Weitere Abgänge

Trotz Vertrag ohne Perspektive: Fünf VfL-Profis auf Vereinssuche

Ein Jahr ist es erst her, da saß Gerrit Holtmann auf der Haupttribüne des Bochumer Ruhrstadions und sprach nach einer Trainingseinheit über seine sportliche Zukunft. Sein Motto damals: verlängern oder verkaufen. Wenige Wochen später unterschrieb er beim VfL einen neuen Vertrag. Der Flügelflitzer war nach einer starken Saison mit mehreren Traumtoren zum Publikumsliebling aufgestiegen. Rückblickend war es schon der Höhepunkt seiner Schaffenszeit in Bochum. Nach einer für ihn enttäuschenden Saison 2022/23 und insgesamt drei Jahren im Trikot des VfL möchte der 28-Jährige in diesem Sommer weiterziehen – am liebsten nach Amerika, wo er bereits seinen Urlaub verbringt.

Von seinem ungewöhnlichen Karriereplan hatte Holtmann interessanterweise bereits im Mai 2022 erzählt, als er im leeren Bochumer Ruhrstadion ins Plaudern kam. „Mein Traum ist es, einmal in der Major League Soccer in den USA zu spielen“, sagte er im Gespräch im Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Wobei der schnelle Außenbahnspieler einen Verein finden muss, der bereit ist, ihn aus seinem bis 2025 laufenden Vertrag herauszukaufen. Realistisch ist eine Ablöse zwischen 2 und 2,5 Millionen Euro. Anderenfalls wird Holtmann in Bochum bleiben müssen – was Trainer Thomas Letsch und Interims-Sportchef Marc Lettau aus sportlicher Sicht sogar begrüßen würden. Der Wechselwunsch geht klar vom Spieler aus, nicht von der sportlichen Leitung.

Auch Osei-Tutu schaut sich um

Anders ist der Fall bei Jordi Osei-Tutu gelagert. Hier streben beide Seiten eine Veränderung an, trotz der angedachten Systemumstellung, die dem Spieler entgegenkommen könnte. „Wir sind von Vereinsseite gewillt, Jordi Osei-Tutu zu transferieren, das haben wir dem Spieler auch frühzeitig mitgeteilt“, sagte Marc Lettau der WAZ. „Gemeinsam mit seinen Beratern, die gerade intensiv den Markt sondieren, arbeiten wir an einer Lösung.“ Der junge Engländer, der erst im vergangenen Sommer nach Bochum zurückgekehrt war, möchte die Zusammenarbeit ebenfalls beenden. Osei-Tutu ist unzufrieden mit seiner sportlichen Situation. Unter Trainer Thomas Letsch gehörte der 24-Jährige vereinzelt zur Bochumer Startelf, konnte sich aber nicht für regelmäßige Einsätze empfehlen. Zuletzt saß er nur noch auf der Tribüne.

Wie bei Holtmann läuft sein Vertrag in Bochum aber noch bis 2025. Der neue Verein von Osei-Tutu müsste also Geld auf den Tisch legen. Auch eine Leihe ist denkbar. Sollten beide Transfers über die Bühne gehen, würde der VfL zwei seiner schnellsten Spieler verlieren, aber auch Transfererlöse erzielen, die er theoretisch reinvestieren könnte. Handlungsbedarf gibt es noch in allen Mannschaftsteilen – auch deshalb, weil bereits sieben Abgänge feststehen. Konstantinos Stafylidis, Dominique Heintz, Saidy Janko, Pierre Kunde, Vasilios Lampropoulos, Silvere Ganvoula und Marko Johansson sind bereits weg, weitere Spieler werden folgen. Gehen darf unter anderem Jacek Goralski. Der polnische Nationalspieler gilt als Transferflop aus dem vergangenen Sommer, hat sich beim VfL zu keinem Zeitpunkt durchsetzen können und wurde bereits im Mai zur Vereinssuche vom Mannschaftstraining freigestellt. Sein Vertrag läuft ebenso noch bis 2024 wie der von Lys Mousset. 

