Saison 2023/24

Trainingsstart beim VfL: Vier Neue und 1.500 Neugierige

Die Autogrammjäger kamen am Mittwochvormittag voll auf ihre Kosten. Zum Bochumer Trainingsauftakt vor knapp 1.500 Zuschauer erschien der Kader des VfL in fast kompletter Mannstärke. Selbst die Spieler, die zunächst nur im Kraftraum aktiv waren und bei der knapp 90-minütigen Teameinheit nicht auf dem Rasen standen, kamen für die Wünsche der Fans nach draußen. Der VfL hatte die erste Übungseinheit der neuen Saison ins Stadion verlegt – eine Idee, die bei den Zuschauern sehr gut ankam. Sie empfingen die Mannschaft mit einem warmen Applaus.

„Ich freue mich, dass so viele Leute hier waren. Die Begeisterung in Bochum ist groß“, sagte Trainer Thomas Letsch nach dem ersten Training mit 20 Feldspielern und drei Torhütern. Im Mittelpunkt des Interesses standen natürlich die Neuzugänge. Vier von ihnen, nämlich Felix Passlack, Lukas Daschner, Noah Loosli und Niclas Thiede, waren bereits dabei. Moritz Kwarteng trainierte wegen einer Schambeinproblematik nur in Laufschuhen, Matus Bero darf wegen seiner Länderspielreisen länger Urlaub machen. Er wird am kommenden Mittwoch erstmals zur Mannschaft stoßen.

Riemann und Kwarteng angeschlagen

Mit Takuma Asano, Philipp Förster und Manuel Riemann fehlten außerdem drei Stammkräfte aus der vergangenen Saison. Japans Nationalspieler Asano weilt noch bis zum 17. Juli im Urlaub. Förster steigt wegen anhaltender Probleme an der Achillessehne erst später in die Vorbereitung ein, ebenso wie Riemann, den eine Muskelverletzung ausbremst. Wobei Letsch bereits in der kommenden Woche wieder mit ihm rechnet, während es bei Förster im schlimmsten Fall noch länger dauern kann. ​Allerdings hat der Trainer im offensiven Mittelfeld nun genügend Alternativen.

Insgesamt zeigte sich der Fußballlehrer zufrieden mit den Transferaktivitäten: „Ich finde, dass wir es ganz gut gemacht haben. Klar ist aber, dass sich der Kader weiter verändern wird. Ich erwarte sowohl Zu- als auch Abgänge.“ Insbesondere in der Defensive „stimmt die Balance noch nicht.“ Fünf Abwehrspieler haben den VfL verlassen, nur zwei sind neu dazugekommen. Weitere Neuzugänge könnte es geben, wenn Kaderplätze frei werden. Jacek Goralski, Jordi Osei-Tutu und Moritz Römling stehen auf der Streichliste, Gerrit Holtmann will bekanntlich ebenfalls weg.

Viele Veränderungen im Trainerteam

Verändert hat sich zur neuen Saison außerdem das Trainerteam. Neu dabei sind Co-Trainer Markus Feldhoff, Athletiktrainer Klaus Luisser, Rehacoach Björn Kadlubowski sowie Videoanalyst Robin Mehring. Feldhoff springt für VfL-Urgestein Frank Heinemann ein, der kürzertreten möchte; Luisser, den Letsch noch aus Salzburg kennt, übernimmt den Job von Lucas Kern, der den VfL verlässt. Kadlubowski ersetzt Marius Kirmse, der sich von nun an für alle Mannschaften des VfL dem Thema Ernährung widmen wird. Mehring kommt als zweiter Videoanalyst neu dazu.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Kommentar

Der Hype ums neue VfL-Trikot: Es geht auch anders

Mit großem Aufwand hat der VfL Bochum auch in diesem Jahr seine Trikotpräsentation geplant. Spieler der Profimannschaft, der Frauen und aus dem Nachwuchs wurden für Aufnahmen im Stadion versammelt, Fotos geschossen, Videos gedreht und geschnitten, eine Marketing-Kampagne aufgesetzt. Alles war geplant, alles war vorbereitet. Doch dann platzte ausgerechnet Ausrüster Mizuno dazwischen und veröffentlichte am Dienstagvormittag noch vor dem Verein ein Foto der neuen Trikots. Für Außenstehende durchaus amüsant, für die engagierten Mitarbeiter beim VfL sicher nicht.

