Kolumne

VfL im Sondertrikot: Kommerz statt Nachhaltigkeit

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Ab sofort wieder wöchentlich gibt es einen kurzen Kommentar, einen Gedankenanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Sondertrikots.

Die Bundesliga hat der VfL Bochum vor einem Jahr verlassen. Dennoch gibt es zahlreiche Abteilungen in diesem Klub, die weiterhin erstklassig arbeiten. Zum Beispiel das Team um Direktor Matthias Mühlen. Regelmäßig wird die Abteilung für Nachhaltigkeit mit Preisen bedacht. Innerhalb der Fußballszene genießt sie dank innovativer Ideen einen ausgezeichneten Ruf. Was viele nicht wissen: Die Erst- und Zweitligisten sind im Rahmen der jährlichen Lizenzierung sogar dazu verpflichtet, eine Nachhaltigkeitsstrategie samt Umweltmaßnahmen (Energie, Wasser, Abfall) und sozialen Kriterien (Diversität, Inklusion) nachzuweisen.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch: Ökologisch und sozial nachhaltiges Handeln endet meist da, wo der kommerzielle Erfolg gefährdet ist. Der neueste Branchentrend, und zwar bundesweit, ist das alljährliche Sondertrikot. Der Anlass kann noch so konstruiert sein – im Zweifel dient beim VfL irgendeine Liedzeile aus Grönemeyers Bochum-Hymne als Vorlage – einmal pro Saison gibt es ein zusätzliches Trikot. Nach dem Maiabendtrikot im April 2025 laufen die Bochumer beim Derby gegen Schalke 04 an diesem Samstag nun in schwarzen Jerseys auf. Sie sollen an die Bergbauhistorie der Stadt erinnern. Dass die Kampagne dazu unter dem Slogan „Pulsschlag aus Stahl“ steht, ist zwar nicht ganz passend, aber nur eine Randnotiz wert.

Wie auch immer: Im kaufmännischen Sinne ist nichts daran verwerflich, ein Sondertrikot auf den Markt zu bringen. Es wäre sogar fahrlässig, wenn der VfL die Sammelleidenschaft und Zahlungsbereitschaft seiner Fans nicht nutzen würde. Zumal: Jeder Anhänger kann frei entscheiden, ob er diese Idee unterstützt oder nicht. Dennoch zeigen die Vereine damit zweierlei: Dass die Anhängerschaft zunehmend als Kundschaft und Konsumgruppe betrachtet wird. Und dass die Nachhaltigkeitskriterien der DFL womöglich zu lasch sind. Denn ein Trikot zu produzieren, das nur in einem Spiel getragen wird, ist alles andere als nachhaltig, auch wenn das Bochumer Shirt aus recyceltem Material besteht. So oder so: Für derart viel Kommerz hätten die Kumpel im Schacht früher sicher wenig Verständnis gehabt.


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(Foto: Marc Niemeyer)