vertrag von Schindzielorz in Bochum läuft Ende 2022 aus. Dass dieser trotz seit Monaten laufender Gespräche noch nicht verlängert wurde, heizt die Spekulationen zusätzlich an.

Auf eine Anfrage von Tief im Westen – Das VfL-Magazin am frühen Montagmorgen reagierte Schindzielorz prompt, teilte schriftlich mit: „Ich äußere mich grundsätzlich nicht zu meinen Verträgen. Das habe ich in den letzten Jahren nie gemacht und das werde ich jetzt auch nicht tun.“ Auch in der Vergangenheit hat der Manager Gerüchte um seine Person nie kommentiert. Sollte Schindzielorz in Bochum bleiben wollen, dürfte ihm das Interesse aus Wolfsburg dennoch in die Karten spielen, seine Verhandlungsposition wird gestärkt. Klar ist aber auch: Mit einer anderslautenden Stellungnahme hätte der 43-Jährige, der sonst stets um Ruhe im Klub bemüht ist, das Thema selbst beenden können. Hat er aber nicht. Das ist entweder Prinzipientreue, oder aber ein schlechtes Zeichen.

__________________________________________________________________________________________

Mit Tief im Westen – Das VfL-Magazin auch ins zweite Bundesliga-Jahr! Jetzt unterstützen…  

Das ist übrigens ganz einfach: Dafür genügt ein Klick auf den nachfolgenden Button. Es öffnet sich ein Fenster zu PayPal und ihr könnt den Betrag euer Wahl eingeben. Vielen Dank, dass Ihr eine weitere Berichterstattung möglich macht.


(Foto: Imago / RHR-Foto)

Stand der Planungen

Neuer Kader: VfL sucht noch auf allen Positionen

Am Freitag trafen sich die ersten VfL-Profis zum Fitness- und Gesundheitstest, bevor es dann am Montag so richtig losgeht: Um 11 Uhr bittet Chefcoach Thomas Reis zur ersten Trainingseinheit der neuen Saison. Auch Fans dürfen wieder dabei sein. Allzu groß dürfte die Spielergruppe aber nicht sein: Sieben Akteure, darunter Neuzugang Jacek Goralski, genießen aufgrund von Länderspielen einen verlängerten Sommerurlaub. Außerdem haben insgesamt zwölf Profis den VfL im Sommer definitiv oder vorerst verlassen. Mit Philipp Hofmann und Kevin Stöger stehen immerhin zwei Neue auf dem Platz, auch die Rückkehrer Moritz Römling und Silvere Ganvoula sind zunächst dabei. Der Kader dürfte sich in den kommenden Wochen noch spürbar verändern. Ein Überblick.

Tor: Stammtorhüter und Leistungsträger Manuel Riemann hat seinen Vertrag bis 2025 verlängert, auch Ersatzkeeper Michael Esser bleibt an Bord. Der dritte im Bunde ist Paul Grave, allerdings denkt das Bochumer Eigengewächs über eine Leihe mangels Spielpraxis nach. Dann bräuchte der VfL einen neuen Schlussmann. Denn Tjark Ernst, ein großes Talent aus der eigenen Jugend, ist aus diesem Grund schon schon gegangen und zu Hertha BSC gewechselt.

Außenverteidigung: Mit Cristian Gamboa auf der rechten und Danilo Soares auf der linken Seite geht der VfL auch in die neue Saison. Gesucht werden Alternativen. Herbert Bockhorn geht, weil er sich woanders mehr Spielpraxis erhofft. Ein Wunschkandidat, der auf beiden Seiten spielen kann, bleibt Konstantinos Stafylidis. Der Haken: Die Transferrechte für ihn liegen bei der TSG Hoffenheim, ein erneutes Leihgeschäft ist nicht möglich, weil der Vertrag in einem Jahr ausläuft. Der VfL hofft auf eine Lösung, muss sich aber wohl gedulden. Moritz Römling soll erneut ausgeliehen werden, der SC Verl zeigt Interesse. Vorher müsste aber auch sein Vertrag verlängert werden.