Kreatives Marketing

Wie auch immer: Der Hype um die Trikots nimmt im modernen Fußball allmählich fragwürdige Ausmaße an, da ist der VfL ausnahmsweise nicht anders als seine Mitbewerber. Es beginnt schon mit der Sprache. Der VfL nennt sein Heimtrikot abermals „Flutlichtblau“, dabei hat der Duden bereits ein passenderes Wort für die Farbe gefunden: dunkelblau. In dieses Trikot sind außerdem Diagonalstreifen integriert. Standen sie vor drei Jahren noch für die „Verlängerung der Lichtstrahlen“ eben jener Flutlichtmasten, laufen die Linien nun „Richtung Stadion zusammen“ und „markieren den Weg zum Ziel“. Nun ja, wir wissen alle: Beide Geschichten sind konstruiert, kein normaler Fan denkt bei Diagonalstreifen auf einem Trikot an eine asphaltierte Straße.

Aber Marketing bedeutet eben auch, kreativ zu werden. Schließlich geht es darum, die Trikots zu verkaufen, Gewinne zu erzielen. Darauf ist der Klub angewiesen. Der VfL macht ein Angebot und die Kunden können entscheiden. Die Bilanz der vergangenen Saison ist beeindruckend: 25.000 Stück wurden verkauft, rund 60 Prozent davon in dunkelblau – pardon: Flutlichtblau – die meisten mit dem Flock von Anthony Losilla, gefolgt von Simon Zoller und Takuma Asano. Dabei verlangt der VfL mittlerweile einen stolzen Preis, trotz mäßiger Produktqualität. Wer sich das Trikot mit einem Spielernamen gönnen möchte, zahlt ohne Vergünstigung knapp 97 Euro. Bei elf Bundesligisten sind sogar mehr als 100 Euro fällig. Wer auf eine Beflockung verzichtet sowie Mitglied oder Besitzer einer Dauerkarte ist, kann den Preis in Bochum auf rund 72 Euro drücken. Kindershirts sind im günstigen Fall für unter 50 Euro zu haben.

Brentford als Vorbild?

Die Gewinnmargen sind trotzdem hoch, die Klubs im Allgemeinen nutzen die Gutmütigkeit ihrer Anhänger auch ein wenig aus. Branchenkenner berichten, dass der Wareneinsatz höchstens bei der Hälfte des späteren Verkaufspreises liegt, die Sponsoringeinnahmen des Ausrüsters noch nicht einberechnet. Immerhin: Alle Trikots beim VfL werden mittlerweile aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Das ist lobens- und erwähnenswert im Sinne der Nachhaltigkeit. Doch braucht es wirklich jedes Jahr ein neues Heim-, Auswärts- und Ausweichtrikot, und vielleicht noch ein Sondertrikot? Es geht auch anders. Der FC Brentford geht diesen Weg bereits. Der Premier-League-Klub trug seine Spielkleidung zuletzt zwei Jahre hintereinander. Das hehre Ziel: Auf Verschwendung und übermäßigen Konsum aufmerksam zu machen. Fans sollen nicht das Gefühl haben, jedes Jahr ein neues Trikot kaufen zu ‚müssen‘. Ja, Brentford ist nicht Bochum, die haben Geld im Überfluss. Dennoch: Auch für die Bundesliga, die Nachhaltigkeit predigt, wäre das ein spannendes Modell.


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(Foto: VfL Bochum 1848)

Anspruchsvoller und attraktiver

Letsch forciert den Kaderumbau: VfL will anderen Fußball bieten

Für den sonst so diplomatisch-abwägenden Trainer war es eine ungewohnt deutliche Aussage. Bereits vor dem Spiel in Mönchengladbach Anfang Mai hatte Thomas Letsch für die Sommerpause einen Kaderumbau angekündigt. „Bei mir wird es kein ‚Weiter‘ so geben. Das ist der komplett falsche Ansatz. Wenn uns der Klassenerhalt gelingt, dann möchte ich Dinge verändern, die Mannschaft und die Spielweise weiterentwickeln. Es ist kein Geheimnis, dass im Kader etwas passieren wird“, sagte der Fußballlehrer im Interview mit der Rheinischen Post.

Einfluss auf die Transfers

Auf diese Ankündigung folgen nun Taten. Die bisherigen Transfers – neun Abgänge und sechs Neuverpflichtungen – erfolgten alle im Sinne des Trainers. Zum ersten Mal hat Thomas Letsch im großen Stile Einfluss auf die Gestaltung seiner Mannschaft. Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr war Letsch knapp einen Monat nach Beendigung der Sommertransferperiode nach Bochum gekommen. Den Kader hatten noch Thomas Reis und Manager Sebastian Schindzielorz zusammengestellt. Beide haben den Verein im Spätsommer verlassen.

