Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Interviews im Profifußball.
Die Postfächer waren voll, nicht selten mit Beleidigungen. Als Felix Kroos, Zweitliga-Experte von RTL, zu Beginn des Jahres sagte, dass Schalke 04 trotz Herbstmeisterschaft nicht aufsteigen werde, fühlten sich etliche Anhänger der Königsblauen persönlich angegriffen. Kroos kam trotzdem zu der Schlussfolgerung, auch künftig uneingeschränkt seine Meinung äußern zu wollen.
Das ist längst nicht mehr die Regel. Manche Medien stellen außergewöhnliche Aussagen oft in reißerische Überschriften und setzen die Empörungsmaschinerie damit in Gang. Kein Wunder, dass sich auch zahlreiche Fußballer immer zurückhaltender äußern. Wer ehrlich ist und sagt, was er denkt, wird oft bestraft. Die Folge: Interviews im Profifußball lohnen sich dadurch immer wieder, ein echter Austausch findet kaum noch statt. Spieler werden oft geschult und wissen, dass sie im Zweifel lieber eine Floskel mehr nutzen sollen. In Bochum ist das nicht anders. Vielen Jüngeren muss man gefühlt jedes Wort aus der Nase ziehen, und die Älteren sind meist so gewieft, dass sie zwar viel reden, aber oft wenig sagen. Aus dem aktuellen Kader gehört Gerrit Holtmann zu den wenigen Akteuren, die erfrischend ehrlich antworten, wenn sie denn sprechen dürfen. Schon mehrfach kam es in dieser Saison vor, dass sich Spieler zu einem Interview bereit erklären haben, dann aber von der Medienabteilung zurückgepfiffen wurden.
Die seit Jahren zunehmende Kontrolle ist aus Klubsicht durchaus verständlich, für uns Journalisten und die Fans aber schade. Die Authentizität geht immer weiter verloren. Hinzukommt: Vor allem Einzelgespräche unterliegen der Autorisierungspflicht. Das bedeutet, dass die Zitate vor der Veröffentlichung freigegeben werden müssen. Eigentlich geht es dabei nur darum, die korrekte Wiedergabe zu gewährleisten. Mitunter werden auf diesem Weg aber auch aussagekräftige Passagen geglättet oder, wenn auch selten, gänzlich gestrichen. All diese Entwicklungen führen dazu, dass Interviews auf dieser Plattform die Ausnahme bleiben, bestimmte Spieler praktisch nie zitiert werden (können) und sich der Trend zu Podcasts weiter verfestigt. Denn dort gilt das gesprochene Wort.
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(Foto: Marc Niemeyer)
