Vor dem Saisonstart

Villis im Interview: Über Reis, Schindzielorz und Investitionen

Gesprächsthemen gibt es beim VfL Bochum derzeit reichlich: Die Vertragsverhandlungen mit Trainer Thomas Reis, den Abgang von Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz, die Nachfolger-Suche oder Rekordeinnahmen auf dem Transfermarkt. Als Vorsitzender des Präsidiums ist Hans-Peter Villis in alle Angelegenheiten involviert. Zeit für ein ausführliches Interview…

Herr Villis, fallen wir direkt mit der Tür ins Haus: Wie stehen die Chancen, dass Thomas Reis über die neue Saison hinaus Cheftrainer des VfL Bochum bleibt?

Ich bin optimistisch, dass es klappt, aber Vollzug melden können wir noch nicht. Dass wir ihn langfristig an den Klub binden möchten, ist ein offenes Geheimnis. Die Gespräche mit ihm und seinem Berater laufen, die Verantwortung dafür liegt bei unserer Geschäftsführung. Wir als Präsidium haben dafür einen Rahmen gesetzt.

Ist es das Ziel, bis zum Saisonstart am 6. August Klarheit zu haben?

Im Idealfall schon. Aber wenn es länger dauert, ist das auch kein Problem, denn Thomas Reis hat ja noch einen gültigen Vertrag für die laufende Saison.

Glauben Sie, dass es jetzt eher noch vom Geld oder von anderen Faktoren abhängt, ob er verlängert oder nicht?

Spekulationen und Vermutungen wären unangebracht. Wir wissen, dass sich Thomas Reis bei uns sehr wohl fühlt. Das hat er immer betont.

Er hat aber auch schon öffentlich kundgetan, dass er sportliche Ambitionen hat. Was können Sie ihm perspektivisch bieten?

Der ganze VfL ist ambitioniert, sportlich wie auch in anderen Bereichen. Wir haben schon vor der jetzt anstehenden Saison das Budget für den Lizenzspielerkader signifikant erhöht. Und die Wachstumsstrategie soll weitergehen. Wir streben einen Jahresumsatz von mindestens 100 Millionen Euro an. Wir wollen uns von Jahr zu Jahr verbessern. Diese Pläne kennt Thomas Reis natürlich auch.

Einige Fans wundern sich darüber, warum die Gespräche offenbar erst jetzt richtig Fahrt aufgenommen haben. Hat Thomas Reis in der zurückliegenden Saison nicht schon frühzeitig Argumente geliefert, um eine Verlängerung anzustreben?

Erste Gespräche zwischen ihm und der Geschäftsführung gab es bereits in der zurückliegenden Saison. Die Verantwortung hierfür liegt in erster Linie bei Sebastian Schindzielorz, stets in enger Abstimmung mit Ilja Kaenzig. Ich habe mit Thomas Reis nach der Saison länger gesprochen. Negative Signale, dass er uns verlassen möchte, habe ich von ihm bislang keine erhalten.

Thomas Reis hat neulich der Bild-Zeitung gesagt, er würde gerne wissen, mit welchem Geschäftsführer Sport er in Zukunft zusammenarbeiten wird. Können Sie ihm das schon sagen?

Wir haben ihm ganz klar signalisiert, dass niemand kommen wird, der ganz andere Vorstellungen davon hat, wie wir Fußball spielen wollen. Darauf achten wir.

Wie groß war die Überraschung, als Ihnen Sebastian Schindzielorz mitgeteilt hat, dass er den Verein verlässt.

Ganz offen gesagt: Wirklich groß. Ich habe nicht damit gerechnet.

Ist sein Abgang der schmerzhafteste Verlust der vergangenen Jahre?

Er ist ein wesentlicher Mosaikstein, der herausbrechen wird, aber Erfolg ist und bleibt Teamarbeit bei uns. Insofern: Es ist ein herber Verlust, ja. Doch es geht weiter. Wir sind zum Beispiel sehr froh darüber, dass sein Geschäftsführer-Kollege Ilja Kaenzig bei uns bleibt.

Nach wie vor nebulös bleibt, warum Sebastian Schindzielorz den Verein überhaupt verlässt. Er sagte jüngst in der WAZ, es läge weder am Gehalt noch daran, dass ein anderer Bundesligist bei ihm vorstellig geworden sei – sondern „an den Prozessen“ beim VfL. Was meint er damit?

Das müssen Sie ihn am besten selber fragen. Wir haben ihm vor viereinhalb Jahren die Chance gegeben, den wichtigen Job anvertraut und waren an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert.

