Tief im Westen

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Die erfreuliche Entwicklung beim VfL Bochum schlägt sich natürlich auch in der Reichweite wieder. So wurde im Juni eine neue Bestmarke aufgestellt. Zum ersten Mal seit der Gründung ist es gelungen, mehr als 200.000 Seitenaufrufe in nur einem Monat zu generieren; im Mai waren es noch 145.000, im Januar 100.000. Mehrere tausend Fans informieren sich somit täglich bei uns über die aktuellen Geschehnisse an der Castroper Straße. Nimmt man jüngsten Zahlen als Maßstab, so gehört Tief im Westen – VfL Magazin nun zu den zehn erfolgreichsten, verlagsunabhängigen Online-Magazinen, die sich auf einen einzigen Klub fokussieren.*

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(* auf Basis einer Untersuchung des Sportmarketing-Anbieters web-netz sports, veröffentlicht im Frühjahr 2022)

Viele Fans, wenige Spieler

Trainingslager mit Hürden – Startelf steht schon fast

So viele waren es noch nie: Weit mehr als 100 Fans haben den VfL Bochum in der zurückliegenden Woche nach Südtirol begleitet. Sie genossen das gute Essen, die Gastfreundschaft, den Blick in die Berge und das umfangreiche Programm, das der Verein in diesem Jahr zusammengestellt hat. Gemeinsam ließen sie das Trainingslager bei einem Fanabend ausklingen – eine bunt gemischte Gruppe vom Schüler bis zum Senior, vom Ultra bis zum Urlauber. Auch einige Spieler schauten vorbei. In dieser Hinsicht war das Trainingslager rundum gelungen.

Für den Trainer gilt das nur zum Teil. Die Tendenz ist zwar positiv, doch nicht alles lief nach Plan. „Wir hatten die besondere Situation, dass die Spieler auf einem unterschiedlichen Stand waren“, erklärt Thomas Reis. „Die Nationalspieler hatten länger Urlaub, einige Neuzugänge kamen später dazu, andere Spieler fielen aus. Dadurch war alles etwas schwieriger. Aber die Woche war wichtig, um zusammenzuwachsen und weiterzukommen.“ Folglich konnte Reis im Training nicht einmal zwei Mannschaften mit je elf Spielern gegeneinander antreten lassen. „Optimal war das nicht, aber wir konnten es nicht ändern. Unser Ziel bleibt es, bis zum ersten Pflichtspiel voll da zu sein.“

Neuzugänge verpassen Trainingseinheiten

Immerhin: In den beiden Testspielen gegen italienische Erstligisten war der VfL trotz schwieriger Umstände erfolgreich. In der ersten Partie gegen US Lecce zeigte der VfL vor allem in der Defensive noch große Schwächen, gewann die Partie aber dank sehenswerter Treffer von Kevin Stöger, Gerrit Holtmann und Silvere Ganvoula mit 3:2. Im zweiten Test gegen Spezia Calcio siegten die Bochumer mit 2:1, Takuma Asano und Anthony Losilla erzielten die Tore. Vor allem defensiv steigerte sich die Mannschaft und kassierte erst in den Schlussminuten einen Gegentreffer, als die Abwehrreihe unter anderem aus einem A-Jugendlichen und Angreifer Tarsis Bonga bestand. Dass der VfL speziell in der Defensive noch zu dünn besetzt ist, merkte Thomas Reis während des Trainingslagers mehrfach kritisch an.

Lediglich 24 Spieler zählen aktuell zum Bochumer Kader, wobei einige von ihnen in Südtirol pausieren mussten. Danilo Soares spulte wegen Hüftproblemen nur ein individuelles Programm ab, er wird den Saisonstart verpassen. Christopher Antwi-Adjei arbeitete ebenfalls allein und steigt erst in der neuen Woche wieder ins Mannschaftstraining ein. Auch die Neuzugänge Saidy Janko, Philipp Förster und Ivan Ordets verpassten Teile des Trainingslagers; sie waren jeweils nur bei einem Testspiel dabei, wobei Förster gegen Lecce 90 Minuten durchhielt, Ordets nur 20. „Er hat sieben Monate kein Spiel gemacht, hatte zwei Monate kein Balltraining. Wir wollen ihn bis zum Saisonstart so weit haben, dass er spielen kann, selbst wenn er dann noch nicht bei 100 Prozent ist“, sagt Reis über den neuen Innenverteidiger.

