Mitgliederversammlung

Präsidiumswahl: Vereinsarzt führt Opposition gegen Villis an

Diese Nachricht hat durchaus Sprengkraft: Für die am 15. November anstehende Mitgliederversammlung beim VfL Bochum hat sich eine Wahlalternative zum bestehenden Präsidium gebildet. Wie Tief im Westen – Das VfL-Magazin erfuhr, möchte sich ein fünfköpfiges Team um den bisherigen Vereinsarzt Karl-Heinz Bauer (auf dem Foto rechts) an der Spitze sowie den Ex-Profis Marcel Maltritz und Ralf Zumdick im Hintergrund geschlossen zur Wahl stellen.

Sollte die dafür zuständige Findungskommission hinsichtlich der fachlichen Eignung keine Einwände haben, treten wahrscheinlich erstmals seit vielen Jahren zwei Gruppen gegeneinander an. Auch das bisherige Präsidium mit dem Vorsitzenden Hans-Peter Villis sowie Andreas Eickhoff, Uwe Tigges und Franz-Josef Tenhagen möchte wieder kandidieren. Das Team soll um eine Frau ergänzt werden, weil sich Martin Kree (wie berichtet) zurückziehen wird.

Bauer ist noch Mannschaftsarzt

Damit dürfte es zu einer spannenden Kampfabstimmung kommen. Eine Wahlalternative hatten zuletzt vor allem die Bochumer Ultras in einem offenen Brief gefordert. Lange Zeit deutete nur wenig auf eine Opposition zur bisherigen Vereinsführung hin. Nun aber haben sich mehrere bekannte Gesichter aus dem VfL-Umfeld zusammen getan. Interessant: Karl-Heinz Bauer gehört sogar noch zum aktuellen Betreuerstab der Mannschaft.

Der Mediziner und Klinikdirektor aus Dortmund steht an der Spitze der Oppositionsgruppe, die von Maltritz, Zumdick, dem Unternehmer Andreas Bobon sowie Marc Schaaf von der Arbeiterwohlfahrt ergänzt wird. Maltritz und Zumdick genießen bei den Anhängern ein hohes Ansehen, sie wurden vor einigen Jahren in die Legendenelf des Klubs gewählt. Ob das ein Vorteil bei der anstehenden Wahl sein wird, muss sich zeigen. Sie wollen grundsätzlich als Team antreten.

Findungskommission prüft Kandidatur

Ob es jedoch zu der per Satzung vorgegebenen en-bloc-Wahl kommt, ist noch offen. Nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin haben zwei Mitglieder einen Antrag zur Aufhebung dieses Wahlverfahrens vorbereitet. Sollte die Mehrheit der Versammlung diesem Antrag folgen, müssten die Kandidaten einzeln gewählt werden. Denkbar ist dann allerdings, dass sich einzelne Personen, speziell aus dem bisherigen Präsidium, zurückziehen werden.

Unabhängig davon sind zwei Kandidaten mehr oder weniger gesetzt: Zum einen der Vorsitzende des Wirtschaftsrats, aktuell Volker Goldmann, zum anderen der jüngst im Amt bestätigte Fanclubvertreter Martin Volpers, der allerdings schon seit Jahren dem Team Villis angehört. Darüber hinaus soll es mindestens einen Einzelbewerber geben, bei dem aber noch unklar ist, ob ihn die Findungskommission zur Wahl zulassen wird.

(Foto: Imago / Team 2)

Reis und Schindzielorz

Neue Jobs für das Ex-VfL-Duo: Was hinter den Kulissen ablief

Nun also doch: Thomas Reis trägt ab sofort die Arbeitskleidung des FC Schalke 04. Am Donnerstag präsentierte Bochums Tabellennachbar und Erzrivale den 49-Jährigen als neuen Cheftrainer. Der Einigung waren ereignisreiche Tage und Stunden vorausgegangen. Denn die Königsblauen hatten zunächst noch andere Optionen geprüft, ehe sie doch wieder bei Reis landeten, den sie eigentlich schon vor der Saison von Bochum nach Gelsenkirchen lotsen wollten. Der VfL ließ ihn zu diesem Zeitpunkt aber nicht ziehen – und stellte sich auch in dieser Woche zunächst quer.