Gab es zwischenmenschliche Probleme zwischen ihm und dem Präsidium?

Nein, zwischen ihm und mir sowieso nicht. Hier und da gehören Diskussionen dazu, die aber stets an der Sache orientiert geführt wurden. Die Wertschätzung ihm gegenüber war immer da.

Was hat er Ihnen denn gesagt, warum er gehen möchte?

Dass er nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen sei, etwas anderes machen zu wollen. Er hat allerdings betont, dass er noch kein Angebot eines anderen Klubs vorliegen habe. Ich habe ihm gesagt, dass die Tür für ihn weiter offensteht, aber das ist jetzt schon eine Weile her und wir prüfen längst Alternativen, intern wie extern. Ich hoffe, dass wir relativ zeitnah zu einer Entscheidung kommen.

Sebastian Schindzielorz hat ja gekündigt, weil sich sein Vertrag sonst automatisch verlängert hätte. Haben Sie ihm überhaupt ein neues Vertragsangebot vorgelegt? Nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin war das nicht der Fall.

Wie schon gesagt: Wir waren an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert. Zu Inhalten interner Vorgänge werden wir uns nicht öffentlich äußern.

Etwas skurril war ja auch, dass die Kollegen der SportBild die Kündigung zuerst öffentlich gemacht haben, nicht der Verein. Woran lag das?

Sebastian Schindzielorz hat mich natürlich erst mündlich und dann schriftlich informiert. Bis dahin konnten wir noch gar nichts kommunizieren.

Ist es nicht problematisch, dass jetzt jemand neue Spieler von einer Zukunft beim VfL Bochum überzeugen soll, der seine eigene Zukunft nicht mehr beim Klub sieht?

Überhaupt nicht. Er ist ein Vollprofi und Teil eines Teams. Alles ist längst besprochen, vom Budget bis zum Bedarf für die einzelnen Positionen. An den Verpflichtungen, die er schon getätigt hat, sieht man doch, dass er einen guten Job macht – und ihn bis zum Vertragsende auch weiter machen wird.

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Nachfolger Patrick Fabian heißen wird?

An Hochrechnungen werden wir uns nicht beteiligen. Aber ich habe ja schon erwähnt, dass wir uns auch eine interne Lösung vorstellen können.

Wenn Patrick Fabian ihr Wunschkandidat wäre, hätten Sie die Angelegenheit doch schon längst finalisieren können.

Personalien erfordern in der Regel im Vorfeld sehr viele Gespräche, die geführt werden müssen. Das gilt für externe wie interne Personalentscheidungen. Wir lassen uns die notwendige Zeit, einen Schnellschuss wird es nicht geben.

Wie läuft denn die Suche nach externen Kandidaten? Sind Sie selber unterwegs oder wurde ein Headhunter beauftragt?

Wir haben Netzwerke, die wir nutzen.

Heißt: Sie gehen persönlich auf die Suche und sprechen Kandidaten direkt an?

Dazu werde ich mich öffentlich nicht äußern.  

Denken Sie auch über eine Doppel-Besetzung nach, sprich: Könnte es neben einem Geschäftsführer Sport zusätzlich einen Sportdirektor geben? Auf ein solches Modell setzen ja schon einige andere Klubs.

Darüber müssten wir vor allem mit dem neuen Geschäftsführer Sport sprechen, wie er sich die Struktur genau vorstellt.

Es gab in diesem Sommer weitere Abgangsmeldungen, vor allem auf die Mannschaft bezogen. Wie schwer wiegt der Verlust mehrerer Leistungsträger?

Dass wir in den Innenverteidigung zwei Eigengewächse mit großem Potenzial verloren haben, ist sicher bedauerlich, gehört aber zum Profi-Business. Dafür wurden wir finanziell ja auch angemessen entschädigt. Wir haben immer noch gute Spieler an Bord, oder haben neue dazugeholt.

Für Armel Bella Kotchap hat der VfL Bochum die mit Abstand größte Ablösesumme der Vereinsgeschichte erzielt. Gab es Überlegungen, das Angebot aus Southampton trotzdem nicht anzunehmen?

Es war ein sehr gutes Angebot. Das Gesamtpaket passte einfach. Wir haben vorher mit allen Führungskräften gesprochen, natürlich auch mit dem Trainer. Hinzu kam, dass auch der Spieler und sein beratendes Umfeld das Angebot annehmen wollten.

Was haben Sie mit dem Geld nun vor?