Stöger und Hofmann in der Startelf

Auch Jacek Goralski wird zu Beginn noch keine tragende Rolle einnehmen. Die ersten beiden Vorbereitungswochen verpasste der polnische Nationalspieler wegen eines Sonderurlaubs, nun fehlte der Neuzugang wegen einer Augen-OP und ist gar nicht erst ins Trainingslager mitgereist. Mangels Alternativen stellt sich das Team auf einigen Positionen also fast von selbst auf. Wer am 30. Juli beim Pokalspiel gegen Viktoria Berlin von Beginn an auf dem Platz stehen wird, ist in vielen Fällen schon klar: Das Tor wird Manuel Riemann hüten, außen verteidigen Cristian Gamboa und Konstantinos Stafylidis. Vor der Abwehr haben Kapitän Anthony Losilla und Spielgestalter Kevin Stöger ihren Platz sicher, über die Flügel werden wohl Gerrit Holtmann und Takuma Asano kommen.

Auf allen anderen Positionen gibt es zumindest Tendenzen: Zentral in der Viererkette haben Erhan Masovic und Vasilios Lampropoulos die Nase vorn, in der Sturmspitze Philipp Hofmann – weil Reis einen Wandspieler bevorzugt, Simon Zoller noch seine Bestform sucht und Silvere Ganvoula trotz guter Trefferquote in der Vorbereitung keine verlässliche Größe ist. Aus disziplinarischen Gründen musste er zu Beginn des Trainingslagers eine Art Strafprogramm absolvieren. Um den letzten freien Platz im Mittelfeld kämpfen Patrick Osterhage und Philipp Förster.  

(Foto: Imago / RHR-Foto)

Nächster Neuzugang

Sonderregel: Ukrainer Ordets wechselt zum VfL Bochum

Der VfL Bochum hat wie erwartet den Ukrainer Ivan Ordets für ein Jahr unter Vertrag genommen. Tief im Westen – Das VfL-Magazin hatte bereits am Donnerstag exklusiv über den bevorstehenden Wechsel berichtet. Ermöglicht wurde dieser dank einer Sonderregelung, die von der FIFA infolge des Krieges in der Ukraine beschlossen wurde. Demnach dürfen die Verträge von ausländischen Profis, die in Russland aktiv sind, bis zum Mitte 2023 ausgesetzt werden. Ivan Ordets spielt seit 2019 für den russischen Premier-Liga-Club Dinamo Moskau.

Der 1,95 Meter große und 30 Jahre alte Innenverteidiger wurde bei Shakhtar Donezk ausgebildet. Mit dem Klub aus der Partnerstadt von Bochum wurde er zweimal Meister und dreimal ukrainischer Pokalsieger, 2019 erfolgte der Wechsel zu Dinamo Moskau. Gleich in seiner Premierensaison wurde Ordets zum Spieler der Saison gewählt. In Bochum soll er nun die Kaderlücke schließen, die durch den Transfer von Armel Bella Kotchap zum FC Southampton entstanden ist. Ein weiterer Innenverteidiger soll noch verpflichtet werden, nach Möglichkeit ein Linksfuß.

Sebastian Schindzielorz, Geschäftsführer Sport beim VfL, sagt: „Ivan Ordets ist groß, physisch stark, robust in der Zweikampfführung, in der Luft und am Boden. Wir werden ihn schnellstmöglich an die Mannschaft heranführen, dafür bietet das Trainingslager den optimalen Rahmen.“ Seit Sonntagmittag gastiert der Bundesligist im kleinen Örtchen Gais in Südtirol. 24 Spieler sind dabei, drei fehlen. Moritz Römling absolviert ein Probetraining bei Rot-Weiss Essen, Luis Hartwig steht vor einem Wechsel in die zweite österreichische Liga und Neuzugang Jacek Goralski muss nach einer Augen-OP eine Woche pausieren. Er wird somit auch die Testspiele gegen US Lecce am Mittwoch und Spezia Calcio am Samstag verpassen.