Die Perspektive der fünf Leihspieler

Der Problemprofi kehrt aus Frankreich zurück, die Leihe mit Nimes Olympique führt nicht zu einer dauerhaften Verpflichtung – zum einen, weil sein Klub in die dritte Liga abgestiegen ist, zum anderen, weil sich Mousset schwer verletzt hat und mit einem Achillessehnenriss monatelang keinen Fußball spielen kann. Das wiederum dürfte die ohnehin schon komplizierte Vereinssuche weiter erschweren. Zuversichtlich sind die Verantwortlichen dagegen, dass sie eine Lösung für die anderen vier Leihspieler finden. Jannes Horn, Luis Hartwig und vor allem Tim Oermann sollen in der Vorbereitung zunächst eine neue Chance erhalten sollen, bleiben aber ebenfalls Kandidaten für einen Abgang. Der 1. FC Nürnberg würde Horn gerne fest verpflichten, bei Oermann ist ein weiteres Leihgeschäft denkbar. Moritz Römling weiß hingegen bereits, dass seine Zukunft nicht mehr in Bochum liegen wird. Der Linksverteidiger hat sich beim Drittligisten Rot-Weiss Essen nicht durchsetzen können und befindet sich auf Vereinssuche. 


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(Foto Marc Niemeyer)

Ex-Bochumer

Hoffnung auf Rückkehr: Leitsch darf Mainz verlassen

Auch in diesem Sommer wird in Fankreisen eifrig über die künftige Besetzung der Bochumer Innenverteidigung diskutiert. Bleibt Ivan Ordets beim VfL? Gelingt es, Keven Schlotterbeck zu halten? Und was passiert ansonsten auf dieser wichtigen Position? Dominique Heintz und Vasilios Lampropoulos haben den Verein bekanntlich verlassen. Noah Loosli kommt neu dazu, Tim Oermann kehrt zurück. Ordets liegt längst ein Angebot vor, eine Entscheidung aber noch nicht. Auch Schlotterbeck würden die Verantwortlichen gerne halten, doch in diesem Fall müssten sie nicht nur mit dem Spieler einigen, sondern auch mit dem SC Freiburg. Eine schnelle Lösung ist aktuell nicht in Sicht.

Leitsch ist in Mainz unglücklich

Logisch also, dass Marc Lettau und seine Kollegen Alternativen prüfen. Namen sind bislang noch keine durchgesickert, der VfL ist um Diskretion bemüht. Es liegt aber auf der Hand, dass auch Maxim Leitsch wieder ein Thema werden dürfte. Der FSV Mainz 05 ist nach übereinstimmenden Berichten der örtlichen Medien bereit, den Innenverteidiger wieder ziehen zu lassen. Der 25-Jährige war erst im vergangenen Sommer nach Rheinhessen gewechselt, ist dort aber von Anfang an nicht glücklich geworden. Die Signale aus seinem Umfeld sind nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin eindeutig: Leitsch strebt einen Wechsel an. Am liebsten zurück ins heimische Revier.

Bereits im Winter gab es Überlegungen, den schnellen Linksfuß an die Castroper Straße zurückzuholen. Doch die Mainzer wollten Leitsch noch nicht ziehen lassen. Leitsch hatte sich zu Saisonbeginn zunächst einen Stammplatz erkämpft, verlor diesen nach schwachen Leistungen aber wieder und fiel anschließend aufgrund körperlicher und mentaler Erschöpfungserscheinungen länger aus. In der Rückrunde feierte er beim Spiel gegen Bochum sein Comeback. Er folgte jedoch nur ein einziger Kurzeinsatz, im April wurde Leitsch aus dem Spieltagskader gestrichen. Zweimal sammelte er Spielpraxis in der Mainzer Regionalliga-Mannschaft – glücklich machte ihn das aber nicht.

Der VfL könnte in diesem Sommer also einen erneuten Anlauf nehmen, das Eigengewächs zurückzuholen, auch wenn weder Trainer Thomas Letsch noch Marc Lettau einen persönlichen Bezug zu ihm haben. Doch seine sportlichen Qualitäten dürften auch ihnen bekannt sein. Leitsch gehörte im Aufstiegsjahr sowie in der folgenden Bundesliga-Saison zu den Leistungsträgern beim VfL und rückte dabei auch in den Fokus anderer Klubs. Für rund 3,5 Millionen Euro haben die Mainzer den Defensivspezialisten daraufhin aus Bochum verpflichtet und mit einem Vierjahresvertrag ausgestattet. Deshalb wäre zumindest ein Leihgeschäft möglich – immer vorausgesetzt, dass Leitsch auch gesund ist.

