Die Erinnerungen an einen Bochumer Auftaktsieg verblassen immer mehr. Zehn Jahre liegt der bislang letzte Erfolg an einem ersten Spieltag inzwischen zurück – und nach dem 0:1 gegen Hertha BSC muss der VfL weiter auf einen gelungenen Saisonstart warten. Wenig Tempo, kaum kreative Lösungen, zahlreiche Ungenauigkeiten und nur wenige gefährliche Torabschlüsse prägten den Auftritt. Die Bochumer waren mit großen Erwartungen in die neue Spielzeit gestartet, wurden beim Eröffnungsspiel aber schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Dabei hatten sich einige der nun sichtbaren Schwächen bereits in den vergangenen Wochen angedeutet.
Beim entscheidenden Gegentreffer waren insbesondere Jean Manuel Mbom, Enis Cokaj und Oliver Olsen nicht auf der Höhe. Vor allem Mbom und Olsen haben bereits in der Vorbereitung immer wieder Schwächen gezeigt. Das Problem: Auf diesen Positionen gibt es derzeit keine besseren Optionen. Auch die überschaubare Zahl an Torchancen war keine große Überraschung. In den fünf wichtigsten Testspielen vor dem Saisonstart hat der VfL gerade einmal vier Treffer erzielt. Deutlich positiver fällt die erste Zwischenbilanz in der Defensive aus. Mit Ausnahme der spielentscheidenden Szene, die zum Gegentor führte, war die Bochumer Hintermannschaft stabil. Insgesamt bewegte sich der VfL auf Augenhöhe mit den Berlinern.
Für ein leistungsgerechtes Unentschieden reichte es trotzdem nicht. „Wenn man verliert, dann ist natürlich Verbesserungspotenzial da“, sagte Linksverteidiger Maximilian Wittek. Grundsätzlich bewertete er die Leistung jedoch ähnlich wie Trainer Uwe Rösler und Kapitän Timo Horn nicht allzu kritisch und sprach von einem „ausgeglichenen Spiel“. Die Reaktion der Zuschauer fiel dagegen weniger wohlwollend aus. Vor dem Anpfiff hatten die Ultras mit einer beeindruckenden Choreografie für einen stimmungsvollen Rahmen gesorgt. Während der Partie wollte der Funke vom Spielfeld auf die Tribünen allerdings nur selten überspringen. Nach dem Abpfiff war die Enttäuschung über den verlorenen Saisonauftakt groß. Wittek machte dafür vor allem die fehlende Gefahr in den entscheidenden Bereichen verantwortlich: „Es ist viel zwischen den Boxen passiert, aber nicht in den Boxen.“
Auch individuell gab es nur wenige Lichtblicke. Innenverteidiger Michael Steinwender überzeugte mit einer ruhigen und konzentrierten Vorstellung. Berkan Taz war im Mittelfeld häufig anspielbar und versuchte, dem Bochumer Spiel Struktur zu geben. Alessandro Crimaldi, der erstmals von Beginn an auflief, war zwar engagiert, fand gegen die Berliner Defensive aber kaum Lücken. Nach seiner Einwechslung brachte Gerrit Holtmann mehr Dynamik und Durchsetzungsvermögen ins Spiel, blieb vor dem Tor jedoch ohne Erfolg. Rösler setzte zunächst auf die erwartete Anfangsformation. Im zweiten Durchgang kamen neben Holtmann auch Karol Mets, Mats Pannewig und Christian Rasmussen zum Einsatz. Das Quartett zählt grundsätzlich zum Kreis der Startelfkandidaten, hatte allerdings Teile der Vorbereitung verpasst und war deshalb körperlich noch nicht bereit für 90 Minuten. „Wir hätten nicht großartig anders aufstellen können“, erklärte Wittek.
Neu ist auch dieses Problem nicht. Schon in der Vorbereitung war zu erkennen, dass der Kader teilweise zu schmal aufgestellt ist. Im zentralen Mittelfeld fehlt weiterhin ein laufstarker und spielstarker Achter, den sich Rösler weiterhin mit Nachdruck wünscht. Auch die Besetzung auf der rechten Abwehrseite ist im Vergleich zur vergangenen Saison schwächer geworden und könnte im Laufe der Spielzeit zum Problem werden. Bis zum Auswärtsspiel am Freitag in Braunschweig bleibt für einige Spieler immerhin noch etwas Zeit, um den Fitnessrückstand weiter aufzuholen. Gut möglich, dass Pannewig für Mbom in die Startelf rückt oder Mets Karademir ersetzt, der bei seinem Debüt allerdings einen ordentlichen Eindruck hinterließ. So oder so: Der VfL sollte in Braunschweig punkten, um nicht bereits früh ins Hintertreffen zu geraten. Wittek glaubt derweil nicht, dass sich ein Fehlstart wie in der vergangenen Saison wiederholt: „Mannschaftlich ist die Konstellation eine andere. Es sind viele dabei, die mit Rückschlägen umgehen können.“
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(Foto: Marc Niemeyer)
