Linksverteidiger im Fokus

Letsch stärkt Soares: Trotz Wackler kein Wackelkandidat

Ein bisschen unfreiwillig stand Danilo Soares in der vergangenen Woche im Fokus der Öffentlichkeit, teilweise sogar international. Tagelang wurde über eine Szene im Derby gegen den BVB diskutiert, an der der Brasilianer entscheidend beteiligt war. Soares hatte Mitte der zweiten Halbzeit Dortmunds Karim Adeyemi im Strafraum von den Beinen geholt, ohne dass Schiedsrichter Sascha Stegemann und Video-Assistent Robert Hartmann eingegriffen haben. Der Aufschrei beim Titelanwärter war groß. Die Fußball-Welt ist sich mittlerweile einig: Soares‘ Einsteigen war regelwidrig, hätte folgerichtig mit einem Elfmeter gegen Bochum und einer Gelb-Roten Karten gegen den Verursacher bestraft werden müssen – was aber nicht geschah.

Der Linksverteidiger des VfL steht an diesem Samstag beim Auswärtsspiel in Mönchengladbach also wie gewohnt zur Verfügung. Dass er zur Startelf gehören wird, gilt als sicher. Gerade weil sich Trainer Thomas Letsch oft ziert, über die Aufstellung für das nächste Spiel zu sprechen, waren seine Worte in der Pressekonferenz am Donnerstag von ungewohnter Deutlichkeit: „Freibriefe gibt es keine, aber wenn alles normal läuft, dann wird Danilo wieder spielen“, sagte Letsch auf Nachfrage von Tief im Westen – Das VfL-Magazin. „Wir haben Vertrauen in ihn und werden nicht beim ersten oder zweiten Wackler reagieren.“ Soares war zuletzt gegen Wolfsburg und Dortmund an mindestens zwei Gegentreffern entscheidend beteiligt.

Soares ist seit Jahren Stammspieler

Soares verschätzte sich in beiden Partien jeweils bei einem Diagonalball, kurz darauf kassierte der VfL einen Gegentreffer. Vor allem gegen Wolfsburg erreichte der 31-Jährige auch ansonsten nicht seine Normalform. Doch für Letsch sind diese Fehler kein Grund dafür, einen der dienstältesten Bochumer im alles entscheidenden Saisonendspurt infragezustellen. Soares trägt seit 2017 das Trikot des VfL und ist seit seiner Verpflichtung praktisch unumstrittene Stammkraft. Am Wochenende läuft er zum 184. Mal für den Revierklub auf und zieht in der vereinsinternen Statistik mit Philipp Bönig gleich, einem seiner Vorgänger als Linksverteidiger. Beide stehen dann auf Platz 28 der am häufigsten eingesetzten VfL-Profis.

Letsch warnte auf Nachfrage vor Aktionismus und generell davor, einzelne Szenen oder Spiele als Maßstab für die Personalauswahl zu nehmen: „Die Fehler waren Thema in der Analyse. Aber es wäre zu einfach, Danilo allein die Schuld an bestimmten Gegentreffern zu geben. Es war eine Verkettung von Problemen. Die Tore waren schon vorher und auch danach noch zu verhindern.“ Letsch betonte außerdem, dass Leistungsschwankungen dazugehörten und auf Soares grundsätzlich Verlass sei – einzelne Wackler lassen ihn folglich nicht zum Wackelkandidaten werden. „Danilo spielt auch in diesem Jahr eine über weite Strecken gute Saison“, sagte der Coach, der allerdings nachschob: „Vielleicht nicht ganz so stark wie die letzte.“

Stafylidis und Heintz stünden bereit

Im Fall der Fälle und bei einem länger anhaltenden Formtief könnte Letsch immer noch reagieren. Der Kader gibt gleich zwei Optionen her, die keine Bauchschmerzen verursachen: Zum einen Konstantinos Stafylidis, einen klassischen Linksverteidiger. Er wurde beim VfL wegen der Stärke von Soares meist positionsfremd eingesetzt. Zum anderen Dominique Heintz, der eigentlich Innenverteidiger ist. Schon in Köln und Frankfurt war er für den angeschlagenen beziehungsweise gesperrten Brasilianer eingesprungen und überzeugte in ungewohnter Rolle. Im Gegensatz zu Soares, dessen Vertrag bis 2024 gilt, sind die beiden Alternativen aber nur noch für wenige Wochen an den VfL gebunden, ihre Zukunft ungewiss.

Heintz, der unter Letsch bislang nur fünfmal zum Einsatz kam, liebäugelt schon seit längerer Zeit mit einer Rückkehr in die Pfalz, konkret zum 1. FC Kaiserslautern. Ohnehin ist der 29-Jährige von Union Berlin nur ausgeliehen. Und Stafylidis? Seine Dienste waren unter Letsch schon deutlich häufiger gefragt. Aber: Im vergangenen Sommer hatte der ehemalige griechische Nationalspieler lediglich für eine Saison unterschrieben, unter anderem deshalb, weil ein Zweitligavertrag finanziell nicht darstellbar war. Stafylidis verdient also vergleichsweise gut. Ob es eine Klausel gibt, durch die sich sein Vertrag im Falle des Klassenerhalt automatisch verlängert, ist bislang nicht bekannt. Und selbst wenn: Soares hätte wohl weiter die Nase vorn.


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(Foto: Marc Niemeyer)