Nun verantwortet Marc Lettau die Transferpolitik, der den erkrankten Patrick Fabian vertritt. Doch immer dann, wenn der Kaderplaner potenzielle Neuzugänge empfängt, sitzt auch der Cheftrainer mit am (virtuellen) Tisch. Ungewöhnlich ist das in der Fußballbranche freilich nicht. Vielen Spielern ist es wichtiger, wer ihr künftiger Trainer ist und nicht wer das Amt des Sportchefs bekleidet. Erwähnenswert ist es trotzdem, denn gegenüber Tief im Westen – Das VfL-Magazin lobten zuletzt gleich mehrere Spielerberater die Überzeugungskraft des Bochumer Trainers.

Systemumstellung angedacht

Wobei diese Qualität kaum überrascht: Zum einen, weil es Thomas Letsch aus seiner Zeit im RB-Kosmos gewohnt ist, auch Vertragsgespräche zu führen, zum anderen, weil er generell nicht auf den Mund gefallen ist. Letsch ist kommunikativ und überaus eloquent. Er strahlt Ruhe aus und reagiert besonnen auf unerwartete Entwicklungen, spricht – wenn nötig – aber auch Klartext, vorzugsweise hinter verschlossenen Türen. Die anfängliche Distanz hat der Schwabe längst abgebaut, was er nicht zuletzt bei den Feierlichkeiten Ende Mai bewiesen hat.

Ein Mitglied der Bochumer Vereinsführung sprachlich neulich zudem vom „pädagogischen Geschick“ des 54-Jährigen im Umgang mit den Spielern. Das wird er auch in der neuen Saison brauchen. Letsch wird den Kaderumbau, der mit einer Systemumstellung einhergehen soll, moderieren müssen. Er möchte neben der gewohnten Viererkette in der Abwehr auch eine Dreierkette einstudieren. „Die Vorbereitung auf eine neue Saison ist der optimale Zeitpunkt, um grundlegende Änderungen anzugehen“, schrieb Marc Lettau jüngst in einem Newsletter an die Fans.

Fokus auf mehr Ballbesitz

Der Bochumer Fußball soll anspruchsvoller und damit auch attraktiver werden. „Unser Spielansatz war nicht sonderlich komplex und die gegnerischen Mannschaften haben sich mit zunehmenden Saisonverlauf immer besser auf unser Spiel eingestellt“, sagt Lettau im Rückblick auf die vergangene Saison, als der VfL vor allem auf Balleroberungen gesetzt hat. „In Zukunft werden wir variabler und flexibler auf verschiedene Spielsituationen und Spielstände reagieren können.“ Insbesondere im Ballbesitz soll und will sich der VfL weiterentwickeln.

Versuche, bereits während der vergangenen Saison größere Elemente des Letsch-Fußballs zu integrieren, waren gescheitert. Letsch hatte etwa direkt nach seiner Amtsübernahme versucht, auf eine Dreierkette umzustellen, doch die Mannschaft kam mit dieser Variante nicht zurecht. Nun wagt der Trainer einen neuen Anlauf. „Natürlich geht das auch mit personellen Änderungen einher. Deshalb werden wir die Transferperiode nutzen, den Kader gezielt auf die neuen Anforderungen auszurichten“, betont Lettau. Die ersten sechs Neuzugänge sind ein Beleg dafür.

VfL-Tugenden sollen bleiben

Mit Felix Passlack kommt beispielsweise ein klassischer Schienenspieler nach Bochum, der die rechte Seite sowohl in einer Dreier- als auch in einer Viererkette bespielen kann. Moritz Kwarteng und Lukas Daschner sind in der Offensive flexibel einsetzbar; Kwarteng praktisch überall, Daschner vor allem im Zentrum. Mit Matus Bero haben Letsch und Lettau zudem einen Profi verpflichtet, der die Spielweise seines Trainers bereits aus der gemeinsamen Zeit in Arnheim kennt. Darüber hinaus haben sie sehr auf die Charakterzüge der Spieler geachtet.

Vor allem Passlack und Bero gelten als besonders einsatzfreudig, aber auch Noah Loosli, dem neuen Innenverteidiger, eilt in dieser Hinsicht ein guter Ruf voraus. „Kampfgeist, Intensität und Einsatzbereitschaft gehören fest zur DNA des VfL-Fußballs. Daran wird sich nichts ändern, auch wenn wir die Kaderqualität steigern wollen“, verspricht Lettau, der damit natürlich auch Erwartungen weckt. In der sogenannten Letsch-Tabelle ist der VfL zuletzt auf Platz zehn gelandet – obwohl der Trainer auf einfachen Fußball gesetzt hat und den Kader noch gar nicht mitgestalten konnte.


