Kolumne

Sissoko-Verkauf: Warum der „Marktwert“ irreführend ist

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Gedankenanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Der Transfer von Ibrahima Sissoko.

Nun also doch: Ibrahima Sissoko verlässt den VfL und wechselt zum FC Nantes nach Frankreich. Für den Transfer fließen angeblich rund zwei Millionen Euro. Das sei zu wenig, meinen zahlreiche Fans in den sozialen Netzwerken und darüber hinaus. Haben sie recht? Schon in der vergangenen Woche habe ich mit einigen Branchenkennern gesprochen, die vergleichbare Deals dutzendfach abgeschlossen haben. Ihre Einschätzung zum Wert des Spielers war nicht eindeutig, die Tendenz aber klar: Eine wesentlich höhere Ablöse sei unrealistisch.

Das Kernproblem: transfermarkt.de weist für Sissoko einen „Marktwert“ von drei Millionen Euro aus. Diese Zahl ist irreführend. Denn: Dieser „Marktwert“ wird von der eigenen Community festgelegt. Sogar die Plattform-Betreiber selbst weisen darauf hin, dass diese Werte „nicht pauschal mit den tatsächlich gezahlten Ablösesummen gleichzusetzen sind.“ Der reale Marktwert entspricht der Summe, die ein Klub bereit ist, für einen Spieler zu zahlen. Eine ähnliche Diskussion gab es im Fall Bernardo. Nicht wenige Fans forderten eine Ablöse von zehn Millionen Euro, die damalige Vereinsführung verlangte gemäß der Transfermarkt-Einschätzung sechs bis acht Millionen. Diese Summe wollte aber niemand zahlen. Die Folge: Der Spieler ist beim VfL geblieben – und ein Jahr später ablösefrei gewechselt. Logisch: Das wäre auch bei Sissoko möglich gewesen, wenn man den sportlichen Wert höher eingestuft hätte als den Nutzen der Ablöse. Die Schwächung ist schließlich unübersehbar.

Aber: Der VfL braucht Transfererlöse, um den Kader insgesamt zu stärken. Deshalb ist es richtig, Sissoko, der einst ablösefrei kam, jetzt zu verkaufen, auch zu diesem Preis. Denn viele Fans blenden aus, dass der Spieler keineswegs begehrt war, aber unbedingt weg wollte. Bis auf den FC Nantes gab es keinen nennenswerten Interessenten, weder jetzt noch im vergangenen Sommer, als Sissoko gerade aus der Bundesliga kam und reichlich Spielpraxis hatte. Nach einer längeren Verletzungspause, mit einer Vertragslaufzeit von nur noch anderthalb Jahren und ohne Wiederverkaufswert ist die kolportierte Summe nicht besonders hoch, entspricht aber der Marktlage. Wer sich wesentlich mehr erhofft hat, hätte nicht drei oder vier Millionen, sondern 0 Euro kassiert.


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(Foto: Marc Niemeyer)