Mitgliederversammlung

Villis gegen Bauer: Echte Wahl wäre ein Novum für den Klub

Langweilig ist es beim VfL Bochum nie. Doch die Ereignisdichte in den kommenden zwei Wochen ist ohne Frage außergewöhnlich. Erst muss die Mannschaft auf dem Platz versuchen, in den letzten drei Partien vor WM-Pause möglichst viele Punkte zu holen und die Hoffnung auf den Klassenerhalt aufrechtzuerhalten. Anschließend steht die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung auf dem Programm. Bei der Präsidiumswahl möchte neben dem Team Villis, das in Teilen seit zehn Jahren amtiert, auch das Team Bauer kandidieren. Die Konstellation sucht in Fußball-Deutschland ihresgleichen: Der noch aktive Vereinsarzt, der das Innenleben des Vereins seit 1999 und damit wie kaum ein anderer kennt, möchte den Vorsitzenden stürzen und selbst den Posten an der Spitze übernehmen.

Aussichtslos dürfte dieses Unterfangen nicht sein. An Villis und seinem Führungsstil gab es in den zurückliegenden Jahren immer wieder Kritik vonseiten der Fans – beginnend mit dem Rückzug von Wilken Engelbracht Ende 2017 sowie der Unruhe rund um Christian Hochstätter, den Villis und vor allem Martin Kree monatelang gegen alle Widerstände gestützt haben. Nur vorübergehend war dank des sportlichen Erfolgs Ruhe eingekehrt. Die Kündigung von Sebastian Schindzielorz und die Kommunikation in der Causa Thomas Reis haben Villis nun zurück in die Kritik gebracht, verbunden mit der Frage: Warum haben beide Personalien den VfL monatelang beschäftigt – und warum ist es Villis nicht gelungen, sie für eine Zukunft beim VfL zu begeistern? Zumindest bei Schindzielorz schien das möglich.

Wofür steht das Team Bauer?

Die Ankündigung von Dr. Karl-Heinz Bauer, mit den Vereinslegenden Marcel Maltritz und Ralf Zumdick sowie zwei im Klubumfeld bislang unbekannten Geschäftsleuten eine Wahlalternative zu bieten, ist in Fankreisen auf ein geteiltes Echo gestoßen. Generell und personenunabhängig begrüßen viele Anhänger aber die Idee, das Team Villis herauszufordern. Die Ultras und einzelne Fanclubs hatten genau das gefordert. Wobei zur Stunde noch unklar ist, wofür die Opposition überhaupt steht, insbesondere was sie anders machen möchte. Wie positionieren sich Bauer und seine Mitstreiter etwa in der Investorenfrage? Und wie stehen sie zur Geschäftsführung mit Ilja Kaenzig und Patrick Fabian? Diese Fragen und noch einige mehr gilt es in den kommenden zwei Wochen zu beantworten.

Denn bislang hat das Team Bauer lediglich vier Ziele über die Bild-Zeitung kommuniziert: Das Stadion zu sanieren, die Jugend und den Frauenfußball stärker zu fördern und den VfL in der Bundesliga, mindestens aber in den Top 25 zu etablieren. Hierzu dürfte sich das Team Villis jedoch nicht grundlegend anders positionieren. Gegenüber Tief im Westen – Das VfL-Magazin kündigte Bauer mehr Informationen nach der Entscheidung der Findungskommission an. Das von Roland Mitschke geleitete Gremium trifft sich an diesem Donnerstag mit der Gruppe und entscheidet anschließend darüber, ob es die Bewerbung des Quintetts überhaupt zulässt. Zweifel könnte es etwa an der Verbundenheit zum Klub geben. Der Grund: Zwei Personen, die der Gruppe angehören, sind erst zum 1. November Mitglied geworden sein.

Erstmals Konkurrenz für Villis

Eine langjährige Vereinsmitgliedschaft schreibt die Satzung jedoch nicht vor, um für das Präsidium zu kandidieren. Sollte die Findungskommission das Team Bauer also zur Wahl zulassen, müsste auch Villis reagieren. Auf eine Art Wahlkampf waren die amtierenden Gremiumsmitglieder vermutlich nicht eingestellt. Denn eine richtige Wahl hat es in dieser Form zuletzt nie gegeben. Lange Zeit sind sie davon ausgegangen, dass sie sich zwar der Kritik der Mitglieder stellen müssen, aber keine Konkurrenz zu fürchten haben. Nun steht womöglich ein kurzer, aber intensiver Wettbewerb der Ideen bevor. Auch Villis und seine Kollegen werden die Frage beantworten müssen, wie sie den VfL Bochum in den kommenden vier Jahren führen und die Mitglieder dabei mitnehmen wollen.

Für die Vereinsdemokratie ist die sich anbahnende Konstellation praktisch ein Novum. Für Werner Altegoer gab es 2010 zwar Gegenwind durch die Initiative ‚Wir sind VfL‘, einer Kampfabstimmung musste er sich aber nicht stellen. Zuletzt war es Ottokar Wüst in den Achtzigern, dem es allerdings gelungen ist, seinen Kontrahenten Hans-Georg Rehs als Vizepräsidenten einzubinden. Schon damals lag die Macht bei den Mitgliedern. Sie bilden das höchste Beschlussorgan. Und gewöhnlich ist die Beteiligung höher als bei anderen Klubs. An der Versammlung 2017, als über die Ausgliederung abgestimmt wurde, haben von damals rund 10.000 Mitgliedern 2.700 teilgenommen. Seither ist der Verein deutlich gewachsen, aktuell sind es mehr als 20.000 Mitglieder. Im RuhrCongress dürfte es am 15. November also voll werden.

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Tief im Westen – Das VfL-Magazin weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei dieser Befragung nicht um eine repräsentative Umfrage handelt. Sie dient lediglich dazu, ein grobes Stimmungsbild zu erhalten. Das Ergebnis könnte dadurch verzerrt werden, dass auch Fans ohne Mitgliedschaft abstimmen – oder Mitglieder, die nicht an der Versammlung am 15. November teilnehmen.

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(Foto: picture alliance)