Corona-Fall

Nicht nur Löwen fällt fürs Derby aus

Anmerkung: Dieser Text wurde am Donnerstag (9.12.) aktualisiert und um weitere Informationen ergänzt.

Die vierte Infektionswelle trifft auch den VfL Bochum. Vor dem Revierderby am Samstag gegen Borussia Dortmund gibt es einen akuten Corona-Fall. Wie der Verein am Mittwoch bekanntgab, wurde Eduard Löwen positiv auf das Virus getestet. Der Mittelfeldspieler fällt mindestens bis zur Winterpause aus. Er befindet sich in Isolation.

Zwei Kontaktpersonen mussten sich auf Anweisung des Gesundheitsamtes vorsorglich in Quarantäne begeben. Ob es sich dabei um Spieler oder andere Teammitglieder handelt, hat der Verein nicht kommuniziert. Neben Löwen haben beim Training am Mittwoch und Donnerstag aber zwei weitere Spieler überraschend gefehlt, nämlich Takuma Asano und Tom Weilandt. Warum genau, wollte Trainer Thomas Reis auf Nachfrage nicht verraten. Lediglich zu Danny Blum nahm er Stellung. Der Flügelstürmer fällt für das Derby definitiv aus. Blum leidet erneut an muskulären Problemen. Erfreulich ist dagegen, dass Manuel Riemann wieder fit ist und somit im Tor stehen wird.

Bei Asano und Weilandt liegt dagegen der Verdacht nahe, dass sie sich in Quarantäne befinden. Unklar ist, ob sie geimpft oder ungeimpft sind. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts müssen geimpfte Personen nicht mehr zwingend in Quarantäne, wenn sie Kontakt mit einem Infizierten hatten. Die Entscheidung trifft aber immer das Gesundheitsamt vor Ort nach einer individuellen Einschätzung. Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz hat zuletzt gegenüber ‚Tief im Westen – Das VfL-Magazin‘ betont, dass die Impfquote beim VfL weit über dem Bundesschnitt liegen würde. Zur Sicherheit führt der Verein weiter regelmäßige Schnelltests durch. Das Hygienekonzept der DFL schreibt verpflichtende PCR-Tests nur noch für ungeimpfte Spieler vor.

(Foto: Imago / Eibner)

Vor dem Derby

Wer stoppt Haaland? Abwehr-Umbau denkbar

Die Gedanken kreisen. Zuletzt veränderte VfL-Trainer Thomas Reis seine Startformation meist nur, wenn es gar nicht anders ging – weil jemand fehlte oder in den Spielen zuvor enttäuscht hatte. Das ist nach fünf Siegen in sieben Bundesliga-Spielen aktuell nicht der Fall. Doch weil bis auf Simon Zoller alle potenzielle Startelfkandidaten fit sind und es auf allen Positionen Alternativen gibt, kommt Thomas Reis ins Nachdenken. Könnten punktuelle Veränderungen das Team weiter stärken?

Vor dem prestigeträchtigen Revierderby gegen den BVB geht es vor allem um die Besetzung der Innenverteidigung. Vier Kandidaten kämpfen um zwei Plätze. In der Pole Position befinden sich Erhan Masovic und Vasilios Lampropoulos. Das Duo harmonierte zuletzt gut miteinander und war maßgeblich für die bemerkenswerte Abwehrleistung verantwortlich. In den letzten sieben Partien kassierte der VfL nur sechs Gegentreffer. Längst haben die beiden, die im Aufstiegsjahr keine große Rolle gespielt haben, ihre Bundesligatauglichkeit nachgewiesen. Was aber nicht heißt, dass sie gesetzt sind.

Leitsch drängt ins Team

Denn mit Maxim Leitsch steht eine ernsthafte Alternative nach knapp dreimonatiger Verletzungspause wieder zur Verfügung. Leitsch gehörte zur Aufstiegself, war unumstrittene Stammkraft, schien auch vor dieser Saison gesetzt zu sein. Doch nach dem ersten Spiel folgte eine langwierige Muskelverletzung, die erst jetzt vollständig auskuriert ist. Leitsch kam gegen Freiburg und Augsburg zu Kurzeinsätzen. Winkt ihm nun ein Startelf-Comeback?