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(Foto: Imago)

Spielplan und weitere Termine

Schwerer VfL-Start: Revierderby und Besuch auf der Wiesn

Außenstehende werden den Hype um den Bundesliga-Spielplan wahrscheinlich kaum nachvollziehen können. Denn schon vor der Veröffentlichung am Freitag war ja klar: Der VfL Bochum muss 34 Spiele absolvieren und gegen jede Mannschaft zweimal antreten, einmal zu Hause und einmal auswärts. Echte Fußballfans denken natürlich anders. 34 Wochenenden zwischen August 2023 und Mai 2024 werden vom Spielplan entscheidend beeinflusst, die DFL gibt das Programm vor.

Erstes Heimspiel ein Derby

Eine undichte Stelle beim Ligaverband hatte dafür gesorgt, dass die Pläne am Freitag bereits einige Stunden vor der geplanten Präsentation online einsehbar waren. Und bereits am Donnerstag kursierten Teile des Spielplans in den sozialen Netzwerken. Schon da war klar: Der VfL Bochum startet mit einem Auswärtsspiel in seine insgesamt 37. Bundesliga-Saison. Der Revierklub gastiert am 19. oder 20. August beim VfB Stuttgart. Es folgt das Derby gegen Dortmund im eigenen Stadion.

Das Startprogramm hat es durchaus in sich: Auf die Top drei der Liga – Dortmund, Bayern (5. Spiel) und Leipzig (7. Spiel) – trifft der VfL relativ früh. Zudem finden fünf der ersten acht Partien auswärts statt. Das Team von Trainer Thomas Letsch kann im Vergleich zur vergangenen Saison aber eigentlich nur gewinnen. Zur Erinnerung: Da gab es aus den ersten acht Begegnungen nur einen Punkt. Und: Das letzte Auftaktspiel, das der VfL Bochum gewonnen hat, liegt schon sechs Jahre zurück.

230 Auswärtsdauerkarten

Für den bislang letzten Sieg in Stuttgart müssen sogar Historiker bemüht werden. 1987 gewann der VfL zuletzt beim VfB, da spielte sogar noch Ata Lameck. Die Besitzer der Bochumer Auswärtsdauerkarte glauben in jedem Fall an einen Erfolg. Rund 230 Anhänger haben ihre Zusage bereits gegeben, 60 mehr als in der vergangenen Saison. Weit mehr als 10.000 Reisekilometer werden sie in der neuen Saison zurücklegen müssen, um alle Spiele zu sehen, meistens geht es Richtung Süden, vor allem in der Hinrunde.

Vier Partien bis zur kurzen Winterpause finden in Baden-Württemberg statt, zwei in Bayern. Die kürzeren Fahrten folgen zumeist erst in der Rückrunde. Zwiegespalten sind viele VfL-Fans bei der Ansetzung für den fünften Spieltag. Dann geht es zum FC Bayern – vor allem wegen der Fanfreundschaft eine beliebte Fahrt für tausende Bochumer. Das Besondere: In dieser Zeit steigt in München das Oktoberfest, die Wiesn. Problematisch aber: Viele Hotels sind schon ausgebucht oder verlangen horrende Preise.

Genaue Termine folgen

Wann genau der VfL beim Rekordmeister spielt, steht ohnehin noch nicht fest. Die termingenauen Ansetzungen für die ersten acht Spiele folgen erst in zwei Wochen. Nur eine Anstoßzeit steht schon sicher fest: Der 34. und damit letzte Spieltag findet am 18. Mai in Bremen statt. Das letzte Spiel im Kalenderjahr 2023 steigt übrigens in Leverkusen und ist das einzige, das unter der Woche stattfindet. Ab 2025 will die DFL die Englischen Wochen komplett streichen, dafür aber die Winterpause weiter verkürzen.

Dann nämlich wird es einen neuen TV-Vertrag geben. Die Ausschreibung beginnt noch in diesem Jahr. Bis dahin wird sich kaum etwas ändern. Wer die Auswärtsspiele des VfL lieber auf der eigenen Couch verfolgen möchte, benötigt weiterhin zwei Sender: Die jeweils kostenpflichtigen Angebote von Sky und DAZN. Auch das könnte sich in zwei Jahren ändern. Künftig möchte die DFL die Live-Übertragungsrechte wieder an nur einen Sender verkaufen, sofern das Kartellamt keine Einwände hat.

