Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Gedankenanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Konflikte zwischen Verein und Fans.
Wirklich inhaltsreich war die Pressemitteilung des VfL am Dienstag nicht. Immerhin, die Kernbotschaft ist angekommen: Der Verein möchte seine Anhänger bei fanrelevanten Themen künftig noch stärker einbinden und informieren. Konkreter ist es bislang nicht. Dabei gilt schon jetzt: Kaum ein anderer Klub hört seinen Fans so gut zu wie die Bochumer.
Zwei aktuelle Vorgänge zeigen, in welch großem Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen sich der Klub bewegt. Klar ist: Es wird nie gelingen, es allen recht zu machen. Beispiel Sondertrikot: Fast alle Exemplare hat der VfL verkauft. Gleichzeitig regte sich Widerstand. Ausgerechnet gegen Schalke in schwarzen Trikots aufzulaufen, sei inakzeptabel. Zahlreiche Fanclubs – und nicht nur die Ultras – trugen ihren Protest in die Öffentlichkeit. Das Sondertrikot wird nun erst gegen Paderborn getragen. Klingt nach einem faulen Kompromiss, aber: Auf das Trikot gänzlich zu verzichten, hätte für Ärger mit den Käufern gesorgt.
Generell sollte der VfL darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, als würden die Interessen von eher lauten, organisierten Gruppen mehr Beachtung finden als die der eher leisen, unorganisierten Masse. Weiteres Beispiel: Hauptsponsor Vonovia hatte für das Spiel gegen Schalke Fähnchen auf der Südtribüne verteilt. Teile der Ultraszene waren damit nicht einverstanden, kletterten über den Zaun und sammelten sie ein. Dieser Vorfall darf nicht folgenlos bleiben – sonst macht im Stadion bald jeder, was er will. Das Problem ist ja ein grundsätzliches und lässt sich auch auf die endlose Pyro-Debatte übertragen. Der VfL muss aufpassen, dass er nicht diejenigen verärgert, die einfach nur in Ruhe ein Fußballspiel sehen wollen – wovon es ziemlich viele gibt. Im Fall der Fähnchen ist es aus Klubsicht sogar noch komplizierter. Denn Vonovia wird sicher nicht begeistert gewesen sein, dass die Ultras ihre Werbeaktion torpediert haben.
Im Grunde ist die Lösung so nah und doch so fern: Wenn ausnahmslos alle Stadionbesucher akzeptieren würden, dass auch andere Ansichten ihre Berechtigung haben, eigene Interessen nicht höher zu gewichten sind und deshalb nicht rücksichtslos durchgesetzt werden, wäre viel gewonnen.
Ihr wollt das VfL-Magazin einmalig oder dauerhaft unterstützen? Nutzt dafür gerne die unkomplizierte Zahlungsoption via PayPal. Danke, dass ihr Berichterstattung dieser Art auch in Zukunft möglich macht.
(Foto: Marc Niemeyer)
