Die Geschichte zum Bochumer Auswärtsspiel in Münster hätte sich fast von selbst geschrieben, wenn ausgerechnet Neuzugang Oliver Olsen in den Schlussminuten den Bochumer Siegtreffer erzielt hätte. Doch sein Schuss wurde im letzten Moment geblockt. Es wäre vier Tage nach seinem Wechsel zum VfL der perfekte Einstand gewesen. Zumal er als rechter Außenverteidiger nicht unbedingt für die entscheidenden Tore verpflichtet wurde. Deshalb war Trainer Uwe Rösler mit dem Auftritt des Debütanten trotz der vergebenen Chance auch zufrieden: „Dafür, dass er noch gar nicht richtig im Match-Modus ist, sehe ich seine Leistung positiv. Er gibt uns Ruhe am Ball und ist kopfballstark.“ Geplant war die Einwechslung des Dänen nicht. Doch Leandro Morgalla musste das Spielfeld nach einem Schlag auf die Achillessehne vorzeitig verlassen.
Sieben Gelbsperren drohen
Auf die Breite des Bochumer Kaders wird es in den kommenden Wochen ohnehin ankommen. Aktuell stehen sieben Spieler unmittelbar vor einer Gelbsperre, darunter vier Profis, die beim 1:1 gegen Preußen Münster zur Bochumer Startelf gehörten. „Ich richte ein Kompliment an unsere Bank. Wir haben gute Wechseloptionen und einen starken Konkurrenzkampf“, lobte Rösler sein Team, das in Münster einen so hohen Ballbesitzanteil hatte wie noch nie unter seiner Leitung – nämlich 60 Prozent. „Das gegen diese Preußen zu schaffen, ist eine Sensation“, meinte der Fußballlehrer, der im Vorfeld des Spiels eigentlich vom Gegenteil ausgegangen war. Dass die Bochumer ausgerechnet die drei Spiele nicht gewonnen haben, in denen sie häufiger am Ball waren als der Gegner, klingt paradox, möchte Rösler aber nicht überbewerten. Denn in allen drei Fällen scheiterte der VfL vor allem an seiner Chancenverwertung.
Miyoshi trifft, Abwehr wankt
Bereits früh beim ersten Bochumer Ligaspiel im Preußenstadion seit 50 Jahren vergab Koji Miyoshi die erste gute Gelegenheit zur Führung. Der Japaner machte es später aber besser und erzielte in der zweiten Halbzeit den hochverdienten Ausgleich. Der Japaner hatte bereits gegen Schalke getroffen. Mit Darbietungen wie diesen dürfte er seinen Platz im Team vorerst sicher haben – es sei denn, er sieht die fünfte Gelbe Karte. Ansonsten gibt es für Trainer Rösler derzeit kaum einen Grund, an der funktionierenden Startformation zu rütteln. Neuzugang Callum Marshall hatte auch gegen Münster wieder gute Momente und bereichert damit das Bochumer Angriffsspiel. Einzig in der Innenverteidigung zeigt die Formkurve teils nach unten. Noah Loosli und Philipp Strompf wirkten nicht ganz sicher und leisteten sich immer wieder Flüchtigkeitsfehler.
Nun zwei Heimspiele in Folge
Strompf war auch maßgeblich an der Entstehung des Gegentreffers beteiligt, was ein grundsätzliches Problem offenbart: Befindet sich der Ball häufiger in den Reihen der Bochumer, stehen die eigenen Verteidiger meist höher – was sie nicht selten vor Probleme stellt. Gegen mehr Ballbesitz will sich Rösler deshalb aber nicht wehren, im Gegenteil: „Wir wollen uns weiterentwickeln und das geht nur über fußballerische Ansätze. Die Balance zwischen Abwehr und Angriff war gegen Münster schon besser als in anderen Spielen.“ Die Auswärtsbilanz bleibt damit makellos. Insgesamt sieben Mal haben die Bochumer mit Rösler in der Fremde gespielt und kein einziges Mal verloren. Nun aber folgen zwei Heimspiele: erst gegen Paderborn, dann gegen Nürnberg.
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(Foto: Marc Niemeyer)