Mehr Transfernews:

https://vfl-magazin.de/ticker-7juli-22-neu/

(Foto: VfL Bochum 1848)

Rückkehr nach Bochum

Warum „nur“ ein Jahr? Wie der Stafylidis-Deal gelang

Dass viele Fußballer gerne zum Friseur gehen, ist mittlerweile bekannt. Immer wieder landen Fotos oder Videos der neuen Haarpracht auf Instagram. Eigentlich eine Randnotiz, doch im Fall von Konstantinos Stafylidis war dies von besonderer Bedeutung. Denn sein Friseur befindet sich in Düsseldorf und postete am Dienstagabend ein Video mit seinem berühmten Kunden. Dass Stafylidis unter der Woche mal eben von Baden-Württemberg nach Nordrhein-Westfalen fährt, ist nicht ausgeschlossen, aber doch eher unwahrscheinlich. Schon da ahnten viele Fans: Der 28-Jährige könnte anschließend weiter nach Bochum fahren.

Und so kam es dann auch. Am Mittwoch machte der VfL öffentlich, was sich in den vergangenen Tagen schon ein wenig abgezeichnet hatte: Der Defensivallrounder, der am liebsten als Linksverteidiger zum Einsatz kommt, wird mindestens ein weiteres Jahr an der Castroper Straße spielen. Schon in der vergangenen Saison trug Stafylidis das VfL-Trikot, absolvierte 26 Pflichtspiele, war aber nur ausgeliehen von der TSG Hoffenheim. Im Juni musste er zunächst ins Kraichgau zurückkehren und trainierte dort mit. Nun aber ist es den Verantwortlichen beim VfL gelungen, ihn gegen eine kleine Ablöse fest zu verpflichten.

Stafylidis verzichtet auf Geld

Sebastian Schindzielorz spricht von einer „Wunschlösung“, für er wochenlang gekämpft hat, wobei mit dem Spieler schon länger Einigkeit bestand als mit der TSG Hoffenheim: „Von seiner Flexibilität konnten sich alle überzeugen, er kann auf den Außenbahnen ebenso wie im Zentrum eingesetzt werden“, sagt der Geschäftsführer. „Stafy fühlt sich beim VfL wohl, er wird uns mit seiner Erfahrung, seinem positiven Spirit und seiner Mentalität dabei helfen, erneut das Klassenziel zu erreichen.“ Dass der Vertrag Stafylidis zunächst nur für ein Jahr bis 2023 befristet ist, verwundert viele Fans, ist schlussendlich aber ein Kompromiss.

Denn die Differenz zwischen dem, was Stafylidis eigentlich noch bis 2023 in Hoffenheim erhalten hätte und dem, was er jetzt in Bochum bekommt, ist nicht zu unterschätzen; nur sportlich spielen sie in derselben Liga. Sowohl der Spieler als auch Hoffenheim sind dem VfL entgegenkommen. Für eine längere Vertragslaufzeit inklusive Zweitliga-Szenario, das bei allem Optimismus stets berücksichtigt werden muss, hat es nicht mehr gereicht. Denkbar ist jedoch, dass es eine Option für den Fall des Klassenerhalts gibt. Die Vereine haben allerdings Stillschweigen über die Ablöse- und Vertragsmodalitäten vereinbart.

Weitere Verteidiger gesucht

Mit der Rückkehr von Stafylidis verfügt der VfL nun auf beiden Abwehrseiten über zwei gestandene Außenverteidiger: Rechts mit Cristian Gamboa und Neuzugang Saidy Janko, links mit Danilo Soares und Konstantinos Stafylidis. Möglich ist, dass Eigengewächs Moritz Römling in den nächsten Wochen noch abgegeben oder verliehen wird. Die Einsatzchancen des Linksverteidigers sind gering. Auf der Zugangsseite soll sich ebenfalls noch etwas tun. Wie bereits berichtet, fahndet der VfL nach zwei neuen Innenverteidigern, um die Abgänge von Armel Bella Kotchap und Maxim Leitsch zu kompensieren.