Thomas Reis hat dies schon vor dem Spiel in Augsburg nicht ausgeschlossen. Angesprochen auf Maxim Leitsch, sagte er kurz und knapp: „Qualität wird sich durchsetzen.“ Im Vergleich mit seinen Teamkollegen ist Leitsch der wahrscheinlich schnellste und spielstärkste Innenverteidiger im Bochumer Kader, er ist auch der einzige Linksfuß. Nachteil: Die fehlende Spielpraxis. Vor allem sein Tempo könnte aber für einen Einsatz gegen Dortmund sprechen – um den ligaweit gefürchteten BVB-Angreifer Erling Haaland zu stoppen.

Theoretisch wäre auch Armel Bella Kotchap eine naheliegende Option, denn der Youngster könnte gegen Haaland vor allem mit seiner körperlichen Robustheit punkten, auch die notwendige Geschwindigkeit bringt der deutsche U21-Nationalspieler mit. Doch Bella Kotchap ist nach einigen Leistungsschwankungen zu Saisonbeginn vorerst nur noch Innenverteidiger Nummer vier, gehörte gegen Augsburg gar nicht zum Kader – allerdings eher aus taktischen Gründen.

Reis hält sich bedeckt

Konkreter werden will Thomas Reis beim Thema Abwehr-Umbau jedenfalls nicht, betont nur, dass „wir auf dieser Position sehr, sehr gut aufgestellt sind.“ Also ein Luxusproblem. Er weicht deshalb auch der Frage aus, wer bei einem möglichen Personalwechsel auf die Ersatzbank müsste. Für Lampropoulos spricht die Erfahrung, für Masovic die Beweglichkeit, wirkt insgesamt etwas stabiler und hat das größere Potenzial. „Jeder hat da seine eigenen Gedanken“, sagt Reis aus verständlichen Gründen. Schließlich gibt es keinen Grund, Erhan Masovic oder Vasilios Lampropoulos öffentlich infrage zu stellen. 

(Foto: Imago / Sven Simon)

3:2-Sieg in Augsburg

Die Geisterspiel-Experten: Gruselig gut

Was wäre das mal wieder für eine Party gewesen… – mit einer Drei-Tore-Führung hat sich der VfL Bochum beim FC Augsburg in die Halbzeitpause verabschiedet. Das hat es in der Bundesliga zuletzt im Herbst 2007 gegeben, da war es sogar ein 4:0. Die Torschützen hießen unter anderem Marcel Maltritz und Stanislav Sestak, an diesem Samstag waren es Sebastian Polter und Gerrit Holtmann. Jubeln mussten sie vor leeren Rängen – ein bisschen gruselig war das schon.

Drei Tore in der ersten Halbzeit…

Doch Geisterspiele scheinen den Bochumern zu liegen, zumindest in der Fremde. Schon der Aufstieg war ohne Fans gelungen. Und nun, knapp ein halbes Jahr später, der zweite Auswärtssieg in der Bundesliga. „Wir waren gnadenlos“, lobte Manager Sebastian Schindzielorz sein Team nach der Partie für den Auftritt in der ersten Halbzeit. Schon früh hatte der VfL die Führung auf dem Fuß, doch Holtmann und Polter scheiterten zunächst.

​Dann aber ging es Schlag auf Schlag: Nach einer Balleroberung von Elvis Rexhbecaj schickte Holtmann Polter auf die Reise, der blieb cool und tunnelte Augsburgs Keeper Rafal Gikiewicz – fast eine Kopie seines Treffers gegen Freiburg in der Vorwoche. Konzentriert in der Defensive, konsequent in der Offensive: So erspielte sich der VfL eine im Grunde komfortable Führung. Jeweils mit einer Ecke lieferte Eduard Löwen die Vorarbeit zum zweiten und dritten Treffer. Erst war Holtmann zur Stelle, der aus dem Rückraum traf, dann Polter aus kurzer Distanz per Kopf.

