Neuzugang

Stöger-Rückkehr im dritten Anlauf: VfL blieb hartnäckig

Hartnäckigkeit wird irgendwann belohnt. Diese Erfahrung hat Sebastian Schindzielorz schon des Öfteren gemacht. Bei Simon Zoller klappte der Transfer Anfang 2019 im zweiten Anlauf, ebenso bei Robert Zulj ein Jahr später. Beide Spieler wurden schon im Sommer kontaktiert, vollzogen werden konnte der Wechsel aber erst im Winter. Gelohnt hat es sich in beiden Fällen. Auch Philipp Hofmann, den die Bochumer bereits Anfang Mai als ersten Neuzugang für die kommende Saison präsentiert haben, wurde schon vor geraumer Zeit angesprochen. Weil der Angreifer aber noch beim Karlsruher SC unter Vertrag stand, kam ein Transfer nach Bochum nicht zustande.

Ähnliches gilt schließlich auch für Kevin Stöger. Der Spielgestalter, der bereits von 2016 bis 2018 das Trikot des VfL Bochum getragen hat, ist zurück an der Castroper Straße, hat einen Zweijahresvertrag unterschrieben. Am Freitag wurde der Deal mit dem Österreicher offiziell bestätigt. Schon im vergangenen Sommer und Winter gab es Bemühungen, Stöger nach Bochum zurückzuholen, jedenfalls hat sich Schindzielorz nach Möglichkeiten erkundigt. Doch das Gesamtpaket war zu teuer, Mainz ließ ihn auch nicht ziehen. Belegt ist damit aber, dass es sich bei Kevin Stöger zweifellos um einen Wunschspieler handelt.

Stöger ist ein Spielgestalter

Der Linksfuß kommt nun ablösefrei vom Ligakonkurrenten, wo er in der zurückliegenden Saison zwar in der 23 Bundesliga-Partien zum Einsatz kam, aber nur ein einziges Mal zur Startformation gehörte. Doch Stöger bringt mit seiner Übersicht, seiner Ballkontrolle und seiner Passschärfe Fähigkeiten mit, um das Bochumer Offensivspiel künftig entscheidend mitzugestalten: Er schlägt gute Standards, hat einen ordentlichen Abschluss und ist vor allem in der Lage, die schnellen Außenbahnspieler in Szene zu setzen – das also, was in der zurückliegenden Saison hin und wieder vermisst wurde. Überdies geht der 28-Jährige Zweikämpfen nicht aus dem Weg.

Stöger kann als Achter im zuletzt gewohnten System agieren, aber auch als Zehner zum Einsatz kommen. Den VfL verließ er seinerzeit, um in der Bundesliga spielen, was ihm gelang. Bei Fortuna Düsseldorf gehörte Stöger zu den Leistungsträgern, hatte Anfragen von zahlreichen Klubs, bevor er sich zum zweiten Mal in seiner Karriere das Kreuzband riss. Schon in seiner Anfangszeit beim VfL fiel er lange aus, kam aber wieder in Form, absolvierte vor seinem Abgang 30 Zweitliga-Spiele und erzielte 12 Scorerpunkte. An diese Zeit soll er nun anknüpfen – dann hätte sich der lange Atem der Verantwortlichen auch in diesem Fall gelohnt.

(Foto: Firo Sportphoto)

Rekordablöse

Die Details: Bella Kotchap geht, Osei-Tutu kommt

Auf der Geschäftsstelle des VfL Bochum wurde in den vergangenen Tagen häufiger Englisch gesprochen. Gleich bei zwei wichtigen Transfers war ein Premier-League-Klub der Ansprechpartner. Zunächst bei Jordi Osei-Tutu vom FC Arsenal, dessen Rückkehr zum VfL am Donnerstag vom Verein bestätigt wurde. Osei-Tutu erhält einen Dreijahresvertrag.

Rekordablöse für den VfL Bochum

Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz führte ebenso Verhandlungen mit dem FC Southampton, die er bereits zwei Tage zuvor zum Abschluss gebracht hat. Der Klub aus der Hafenstadt im Süden von England hat sich für vier Jahre die Dienste von Armel Bella Kotchap gesichert. Immer wieder hatte es in den vergangenen Wochen, Monaten und Jahren Wechselgerüchte gegeben, nicht jede Spur davon war heiß. Doch nun verlässt der deutsche U21-Nationalspieler den Verein wirklich.