Zwar war Reis seit Mitte September und der Derbyniederlage auf Schalke beurlaubt, doch sein Vertrag in Bochum lief weiter. Der VfL forderte deshalb eine Ablöse. Auch taktisch clever, denn Schalke stand unter Druck. Der neue Trainer sollte eigentlich schon am Mittwochnachmittag auf dem Trainingsplatz stehen. Erst am Dienstagmorgen nahmen die Verantwortlichen der Königsblauen Kontakt mit dem direkten Kontrahenten auf. Geschäftsführung und Präsidium ließen sich aber nicht treiben und stellten Forderungen auf, die Schalke zunächst nicht erfüllen wollte.

Erst am Mittwoch gab es dann die Einigung – weil Schalke die Bochumer Vorstellungen erfüllt hat und weil Reis einen Teil der Ablöse übernimmt. Allerdings bekommt er das Geld von Schalke zurück. Der VfL erhält mindestens 300.000 Euro – also in etwa das, was er an Ablöse für Thomas Letsch bezahlt hat. Auch das Gehalt von Thomas Reis und Co-Trainer Markus Gellhaus muss er nicht mehr zahlen. Rechnet man Einsparungen und Einnahmen zusammen, darf sich der VfL über einen hohen sechsstelligen Betrag freuen. Mehr konnte er nicht verlangen, sonst wäre der Deal geplatzt.

https://vfl-magazin.de/kommentar-rauswurf-reis/

Einige Fragen noch unbeantwortet

Ist das Thema Thomas Reis in Bochum damit abgehakt? Klar ist: Erste Erfolge von Thomas Letsch lindern den Trennungsschmerz. Und emotional haben sich die meisten Fans spätestens in dieser Woche von Reis gelöst. Sie sind enttäuscht von ihm. Reis hat sich vor der Kamera immer zum VfL bekannt, etwa mit dem Satz „Wenn ich kein Bochumer bin, wer dann?“. Zugleich hat er sie aber angelogen, weil er Kontakte zu Schalke 04, die es bereits vor Monaten gab, dementiert hat und auch den Verlauf der Vertragsgespräche mit dem VfL nur unvollständig wiedergegeben hat.

Also rückt die Causa Reis zunehmend in den Hintergrund. Dennoch: In der Mitgliederversammlung am 15. November wird sie noch einmal Thema sein. Denn einige Fragen beschäftigen die Fans noch immer. Zum Beispiel, warum vor allem Hans-Peter Villis trotz der Abwanderungsgedanken von Reis noch immer an eine Vertragsverlängerung geglaubt hat. Im Interview mit Tief im Westen – Das VfL-Magazin Ende Juli sagte Villis: „Ich bin optimistisch, dass es klappt. […] Negative Signale, dass er uns verlassen möchte, habe ich von ihm bislang keine erhalten.“ Was natürlich nicht stimmte.

Womöglich hätte sich die Geschichte mit Reis und Schalke 04 schon im Mai anders entwickelt, wenn nicht auch Sebastian Schindzielorz den Wunsch nach einer beruflichen Veränderung geäußert hätte. Hierbei spielt vor allem der Zeitpunkt eine entscheidende Rolle. Reis hat mit Schalke Mitte Mai verhandelt, der Abgang von Schindzielorz wurde Ende Mai durch eine Veröffentlichung in der Sport Bild bekannt. Allerdings hat Bochums langjähriger Geschäftsführer das Präsidium in Person von Hans-Peter Villis bereits Anfang Mai über seine Kündigung unterrichtet.

Villis informierte danach zwar das übrige Präsidium über die Entscheidung, nicht aber die Öffentlichkeit – dreieinhalb Wochen vergingen, ehe erst die Berichterstattung zu einer Reaktion des Klubs führte. Doch warum ist Villis zuvor nicht selbst aktiv geworden? „Sebastian Schindzielorz hat mich natürlich erst mündlich und dann schriftlich informiert. Bis dahin konnten wir noch gar nichts kommunizieren“, sagte Villis zu diesem deutlichen Zeitverzug. Nur: Dass dieser rein formelle Vorgang tatsächlich dreieinhalb Wochen in Anspruch nahm, ist eher unwahrscheinlich.

