Kolumne

„Kannst direkt wieder gehen“: Welcome to VfL, Karol Mets!

Die VfL-Kolumne ist ein festes Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die Verpflichtung von Karol Mets.

Bisweilen könnten die Pressemitteilungen des VfL etwas aussagekräftiger sein. Simon Zoller bescheinigt Neuzugang Karol Mets „Qualität, Ruhe und Mentalität“, geht auf den ersten Punkt aber nicht näher ein. Dabei kennt Zoller den Nationalspieler aus Estland von allen Bochumern am besten. Die beiden haben einst zusammen beim FC St. Pauli gespielt. Nun soll Mets den Platz in der Bochumer Innenverteidigung einnehmen, den bislang der wenig überzeugende Philipp Strompf inne hatte. Einiges spricht dafür, dass dieser Transfer den VfL besser macht. 

Eine etwas detailliertere Ausführung von Zoller hätte womöglich geholfen, um die Kritiker der Neuverpflichtung etwas zu beruhigen. Die Kommentarspalten in den sozialen Netzwerken sind voll mit Ablehnung. „Kannst direkt wieder gehen“, schreibt einer, „33 Jahre und vereinslos – das ist ein schlechter Scherz“, postet ein anderer und ist damit nicht allein. Eine solche Willkommenskultur ist gefährlich. Und die hohe Erwartungshaltung, die durch wenige, aber offensichtlich weitreichende Aussagen („Key Player“) vereinsseitig aufgebaut und medial verstärkt wurde, ist eine große Bürde für Karol Mets.

Doch woher kommt die Ablehnung überhaupt? Mets war zuletzt Stammspieler in der Bundesliga und erfüllt viele Kriterien. Sein Stellungsspiel und seine Zweikampfführung sind positiv hervorzuheben, er beherrscht das von Uwe Rösler gewünschte „Vorwärtsverteidigen“, verfügt über einen soliden Spielaufbau und auch sein Tempo ist okay. Zur Erinnerung: Der VfL ist Zweitligist! Fast alle Wunschkandidaten der Fans liegen fernab der Bochumer Möglichkeiten, finanziell wie sportlich. Ein junger, schneller und spielstarker Verteidiger, der keine Schwächen hat, wechselt nicht nach Bochum.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ein kritischer Blick ist wichtig. Der größte Nachteil der Mets-Verpflichtung ist ja unübersehbar: sein Alter. Generell wirkt die Transferstrategie in diesem Sommer recht mutlos. Offensichtlich glauben die Verantwortlichen, sich über Namen und Erfahrung eine gewisse, vielleicht auch trügerische Sicherheit zu kaufen. Echte Potenzialspieler, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen, sind bisher die Ausnahme.


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(Foto: VfL Bochum 1848)