In diesem Jahr waren alle zufrieden. Vom Trainingslager in Gais schwärmen viele Fans zwar noch heute, die Spieler jedoch weniger. In Scheffau passten die Bedingungen fürs Team, aber nicht für die Anhänger. Von Bramberg am Wildkogel sind sie dagegen alle begeistert. „Es ist nicht selbstverständlich, dass der Verein uns ein solches Trainingslager ermöglicht hat. Die Bedingungen waren super, vom Platz bis zum Hotel“, lobte Trainer Uwe Rösler die Organisatoren und war zugleich auch mit der sportlichen Entwicklung zufrieden. Die Startelf nimmt Formen an vor dem letzten Testspiel der Saisonvorbereitung. Ein Überblick zu allen Spielern – und Vakanzen.
Tor: Die Frage, wer zwischen den Bochumer Pfosten stehen wird, stellt sich gar nicht. Nach starken Leistungen in der vergangenen Saison ist Timo Horn natürlich gesetzt. Überdies ist er ein aussichtsreicher Kandidat fürs Kapitänsamt, das Rösler in dieser Woche vergeben wird. Nach dem Abgang von Niclas Thiede ist noch offen, wer die neue Nummer zwei wird. Die Verantwortlichen planen eigentlich mit Hugo Rölleke, doch beim Keeper der U21 wechseln Genie und Wahnsinn noch zu häufig. Alternativ stünde Neuzugang Tino Casali bereit.
Außenverteidigung rechts: In der Rückrunde der abgelaufenen Spielzeit lieferten sich Leandro Morgalla und Oliver Olsen ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Platz in der Startelf. Weil Morgalla nicht mehr da ist, dürfte Olsen trotz Schwächen in den Testspielen vorerst gesetzt sein. Ein echter Herausforderer fehlt bislang. Rösler sieht Jean Manuel Mbom zwar vorrangig als Außenverteidiger, den Ex-Bremer braucht er im Mittelfeldzentrum aber dringender. Kacper Koscierski wiederum wartet noch auf seinen Durchbruch. Der Spieler soll mit seiner Situation nicht ganz glücklich sein, eine Leihe könnte sinnvoll sein. Im vergangenen Sommer noch hochgelobt, ist aktuell unklar, was der VfL seinem Eigengewächs und U19-Nationalspieler wirklich zutraut.
Außenverteidigung links: Nach mehreren Operationen am Oberschenkel ist Maximilian Wittek wieder einsatzfähig. Dass er den ersten Teil der Saisonvorbereitung verpasst hat und noch Spielpraxis fehlt, war im Trainingslager nicht zu übersehen. Nach einer überzeugenden Rückrunde dürfte Wittek beim Eröffnungsspiel gegen Hertha BSC am 7. August dennoch zur Startformation gehören. Auch er ist ein Kandidat für die Kapitänsbinde. Sollte er noch nicht durchhalten, stehen zwei vielversprechende Talente bereit. Zum einen Darnell Keumo, zum anderen Leon Sawas. Letztgenannter wurde eigentlich nur für die U21 verpflichtet, hat Trainer Rösler aber so begeistert, dass er ihn vorerst zu den Profis beordert hat. Offen ist noch, für wen der beiden sich Rösler entscheidet. Klar ist: Für Winterneuzugang Mikkel Rakneberg, der sich nach einer Verletzung in Aufbautraining befindet, wird es schwer. Ein vorzeitiger Abschied ist denkbar.
Innenverteidigung: Die personelle Konstellation im Abwehrzentrum hat sich stark verändert. Kevin Vogt hat seine Karriere beendet, Erhan Masovic und Noah Loosli haben den VfL ebenfalls verlassen und sind immer noch auf Vereinssuche. Neu dabei sind Michael Steinwender, Karol Mets und Yigit Karademir. Die beiden Erstgenannten sind derzeit Röslers Favoriten. Steinwender spielt unaufgeregt und soll den Part des rechten Innenverteidigers einnehmen, ist also der etwas schnellere und spielstärkere Nachfolger von Loosli, ohne allerdings in diesen Kategorien herausragend zu sein. Mets wiederum hat schon nach wenigen Tagen den oft wackligen und fußballerisch limitierten Philipp Strompf verdrängt. Mets‘ Problem ist die Spielfitness. Perspektivisch plant ihn Rösler aber als Führungskraft ein. Sollte er zum Start nicht mitwirken können, stünde Karademir bereit, der im Zentrum sowohl rechts als auch links spielen kann. Strompf, der bis Mai Stammkraft war, ist nur noch Innenverteidiger Nummer vier. Sollte er noch wechseln wollen, wären die Verantwortlichen gesprächsbereit.
