Testspiele

Warten auf Alternativen: Saisonvorbereitung mit Hürden

Erst stand Uwe Rösler auf, dann nahm er wieder Platz und bat drei seiner engsten Vertrauten zu sich. Zufrieden war der Trainer des VfL Bochum nach dem 3:2-Sieg im Testspiel gegen den Rot-Weiß Oberhausen nicht, das war deutlich zu erkennen. Noch auf der Trainerbank und nur wenige Minuten nach Abpfiff besprach Rösler gemeinsam mit seinem Co-Trainer, einem Videoanalysten und Direktor Simon Zoller die Darbietung gegen den Regionalligisten. Es war das zweite von insgesamt sieben Vorbereitungsspielen und bereits das letzte gegen einen unterklassigen Verein. Echte Lichtblicke gab es nur wenige. Philipp Hofmann traf in der ersten Halbzeit doppelt, Aurel Wagbe aus der U21 erzielte im zweiten Durchgang den Siegtreffer. Das Ergebnis passte, die Leistung eher nicht. „Wir hatten im Spiel mit und vor allem ohne Ball wenig Struktur und noch kein Spielverständnis miteinander. Auch wenn wir erst zehn Tage zusammen trainieren, hätte ich mir mehr Fortschritte gewünscht“, kritisierte Rösler, der sich dennoch optimistisch zeigte: „Wir werden das schon wieder hinbekommen.“ Spätestens am 7. August sollte das Zusammenspiel funktionieren. Dann eröffnet der VfL mit einem Heimspiel gegen Hertha BSC die neue Zweitliga-Saison. Es geht darum, endlich besser in die neue Saison zu starten als es in der Vergangenheit gelungen ist. Der letzte Auftaktsieg liegt bereits zehn Jahre zurück.

Schritt zurück

Immer wieder verpatzte der VfL den Start, weil das Zusammenspiel noch nicht funktionierte. Mal waren die taktischen Änderungen zu groß, mal die personellen; häufig auch beides zusammen. Insofern ist Rösler ganz glücklich darüber, dass er sieben Neuzugänge bereits an Bord hat. „Je eher sie hier sind, desto mehr können wir mit ihnen arbeiten“, betonte der Fußballlehrer kürzlich und dachte dabei auch an die lange Abgangsliste. Zahlreiche Stammspieler aus fast allen Mannschaftsteilen haben den VfL in diesem Sommer verlassen, nicht zur Freude des Trainers: „Es ist ratsam, nicht immer so viele Leute zu verlieren. Das war hier jetzt mehrere Jahre so. Wir wünschen uns alle mehr Kontinuität.“ Rösler steht deshalb vor einer großen Herausforderung in diesen Tagen. Eigentlich wollte er die Mannschaft weiterentwickeln, vor allem fußballerisch. Stattdessen muss er zunächst einen Schritt zurückgehen, weil vor allem die neuen Spieler seine Prinzipien noch nicht verinnerlicht haben. „Wir waren am Ende der vergangenen Saison weiter als wir es gerade sind“, sagte Rösler nach dem Test in Oberhausen. Die kommenden Wochen und vor allem das Trainingslager in Österreich will er nutzen, um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Doch bei der Suche nach einer möglichen Startelf sind einige Hürden aktuell unübersehbar, die Mannschaft kann sich kaum einspielen.

Einige Ausfälle

Mit Maximilian Wittek, Mats Pannewig und Gerrit Holtmann fehlen drei potenzielle Stammspieler und Leistungsträger verletzt und verpassen wichtige Phasen der Saisonvorbereitung. Gegen Oberhausen standen auch deshalb drei Spieler aus der U21 und fünf Jungprofis auf dem Platz. Erst im Trainingslager, das in gut zwei Wochen beginnt, könnte immerhin Wittek ins Mannschaftstraining zurückkehren. Bei Pannewig und Holtmann will sich Rösler noch nicht festlegen. Schon jetzt ist klar, dass sie zum Saisonstart nicht in Bestform zur Verfügung stehen. Das Problem: Logische Alternativen gibt es für ihre Positionen aktuell keine. Hinten links fehlt auch Mikkel Rakneberg noch länger; bleiben noch Darnell Keumo und Leon Sawas, der eigentlich für die U21 verpflichtet wurde, sich gerade aber bei den Profis beweisen darf und von Rösler bereits ausdrücklich gelobt wurde. Auf der Achter-Position ist die Konstellation sehr ähnlich. Dort dürfen sich mit Lasse Isbruch und Tom Meyer ebenfalls Eigengewächse beweisen. Theoretisch kann auch Jean Manuel Mbom dort spielen, doch der Neuzugang wirkt für diese laufintensive Rolle bislang zu schwerfällig. Für die linke Außenbahn fehlt ebenfalls eine passende Alternative. Ob sich Alessandro Crimaldi angesichts körperlicher Defizite endlich durchsetzen kann, bleibt fraglich, auch wenn er fußballerisch selbst bei den Profis heraussticht.

Offene Plätze

Die Suche nach externen Verstärkungen ist angesichts all dieser Fragezeichen umso dringlicher. Ein spielstarker, schneller Abwehrchef soll ebenso noch kommen wie eine Soforthilfe für die Flügel. Im zentralen Mittelfeld sehen die Verantwortlichen indes keine Eile. Umgekehrt möchte Rösler, abgesehen von Ibrahim Sissoko und Samuel Bamba, keinen Spieler mehr abgeben. Dafür gibt es jedoch keine Garantie. Ersatztorwart Niclas Thiede ist ein Kandidat bei Fortuna Düsseldorf. Zudem ist aus Vereinskreisen zu hören, dass ein Verbleib von Moritz Kwarteng keineswegs sicher sei. Fitte Stammspieler, die schon länger für den VfL spielen, gibt es folglich nur wenige, im Grunde nur drei: Torwart Timo Horn, Offensivallrounder Koji Miyoshi und Angreifer Hofmann. Wer von den Neuzugängen eine echte Verstärkung darstellt, ist weiterhin offen. Berkan Taz hat seine fußballerischen Qualitäten zu Vorbereitungsbeginn bereits aufblitzen lassen. Auch Enis Cokaj und Michael Steinwender haben bislang einen ordentlichen Eindruck hinterlassen, wobei sie erst in den nächsten Testspielen ernsthaft gefordert werden. Anspruchsvolle Gegner gibt es in den Wochen reichlich. Der VfL testet ausschließlich gegen nominell stärkere Teams: Am kommenden Samstag gegen Royal Antwerpen, danach gegen Ajax Amsterdam, Swansea City, Werder Bremen und zum Abschluss gegen Sheffield United.


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(Foto: Imago / Team 2)