Die VfL-Kolumne ist ein festes Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die sportliche Lage nach dem Sieg gegen Mainz im DFB-Pokal.
Aller guten Dinge sind drei. Schon 2020 und 2022 ist der VfL Bochum mit Siegen gegen Mainz 05 in die nächste Pokalrunde eingezogen. Am Dienstagabend gelang dieses Kunststück erneut. Ein Wendepunkt? Stimmungstechnisch definitiv. Der Zuschauerzuspruch ist gesunken, gegen Mainz blieben trotz reduzierter Stadionkapazität zahlreiche Plätze ungenutzt. Diejenigen, die dabei waren, haben ihr Kommen nicht bereut. Mannschaft und Fans feierten gemeinsam den Einzug ins Achtelfinale, das dem Verein auch wirtschaftlich hilft.
Sportlich dagegen ist die Lage differenzierter zu betrachten. Einerseits sprechen der Sieg gegen Mainz, aber auch das Remis gegen Wolfsburg für eine Trendwende. Andererseits hat sich die Tabellenkonstellation in der 2. Liga keineswegs entspannt. Mit einem Sieg in Cottbus am Freitag kann der VfL seine Woche krönen. Bei einer Niederlage droht ein Abstiegsplatz. Trainer Uwe Rösler müsste aber wohl nicht wieder um seinen Job bangen. Die Kritik zuletzt hat ihn merklich getroffen, das war auch am Dienstag unübersehbar. Sein starrer, fast wütender Blick zur Haupttribüne unmittelbar nach Abpfiff war vielsagend, auch in den Pressekonferenzen wirkt er gereizter. All das ist aber nur eine Randotiz wert, denn: Mit den beiden überzeugenden Heimauftritten hat Rösler das Vertrauen zurückerobert.
Nachdem er seine Mannschaft zu Saisonbeginn auf mehr Ballbesitz trimmen wollte, damit aber kaum Durchschlagskraft entwickelte, nahm er taktische Änderungen vor, die sich mehr an den Stärken seiner Spieler orientieren. Der Fußballlehrer ist damit zu dem pragmatischen Stil zurückgekehrt, mit dem er vor einem Jahr einen erfolgreichen Start hingelegt hatte. Rösler und seine Kollegen haben sich im Sommer zu sehr damit beschäftigt, den Spielstil verändern und angeblich verbessern zu wollen. Dabei war die Herangehensweise in der vergangenen Saison weder unerfolgreich noch garantiert ein auf Dominanz und Spielkontrolle ausgelegter Fußball Erfolg. Die Bochumer Geschichte lehrt zudem: Trainer, die zu dogmatisch vorgehen und nicht rechtzeitig einlenken, sind stets gescheitert. Rösler ist offensichtlich schlauer.
(Foto: Imago / Team 2)





