Mitgliederversammlung

Interview: Villis über Vorwürfe, Verdienste und Versäumnisse

Seit zehn Jahren ist Hans-Peter Villis Vorsitzender des VfL Bochum. Bei der Präsidiumswahl am 15. November muss er jedoch um sein Amt kämpfen – es gibt eine Opposition. Tief im Westen – Das VfL-Magazin hat mit dem aktuellen Vereinsboss über die zurückliegenden und anstehenden Herausforderungen gesprochen.

Herr Villis, in diesem Jahr gibt es bei der Präsidiumswahl Konkurrenz für Sie. Inwieweit hat Sie die Kandidatur von Herrn Dr. Bauer und seinem Team überrascht?

Ich kenne und schätze ihn seit vielen Jahren. Ich hätte mir gewünscht, dass wir vor seiner Kandidatur einmal miteinander gesprochen hätten. Über seine Bewerbung bei der Findungskommission hat er mich dann im Nachgang persönlich informiert. Natürlich war ich überrascht.

Zunächst einmal handelt es sich um einen demokratischen Vorgang. Warum beschäftigt den VfL Bochum dieses Thema trotzdem so sehr?

Uns ist sehr daran gelegen, über Ruhe und Kontinuität zum Erfolg zu kommen. Wir wollen unsere Strategie weiterverfolgen, deshalb treten wir an und wollen wiedergewählt werden. Dieses Gegeneinander sorgt für eine gewisse Unruhe. Einige Sponsoren haben mich bereits gefragt, warum es denn plötzlich eine Opposition gibt. Die sind irritiert.

Was haben Sie geantwortet?

Zunächst einmal, dass der Verein im Vordergrund steht und nicht einzelne Personen, unabhängig vom Ausgang der Wahl. Ansonsten kenne ich die Beweggründe der Gruppe ja nur aus der Presse. Substanziell sehe ich jedoch wenig Neues. In den Top 25 zu bleiben, das Nachwuchsleistungszentrum zu stärken oder die Stadioninfrastruktur zu verbessern – all das ist bei uns schon lange Teil unserer Strategie.

Die Kritik der Fans zentriert sich ja überwiegend auf Ihre Person. Warum ist das so?

Natürlich haben wir und habe ich in den zurückliegenden zehn Jahren nicht immer alles richtig gemacht. Aber man muss das große Ganze sehen und die Diskussion nicht auf einzelne Themen reduzieren. Teilweise ist die Kritik nachvollziehbar, aber oft auch sehr persönlich und wenig sachlich.

Also würden Sie sich mehr Wertschätzung wünschen?

Die Wahl ist ja ein Instrument, Wertschätzung auszudrücken. Ich möchte an dieser Stelle aber auch noch einmal betonen, welche Aufgaben wir als Präsidium haben und welche nicht. Wir sind ein Kontrollgremium, wir diskutieren über Strategien oder stoßen Entwicklungen mit an. Aber wir sind nicht für jede Entscheidung im Tagesgeschäft verantwortlich, etwa in der Kaderplanung. Ob es gut läuft oder nicht: Es ist immer Teamarbeit.

Welche Verdienste lassen sich denn dem aktuellen Präsidium zuschreiben?

Wir sind angetreten, um den Verein finanziell und somit sportlich zu konsolidieren. Das ist uns gelungen. Mehr noch: Wir sind wirtschaftlich viel flexibler geworden, haben den Lizenzspieleretat im Sommer um mehr als sechs Millionen Euro anheben können. Auch sportlich sind wir endlich wieder dort angekommen, wo wir hingehören – wir spielen erstklassig. Wir haben uns in praktisch allen Bereichen verbessert. Das honorieren die Menschen in Bochum und darüber hinaus. Wir haben so viele Mitglieder und Sponsoren wie noch nie.

Das Team Bauer wirft Ihnen vor allem fehlende Transparenz und zu wenig Wertschätzung für Führungskräfte vor. Können Sie das nachvollziehen?

Wir sind schon sehr transparent, gerade im Vergleich zu anderen Klubs. Wir kommunizieren, was wir kommunizieren können und dürfen. Bei Personalinterna sind uns teilweise Grenzen gesetzt. Auch das gehört zu einem guten Führungsstil dazu. Dass uns einzelne Verantwortliche verlassen haben, ist manchmal nicht zu verhindern.  

Aber eine gewisse Personalflucht lässt sich nicht leugnen.

Ich kann es nur noch einmal betonen: Wir hätten Sebastian Schindzielorz und auch Thomas Reis gerne bei uns behalten. Wir haben im Rahmen unserer Möglichkeiten viel dafür getan. Uns darüber hinaus vorzuwerfen, dass zum Beispiel Christoph Wortmann oder Alexander Richter den VfL verlassen werden oder haben, ist zwar verständlich, entspricht aber nicht den Tatsachen. Die beiden haben beruflich reizvolle Angebote anderer Klubs angenommen.

Müssen Sie in punkto Fannähe zulegen, um Differenzen eher auszuräumen?

Ich bin vielfach ansprechbar, das wissen die meisten auch. Auch innerhalb des Präsidiums spielen die Meinungen der Fans eine wichtige Rolle. Martin Volpers ist der gewählte Vertreter der eingetragenen Fanclubs und hält den Kontakt zu den Anhängern. Er trägt die Meinungen der Fans in unser Gremium und transportiert unsere Sichtweisen wieder zurück. Aber in dem Punkt können wir uns noch verbessern.