…und trotzdem Spannung bis zum Schluss

Langjährige Bochumer ahnten schon zu diesem Zeitpunkt, dass es noch spannend werden könnte. Und die eher skeptischen Anhänger fühlten sich nach knapp einer Stunde bestätigt. Michael Gregoritsch erzielte nach einer Ecke den Anschlusstreffer. Hätte Jan Moravek nur eine Minute später seine Großchance zum möglichen 2:3 genutzt, wäre das Spiel womöglich noch gekippt. Doch der Augsburger Spielmacher vergab ebenso wie mehrere seiner Teamkollegen in den Minuten danach. Die Gastgeber hatten plötzlich beste Gelegenheiten. Aber nur Daniel Caligiuri traf fünf Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit noch vom Elfmeterpunkt.

„Wir gewinnen zwar, haben allerdings bis zum Ende gezittert. Das hätte nicht sein müssen“, bemängelte Gerrit Holtmann die Passivität und Unordnung in der zweiten Halbzeit. Milos Pantovic und Silvere Ganvoula vergaben die wenigen Bochumer Möglichkeiten zur Entscheidung. Doch der Blick auf das Endergebnis und die Tabelle lässt auch Holtmann strahlen: „Dass wir die Augsburger durch den Sieg sechs Punkte auf Distanz halten, ist sehr, sehr wichtig.“

Fünf Siege aus sieben Spielen

Eigentlich erlaubt die aktuelle Form des VfL sogar noch mehr Euphorie. Die Bilanz des Aufsteigers in den vergangenen zwei Monaten ist bemerkenswert, die Entwicklung beeindruckend. Fünf der letzten sieben Bundesliga-Partien hat das Team von Trainer Thomas Reis gewonnen. Nur die Bayern haben in diesem Zeitraum mehr Punkte geholt. „Wir sind etwas schwer in die Saison gekommen, aber die letzten Wochen lief es richtig gut“, freut sich Manager Schindzielorz, dessen Mannschaft bestens für das nun anstehende Revierderby gegen den BVB gerüstet ist. „Intensität und Mentalität stimmen, das Quäntchen Glück ist auch da. Das kann gerne so bleiben. Es ist bislang eine sehr gute Runde für uns.“

Fußball-Romantiker werden sich die Tabelle nach diesem 14. Spieltag womöglich sogar ausdrucken, denn der VfL steht vor RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach, und die Champions-League-Plätze sind näher als die Abstiegsränge. Eine fast schon gruselig-schöne Momentaufnahme…

(Foto: Imago / Eibner)

VfL und Corona

Geisterspiel in Augsburg, Derby mit Fans

+++ Update +++

Das Spiel zwischen dem FC Augsburg und dem VfL Bochum an diesem Wochenende wird definitiv ohne Zuschauer stattfinden. Das hat Ministerpräsident Markus Söder am Freitag verkündet.

Seit Donnerstag ist außerdem klar: Das Derby gegen den BVB wird nicht als Geisterspiel ausgetragen. Für NRW ist aktuell zu erwarten, dass bis zu einem Drittel der Kapazität genutzt werden darf. Ob dazu auch Stehplätze gehören, geht aus dem Bund-Länder-Beschluss noch nicht hervor. Allerdings sind überall, also auch am Platz, medizinische Masken zu tragen. Die 2G-Regel bleibt bestehen. Die konkrete Umsetzung für den Standort Bochum wird derzeit noch geklärt. Sicher ist, dass die Anzahl verkaufter Dauerkarten das demnächst zur Verfügung stehende Platzangebot übersteigt. Insofern werden die Dauerkarten auf unbestimmte Zeit ruhen.

Ursprünglicher Text vom 30. November:

Das erste Geisterspiel in dieser Saison droht dem VfL Bochum bereits am kommenden Wochenende. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kündigte am Dienstag an, dass alle Fußballspiele in seinem Bundesland wieder ohne Zuschauer stattfinden sollen. Sofern diese Regelung zeitnah in Kraft tritt, wäre der VfL Bochum direkt davon betroffen. Denn an diesem Samstag gastiert der Aufsteiger beim FC Augsburg, also auf bayerischem Landesgebiet. Auch Fans aus Bochum wären somit ausgeschlossen.