Trainingsstart am 5. Juli

Deutlich einfacher bleibt es im DFB-Pokal. Alle Spiele laufen bis mindestens 2025 live auf Sky, unter anderem das Duell gegen Arminia Bielefeld am 12. August. Es ist Bochums erstes Pflichtspiel in der neuen Saison. Vorher sind insgesamt sechs Testspiele geplant, allerdings nur eines davon in Bochum: Am 5. August im Rahmen der Saisoneröffnung. Der Gegner steht noch nicht fest. Ansonsten steht der Vorbereitungsplan bereits. Los geht es am kommenden Mittwoch (5.7., 10.30 Uhr) mit dem ersten Training.

Es folgt ein Testspiel gegen den Oberligisten Kickers Emden (11.7.) in Gevelsberg sowie Gastauftritte beim Drittligisten SC Verl (16.7., ohne Zuschauer) sowie beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf (21.7.). Anschließend geht es ins Trainingslager nach Südtirol. Dort trifft der VfL auf den italienischen Erstligisten Spezia Calcio (26.7.) und den Zweitligisten Parma Calcio (29.7.). Alle Testspiele will der VfL kostenfrei übertragen. Gespielt wird dann auch in den neuen Trikots, die Anfang Juli vorgestellt werden.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Ziele und Investitionen

Frauenfußball-Offensive: Bochum will in die Bundesliga

Die Schlagzeile war reißerisch, aber inhaltlich nicht ganz falsch. „Bochum schafft die Frauen ab“, titelte im Herbst 2014 eine große Boulevardzeitung. Kurz zuvor hatte der VfL verkündet, dass die vereinseigene Frauen- und Mädchenabteilung aus Kostengründen geschlossen werden soll. Es ging um einen niedrigen sechsstelligen Betrag. Den konnte oder wollte sich der damals wirtschaftlich schwer angeschlagene Zweitligisten nicht weiter leisten. Erst auf Druck der Öffentlichkeit und der eigenen Mitgliedern fand der VfL eine Lösung und führte die Abteilung in einer Sparversion fort.

Vision Frauenfußball

Das aber ist Vergangenheit. Heute, knapp neun Jahre später, kündigt der finanziell gesunde VfL Bochum Investitionen in den Frauenfußball an. In einem sogenannten Stakeholder-Call, den die Vereinsführung regelmäßig für Sponsoren, Journalisten oder die lokale Politik anbietet, ließ Geschäftsführer Ilja Kaenzig die Katze aus dem Sack. Auch mit seiner Frauen-Mannschaft möchte der Klub perspektivisch dort landen, wo die Männer bereits angekommen sind: in der Bundesliga. Wobei der VfL seine „Vision Frauenfußball“ ähnlich umsetzen will wie viele andere Projekte: Zwar mit Ehrgeiz, aber auch mit Geduld und einem realistischen Zeitplan.

Bislang stehen lediglich die Eckpunkte fest, genauere Informationen dürften spätestens in der kommenden Mitgliederversammlung folgen. Die Absichtserklärung ist aber längst formuliert. „Nicht nur sportlich, auch gesellschaftlich haben wir den Antrieb, uns dem Thema zu widmen“, heißt es von Vereinsseite. Auch die Finanzierung sei möglich und realistisch. Unternehmen hätten heute größeres Interesse als damals. Der VfL, dessen höchste Frauen-Mannschaft aktuell in der drittklassigen Regionalliga spielt, plant zunächst mit Kosten im mittleren sechsstelligen Bereich. In der Bundesliga kalkulieren die Bochumer mit dem doppelten Aufwand. Zum Vergleich: Der Etat für die Männer-Mannschaft liegt bei mindestens 40 Millionen Euro.

Einen Teil zur Finanzierung des Frauenfußballs sollen auch die Fans beitragen. Der VfL orientiert sich dabei an seinen potenziellen Mitbewerbern. Der Zuschauerschnitt in der Frauen-Bundesliga lag in der vergangenen Saison bei rund 2.700 Besucherinnen und Besuchern pro Partie, Tendenz stark steigend. Immer wieder füllten die Fans sogar große Arenen. Der Bochumer Rekord bei den Frauen liegt bei knapp 1.400, aufgestellt im September 2022, als das Pokalduell gegen Meppen ins Ruhrstadion verlegt wurde. In der Liga sind es dagegen allenfalls 100 Zuschauer im Schnitt. Allerdings hat der Verein seine Frauenabteilung bislang eher stiefmütterlich behandelt, ihr auch in der Öffentlichkeit nur wenig Beachtung geschenkt. Das soll sich nun ändern.