(Foto: Imago / RHR-Foto)

Neuer Ausrüster

VfL freut sich auf Mizuno – Trikotleak macht Ärger

Welch Wunder: Das neue Trikot des VfL Bochum ist blau. Dunkelblau. Oder wie es die Marketingabteilung nennt: Flutlichtblau. Bereits am Montag kursierten erste Bilder von dem neuen Shirt, am Dienstagabend folgt die angekündigte Begleitkampagne des Vereins.

Dass eine Lagermitarbeiterin sowohl das neue Heim- als auch das neue Auswärtstrikot schon vorab fotografiert hat und die Bilder anschließend über Twitter ins Netz gelangen sind, kam auf der Geschäftsstelle gar nicht gut an. Der Vorfall, so ist zu hören, wird Konsequenzen haben. Wochenlang wurde die (digitale) Präsentation des neuen Ausrüsters und der neuen Trikots vorbereitet und durch den Leak konterkariert. Bemühungen der Mitarbeiterin, die Fotos löschen zu lassen, kamen zu spät, sie sind auf WhatsApp, Facebook und Co. längst im Umlauf. Gleichwohl: Ein wirklich nachweisbarer Schaden dürfte dem VfL durch das Fehlverhalten der Mitarbeiterin nicht entstanden sein.

Individuelles Design

Nur der Überraschungseffekt wird am Dienstag ausbleiben. Schließlich trug der VfL zuletzt elf Jahre lang Trikots der Firma Nike, und der Hype ums neue Trikot war regelrecht zu spüren. Der weltberühmte Swoosh ist nun verschwunden und durch das Logo von Mizuno ersetzt. Der japanische Sportartikelhersteller rüstet zum ersten Mal einen deutschen Profifußballverein aus. Schon im vergangenen Jahr wurde die Zusammenarbeit mit Mizuno vertraglich fixiert. In anderen Sportarten ist die Marke bereits vertreten, etwa im Volleyball, Handball oder Tennis.

Die Zusammenarbeit ist für den VfL nicht nur finanziell lukrativ. Nike bot zwar gute Qualität, aber lange Zeit nur Trikots von der Stange. Das änderte sich zuletzt, gleichwohl war die Auswahl immer noch begrenzt. Immerhin: Dass der VfL seit 2020 auf andere Blautöne setzt, gehört nicht nur zum Prozess der Markenbildung, sondern trug auch zur Gewinnoptimierung bei. In der vergangenen Saison wurde abermals ein neuer Verkaufsrekord für die Trikot-Kollektion aufgestellt – obwohl der Preis über die Jahre gestiegen ist, auf jetzt knapp 80 Euro.

Sichelbinder auf dem Trikot

Während es bereits erste Klubs gibt, die im Sinne der Nachhaltigkeit nicht mehr für jede Saison ein neues Trikot auf den Markt bringen, bleibt der VfL zunächst beim jährlichen Rhythmus und eröffnet die Mizuno-Ära mit einem einzigartigen Design. Im Mittelpunkt steht die Silhouette des Bochumer Ruhrstadions. War der vom Verein oft erwähnte Bezug zum Stadion auf den alten Trikots allenfalls zu erahnen, ermöglicht der neue Ausrüster deutlich mehr Individualität. Auf der unteren Hälfte des neuen Heimtrikots sind die sogenannten Sichelbinder zu erkennen. Ansonsten ist das Trikot relativ schlicht gehalten, der Farbton „Flutlichtblau“ etwas heller als zuletzt.

Auswärts wird das Team künftig in einem hellblauen Trikot antreten, alternativ auch in einem zarten beige (siehe Artikelfoto). Der Verein nennt es „Beton“, was der Trainer nach eigenem Bekunden jedoch nicht zum Anlass nehmen möchte, selbigen in der Abwehr anzurühren…

Update am Dienstag: So siehen die neuen VfL-Trikots aus...

(Foto: VfL Bochum 1848)

(Foto: Firo Sportphoto)

Wie geht es weiter?

