Nur wenige Augenblicke war Moritz Kwarteng nach seiner späten Einwechslung auf dem Platz, als er mit einem Salto vor dem Bochumer Block für das Bild das Tages sorgte. Mit seinem ersten Ballkontakt hatte der Offensivallrounder gerade das Tor zum 1:1 erzielt und sicherte seinem VfL damit einen glücklichen Auswärtspunkt in Bielefeld. Mehr noch: Der Klassenerhalt ist mit Erreichen der 40-Punkte-Marke praktisch sicher. Ein Grund zum Feiern ist das aber nicht, schließlich ist der Revierklub mit ganz anderen Ambitionen in die Saison gestartet. Wieso es für den VfL nicht zu mehr gereicht hat, war auch in Bielefeld zu erkennen. Vor allem in der ersten Halbzeit zeigten die Gäste eine erschreckend schwache Leistung, gingen mit einem hochverdienten 0:1-Rückstand und ohne echte Torchance in die Pause.
„Die ersten 45 Minuten waren in allen Bereichen inakzeptabel“, leitete Trainer Uwe Rösler sein Spielfazit ein und wehrte Nachfragen zu den Ursachen weitestgehend ab: „Da müsst ihr die Spieler fragen.“ Die wiederum lieferten zwar keine Erklärungen, wollten und konnten ihrem Trainer aber nicht widersprechen. „Das einzig Positive war, dass wir nur einen Gegentreffer kassiert haben. Wir haben es nicht geschafft, uns zu befreien, wir haben uns nicht gewehrt. Das war leblos“, kritisierte Torwart Timo Horn, der nach einer gemeinsamen Halbzeitansprache von Kapitän Matus Bero und Rösler eine „Reaktion“ sah. Doch warum nicht gleich so, vor allem nach den Ankündigungen vor der Partie? Spieler wie Trainer haben mehrfach die Bedeutung des Spiels hervorgehoben und indirekt einen couragierten Auftritt versprochen.
Nur zwei Auswärtssiege
Speziell auswärts offenbart der VfL seit Monaten immer wieder große Anlaufschwierigkeiten. Die Leistungen in der ersten Halbzeit waren in diesem Kalenderjahr fast immer schlechter als in der zweiten. Erfolgserlebnisse waren somit kaum möglich. Zwei Siege nach 16 Begegnungen in der Fremde sind ein Negativwert in der Zweitliga-Geschichte des VfL, der einzig beim Auswärtsspiel in Karlsruhe noch verhindert werden kann. Den Verantwortlichen bleibt dieses Problem freilich nicht verborgen. Längst gibt es im Hintergrund konkrete Überlegungen, wie der Kaderumbau gestaltet werden muss, damit die kommende Saison erfolgreicher verläuft. „Wir müssen einen großen Schritt gehen, damit wir nächstes Jahr nicht wieder in diese Situation kommen“, betonte Rösler nach dem Spiel bei Arminia Bielefeld.
Trotz sinkender TV-Erlöse und Mindereinnahmen durch die Stadionsanierung plant die VfL-Spitze mit einem ähnlichen Etat wie in dieser Saison. Dazu soll unter anderem der Verkauf von Cajetan Lenz an die TSG Hoffenheim beitragen. Das Bochumer Eigengewächs verschuldete in Bielefeld den Elfmeter, der zum 0:1 führte, und sah überdies seine zehnte Gelbe Karte, weshalb ihm ein letztes Spiel im heimischen Ruhrstadion verwehrt bleibt. Neben Lenz könnten gegen Hannover 96 am kommenden Samstag theoretisch schon weitere Spieler verabschiedet werden. Neben Francis Onyeka und Leandro Morgalla, deren Leihverträge auslaufen und die ihr Glück künftig höherklassig suchen, stehen Erhan Masovic, Marcel Sobottka und Romario Rösch auf der Streichliste. Auch Kjell Wätjen wird den Klub wohl verlassen.
Kwartengs Zukunft offen
Insgesamt zehn Verträge laufen in diesem Sommer aus, darunter auch die von Bero, Callum Marshall, Farid-Alfa-Ruprecht und Noah Loosli. Klare Auskünfte zu ihrer Zukunft gibt es noch nicht. Bei Marshall und Alfa-Ruprecht ist das Problem, dass sie nur geliehen sind. In beiden Fällen wäre der VfL nicht abgeneigt, die Zusammenarbeit fortzusetzen, doch ein Kauf ist nicht darstellbar, allenfalls eine erneute Leihe. Davon soll es aber deutlich weniger geben – erstens für mehr Planungssicherheit und zweitens, um Kaderwerte zu schaffen. Vor allem sollen keine Ergänzungsspieler mehr geliehen werden, sondern nur noch potenzielle Stammkräfte. Klar ist zudem: Alle Mannschaftsteile sollen und müssen im Sommer verstärkt werden, wobei der Fokus auf der Innenverteidigung und dem zentralen Mittelfeld liegt.
Dafür befindet sich der VfL in fortgeschrittenen Verhandlungen mit Enis Cokaj. Der Albaner spielt aktuell für den griechischen Erstligisten APO Levadiakos. Der 27-Jährige würde als klassischer Sechser die Nachfolge von Lenz antreten. Ob Cokaj dann auch mit Kwarteng zusammenspielen wird? In seiner dritten VfL-Saison ist er wiederholt nicht über die Reservistenrolle hinausgekommen. Die Frage, ob Kwarteng ins vierte vereinbarte Vertragsjahr gehen wird, ist noch zu klären. „Die ganzen drei Jahre waren schwierig für mich. Von außen ist es schwer nachvollziehbar, was man da durchmacht“, sprach Kwarteng am Samstag über zahlreiche Rückschläge, aber auch über sein erstes Saisontor: „Ich habe immer versucht, da wieder rauszukommen. In einem solchen Moment sieht man wieder den Ausgang.“
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(Foto: Imago / osnapix)
