Taz, Loosli, Gamboa: Wer kommt, wer bleibt, wer geht?!

Von den neun parallel ausgetragenen Zweitliga-Spielen am Sonntagnachmittag war das Duell zwischen dem Karlsruher SC und dem VfL Bochum das einzige, das für Bluthochdruck-Patienten geeignet war. Denn beim Aufeinandertreffen der beiden Tabellennachbarn ging es weder um den Auf- noch um den Abstieg. Entsprechend befreit traten beide Mannschaften auf – und der VfL ging als Sieger aus dem Duell hervor. Trainer Uwe Rösler und seiner Mannschaft ist damit ein versöhnliches Saisonende auf einem einstelligen Tabellenplatz gelungen. Den ursprüngliche Ambitionen als Bundesliga-Absteiger wird das zwar nicht gerecht, nach dem Fehlstart mit sieben Niederlagen nach acht Spielen ist das Ergebnis jedoch beachtlich. „Hätte mir am 6. Oktober bei meinem Antritt jemand gesagt, dass wir 44 Punkte holen und Tabellenneunter werden, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, sagte Rösler nach dem 2:1-Auswärtssieg beim KSC. In der sogenannten Rösler-Tabelle wäre der VfL, hochgerechnet auf die Saison, sogar auf Rang fünf gelandet.

Ein Platz im oberen Tabellendrittel müsste auch in der kommenden Saison das Ziel sein. Ob dieses realistisch ist, hängt von der Neugestaltung der Mannschaft ab. Mindestens zwölf Abgänge verzeichnet der VfL schon jetzt, darunter einige Stammkräfte. Aus der Startelf, die in Karlsruhe begonnen hat, wurden sieben Profis verabschiedet. Wobei in mindestens einem Fall noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Denn Rösler macht sich für einen Verbleib von Noah Loosli stark: „Er verkörpert unsere Kultur und hat sportlich eine Konstanz entwickelt. Ich möchte ihn nicht verlieren.“ Dem Spieler liegt ein Vertragsangebot vor, eine Entscheidung steht noch aus. Dabei dürfte es neben finanziellen Aspekten auch um die sportliche Perspektive gehen. Loosli war zwar Stammkraft in der abgelaufenen Saison, mit seinen Darbietungen aber keineswegs unanfechtbar. Defizite hinsichtlich Tempo und Technik sind unübersehbar. Will sich der VfL weiterentwickeln, muss er sich verstärken. Loosli oder Nebenmann Philipp Strompf droht dann ein Platz auf der Bank.

Taz kommt ablösefrei aus Verl

Indizien dafür, dass die Abwehrzentrale mit schnelleren, spielstärkeren Kräften besetzt werden muss, weil sich die taktische Ausrichtung ändert, liefert der Verein selbst, zum Beispiel mit der Verpflichtung von Berkan Taz. Der 27-Jährige wechselt vom SC Verl ablösefrei an die Castroper Straße, sein Vertrag ist bis 2028 datiert. Beim Drittligisten glänzte Taz zuletzt mit 38 Torbeteiligungen in 38 Spielen. Mit ihm hat der VfL einen typischen Spielgestalter verpflichtet, der den entscheidenden Pass spielen kann und selbst den Abschluss sucht. „Er verfügt über Klasse in engen Räumen und auch ist ein Standardspezialist. Berkan bringt das mit, was wir gesucht haben“, betont Rösler. Zur bisherigen Spielweise würde Taz eher nicht passen. Während der VfL in zurückliegenden Saison durchschnittlich nur 45 Prozent Ballbesitz verzeichnete und damit ligaweit auf dem letzten Platz gelandet ist, war Taz in Verl rund 65 Prozent Ballbesitz pro Partie gewohnt. Umstellen muss sich der Neuzugang allerdings so oder so. Bislang war die 3. Liga das sportliche Zuhause von Taz. VfL-Direktor Simon Zoller traut ihm den Klassensprung jedoch „ohne Umschweife“ zu.

Suche für alle Mannschaftsteile

Komplette Fehleinschätzungen können sich die Kaderplaner nicht erlauben. Während Zoller die Neuzugänge der Öffentlichkeit präsentieren darf, ist im Hintergrund vor allem Markus Brunnschneider für die Vorauswahl und Umsetzung der Transfers zuständig. Neben eigenen Netzwerken setzt er verstärkt auf datenbasiertes Scouting. Hierfür hat der VfL in diesem Jahr einen Spezialisten eingestellt. Währenddessen befindet sich Ex-VfL-Profi Cristian Gamboa vor dem Absprung aus der Abteilung. Nach seinem Karriereende im vergangenen Sommer hat Gamboa zuletzt im Scouting gearbeitet. Seine Zukunft sieht der Publikumsliebling darin aber nicht. Ob er dem Klub in anderer Funktion erhalten bleibt oder komplett verlässt, ist noch nicht bekannt. Klar ist nur: Der Prototyp Gamboa ist gefragter denn je. Leidenschaft, Teamgeist und Siegermentalität sollen die Neuzugänge mitbringen. Rösler soll intern moniert haben, dass zu viele Spieler aus dem bisherigen Kader immer wieder auf Energieschübe von außen angewiesen waren.

Gesucht wird beim VfL derzeit für alle Mannschaftsteile. Für die Abwehrzentrale sollen zwei neue Spieler kommen; ein erfahrener Abwehrboss und ein junges Talent, das Eingewöhnungszeit bekommt, aber möglichst zügig spielen soll. Auch in der Reihe davor ist die Wunschliste etwas länger. Vom griechischen Erstligisten APO Levadiakos wird Enis Cokaj an die Castroper Straße wechseln; mindestens zwei zentrale Mittelfeldspieler sollen ihm folgen. Für die offensiven Außenbahnen und fürs Sturmzentrum benötigt der VfL ebenfalls neues Personal. Dass er dafür bei Absteiger Fortuna Düsseldorf wildern wird, wie einige VfL-Fans hoffen, ist zwar denkbar, aber schwierig zugleich. Die wenigen Top-Spieler wie Torjäger Cedric Itten haben lukrativere Optionen, wiederum andere haben Drittliga-Verträge. Dass dies nicht per se ein Hindernis ist, zeigt ein Blick in die Gerüchteküche. Dort tauchen auffallend viele Spielernamen von verschiedenen Drittligisten auf. Mit einigen beschäftigt sich der VfL tatsächlich, mit anderen weniger bis gar nicht.


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(Foto: Marc Niemeyer)