Zu- und Abgänge

VfL baut Kader um: Marshall-Plan und Streichliste

Der Kontakt ist offensichtlich nie ganz abgerissen. Trainer Uwe Rösler und Marcel Sobottka sind sich vor einigen Jahren bereits bei Fortuna Düsseldorf begegnet. Seit dieser Woche kommt es zum Wiedersehen. Sobottka ist mit dem VfL ins sehr kurzfristig anberaumte Trainingslager nach Belek in die Türkei gereist, um sich für einen Vertrag zu empfehlen. Der 31-Jährige ist seit einem halben Jahr vereinslos, nachdem sein Vertrag in Düsseldorf trotz zehnjähriger Vereinszugehörigkeit wegen zu langer Ausfallzeiten nicht verlängert wurde. Zwischenzeitlich hat er sich in der U23 von Schalke 04 fit gehalten, Auslandsangebote abgelehnt. Sobottka wohnt in Bottrop und hat bislang ausschließlich für Klubs in Nordrhein-Westfalen gespielt. Er gilt als heimatverbunden, als loyaler und kluger Kopf mit Führungsqualitäten.

Ob zu seinen 178 Zweitliga-Spielen noch welche im VfL-Trikot dazukommen werden, hängt auch vom Transfergeschehen ab. Eigentlich sind die Bochumer im defensiven Mittelfeld mit Ibrabima Sissoko, Cajetan Lenz, Mats Pannewig und dem noch bis Februar verletzten Matus Bero gut aufgestellt. Allerdings forciert Sissoko einen Abgang, es laufen bereits Verhandlungen. Für eine marktgerechte Ablöse, die entgegen der Erwartungen vieler Fans nicht wesentlich mehr als zwei Millionen Euro betragen dürfte, würden ihn die Bochumer ziehen lassen. Aktuell weilt der 28-Jährige beim Afrika-Cup, steht dort mit Mali im Viertelfinale. Sollte er den VfL bis zum Transferschluss am 2. Februar verlassen, wäre Sobottka – so er denn im Training überzeugt – ein positionsgetreuer und auch kostengünstiger Ersatz.

Norweger Rakneberg stärkt linke Seite

Generell hat sich – im Gegenstaz zu den vergangenen Jahren – früh in dieser Transferperiode schon einiges getan. Pünktlich zum Trainingsauftakt am 2. Januar haben die Bochumer Mikkel Rakneberg als Neuzugang präsentiert. Der Norweger hat einen Vertrag bis 2029 samt Option für eine weitere Saison unterschrieben. Der Außenbahnspezialist soll den VfL in erster Linie als Linksverteidiger verstärken. Dort wird er mit dem bislang fast konkurrenzlosen Maximilian Wittek um einen Platz in der Startelf wetteifern. Romario Rösch hat diese Aufgabe bislang nicht zur Zufriedenheit der Verantwortlichen erfüllt und wird den VfL spätestens mit Vertragsende im kommenden Sommer verlassen. Eigengewächs Darnell Keumo ist zwar sehr talentiert, noch aber sieht ihn das Trainerteam nicht im Aufgebot der Profis.

Rakneberg, der zuletzt für den norwegischen Erstligisten Kristiansund BK gespielt hat, kam ablösefrei nach Bochum. Die Idee hatte der neue Kaderplaner Markus Brunnschneider. Daraufhin hat sich auch Rösler nach Rakneberg erkundigt und positive Referenzen erhalten. Der Fußballlehrer war fünf Jahre in Norwegen tätig, dort begann seine Trainerkarriere. Auch Brunnschneider hat die skandinavischen Länder, unter anderem wegen seiner früheren Tätigkeit als Chefscout von Holstein Kiel, schon länger gut im Blick. Die Vertragslaufzeit von mindestens dreieinhalb Jahren deutet darauf hin, dass die Verantwortlichen großes Potenzial in Rakneberg sehen und sich eines Tages einen gewinnbringenden Verkauf erhoffen. Er sei ziemlich schnell, sehr ausdauerstark und habe einen ausgeprägten Vorwärtsdrang, so Rösler.