Wofür stehen die anderen Präsidiumsmitglieder? Außenstehende können das kaum einschätzen.

Andreas Eickhoff bringt eine sehr große juristische Expertise mit, die für die Arbeit in unserem Gremium unerlässlich ist. Uwe Tigges hat viele Jahre große Unternehmen geführt, kennt sich vor allem im Bereich Personalmanagement bestens aus. Und Jupp Tenhagen ist als ehemaliger Spieler und Trainer in der Fußballszene sehr gut vernetzt.

Sie haben nun auch Christina Reinhardt, die Kanzlerin der RUB, ins Team geholt. Was erhoffen Sie sich von ihr?

Sie ist schon einigen Jahren VfL-Mitglied, in vielen Bereichen sehr gut vernetzt, besitzt die wissenschaftliche Expertise und ist inhaltlich breit aufgestellt. Davon wollen und werden wir profitieren. Es besteht grundsätzlich immer die Möglichkeit, weitere Präsidiumsmitglieder zu kooptieren. Vielleicht haben wir davon in der Vergangenheit zu wenig Gebrauch gemacht.

Können Sie sich im Falle eines eigenen Wahlsiegs auch vorstellen, mit Personen aus dem Team Bauer zusammenzuarbeiten?

Ich will das nicht völlig ausschließen, schließlich sind wir alle VfLer. Stand jetzt wird es dazu aber nicht kommen, zumal ich zwei Personen aus der Gruppe gar nicht und zwei nicht gut genug kenne, um das beurteilen zu können. Auch hier wäre es besser gewesen, früher ins Gespräch zu kommen.

Fürchten Sie bei einem knappen Wahlausgang eine Spaltung des Klubs?

Ich hoffe es nicht, Sorge bereitet mir das aber schon. Der Verein steht über allem, nicht einzelne Personen. Ich persönlich werde immer – ob mit oder ohne Amt – VfL-Fan bleiben. Aber ich gehe davon aus, dass wir am 15. November wiedergewählt werden. Ich bin zuversichtlich, dass die Mehrheit der Mitglieder unseren Weg der zurückliegenden Jahre honoriert und uns erneut unterstützen wird.

Für welches Team würdest du dich heute – so kurz vor der Wahl – entscheiden?

Zeige Ergebnisse

Wird geladen ... Wird geladen ...

Tief im Westen – Das VfL-Magazin weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei dieser Befragung nicht um eine repräsentative Umfrage handelt. Sie dient lediglich dazu, ein grobes Stimmungsbild zu erhalten. Das Ergebnis könnte dadurch verzerrt werden, dass auch Fans ohne Mitgliedschaft abstimmen – oder Mitglieder, die nicht an der Versammlung am 15. November teilnehmen. Es ist die dritte Befragung dieser Art.

(Foto: Firo Sportphoto)

Mitgliederversammlung

Interview: Bauer über Führung, Fannähe und Frauenfußball

Seit knapp zwei Wochen zeichnet sich ab, dass es in der Mitgliederversammlung des VfL Bochum am 15. November zu einer Kampfabstimmung bei der Wahl des neuen Präsidiums kommen wird. Nicht nur Amtsinhaber Hans-Peter Villis kandidiert erneut als Vorsitzender, auch Prof. Dr. Karl-Heinz Bauer. Tief im Westen – Das VfL-Magazin hat mit dem Ärztlichen Direktor des Klinikum Westfalens und Vereinsarzt des VfL Bochum über seine Ziele gesprochen.

Herr Bauer, dass beim VfL Bochum zwei Teams in eine Präsidiumswahl ziehen und gegeneinander antreten, hat es bislang noch nicht gegeben. Warum wollen Sie den Vorsitz übernehmen?

Ich habe in meinem Leben schon viele Entscheidungen getroffen, aber keine ist mir so schwergefallen wie diese. Ich kenne den Verein wie kaum ein anderer, vom Untergeschoss bis zur vierten Etage der Geschäftsstelle, und das seit 23 Jahren. Es gab Entwicklungen in den vergangenen Jahren, die zu dieser Kandidatur geführt haben.

Welche waren das?

Vorneweg: Ich möchte keine schmutzige Wäsche waschen, obwohl ich das könnte. Aber wir müssen etwas unternehmen und verändern. Es geht mir vor allem um zwei zentrale Punkte: Erstens um mehr Personalkonstanz als Folge einer wertschätzenden Führungskultur. Und zweitens um mehr Transparenz und Fannähe.

Über Wertschätzung wurde in diesem Jahr immer wieder gesprochen, etwa in Zusammenhang mit dem Abschied von Sebastian Schindzielorz. Was genau meinen Sie damit?

Das gilt nicht nur für einzelne Personen, die den VfL verlassen haben, sondern ganz generell. Es geht dabei auch nicht primär ums Geld, sondern um Zuständigkeiten, Prozesse und Strukturen. Die Aufgabe des Präsidiums ist es, bei dieser Entwicklung mitzuhelfen und Verlässlichkeit zu bieten. Das sind Grundlagen des Erfolgs. Wir wollen eine stabile, mit Herzblut geführte Vereinsspitze bilden – und da sein, wenn wir und unsere Netzwerke gebraucht werden.