Trotz Rekordablöse: VfL will Transferpolitik nicht ändern

Der Wunschzettel vieler VfL-Fans ist lang. Nach dem Rekordtransfer von Armel Bella Kotchap zum FC Southampton, dem Wechsel von Maxim Leitsch nach Mainz und dem Abgang von Sebastian Polter zu Schalke 04 haben die Bochumer viel Geld in der Kasse, deutlich mehr als 15 Millionen Euro. Logisch, dass es Ideen gibt, was damit gemacht werden könnte. Beliebte Vorschläge in den Foren und Netzwerken: Elvis Rexhbecaj soll gekauft und der Vertrag mit Jürgen Locadia verlängert werden. Auch für Neuverpflichtungen kursieren allerhand Namen. Doch wird der VfL jetzt Spieler verpflichten, die vor wenigen Tagen oder Wochen noch völlig außer Reichweite waren? Eher nicht.

Kein Gehaltssprung

Denn dass der VfL von seiner Transferstrategie abweicht und plötzlich nennenswerte Ablösesummen in einzelne Spieler investiert, ist nicht geplant. Das lassen die Verantwortlichen bereits durchklingen. Heißt konkret: Sollte Wolfsburg von seinen finanziellen Vorstellungen für Elvis Rexhbecaj nicht abrücken, kommt ein Kauf aus Bochumer Sicht nicht infrage. Auch andere Spieler, für die der VfL Bochum mehrere Millionen Euro allein für die Ablöse in die Hand nehmen müsste, werden in diesem Sommer eher nicht dazukommen. Lediglich kleinere Ablösesummen sind denkbar, die genaue Schmerzgrenze muss im Einzelfall definiert werden; etwa bei Konstantinos Stafylidis, den die Bochumer von der TSG Hoffenheim verpflichten wollen, aber nicht zu jedem Preis.

Auch bei den Gehältern wird es keinen (weiteren) Quantensprung geben. Dass zum Beispiel Jürgen Locadia plötzlich ein deutlich verbessertes Angebot vorgelegt wird, ist nicht zu erwarten. Denn das hätte Konsequenzen fürs gesamte Team. Die Gehaltsstruktur würde sich verändern, Forderungen anderer Spieler wären die Folge, ohne dass sich die Qualität der Mannschaft dadurch erhöhen würde. Hinzu kommt, dass der VfL stets den Abstiegsfall einkalkulieren muss. Verträge gelten in der Regel für zwei oder drei Jahre, müssen also über die Saison hinaus finanziert werden. Das Risiko, bei einem Abstieg auf zu hohen Kosten sitzen zu bleiben, will beim VfL niemand eingehen. Das lehrt die Vergangenheit. Und auf erhebliche Einbußen bei einem Gang in die zweite Liga werden sich Spieler der Klasse Locadia kaum einlassen.

Rücklagen bilden

Was passiert also mit den Einnahmen? Im Detail wird das die Vereinsführung erläutern müssen, spätestens auf der nächsten Mitgliederversammlung, die im Herbst ansteht. Erfreulich: Die neue Saison ist durchfinanziert, auf Transfereinnahmen war der VfL nicht angewiesen. Der Lizenzspieleretat ist sogar unabhängig davon von 24 auf 30 Millionen Euro gestiegen. Allerdings müssen Verbindlichkeiten irgendwann abgebaut werden, die Corona-Pandemie hat ein tiefes Loch in die Kasse gerissen. Die Nettofinanzschulden lagen zuletzt bei rund 9 Millionen Euro. Ob eine schnelle Tilgung in Zeiten einer absehbaren Zinswende jedoch ratsam ist, steht auf einem anderen Blatt. Deshalb könnten vor allem Rücklagen gebildet werden – für schwierige Zeiten, für mehrere Jahre.