Wiedersehen in der Rückrunde

Zum Zeitpunkt der Gespräche zwischen Reis und Schalke wusste Villis also schon, dass mit Schindzielorz einer aus dem Erfolgsduo von Bord gehen wird. Beide fast zeitgleich zu verlieren, hätte in dieser hochemotionalen Phase kurz nach dem Klassenerhalt womöglich zu einer gewaltigen Unruhe geführt. Doch auch in der Angelegenheit um Sebastian Schindzielorz haben sich viele Fans mittlerweile beruhigt. Sie sehen den Wechsel nach Wolfsburg als Bestätigung für ihre These, der 43-Jährige hätte in Bochum nur deshalb gekündigt, um zu einem Mitbewerber zu wechseln.

Nur wenige Wochen nach seinem letzten Arbeitstag in Bochum gab der VfL Wolfsburg dann auch die Verpflichtung von Schindzielorz als neuen Sportdirektor zum 1. Februar 2023 bekannt. Doch sind die Vorgänge bei Schindzielorz mit der Causa Reis wirklich vergleichbar? Im Gegensatz zu Reis hat sich Schindzielorz in der Öffentlichkeit kein einziges Mal über seine persönliche Vertragssituation geäußert, sich dem Klub gegenüber stets loyal verhalten. Die genauen Beweggründe für seinen Abgang sind bis heute unklar, wirklich konkret wurde Schindzielorz in Interviews nie.

Die entscheidende Frage aber ist: Gab es vor seiner Kündigung wirklich keine Gespräche mit dem VfL Wolfsburg? Schindzielorz hat das immer abgestritten – dass das nichts heißen muss, zeigt die Causa Reis. Der Unterschied aber ist, dass bei Reis hinter vorgehaltener Hand mehrere Beteiligte bestätigen, dass es bereits im Mai Gespräche mit Schalke gab. Bei Schindzielorz gibt es bis heute niemanden, der die Vermutungen konkretisieren kann. Wolfsburgs Aufsichtsratschef Frank Witter sagte neulich dem kicker, dass die Kontaktaufnahme erst Ende August erfolgt sei.

Wie auch immer: Beide, Thomas Reis und Sebastian Schindzielorz, haben dank guter Arbeit in Bochum schnell einen neuen Job in der Bundesliga gefunden, und dürfen sich auf ein mehr oder weniger brisantes Wiedersehen in der Rückrunde freuen. Sowohl die Partie gegen Schalke als auch das Duell gegen Wolfsburg findet dann in Bochum statt. Auch sportlich ist die Konstellation ja durchaus speziell: Stand jetzt sind beide Vereine direkte Konkurrenten im Kampf gegen den Abstieg. Und zumindest Schalke wird es wohl auch bis zum Saisonende bleiben.

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(Foto: Firo Sportphoto)

2:1-Sieg gegen Union Berlin

„Frech und agil“: VfL weckt Erinnerungen an die Vorsaison

Zweimal haben die Bochumer ins Berliner Tor getroffen, doch gejubelt haben sie am Sonntagnachmittag gleich dreimal: Zunächst nach dem Kopfballtreffer von Philipp Hofmann kurz vor der Pause, dann nach dem 2:0 durch Gerrit Holtmann nach einem sehenswerten Spielzug – und schließlich beim gehaltenen Elfmeter von Manuel Riemann gegen Milos Pantovic. Der Ex-Bochumer, der bei seiner Einwechslung überraschend mit Pfiffen bedacht wurde, wollte es allen im Stadion zeigen. Doch Pantovic scheiterte vom Elfmeterpunkt, Riemann parierte abermals einen Strafstoß und hielt damit den zweiten Saisonsieg für seine Mannschaft fest.