Konkurrenz im Ruhrgebiet

Der VfL sucht nicht nur einen eigenen Sportlichen Leiter (oder eine Leiterin!), sondern auch Verstärkung für andere Bereiche. Externe Hilfe gibt es ebenfalls: Der VfL hat einen Kooperationsvertrag mit der Initiative „Fußball kann mehr“ geschlossen, in der sich prominente Persönlichkeiten wie Nationaltorhüterin Almuth Schult, aber auch der ehemalige VfL-Profi Andreas Luthe mit ihrer Expertise engagieren. Der VfL möchte damit insbesondere auch den beiden Reviernachbarn zuvorkommen. Schalke 04 und Borussia Dortmund wollen den Frauenfußball zwar ebenfalls stärken, spielen aber zurzeit noch in unteren Ligen. Mit der SGS Essen sowie dem MSV Duisburg gibt es bereits zwei Bundesligisten aus der Region. Wobei ihre Zukunft ungewiss ist: Finanzstarke Klubs, die sich bereits im Männerfußball einen Namen gemacht haben, wollen jetzt auch bei den Frauen mitmischen. Deutschlandweit. In der Saison 2023/24 stellen neun Vereine sowohl einen Erstligisten bei den Männern als auch bei den Frauen.

Die Konkurrenz ist also namhaft, und einige Hürden stehen noch im Weg. Das Bochumer Problem: Es fehlen zusätzliche Trainingsmöglichkeiten. Die Kapazitäten auf dem Gelände an der Castroper Straße sind größtenteils erschöpft, am Nachwuchsleistungszentrum an der Hiltroper Straße ebenso. Auch die Stadionfrage müsste geklärt werden. In höheren Ligen würde der VfL sehr wahrscheinlich auf das Lohrheidestadion in Wattenscheid ausweichen. Die Spielstätte wird gerade für mindestens 55 Millionen Euro saniert, vorrangig für Leichtathletik. Aber das Stadion mit mehr als 16.000 überdachten Plätzen soll auch anderen Vereinen eine Heimat bieten. Eine dauerhafte Doppelbelegung des Bochumer Ruhrstadions kommt nicht infrage. Allenfalls bei Topspielen könnten die Frauen ins Wohnzimmer ausweichen. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Zunächst einmal müssen die Frauen den Weg aus der Regionalliga in die 2. Bundesliga schaffen. Im Idealfall schon in der neuen Saison.


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(Foto: Imago / Eibner)

Moritz Kwarteng

Teuerster VfL-Transfer seit 15 Jahren weckt Erwartungen

Auf die Ankündigung folgen Taten. Ilja Kaenzig, der Sprecher der Bochumer Geschäftsführung, sprach nach dem erneuten Ligaerhalt von einem sportlichen Meilenstein und einem finanziellen Quantensprung. Der VfL könne bei Transfers nun in ein höheres Regal greifen. Das ist nun geschehen. Die Bochumer präsentierten am Donnerstag ihren fünften Neuzugang für die kommende Saison – es ist der teuerste seit 15 Jahren, als der VfL für Christian Fuchs, Paul Freier, Mimoun Azaouagh und Daniel Marcio Fernandes jeweils rund eine Million Euro als Ablöse in die Hand genommen hat. Auch seinerzeit ging der VfL in sein drittes Bundesliga-Jahr.

Diesem Quartett folgt nun Moritz Kwarteng. Die Ablöse für den Offensivallrounder liegt ebenfalls bei rund einer Million Euro. Der 25-Jährige hat einen Vierjahresvertrag bis 2027 unterzeichnet, das Gesamtvolumen mit Gehalt und Beraterboni liegt also im mittleren siebenstelligen Bereich. Das ist für Bochumer Verhältnisse eine Ansage – und weckt naturgemäß Erwartungen. „Mit Moritz Kwarteng haben wir uns schon seit längerem intensiv beschäftigt, insofern ist es umso schöner, dass der Transfer nun vollzogen werden konnte“, sagt Marc Lettau, Interims-Sportchef des VfL. Heißt übersetzt: Kwarteng ist ein Wunschspieler der sportlichen Leitung.

