Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Mitbestimmungsmöglichkeiten beim VfL Bochum.
Langweilig wird den Fanbeauftragten des VfL Bochum nie. Die Kritik an den Sondertrikots, der ständige Ärger mit Pyro und Raubüberfälle auf Gästefans haben hohe Wellen geschlagen und waren gewiss nicht die einzigen Themen. Die bevorstehende Stadionsanierung mit weniger Zuschauerplätzen birgt zudem neues Konfliktpotenzial. Entsprechend wichtig ist der Austausch zwischen dem Verein und der Basis.
In dieser Woche wurde turnusmäßig das Fangremium neu gewählt. Es besteht aus dem Fanvertreter im Präsidium, zwei Fanbeauftragten des Vereins, zwei Mitarbeitern des Fanprojekts sowie sieben gewählten Anhängern. Sie beraten den Klub in fanrelevanten Fragen und haben damit einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Entscheidungen und Entwicklungen. Dass der VfL die Meinungen seiner Anhänger ernst nimmt, haben nicht nur die vergangenen Wochen gezeigt. Allerdings: Warum waren bei der Wahl des Fangremiums dann nur rund ein Prozent der Wahlberechtigten anwesend? Wahlberechtigt sind alle Vereins- und Fanclubmitglieder. Anwesend waren nur 368 Anhänger. Immerhin: So viele waren es noch nie. Überwältigend ist die Zahl trotzdem nicht.
Sicher: Wer zu bequem ist, alle drei Jahre zur Wahl zu gehen oder selbst zu kandidieren, soll sich hinterher nicht zu laut beschweren. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob es nicht sinnvoll wäre, das Wahlprozedere zu ändern und eine ortsunabhängige Abstimmung zu ermöglichen, online oder Brief. Dies würde nicht nur Auswärtigen eine echte Partizipation ermöglichen. Gleiches gilt für die Mitgliederversammlung. Eine Erhebung des kicker hat jüngst gezeigt, dass bei allen Bundesligisten im Jahr 2024 nur 1,55 Prozent der Vereinsmitglieder an der Hauptversammlung ihres Klubs teilgenommen haben. Die Folge: Gruppen mit einem hohen Mobilisierungspotenzial hatten besonders viel Einfluss.
Aber noch einmal kurz zurück zum Fangremium. Weiter erhöhen lässt sich die Wahlbeteiligung künftig sicher auch, indem die gute Arbeit dieser Runde transparenter wird. Denn für den Durchschnittsfan war das Gremium den vergangenen Jahren leider weitgehend unsichtbar.
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(Foto: Marc Niemeyer)