Innenverteidigung: Maxim Leitsch spielt künftig in Mainz, Saulo Decarli in Braunschweig. Vasilios Lampropoulos hat seinen Vertrag verlängert, ist aber nur als Back-Up eingeplant. Gleiches gilt für Jungprofi Tim Oermann. Mit Armel Bella Kotchap und Erhan Masovic hat der VfL zwei hochveranlagte Verteidiger im Team, die zusammen das Innenverteidiger-Duo bilden könnten. Auch Bella Kotchap liebäugelt mit einem Wechsel, konkrete Anzeichen für einen Transfer gibt es aber keine. Gesucht wird ein weiterer Innenverteidiger mit Startelfpotenzial, idealerweise ein Linksfuß.

Zentrales Mittelfeld: Kapitän Anthony Losilla und Patrick Osterhage sind geblieben. Außerdem wurden Kevin Stöger als Spielgestalter und Jacek Goralski als Sechser neu verpflichtet. Verlassen haben den Verein vier Spieler: Robert Tesche kickt künftig beim VfL Osnabrück, Milos Pantovic spielt international mit Union Berlin. Eduard Löwen kehrt zur Hertha und Elvis Rexhbecaj nach Wolfsburg zurück, haben dort aber keine Zukunft. Eine Verpflichtung von Löwen strebt der VfL nicht an, bei Rexhbecaj fehlt den Bochumern das Geld. Als Ersatz wird Pierre Kunde Malong von Olympiakos Piräus gehandelt. Doch momentan lässt sich ein Leihgeschäft nicht realisieren, weil die Griechen ihn nicht abgeben wollen. Auch Philipp Förster vom VfB Stuttgart ist ein Kandidat, die Gespräche laufen.

Offensive Außenbahn: Danny Blum muss den Verein verlassen, ebenso wie Dauerreservist Tom Weilandt. Auch Tarsis Bonga darf gehen. Ein neuer Flügelspieler soll aber noch kommen. Ein Kandidat: Jordi Osei-Tutu vom FC Arsenal. Er spielte bereits vor zwei Jahren für den VfL, enttäuschte als Rechtsverteidiger, glänzte aber als Flügelstürmer. Der Spieler strebt eine Rückkehr an, der Verein ebenso. Takuma Asano und Christopher Antwi-Adjei bleiben, auch Gerrit Holtmann gehört weiter zum Team. Ein Verkauf ist derzeit kein Thema, ihm liegt ein Angebot zur Vertragsverlängerung vor.

Angriff: Sebastian Polter wechselt zu Schalke 04. Simon Zoller ist fit und will neu angreifen. Philipp Hofmann kommt vom Karlsruher SC, er ist ein klassischer Mittelstürmer. Wer den dritten Kaderplatz im Angriff einnehmen wird, ist noch offen. Der VfL bemüht sich um eine Weiterverpflichtung von Jürgen Locadia. Der Winterneuzugang könnte bleiben, wenn er finanziell keine zu hohen Erwartungen hat. Nachwuchsstürmer Luis Hartwig soll verliehen werden. Auch Silvere Ganvoula, der aus Belgien zurückkehrt, darf gehen. Der Karlsruher SC ist interessiert.

Trainerteam: An der Seitenlinie ändert sich nichts, Cheftrainer Thomas Reis und seine Assistenten gehen gemeinsam in die neue Saison. Mit Reis soll zeitnah verlängert werden, eine Einigung ist in Kürze zu erwarten. Veränderungen gibt es teilweise im medizinischen Team. Physiotherapeut Frank Zöllner geht zurück zum BVB, außerdem gibt es mit Dr. Ghani Hilal einen neuen zweiten Vereinsarzt. Mit Max Tolischus hat der VfL erstmals einen eigenen Teammanager installiert, der sich um die organisatorischen Belange kümmert.

++++++++++++

Ihr wollt die Berichterstattung, hinter der viel Arbeit und auch Kosten stecken, mitfinanzieren? Darüber freuen wir uns sehr. Nutzt dafür gerne die unkomplizierte Zahlungsoption via PayPal. Danke, dass ihr Tief im Westen – Das VfL-Magazin jetzt und auch in Zukunft möglich macht.