„Das war ein wichtiger Moment für uns“, sagte später auch Trainer Thomas Letsch. Das Spiel hätte allenfalls einen anderen Verlauf nehmen können, als Ivan Ordets in der ersten Halbzeit so rüde gegen Janik Haberer zu Werke ging, dass die Berliner einen Platzverweis forderten. Wobei die Gelbe Karte, die Schiedsrichter Deniz Aytekin zückte, im Grunde ausreichend war. Union kam in der Folge nur selten zu Torannäherungen. Pantovic traf in der Nachspielzeit zwar doch noch ins Bochumer Tor, der Anschlusstreffer kam allerdings zu spät. „Wir leben“, fasste Letsch die Gefühlslage beim Revierklub treffend zusammen. Und der Sieg war verdient.

Kompakt und konsequent

Denn die Berliner spielten nicht wie ein Spitzenreiter, und die Bochumer vor allem nicht wie ein (vormals) Tabellenschlusslicht. Mit Leidenschaft hielt der VfL von der ersten Minute an dagegen. Letsch veränderte die Aufstellung im Vergleich zum 1:0-Sieg in Elversberg nur auf einer Position, brachte Jordi Osei-Tutu für Gerrit Holtmann und fand damit genau die richtige Mischung. Seine Mannschaft präsentierte sich überaus laufstark und einsatzfreudig, sie lief den Gegner aggressiv wie konsequent an, ohne dabei kopflos zu agieren und die Kompaktheit zu verlieren. Immer wieder gelang es ihr, Spielsituationen clever vorherzusehen. 

„Bochum war frecher und agiler“, fand auch Urs Fischer, der Trainer von Union Berlin, anerkennende Worte. „Sie haben uns mit den eigenen Waffen geschlagen.“ Der VfL nahm auch das Publikum mit und weckte Erinnerungen an die vergangene Saison, als mit einer intensiven, leidenschaftlichen und temporeichen Spielweise zahlreiche Heimsiege gelangen. „Genau das muss unser Weg sein“, sagte Letsch, der sich einen Monat nach seinem Amtsantritt auch selbst auf die Schulter klopfen darf. Seine Handschrift ist allmählich zu erkennen: Defensive Stabilität als Grundlage, Torgefahr nach Standardsituationen oder Umschaltaktionen.

VfL nicht mehr Schlusslicht

Wie das aussehen kann, war vor dem 2:0 zu bewundern. „Der Konter war ein Beispiel fürs Lehrbuch“, lobte Letsch sein Team und war sichtlich begeistert über den One-Touch-Fußball, der nach sieben Stationen zum Torerfolg führte. „So, wie wir heute Fußball gespielt haben, müssen wir nun auch auswärts antreten“, forderte Letsch zugleich. Alle sieben Saisonpunkte, sechs davon unter der Leitung des neuen Trainers, holte der VfL im eigenen Stadion. Diese Statistik kennen auch die Spieler und wissen, dass sie die kommenden beiden Spiele in der Fremde bestreiten müssen: Erst beim VfL Wolfsburg, dann in Dortmund.

Sollte es an den äußeren Umständen und der Stimmung in den Stadien liegen, dass die Bochumer außerhalb der eigenen Stadt noch nicht gepunktet haben, dann bietet der Spielplan nun eine günstige Gelegenheit. „In Wolfsburg ist doch nichts los. Da werden unsere Fans garantiert lauter sein“, sagte Gerrit Holtmann, der so erfrischend ehrlich ist wie kaum ein anderer. Einen zusätzlichen Motivationsschub gab es außerdem am Abend: Weil Schalke 04 bei Hertha mit 1:2 verlor, hat der VfL den letzten Tabellenplatz vorerst und hoffentlich endgültig verlassen – und die Rote Laterne zum Erzrivalen nach Gelsenkirchen weitergereicht.

(Foto: Imago / Team 2)

Präsidiumswahlen

VfL-JHV: Erste Frau fürs Präsidium – Kree plant Rückzug

Nach zwei Corona-Jahren tagt das höchste Vereinsgremium in diesem Jahr wieder in Präsenz. Am 15. November, drei Tage nach dem letzten Bundesligaspiel vor der WM-Pause, findet im RuhrCongress die Mitgliederversammlung des VfL Bochum statt. In diesem Jahr stehen Präsidiumswahlen auf der Tagesordnung. Das Team um den Vorsitzenden Hans-Peter Villis möchte erneut kandidieren und sich für vier weitere Jahre wählen lassen – allerdings nicht geschlossen.

Nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin plant Ex-Spieler Martin Kree aus persönlichen Gründen seinen Rückzug. Der 57-Jährige gilt als wichtigster Berater von Villis in sportlichen Angelegenheiten und ist zugleich dessen Stellvertreter. Kree wurde 2012 erstmals in das Kontrollgremium gewählt und gehörte diesem durchgängig an. Neben Villis werden sich also lediglich Uwe Tigges, Andreas Eickhoff und Franz-Josef Tenhagen zur Wiederwahl stellen. Außerdem wird der Vorsitzende des Wirtschaftsrats, aktuell Volker Goldmann, vom Präsidium kooptiert.

Wahl des Fanvertreters

Das Präsidium muss allerdings auch künftig aus sechs gewählten Mitgliedern bestehen. Zwei Personen fehlen also noch. Ein Platz ist laut Satzung für den Vertreter der Fanclubs vorgesehen. Das ist aktuell Martin Volpers. Er muss sich aber zunächst in der Fanclubvertreterversammlung am 24. Oktober gegen mögliche Gegenkandidaten behaupten. Sollte Volpers dort in seinem Amt bestätigt werden, darf er sich auch in der Mitgliederversammlung zur Wahl stellen.

Außerdem soll bald zum ersten Mal eine Frau dem Bochumer Präsidium angehören. Sie könnte den freien Platz von Martin Kree einnehmen. Die hierfür zuständige Findungskommission wird ihren Vorschlag spätestens am 15. November präsentieren. Die Auserwählte könnte das Präsidium dann komplettieren – sofern die Mitglieder zustimmen. Gewählt wird beim VfL Bochum bekanntlich en bloc; eine Abstimmung über einzelne Kandidatinnen oder Kandidaten ist möglich, müsste aber von der Versammlung zunächst auf Antrag beschlossen werden.

Keine Oppositionsbewegung

Zu einer Kampfabstimmung wird es nicht kommen, weil es nach jetzigem Stand kein zweites Team gibt, das sich zur Wahl stellt. Das dürfte speziell Villis beruhigen, der nach der Trennung von Thomas Reis und dem Abschied von Sebastian Schindzielorz viel Kritik einstecken musste. Bislang beschränkte sich der Unmut aber auf Beiträge im Netz, im Stadion war das kaum ein Thema. Wie groß die Unzufriedenheit der Mitglieder ist, lässt sich folglich kaum beziffern.

Vorsorglich gehen die Verantwortlichen aber von einer längeren Aussprache aus und haben der Veranstaltung ein Limit gesetzt: Spätestens um 1 Uhr nachts, also nach sechs Stunden, soll Schluss sein. Dass die Versammlung erstmals im November stattfindet, hat übrigens einen einfachen Grund: Die Satzung wurde im vergangenen Jahr mit Zustimmung der Mitglieder geändert. Seitdem genügt ein beliebiger Termin im Geschäftsjahr, die Frist bis zum 31. Oktober entfällt. Sollten Mitte November neue Corona-Regeln keine Präsenzveranstaltung zulassen, wird ein neuer Termin gesucht.

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(Foto: Imago / Revierfoto)

0:4 in Leipzig

Desolates Letsch-Debüt: „Es sah schrecklich aus“

Gab es in den Tagen nach dem Amtsantritt von Thomas Letsch wieder einen Hauch von Optimismus bei den Fans und Spielern des VfL Bochum, dann war dieser in Leipzig nach spätestens 23 Minuten schon wieder verflogen. Christopher Nkunku hatte gerade das 2:0 erzielt, und die Köpfe beim Tabellenletzten gingen kollektiv nach unten. Auf der Tribüne, auf dem Spielfeld. Es war nicht allein das (Zwischen-)Ergebnis, sondern vor allem das Auftreten, das für Enttäuschung sorgte. Völlig chancenlose Bochumer konnten am Ende froh sein, dass Leipzig nicht alle Großchancen genutzt und nur noch zwei weitere Tore nachgelegt hat. „Das hätte noch höher ausgehen können“, sagte Gerrit Holtmann nach der Partie und sprach den mitgereisten Anhängern aus der Seele: „Es sah wahrscheinlich schrecklich aus.“ 

