0:1-Niederlage und viel Ärger

Bochum voll im Soll – und doch nicht glücklich

Einen Treffer wollten die Bochumer unbedingt noch erzielen. Und weil ihre Mannschaft auf dem Platz einfach zu harmlos war, versuchten es einige Fans von der Tribüne aus. Aus mehreren Blöcken flogen Trinkbecher gezielt in Richtung der Berliner, wohl deshalb, weil sie am Ende auf Zeit spielten. Trainer wie Spieler wurden beinahe getroffen, die Gäste waren außer sich. „So asoziale Fans wie hier habe ich selten erlebt“, sagte Max Kruse nur wenige Minuten nach Schlusspfiff. Schiedsrichter Tobias Reichel, auf den sich die Fans wegen seiner Kartenverteilung ebenfalls eingeschossen hatten, notierte die Szenen. Den VfL erwartet eine Geldstrafe. Berlins Trainer Urs Fischer hatte sich in der Pressekonferenz schon wieder beruhigt, reagierte gelassen: „Was im Stadion passiert, bleibt auch im Stadion.“

Kruse trifft und provoziert

Sein Spieler Max Kruse ist dagegen für sein loses Mundwerk bekannt – und für eine gute Schusstechnik. Der Angreifer erzielte in der 16. Minute mit einer eleganten Direktabnahme den einzigen Treffer des Tages und sorgte somit für die 0:1-Niederlage aus Bochumer Sicht. „Das ist Qualität. Den trifft sicher nicht jeder so“, sagte VfL-Coach Thomas Reis voller Anerkennung. Die Berliner wirkten reifer und kontrollierten das Spiel in der ersten Halbzeit, ließen die Bochumer zu keiner einzigen Torchance kommen. Ohne fünf potenzielle Startelfkandidaten tat sich der VfL nach vorne abermals schwer, ähnlich wie schon gegen Dortmund und Bielefeld. Nur ein Elfmetertor gelang in dieser Woche mit drei Spielen, was auch Thomas Reis registriert hat: „Ich will nicht jammern, aber natürlich fehlen uns vorne wichtige Spieler.“

Kurzfristig musste er auf den erkrankten Gerrit Holtmann verzichten, den ein Infekt, aber nicht Corona erwischt hat. Zusammen mit Eduard Löwen, Takuma Asano, Danny Blum und Simon Zoller fehlte fast die ganze Offensivabteilung. Patrick Osterhage profitierte von diesen Ausfällen und feierte sein Startelfdebüt, machte seine Sache insgesamt ordentlich. Doch das Spiel lenken konnte der Youngster natürlich noch nicht. Milos Pantovic musste auf die Außenbahn ausweichen und war derjenige, der die zweite Heimniederlage in dieser Saison noch am ehesten hätte verhindern können. Denn die einzigen beiden Chancen, die erwähnenswert sind, gehörten dem Experten für Weitschusstore. Doch sein erster Versuch landete auf der leeren Osttribüne, sein zweiter an der Unterkante der Latte.

Aus kurzer Distanz trifft er offenbar nicht. „Von außen sieht es einfacher aus als es war“, erklärte Pantovic später. „Uns fehlte leider das Spielglück.“ Das bewertete Thomas Reis nicht anders. Nach erfolgreichen Wochen – mit dem nötigen Spielglück – gab es zum Jahresabschluss zwei Niederlagen. „Das ist schon bitter, so in die kurze Pause zu gehen“, sagte Bochums Trainer, der seine Mannschaft direkt nach Weihnachten wiedersehen wird. „Aber: Wir haben nach der Hinrunde 20 Punkte, 40 sind am Ende die magische Grenze. Wir sind also voll im Soll.“ Und doch nicht ganz glücklich. Den Spieltag wird der VfL zwar auf Rang 12 oder 13 beenden, doch der Abstand nach unten ist geschrumpft. Bielefeld als Vorletzter ist bis auf vier Punkte herangerückt, auch der Relegationsplatz ist wieder gefährlich nah.

Vorsprung auf Bielefeld schmilzt

Der VfL muss sich in der Rückrunde also auf einen harten Abstiegskampf einstellen, womöglich bis zum allerletzten Spiel. Dann müssen die Bochumer zu Union Berlin reisen, und speziell das Duell zwischen Max Kruse und den Fans dürfte weitergehen. Denn Kruse legte am Samstagabend nach, nahm ein Handy-Video auf und postete es auf Instagram. Darin sagte er: „Bochum ist immer ein sympathischer Verein gewesen und ich weiß, 80 bis 90 Prozent der Fans sind auch weiterhin sympathisch. Aber heute war wieder so ein Tag, an dem sich alle Ruhrpott-Assis in Bochum versammelt haben und einfach mal dachten: ‚Heute gehen wir ins Stadion.’“ Harter Tobak und eine Erkenntnis: Mehr Niveau als die Becherwerfer hat der Angreifer offenbar auch nicht.

