Kolumne

Bereit für die Saison? Zwischen Zuversicht und Skepsis

Die VfL-Kolumne ist ein festes Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die Saisonprognose.

Schulterklopfer sind im Fußball nicht unüblich. Vor einee Saison aber sind sie an der Tagesordnung. Natürlich sind alle Neuzugänge Wunschkandidaten und deshalb auch echte Verstärkungen, und egal, wie die Vorbereitung verlief, die Mannschaft ist selbstverständlich startklar. Kritik ist in dieser Phase nicht gern gesehen und wird teils persönlich genommen.

So war es auch im Sommer 2025. Der damalige Trainer verwies gerne darauf, dass die Kritiker ja gar nicht vor Ort seien. Umso alarmierender, dass sie die Probleme trotzdem früher erkannt haben als die Verantwortlichen! Auch der Sportchef preiste seine Neuverpflichtungen noch selbstbewusst bei Anhängern und Medien an; Stirnrunzeln auf der Gegenseite sorgte für Verwunderung.

Die aktuell zuständigen Personen mit ihren Vorgängern zu vergleichen, wäre nicht fair. Doch ein Muster bleibt: Sie sind genauso überzeugt von ihren Entscheidungen. Zugegeben: Wenn es anders wäre, würde das auch irritieren. Vermutlich sogar noch mehr. Die entscheidende Frage lautet also: Ist ihr Optimismus berechtigt? Die Testspielauftritte in diesem Sommer waren überzeugender als im vergangenen Jahr. In punkto Routine und Mentalität hat der VfL definitiv zugelegt. Und ein guter Saisonstart kann vieles begünstigen.

Doch woher kommt der Glaube, dass diese Mannschaft gar um den Aufstieg mitspielen wird? Sicher: Die Innenverteidigung ist stabiler, die offensiven Außenpositionen sind vermutlich besser besetzt. Auf anderen Positionen wiederum – etwa rechts hinten und vor allem im zentralen Mittelfeld – fehlen Alternativen, fehlt Qualität. Sind mal drei, vier Spieler verletzt oder noch nicht richtig fit – und das war bei der Generalprobe gegen Sheffield United bereits der Fall – dann stellt sich das Team im Grunde von selbst auf.

Vor dem ersten Pflichtspiel gibt es bekanntlich viele Prognosen. Gerade in der 2. Liga sind viele davon schon nach wenigen Wochen überholt. Ich finde: Für den VfL wäre eine sorgenfreie Runde – gerade nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre – ein erster wichtiger Schritt. Wenn am Ende dann noch eine bessere Platzierung steht als im Mai 2026, dann war die Saison ein Erfolg. Sachlichen Widerspruch nehme ich jederzeit entgegen – Schulterklopfer müssen nicht sein.


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(Foto: Marc Niemeyer).