Bella Kotchap sucht neuen Klub

Definitiv nicht mehr im Bereich des Denkbaren liegt hingegen eine Rückkehr von Armel Bella Kotchap, der den VfL Bochum fast zeitgleich mit Leitsch verlassen und seinem Ausbildungsklub eine Rekordablöse beschert hatte. Trotzdem beobachten die Bochumer seinen Werdegang ganz genau. Denn nach dem Abstieg des FC Southampton aus der Premier League befindet sich der deutsche Nationalspieler wieder auf Vereinssuche. Zum Kandidatenkreis sollen laut Sky unter anderem Eintracht Frankfurt und RB Leipzig zählen. Sollte es zu einem Wechsel kommen, würde der VfL dank einer Beteiligung am Weiterverkauf finanziell profitieren. Realistisch ist dann eine niedrige siebenstellige Summe.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Kaderplanung

VfL verabschiedet neun Spieler: Wer dennoch bleiben könnte

Ein letztes Mal wurde Silvere Ganvoula am vergangenen Wochenende in Bochum gefeiert. Selbst Trainer Thomas Letsch grölte mit, als die Fans im Bermuda-Dreieck den Namen des Mittelstürmers anstimmten. Ganvoula fühlte sich geehrt, filmte mit und schickte die Aufnahmen hinaus in die weite Welt. Für welchen Verein er künftig spielen wird, ist nicht bekannt. Vor knapp einem Jahr bekundete der Karlsruher SC sogar öffentlich Interesse an einer Verpflichtung, seither ist es ruhig geworden um den Angreifer, der vor insgesamt fünf Jahren zum VfL gewechselt war, zunächst als Torjäger gefeiert und später als Chancentod verschmäht wurde.

Janko und Heintz kommen nicht zurück

Ganvoula ist einer von insgesamt sieben Profis, von denen sich der VfL Bochum bereits verabschiedet hat und die in der neuen Saison definitiv nicht mehr das Trikot des Bundesligisten tragen werden. Ihm folgen die beiden Leihspieler Pierre Kunde und Marko Johansson, ebenso wie Konstantinos Stafylidis und Vasilios Lampropoulos, die nicht oft, aber dennoch regelmäßig gespielt haben. In allen fünf Fällen ist dies keine Überraschung mehr – entweder aus sportlichen Gründen oder aber, weil ihr Abgang bereits vor einigen Tagen oder Wochen kommuniziert worden ist.

Bei Saidy Janko und Dominique Heintz haben einige Anhänger dagegen noch auf einen Verbleib gehofft, vor allem unter dem Eindruck der letzten drei Saisonspiele. Doch die beiden Defensivspezialisten werden den Verein ebenfalls verlassen. Zwar waren Janko und Heintz im Endspurt plötzlich wieder gefragt und gehörten sogar zur Bochumer Startformation, doch über die gesamte Saison betrachtet haben sie nur sporadisch überzeugen können. Janko kehrt somit nach Spanien zurück; der VfL verzichtet darauf, die vereinbarte Kaufoption zu ziehen. Heintz, der von Union Berlin ausgeliehen war, liebäugelt mit einer Heimkehr in die Pfalz.

