Torflaute

Torjäger gesucht: Auch in der Offensive muss der VfL zulegen

Sein persönliches Ziel hat Philipp Hofmann in der vergangenen Saison knapp verfehlt. „Zweistellig“ wollte er treffen, verriet der Mittelstürmer im Laufe des Jahres, acht Bundesliga-Tore standen am Ende auf der Habenseite. Damit war Hofmann dennoch der erfolgreichste Torschütze beim VfL. Denn mit insgesamt 40 Treffern stellten die Bochumer die zweitschwächste Offensive der Liga, mit 72 Gegentoren überdies die schwächste Defensive. „Wir haben zu viele Gegentreffer kassiert und zu wenig Tore geschossen“, sagte Cheftrainer Thomas Letsch, dem der Klassenerhalt am Ende trotzdem gelang.

Viele Torschüsse, aber…

Mit einer Tordifferenz von minus 32 wird der VfL dieses Ziel aber vermutlich nicht noch einmal erreichen. Problematisch nur: Nach den ersten sieben Spieltagen der neuen Saison stehen bereits 19 Gegentreffer auf dem Konto der Bochumer. Und mit fünf selbst erzielten Toren zählt der VfL abermals zu den ungefährlichsten Teams der Liga. Nur gegen Augsburg gelangen zwei Tore in einem Spiel, als Takuma Asano seiner Mannschaft einen Doppelpack bescherte. Kevin Stöger traf gegen Dortmund und Frankfurt je einmal, gegen Gladbach trug sich auch Anthony Losilla in die Torschützenliste ein.

An fehlenden Torschüssen lag es jedenfalls nicht, dass die Fans bislang nur selten jubeln konnten. Ligaweit belegt der VfL aktuell Platz fünf in dieser Statistik. Das Manko ist bei genauerer Betrachtung aber offensichtlich. In der vom Fachmagazin kicker geführten Statistik der echten Torchancen belegt der VfL nur den vorletzten Rang, bei der Verwertung ebenfalls. Bedeutet also; der VfL feuert zwar aus allen Lagen aufs gegnerische Tor – was speziell gegen Dortmund, Augsburg und Frankfurt der Fall war – aber nur selten aus aussichtsreichen Positionen. Und wenn doch, dann häufig zu unpräzise.

Hofmanns Torflaute

Über die fehlende Torgefahr beim VfL wird auch deshalb viel gesprochen, weil Philipp Hofmann bislang noch nicht getroffen hat. Der Mittelstürmer wartet seit Anfang April auf sein nächstes Pflichtspieltor. „Er macht sich weniger Gedanken als die Presse“, meint Letsch, der den kantigen Zielspieler jüngst in Leipzig aus der Startelf gestrichen hat. Der Trainer betont: „Es gehört zum Leben eines Stürmers dazu, dass es Phasen gibt, in denen nicht alles gelingt. Wir helfen ihm, da schnell wieder herauszukommen. Aber er muss sich auch selber helfen. Sobald er vor dem Tor nachdenkt, wird es schwierig.“

Das Grundvertrauen in Hofmanns Qualitäten bleibt davon jedoch unberührt. Der VfL hat den Vertrag mit dem 30-Jährigen erst kürzlich bis 2026 verlängert. „Dass Philipp Fähigkeiten mitbringt, die uns weiterhelfen, ist unbestritten. Die Leichtigkeit vor dem Tor kommt mit dem nächsten Erfolgserlebnis zurück“, glaubt Letsch. Dass der VfL Bochum mit Goncalo Paciencia Ende August einen weiteren Mittelstürmer geholt hat, findet Hofmann sogar gut: „Letztes Jahr hatte ich da vorne quasi keine Konkurrenz. Wenn er uns hilft, umso besser.“ Vielleicht kann ja auch Paciencia die Bochumer Torflaute beheben.

In Leipzig überzeugte der Portugiese mit einer starken Ballbehandlung, war in seiner defensiv ausgerichteten Mannschaft aber auch häufig auf sich allein gestellt – was sich gegen andere Mannschaften ändern dürfte. Die grundsätzliche Frage bleibt davon ohnehin unberührt: Wird der VfL am Saisonende einen Spieler stellen, der die Zehn-Tore-Marke knackt? Alternativ müsste er die Last auf weitere Schultern verteilen; vermutlich bräuchte es ein halbes Dutzend Spieler, die mindestens fünf Tore schießen. Doch wer käme dafür infrage? Asano und Stöger haben den Anfang bereits gemacht.

Weitere Hoffnungsträger

Dahinter fehlen derzeit noch aussichtsreiche Bewerber. Christopher Antwi-Adjei, der die gegnerischen Abwehrreihen schon oft vor Probleme gestellt hat, ist zum Opfer der Systemumstellung geworden und aktuell eher auf der Ersatzbank zu finden. Generell stehen weniger Offensivspieler auf dem Platz als in der Vergangenheit. Philipp Förster, Bochums Top-Scorer in der letzten Saison, ist momentan ebenfalls nur Joker. Als Hoffnungsträger gelten außerdem Moritz Broschinski sowie die Neuzugänge Lukas Daschner und Moritz Kwarteng. Letztgenannter hat die Zehn-Tore-Marke immerhin schon in der 2. Liga geknackt.


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(Foto: Imago / osnapix)