Die Bochumer kassieren dafür eine Ablöse, die etwa 20 Prozent über den kolportierten zehn Millionen Euro liegt, zuzüglich einiger Boni, etwa bei einem Weiterverkauf. So viel Geld ist beim VfL Bochum noch nie für einen einzelnen Spieler in die Kasse gespült worden, Manager Schindzielorz spricht von neuen Dimensionen. Diesen Deal wollten und konnten sich die Verantwortlichen nicht entgehen lassen. Bella Kotchaps Vertrag lief zwar noch bis 2024, doch der Spieler liebäugelte schon länger mit einem Wechsel, sein Umfeld wurde zunehmend unruhiger. In Southampton trifft Bella Kotchap zudem auf einen Trainer, mit dem er sich leicht verständigen kann. Der Tabellenfünfzehnte der Vorsaison wird von Ralph Hasenhüttl trainiert, der zuvor bei RB Leipzig tätig war.

Kaum noch Verteidiger an Bord

Rein sportlich betrachtet hinterlässt Bella Kotchap in Bochum natürlich eine Lücke. Er ist körperlich robust, zweikampfstark und schnell, für sein Alter schon sehr weit, zumindest auf dem Platz. Abseits dessen fiel der 20-Jährige aber schon häufiger durch unprofessionelles Verhalten und einem Hang zur Überheblichkeit auf. Er ist schon der zweite Stamm-Innenverteidiger, der den VfL Bochum in diesem Sommer verlässt. Schon vor einigen Wochen ist Maxim Leitsch zu Mainz 05 gewechselt. Nun stehen lediglich Erhan Masovic und Vasilios Lampropoulos mit Bundesliga-Erfahrung bereit. Zwei neue Innenverteidiger sollen noch kommen, auch zwei Außenverteidiger stehen auf dem Wunschzettel. Mindestens ein zentraler Mittelfeldspieler und ein Angreifer sollen den Kader nach insgesamt 14 Abgängen komplettieren. Angesichts der Tatsache, dass die Bochumer das Training wieder aufgenommen haben, ist die To-do-Liste noch ziemlich lang.

Allerdings ergeben sich durch den Transfer von Armel Bella Kotchap neue finanzielle Möglichkeiten. Wenngleich der VfL seine Rekordablöse nicht in Gänze reinvestieren wird, im Gegenteil: Verbindlichkeiten sollen abgebaut und Rücklagen gebildet werden; die Corona-Pandemie hat Spuren hinterlassen. Dennoch soll natürlich auch in die neue Mannschaft investiert werden. Ein Nachteil: Sämtliche Verhandlungspartner wissen nun, dass der VfL Bochum in diesem Sommer viel Geld durch den Verkauf von Bella Kotchap, Leitsch (ca. 3,5 Mio.) und Sebastian Polter (ca. 1,5 Mio.) eingenommen hat.

Osei-Tutu wollte unbedingt zurück

Ein kleiner Teil davon wird in die Finanzierung von Jordi Osei-Tutu gesteckt. Der 23-Jährige trug bereits in der Zweitliga-Saison 2019/20 das Trikot des VfL und überzeugte vor allem in der Endphase mit seiner Technik und Dynamik. Eine Weiterverpflichtung war seinerzeit aber nicht möglich. Das größte Problem: Der FC Arsenal sah ihn als Rechtsverteidiger, der VfL aber als Offensivspieler. Deshalb folgten drei weitere Leihgeschäfte auf der Insel. Doch in keinem Fall wurde Osei-Tutu wirklich glücklich, und zu einer Alternative für den ruhmreichen FC Arsenal entwickelte er sich auch nicht. Er kommt ablösefrei nach Bochum, allerdings ist anzunehmen, dass die ‚Gunners‘ zumindest von einem möglichen Weiterverkauf profitieren würden.

Dass Osei-Tutu zuletzt nur unregelmäßig gespielt hat, sogar in der dritten Liga gelandet ist, war Bochums einzige Chance, den Spieler überhaupt zu bekommen. Vor knapp zwei Jahren waren noch Klubs wie der OGC Nizza oder der RSC Anderlecht an einer Verpflichtung interessiert. Der VfL setzt also darauf, dass Osei-Tutu sein Potenzial in einem bekannten Umfeld ausschöpfen kann, Trainer Thomas Reis hatte ihn stets gefördert. Auch deshalb hat der junge Engländer seinen Rückkehrwunsch zuletzt mehrfach und recht offensiv über die sozialen Netzwerke bekräftigt – am Ende mit Erfolg.