Bemühen um Schlotterbeck und Ordets

Ein anderer Bochumer Fußballheld aus dem Monat Mai könnte dagegen bleiben. Keven Schlotterbeck, Winterneuzugang und Leihspieler vom SC Freiburg, hat die Verantwortlichen überzeugen können. „Er verfügt über sportliche Fähigkeiten, die uns als Verein sehr gut tun würden“, erklärt Lettau auf Anfrage von Tief im Westen – Das VfL-Magazin, schränkt aber ein: „Für eine Weiterbeschäftigung müssten sowohl Spieler als auch der SC Freiburg als Stammverein mitspielen. Sollten wir entsprechende Signale des Spielers erhalten, setzen wir uns mit dieser Thematik gerne auseinander.“

Heißt also: Schlotterbeck hat sich noch nicht klar zum VfL bekannt und prüft möglicherweise noch andere Optionen. Eine schnelle Entscheidung ist in diesem Fall wohl nicht zu erwarten. Auch bei Ivan Ordets, ist eine Weiterbeschäftigung in Bochum zwar angedacht, aber noch nicht in trockenen Tüchern. Spieler und Verein müssen sich finanziell einig werden. „Die FIFA Sonderregelung ist um weiteres Jahr verlängert worden. Dennoch können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage darüber treffen, ob Ivan auch in der kommenden Saison das VfL-Trikot tragen wird“, sagt Lettau und bekräftigt: „Wir bemühen uns sehr um ihn.“


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(Foto: Marc Niemeyer)

https://vfl-magazin.de/kaderumbau-mit-pott-mentalitaet/

Daschner kommt

Neuzugänge mit Pott-Mentalität: VfL gibt Gas beim Kaderumbau

Früher kamen die Neuzugänge des VfL Bochum gerne mal aus Essen, Recklinghausen oder einer anderen Ruhrgebietsstadt und hießen ‚Ata‘ Lameck oder Lothar Woelk. Das hat sich längst gewandelt, die Fußballwelt ist internationaler geworden. Die ersten vier Transfers in diesem Sommer deuten jedoch darauf hin, dass sich der VfL wieder verstärkt in seinem näheren Umfeld umgesehen hat. Felix Passlack kam in Bottrop zur Welt, Niclas Thiede in Hagen und Lukas Daschner in Duisburg. Noah Loosli aus der Schweiz fällt da schon aus dem Rahmen. Integrationsprobleme sind aber auch bei ihm nicht zu erwarten.

Dreijahresvertrag für Daschner

Klar ist: Der VfL Bochum will die Qualität in seinem Kader erhöhen, aber die Malocher-Mentalität nicht verlieren. Und wer das Ruhrgebiet kennt, der weiß auch, was die Zuschauer hier erwarten. „Natürlich freue ich mich auch auf das Stadion, die Fans und die Bundesliga“, sagt Lukas Daschner, den der VfL am Donnerstag ablösefrei für drei Jahre unter Vertrag genommen hat, dessen Wechsel sich aber schon seit Wochen abgezeichnet hatte. Generell soll der Kader in diesem Sommer früher stehen als im vergangenen Jahr, als zum Trainingsauftakt erst drei Transfers vollzogen waren und der holprige Saisonstart praktisch vorgezeichnet war.

Entwicklungsfähige Spieler

Was ebenfalls auffällt: Der VfL legt offensichtlich Wert darauf, dass sich möglichst viele Neuzugänge noch in einem entwicklungsfähigen Alter befinden und sie in Bochum die Karriereleiter hinaufsteigen und nicht herabklettern. Für Daschner, Loosli und Thiede ist die Bundesliga sogar Neuland. Was nicht bedeutet, dass der VfL künftig nur noch auf Novizen setzt. Zum einen bleiben viele erstligaerprobte Akteure aus dem bisherigen Kader an Bord, zum anderen stehen erfahrenere Spieler noch auf der Kandidatenliste. Akteure, die den Kader eindeutig auf ein höheres Niveau heben, sind ohnehin erst durch den Klassenerhalt zu bekommen.

Etat steigt deutlich

Dafür hat der VfL in diesem Jahr auch finanziell ganz andere Möglichkeiten als zuletzt. Der Spieleretat steigt von rund 32 Millionen Euro auf deutlich über 40 Millionen Euro, wobei darin auch Transferausgaben sowie Gehaltssteigerungen für Spieler aus dem bisherigen Kader eingeschlossen sind. Dennoch werden die Bochumer damit auf dem Transfermarkt flexibler sein und mit anderen Bundesligisten besser mithalten. Das ermöglicht auch Transfers mit mehr Nachhaltigkeit. In der vergangenen Saison waren insgesamt fünf Spieler ausgeliehen. Leihgeschäfte könnte es auch in diesem Jahr geben, aber weniger als zuletzt.