Befürworter einer Investitionsoffensive sehen das anders und entgegnen, dass mit klugen Transfers der Abstieg vermieden werden könne, und die positive Entwicklung des Klubs somit erst recht weiterginge. Doch eine Garantie dafür gibt es nicht. Die Frage ist ohnehin: Erhöhen zwei oder drei sogenannte Top-Transfers die Chancen auf den Klassenerhalt wirklich signifikant? Und sind solche Unterschiedsspieler für den VfL überhaupt zu bekommen? Arminia Bielefeld etwa hat im vergangenen Sommer rund sieben Millionen Euro in Ablösesummen gesteckt – der weitere Weg ist bekannt. Der VfL denkt deshalb anders. Ob die Ausgaben für die Mannschaft nun wie geplant bei 30 oder bei 35 Millionen Euro liegt, ist zweitrangig. Letzter in der Bundesliga-Nahrungskette bleibt man sowieso.

(Foto: Imago / Eibner) 

Personalsuche

VfL Bochum will noch drei Verteidiger verpflichten

Die Ungeduld bei einigen Fans ist groß. Als Trainer Thomas Reis nach dem 3:1-Sieg im Test gegen den 1. FC Bocholt den mitgereisten Journalisten ein kurzes Interview gab, platzte ein Fan dazwischen. Der Mittfünfziger zückte sein Handy und wollte wissen, wann denn nun ein neuer Innenverteidiger zur Mannschaft stoßen könnte. Reis blieb ruhig und gab auf die berechtigte Frage eine sachliche Antwort. Dass es Bedarf gibt, sei bekannt, und nach einer Lösung werde selbstverständlich gesucht. Einen Zeitpunkt könne er aber nicht nennen.

Stafylidis soll zurückkehren

Reis bleibt – zumindest nach außen – relativ cool. Denn er betont auch, dass sich mit Cristian Gamboa und Danilo Soares auf den Außenpositionen sowie Erhan Masovic und Vasilios Lampropoulos im Zentrum schon jetzt eine mehr als anständige Viererkette bilden lässt, die in der Hinrunde der vergangenen Saison durchaus zu gefallen wusste. Wobei Soares wegen Rücken- und Hüftproblemen auf unbestimmte Zeit ausfällt. Neuzugang Saidy Janko ist zwar Außenverteidiger, aber vor allem für die rechte Seite eingeplant. Drei Abwehrspieler sollen deshalb noch kommen: Ein Linksverteidiger, außerdem zwei Innenverteidiger.

Die Wunschlösung für die linke Seite ist ein offenes Geheimnis. Von der TSG Hoffenheim soll Konstantinos Stafylidis verpflichtet werden. Der Grieche hat mit seiner Vielseitigkeit und seiner Zweikampfstärke schon in der zurückliegenden Saison überzeugt, sein Leihvertrag in Bochum lief allerdings aus, und an die TSG ist er noch ein Jahr gebunden. Die Verantwortlichen beim VfL bemühen sich seit Wochen um eine Fortsetzung der Zusammenarbeit. Mit dem Spieler sind die Konditionen längst vereinbart. Doch noch liegen die Vorstellungen der beiden Klubs zu weit auseinander. Früher oder später ist jedoch eine Einigung im Sinne aller Parteien zu erwarten. Stafylidis könnte bei einer Rückkehr nicht nur links hinten, sondern bei Bedarf auch rechts oder als Sechser eingesetzt werden.

Sorgfalt vor Schnelligkeit

Noch viel wichtiger für den Erfolg in der neuen Saison dürfte aber die Besetzung der Innenverteidigung sein. Mit Armel Bella Kotchap und Maxim Leitsch hat der VfL zwei Stammspieler verloren. Die Lage auf dem Transfermarkt ist jedoch kompliziert. Vor allem ein Linksfuß ist nur schwer zu bekommen. So hat sich ein Kandidat für die Leitsch-Nachfolge, den die Bochumer gerne verpflichtet hätten, für einen Wechsel zu einem Ligakonkurrenten entschieden. Trotz der Mehreinnahmen bleibt Bochum Schlusslicht in der Etattabelle; wenn andere Bundesligisten mitbieten, hat der VfL meist keine Chance. Weil der deutsche Markt ohnehin wenig hergibt, wird nun vor allem im Ausland gesucht. Treiben lassen sich die Verantwortlichen dabei nicht, auch nicht von filmenden Fans. Ihr Credo: Sorgfalt vor Schnelligkeit.

(Foto: Firo Sportphoto)