Wir sind durch Darlehensverträge verpflichtet, bei außerordentlichen Einnahmen auch außerordentlich zu tilgen. Dabei geht es um das Stadioncenter oder um die KfW-Kredite, die wir im Zuge der Corona-Pandemie aufgenommen haben. Kurzum: Die Einnahmen stehen nicht eins zu eins für neue Spieler zur Verfügung.

Wahrscheinlich wollen Sie auch Rücklagen bilden.

Wir sind vorsichtige Kaufleute. Heißt: Wir brauchen Reserven. Niemand weiß, wie genau sich die Corona-Pandemie fortentwickeln wird, um nur einen möglichen Fall zu nennen.

Aber wollen Sie gar nichts von den zusätzlichen Einnahmen investieren?

Doch, natürlich. Es gibt zum Beispiel weitere infrastrukturelle Maßnahmen im Nachwuchsbereich, die wir angehen wollen.

Wird auch Geld in Beine und nicht nur in Steine gesteckt?

Mit der Ankündigung, den Etat anzuheben, haben wir darauf bereits die Antwort geliefert. Auch das sind Investitionen, selbst wenn wir keine hohe Ablöse zahlen. Wir gehen mit jedem Transfer finanzielle Verpflichtungen ein. Genau da müssen wir aber auch einen möglichen Abstiegsfall immer berücksichtigen.

Der Lizenzspieleretat wurde von etwa 24 auf rund 30 Millionen Euro erhöht, allerdings schon vor den Transfereinnahmen. Wird es denn eine weitere Steigerung geben?

Stand jetzt: Nein. Aber wir haben noch Spielraum und Flexibilität für weitere Verpflichtungen.

Ist die Mannschaft in ihrer jetzigen Zusammensetzung denn gut auf die neue Saison vorbereitet?

Ja, denn sie hat sich im Laufe der Vorbereitung kontinuierlich entwickelt. Das hat man zum Beispiel im Trainingslager gesehen, ich war selbst vor Ort. Natürlich ist es schade, dass wir unter anderem verletzungsbedingt nicht alle Spieler aufs gleiche Niveau bringen konnten. Dennoch blicke ich optimistisch auf die Saison.

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(Foto: Imago / RHR-Foto)

Modernisierung

VfL steckt 4 Millionen Euro ins Ruhrstadion und NLZ

Das Bochumer Ruhrstadion zählt längst zu den ältesten Spielstätten in der Fußball-Bundesliga. Der VfL hat die Sommerpause deshalb genutzt, um einige Bereiche zu modernisieren. Insgesamt fließen rund vier Millionen Euro in verschiedene Maßnahmen. Einige Arbeiten wurden bereits umgesetzt, andere folgen noch. Das Geld, das der Verein investiert, war bereits länger eingeplant und im Etat berücksichtigt. Es handelt sich also nicht um eine außerplanmäßige Ausgabe als Reaktion auf ein sattes Plus bei den Transfergeschäften.

Mannschaftskabine wird renoviert

Erste Veränderungen werden für die Zuschauer bereits zum Saisonstart sichtbar sein. Nach mehr als 15 Jahren wurden unter anderem neue Videoleinwände installiert. Auch gibt es neue LED-Werbebanden. Diese wurden vom Verein bislang angemietet, nun gehören sie dem VfL. Das sei langfristig günstiger, verrät Geschäftsführer Ilja Kaenzig im Gespräch mit Tief im Westen – Das VfL-Magazin. In der WM-Pause Ende des Jahres soll außerdem der große VIP-Bereich, die „Stadtwerke Bochum Lounge“, aufgehübscht werden; auf ihrem Dach soll zudem eine Photovoltaik-Anlage entstehen.

Vor allem als Zweitligist sei der Verein lange Zeit nicht in der Lage gewesen, Geld in die Infrastruktur zu stecken, erklärt Kaenzig. Auch die Bundesliga-Mannschaft soll von den Maßnahmen profitieren. In der Sommerpause wurden zunächst Teile des Nassbereichs erneuert, im Winter wird die Kabine neu gestaltet. Das Nachwuchszentrum an der Hiltroper Straße wird ebenfalls ausgebaut und renoviert. Dort sollen vor allem neue Möglichkeiten für das Athletik- und Fitnesstraining geschaffen werden.

Event-Bereich und Service-Center

Zu guter Letzt sollen auch die Fans profitieren. Zum einen plant der VfL hinter der Osttribüne einen Event-Bereich mit kleiner Bühne und Biergarten. Zum anderen wird der bisherige Showroom des früheren Hauptsponsors Tricorp neben dem Fanshop zum Service-Center umgebaut. Ebenfalls geplant oder schon umgesetzt: Die technische Neuausstattung der Stadionregie und eine neue Videoüberwachungsanlage. Keine Lösung ist unterdessen für das frühere, seit 2020 ungenutzte „Morrizz“ unter der Nordtribüne in Sicht.