++++++++++++

Immer auf dem Laufenden bleiben: Der Transferticker von Tief im Westen – Das VfL-Magazin.

https://vfl-magazin.de/vfl-transferticker-23-juni-2022/

(Foto: Firo Sportphoto)

Verträge laufen aus

Abschied, oder nicht? Neunmal Ungewissheit

Für das letzte Bochumer Heimspiel Anfang Mai hatte der VfL viele Blumensträuße organisiert. Alle elf Profis, deren Verträge in wenigen Wochen auslaufen, wurden verabschiedet. Dabei waren die Leihspieler Elvis Rexhbecaj, Konstantinos Stafylidis und Eduard Löwen, die längst ausgemusterten Tom Weilandt und Saulo Decarli sowie Danny Blum, Milos Pantovic, Vasilios Lampropoulos, Herbert Bockhorn, Winterneuzugang Jürgen Locadia und Publikumsliebling Robert Tesche. Allerdings haben die Verantwortlichen betont, dass der Verbleib einiger Spieler dennoch möglich sei.

Der VfL gibt sich wortkarg

Doch einen Monat später gibt es keinen neuen Stand, in keinem einzigen Fall gibt es Klarheit, von Decarli und Weilandt einmal abgesehen. Aus Fansicht ist also Rätselraten angesagt: Wer bleibt womöglich doch, und wer geht wirklich? Auf Nachfrage von Tief im Westen – Das VfL-Magazin erklärt Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz, dass er dazu keine Stellung beziehen möchte. Immerhin: Er geht weiter davon aus, dass einige Spieler auch in Zukunft für den VfL Bochum auflaufen werden.

Robert Tesche wird jedoch nicht dazugehören. Der gefeierte Aufstiegsheld aus dem Sommer 2021 verabschiedete sich bereits vor Wochen via Instagram von den VfL-Fans. Er wäre gerne in Bochum geblieben, aber offenbar gab es kein Vertragsangebot mehr. Seltsam also, warum der Verein hier nicht die Notwendigkeit sieht, seinerseits offenbar schon Beschlossenes zu kommunizieren, zumal es sich bei Tesche um einen verdienten Spieler handelt.

Bei allen anderen gibt es zumindest Tendenzen. So zeichnet sich bei Herbert Bockhorn ein Vereinswechsel ab, Vasilios Lampropoulos wiederum würde gerne bleiben. Mit Jürgen Locadia laufen die Gespräche, bei Danny Blum ist die Tür wohl auch noch nicht endgültig zu. Und Milos Pantovic wird sich in Kürze entscheiden, ob er in Bochum bleiben wird oder nicht. Besonders kompliziert ist es bei den drei Leihspielern: Wolfsburg (Rexhbecaj), Hertha (Löwen) und Hoffenheim (Stafylidis) haben im Sommer jeweils einen neuen Trainer verpflichtet. Eine schnelle Entscheidung ist nicht zu erwarten. Wobei eine Verpflichtung von Konstantinos Stafylidis mit dem Wissen der vergangenen Wochen wohl am wahrscheinlichsten ist.

Spieler und Berater warten lieber

Geduld ist also gefragt. Was aber auffällt: Dass die Verantwortlichen schon seit dem 30. April wissen, in welcher Liga der Verein künftig spielt, und damit so früh Planungssicherheit wie lange nicht mehr haben, scheint sich nicht positiv auf die Entscheidungsfindung auszuwirken. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass der Abgang von Sebastian Schindzielorz zum Jahresende für Irritationen auch bei den Spielern gesorgt hat. Natürlich sei die ungeklärte Nachfolge ein Grund, mit einem Vertragsabschluss lieber noch etwas zu warten, berichten gleich mehrere Berater, die sich in Gesprächen mit dem VfL Bochum befinden.

(Foto: Firo Sportphoto)

Tief im Westen

Für die neue Saison: Werde Unterstützer dieser Seite!

Auch in der kommenden Bundesliga-Saison bleibt Tief im Westen – Das VfL-Magazin die Heimat für eine leidenschaftliche, kritische und fundierte Berichterstattung, für Kommentare mit klarer Meinung oder für exklusive Informationen. Um euch wie gewohnt auf dem Laufenden zu halten, freue ich mich nach wie vor über finanzielle Unterstützung für dieses Projekt. Jeder Betrag, ob groß oder klein, hilft dabei, die Seite zu finanzieren.