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(Foto: VfL Bochum 1848)

Saison 2023/24

So läuft die Kaderplanung: Abschied, Etat, Neuzugänge

Am Sonntagmorgen haben sich die Spieler des VfL Bochum ein letztes Mal vor dem Sommerurlaub getroffen. Nach einer langen Party und wenig Schlaf hat Trainer Thomas Letsch auf die eigentlich angesetzte Einheit verzichtet. Die interne Verabschiedung zahlreicher Spieler, die der Klub ganz bewusst auf den Morgen nach dem letzten Spiel gelegt hatte, fand aber statt. Hans-Peter Villis, Ilja Kaenzig und Marc Lettau bedankten sich bei insgesamt zehn Spielern – alle jene, die nur noch bis Ende Juni 2023 an den VfL gebunden sind: Paul Grave, Marko Johansson, Saidy Janko, Konstantinos Stafylidis, Vasilios Lampropoulos, Ivan Ordets, Keven Schlotterbeck, Dominique Heintz, Pierre Kunde und Silvere Ganvoula.

Anzunehmen ist allerdings, dass der eine oder andere zum Trainingsauftakt am 5. Juli wieder in Bochum aufschlagen wird. Ivan Ordets soll bleiben, das ist bekannt. Auch Keven Schlotterbeck könnte zum neuen Kader gehören. Der Vertrag mit Paul Grave wurde bereits verlängert und der Torhüter zum Wuppertaler SV verliehen. Dort soll er Spielpraxis sammeln. Einen neuen Keeper hat der VfL mit Niclas Thiede ja bereits gefunden. Thiede hat schon vor dem Saisonende in Bochum unterschrieben, genauso wie Felix Passlack und Noah Loosli. Auch die Eigengewächse Mats Pannewig und Mohammed Tolba, der jüngst einen Kreuzbandriss erlitten hat und länger fehlen wird, rücken zur neuen Saison in den Profikader auf.

Schon drei Neuzugänge

Die Ansprüche sind intern klar definiert: Die Mannschaft soll nicht nur besser, sondern auch jünger werden. In der gerade abgelaufenen Saison hat der VfL regelmäßig die älteste Startelf aller Konkurrenten ins Rennen geschickt, beinahe sogar einen historischen Altersrekord seit Gründung der Liga geknackt. Von den drei externen Neuzugängen ist Thiede mit 24 Jahren der jüngste, Passlack ist gerade 25 geworden, Loosli mit 26 nur ein Jahr älter. Mindestens ein weiterer Neuzugang wird ebenfalls in diese Altersklasse passen. Nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin rückt die Verpflichtung von Lukas Daschner näher. Die Bochumer haben ihr Interesse bereits vor geraumer Zeit bei ihm hinterlegt.

Der Offensivallrounder, der aus Duisburg stammt, lange beim MSV war und zuletzt beim FC St. Pauli gespielt hat, gilt als heimatverbunden. Und: Er möchte gerne in der Bundesliga spielen. Mit dem Bochumer Klassenerhalt wäre diese Voraussetzung erfüllt. Daschner würde – genauso wie Thiede, Passlack und Loosli – ablösefrei zum VfL wechseln. Im Gegensatz zur Vergangenheit ist ein auslaufender Vertrag aber keine Voraussetzung mehr bei der Suche nach Verstärkung. Der Lizenzspieleretat wird signifikant erhöht, steigt auf deutlich über 40 Millionen Euro. Der VfL wird hier und da in ein höheres Regal greifen, auch überschaubare Ablösesummen im sehr niedrigen Millionenbereich könnten gezahlt werden.

Lettau plant den Kader

Trainer Thomas Letsch wünscht sich mehr Variationsmöglichkeiten, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Systemumstellung. Letsch bevorzugt eine Dreierkette in der Abwehr, für die logischerweise passende Schienenspieler benötigt werden. Gerade auf der linken Seite besteht Handlungsbedarf. Auch im defensiven Mittelfeld will der VfL nachlegen, genauso wie in der Offensive und vermutlich auch in der Innenverteidigung. Kurzum: Gesucht wird in allen Mannschaftsteilen. Insbesondere dann, wenn weitere Spieler den Verein verlassen werden. Gerrit Holtmann hat bereits seinen Wechselwunsch geäußert, auch Jordi Osei-Tutu ist mit seiner Rolle unzufrieden. Wobei sich bei ihm derzeit kein Wechsel abzeichnet.