Und das können Sie besser als das bisherige Gremium?

Ja, mit unserem gesamten Team. Wir sind breit aufgestellt, aus meiner Sicht breiter als das bisherige Präsidium. Jeder aus unserem Team hat seine Stärken, und die brauchen wir auch. Meine persönlichen Stärken sehe ich vor allem in der Personalführung und Weiterentwicklung.

Mit welchem inhaltlichen Konzept treten Sie denn an?

Kurzfristig geht es uns vor allem darum, alles dafür zu tun, dass wir in der Bundesliga bleiben. Mittelfristig müssen wir das Nachwuchsleistungszentrum und den Frauenfußball wieder stärken. Hier haben wir Entwicklungen verpasst. Auch die Wiedereinführung einer U23 muss diskutiert werden. Langfristig wollen wir auch die Stadioninfrastruktur verbessern. Darüber hinaus wollen wir die Fans wieder mehr miteinbeziehen und offen sein für ihre Ideen. Ich denke da zum Beispiel an die Mitgliederforen, die es vor knapp zehn Jahren gab. 

Glauben Sie, das allein überzeugt die Mitglieder? Teile Ihres Teams sind bis jetzt ziemlich unbekannt, vor allem Marc Schaaf und Andreas Bobon.

Marc Schaaf ist Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt und ist in der Lokalpolitik gut vernetzt. Gleiches gilt für seine Verbindungen in die Fangemeinde. Andreas Bobon kenne ich schon sehr lange, er ist ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann und hat Erfahrungen unter anderem im Sportsponsoring. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass wir uns mit der Zeit noch verstärken, etwa im juristischen Bereich.

Generell bemängeln einige Mitglieder, dass sie nicht genau wissen, wofür Sie und Ihr Team überhaupt steht. Es gibt zum Beispiel keine Homepage, keine Informationsveranstaltung.

Wir versuchen alles, was möglich ist. Wir hatten gehofft, dass die Findungskommission ihre Entscheidung etwas früher bekanntgibt und auch der Verein verkündet, dass wir antreten. Darauf warten wir noch. Ansonsten beantworten wir alle Fragen, die gestellt werden, zum Beispiel in diesem Interview.

Warum sind vier von fünf Personen aus Ihrem Team erst kürzlich Vereinsmitglieder geworden? Nur Sie sind schon länger dabei.

Wir haben vor unserer Kandidatur die Voraussetzungen dafür geprüft, und wer noch nicht Vereinsmitglied war, ist dann Vereinsmitglied geworden. Das war beim jetzigen Vorsitzenden übrigens sehr ähnlich. Für uns gilt aber: Alle eint eine große Verbundenheit mit dem VfL, die man uns nicht absprechen kann. Marcel Maltritz und Ralf Zumdick haben jeweils mehrere hundert Pflichtspiele für den Verein absolviert.

Welche Rolle spielt Peter Neururer in Ihren Überlegungen?

Überhaupt keine. Er ist ein guter persönlicher Freund von mir, das ist bekannt. Aber es gibt nicht die Absicht, ihn beim VfL Bochum einzubinden. Ich wüsste auch nicht, was er machen sollte. Wir haben einen sehr guten Trainer, den wir voll und ganz unterstützen.

Gilt das auch für die Geschäftsführung?

Selbstverständlich. Wir werden mit Ilja Kaenzig und Patrick Fabian gleich gut zusammenarbeiten. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Patrick Fabian der richtige Mann für den sportlichen Bereich ist. Ich kenne ihn schon sehr lange und er wird von uns jede Unterstützung bekommen, die er braucht. Das gilt für Ilja Kaenzig ganz genauso. Er führt den Verein hervorragend. Wir müssen aufpassen, ihn nicht zu verlieren und alles dafür tun, dass er noch länger bei uns bleibt.

Wie positionieren Sie sich eigentlich in der Investorenfrage?

Das ist eine hochsensible Angelegenheit, hier ist Vorsicht geboten. Auch wir wollen keinen Scheich, sondern nur jemanden, der zum VfL Bochum passt. Die Hürden sind hoch, es wird schwierig sein, jemanden zu finden. Unmöglich ist das aber nicht.

Die Mitgliedersammlung naht ja nun. Sollten sich die Mitglieder für eine Einzel- und gegen die Blockwahl entscheiden, wie verhalten Sie sich dann?

Wir treten nur als Team an – ansonsten gar nicht. Heißt also: Bei einer Einzelwahl ziehen wir uns zurück. Wir haben unser Team ja nicht ohne Grund so zusammengestellt.

Abschließend: Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, gewählt zu werden?

Uns ist bewusst, dass das ganze Thema aktuell für eine gewisse Unruhe sorgt. Aber langfristig wird es dem Verein helfen und es ist im Sinne der Sache, wenn die Mitglieder die Wahl haben. Ich bin zuversichtlich, dass es für mein Team und mich eine erfolgreiche Mitgliederversammlung wird. Wichtig ist mir, dass in Zukunft auch diejenigen, die mich nicht gewählt haben, sagen werden: Der macht das doch sehr vernünftig.

Für welches Team würdest du dich heute – knapp eine Woche vor der Wahl – entscheiden?

Zeige Ergebnisse

Wird geladen ... Wird geladen ...