Eine Beteiligung ist übrigens ganz einfach – per PayPal an rentsch@vfl-magazin.de. Dafür genügt ein Klick auf den nachfolgenden Button. Es öffnet sich ein Fenster und du kannst den Betrag deiner Wahl eingeben.


Wer eine klassische Banküberweisung bevorzugt, erhält weitere Informationen gerne auf Anfrage.

Vielen Dank, dass ihr Tief im Westen – Das VfL-Magazin möglich macht!

(Foto: Firo Sportphoto)

Dritter Neuzugang

Typ Malocher: Goralski erinnert an Zdebel

Zwei Spieler miteinander zu vergleichen, deren Geburtstage knapp 20 Jahre auseinander liegen, ist sicher etwas gewagt. Und doch: Bei der Verpflichtung von Jacek Goralski, der am Freitag einen Zweijahresvertrag beim VfL Bochum unterschrieben hat, denken einige Fans unweigerlich an Thomas Zdebel. Er kam gebürtig aus Polen, war Nationalspieler dort, spielte im defensiven Mittelfeld und war ein echter Malocher. All das trifft auch auf Jacek Goralski zu.

Nationalspieler und WM-Teilnehmer

Bochums Neuer ist mit einer Körpergröße von 1,72 Metern relativ klein, fleißig, ausdauernd und zweikampfstark. Wobei er mitunter zu überharten Aktionen neigt. Die Bilanz zeigt: In jedem dritten Pflichtspiel sah er bislang den gelben Karton – auch das ist eine Parallele zu Thomas Zdebel. Thomas Reis wird ihn also hin und wieder bremsen müssen. Grundsätzlich aber steht Bochums Trainer auf Spielertypen, die kämpfen, die nie aufgeben. „Wir benötigen für die herausfordernde zweite Saison in der Bundesliga gerade in der Zentrale Spieler, die wettkampferprobt und robust sind“, sagt Sebastian Schindzielorz. Goralski ist ein klassischer Sechser, so gesehen der Nachfolger von Robert Tesche. Er kann anstelle, aber auch neben Kapitän Anthony Losilla spielen, je nach taktischer Anordnung.

Der 29-Jährige spielte erst in seinem Heimatland, dann in Bulgarien und zuletzt in Kasachstan. Die Bundesliga ist also ein großer Karrieresprung für ihn. Wobei ihm die Umstellung im Idealfall keine großen Probleme bereitet. Denn Goralski hat vor allem mit der Nationalmannschaft auch schon auf höherem Niveau gespielt, ist Stammkraft im Team um Robert Lewandowski und war vor knapp vier Jahren bei der WM dabei. Goralskis Vertrag in Kasachstan wurde aufgelöst, er wechselt ablösefrei ins Ruhrgebiet – für den VfL ein wichtiges Kriterium. Die Verhandlungen mit Goralski führte Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz übrigens auf Polnisch. Sicher ein Vorteil.

Umbruch im zentralen Mittelfeld

Die Personalplanungen im zentralen Mittelfeld sind mit der Verpflichtung von Goralski und der Rückkehr von Kevin Stöger aber noch nicht abgeschlossen, auch wenn Kapitän Anthony Losilla an Bord bleibt und Patrick Osterhage in der kommenden Saison eine größere Rolle spielen soll. Denn Milos Pantovic, Robert Tesche und Eduard Löwen sind definitiv weg, und Elvis Rexhbecaj kommt wahrscheinlich nicht zurück. Gesucht wird folglich noch (mindestens) ein sogenannter Achter, der Laufstärke mit Robustheit und Technik vereint. Auf Pierre Kunde Malong von Olympiakos Piräus würden diese Attribute zutreffen, doch zum jetzigen Zeitpunkt ist ein Transfer nicht zu realisieren, weil die Griechen ihn wohl behalten wollen.