In der Tat. Beim VfL funktionierte praktisch gar nichts. „Die Spielidee war nicht zu erkennen. Wir wollten attackieren, wollten schnell umschalten – waren aber zu zögerlich, ohne Handlungsschnelligkeit und spielerisch blockiert. Wir standen so tief wie noch nie, und haben hinten trotzdem nicht zumachen können. Das war nicht bundesligatauglich.“ Deutliche Worte von Holtmann wenige Tage nach dem Amtsantritt des neuen Trainers, dessen Plan nicht aufging und dessen Umstellungen eher kontraproduktiv waren. Der neue Cheftrainer des VfL Bochum hatte vor seinem Bundesliga-Debüt in Leipzig für mindestens eine große Überraschung gesorgt. Denn Spielgestalter Kevin Stöger, der wahrscheinlich beste Techniker im Kader und einer der wenigen Lichtblicke zuletzt, saß nur auf der Bank.

Hinten offen, vorne nur ein Torschuss

Letsch setzte auf eine recht defensive Formation mit einer Dreierkette hinten, drei absichernden Mittelfeldspielern davor und zwei Abwehrspielern auf den Außenpositionen. Auf dem Papier versprach das defensive Stabilität, auf dem Platz war davon aber nichts zu sehen. Die Abläufe passten nicht, die Fehlerquote war viel zu hoch. „Ich dachte, wir wären schon weiter“, sagte Letsch nach der Partie und sprach von einer „guten Trainingswoche.“ Als es aber zählte, lief der VfL den Gegner nicht konsequent an, ging kaum in die Zweikämpfe und ließ immer wieder Räume entstehen, die Leipzig nutzte. Auch im eigenen Ballbesitz waren die Bochumer völlig ideenlos. Es fehlten Anspielstationen. Die Folge: Erst in der 69. (!) Spielminute brachte der VfL den Ball zum ersten und zugleich letzten Mal auf das gegnerische Tor.

„Wir waren in allen Belangen unterlegen“, gestand Letsch in der Pressekonferenz, „das macht schon nachdenklich.“ Er werde auch seine eigenen Entscheidungen hinterfragen, verriet er später in kleiner Runde. Wobei Letsch schon zur Halbzeitpause Korrekturen vornahm. Sein Versuch, zu Beginn die Defensive zu stärken, indem er die Offensive personell ausgedünnt hat, scheiterte; es funktionierte beides nicht mehr. Auch der Ansatz, Simon Zoller und Gerrit Holtmann ohne Kevin Stöger, den ligaweit besten Vorlagengeber für Torschüsse, in Szene setzen zu wollen, ging vollends schief. Drei eher offensive Wechsel in der Pause, und insgesamt vier nach 45 Minuten, brachten allerdings auch keine Besserung. „Es lag an uns Spielern, nicht am Trainer“, bekräftigte Holtmann.

Gegen Frankfurt wieder mit Stöger

Lediglich für Stöger gab es ein Lob vom neuen Coach: „Wir haben ihn zunächst draußen gelassen, weil wir eher aggressive, laufstarke Spieler aufbieten wollten. Aber als er reinkam, hat er den Ball als einer von wenigen auch mal gefordert.“ Der Österreicher dürfte gegen Frankfurt ins Team zurückkehren. Ohnehin kündigte Letsch nach dem desolaten Debüt in Leipzig eine offensivere Gangart an. Ob er dabei erneut auf eine Dreierkette in der Abwehr setzt oder nicht, sei nicht so entscheidend, erklärten Trainer und Spieler gleichermaßen. „Ohne Mut geht es einfach nicht“, sagte Kapitän Anthony Losilla, der trotz der fast ausweglos erscheinenden Lage „nicht aufgeben möchte.“ Doch der Glaube an Besserung und die große Aufholjagd schwindet von Woche zu Woche.