Die Räumlichkeiten müssten dringend saniert werden, doch die Kosten seien zu hoch, sagt Kaenzig. Weit mehr als eine Million Euro müsste der Verein in die Hand nehmen. Das würde sich nicht rechnen. Stattdessen setzt der VfL weiter auf ein VIP-Zelt auf der Terrasse der alten Fan-Gastro. Rund 150 Partner des Vereins können dort untergebracht werden. Apropos: Die zuletzt auf 25.000 Zuschauer gesunkene Stadionkapazität konnte dank verschiedener Maßnahmen im Sommer auf nun 26.000 Plätze erhöht werden. Unter anderem wurden die Zäune vor den Blöcken G und H1 entfernt.

Pfandsystem wird eingeführt

Damit hat der VfL in der neuen Saison das zweitkleinste Stadion der Liga. Nur Union Berlin bietet noch weniger Plätze an, ein Ausbau der Alten Försterei ist allerdings geplant und soll im nächsten Jahr beginnen. Dass das 1979 eingeweihte Ruhrstadion nicht mehr in allen Bereichen den heutigen Anforderungen entspricht, wurde unter anderem bei der Lizenzierung deutlich. Aufgrund der engen Innenraummaße spielt der VfL mit einer Sondergenehmigung, was allerdings schon seit Jahren der Fall ist. Ändern lässt sich das freilich nicht mehr.

Eine andere Auflage hat der VfL hingegen erfüllen können. Nach dem Becherwurf mit Spielabbruch im März hatte der DFB die Einführung eines Mehrweg-Pfandsystems gefordert. Das war ohnehin geplant, und konnte nun fristgerecht umgesetzt werden. Für die Becher wird ein Pfand in Höhe von zwei Euro erhoben. Kommt der Inhalt aus einer Brauerei in Bochum, werden ab sofort 6,80 Euro inklusive Pfand fällig. Wegen erhöhter Kosten bei Rohstoffen, Energie und Personal ist der Bierpreis im Stadion um 50 Cent gestiegen.

(Foto: Firo Sportphoto)

3:0-Sieg bei Viktoria Berlin

Souveräner VfL: Der vergessene Zoller und die Systemfrage  

Bochums Kapitän war etwas überrascht. Als Anthony Losilla nach dem souveränen 3:0-Pokalerfolg bei Viktoria Berlin vom DFB als „Man of the Match“ ausgezeichnet wurde, wusste er gar nicht, wieso ausgerechnet ihm diese Ehre zuteil wurde. Gewiss, der Dauerläufer machte kein schlechtes Spiel, aber kein überragendes. An den Toren war er jedenfalls nicht beteiligt. Im Gegensatz zu Simon Zoller, dem Losilla die kleine Trophäe sehr gegönnt hätte. Denn der Angreifer erzielte das 1:0, leitete das 2:0 durch Takuma Asano mit ein und legte das 3:0 von Philipp Hofmann mustergültig auf. 

„Ich bin wieder da, fühle mich gut. Über Tore und Vorlagen freut sich jeder Offensivspieler am meisten“, war Zoller mit seiner eigenen Darbietung zufrieden. Auch mit der gesamten Mannschaftsleistung war der 31-Jährige im ersten Pflichtspiel der neuen Saison einverstanden: „Wir haben seriös gespielt, ohne große Aufregung. Die beiden frühen Tore haben uns Sicherheit gegeben.“ Der VfL ist also dabei, wenn am 4. September die zweite Pokalrunde ausgelost wird. Bis dahin konzentrieren sich die Bochumer allerdings voll und ganz auf die Bundesliga, die am kommenden Samstag mit einem Heimspiel gegen Mainz 05 beginnt.

Verändertes System

Gut möglich, dass Simon Zoller auch dann wieder in der Startformation steht. Erst auf den letzten Metern der Saisonvorbereitung hat sich der Publikumsliebling den Platz in der ersten Elf gesichert. Dabei hat der Angreifer von einer Systemumstellung profitiert, die wohl nicht nur dem unterklassigen Gegner im DFB-Pokal geschuldet war. Trainer Thomas Reis setzte am frühen Samstagnachmittag auf ein 4-2-3-1-System mit Zoller auf der rechten Angriffsseite. In der Vorsaison und auch zu Beginn der Vorbereitung spielte der VfL meist im gewohnten 4-1-2-2-1 mit zwei Achtern. Nun gibt es einen zweiten Sechser und einen Zehner. Personell ist das Team damit mutiger aufgestellt. Kevin Stöger, der neben Anthony Losilla auf der Sechs spielt, denkt und handelt offensiver als zum Beispiel Elvis Rexhbecaj; auch bei Takuma Asano auf der Zehn steht das eigene Angriffsspiel im Vordergrund.