Tief im Westen – Das VfL-Magazin weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei dieser Befragung nicht um eine repräsentative Umfrage handelt. Sie dient lediglich dazu, ein grobes Stimmungsbild zu erhalten. Das Ergebnis könnte dadurch verzerrt werden, dass auch Fans ohne Mitgliedschaft abstimmen – oder Mitglieder, die nicht an der Versammlung am 15. November teilnehmen. Es ist die zweite Befragung dieser Art.

(Foto: Firo Sportphoto)

2:1-Sieg gegen Gladbach

Mathelehrer Letsch rechnet vor: Mit Heimstärke zum Ligaverbleib

Dass der VAR im Fußball für weniger Emotionen sorgt, werden die Fans und Spieler des VfL Bochum nach dem 2:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach sicher nicht bestätigen können. Gleich zweimal ließ der Kölner Keller die Zuschauer an der Castroper Straße jubeln. Zunächst beim frühen 1:0 durch Christopher Antwi-Adjei, dessen Tor erst nach Rücksprache mit dem Video-Assistenten seine Anerkennung fand. Der schnelle Flügelstürmer des VfL befand sich beim Zuspiel von Simon Zoller nicht in einer Abseitsposition. Das Ruhrstadion tobte mit kurzer Verspätung.

Mindestens genauso laut wurde es in der Schlussphase, als die Gladbacher zunächst dachten, doch noch das 2:2 erzielt zu haben, der Treffer aber zurückgenommen wurde. „Der VAR macht den Fußball insgesamt gerechter“, stellte Bochums Trainer Thomas Letsch später nüchtern fest, obwohl er selbst nicht so genau wusste, warum das Tor nicht zählte. Die Auflösung: Das Schiedsrichter-Gespann bewertete die Abwehraktion von Vasilios Lampropoulos vor dem 2:2 als unkontrolliertes Spiel. Folglich ergab sich nach dem Kopfball von Marvin Friedrich keine neue Spielsituation und Vorlagengeber Jonas Hofmann stand im Abseits – sicher eine Auslegungssache.

Zwei schnelle Tore gegen Gladbach

Aus Bochumer Sicht war und ist das aber zweitrangig. In der jüngeren Vereinsgeschichte gab es schon oft genug bittere Momente gegen Borussia Mönchengladbach, da hätte ein weiterer Stich ins blau-weiße Herz besonders wehgetan. Außerdem war der Sieg des Tabellenvorletzten insgesamt verdient. Der VfL spielte mit einer ähnlich großen Leidenschaft und Konsequenz wie in den Heimspielen zuvor, als schon ähnlich namhafte Mannschaften wie Union Berlin und Eintracht Frankfurt über die Wehrhaftigkeit des Abstiegskandidaten staunten.

„Wir haben uns vorgenommen, den Gegner früh zu attackieren. Das hat richtig gut funktioniert. Wir hatten viele frühe Ballgewinne und konnten schnell umschalten“, fasste Torschütze Christopher Antwi-Adjei die Herangehensweise in der Anfangsphase treffend zusammen. Mit Tempo und Tiefgang kam der VfL zum frühen 1:0, mit Auge und Attacke zum schnellen 2:0 durch Philipp Hofmann. Ein drittes Tor hätte wahrscheinlich für Ruhe und die Entscheidung gesorgt, doch nicht die Bochumer trafen nach gut einer Stunde, sondern die Gäste vom Niederrhein. Der VfL, der gut verteidigte, hielt dem folgenden Druck aber stand und fuhr den dritten Saisonsieg ein.

VfL punktet bislang nur zu Hause

Die mysteriöse Serie, auswärts noch keinen Punkt geholt zu haben, im eigenen Stadion nun aber dreimal in Folge als Sieger vom Platz gegangen zu sein, setzt sich damit fort. Thomas Letsch, der früher mal Mathematiklehrer war, hatte schon nach der Partie in Wolfsburg eine nicht ganz ernstgemeinte Musterrechnung präsentiert: „Wenn wir alle Heimspiele gewinnen, schaffen wir auch den Klassenerhalt.“ Womit er in der Theorie Recht behalten dürfte. Zehn Punkte hat der VfL nun auf dem Konto, zehn Heimspiele stehen noch aus – 40 Punkte dürften am Ende sicher reichen.

Die Hoffnung, auch in der Fremde noch einmal erfolgreich zu sein, hat der Trainer damit aber noch nicht aufgegeben. Vielleicht klappt es ja schon am Samstag beim letzten Pflichtspiel des Jahres in Augsburg. Dort könnte der VfL eine turbulente wie schwierige Hinrunde retten und im Optimalfall sogar auf einem Nichtabstiegsplatz überwintern. „Die Wahrscheinlichkeit, jetzt auch auswärts punkten, steigt“, sagte der Fußballlehrer Letsch am späten Dienstagabend. Der Mathematiklehrer schränkte hingegen ein: „Wobei das mathematisch gar nicht stimmt.“ Doch zum Glück wird das Spiel nicht an der Tafel, sondern auf dem Platz entschieden.

++++++++++

Ihr wollt das VfL-Magazin einmalig oder dauerhaft unterstützen? Nutzt dafür gerne die unkomplizierte Zahlungsoption via PayPal. Danke, dass ihr fundierte Berichterstattung auch in Zukunft möglich macht.