(Foto: Firo Sportphoto)

1:0-Sieg in Elversberg

Spielabbruch drohte: VfL jubelt im Nebel und füllt die Kasse

Zum Glück spielten die Bochumer in der zweiten Halbzeit auf den Gästeblock zu. Anderenfalls hätten die eigenen Fans das spielentscheidende 1:0 wohl gar nicht gesehen. Eine Nebelbank schränkte die Sicht im Elversberger Waldstadion mit zunehmender Spieldauer deutlich ein. Auch die Akteure auf dem Rasen hatten Probleme. „Ich habe den Ball fast nicht mehr gesehen“, sagte der eingewechselte Dominique Heintz. „Der Schiedsrichter hat gesagt, in der Verlängerung wäre es schwierig geworden.“ Den Siegtreffer durch Anthony Losilla kurz vor Schluss durften die VfL-Anhänger allerdings aus nächster Nähe bewundern – zum perfekten Zeitpunkt, um einen noch längeren Pokalabend zu verhindern oder gar ein weiteres Mal nach Elversberg reisen zu müssen.

Klassenunterscheid kaum erkennbar

Der VfL hatte Mühe, das Achtelfinale zu erreichen. Mit dem Ball fehlte oftmals die Ruhe, gegen den Ball manchmal der Zugriff. Dass die Zuschauer nicht jeden Spielzug bewundern konnten, hatte phasenweise auch seine Vorzüge. Zwischen dem Spitzenreiter der dritten und dem Schlusslicht der ersten Liga entwickelte sich ein enges Pokalspiel, in dem der Klassenunterschied kaum zu erkennen war. Die agilen Gastgeber bereiteten der Bochumer Defensive immer wieder Probleme, sie nutzten Räume und Tempodefizite geschickt aus, ohne aber zum Torerfolg zu kommen. Erst mit zunehmender Spieldauer und der Umstellung auf eine Dreierkette übernahm der VfL ein wenig die Kontrolle und erspielte sich Chancen, ehe Losilla fünf Minuten vor Schluss für die Erlösung sorgte.

„Es war ein ausgeglichenes Spiel, bei dem es hin und her ging. Der Sieg ist nicht unverdient. Aber auch Elversberg hatte Möglichkeiten, diesen Pokalfight für sich zu entscheiden“, analysierte Trainer Thomas Letsch nach der Partie. Im Vergleich zum Spiel in Stuttgart gab es nur eine Änderung in der Startelf. Letsch setzt derzeit auf Kontinuität. Christopher Antwi-Adjei ersetzte den verletzten Simon Zoller. Der schnelle Flügelstürmer, der ein anderer Spielertyp als Zoller ist, hinterließ einen guten Eindruck. „Sich in so einen Fight reinzubeißen, ist nicht so einfach. Im Pokal geht es nur darum, zu gewinnen und weiterzukommen“, erklärte Letsch, der sich nun auf den nächsten Tabellenführer vorbereiten kann. Am Sonntag kommt Union Berlin nach Bochum.

Auslosung bereits am Sonntag

Ohnehin steht dem VfL ein ereignisreicher Sonntag bevor. Knapp zwei Stunden nach Abpfiff steigt die Auslosung zum Pokal-Achtelfinale. Klar ist schon jetzt: Es sind nur noch Erst- und Zweitligisten im Topf. Gespielt wird Ende Januar oder Anfang Februar, der VfL überwintert also in zwei Wettbewerben. Und hat dann, wenn es nach dem Trainer geht, durchaus Ambitionen: „Auch wenn das vermessen klingt: Im Pokal geht es darum, diesen am Ende zu gewinnen.“ Letsch hofft auf ein Heimspiel in der nächsten Runde: „Wie besonders das sein kann, hat man in der vergangenen Saison gesehen.“ Da hat der VfL sogar das Viertelfinale erreicht. Neben dem Sportlichen ist der Wettbewerb auch finanziell lukrativ. Für den Sieg in Elversberg gibt es etwas mehr als 800.000 Euro.