Spätstarter Kwarteng

Der gebürtige Stuttgarter, für den sich auch andere Bundesligisten sowie Klubs aus dem Ausland interessiert haben, ging zuletzt für den 1. FC Magdeburg auf Torejagd und entwickelte sich beim Zweitligisten zur prägenden Figur. Zehn Treffer und drei Vorlagen erzielte er in der zurückliegenden Spielzeit. Die Bochumer müssen von seinen Qualitäten ziemlich überzeugt sein, denn es war Kwartengs erste erfolgreiche Saison im Profifußball. Nach seiner Jugendzeit in Stuttgart, Leipzig und Hoffenheim mit namhaften Trainern wie Julian Nagelsmann oder Domenico Tedesco, schaffte Bochums Neuer zunächst nicht den Sprung nach ganz oben.

Über die Regionalliga-Mannschaft des HSV kam er zu Beginn nicht hinaus, keiner der zahlreichen Profi-Trainer setzte ihn ein, lediglich Interimstrainer Horst Hrubesch machte eine Ausnahme. Anschließend, zwischen Sommer 2021 und Anfang 2022, war Kwarteng sogar vereinslos. Doch in Magdeburg unter seinem früheren Förderer Christian Titz blühte er plötzlich auf. Nun muss Kwarteng beweisen, dass er auch in einem anderen Umfeld und in einer höheren Liga bestehen kann. Das Preisschild wird er vorerst mit sich herumtragen, so viel ist gewiss. Er muss beweisen, dass er nicht nur teurer als seine Teamkollegen ist, sondern auch sportlich besser.

Bero soll schnell folgen

Marc Lettau ist davon offensichtlich überzeugt. „Momo ist ein Spieler, der in der abgelaufenen Saison eine enorme Entwicklung genommen und vom Profil her ideal zum Castroper Straßenfußball passt“, sagt der verantwortliche Kaderplaner, dessen Neuzugänge bislang alle zwischen 24 und 26 Jahre alt sind und das Durchschnittsalter somit senken. Kwarteng ist im offensiven Mittelfeld flexibel einsetzbar, dribbelstark und trotz seiner geringen Körpergröße relativ robust, dazu schnell und torgefährlich – vor allem Letzteres hat in der vergangenen Saison oftmals gefehlt, als keinem einzigen Mittelfeldspieler mehr als fünf Tore gelangen.

Das Bochumer Mittelfeld wird in diesem Sommer ohnehin gestärkt, was die Bemühungen um Matus Bero zusätzlich belegen. Tief im Westen – Das VfL-Magazin hatte am Montagabend zunächst exklusiv über den bevorstehenden Transfer berichtet, der in Kürze offiziell bestätigt wird. Trainer Thomas Letsch kennt den slowakischen Nationalspieler noch aus Arnheim, machte ihn dort zum Kapitän und war sein Denker und Lenker im Zentrum. Bero ist ein Box-to-Box-Spieler mit hoher Ballsicherheit, guter Technik und reichlich Spielintelligenz. Er gilt als zuverlässig und laufstark mit großer Ausdauer, auch seine Grundschnelligkeit ist ordentlich.

Weitere Zu- und Abgänge

Mit dieser Vertragsunterschrift wären die Bochumer Kaderplanungen aber noch längst nicht abgeschlossen. Für die Innenverteidigung soll noch mindestens ein Linksfuß verpflichtet werden, Maxim Leitsch und Keven Schlotterbeck stehen auf der Wunschliste weiterhin ganz weit oben. Auch ein linker Schienenspieler würde dem Kader noch guttun; vielleicht auch ein klassischer Sechser, der perspektivisch die Nachfolge von Anthony Losilla antreten könnte, wobei das Mittelfeldzentrum nominell schon stark besetzt ist. Auch im Angriff schaut sich der VfL weiter um, nachdem der geplante Transfer von Wunschspieler Sven Michel geplatzt ist.

Im Gegenzug soll und muss es auch noch Abgänge geben, schließlich umfasst der Kader aktuell bereits 30 Akteure, inklusive der fünf Neuen, der fünf Leihrückkehrer und zwei Nachwuchsspielern mit Profivertrag. Auf der Streichliste stehen mit Jacek Goralski und Lys Mousset zwei Transferflops aus dem vergangenen Sommer, mit Moritz Römling ein Eigengewächs ohne Perspektive, sowie Jordi Osei-Tutu, dem die Bochumer einen Wechsel nahegelegt haben. Auch Gerrit Holtmann will noch weg. Unklar ist, wie es mit Jannes Horn, Tim Oermann und Luis Hartwig weitergeht. Sie sollen sich in der Saisonvorbereitung zunächst sportlich beweisen dürfen.