Für Letsch und Interims-Sportchef Marc Lettau ist es bekanntlich die erste gemeinsame Transferperiode. Lettau war im Winter von Union Berlin gekommen und wurde als Technischer Direktor verpflichtet. Sport-Geschäftsführer Patrick Fabian, der krankheitsbedingt weiter ausfällt, hat ihm seinerzeit bereits große Teile der Kaderplanung übertragen – und auch ansonsten gute Grundlagen geschaffen. Die Scouting-Abteilung wurde ebenfalls gestärkt, von Rot-Weiss Essen kam Stanko Patkovic als Koordinator dazu. Auch Finanz-Geschäftsführer Ilja Kaenzig und das Präsidium sind in alle Transferpläne eingebunden. Ihr gemeinsames Ziel ist es, die Qualität der Mannschaft zu erhöhen, ohne die viel gelobte Mentalität zu verlieren.


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Kaderplanung

Erstes Interview: Ordets spricht über Bochum und seine Zukunft

Interviewanfragen hat Ivan Ordets in der zurückliegenden Saison stets abgelehnt. Nun aber hat sich der Innenverteidiger zum ersten Mal seit seinem Wechsel nach Bochum und auch zum ersten Mal seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine öffentlich zu Wort gemeldet. Mit dem Journalisten Roman Kademin hat er in dieser Woche ausführlich über seine sportliche und private Situation in Bochum gesprochen – und natürlich auch über seine Zukunft.

Der VfL hat ihm ein Angebot vorgelegt

Im Normalfall möchte Tief im Westen – Das VfL-Magazin mehr bieten als die Zusammenfassung und Übersetzung eines Interviews, das andere geführt haben. Doch die Aussagen von Ordets sind aus den genannten Gründen nicht nur einmalig, sondern auch von aktueller Relevanz. Schließlich hoffen nicht nur die Verantwortlichen des VfL auf eine Unterschrift des Ukrainers, sondern auch die meisten Fans. Eine klare Tendenz scheint es aber noch nicht zu geben.

„Mein Vertrag läuft aus, der Verein hat mir ein neues Angebot gemacht. Ich mache jetzt eine Fußballpause und werde es mir in Ruhe überlegen“, sagt Ordets, der zumindest eine baldige Entscheidung in Aussicht stellt. „Die Bundesliga ist gut, es gibt aber auch andere Optionen. Ich hoffe, mit meiner Familie die richtige Entscheidung zu treffen.“ Der 30-Jährige weiß um die Vor- und Nachteile des VfL: „Der Verein ist nicht reich, aber der Zusammenhalt ist besonders.“

Große Freude über den Klassenerhalt

Ordets lobt besonders den Teamgeist und die Stimmung im Bochumer Ruhrstadion, speziell beim letzten Heimspiel gegen Leverkusen. „Die Atmosphäre war super und hat uns geholfen. Wenn es um Emotionen beim Fußball geht, wird das Spiel wahrscheinlich ein Leben lang an erster Stelle stehen.“ Große Worte, die sich aber mit Fotomaterial belegen lassen. Ordets hatte Tränen in den Augen, als er nach dem Abpfiff seine Frau auf dem Spielfeld umarmte.

Dabei war ihm die Situation zunächst nicht ganz geheuer. „Beim Platzsturm wusste ich nicht, was passiert. Aber am Ende haben die Fans nur an meinem Trikot und der Hose gezogen. Alle waren glücklich. Dabei haben wir eigentlich nichts gewonnen, sondern uns nur gerettet.“ Ordets betont, dass die Zielsetzung in der kommenden Saison eine ganz ähnliche sei. Ob ihm das reicht? Vielleicht ist am Ende auch die private Situation ausschlaggebend für einen Verbleib.