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Managersuche

Neues Gespann: Kaenzig, Reis, Fabian – und Pilawa?

Dass Geschäftsführer Ilja Kaenzig beim VfL Bochum bleiben wird, stand intern schon länger fest. Letzte Woche Donnerstag gab das Präsidium als zuständige Instanz auch endlich offiziell die Vertragsverlängerung bekannt. Eine Laufzeit wurde nicht genannt. Nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin läuft der neue Vertrag von Kaenzig bis Mitte 2025. Damit bleibt der Schweizer also noch mindestens drei Jahre der Denker und Lenker beim Revierklub. Seine Ideen, sein Gespür für Entwicklungsfelder und seine Predigten, Traditionen zu bewahren, haben den Verein auch abseits des Rasens vorangebracht und geprägt. Der 48-Jährige genießt innerhalb des Klubs, aber auch im Umfeld großes Vertrauen, er handelt seit seinem Amtsantritt im Februar 2018 mit viel Ruhe und Weitsicht.

Wer folgt auf Schindzielorz?

Für den sportlichen Erfolg ist Kaenzig allerdings weniger verantwortlich. Fast parallel mit Kaenzig wurde vor mehr als vier Jahren Sebastian Schindzielorz in die Geschäftsführung berufen. Nun hört der Ex-Profi aber auf, spätestens zum Jahresende wird er den Verein verlassen, vielleicht auch schon früher. Der VfL hat dies mittlerweile bestätigt, die Gründe für den freiwilligen Rückzug bleiben jedoch vage. Da Schindzielorz nach eigener Aussage noch mit keinem anderen Klub verhandelt hat, spricht einiges dafür, dass intern nicht alles so gelaufen ist, wie es sich der Manager gewünscht hätte. Also muss das Präsidium nun einen Nachfolger finden, der das Transferhandwerk beherrscht, der die Werte des Klubs versteht und lebt, und der gut mit dem Trainer, der Mannschaft und mit Kaenzig harmoniert.

Diese Kritierien würde Patrick Fabian, der seit mehr als 20 Jahren im Verein aktiv ist, ganz sicher erfüllen. Aktuell ist er Leiter der Lizenzspielerabteilung, also wichtigster Zuarbeiter von Schindzielorz. Nur: Trauen ihm Hans-Peter Villis und die anderen Präsidiumsmitglieder schon zu, nur zwei Jahre nach seinem Karriereende als Spieler in die Geschäftsführung aufzusteigen und maßgeblich für sämtliche Transfers verantwortlich zu sein? Da die Kündigung von Schindzielorz nicht erst am Tag der offiziellen Bestätigung eingegangen ist, sondern schon einige Zeit eher, hätte Fabian längst als Nachfolger präsentiert werden können. Als Schindzielorz seinerzeit Christian Hochstätter ablöste, wurde der frühere Assistent sofort mit dessen Freistellung befördert.

Jeder Tag des Zögerns spricht wohl gegen Fabian als Chef und für eine externe Lösung. Die könnte jedoch ziemlich naheliegend sein. Nach Informationen von Sky, die Tief im Westen – Das VfL-Magazin bestätigen kann, zählt ein gebürtiger Bochumer zum Kandidatenkreis. Gemeint ist Markus Pilawa, zurzeit Chefscout bei Borussia Dortmund. Dort ist der 44-Jährige bereits seit 2012 tätig. Zuvor hat er als Co-Trainer in der U23 des VfL gearbeitet. Einer seiner Spieler: Patrick Fabian. Pilawa verfügt über ein hervorragendes Netzwerk, hat ein Auge für Talente und kennt den VfL, hat aber noch nicht in der ersten Reihe gestanden. Dass dies kein Nachteil sein muss, hat Schindzielorz bereits bewiesen. Pilawa wird angeblich (auch) von Hertha umworben, jedoch nur als Chefscout.