(Foto: VfL Bochum 1848)

2:3-Niederlage zum Abschluss

„Genug gefeiert“: Auf den VfL wartet jetzt viel Arbeit

Der Ärger war schnell verflogen, die späte 2:3-Niederlage zum Saisonabschluss verdrängt. Noch einmal wurde mit den Fans abgeklatscht, dann ging es für die Spieler auf direktem Weg in den Urlaub. „Wir haben die letzten zwei Wochen genug gefeiert. Jetzt ist Erholung angesagt“, verabschiedete sich Angreifer Sebastian Polter in die Sommerpause. Mit nur 16 Mann war der VfL zum Auswärtsspiel bei Union Berlin geflogen. Eine stark ersatzgeschwächte Mannschaft bot dem künftigen Europa-League-Teilnehmer aus Köpenick trotzdem ein Spiel auf Augenhöhe, jedenfalls in der zweiten Halbzeit. „Der Ausgleich war verdient. Das Gegentor am Ende ist bitter, aber im Großen und Ganzen haben wir ein sehr gutes Spiel gezeigt“, sagte Trainer Thomas Reis kurz vor der Heimreise.

Zehn Ausfälle beim VfL

Nervosität gab es beim VfL am letzten Spieltag nicht mehr, der Klassenerhalt war längst geschafft. Diese Umstände nutzten schon vor dem Spiel tausende Bochumer für ein feucht-fröhliches Wochenende. Bereits am Abend vor dem Spiel wurde in der Bochumer Botschaft im Stadtteil Kreuzberg auf eine überaus erfolgreiche Saison angestoßen. Auch Mitglieder der Vereinsführung waren vor Ort. Am Samstagmorgen startete dann ein Sonderzug mit 1.000 Fans in die Hauptstadt, 300 weitere Anhänger reisten mit dem Schiff über die Spree zur Alten Försterei. 

Zahlreiche Spieler bekamen davon allerdings nichts mehr mit. Ein halbes Dutzend von ihnen war krankheitsbedingt in Bochum geblieben, drei weitere Akteure fehlten verletzt, einer aus privaten Gründen. Corona soll dabei keine Rolle gespielt haben, versicherte ein Vereinssprecher, nachdem sich Trainer Thomas Reis in der Pressekonferenz vor dem Spiel noch seltsam reserviert zeigte und nicht einmal die Namen der Betroffenen nannte. Einige Fans scherzten schon, ob Torhüter Manuel Riemann wenigstens als Feldspieler im Kader stünde, doch Reis verzichtete gänzlich auf den Publikumsliebling und stellte Michael Esser zwischen die Pfosten. Vor allem in der Innenverteidigung fehlten wichtige Spieler, was den Trainer dazu brachte, eine Dreierkette auszuprobieren – zunächst ohne Erfolg. 

Platz elf hergegeben

Die Berliner führten bereits nach 25 Minuten mit 2:0, auch nach vorne gelang den Bochumern wenig bis gar nichts. Doch in der zweiten Halbzeit zeigte der VfL das, was ihn schon die ganze Saison über auszeichnete: Er gab sich nicht auf und kam zurück. Ausgerechnet Simon Zoller erzielte den Anschlusstreffer, worüber sich der Angreifer besonders freute: „Mein erstes Tor nach der schweren Verletzung. Das wollte ich unbedingt noch schaffen.“ Der verdiente Ausgleich durch Eduard Löwen reichte allerdings nicht, um mit einem Unentschieden aus der Saison zu gehen, denn die Berliner trafen ein drittes Mal und feierten nach Abpfiff Platz fünf, den Einzug in die Europa League. 

Die Bochumer wiederum gaben mit der späten Niederlage Rang elf noch her. Auf die nun anstehende Verteilung der Fernsehgelder hat dies aber keine Auswirkungen. Nur in der Fünfjahreswertung gehen wichtige Punkte verloren. Platz 13 ist für den VfL dennoch ein sehr gutes Ergebnis, und der Vorsprung mit neun Punkten auf den Relegationsplatz deutlich. Diesen Erfolg gilt es in der nächsten Saison zu wiederholen. Damit das gelingt, wartet viel Arbeit auf die Verantwortlichen. Elf Verträge laufen aus, bei neun Spielern ist unklar, wie es weitergeht. Dass Leistungsträger verkauft werden, ist ebenfalls möglich. Klarheit wird es frühestens in den nächsten Tagen, in einigen Fällen auch erst in Wochen oder gar Monaten geben. Langweilig wird es in der Sommerpause nicht.