13.500 Zuschauer

Kommentar: Stadt und VfL sollten nachschärfen

So schnell und unerwartet kann es gehen. Nach dem Testspiel gegen den FC Utrecht Ende Juli hatte das Bochumer Gesundheitsamt noch Bedenken. Die zunächst erlaubte Zahl von 3.000 Zuschauern auf der Osttribüne sollte zum Spiel gegen Mainz auf 1.500 gesenkt werden. Nun aber schließt sich die Stadt den Lockerungsplänen des Landes an und lässt die Möglichkeit, zusätzliche Maßnahmen zu erlassen, ungenutzt verstreichen. Auf Basis der neuen Corona-Schutzverordnung erlaubt sie, dass am Samstag 13.500 Zuschauer ins Stadion dürfen – und damit auch mehr Fans auf die Osttribüne.

Unbegrenzt Ungeimpfte

Das ist nicht per se ein Problem, denn auch 2.500 Fans können sich – wenn sie denn wollen – auf den Stehrängen einigermaßen gut verteilen. Wirklich heikel wird es aber auf den Sitzplätzen. Dort gilt keine Abstandsregel mehr. Die Reihen werden bis auf wenige Ausnahmen voll belegt sein. Einzig für den Einlass gibt es klare Vorgaben – für den Auslass jedoch nicht. Das ist mehr als riskant, zumal die Infektionszahlen steigen und in Bochum weit über dem Bundesdurchschnitt liegen. Wohlgemerkt: Mit 13.500 Zuschauern steht in Bochum das größte Event seit Pandemie-Beginn bevor. Die Größenordnung erinnert an ein normales Zweitligaspiel der vergangenen Jahre.

Das Problem ist weniger die Aufstockung der Kapazität an sich, sondern die Summe der Lockerungen: Bei mehr Zuschauern keine Abstände, Zutritt für Ungeimpfte ohne Begrenzung und Schnelltests, die bis zu 48 Stunden alt sein dürfen. Besonders zwei Entscheidungen verdienen eine kritische Würdigung. Erstens: Wenn Schnelltests bis zu 48 Stunden alt sein dürfen, sind sie praktisch wertlos. Viele Bundesländer haben die Frist deshalb auf 24 Stunden herabgesetzt, NRW leider nicht. Hier sollte der VfL im eigenen Interesse freiwillig nachschärfen. Und zweitens: Wenn plötzlich wieder unbegrenzt Ungeimpfte ins Stadion dürfen, fällt ein weiterer Anreiz weg, sich endlich impfen zu lassen.

Hier hätte der VfL die Möglichkeit, auf eine 2G-Regel zu setzen, um die Sicherheit der Zuschauer zu erhöhen. Und um seiner gesellschaftlichen Mitverantwortung gerecht zu werden. Denn von den neuen Regeln profitieren im Vergleich zur vorherigen Corona-Schutzverordnung vor allem die Impfverweigerer und sorgen für Beklemmungen bei allen, die weiter auf Vorsicht setzen. Das ist insofern verwunderlich, weil das Gesundheitsamt und der VfL Bochum seit Beginn der Pandemie zum „Team Vorsicht“ gehörten und sich zuletzt gemeinsam für das Impfen stark gemacht haben. Jetzt hätten sie die Chance, dem Nachdruck zu verleihen.

VfL setzt weiter auf 3G

Was beim VfL tatsächlich auffällt: Er schafft es nicht, sich klar zu positionieren – vielleicht, weil er die Auseinandersetzung mit seinen eigenen Anhängern scheut; vielleicht, weil ihm das Geld einfach wichtiger ist. Andere Klubs, Borussia Dortmund zum Beispiel oder der 1. FC Köln, wollen trotz der neuen Verordnung weiter auf 2G setzen. Der VfL folgt dagegen brav der Landesregierung – erst streng, nun recht locker. Doch nicht alles, was im Wahlkampf plötzlich erlaubt wird, ist auch sinnvoll.

Transparenzhinweis: Die erste Version dieses Kommentars basierte auf der Annahme, dass es weiterhin Abstände zwischen den Sitzen geben wird. Dies ist jedoch nicht der Fall.

13.500 Zuschauer im Ruhrstadion. Eine gute Idee?

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(Foto: Imago / Team 2)