Ordets lebt mit Familie in Düsseldorf

Ordets lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Düsseldorf. „Die Stadt ist etwas moderner als Bochum. Andrij Voronin (Ex-Bundesligaprofi aus der Ukraine, Anm. d. Red.) hat mir geraten, dorthin zu ziehen. Düsseldorf hat auch einen englischsprachigen Kindergarten.“ Generell habe er sich in Deutschland gut eingelebt. „Es ist ruhig, wir haben ein paar schöne Parks für uns entdeckt. Die Deutschen sind sehr anständig, manchmal etwas streng. Aber wir fühlen uns wohl.“


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Weitere Informationen zur komplizierten Vertragssituation von Ivan Ordets gibt es in diesem Artikel:

(Foto: Marc Niemeyer)

Kommentar

Das dritte Wunder: Klassenerhalt ist ein Meilenstein

Der Pott weint – die einen, weil sie die Meisterschaft verpasst haben oder abgestiegen sind. Die anderen, nämlich in Bochum, aus Freude, weil sie das dritte Wunder vollbracht haben. 2021 ist der VfL nach elf Jahren Zweitklassigkeit in die Bundesliga zurückgekehrt. 2022 hat er den Klassenerhalt geschafft. Und 2023 unter erschwerten Umständen ein weiteres Mal. Alle wissen: Bundesliga-Fußball in Bochum ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Deshalb freuen sich Spieler und Fans über Platz 14 auch mehr als andere über ihre Meisterschaft. Routiniers wie Manuel Riemann, Simon Zoller und Anthony Losilla hatten nach dem 3:0-Sieg gegen Leverkusen sogar Freudentränen in den Augen.

Bochum feiert also – und das aus gutem Grund. Wer die Bitternis von Niederlagen gut genug kennt, weiß die Süße des Erfolgs besonders zu schätzen. Das gilt nach dieser ereignisreichen Saison voller Achterbahnfahrten ganz besonders. Zur Erinnerung: Alles war noch möglich am letzten Spieltag, auch der Abstieg und die Relegation. Dramatik pur. Doch der Fußballgott schenkte den Bochumern den perfekten Tag. Das Wetter: traumhaft. Der Fanmarsch zum Stadion: beeindruckend. Die sportliche Leistung: vorzüglich. Die Stimmung auf den Rängen: erst angespannt, dann ausgelassen. Schnell lief alles, wirklich alles nach Plan – nicht nur im eigenen Stadion, auch auf den anderen Plätzen.

Heimstärke mit lautstarken Fans

Nach etlichen Abgängen im Sommer, sechs Niederlagen zu Saisonbeginn und einem Trainerwechsel im Herbst ist die erbrachte Leistung umso beeindruckender und erklärt den Überschwung an Emotionen. Sicher, dieser VfL hat viele Schwächen offenbart, so viele Gegentreffer wie noch nie kassiert, gegen Tabellennachbarn verloren oder zumindest nicht gewonnen. Aber immer wieder hat sich diese Mannschaft aufgerafft, fehlende Qualität mit beeindruckender Mentalität ausgeglichen. Mehrfach hatten Fans schon wieder ihren Routenplaner für die 2. Liga bereitgelegt – nach dem Desaster in Leipzig genauso wie nach der Heimpleite gegen Schalke oder der Niederlage in Gladbach.

Die Reaktion folgte jeweils prompt. Vor allem dank der wertvollen Heimstärke unter Thomas Letsch gelang der Klassenerhalt auch im zweiten Bundesliga-Jahr, das gemeinhin als das schwierigste gilt. Ohne die lautstarken und treuen Fans auf den Rängen wäre dieser Meilenstein wahrscheinlich nicht geglückt. Nur wenigen Aufsteigern ist es zuletzt gelungen, sich länger als zwei Jahre in der Bundesliga zu halten. Der VfL hat es geschafft, die Bundesliga-Reise geht weiter. Übermütig sollte jedoch keiner werden. Auch im nächsten Jahr geht es nur um den Klassenerhalt. Nach Möglichkeit gerne etwas entspannter. Wobei Dramatik die beste Vorlage für rauschende Feste ist.


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(Foto: Imago)