Kolumne

VfL-Dauerkarte ist ein Privileg: No-Show-Rate muss sinken

Die VfL-Kolumne ist ein festes Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die No-Show-Rate.

Der Dauerkartenmarkt beim VfL Bochum ist seit einigen Jahren eingefroren. Wer eine hat, darf sich glücklich schätzen und gibt sie nicht mehr her. Wer keine hat, muss auf Einzeltickets hoffen. Denn neue Dauerkarten werden aktuell nicht mehr verkauft. Das wird mindestens während der Stadionsanierung auch so bleiben.

Zumindest in der 2. Liga ist das Problem überschaubar. Wer eines der ersten Heimspiele in dieser Saison im Stadion verfolgen wollte, kam mühelos an Einzelkarten. Für das Duell gegen Fürth sind auch einen Tag vorher noch zahlreiche Tickets verfügbar. Es ist das letzte Spiel bis Mitte 2029, bei dem alle Tribünen genutzt werden können. Danach müssen die Fans auf der Haupttribüne weichen, ab 2027 auch die Anhänger in den Blöcken C und D. Die 3.200 betroffenen Dauerkarteninhaber erhalten in dieser Phase ein Erstzugriffsrecht auf Einzeltickets. Das ist fair und eine gute Lösung. Aber: Rechnerisch steht nicht für jeden ein Alternativplatz zur Verfügung. Zudem wird es weiterhin Vereinsmitglieder mit einem Interesse an Einzelkarten geben.

Komplett lösen lässt sich das Problem freilich nicht. Aber der Verteilungskampf wäre weniger hart, wenn mehr Dauerkarteninhaber ihren Platz im Zweitmarkt freigeben oder anderweitig vergeben. Die No-Show-Rate ist erschreckend: In der vergangenen Saison blieben im Schnitt etwas mehr als 2.000 Dauerkarten pro Spiel ungenutzt.

Andere Vereine haben bereits reagiert und eine verbindliche Besuchsquote eingeführt. Wer diese unterschreitet, verliert seinen Platz. Der VfL versucht es zunächst auf die sanfte Tour und belässt es bei Hinweisen. Er verlangt auch gar nicht, dass der Dauerkarteninhaber immer persönlich erscheint, sondern fordert lediglich die Freigabe des Platzes bei Nicht-Nutzung. Ich finde: Wer das Privileg, eine Dauerkarte zu besitzen, nicht zu schätzen weiß und anderen regelmäßig einen Stadionbesuch verbaut, indem der Platz häufiger ungenutzt bleibt, sollte irgendwann Konsequenzen spüren. Denn egal, ob private oder berufliche Gründe gegen einen Stadionbesuch sprechen: Die (digitale) Weitergabe der Karte sollte immer möglich sein. Alles andere ist vor allem während der Bauphase egoistisch und unsolidarisch.

(Foto: Marc Niemeyer)