++++++++++

Mitgliederversammlung

Einzelbewerber ziehen zurück: Zwei Teams stehen zur Wahl

+++ Update (11.11.): Die Findungskommission hat am Freitag mitgeteilt, neben dem Team Villis auch das Team Bauer für die Präsidiumswahl vorzuschlagen. Die beiden Einzelkandidaten haben ihre Bewerbung zurückgezogen. Auch der Antrag auf Einzelwahl wurde zurückgenommen. Folglich kommt es zu einer en-bloc-Wahl. +++

Natürlich versuchen die Verantwortlichen des VfL Bochum dieser Tage die Aufmerksamkeit auf das sportliche Geschehen zu lenken. Noch befindet sich die Bundesliga nicht in der Winterpause, am Samstag steht das letzte Pflichtspiel an. Doch auch vereinsintern spielt die am 15. November anstehende Mitgliederversammlung bereits eine große Rolle. Die entscheidende Frage lautet: Bleibt alles beim Alten? Oder gibt es nach zehn Jahren einen fast kompletten Personalwechsel an der Spitze des Klubs? Wie bereits berichtet, tritt neben dem bisherigen Präsidium um den Vorsitzenden Hans-Peter Villis auch ein fünfköpfiges Team um den bisherigen Vereinsarzt Dr. Karl-Heinz Bauer an.

Bewerbung von Einzelkandidaten

Zwar wird sich zuständige Findungskommission wohl erst am Freitag abschließend zur Kandidatur der Wahlalternative geäußert, doch qua Satzung hat sie kaum eine Handhabe, die Gruppe nicht zur Wahl zuzulassen. „Relevant ist ausschließlich, dass der Bewerber Mitglied ist, unabhängig von der Dauer“, erklärt der Bochumer Rechtsanwalt Christof Wieschemann, der im Jahr 2011 an der Satzung mitgearbeitet hat. Darin heißt es, dass lediglich gewährleistet sein muss, dass der „persönliche und berufliche Werdegang sowie seine Einstellung zu den Zielen des Vereins die Annahme begründen, dass er den Anforderungen, die an ein Mitglied des Präsidiums zu stellen sind, gewachsen ist […].“

Die Findungskommission, erklärt Wieschemann, habe die Befähigung selbst nicht abschließend zu bewerten: „Ob zum Beispiel das Vorhandensein von Netzwerken ein relevantes Auswahlkriterium ist, entscheidet ausschließlich das Mitglied im Moment der Stimmabgabe und nicht die Findungskommission.“ Das gilt auch für die beiden Einzelbewerber. Mit Lars Terbrack, Heilerziehungspfleger aus Vreden im Münsterland, und Carsten Loer, Vermögensberater aus Niederkrüchten bei Mönchengladbach, wollen sich auch zwei Mitglieder ohne Team zur Wahl stellen. Wobei die Chancen der beiden, gewählt zu werden, aus verschiedenen Gründen sehr gering sind.

Teams wollen zusammen bleiben

Loer, der in der Jugend beim VfL gespielt hat, rührt zumindest über Facebook die Werbetrommel. Zu seinen Plänen gehört unter anderem eine Verbesserung der Nachwuchsarbeit inklusive Wiedereinführung der U23. Zudem setzt er sich für einen Ausbau der VIP-Bereiche ein. Sein mittelfristiges Ziel ist ambitioniert: Er möchte den VfL „in der oberen Tabellenhälfte der Bundesliga etablieren“. Terbrack hingegen betont, sich für „mehr Transparenz und mehr Investitionen“ einsetzen zu wollen. „Ich finde es wichtig, dass auch ein normaler Fan ohne BWL-Studium in diesem Gremium sitzt.“ Zugleich gibt er offen zu, „wenig Ahnung“ von Unternehmungsführung und den Abläufen im Profifußball zu haben.

Die Einzelkandidaturen könnten generell zu Problemen führen. In der Satzung ist bekanntlich eine en-bloc-Wahl festgelegt. Mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen könnte diese von Mitgliedern aufgehoben werden. Nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin würden sich im Falle einer Einzelwahl wahrscheinlich beide Teams zurückziehen. In diesem Fall könnte kein vollständiges Präsidium gewählt werden, der VfL wäre vorübergehend ohne Führung. Es könnte aber auch zu taktischen Spielchen kommen. Sobald sich das erste Team zurückzieht, könnten die verbliebenen fünf Mitglieder des zweiten Teams fast siegesgewiss in eine Einzelwahl ziehen.

RUB-Kanzlerin im Team Villis

Im Normalfall, also ohne Einzelwahl, bleibt es bei den beiden Blöcken, die sich nun gebildet haben. Zum Team Villis gehört nun auch die Kanzlerin der Ruhr-Uni Bochum. Dr. Christina Reinhardt nimmt den Platz von Martin Kree ein, der nicht mehr zur Wahl antreten wird. Reinhardt ist seit 2016 VfL-Mitglied und seit nunmehr sieben Jahren Kanzlerin der Hochschule. In dieser Funktion ist sie für die Universitätsverwaltung verantwortlich und als Beauftragte für den Haushalt auch zuständig für die Finanzen. Die Ruhr-Uni ist Bochums größter Arbeitgeber und Heimat für mehr als 40.000 Studierende. Reinhardt wäre die erste Frau, die in das Präsidium des VfL Bochum gewählt werden würde.

