Die Marketingabteilung des VfL Bochum ist schon ein Jahr weiter. Wie üblich gibt sie in diesen Tagen bereits das Trikot für die folgende Saison, also für die Spielzeit 2027/28, in Auftrag. Dieser geht erstmals an den dänischen Ausrüster Hummel, der nach fünf Jahren den japanischen Hersteller Mizuno ersetzt und dem Klub höhere Einnahmen beschert.
Es ist nicht die einzige Beziehung zwischen dem VfL Bochum und Dänemark. Vor allem auf sportlicher Ebene werden immer mehr Verbindungen sichtbar. Vier Spieler und mehrere Verantwortliche haben eine Vergangenheit im Land des Europameisters von 1992, darunter Trainer Uwe Rösler. Der 57-Jährige coachte zwischen 2022 und 2025 den Aarhus GF. Nur wenige Monate nach seinem Vertragsende heuerte er an der Castroper Straße an. Auch in Schweden und Norwegen kennt sich Rösler bestens aus, war dort für Malmö FF, Molde FK, Viking Stavanger und Lilleström SK tätig. Insgesamt war Rösler fast zehn Jahre Trainer im skandinavischen Raum.
Vier Skandinavier im Bochumer Kader
Kein Wunder also, dass sich diese Vergangenheit nun auch im Bochumer Kader widerspiegelt. Anfang des Jahres wechselte mit Mikkel Rakneberg von Kristiansund FK ein norwegischer Linksverteidiger zum VfL, wenige Wochen später mit Oliver Olsen vom Randers FC ein dänischer Rechtsverteidiger. Die Entwicklung der beiden verläuft jedoch höchst unterschiedlich. Raknebergs sportliche Eingewöhnung verlief holprig. Bei seinem bislang einzigen Startelfeinsatz Ende Februar gegen Fortuna Düsseldorf enttäuschte er, einige Wochen später verletzte er sich folgenschwer. Nach einer Knie-OP verpasst Rakneberg die gesamte Saisonvorbereitung und wird wohl erst im Herbst wieder zur Verfügung stehen. Olsen hingegen hat sich bereits nach wenigen Monaten einen Stammplatz erkämpft. Auch wenn seine Leistungen in der Rückrunde der vergangenen Saison noch schwankend waren, dürfte der 25-Jährige als Stammkraft in die neue Saison gehen.
Als Alternative ist neben dem deutschen U19-Nationalspieler Kacper Koscierski Jean Manuel Mbom eingeplant. Auch er war zuletzt in Dänemark aktiv. Der Defensiv-Allrounder, der einst bei Werder Bremen ausgebildet wurde und dort zum Profi reifte, hat auf dieser Position drei Jahre für Viborg FF gespielt. Vorrangig ist Mbom allerdings im Mittelfeld eingeplant – auf einer Position, die er noch aus Bremen kennt. Das Quintett mit skandinavischer Vergangenheit komplettieren Christian Rasmussen und Gustav Schjött. Rasmussen ist Anfang Juli ablösefrei von Fortuna Düsseldorf zum VfL Bochum gewechselt und soll die rechte Außenbahn verstärken. Der 23-Jährige kann aber auch auf der gegenüberliegenden Seite oder als zweite Spitze agieren. Schjört wiederum ist in der Innenverteidigung zu Hause. Der dänische U19-Nationalspieler darf sich nach einem überzeugenden Halbjahr in der DFB-Nachwuchsliga nun auch bei den VfL-Profis beweisen.
Erinnerungen an Madsen, Colding und Co.
Dass die Bochumer bei ihrer Suche nach einem Abwehrchef, einer Verstärkung für die linke Außenbahn sowie einem zentralen Mittelfeldspieler erneut in Skandinavien fündig werden, ist durchaus möglich. Schließlich ist es nicht allein Rösler, der seine Marktkenntnis einbringt. Auch Markus Brunnschneider, der verantwortliche Kaderplaner des VfL seit November 2025, verfügt über gute Kontakte in den hohen Norden. Diese hat er während seiner vorherigen Tätigkeit als Chefscout von Ligakonkurrent Holstein Kiel aufgebaut, intensiviert und bereits mehrfach genutzt. Unterstützt wird Brunnschneider neuerdings von einem weiteren Dänemark-Experten. Hendrik Enge hat die Funktion als Scout mit Datenschwerpunkt übernommen und zuvor für Aalborg BK gearbeitet.
Für Rösler ist dieser Schwerpunkt bei der Spielersuche nur allzu logisch: „Wir können nicht auf allen Märkten unterwegs sein. Ich kenne mich dort sehr gut aus, Markus auch. Skandinavier waren in der Geschichte des VfL meist sehr erfolgreich, sind fußballerisch gut ausgebildet, oft unkomplizierte Typen und sehr anpassungsfähig. Sie passen zur Kultur des Klubs und zu unserer Spielweise.“ Das hat sich bereits in der Vergangenheit gezeigt. Schon vor gut 20 Jahren beschäftigte der VfL mit Thomas Christiansen, Sören Colding, Peter Madsen, Tommy Bechmann und Peter Grauland zahlreiche Dänen, die sich fast alle zu Leistungsträgern entwickelten und bei den Fans äußerst beliebt waren. An diese Tradition wollen die Bochumer nun anknüpfen.
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(Foto: Marc Niemeyer)