Drei Stürmer dürfen den VfL verlassen

Kein Wunder, schließlich hat der 23-Jährige vor einigen Jahren noch als Stürmer gespielt, bevor er zum Verteidiger umfunktioniert wurde. Diese Position soll Rakneberg beim VfL allerdings nicht einnehmen. Die Bochumer planen mit ihm lediglich noch als Alternative fürs linke Mittelfeld. Dort war die Personaldecke in der Hinrunde verletzungsbedingt eher dünn. Sollten Gerrit Holtmann, Koji Miyoshi und Moritz Kwarteng die Vorbereitung auf die Rückrunde gut überstehen, ist auf den offensiven Außenbahnen mit keinem weiteren Transfer zu rechnen. Stattdessen haben die Verantwortlichen den dünn besetzten Angriff mit dem nordirischen Nationalspieler Callum Marshall verstärkt. Dort war Philipp Hofmann zuletzt fast alternativlos, Francis Onyeka musste mehrfach in erster Reihe aushelfen.

Die übrigen unter Vertrag stehenden und erst im vergangenen Sommer verpflichteten Stürmer spielen in den Planungen keine große Rolle mehr; die Verantwortlichen wären froh, sie von der Gehaltsliste zu bekommen. Das gilt sowohl für Ibrahim Sissoko als auch für Michael Obafemi und Mathis Clairicia. Bei Sissoko und Clairicia wäre aufgrund der Vertragssituation auch ein Leihgeschäft möglich. Obafemi indes steht ohnehin nur bis zum Saisonende unter Vertrag. Der ehemalige irische Nationalspieler befindet sich weiterhin nicht in dem Fitnesszustand, der eigentlich gewünscht und notwendig ist. Zudem ist er immer wieder verletzt, auch momentan, und ist deshalb gar nicht mit nach Belek gereist. Angesichts der finanziellen Lage wären Abgänge wichtig, damit Neuverpflichtungen leichter finanziert werden können.

Neuzugang Marshall ist Nationalspieler

Zum Beispiel die Leihe von Marshall, der am Mittwoch einen Vertrag bis zum Saisonende unterschrieben hat und am Donnerstag zum ersten Mal mittrainiert hat. Der 21-Jährige ist der erste Nordire im Trikot des VfL und kann in der Offensive fast alle Positionen bekleiden. Er hat Erfahrung als Mittelstürmer, als hängende Spitze und auf der rechten Außenbahn. Marshall hat die Verantwortlichen mit ähnlichen Attributen überzeugt wie Rakneberg. Er ist sehr agil, lauffreudig sowie im positiven Sinne aggressiv und soll damit das von Rösler forcierte Pressing und Umschaltspiel verbessern. Marshall kam in dieser Saison zu zwei Premier-League-Einsätzen, in der vergangenen Spielzeit war er Stammkraft beim englischen Drittligisten Huddersfield Town. Über eine Kaufoption ist nichts bekannt.

Gleiches gilt für Colin Kleine-Bekel, der den umgekehrten Weg einschlägt. Der Innenverteidiger ist am Mittwoch für ein halbes Jahr auf Leihbasis in die Schweiz zum FC St. Gallen gewechselt. Der ebenfalls erst im Sommer verpflichtete Innenverteidiger kam in der Hinrunde nur auf einen Kurzeinsatz, gehörte unter Rösler kein einziges Mal zum Spieltagskader und lief zuletzt nur noch für die U21 in der Regionalliga auf. Bei den Eidgenossen soll er Spielpraxis auf hohem Niveau sammeln, um den VfL ab Sommer zu verstärken. Handlungsbedarf in der Abwehr entsteht durch diesen Wechsel nicht. Noah Loosli, Philipp Strompf, Kevin Vogt und Erhan Masovic kämpfen um die beiden Startelfplätze im Zentrum. Bei Masovic, der mit seiner Reservistenrolle zuletzt unzufrieden war, zeichnet sich zur Stunde kein Transfer ab.


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(Foto: VfL Bochum 1848)