(Foto: Imago / kolpert-press)

Debüt in Leipzig

Nur ein Spieler sicher im Team: Letsch bietet allen neue Chance

Nur in einem Fall ließ sich Thomas Letsch aus der Reserve locken. Wer am Samstag beim Auswärtsspiel in Leipzig zwischen den Pfosten stehen wird, ist bereits entschieden. Stammkeeper Manuel Riemann hat seinen Platz sicher. Ansonsten aber hüllt sich der Fußballlehrer vor seinem ersten Spiel mit dem VfL Bochum in Schweigen – zumindest bei Personalfragen. Nicht ohne Grund ließ er seit Mittwoch ohne Zuschauer trainieren. Womöglich sorgt Letsch bei seinem Debüt für einige Überraschungen.

Trainingseindrücke entscheidend

Mit dem Trainerwechsel werden die Karten bekanntlich neu gemischt. Mit Elan und Begeisterung haben in dieser Woche alle Spieler in eigener Sache geworben. Was jedoch wenig überraschend ist. „Das ist doch immer so: Wenn ein neuer Trainer kommt, wittern alle eine neue Chance, vor allem die, die zuletzt weniger oder gar nicht gespielt haben“, sagt Bochums neuer Chefcoach und meint damit Kandidaten wie Jannes Horn, Jacek Goralski oder Christopher Antwi-Adjei, vielleicht auch Silvere Ganvoula.

Bei seinen Personalentscheidungen würden vor allem Trainingseindrücke eine wichtige Rolle spielen. Weil Letsch aber nicht zu viel verändern möchte, fließen natürlich auch Erkenntnisse aus seinem Videostudium vorheriger Partien mit ein. Klar ist aber: „Kein Spieler kann sich darauf berufen, sich einen Einsatz aufgrund des Saisonstarts auf jeden Fall verdient zu haben. Und selbst wenn: Wer seine Leistungen im Training nicht bestätigt, wird es schwer haben, gegen Leipzig von Beginn an dabei zu sein.“

Ausfallliste ist kleiner geworden

Letsch setzt nicht nur in Pressekonferenzen, sondern auch in der Kabine und auf dem Platz auf klare Worte, ohne dabei auf Charisma zu verzichten. Für die Spieler sind derart viele Vorgaben durchaus ungewohnt. Vorgänger Thomas Reis hat auf viel Eigenverantwortung gesetzt, womit gerade die vielen Neuzugänge nicht zurechtgekommen sind. „Die Mannschaft ist sehr offen für neue Ideen, sehr wissbegierig. Ich nehme insgesamt sehr viel Positives aus der ersten Traininsgwoche mit“, sagt Letsch.

Erfreulich sei aus seiner Sicht, „dass es nicht nur elf Kandidaten für die Startaufstellung gibt, sondern aktuell 14 oder 16. Das ist aber wichtig, weil so, wie wir spielen wollen, wird nicht jeder 90 Minuten durchhalten.“ Letsch setzt auf laufintensives Pressing mit schnellem Umschaltspiel. Das kostet Kraft. Umso besser, dass die Ausfallliste schon kleiner geworden ist. Verzichten muss Letsch in Leipzig lediglich auf drei potenzielle Leistungsträger: Auf Dominique Heintz, Konstantinos Stafylidis und Takuma Asano.

Bundesliga-Premiere für Letsch

Thomas Letsch, der eine Vergangenheit im RB-Kosmos hat, erwartet trotzdem ein schwieriges Spiel. „Wenn ich mir die individuelle Qualität aller Bundesligisten ansehe, dann hat Leipzig den zweitbesten Kader.“ Trainiert wird dieser von Marco Rose, den Letsch einst nach Salzburg geholt hat. Während Rose schon den dritten Bundesligisten trainiert, steht Letsch vor einer Premiere. Weder als Spieler noch als Trainer hat es der 54-Jährige bislang in Deutschlands höchste Spielklasse geschafft. Das ändert sich nun.

(Foto: Firo Sportphoto)