Reis soll länger bleiben

Dass die Berliner wie auch Schalke 04, der FC Augsburg und Borussia Mönchengladbach noch einen neuen Cheftrainer suchen, muss den VfL Bochum übrigens nicht allzu sehr beunruhigen. Die Hertha steht wohl kurz vor einer Einigung mit Sandro Schwarz. Thomas Reis werden sie also nicht ansprechen. Dass der Bochumer Erfolgscoach zuletzt öffentlich die Bereitschaft erklärt hat, auch mit anderen Klubs zu sprechen, kam intern nicht so gut an. Dass hat Reis offensichtlich eingesehen, heißt es aus Vereinskreisen. Schließlich will er gar nicht weg. Er sei „kein Wandervogel“, sagte Reis neulich, und würde sich „über Vertragsgespräche freuen“. Die haben stattgefunden und sollen nach seinem Urlaub zum Abschluss gebracht werden. Reis winkt ein Vertrag bis 2025.

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Sommerfahrplan

VfL-Kalender steht: Alle Testspiele terminiert

Der Sommerfahrplan des VfL Bochum ist komplett. Neun Testspiele sowie das Trainingslager sind nun fest terminiert.

Die Termine im Überblick:

Montag, 20. Juni: Trainingsauftakt (11 Uhr auf dem Trainingsgelände am Stadion, öffentlich)

Samstag, 25. Juni: Testspiel gegen den Regionalligisten Wuppertaler SV (im Stadion am Zoo in Wuppertal, 13 Uhr)

Mittwoch, 29. Juni: Testspiel gegen den Oberligisten 1. FC Monheim (im Rheinstadion in Monheim, 18.30 Uhr)

Samstag, 2. Juli: Testspiel gegen den Regionalligisten 1. FC Bocholt (im Stadion am Hünting in Bocholt, 14 Uhr)

Mittwoch, 6. Juli: Testspiel gegen den niederländischen Erstligisten Fortuna Sittard (im Sportpark Op de Hooven in Nederweert-Eind, 18 Uhr)

Freitag, 8. Juli: Testspiel gegen den Zweitligisten SC Paderborn (im Stadion in Paderborn, 18.30 Uhr)

Mittwoch, 13. Juli: Testspiel gegen den italienischen Erstligisten US Lecce (in Brixen/Italien, 17.30 Uhr)

Samstag, 16. Juli: Testspiel gegen den italienischen Erstligisten Spezia Calcio (in Brixen/Italien, 16.30 Uhr)

Donnerstag, 21. Juli: Testspiel gegen den spanischen Erstligisten Athletic Bilbao (im Heidewaldstation in Gütersloh, 18 Uhr)

Samstag, 23. Juli: Testspiel gegen den türkischen Erstligisten Antalyaspor (im Bochumer Ruhrstadion, 15.30 Uhr)

Samstag, 30. Juli: DFB-Pokal 1. Hauptrunde, Auswärtsspiel beim Regionalligisten Viktoria Berlin (im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark in Berlin, 13 Uhr)

5. – 7. August: Bundesliga 1. Spieltag, Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 (Ansetzung folgt)

Dieser Artikel wird regelmäßig aktualisiert.

(Foto: Firo Sportphoto)

Schindzielorz hört auf

Kommentar: Der Ball liegt jetzt beim Präsidium

Pressemitteilungen beim VfL Bochum werden nicht immer zur üblichen Geschäftszeit verschickt. Es lohnt also auch am Abend noch ein Blick ins Mailpostfach. Doch ein Statement zu den Entwicklungen des Tages suchte man auch am späten Mittwochabend vergebens. Obwohl schon am Morgen durchgesickert war, dass Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz beim VfL Bochum spätestens Ende des Jahres Schluss machen wird, verzichtete der Verein – konkret: das Präsidium – auf eine offizielle Einordnung dieser Meldung. Das ist ungewöhnlich.

Schließlich weiß die Runde um Villis und Co. nicht erst seit gestern, sondern schon etwas länger von dieser Entscheidung. Heißt: Sie hätten den Medien sogar zuvorkommen und somit die Deutungshoheit behalten können. Sie hätten überdies auch verkünden können, wie es nun weitergeht. Ausgerechnet jetzt, in dieser so wichtigen Planungs- und Transferphase, fragen sich nicht nur die Fans: Was ist da eigentlich in Bochum los? Warum gibt es nach der erfolgreichsten Saison der jüngsten Vereinsentwicklung mehr Gerüchte oder Vollzugsmeldungen über Abgänge als über Neuzugänge? Dabei ist die Personalie Schindzielorz nur ein Teil des Problems. Dass Trainer Thomas Reis zuletzt öffentlich erklärt hat, auch für andere Klubs gesprächsbereit zu sein, hat Spieler und Berater gleichermaßen irritiert. 