Und möglicherweise wird dies keine Ausnahme bleiben. Auch in Nordrhein-Westfalen werden neue Corona-Regeln vorbereitet. Ministerpräsident Hendrik Wüst kündigte bereits Verschärfungen an, speziell für Großveranstaltungen. Am Mittwoch sprach er von einer „deutlichen Reduzierung der Kapazität“, jedoch nicht von Geisterspielen. Die neue Verordnung wird für Freitag erwartet. Der VfL Bochum sei auf alle denkbaren Szenarien vorbereitet, versicherte Geschäftsführer Ilja Kaenzig im Gespräch mit ‚Tief im Westen – Das VfL-Magazin‘.

Mit Überschuss geplant

Gleichwohl würden neue Einschränkungen den Klub hart treffen und die Einnahmen zum Teil deutlich mindern. Die auf der Mitgliederversammlung im Oktober präsentierten Planzahlen beruhen auf der Annahme, dass die Zuschauerzahl von zuletzt 20.000 annähernd stabil bleibt. Immerhin: Der VfL hat bei den Ausgaben zurückhaltend kalkuliert und würde nach jetzigem Stand einen Überschuss von rund 4,5 Millionen Euro erwirtschaften. Doch der könnte nun wie Schnee in der Sonne dahinschmelzen. Genaue Zahlen möchte Kaenzig derzeit noch nicht nennen.

Schließlich fehlen konkrete Beschlüsse. Im besten Fall dürfen die Klubs in NRW ein Drittel der Stadionkapazität nutzen, schreibt der ‚Kölner Stadt-Anzeiger‘ mit Verweis auf Regierungskreise. Bis zum vergangenen Wochenende durfte der VfL seine Heimspiele noch vor rund 20.000 Zuschauern austragen. Gegen Freiburg galt zum ersten Mal die 2G-Regel. Die neuen Vorgaben wurden beim VfL gut umgesetzt, die Einlasskontrollen waren sehr gewissenhaft. Doch 2G allein reicht nach Einschätzung vieler Politiker und Experten nicht mehr aus, um die Corona-Lage in den Griff zu bekommen.

Gefahr in Innenräumen

Vor allem außerhalb des Fußballs herrscht kaum noch Verständnis für Menschenmengen ohne Abstand und Masken, während sich die Lage auf den Intensivstationen immer weiter zuspitzt. Dabei wird allerdings weniger das Geschehen in den Stadien als vielmehr das Treiben vor und nach den Spielen kritisiert. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verwies in einem WDR-Interview unter anderem auf überfüllte Bahnen und Feierlichkeiten mit viel Nähe zueinander. Beides war am vergangenen Wochenende auch in Bochum zu beobachten.

Der Aerosolforscher Gerhard Scheuch nahm in einem ’n-tv‘-Interview zudem die VIP-Räume ins Visier. Der gefährlichste Ort im Stadion sei die Loge, warnte er, denn in Innenräumen sei eine Ansteckung deutlich wahrscheinlicher als draußen. Der Wissenschaftler dürfte sich mit seiner Aussage jedenfalls keine Freunde bei den Klubverantwortlichen gemacht haben. Denn der sogenannte Hospitality-Bereich ist für die Vereine besonders lukrativ. Der VfL hat in dieser Saison mehr als 1.200 VIP-Dauerkarten verkauft.

Das Derby steht an

Abzuwarten bleibt insbesondere, ob es bundesweit einheitliche Regeln geben wird oder nicht. Einige Klubs befürchten bereits eine Wettbewerbsverzerrung, nicht nur wirtschaftlich, auch sportlich. Der VfL hält sich mit derlei Äußerungen gewohnt zurück, obwohl er zuletzt massiv von seinen stimmungsvollen Anhängern profitiert hat. Nicht ohne Grund hat die Mannschaft von Trainer Thomas Reis 13 von 16 Punkten im eigenen Stadion geholt. Wobei: Aufgestiegen ist der VfL ja schließlich auch ohne Zuschauer.

