Mit Argusaugen blickten die Bochumer Verantwortlichen am Sonntagnachmittag zur Osttribüne. Die Stadt Bochum hatte unter der Woche ein Hüpfverbot angeordnet und damit für deutschlandweite Aufmerksamkeit gesorgt. Der VfL hat die behördliche Verfügung so übersetzt, dass bei rhythmischen Bewegungen ein „Unwohlsein“ auftreten könne. Zu Problemen hat die neue Regel beim Heimspiel gegen Arminia Bielefeld nicht geführt. Die Fans hielten sich an das Verbot – vielleicht auch, weil es keinen Grund gab, die Leistung ihrer Mannschaft zu feiern. Im Gegenteil: Der VfL blieb auch im vierten Heimspiel ohne Sieg, unterlag mit 0:1 und muss sich vorerst in Richtung Tabellenkeller orientieren. Derzeit sind es nur zwei Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, aber schon zehn Zähler Rückstand auf Rang zwei.
Nur ein Tor in vier Heimspielen
Dabei war der Anspruch vor der Saison ein ganz anderer. Viele Verantwortliche träumten von einem Angriff aufs obere Tabellendrittel, einige sogar auf die Aufstiegsränge – nach jetzigem Stand eine klare Fehleinschätzung. Denn die 0:1-Niederlage gegen Bielefeld bestätigte vieles von dem, was schon in den zurückliegenden Wochen immer wieder Probleme bereitet hat. Die größte Schwachstelle: Die Mannschaft von Trainer Uwe Rösler schießt kaum Tore. Zu Hause gelang bislang nur ein einziger Treffer. In Summe sind auch fünf Tore nach sieben Spielen deutlich zu wenig und zugleich der Ligatiefstwert. Scheiterten die Bochumer zuletzt noch an ihrer Chancenverwertung, mangelte es gegen die Arminia überhaupt an guten Gelegenheiten.
„Wir haben zu langsam, zu behäbig gespielt und aus unserem Ballbesitz zu wenig kreiert. Zwei Chancen im gesamten Spiel sind zu wenig“, monierte Trainer Uwe Rösler, dessen Punkteschnitt zunehmend schlechter wird. Nach sieben Saisonspielen stehen nur sieben Zähler auf der Habenseite. In einem höhepunktarmen Spiel begegneten sich die einzigen beiden Zweitligisten aus NRW lange Zeit auf Augenhöhe. Nachdem der VfL aus seinem höheren Ballbesitzanteil kein Kapital schlug, erspielte sich die Arminia einige Chancen und nutzte eine davon zur Entscheidung. Benjamin Boakye, der nach einer Schlagbewegung gegen Maximilian Wittek kurz zuvor nur mit Gelb davonkam, erzielte in der 78. Minute das Tor des Tages. Die Bochumer waren vom Ausgleich weit entfernt.
„Es ist fast jede Woche das gleiche Thema. Wir haben eine gute Spielstruktur, aber im letzten Drittel passiert zu wenig“, stellte auch Mats Pannewig fest, relativierte aber: „So schlecht, wie es von außen teilweise dargestellt wird, ist unser Spiel nicht.“ Die Philosophie habe sich vor dieser Saison „komplett geändert“, und diese Umstellung benötige Zeit. Statt tief zu stehen und auf Konter zu lauern, versucht der VfL, das Zepter nun selbst in die Hand zu nehmen. Das gelingt allerdings nur phasenweise. Speziell gegen dicht gestaffelte Gegner wie Bielefeld fehlen die Ideen, die Präzision und die passenden Laufwege. Eine nachhaltige Entwicklung ist bislang nicht zu erkennen. Eine Rolle rückwärts bei der Herangehensweise werde es dennoch nicht geben, bekräftigte Rösler. „Wir werden weiter so Fußball spielen.“
Das ist einerseits konsequent, kann andererseits auch nach hinten losgehen. Klar ist nur: Personell hat Rösler derzeit kaum Alternativen, weder für die eine noch für andere Taktik. Die Abwehr stellt sich im Grunde von selbst auf, die offensiven Außenbahnen und das Angriffszentrum ebenso. Einzig im zentralen Mittelfeld, defensiv wie offensiv, hätte Rösler Variationsmöglichkeiten. Nur: Genau dort sind mit Tom Meyer und Koji Miyoshi die wenigen Lichtblicke dieser Saison zu Hause. Hoffnungsträger Jarne Steuckers wäre ein Kandidat für mehrere Positionen, fehlte gegen Bielefeld aber aus einem tragischen Grund. Seine Partnerin hat öffentlich gemacht, dass die beiden ihr noch ungeborenes Kind verloren haben. Wann Steuckers zurückkehren wird, ist noch ungewiss.
Stadion war nicht ausverkauft
Was generell auffällt: Von den 13 Neuzugängen spielen derzeit nur drei Defensivkräfte sowie Christian Rasmussen eine Hauptrolle. Charlie Patino, der gegen Hannover eigentlich einen guten Job gemacht hat, musste für Pannewig weichen und saß gegen Bielefeld 90 Minuten auf der Bank, ebenso wie Mansour Ouro-Tagba. Rösler wechselte nur dreimal, brachte unter anderem auch Berkan Taz und Daniel Hanslik ins Spiel. Doch ihre Hereinnahme zeigte keine Wirkung, eine Schlussoffensive blieb trotz des Rückstandes aus. Vereinzelt quittierten die Zuschauer den Auftritt mit Pfiffen. Die Unterstützungsbereitschaft sinkt, der Frust steigt: Das Stadion war trotz reduzierter Kapazität nicht ausverkauft. Nur rund 22.300 Zuschauer waren beim ersten Heimspiel während des Umbaus dabei. Vielleicht auch, weil es nicht die Hüpfbewegungen sind, die für Unwohlsein sorgen, sondern schlicht die sportlichen Darbietungen…
(Foto: Imago / DeFodi)