Für welches Team würdest du dich heute – knapp eine Woche vor der Wahl – entscheiden?

Zeige Ergebnisse

Wird geladen ... Wird geladen ...

Tief im Westen – Das VfL-Magazin weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei dieser Befragung nicht um eine repräsentative Umfrage handelt. Sie dient lediglich dazu, ein grobes Stimmungsbild zu erhalten. Das Ergebnis könnte dadurch verzerrt werden, dass auch Fans ohne Mitgliedschaft abstimmen – oder Mitglieder, die nicht an der Versammlung am 15. November teilnehmen. Es ist die zweite Befragung dieser Art. Das Stimmungsbild aus der vergangenen Woche lässt sich am Ende des nachfolgend verlinkten Artikels vom 2. November nachsehen.

(Foto: Firo Sportphoto)

0:3-Niederlage beim BVB

VfL im Derby: „Eklatante Fehler“ und einmalige Elfmeter-Statistik

Als der VfL Bochum vor einigen Jahren mal eine gefühlte Ewigkeit keinen Elfmeter zugesprochen bekam, erzählte der Kabarettist Frank Goosen in seinem Bühnenprogramm davon, und ein schlagfertiger Gast rief ihm zu: „Dann müsst ihr auch mal in den Strafraum laufen.“ Derzeit hat der VfL mit dem umgekehrten Problem zu kämpfen: Ständig werden Strafstöße gegen die Bochumer gepfiffen. Die einmalige Zwischenbilanz in der Bundesliga-Geschichte: Nach 13 Spieltagen hat der Revierklub schon neun Elfmeter verursacht.

Spiel zur Halbzeit entschieden

Auch in Dortmund zeigte der Schiedsrichter wieder auf den Punkt, sogar zweimal. Den ersten Foulelfmeter, verursacht von Vasilios Lampropoulos, verwandelte der BVB zum frühen 0:2, den zweiten nahm der Unparteiische nach einem VAR-Check zurück. „Fußball wird in den Strafräumen entschieden und da haben wir als Mannschaft eklatante Fehler gemacht“, kritisierte VfL-Trainer Thomas Letsch und äußerte sich auf Nachfrage auch zur Elfmeter-Statistik: „Am besten wäre es natürlich, wenn wir den Gegner gar nicht erst in den Strafraum lassen. Passiert das doch, müssen wir es cleverer lösen.“ Ansonsten lobte Letsch sein Team aber, „trotz der 0:3-Niederlage“ und einer effizienten Dortmunder Mannschaft, die mit zunehmender Spieldauer den Fuß vom Gaspedal nahm.

Aus Sicht des Trainers zeigte sich der VfL im Vergleich zur 0:4-Pleite in Wolfsburg durchaus verbessert. Laut Datenaufzeichnung ließen die Bochumer in dieser Saison noch nie so wenige Torschüsse zu wie in Dortmund. „Wir waren kompakter und mutiger“, analysierte Letsch, dessen Team auch eigene Torchancen hatte, aber keine davon nutzte. Das größte Pech hatten die Bochumer in der ersten Halbzeit, als Philipp Hofmann das vermeintliche Anschlusstor erzielte, allerdings aus knapper Abseitsposition. Die letzte Hoffnung, den Rivalen noch einmal ansatzweise so zu ärgern wie im April, verschwand schließlich mit dem Pausenpfiff, als Torhüter Manuel Riemann mit einem völlig falschen Stellungsspiel und einem Ausflug aus dem Strafraum das 0:3 ermöglichte.

Dass Riemann trotz seines eigenen Fehlers mal wieder den größten Redeanteil auf dem Spielfeld hatte und wild gestikulierte, kann man zunehmend kritisch sehen – denn der im Vorjahr so starke Schlussmann schwächelte in dieser Saison nicht zum ersten Mal. Dortmunds Trainer Edin Terzic hatte seine Spieler sogar explizit auf den extrem weiten Aktionsradius von Riemann hingewiesen. Thomas Letsch hingegen sieht kein Torhüterproblem beim VfL, weder sportlich noch im Miteinander. „Ich bin froh, wenn jemand Verantwortung übernimmt und auf dem Platz laut ist“, wobei er einschränkte: „Positiv laut.“ Allein mit Worten sind die Probleme beim VfL jedoch nicht zu beheben; speziell in der Defensive fehlt es an Qualität, insbesondere an Handlungsschnelligkeit, was nicht nur die Elfmeter-Statistik belegt.

Weiter ohne Auswärtspunkt

Insgesamt bleiben die Bochumer Zahlen nach dem Spiel beim BVB besorgniserregend: 10 Niederlagen nach 13 Bundesliga-Partien, 0 Auswärtspunkte, 22 Gegentreffer allein in der Fremde. Der VfL freut sich deshalb umso mehr auf das nun anstehende Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach – eine Mannschaft, die in einem fremden Stadion auch noch nicht gewonnen hat. Bereits am Dienstagabend geht es weiter, bevor das ereignisreiche Bochumer Fußballjahr mit einem Auswärtsspiel in Augsburg vorerst endet.