Reis widerspricht jedoch bei dem Gedanken, dass sich seine taktische Marschroute damit generell verändern könnte. Er wolle variabel bleiben und das System da anpassen, wo es erforderlich sei, „weil wir auch andere Spielertypen dazugeholt haben.“ Die Offensive zulasten der Defensive zu stärken, sei für ihn keine Option. Das wäre für den Moment wohl auch kein kluger Gedanke. Denn obwohl das Spiel gegen Viktoria Berlin kein Gradmesser für den Liga-Alltag war, wurde deutlich, dass die neu formierte Abwehrreihe gerade zu Beginn auf noch mehr Unterstützung aus allen Mannschaftsteilen angewiesen ist. Ivan Ordets steigerte sich zwar deutlich, auch Neuzugang Jannes Horn machte bis zu seiner frühen, verletzungsbedingten Auswechslung ein gutes Spiel. Doch ganz sattelfest präsentierte sich die Viererkette gegen den eigentlich harmlosen Viertligisten nicht.

Zoller ist variabel einsetzbar

Vor allem Vasilios Lampropoulos hatte Probleme, das Tempo mitzugehen – ein Defizit, das schon in den Testspielen unübersehbar war. Dass ihn Erhan Masovic bis zum Spiel gegen Mainz noch aus der Startelf verdrängen wird, ist eher unwahrscheinlich, aber keineswegs ausgeschlossen. Qualität werde sich auf Dauer durchsetzen, sagte Thomas Reis nach dem Spiel in Berlin über die leichte Formkrise beim serbischen Innenverteidiger.

Während Masovic seinen sicher geglaubten Stammplatz in der Vorbereitung verspielt hat, zählt Simon Zoller klar zu den Gewinnern der zurückliegenden Wochen. Mehr als zehn Monate nach seinem Kreuzband kommt er langsam wieder in Fahrt. Auf die Frage, in welcher Rolle er sich in der neuen Saison sehen würde, antwortete Zoller am Samstag schlicht: „Auf dem Platz!“ Ob außen, als zweite Spitze oder gar hängend, sei nicht so entscheidend – zumal Zoller die Diskussion über das richtige System ohnehin nicht zu hoch hängen möchte: „Viktoria Berlin ist nicht Mainz und Mainz ist nicht Bayern München. Wir spielen nicht gegen jede Mannschaft gleich. Das war schon in der vergangenen Saison so.“ Zoller könnte dabei die Variable sein, die taktische Allzweckzwaffe in der Offensive – und vielleicht auch wieder der Mann des Spiels. Für Anthony Losilla war er das schon im Pokal.

Nächster Neuzugang

Links oder zentral? So plant der VfL mit Jannes Horn

Nicht alle Transferideen, die in Foren, auf Facebook oder Twitter von Fans genannt werden, sind für den VfL Bochum auch wirklich umsetzbar. Doch ein Spieler, dessen Name zuletzt häufiger Erwähnung fand, hat nun tatsächlich den Weg an die Castroper Straße gefunden: Jannes Horn, 25 Jahre alt und 1,86 Meter groß, verteidigt in den kommenden zwei Jahren im blau-weißen Trikot. Der schnelle Linksfuß war zuletzt vereinslos, stand bis zum Ende der vergangenen Saison aber beim 1. FC Köln unter Vertrag. 64 Bundesligaspiele stehen bereits in seiner Vita, weitere sollen nun folgen.

Reaktion auf Ausfall von Soares

„Seine Bundesligaerfahrung wird wertvoll für uns sein, er kennt die Anforderungen der Liga und hat bei unterschiedlichen Klubs unter Beweis gestellt, dass er eine Verstärkung für den Kader ist“, sagt VfL-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz. Horn hat zu Beginn seiner Profikarriere in Wolfsburg gespielt, die meisten Erstligapartien hat er aber für Köln bestritten. Zwischendurch war zum Zweitligisten nach Hannover ausgeliehen. In Köln zählte Horn zeitweise zum Stammpersonal, in der zurückliegenden Saison – auch verletzungsbedingt – dann nicht mehr.