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(Foto: VfL Bochum 1848)

Dauerkarten, Mitglieder, Trikots

Rekorde: VfL boomt und steht vor neuen Herausforderungen

Es gibt viele Belege dafür, dass die Fußball-Euphorie in Bochum so groß ist wie lange nicht mehr. Selbst Tief im Westen – Das VfL-Magazin profitiert davon. Die Zahl der Unterstützer ist seit dem erneuten Klassenerhalt sprunghaft auf weit mehr als 400 gestiegen – dafür ganz herzlichen Dank. 

Auch in der Geschäftsstelle des VfL Bochum ist an kollektiven Sommerurlaub nicht zu denken, im Gegenteil: Der Bundesligist boomt und schreibt Rekordzahlen in allen Bereichen. Ein Beispiel: Rund 25.000 Trikots hat der VfL in dieser Saison verkauft – so viele wie noch nie. Nach dem umjubelten Sieg gegen Leverkusen samt Ligaverbleib war die Nachfrage besonders groß. Die Folge: Der Online-Shop war überlastet und hat mehr Bestellungen angenommen als noch Ware im Lager bereitstand. 

Rasant gestiegene Nachfrage

Waren Trikots oder auch Tickets in den elf Zweitligajahren mitunter Ladenhüter und wurden mit Aktionspreisen unter die Leute gebracht, muss der VfL jetzt teilweise schauen, wie er die rasant gestiegene Nachfrage bewältigen kann. Bei den Trikots ist das deutlich einfacher als bei den Tickets. Klar ist: Die Herausforderung, dass mehr Menschen ins Stadion wollen als Karten zur Verfügung stehen, lässt sich nicht ohne Enttäuschungen bewältigen. 

Erstmals in mehr als 40 Jahren ist das Ruhrstadion zu klein. 23.400 Plätze stehen im Heimbereich und in den neutralen Zonen zur Verfügung. Der Gästeblock umfasst zehn Prozent der Stadionkapazität, das ist ligaweit vorgeschrieben. Mehrfach hat der VfL geprüft, ob der Bereich verkleinert werden könnte, wenn der Gegner Teile seines Kartenkontigent zurückgibt. Das aber sei baulich nicht möglich, erklärt VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig auf Nachfrage von Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Diese Idee sei schon mehrfach geprüft worden. 

Keine zusätzlichen Dauerkarten

Der VfL plant zur neuen Saison mit ungefähr 17.500 Dauerkarten und etwas weniger als 6.000 Tageskarten. Nur wenige Fans haben ihre Dauerkarte gekündigt, die Zahl liegt im dreistelligen Bereich. Die Nachfrage nach neuen Saisontickets ist dagegen um ein Vielfaches größer. Weil es kaum einen fairen Mechanismus bei der Verteilung der wenigen Stammplätze gegeben hätte, verzichtet der VfL darauf, die gekündigten Dauerkarten neu zu vergeben. Künftig eine Warteliste einführen, ist ein Teil der Überlegungen – aber auch hierfür müsste der VfL eine Lösung finden, wer dann zuerst einen Platz erhalten würde.

Denn neben den Stammbesuchern sollen auch künftig alle anderen Fans und Sympathisanten die Chance erhalten, in Bochum Bundesliga-Fußball live zu erleben. Zumal die Vereinsmitglieder, die qua Satzung ein Vorkaufsrecht genießen, ebenfalls immer mehr werden. Der VfL steuert auch hier auf die Marke von 25.000 zu, die schon in Kürze erreicht werden dürfte. Wöchentlich kommen Dutzende Neu-Mitglieder dazu – sicher auch, weil es ohne Mitgliedschaft praktisch gar keine Chance mehr auf Tageskarten geben dürfte. 

Service-Center kümmert sich

Mit der rasant gestiegenen Mitgliederzahl – 2017 waren es noch 10.000 – gehen natürlich weitere Herausforderungen einher. Die Frage ist: Geht es den meisten nur um ein Vorkaufsrecht, oder auch darum, aktiv am Vereinsleben zu partizipieren? Wie auch immer: Der Alltag in der Geschäftsstelle hat sich massiv verändert. Weil den VfL an manchen Tagen hunderte Anfragen erreichen, wurde mittlerweile ein eigenes Service-Center aufgebaut. Mehrere Mitarbeiter kümmern sich schriftlich, telefonisch oder auch persönlich um die Wünsche der Fans. Nur bei den Dauerkarten müssen sie gerade viele enttäuschen.


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(Foto: Marc Niemeyer)