Freiwilliger Abgang

Dass ausgerechnet Schindzielorz als Erster (und hoffentlich Einziger) von Bord geht, war nicht unbedingt zu erwarten. Fast sein halbes Leben hat der 43-Jährige beim VfL Bochum verbracht. Wie kommen einige Fans eigentlich darauf, dass er jetzt nur noch mit halber Kraft arbeiten würde? Schindzielorz vorzeitig zu entlassen, würde die ganze Saisonplanung gefährden, das Chaos wäre perfekt. Problematisch ist natürlich, dass nun alle Verhandlungspartner wissen, dass sie jemandem gegenüber sitzen, der seine eigene Zukunft nicht mehr an der Castroper Straße sieht. Sollte Patrick Fabian wirklich Nachfolger von Schindzielorz werden, dann wäre es klug, schnellstmöglich (!) Fakten zu schaffen. So könnte Schindzielorz seine Ideen noch umsetzen, Fabian würde die Gespräche aber schon begleiten.

Der Ball liegt jetzt in der Spielhäfte des Präsidiums. Das muss sich übrigens auch die Frage gefallen lassen, wie es erneut passieren konnte, dass eine Führungskraft mit enger Verbindung zum Klub, aus freien Stücken und ohne neuen Job in der Hinterhand, den Abschied verkündet. Denn dass Schindzielorz nun nach Wolfsburg wechselt, ist allenfalls ein Gerücht. Insider aus der Autostadt sagen, es hätte (noch) gar keine Kontaktaufnahme gegeben. Anders gesagt: Womöglich war dieser Abschied zu vermeiden. 

Nachtrag: Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung dieses Kommentars am Donnerstagmorgen teilte der VfL Bochum mit, dass der Vertrag mit Ilja Kaenzig verlängert wird, das Präsidium eine gemeinsame Zukunft mit Thomas Reis anstrebt und Sebastian Schindzielorz den Klub zum Jahresende verlassen wird. Eine Nachfolgeregelung ist noch nicht gefunden.

(Foto: Imago / Eibner)

Auf Leihbasis

Mit Kaufoption: VfL verpflichtet Weltenbummler Janko

Der VfL Bochum hat am Montag seinen fünften Neuzugang für die kommende Saison präsentiert. Wie Tief im Westen – Das VfL-Magazin bereits am Samstag exklusiv berichtet hat, soll Rechtsverteidiger Saidy Janko die Kaderlücke schließen, die durch den Abgang von Herbert Bockhorn entstanden ist. Der 26-Jährige kommt vom spanischen Traditionsklub Real Valladolid. Janko wird für ein Jahr ausgeliehen, der VfL hat sich eine Kaufoption gesichert.

Internationale Erfahrung

Janko ist eine Alternative zu Cristian Gamboa. Er ist ein ähnlicher Spielertyp wie Bockhorn: Technisch gut ausgebildet, aber noch schneller und robuster. Außerdem verfügt er über internationale Erfahrung. Janko hat bereits in sechs Ländern gespielt: In der Schweiz, in England, Schottland, Frankreich, Portugal und Spanien. Seine gesamte Vita ist international geprägt. Er stammt aus der Schweiz, besitzt aber auch die gambische und italienische Staatsbürgerschaft. Für Gambia hat er sechs Länderspiele absolviert.

Janko wurde beim FC Zürich ausgebildet und im Alter von 18 Jahren von Manchester United verpflichtet. Es folgten Stationen bei den Bolton Wanderers, bei Celtic Glasgow, FC Barnsley, AS Saint-Etienne, FC Porto, Nottingham Forest und bei den Young Boys Bern. Bei Saint-Etienne in Frankreichs Ligue 1 sowie in Bern gehörte er zum Stammpersonal, mit den Young Boys wurde er sogar Meister und spielte in der Europa League.

Zuletzt kaum berücksichtigt

2020 wechselte Janko schließlich nach Spanien zu Real Valladolid. Dort wurde er in der LaLiga 19-mal eingesetzt. Janko gehörte in der Rückrunde zum Stammpersonal, stand auch gegen Real Madrid und den FC Barcelona in der Startformation. Nach dem Abstieg von Valladolid kam er aber nur noch unregelmäßig und immer seltener zum Einsatz. Nachdem der direkte Wiederaufstieg gelang, dürfte Janko den Verein nun verlassen. Bochum hat die Chance genutzt und sich die Dienste des Rechtsverteidigers gesichert.