Doch ausgerechnet das erste Revierderby nach mehr als elf Jahren vor (ziemlich) leeren Rängen erleben zu müssen, täte allen weh, Spielern wie Fans. Zumal der VfL bei einer Teilzulassung von Zuschauern eine möglichst faire Lösung finden müsste, wie die begehrten Karten für das Spiel gegen Borussia Dortmund am 11. Dezember vergeben werden. Mehr als 15.000 Dauerkarten wurden vor der Saison verkauft. So viele Zuschauer werden in nächster Zeit ganz sicher nicht mehr ins Stadion dürfen.

(Foto: Imago / Revierfoto)

Auf ungewohnter Position

Links geblinkt, rechts überholt: Stafylidis gibt Gas

Danilo Soares und Konstantinos Stafylidis eint ihre Vergangenheit. Die beiden Profis des VfL Bochum spielten vor ihrem Wechsel ins Ruhrgebiet für die TSG Hoffenheim. Wobei spielen nicht ganz richtig ist. Soares kam wegen einer Zehenverletzung überhaupt nicht zum Einsatz. Und Stafylidis lief wegen einer Schulter- und später einer Wadenbeinproblematik nur siebenmal für die Kraichgauer auf. Beide gingen schließlich zum VfL, Soares bereits 2017, Stafylidis in diesem Sommer – und fanden ihr Glück.

In erster Linie, weil sie wieder gesund und einsatzfähig sind, aber auch, weil ihnen Trainer Thomas Reis das Vertrauen schenkt. Das ist insofern ungewöhnlich, weil Soares und Stafylidis eigentlich beide Linksverteidiger und somit interne Konkurrenten sind. Doch seit einigen Wochen stehen sie gemeinsam auf dem Platz: Soares auf der gewohnten Position hinten links, Stafylidis auf der ungewohnten Position hinten rechts. Beide geben Gas, überzeugten zuletzt und haben einen großen Anteil daran, dass der VfL nur noch wenige Gegentreffer kassiert.

Konsequent und routiniert

Vor allem Stafylidis überrascht so manchen Fan. Defensiv lässt der 28-Jährige fast nichts anbrennen, überzeugt insbesondere mit seiner Resolutheit in vielen Zweikämpfen. „Er hat die Position sehr gut angenommen. Derzeit ist er topfit“, freut sich Reis über die Verstärkung. „Besonders seine Aggressivität und seine Ruhe am Ball gefallen mir. Damit hilft er uns enorm.“ Stafylidis ist somit erste Wahl, obwohl mit Cristian Gamboa und Herbert Bockhorn die beiden etatmäßigen Rechtsverteidiger zur Verfügung stehen. Einziges Manko: In der Vorwärtsbewegung kann Stafylidis seine Qualitäten auf der ‚falschen‘ Seite nur teilweise ausspielen.

Keine Kaufoption, aber…

Dennoch: Die Flexibilität des griechischen Nationalspielers sei auch ein Argument für die Verpflichtung gewesen, erklärt Manager Sebastian Schindzielorz. Mit der TSG Hoffenheim hat sich VfL zunächst auf eine Leihe für eine Saison verständigt. Eigentlich, sagt Schindzielorz, sei Stafylidis ein Spieler, den sich der VfL als Aufsteiger gar nicht leisten könne. Schließlich hat er auch schon in Augsburg und Leverkusen gespielt, davor in der Premier League. Doch die lange Verletzungsgeschichte hat einen Transfer möglich gemacht.

Bielefeld und Fürth waren ebenfalls interessiert, doch die Bochumer haben sich am Ende durchgesetzt – weil sie früher am Spieler dran waren und weil es nicht das erste Leihgeschäft mit Hoffenheim ist. Die guten Verbindungen ins Kraichgau schließen auch eine feste Verpflichtung von Stafylidis im kommenden Sommer nicht aus. Eine Kaufoption gibt es nicht, sie sei wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen, verrät Schindzielorz. Aber wer weiß, in welcher Situation sich beide Klubs und der Spieler in einem halben Jahr befinden…

(Foto: Firo Sportphoto)