Der VfL plant mit ihm vorrangig als Außenverteidiger. Aber: „Jannes kann variabel eingesetzt werden, sei es als Außen- oder auch als Innenverteidiger“, sagt Schindzielorz, der sich weiter nach einem zusätzlichen Innenverteidiger umschaut. Die Verpflichtung von Horn sei vor allem eine Reaktion auf den Ausfall von Danilo Soares, erklärt der Manager auf Nachfrage von Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Der Brasilianer, der links in der Viererkette eigentlich gesetzt war, leidet unter anhaltenden Hüftproblemen; die genaue Ausfallzeit ist weiter unklar.

Weitere Transfers geplant

Weil mit Konstantinos Stafylidis sonst nur ein fitter Linksverteidiger zur Verfügung stünde, sah der VfL Handlungsbedarf. Dass es den auch auf anderen Positionen noch gibt, ist bekannt. In keinem Mannschaftsteil sind die Personalplanungen bereits endgültig abgeschlossen. Nicht nur ein Innenverteidiger soll noch kommen, auch im zentralen Mittelfeld und im Angriff schauen sich die Verantwortlichen weiter um. Wobei die Verpflichtung von Horn die Lage im Mittelfeld bereits entspannt, weil Stafylidis auch vor der Abwehr spielen könnte.

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(Foto: VfL Bochum 1848)

Verstärkung gesucht

Kleinster Kader der Liga: Bochum will nachrüsten

Es ist ja nicht so, als hätte sich beim VfL Bochum in diesem Sommer noch gar nichts getan. Sieben externe Neuzugänge, die Weiterverpflichtung von Konstantinos Stafylidis und der Profivertrag für Tim Oermann stehen bislang auf der Habenseite. In allen Mannschaftsteilen ist Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz bislang tätig geworden. Doch annähernd ausgeglichen ist die Bilanz noch nicht. 14 Spieler, darunter zahlreiche Leistungsträger, haben den Verein verlassen. Mit nur 24 Profis ist der Bochumer Kader der mit Abstand kleinste der Bundesliga.

Bedarf in allen Mannschaftsteilen

Diese Tatsache und der Umstand, dass die Ausfallliste im Trainingslager nicht gerade klein war, führt dazu, dass die Verantwortlichen weitere Transferideen in die Tat umsetzen wollen. „Ich darf ja Wünsche äußern, und das mache ich derzeit für alle Mannschaftsteile“, sagte Trainer Thomas Reis zuletzt. „Durch den Ausfall von Jacek Goralski hatten wir nur vier zentrale Mittelfeldspieler. Das ist zu wenig. Auch in der Innenverteidigung wünsche ich mir noch etwas mehr Erfahrung. Außerdem müssen wir gucken, wie es mit Danilo Soares weitergeht. Sollte er länger ausfallen, wären wir mit nur einem linken Verteidiger nicht optimal aufgestellt.“ Der Brasilianer leidet weiter unter Hüftproblemen.

Mehrere Neuzugänge sollen bis zum Transferschluss am 1. September also noch dazukommen. Auch im Angriff prüft der VfL verschiedene Optionen. Der Plan, den Vertrag mit Jürgen Locadia zu verlängern, geht wahrscheinlich nicht mehr auf. Seit Wochen liegt dem Angreifer ein Angebot aus Bochum vor, doch der 28-Jährige zögert mit einer Unterschrift. Locadia hofft möglicherweise auf einen besser dotierten Vertrag bei einem anderen Klub. Der VfL bleibt grundsätzlich weiter an einer Vertragsverlängerung interessiert. Nicht ausgeschlossen ist dennoch, dass die Verantwortlichen die Akte Locadia selber schließen, weil dem Spieler offenbar die Überzeugung fehlt, weiter für den VfL spielen zu wollen.

Vor allem in der Abwehr unterbesetzt

Ungeachtet dessen wird der Schwerpunkt bei den noch anstehenden Transferaktivitäten aber klar im Defensivbereich liegen. Speziell die Abwehr soll verstärkt werden. Gesucht wird insbesondere ein Linksfuß, der hauptsächlich zentral, im Notfall aber auch außen verteidigen kann. Kristian Pedersen von Birmingham City galt vor einigen Wochen als Wunschkandidat, doch der Däne hat sich für das wirtschaftlich lukrativere Angebot des 1. FC Köln entschieden. Ob nun der in Fankreisen oft genannte, aktuell vereinslose und bundesligaerfahrene Jannes Horn in den Fokus rückt, ist nicht bekannt. Die Stärken des 26-Jährige liegen auch eher außen als innen, wo der Bedarf deutlich größer ist.