(Foto: Firo Sportphoto)

Mitgliederversammlung

Villis gegen Bauer: Echte Wahl wäre ein Novum für den Klub

Langweilig ist es beim VfL Bochum nie. Doch die Ereignisdichte in den kommenden zwei Wochen ist ohne Frage außergewöhnlich. Erst muss die Mannschaft auf dem Platz versuchen, in den letzten drei Partien vor WM-Pause möglichst viele Punkte zu holen und die Hoffnung auf den Klassenerhalt aufrechtzuerhalten. Anschließend steht die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung auf dem Programm. Bei der Präsidiumswahl möchte neben dem Team Villis, das in Teilen seit zehn Jahren amtiert, auch das Team Bauer kandidieren. Die Konstellation sucht in Fußball-Deutschland ihresgleichen: Der noch aktive Vereinsarzt, der das Innenleben des Vereins seit 1999 und damit wie kaum ein anderer kennt, möchte den Vorsitzenden stürzen und selbst den Posten an der Spitze übernehmen.

Aussichtslos dürfte dieses Unterfangen nicht sein. An Villis und seinem Führungsstil gab es in den zurückliegenden Jahren immer wieder Kritik vonseiten der Fans – beginnend mit dem Rückzug von Wilken Engelbracht Ende 2017 sowie der Unruhe rund um Christian Hochstätter, den Villis und vor allem Martin Kree monatelang gegen alle Widerstände gestützt haben. Nur vorübergehend war dank des sportlichen Erfolgs Ruhe eingekehrt. Die Kündigung von Sebastian Schindzielorz und die Kommunikation in der Causa Thomas Reis haben Villis nun zurück in die Kritik gebracht, verbunden mit der Frage: Warum haben beide Personalien den VfL monatelang beschäftigt – und warum ist es Villis nicht gelungen, sie für eine Zukunft beim VfL zu begeistern? Zumindest bei Schindzielorz schien das möglich.

Wofür steht das Team Bauer?

Die Ankündigung von Dr. Karl-Heinz Bauer, mit den Vereinslegenden Marcel Maltritz und Ralf Zumdick sowie zwei im Klubumfeld bislang unbekannten Geschäftsleuten eine Wahlalternative zu bieten, ist in Fankreisen auf ein geteiltes Echo gestoßen. Generell und personenunabhängig begrüßen viele Anhänger aber die Idee, das Team Villis herauszufordern. Die Ultras und einzelne Fanclubs hatten genau das gefordert. Wobei zur Stunde noch unklar ist, wofür die Opposition überhaupt steht, insbesondere was sie anders machen möchte. Wie positionieren sich Bauer und seine Mitstreiter etwa in der Investorenfrage? Und wie stehen sie zur Geschäftsführung mit Ilja Kaenzig und Patrick Fabian? Diese Fragen und noch einige mehr gilt es in den kommenden zwei Wochen zu beantworten.

Denn bislang hat das Team Bauer lediglich vier Ziele über die Bild-Zeitung kommuniziert: Das Stadion zu sanieren, die Jugend und den Frauenfußball stärker zu fördern und den VfL in der Bundesliga, mindestens aber in den Top 25 zu etablieren. Hierzu dürfte sich das Team Villis jedoch nicht grundlegend anders positionieren. Gegenüber Tief im Westen – Das VfL-Magazin kündigte Bauer mehr Informationen nach der Entscheidung der Findungskommission an. Das von Roland Mitschke geleitete Gremium trifft sich an diesem Donnerstag mit der Gruppe und entscheidet anschließend darüber, ob es die Bewerbung des Quintetts überhaupt zulässt. Zweifel könnte es etwa an der Verbundenheit zum Klub geben. Der Grund: Zwei Personen, die der Gruppe angehören, sind erst zum 1. November Mitglied geworden sein.

Erstmals Konkurrenz für Villis

Eine langjährige Vereinsmitgliedschaft schreibt die Satzung jedoch nicht vor, um für das Präsidium zu kandidieren. Sollte die Findungskommission das Team Bauer also zur Wahl zulassen, müsste auch Villis reagieren. Auf eine Art Wahlkampf waren die amtierenden Gremiumsmitglieder vermutlich nicht eingestellt. Denn eine richtige Wahl hat es in dieser Form zuletzt nie gegeben. Lange Zeit sind sie davon ausgegangen, dass sie sich zwar der Kritik der Mitglieder stellen müssen, aber keine Konkurrenz zu fürchten haben. Nun steht womöglich ein kurzer, aber intensiver Wettbewerb der Ideen bevor. Auch Villis und seine Kollegen werden die Frage beantworten müssen, wie sie den VfL Bochum in den kommenden vier Jahren führen und die Mitglieder dabei mitnehmen wollen.

Für die Vereinsdemokratie ist die sich anbahnende Konstellation praktisch ein Novum. Für Werner Altegoer gab es 2010 zwar Gegenwind durch die Initiative ‚Wir sind VfL‘, einer Kampfabstimmung musste er sich aber nicht stellen. Zuletzt war es Ottokar Wüst in den Achtzigern, dem es allerdings gelungen ist, seinen Kontrahenten Hans-Georg Rehs als Vizepräsidenten einzubinden. Schon damals lag die Macht bei den Mitgliedern. Sie bilden das höchste Beschlussorgan. Und gewöhnlich ist die Beteiligung höher als bei anderen Klubs. An der Versammlung 2017, als über die Ausgliederung abgestimmt wurde, haben von damals rund 10.000 Mitgliedern 2.700 teilgenommen. Seither ist der Verein deutlich gewachsen, aktuell sind es mehr als 20.000 Mitglieder. Im RuhrCongress dürfte es am 15. November also voll werden.