Defensives Mittelfeld: Der Abgang von Cajetan Lenz hat die Vereinskasse aufgefüllt und trägt entscheidend dazu bei, dass der VfL seinen Etat annähernd halten konnte. Die entstandene sportliche Lücke soll Enis Cokaj füllen. Der Albaner fügt sich bislang gut in die Mannschaft ein, wirkt abgeklärt und bissig. Noch fehlt ihm aber Zweitliga-Erfahrung. Als Alternative stünde allenfalls Mbom bereit, der allerdings auch als rechter Außenverteidiger oder Achter spielen soll. Ein weiterer Mittelfeld-Stratege, der auch Cokaj vertreten könnte, würde dem Team gut zu Gesicht stehen.
Zentrales Mittelfeld: Mit Matus Bero, Kjell Wätjen und Francis Onyeka sind im Saisonvergleich gleich mehrere Optionen für die Achter-Rolle weggebrochen und bislang nicht ersetzt worden. Da Mats Pannewig große Teile der Vorbereitung verpasst hat, klafft hier die größte Lücke im Team des VfL. Mbom hat in dieser Rolle, die Laufstärke und auch Offensivqualitäten erfordert, noch nicht überzeugt. Tom Meyer und vor allem Lasse Isbruch haben zwar großes Potenzial, aber noch keinerlei Profierfahrung. Rösler hofft deshalb noch auf einen Neuzugang, der sofort helfen kann. Anderenfalls wird es zum Saisonstart auf eine Notlösung hinauslaufen – wahrscheinlich auf Mbom. Meyer könnte parallel auch in der U21 spielen, Isbruch sogar noch in der U19. Von Winterneuzugang Moritz Göttlicher spricht derzeit niemand mehr.
Offensives Mittelfeld: In der vergangenen Saison hatte das Trainerteam die Qual der Wahl und bis zu vier unterschiedliche Optionen auf dieser Position. Aktuell hat Berkan Taz klar die Nase vorn. Die Neuverpflichtung vom SC Verl erinnert ein wenig an Zvjezdan Misimovic – technisch hoch veranlagt, aber nicht allzu schnell und mit Defiziten bei der Arbeit gegen den Ball. Mit gefährlichen Distanzschüssen, präzisen Standards und möglichst vielen Torvorlagen soll er der neue Spielmacher werden. In der Vorbereitung blitzte sein Können bereits auf. Als Alternative stünde Mittelfeldallrounder Koji Miyoshi bereit.
Rechte offensive Außenbahn: Die Entscheidung fällt schwer. Mit Miyoshi und Neuzugang Christian Rasmussen verfügt Trainer Rösler über zwei passende, wenngleich unterschiedliche Optionen für diese Aufgabe. Miyoshi, der in der Rückrunde überzeugt hat, in der Vorbereitung aber unauffällig blieb, ist kein klassischer Außenbahnspezialist, dafür sehr agil und souverän in der Ballbehandlung. Rasmussen wiederum ist kräftiger, schnell und technisch ebenfalls sehr gut ausgebildet. Sein Nachteil: Er ist noch nicht bei 100 Prozent. Alternativ stünde auch noch der pfeilschnelle Babis Drakas zur Verfügung. Samuel Bamba hingegen soll abgegeben werden, es gibt Interesse aus Portugal.
Linke offensive Außenbahn: Eigentlich befinden sich die Verantwortlichen noch auf der Suche nach einer zusätzlichen Alternative für diese Position. Doch womöglich wurde sie bereits im internen Kreis gefunden. Alessandro Crimaldi ist der große Gewinner der Saisonvorvereitung und darf sich dank guter Testspielleistungen berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der Startelf machen. Körperlich und taktisch hat der Deutsch-Italiener zwar noch unübersehbare Defizite, fußballerisch aber kann der 18-Jährige problemlos mithalten. Als Joker und Teilzeitkraft steht der wiedergenesene, aber noch nicht gänzlich fitte Gerrit Holtmann bereit. Auch Miyoshi und Rasmussen könnten auf dem linken Flügel spielen. Fraglich also, ob der VfL sein knappes Geld ausgerechnet auf dieser Position investieren sollte.
Angriffszentrum: Niemand im Team das VfL ist erfahrener und hat mehr Zweitliga-Spiele absolviert als Philipp Hofmann. Kann er die gute Form der Rückrunde beibehalten, dann steht einer zweistelligen Zahl an Saisontoren kaum etwas im Wege. So oder so: Der kopfballstarke Mittelstürmer ist gesetzt. Dahinter, daneben oder als Alternative steht Neuzugang Daniel Hanslik zur Verfügung. Auch er kennt die Liga bestens, scheint aber Anlaufzeit zu benötigen. In den Testspielen tauchte er unter. Vorgänger Callum Marshall fügte sich schneller und besser ein. Ibrahim Sissoko, der nicht mehr am Mannschaftstraining teilnimmt, darf und soll den Klub nach wie vor verlassen. Unabhängig von dieser Personalie ist die Verpflichtung eines hybriden Angreifers, der innen wie außen spielen kann, nach wie vor eine Option.
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(Foto: Marc Niemeyer)