2:1-Sieg gegen Freiburg

Festung Ruhrstadion: Party dank Schlitzohr Pantovic

Von Torannäherungen ist im Fußball oft die Rede. Dieser Begriff wird für Mannschaften verwendet, die nach vorne nicht zwingend werden, es aber immerhin in den Strafraum schaffen. Also in etwa so, wie der VfL Bochum gegen den SC Freiburg in der ersten Halbzeit. Doch die spielt im Nachgang keine große Rolle mehr. Denn alles und jeder redet nach diesem Spiel darüber, wie Milos Pantovic dem Tor auf seine Art und Weise näher gekommen ist. Gegen Hoffenheim vor drei Wochen traf er aus 66 Metern, gegen Freiburg waren es genau 45. Mit ihm wird das Besondere zur Gewohnheit, Sepktakel zur Normalität. So macht sich der Mittelfeldspieler bei der Wahl zum Tor des Monats selber Konkurrenz.

Vierter Heimerfolg in Serie

Doch an diesem Samstag war seine Entschlossenheit noch viel wichtiger fürs Team. Denn sein Schuss in der 82. Minute bescherte dem VfL den 2:1-Heimsieg. „Als der Ball meinen Fuß verlassen hat, habe ich gespürt, dass der reingehen wird. Ich bin wahnsinnig froh, dass ich wieder so ein Tor schießen konnte“, sagte Pantovic später. Er nutzte einen Fehler von Freiburgs Lienhart, der in der eigenen Hälfte ausgerutscht war. Bochums Zauberfuß zögerte keine Sekunde, sah, dass Keeper Flekken zu weit vor seinem Tor stand und probierte es sofort. „Solche Situationen kann man eigentlich nicht trainieren. Aber Milos erfasst Spielsituationen sehr schnell“, freute sich Thomas Reis für seinen Edeljoker.

Mit Mann und Maus verteidigte der VfL in der Schlussphase sein Tor, bis zum Abpfiff blieb es spannend, weil Freiburg mit der allerletzten Aktion noch den Pfosten traf. Doch das Ruhrstadion bleibt eine Festung. Knapp 20.000 Bochumer feierten den vierten Heimerfolg in Folge, inklusive Pokal. „Wenn ich diese geile Stimmung hier alle zwei Wochen sehe, das ist einfach überragend. Das gibt uns viel Power und viel Energie“, war nicht nur Kapitän Anthony Losilla restlos begeistert, auch wenn der Sieg am Ende sicher etwas glücklich war. Denn die Freiburger waren die bessere Mannschaft und hatten schon in der ersten Halbzeit ein Chancenübergewicht.

Streich möchte wiederkommen

Kurz nach der Pause belohnte Lienhart die Gäste und traf nach einem indirekten Freistoß per Kopf zum 0:1. Doch der VfL steckte den Rückstand problemlos weg. Drei Minuten brauchten die Hausherren, um den Ausgleich zu erzielen. Losilla eroberte den Ball, Holtmann bediente Polter und der zuletzt oft unglücklich agierende Mittelstürmer erzielte das 1:1. Die Freiburger blieben jedoch gefährlicher, Höler und Günter hatten die erneute Führung auf dem Fuß, Riemann parierte mehrfach glänzend. Ein „sensationeller Keeper“, lobte Christian Streich, der aus allen Wolken fiel, als Pantovic die Partie drehte und sich endgültig in die Herzen der Bochumer Fans schoss.

Er hatte in der Schlussphase sogar noch ein weiteres Tor auf dem Fuß, doch das aus knapp 15 Metern – also viel zu nah. Aber Schlitzohr Pantovic, der erst in der 65. Minute eingewechselt wurde, hatte ja schon geliefert. 16 Punkte hat der VfL Bochum nun auf dem Konto, genauso viele wie Schalke am Ende der letzten Saison. „Wenn sie so weiterspielen, packen sie den Klassenerhalt. Das wäre für Bochum doch großartig“, freute sich Gästetrainer Streich sogar ein bisschen mit. Ganz offensichtlich gefallen ihm die Dienstreisen ins Ruhrstadion: „Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, hier zu spielen. Der VfL Bochum ist ein toller Verein.“ Lassen wir das so stehen, mehr gibt es nun wirklich nicht zu sagen.