(Foto: Imago / ZUMA Wire)

Geschäftsführer

Abschied endgültig: Schindzielorz hat gekündigt

Zunächst war es ein bloßes Gerücht und eine Befürchtung, doch nun ist daraus Realität geworden: Sport-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz wird den VfL Bochum definitiv verlassen – spätestens zum 31. Dezember 2022, wenn sein Vertrag endet. Die Sport Bild hatte darüber am Mittwoch zuerst berichtet, nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin ist diese Darstellung absolut korrekt. Schindzielorz hat seinen Vertrag fristgerecht gekündigt, weil sich dieser sonst zu einem späteren Zeitpunkt automatisch um zwei weitere Jahre verlängert hätte. Nachverhandlungen, worüber in der Fanszene und in den Medien spekuliert wird, sind ausgeschlossen. Schindzielorz‘ Entscheidung ist endgültig. Klubchef Hans-Peter Villis ist darüber bereits informiert, wollte sich auf Anfrage aber nicht dazu äußern. Auch Schindzielorz verzichtete auf ein Statement.

Wolfsburg-Wechsel ist nicht der Grund

Ganz überraschend kommt sein Entschluss allerdings nicht. Schon seit Wochen wurde klubintern und in der Öffentlichkeit über einen möglichen Abgang des Managers gesprochen. Grund dafür waren die stockenden Vertragsverhandlungen, aber auch die bekannten Verbindungen des 43-Jährigen zum VfL Wolfsburg, bei dem schon länger klar ist, dass Jörg Schmadtke als Geschäftsführer aufhören wird. Schindzielorz wurde als Spieler Meister mit den Niedersachsen. Dass er in Bochum seit seinem Amtsantritt im Februar 2018 mit wenig Geld den Wiederaufstieg und den Klassenerhalt in der Bundesliga erreicht hat, hat die gesamte Branche aufmerksam verfolgt. Nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin steht allerdings kein Wechsel nach Wolfsburg unmittelbar bevor. Dies ist also nicht der Grund für den Entschluss von Schindzielorz.

Viele Jahre für den VfL Bochum tätig

Die Entscheidung, den Verein am vorläufigen Höhepunkt der jüngsten Entwicklung zu verlassen, sei über eine längeren Zeitraum gereift, heißt es aus seinem Umfeld. Finanzielle Argumente sollen dabei keine entscheidende Rolle gespielt haben. Möglicherweise wurde Schindzielorz vonseiten der zuständigen Gremien nicht die Wertschätzung und das Vertrauen entgegengebracht, die er sich nach mehr als vier Jahren in verantwortlicher Position gewünscht hätte. Leicht gefallen ist ihm die Entscheidung, den Verein ohne konkrete Aussicht auf einen neuen Job zu verlassen, vermutlich nicht. Der Ex-Fußballer, der beim VfL im Jugend- und Herrenbereich schon von 1988 bis 2003 aktiv war, hatte das Amt des Sport-Geschäftsführers einst von Christian Hochstätter übernommen. Zuvor war Schindzielorz Scout und Teammanager beim heutigen Bundesligisten.

Möglicher Nachfolger: Patrick Fabian

Stand jetzt wird Schindzielorz noch die anstehende Transferperiode verantworten. Wobei die Frage erlaubt sein muss, ob er angesichts der Umstände noch die sonst übliche Überzeugungskraft hat, Spieler nach Bochum zu locken, wenn diese wissen, dass er selbst von Bord gehen wird. Funktionieren würde das wohl am besten, wenn zumindest Trainer Thomas Reis an Bord bliebe, und der Nachfolger von Schindzielorz aus den eigenen Reihen kommt. Patrick Fabian, langjähriger VfL-Profi und seit seinem Karriereende im Sommer 2020 Assistent von Schindzielorz, könnte dessen Aufgaben bald übernehmen. Wobei noch unklar ist, ob er das möchte und das Präsidium dem 34-Jährigen diese so wichtige Aufgabe zutraut. Positiv ist immerhin, dass Schindzielorz‘ Geschäftsführer-Kollege Ilja Kaenzig definitiv beim VfL Bochum bleiben wird. Sein Vertrag wird langfristig verlängert.

(Foto: Imago / Team 2)