Geschichte wiederholt sich. Vor fast drei Jahren erzielte Bochums Keven Schlotterbeck nach einer Ecke in der Nachspielzeit den 1:1-Ausgleich im Auswärtsspiel bei Hertha BSC. Bis auf den Torschützen waren der Ablauf und das Ergebnis am Samstagabend im Berliner Olympiastadion identisch. Diesmal war es der zur Pause eingewechselte Leandro Morgalla, der die mehr als 5.000 mitgereisten VfL-Fans kurz vor Schluss zum Jubeln brachte und nach einem schwachen Gesamtauftritt doch noch einen schönen Abend bescherte. Für Morgalla war es das erste Profitor seiner Karriere. „Eigentlich bin ich bei Standards als Absicherung eingeplant. Als ich dann das Signal vom Trainer gesehen habe, bin ich in den Strafraum gegangen“, berichtete der 21-Jährige, der die Bochumer Leistung damit deutlich aufgewertet hat.
Vogt feiert sein Comeback
Offensiv wie defensiv enttäuschte die Rösler-Elf vor allem in der ersten Halbzeit und war auch im zweiten Durchgang keineswegs in guter Verfassung. Bei eigenem Ballbesitz waren die Bochumer viel zu hektisch, auch gegen den Ball hatte der VfL erhebliche Schwierigkeiten. Oliver Olsen und der schwache Noah Loosli, der den Elfmeter zum 0:1 verschuldet hatte, blieben bereits zur Halbzeitpause in der Kabine. Im Laufe der zweiten Halbzeit musste auch der angeschlagene Philipp Strompf den Platz verlassen. Anderenfalls hätte Uwe Rösler diesen Wechsel auch leistungsbedingt erklären können. Von der ursprünglichen Abwehrreihe blieb nur noch Maximilian Wittek übrig – eine ungewöhnliche Konstellation. Kurzum: Die Bochumer Hintermannschaft präsentierte sich in keiner guten Form. Wobei das nur ein Teil der Wahrheit ist.
Die Abwehr des VfL spielt schon seit Wochen und Monaten an ihrem Leistingslimit, zumindest im Zentrum. In der Innenverteidigung mangelt es an Agilität und Ballfertigkeit. Loosli und Strompf haben im Rahmen ihrer Möglichkeit sogar ordentliche und teils gute Leistungen gezeigt; gegen schnellere und stärkere Gegenspieler aber stoßen sie an unübersehbare Grenzen. Hinzukommen deutliche Defizite im Spielaufbau. Dass der Kader Alternativen hergibt, hat Rösler im Laufe der Partie gezeigt. Zunächst feierte Kevin Vogt sein Comeback nach einer fast halbjährigen Pflichtspielpause, später kam auch Erhan Masovic dazu – und Morgalla sowieso. Mit der Hereinnahme von Vogt ging Rösler „ins Risiko“, wie er später erklärte. Schließlich habe der Routinier keinerlei Spielpraxis mitgebracht.
Das Tempo fehlt Vogt bekanntlich auch, am Ball allerdings wirkte der Routinier deutlich sicherer, was neben Rösler später auch Vogts Teamkollegen lobend erwähnten. Gut möglich also, dass das eigentlich gesetzte Innenverteidiger-Duo, bestehend aus Loosli und Strompf, im Saisonendspurt gesprengt wird und Rösler auf einen oder gar zwei ihrer Teamkollegen setzt. Auch auf der Rechtsverteidiger-Position ist das Duell zwischen Morgalla und Olsen offener denn je. Morgallas Gesamtpaket ist wahrscheinlich das etwas stärkere, allerdings fehlt bei ihm die Perspektive. Sein Leihvertrag läuft im Sommer aus, die Kaufoption galt nur für den Aufstiegsfall. Insofern könnte es Sinn ergeben, Olsen häufiger spielen zu lassen, damit sich der Däne weiter an das Spielniveau in Deutschland gewöhnt und bestens für die neue Saison vorbereitet ist.
Freude über Punktgewinn
Allerdings hat Morgalla nicht nur wegen seines Tores einige Argumente für eine Rückkehr in die Startelf gesammelt. Der rechte Außenverteidiger sicherte dem VfL übrigens bereits den siebten Punkt nach einem Rückstand allein in der Rückrunde. Zudem war es das sechste Unentschieden nach dem Jahreswechsel. Die Bochumer waren sich am späten Samstagabend einig: Diesmal ist es ein Punktgewinn – und damit ein weiterer Schritt zum Klassenerhalt. Auch das erinnert an 2023. Einziger Unterschied: Im Mai vor drei Jahren war die Saison schon fast vorbei, diesmal sind noch acht Spiele zu absolvieren. Die 40-Punkte-Marke ist jedoch nicht mehr allzu weit entfernt. Nur noch sieben Zähler fehlen. Vielleicht ein Vorteil: Die nächsten sechs Gegner sind in die Tabelle allesamt hinter dem VfL platziert. Und das soll auch so bleiben.
Hinweis in eigener Sache: Tief im Westen – Das VfL-Magazin legt eine kurze Verschnaufspause ein. Der nächste Text an dieser Stelle erscheint erst nach dem Heimspiel gegen Holstein Kiel.
Ihr wollt das VfL-Magazin einmalig oder dauerhaft unterstützen? Nutzt dafür gerne die unkomplizierte Zahlungsoption via PayPal. Danke, dass ihr Berichterstattung dieser Art auch in Zukunft möglich macht.
(Foto: Marc Niemeyer)