(Foto: Firo Sportphoto)

Corona-Lage

Ende der Dauerkarten? VfL rechnet mit Verschärfungen

Jens Fricke hatte in der Pressekonferenz vor dem Heimspiel des VfL Bochum gegen den SC Freiburg fast einen größeren Redeanteil als Trainer Thomas Reis. Minutenlang informierte der Vereinssprecher über die aktuellen, teils neuen Einlassbedingungen. Knapp 20.000 geimpfte oder genesene Fans werden am Samstag im Ruhrstadion sein. „Ob diese Zahl in Zukunft zu halten ist, bleibt die große Frage“, führte Fricke aus. Eigentlich mag er keine Spekulationen, doch die Botschaft war klar: Seelisch sollten sich die Fans des VfL Bochum auf weitere Verschärfungen für künftige Heimspiele einstellen – schlimmstenfalls und wahrscheinlich dann zum Derby gegen Borussia Dortmund.

Noch erlaubt es die Corona-Schutzverordnung des Landes NRW, alle Sitzplätze und einen großen Teil der Stehplätze zu nutzen – und der VfL macht davon Gebrauch. Aber ist das wirklich klug, wenn weiter tausende Fans ins Stadion pilgern, während die Kliniken allmählich ans Limit kommen und im Dezember gar der Kollaps droht? Intensivmediziner sind sich einig: Die vierte Corona-Welle wird alles, was wir seit Ausbruch der Pandemie erlebt haben, in den Schatten stellen, auch in Nordrhein-Westfalen. Die Landesregierung reicht die Verantwortung derzeit an die Vereine weiter, die wiederum überlassen es ihren Anhängern, ob sie ins Stadion gehen oder nicht.

NRW sehr liberal

Andere Bundesländer reagieren schon drastischer auf die sich zuspitzende Pandemie-Lage. In Sachsen dürfen gar keine Zuschauer mehr ins Stadion, in Bayern darf nur noch jeder vierte, in Niedersachsen jeder zweite (Sitz-)Platz genutzt werden. „Das kann uns auch blühen“, sagte Fricke. Auf Grundlage der aktuellen Corona-Schutzverordnung ist bei einer erhöhten Hospitalisierungsrate auch eine Einführung von 2G-plus denkbar. Das hieße, jeder Stadionbesucher müsste zusätzlich einen aktuellen, negativen Corona-Test vorlegen. Die Frage ist nur, ob dafür überhaupt ausreichend Testkapazitäten am Spieltag zur Verfügung stünden.  

Auch deshalb hat der VfL für Freitag eine Mail an alle Dauerkarteninhaber angekündigt mit Informationen zum weiteren Prozedere. Die im Oktober verschickten Jahrestickets wurden immer noch nicht in Rechnung gestellt, was viele Anhänger verwundert. „Wahrscheinlich“ wird der Klub die Dauerkarten nach dem Heimspiel gegen Freiburg sperren und zu einem Einzelkarten-System zurückkehren, hieß es am Donnerstag auf Anfrage. In diesem Fall würden Dauerkarteninhaber zwar ein Vorkaufsrecht besitzen, müssten sich aber für jedes Spiel aufs Neue um ein Ticket bemühen – also so wie zu Saisonbeginn.

Zweitmarkt offen

Damit müssten viele Fans ihren gebliebten Stammplatz zwar hergeben, für einige Anhänger hätte das aber auch Vorteile. Zum einen für die ungeimpften Dauerkarteninhaber, die ab sofort nicht mehr ins Stadion dürfen. Zum anderen wären auch alle Vorsichtigen beruhigt, denen ein Stadionbesuch momentan zu heikel ist. Auch sie müssten dann nicht mehr mit einer Abbuchung rechnen. Wobei es für dieses Problem schon jetzt eine Alternative gibt. Der VfL hat den Ticket-Zweitmarkt geöffnet. Wer sein Ticket online freigibt, bekommt sein Geld zurück, sofern sich jemand diesen Platz sichert. Gegen Hoffenheim haben zuletzt 500 Fans dieses Angebot genutzt.

(Foto: Foto / Team 2)