Auch der Name Patric Pfeiffer fällt in den sozialen Netzwerken oder in den Fanforen auffallend häufig. Die Verantwortlichen haben den großgewachsenen und talentierten Innenverteidiger grundsätzlich im Blick, doch Pfeiffer würde nicht nur eine nennenswerte Ablöse kosten, sondern wäre auch bei einem möglichen Abstieg zu teuer. Viele Spieler sind nicht bereit, in der 2. Liga deutliche Einbußen hinzunehmen – ein Szenario, das der VfL bei allem Optimismus immer berücksichtigen muss. Das ist auch der Grund dafür, warum Konstantinos Stafylidis zwar fest von TSG Hoffenheim verpflichtet werden konnte, der Grieche aber nur für ein Jahr unterschrieben hat.

Bundesligisten wollen Spieler abgeben

Doch in der jetzt anstehenden Transferphase werden einige Spieler zu Kompromissen bereit sein müssen. Im Allgemeinen könnte der VfL davon profitieren, dass zahlreiche Bundesliga-Konkurrenten ihre Kader verkleinern wollen. Die allermeisten Klubs haben mehr als 30 Profis unter Vertrag, Wolfsburg gar 38, die beiden Berliner Klubs 34. Ein Blick nach Köpenick lohnt besonders, denn Union will seinen Kader vor allem dort ausdünnen, wo der VfL gerade sucht: In der Abwehr und im zentralen Mittelfeld. Schon im vergangenen Jahr sind die Bochumer ähnlich vorgegangen. Ende Juli und im August wurden drei weitere Spieler verpflichtet. So könnte es auch in diesem Sommer laufen.

(Foto: Imago / RHR-Foto)

Ergebnisse täuschen nicht

VfL vor dem Start: Offensive gestärkt, Defensive geschwächt

Testspielresultate sollten nicht überbewertet werden. Das sagen die Verantwortlichen verschiedener Klubs recht häufig und nehmen die drei Euro fürs Phrasenschwein gerne in Kauf. Viel wichtiger sei die Leistung, die Entwicklung generell. Beim VfL Bochum passen Ergebnisse und Erkenntnisse in diesem Sommer allerdings ganz gut zueinander. Klammert man die ersten drei Spiele gegen unterklassige Mannschaften einmal aus, gelangen in sechs Partien 13 Tore – eine erfreuliche Bilanz. Allerdings kassierte das Team von Trainer Thomas Reis genauso viele Gegentreffer. Kein einziges Mal spielte der VfL zu Null.

Vorne gefährlich

Auch das 6:2 gegen Antalyaspor hat gezeigt, in welchen Bereichen der Bundesligist schon überzeugen kann und wo es Nachholbedarf gibt. Einerseits wurden die Fans im letzten Testspiel mit schön herausgespielten Toren beglückt. Andererseits resultierten die beiden Gegentreffer erneut aus individuellen Fehlern. „Das war zu billig“, bemängelte Trainer Thomas Reis und nannte weitere Kritikpunkte: „Wir hatten am Anfang große Probleme, sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen und auch das Pressing hat nicht funktioniert.“ Erst die Umstellung auf ein 4-4-2-System half dem Team.

Dann war auch zu sehen, dass die Offensive wahrscheinlich stärker besetzt ist als in der vergangenen Saison. Ganz vorne attackierten Simon Zoller und Philipp Hofmann in einer Doppelspitze. Als Torjäger trat Hofmann in den Testspielen kaum in Erscheinung, auch beim Anlaufen muss ihn Thomas Reis immer wieder korrigieren. Doch technisch und körperlich dürfte er ein Gewinn für den VfL sein, ebenso wie Kevin Stöger. Auf der Doppelsechs mit Anthony Losilla übernahm der Österreicher den offensiveren Part und schlug gefährliche Standards. Philipp Förster und Jordi Osei-Tutu wurden eingewechselt, auch sie haben Potenzial.

Mit Stöger und Förster hat Manager Sebastian Schindzielorz gleich zwei Kreativspieler fürs Mittelfeld verpflichtet, mit Osei-Tutu zudem das Tempo erhöht. Ein weiterer Stürmer, der außen wie innen spielen kann, soll ja noch kommen. Dass er Takuma Asano und Gerrit Holtmann dann sofort Druck machen kann, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Asano traf bei der Generalprobe doppelt und zählt nur deswegen zu den Gewinnern der Vorbereitung. Der Japaner befindet sich in beeindruckender Frühform. Auch Holtmann kommt wieder in Fahrt, die Vertragsverlängerung bis 2025 könnte ihm einen zusätzlichen Schub geben.