Für welches Team würdest du dich – Stand heute – entscheiden?

Zeige Ergebnisse

Wird geladen ... Wird geladen ...

Tief im Westen – Das VfL-Magazin weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei dieser Befragung nicht um eine repräsentative Umfrage handelt. Sie dient lediglich dazu, ein grobes Stimmungsbild zu erhalten. Das Ergebnis könnte dadurch verzerrt werden, dass auch Fans ohne Mitgliedschaft abstimmen – oder Mitglieder, die nicht an der Versammlung am 15. November teilnehmen.

++++++++++

Ihr wollt das VfL-Magazin einmalig oder dauerhaft unterstützen? Nutzt dafür gerne die unkomplizierte Zahlungsoption via PayPal. Danke, dass ihr fundierte Berichterstattung auch in Zukunft möglich macht.


++++++++++

0:4-Niederlage in Wolfsburg

Auswärts nicht bundesligareif: VfL zeigt zwei Gesichter

Konstanz ist vielen Trainern wichtig. Insofern hat Thomas Letsch beim VfL Bochum ein erstes Etappenziel erreicht. In drei Auswärtsspielen unter seiner Regie gab es jeweils vier Gegentreffer. Zugegeben: Dieser Texteinstieg ist ziemlich fies. Aber Galgenhumor macht die Lage oft erträglicher. Das wissen viele Bochumer aus Erfahrung nur zu gut. Auch nach der 0:4-Pleite am Samstag beim VfL Wolfsburg fuhren die knapp mitgereisten 2.000 Anhänger ohne Punkte sowie mit reichlich Frust und Enttäuschung zurück ins Ruhrgebiet.

Auswärts ohne Punkt

Einmal mehr hat ihre Mannschaft ein völlig anderes Gesicht als noch in der Vorwoche gezeigt. Gegen Union Berlin bestaunten die begeisterten Fans die wahrscheinlich beste Saisonleistung, der VfL überzeugte mit „Kompaktheit, Aggressivität, Energie und Wille“, erinnerte sich auch Trainer Thomas Letsch zurück. Doch zwischen dem Auftritt daheim und der Leistung in der Fremde „lagen Welten.“ Die Ursachenforschung, gab der Übungsleiter zu, gestalte sich schwierig. „Das ist nicht so einfach erklärbar. Und deshalb auch nicht so einfach zu lösen.“

Generell fällt aber nicht nur ihm auf, dass der VfL seine schwächsten Spiele immer dann absolviert, wenn der Mannschaftsbus das Bochumer Stadtgebiet zuvor verlassen hat. Die beiden einzigen Saisonsiege nach zwölf Partien gelangen im eigenen Stadion, auswärts gab es hingegen sechs Pleiten bei sechs Anläufen. „So werden wir in dieser Liga nicht bestehen können“, sagt Letsch ohne Umschweife. „Dafür müssen wir immer 100 Prozent abrufen. Und das machen wir aktuell nicht.“ Unter seiner Leitung war nun schon der zweite ganz schwache Auftritt.

Sehr viele Gegentreffer

Dass sein Team sehr wohl dazu imstande ist, in der Bundesliga mitzuhalten, hat es schon bewiesen. Gleichwohl besteht im Gegensatz zur vergangenen Saison aber immer wieder die Gefahr, dass die Mannschaft wie in Wolfsburg derart enttäuscht, dass nicht nur Punkte fehlen, sondern auch das Torverhältnis Schaden nimmt. 32 Gegentreffer hatte der VfL vergangene Saison nach 22 Spieltagen, jetzt bereits nach 12. In Wolfsburg lag es vor allem an fehlender Ordnung, an viel zu großen Abständen und an nicht konsequent geführten Zweikämpfen.

Die Gastgeber waren meist einen Schritt schneller, vor allem auch im Kopf. Zwei Treffer fielen aus dem Spiel heraus, in beiden Fällen gab es kaum Gegenwehr. Zwei weitere Tore fielen nach Standardsituationen, die fast identisch waren. Auch hierbei hatten die Wolfsburger leichtes Spiel, der VfL aus Bochum hielt großzügig Abstand. Das brachte vor allem Manuel Riemann zur Verzweiflung. Der Torhüter gestikulierte und schimpfte nach jedem Gegentreffer, wobei die Mitspieler kaum noch zuhörten und meist kommentarlos davonschlichen.

Derby gegen Dortmund

Thomas Letsch hingegen sieht das als positives Zeichen, dass in einer eher leisen Mannschaft jemand das Wort ergreift. „Natürlich darf es nicht demotivierend sein. Aber nach einem solchen Spiel darf es auch in der Kabine mal laut sein.“ Denn die nächste Aufgabe ist schon in Sicht. Kommende Woche steht das Derby gegen Dortmund an, erneut ein Auswärtsspiel. Einige Fans reagieren auch darauf bereits mit Galgenhumor. Hoffentlich, schreiben sie in den sozialen Netzwerken, hält die Serie – und der VfL kassiert ’nur‘ vier Gegentreffer.

(Foto: Firo Sportphoto)