1:1 gegen Hannover

Bochumer Abschiedsspiel: Bei elf Abgängen bleibt es nicht

Die Rückennummern auf der Auswechseltafel waren die von Leandro Morgalla und Kjell Wätjen. Doch zuerst lief Matus Bero an den Spielfeldrand. Der Kapitän des VfL Bochum nahm die Binde von seinem Arm und übergab sie an Kevin Vogt – ein Zeichen der Wertschätzung bei dessen letztem Spiel an der Castroper Straße und vermutlich auch generell. Vogt wird seine Karriere nach der Saison beenden. Trainer Uwe Rösler schenkte ihm in der Schlussphase gegen Hannover einen letzten Auftritt und damit sein exakt 500. Spiel in der 1. oder 2. Liga. „Als kleiner Junge habe ich hier die Bälle reingeworfen, nun konnte ich wiederkommen und hier meine Karriere beenden. Das ist für mich der perfekte Abschluss“, sagte Vogt später in den Katakomben. Zwei Tage zuvor hatten er und der Verein das Karriereende verkündet.

Elf Spieler schon verabschiedet

Eigentlich wäre der 34-Jährige noch bis 2027 beim VfL geblieben, doch sein Körper machte nicht mehr mit. Beide Parteien fanden deshalb einen Kompromiss, der Vogt einen sanften Übergang in den neuen Lebensabschnitt und dem Verein zugleich die Möglichkeit einer Neubesetzung ermöglicht. Damit ist auch klar: Die Veränderungen im Kader fallen noch größer aus als ohnehin schon. Vor dem Spiel gegen Hannover haben die Verantwortlichen insgesamt elf Spieler verabschiedet. In mindestens acht Fällen herrscht bereits Gewissheit, dass es keine gemeinsame Zukunft mehr geben wird. Neben Vogt verlassen auch Bero, Morgalla, Wätjen, Erhan Masovic, Francis Onyeka, Marcel Sobottka sowie Romario Rösch den Klub nach dem letzten Saisonspiel beim Karlsruher SC am kommenden Sonntag.

Auch bei Noah Loosli, Farid Alfa-Ruprecht und Callum Marshall stehen die Zeichen klar auf Abschied. Wobei Loosli und Alfa-Ruprecht gegen Hannover die besten Bochumer Feldspieler waren. Loosli verteidigte stets aufmerksam und bereitete mit einer Seitenverlagerung den Ausgleichstreffer zum 1:1 vor, das Alfa-Ruprecht sehenswert erzielte. Doch Trainer und Management wollen im Abwehrzentrum künftig schnellere und spielstärkere Verteidiger einsetzen – was gegen einen Verbleib von Loosli spricht. Auch bei Alfa-Ruprecht und Marshall stehen die neuen Prinzipien einer weiteren Zusammenarbeit eher im Weg. Das Ziel ist es, deutlich weniger Leihspieler im eigenen Kader zu haben. Das Duo zu kaufen, ist für den VfL nicht darstellbar. Eine erneute Leihe ist zwar denkbar, aktuell aber nicht in Sicht.

Fünf weitere Abgangskandidaten

Die Liste der Abgänge wird ohnehin noch größer als kleiner werden. Cajetan Lenz wechselt bekanntlich zur TSG Hoffenheim. Der Transfer ist nur noch nicht offiziell kommuniziert, weshalb Lenz am Samstag auch noch nicht verabschiedet wurde. Während mit ihm ein weiterer Stammspieler geht, stehen ansonsten noch einige Reservisten auf der Streichliste. Mit Ibrahim Sissoko planen die Verantwortlichen schon länger nicht mehr, und auch den aktuell verliehenen Profis fehlt die Perspektive an der Castroper Straße. Das gilt insbesondere für Samuel Bamba, Lirim Jashari und Mathis Clairicia, aber auch für Colin Kleine-Bekel, der beim FC St. Gallen bleiben könnte. Sollte es so kommen, wäre Philipp Strompf der einzige von den elf Sommerneuzugängen 2025, der länger als eine Saison beim VfL bliebe.

Das wiederum verdeutlicht einmal mehr, dass die fast beendete und insgesamt enttäuschende Saison schon während der ersten Transferperiode verloren wurde. Der Auftrag an die neuen Kaderplaner ist somit klar. Sie müssen zahlreiche Positionen neu und zugleich besser besetzen, in der Innenverteidigung und im zentralen Mittelfeld ganz besonders. Für das Gespann vor der Abwehr, das bei Rösler in der Regel aus einem Sechser und einem Achter besteht, gibt es im derzeitigen Kader sechs mögliche Kandidaten. Fünf von ihnen werden den Klub verlassen – und der sechste droht länger auszufallen. Mats Pannewig musste gegen Hannover mit einer Knieverletzung früh ausgewechselt werden. Eine genaue Diagnose soll es am Montag geben. Eigentlich ist Pannewig als Stammkraft für die neue Saison fest eingeplant.

Cokaj wird der erste Neuzugang

Immerhin: Einen neuen Spieler fürs Mittelfeld hat der VfL bereits gefunden. Enis Cokaj vom griechischen Erstligisten APO Levadiakos wird an die Castroper Straße wechseln. Der 27-jährige Albaner ist ein klassischer Sechser, der in Griechenland mit einem guten Passspiel und seinen Zweikampfwerten überzeugt hat, sich hinsichtlich Intensität und Spieltempo aber umstellen muss. Dass er die benötigte Verstärkung auf dieser Schlüsselposition ist, lässt seine Vita zwar noch nicht vermuten, klar ist aber auch: Kein Transfer wird in der Bochumer Preisklasse ohne Risiko bleiben. Zugleich besteht die Hoffnung, dass eigene Talente einen ähnlichen Weg einschlagen wie Lenz. Im zentralen Mittelfeld gibt es mit Tom Meyer, Moritz Göttlicher und insbesondere Lasse Isbruch gleich drei Kandidaten dafür.


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(Foto: Imago / Team 2)