Hinten unsicher

Nominell wie taktisch wird der VfL in der Bundesliga aber sicher nicht so spielen wie gegen Antalyaspor, weshalb die Aufstellung für den letzten Test überraschend war. Denn Kevin Stöger und Simon Zoller wären im Vergleich zur Doppel-Acht die deutlich offensivere Lösung. Angesichts der momentanen Abwehrschwäche wäre das kontraproduktiv. Denn vor allem in der Innenverteidigung drückt der Schuh so kurz vor dem Saisonstart immer noch. Die Abgänge von Armel Bella Kotchap und Maxim Leitsch wurden trotz hoher Transfereinnahmen bislang nicht kompensiert, vor allem ihr Tempo wird schmerzlich vermisst.

Erhan Masovic, der schon in der Vorsaison teilweise zum Stammpersonal zählte und jetzt noch mehr in diese Rolle hineinwachsen soll, hat keine gute Vorbereitung gespielt. Seinen fast schon sicheren Platz in der Startelf hat er vorerst verloren. Vasilios Lampropoulos, der eigentlich nur als Back-Up eingeplant war, ist plötzlich gesetzt, wenngleich seine Tempodefizite bekannt sind. Die Hoffnungen ruhen also in erster Linie auf Ivan Ordets. Der Ukrainer kam gegen Antalyaspor eine Halbzeit zum Einsatz, machte defensiv einen guten Eindruck und erzielte sogar ein Tor. Trainingsrückstand hat er aber immer noch.

„Ivan ist groß, hat ein gutes Kopfballspiel und hat genug Erfahrung und Qualität, dass er zum Stammpersonal zählen kann“, sagte Thomas Reis am Samstag. „Ob es schon für das Pokalspiel in Berlin reicht, werden wir sehen. Er muss jetzt gut weitertrainieren.“ Ein vierter Innenverteidiger soll, wie berichtet, noch kommen – wann das der Fall sein wird, ist aber noch offen. Dass der Bedarf groß ist und ein erfolgreicher Saisonverlauf maßgeblich von der Abwehrarbeit abhängt, ist ebenfalls längst bekannt. Die Offensive entscheidet zwar Spiele, die Defensive aber ganze Meisterschaften. Auch hier klingelt es im Phrasenschwein.

(Foto: Imago / Team 2)

Tief im Westen

Dank euch: Das VfL-Magazin auf Rekordkurs

Bald feiert Tief im Westen – Das VfL-Magazin seinen dritten Geburtstag. Im Juli 2019 ging die Seite online, der VfL war noch Zweitligist. Nach drei ereignrisreichen Jahren, die der VfL genutzt hat, um in die Bundesliga zurückzukehren und mindestens ein weiteres Jahr dort zu bleiben, fällt die Saisonbilanz auch für das VfL-Magazin positiv aus. Die Marke von 300 Unterstützern ist längst geknackt und wurde seit dem Crowdfounding im Sommer 2019 fast verdoppelt. Zahlreiche Leserinnen und Leser haben sich sogar schon zum wiederholten Mal an den Kosten für diese Seite beteiligt. Dafür einen ganz herzlichen Dank!

Die erfreuliche Entwicklung beim VfL Bochum schlägt sich natürlich auch in der Reichweite wieder. So wurde im Juni eine neue Bestmarke aufgestellt. Zum ersten Mal seit der Gründung ist es gelungen, mehr als 200.000 Seitenaufrufe in nur einem Monat zu generieren; im Mai waren es noch 145.000, im Januar 100.000. Mehrere tausend Fans informieren sich somit täglich bei uns über die aktuellen Geschehnisse an der Castroper Straße. Nimmt man jüngsten Zahlen als Maßstab, so gehört Tief im Westen – VfL Magazin nun zu den zehn erfolgreichsten, verlagsunabhängigen Online-Magazinen, die sich auf einen einzigen Klub fokussieren.*

Wie einige von euch sicher festgestellt haben, hat der große Zuspruch leider vereinzelt zu technischen Problemen geführt. Wir arbeiten daran, die Stabilität der Seite in Zukunft sicherzustellen. Wenn Ihr uns auf diesem Weg unterstützen wollt, freuen wir uns sehr darüber!

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(* auf Basis einer Untersuchung des Sportmarketing-Anbieters web-netz sports, veröffentlicht im Frühjahr 2022)