Kolumne

Faktor Zufall: Zittern um Zentimeter – und die Zukunft

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Die VfL-Kolumne ist ein festes Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Ergebnisse und Entscheidungen im Fußball.

Die Tabelle lügt nicht, behaupten viele Fußballphilosophen. „Die Tabelle lügt immer“, meint Christoph Biermann. Der bekannte Autor und bekennende VfL-Fan hat im vergangenen Jahr ein Buch mit genau diesem Titel veröffentlicht. Darin führt er aus, dass Freud und Leid im Fußball verdammt nah beieinander liegen. Das ist nur logisch, denn: Rund zwei Drittel aller Spiele im Profibereich enden ohne Sieger oder mit nur einem Tor Unterschied. Eine einzige Szene in 90 Minuten kann den gesamten Spielverlauf beeinflussen – etwa eine zweifelhafte Schiedsrichterentscheidung, eine knappe Abseitssituation oder ein unglücklich abgefälschter Schuss.

Auch der VfL Bochum musste zuletzt um Zentimeter zittern. Rückblickend sprechen wir von einer nahezu perfekten Woche mit den beiden Siegen gegen Mainz und Cottbus sowie der Punkteteilung gegen Wolfsburg. Ohne Zweifel: Die Auftritte waren überzeugend. Was aber wäre gewesen, wenn der Schiedsrichter gegen Wolfsburg am Ende auf einen Handelfmeter gegen Bochum entschieden hätte? Oder Energie-Stürmer Justin Butler nicht mit seiner Hacke im Abseits gestanden und somit das 2:0 erzielt hätte? Spinnen wir das mal weiter: Hat Uwe Rösler nur deshalb seinen Job behalten? Wir werden es wohl nie erfahren. Ganz abwegig ist der Gedanke allerdings nicht.

Das wiederum sollte zu einer grundsätzlichen Diskussion darüber führen, wie sehr sich Fußballvereine von einzelnen Ereignissen in ihrer Entscheidungsfindung abhängig machen. Auch in Bochum haben wir dies schon des Öfteren erlebt. Dafür genügen zwei Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit. Thomas Letsch musste gehen, nachdem seine Mannschaft beim Auswärtsspiel in Köln zwei Gegentreffer in der Nachspielzeit kassiert hat. Peter Zeidler wiederum wäre vielleicht noch länger im Amt geblieben, wenn der VfL in Hoffenheim nicht einen Elfmeter in der Schlussphase vergeben hätte.

Sich auf verantwortlicher Ebene komplett von Ergebnissen zu lösen, wird natürlich nicht funktionieren. Strategische Entscheidungen, die einen Einfluss auf einen längeren Zeitraum haben, aber von Stimmungslagen und teils auch von Zufallsereignissen abhängig zu machen, spräche für ein wankelmütiges Management.

(Foto: Marc Niemeyer)

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