Kolumne

Talente werden lieber verliehen: Wofür hat der VfL eine U21?

Die VfL-Kolumne ist ein festes Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Der VfL-Nachwuchs.

Dass es aus der Nachwuchsabteilung des VfL zuletzt auffallend viele Abgangsmeldungen gab, sticht sofort ins Auge. Mit Torwarttrainer Michael Esser, U17-Coach Florian Jungwirth, Co-Trainer Simon Schuchert sowie Kaderplaner Max Kögel sind vier wichtige Mitarbeiter allesamt auf „eigenen Wunsch“ gegangen. Wer sich ihre Vita mit langer Zugehörigkeit zum VfL anschaut, hegt den Verdacht, dass diese Häufung kein Zufall mehr ist. Zumal: Die kritischen Stimmen zum atmosphärischen Zustand der Abteilung unter der Führung von Pablo Thiam mehren sich.

Klar ist: Die Nachwuchsabteilung ist für den Klub von existenzieller Bedeutung und gutes Personal wettbewerbsentscheidend. Das knappe Geld muss sinnvoll eingesetzt werden. Gerade bei der U21 ist der Optimierungsbedarf unübersehbar. Der VfL investiert pro Saison einen siebenstelligen Betrag in sein Regionalliga-Team. Von diesem Geld ließen sich zwei gute Zweitligaspieler finanzieren. Der Anspruch muss es also sein, sie in der U21 selbst zu entwickeln.

Doch ist das realistisch, damit die Rechnung halbwegs aufgeht? Top-Talente wie Tom Meyer, Cajetan Lenz oder Armel Bella Kotchap haben die U21 gar nicht gebraucht. Andere Eigengewächse, die bei den Profis nicht sofort durchstarten, aber großes Potenzial besitzen, werden lieber verliehen statt im eigenen Unterbau zu spielen, siehe Darnell Keumo und Kacper Koscierski. Das ist sogar nachvollziehbar, weil die 3. Liga ein höheres Niveau als die Regionalliga bietet. Keumo zum Beispiel profitiert massiv davon, er gehört bei Waldhof Mannheim bereits nach wenigen Wochen zu den Leistungsträgern. Bei Koscierski aber ist die Vorgehensweise nicht plausibel. Eigentlich sollte er in dieser Saison das Verteidigen in einer Viererkette lernen. Stattdessen wurde er nach Aachen verliehen, wo die Alemannia auf eine Dreierkette setzt.

Der Widerspruch ist offensichtlich: Wenn die eigene U21 für den Feinschliff bei der Ausbildung nicht gut genug ist, dann stehen Kosten und Nutzen in keinem gesunden Verhältnis zueinander. Denn aktuell verbleiben in der U21 lediglich diejenigen, für die der Sprung zu den Profis deutlich unrealistischer ist.

(Foto: Marc Niemeyer)