Wechsel

Warum der Lenz-Deal für den VfL gut und wichtig ist

Wer den Deal zuerst verkündet, war im Grunde klar. Seit Monaten informierte Sky-Reporter Florian Plettenberg die Öffentlichkeit über den aktuellen Stand der Interessenten für Cajetan Lenz. Aus welchem Kreis die Informationen kamen, war mehr als offensichtlich. Mehrfach fand der Berater von Lenz Erwähnung in den Beiträgen von Plettenberg, am Montagmorgen natürlich auch. Das alles ist aber nur eine Randnotiz wert, denn der Kern der Meldung ist eine andere: Cajetan Lenz wechselt nach der laufenden Saison zur TSG Hoffenheim. Beim künftigen Europapokal-Teilnehmer absolvierte der defensive Mittelfeldspieler am Montag seinen Medizincheck. Dass er den VfL Bochum im Sommer verlassen will, war schon länger klar, nur das genaue Ziel noch nicht. Mehrere Bundesligisten und Klubs aus dem Ausland buhlten um den 19-Jährigen.

Lange galt Eintracht Frankfurt als Favorit, doch die Hessen waren im Gegensatz zu den Kraichgauern nicht bereit, eine Ablöse zu zahlen, die sich im Bereich von 10 Millionen Euro bewegt – zuzüglich Bonuszahlungen, etwa bei einem Weiterverkauf. Damit wird Lenz hinter Armel Bella-Kotchap zum zweitteuersten Abgang der Vereinsgeschichte. Zwar gab es in Fankreisen teils höhere Ablöseforderungen, sie entsprachen aber nicht der Marktrealität. Im Vergleich zu anderen Zweitliga-Spielern, die in den vergangenen Jahren in die Bundesliga gewechselt sind, hat der VfL einen sehr guten Deal abgeschlossen. Can Uzun etwa, der vor zwei Jahren vom 1. FC Nürnberg zu Eintracht Frankfurt transferiert wurde, kostete dem Vernehmen nach nur eine Million Euro mehr. Im Vergleich zu Lenz war er aber ein offensichtlicher Leistungsträger und eine prägende Figur der Liga.

Erstaunliche Entwicklung

Das soll die Entwicklung des Bochumer Eigengewächses, der beim SV Höntrop mit dem Fußball begann und seit dem achten Lebensjahr für den VfL spielt, natürlich nicht schmälern. Selbst klubintern hatte ihn vor einem Jahr nicht jeder für eine Profilaufbahn auf dem Zettel. Vor allem Ex-Sportchef Dirk Dufner setzte sich dafür ein, dass Lenz einen Profivertrag erhält, wobei eigentlich geplant war, dass er in erster Linie für die U21 in der Regionalliga spielt. Doch Lenz überzeugte in der Saisonvorbereitung, rutschte noch unter Ex-Trainer Dieter Hecking in die Startelf und erhielt auch von dessen Nachfolger dank seiner Spielintelligenz, seiner Ballgewandtheit und Zweikampfstärke das Vertrauen. Uwe Rösler prognostizierte Lenz am Sonntag nach dem 2:1-Heimerfolg gegen Greuther Fürth eine „große Karriere“, wohl schon in dem Wissen, dass der deutsche Juniorennationalspieler mit Wurzeln in der Schweiz bald in die Bundesliga wechselt.

Die Vertragslaufzeit bis 2029 ließ zwar theoretisch noch einen längeren Verbleib in Bochum zu, doch zum einen wäre eine weitere Wertsteigerung in der 2. Liga eher unwahrscheinlich, und zum anderen ist der VfL auf Transfererlöse angewiesen. Mehrfach haben die Verantwortlichen betont, dass sie geringere Einnahmen durch den Verkauf von Spielern erzielen als viele Mitbewerber. Die Zielmarke liegt bei acht bis zehn Millionen Euro – pro Jahr. Das Problem: Bis auf Lenz und mit Abstrichen Mats Pannewig gibt der aktuelle Bochumer Kader keine Verkaufskandidaten her. Pannewig wurde zwischenzeitlich unter anderem von Werder Bremen beobachtet; über ein konkretes Interesse ist zur Stunde aber nichts bekannt. Alle anderen Stammspieler sind zu alt oder nur geliehen. Dementsprechend ist der Verkauf von Lenz quasi alternativlos.

Teils sinkende Einnahmen

Wie genau der VfL die Ablöse reinvestieren wird, ist noch offen. Logisch, es braucht in jedem Fall einen sportlichen Ersatz, einen neuen Sechser mit den Fähigkeiten, als Leistungsträger voranzugehen. Wie üblich wird das Geld nicht nur in eine einzige Neuverpflichtung gesteckt, sondern soll dem gesamten Kader zugutekommen. Der VfL plant für die neue Saison mit einem ähnlichen Etat wie in der laufenden Spielzeit. Weitaus größere Sprünge sind aus mehreren Gründen nicht möglich: Die Einnahmen aus dem TV-Topf werden wegen der maximal mittelmäßigen Endplatzierung zurückgehen, außerdem fehlt nach jetzigem Stand ein Sponsor für den Stadionnamen, weil Vonovia die Werberechte abgibt. Zudem wird die Sanierung des Ruhrstadions für Mindereinnahmen aus dem Ticketing sorgen.


Ihr wollt das VfL-Magazin einmalig oder dauerhaft unterstützen? Nutzt dafür gerne die unkomplizierte Zahlungsoption via PayPal. Danke, dass ihr Berichterstattung dieser Art auch in Zukunft möglich macht.



(Foto: Marc Niemeyer)