(Foto: Imago / Revierfoto)

Für mehr Torgefahr

Neuer Stürmer: VfL bestätigt Locadia-Transfer

+++ Update +++

Der VfL Bochum hat die Verpflichtung von Jürgen Locadia mittlerweile bestätigt. Der Angreifer wechselt ablösefrei an die Castroper Straße. Sein Vertrag gilt zunächst nur für die Rückrunde, ist also bis Juni 2022 datiert. Locadia wird die Rückennummer 19 erhalten.

„Wir sind sehr froh, einen solch interessanten und international erfahrenen Spieler für den VfL begeistern zu können“, sagt Sebastian Schindzielorz, Geschäftsführer Sport. Und Locadia ergänzt: „Ich freue mich, erneut in der Bundesliga zu spielen. Nachdem ich zuletzt wenig Einsatzzeit hatte, hoffe ich natürlich, dass sich das beim VfL ändert“.

Ursprünglicher Text:

Er läuft wieder, sogar über Stock und Stein. Schon seit Wochen hält Simon Zoller die Fans des VfL Bochum via Instagram auf dem Laufenden und zeigt, dass er nach seinem Kreuzbandriss fleißig an einem Comeback arbeitet. Kurz vor Weihnachten hat der Angreifer das Laufband verlassen und ist auf die Waldpiste gewechselt. Sein Reha-Fortschritt lässt die VfL-Fans hoffen, dass der 30-Jährige noch in dieser Saison wieder zum Einsatz kommen könnte. Das aber wird allerhöchstens im Endspurt klappen, wenn überhaupt.

Der VfL ist deshalb gut beraten, sich im Sturm nach Alternativen auf dem Transfermarkt umzuschauen. Dass die Verantwortlichen in diesem Winter gerne einen neuen Angreifer verpflichten würden, ist auch ein offenes Geheimnis. Sebastian Polter hat mit sechs Toren zwar ordentlich performt, war aber über weite Strecken Alleinunterhalter und praktisch alternativlos. Hinzu kommt, dass der Sommerneuzugang fußballerisch zu den eher schwächeren Stammspielern gehört und somit für einige Spielsituationen nur bedingt geeignet ist.

Im Winter ist es schwierig

Doch die Stürmersuche ist für den VfL gar nicht so einfach. Die Gründe liegen auf der Hand: Im Winter sind deutlich weniger Spieler auf Vereinssuche als im Sommer, eine nennenswerte Ablöse kann der VfL nicht zahlen. Die Corona-Lage mit neuen Geisterspielen stellt die Finanzplanung teilweise auf den Kopf und grenzt den ohnehin überschaubaren Handlungsspielraum weiter ein. Dass die Saison schon in wenigen Tagen weitergeht – ohne große Vorbereitung mit Trainingslager – kommt noch hinzu.

Kurzum: Der Spieler sollte die Bundesliga im Idealfall schon kennen. Nur: Welcher Konkurrent gibt im Winter einen Spieler ab, der beim VfL in der Rückrunde für die entscheidenden Toren sorgen soll? Der Ex-Bochumer Daniel Ginczek etwa, den einige Fans schon ins Gespräch gebracht haben, weil er in Wolfsburg nur noch zweite Wahl ist, wäre rein theoretisch so ein Kandidat. Allerdings war der 30-Jährige zuletzt auch oft verletzt. Viele Optionen direkt aus der Bundesliga gibt es ansonsten nicht.

Locadia im Visier

Nach bislang exklusiven Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin beschäftigen sich die Verantwortlichen deshalb intensiv mit einem Kandidaten, der die Bundesliga zwar kennt, aktuell aber im Ausland spielt. Sein Name: Jürgen Locadia. Der 28-Jährige steht bei Brighton & Hove Albion in der Premier League unter Vertrag, kam in dieser Saison aber nur zu einem Kurzeinsatz. Zuletzt fiel er wegen einer Corona-Infektion aus. Locadia spielte 2019 eine Halbserie in Hoffenheim und erzielte in elf Bundesliga-Partien vier Tore.

Der aus den Niederlanden stammende Mittelstürmer gilt als beweglich und körperlich robust, der das Pressing beherrscht und über einen guten, kräftigen Abschluss verfügt. Die meiste Zeit seiner Karriere hat er bei PSV Eindhoven verbracht, ehe es ihn nach England, kurz nach Deutschland und für anderthalb Jahre auf Leihbasis in die USA zog. Sollte er zum VfL wechseln, müsste er deutliche finanzielle Einbußen in Kauf nehmen. Vorteil für Bochum: Locadia und Trainer Thomas Reis haben denselben Berater. Ein Transfer könnte noch in dieser Woche zustande kommen.

(Foto: VfL Bochum 1848)

Verteidiger verlängert

Entdeckung der Saison: Neuer Vertrag für Masovic

Er ist die wahrscheinlich größte Entdeckung und Überraschung der Saison. Nun haben sich der VfL Bochum und Erhan Masovic auf eine vorzeitige Vertragsverlängerung geeinigt. Der 23-jährige Serbe, dessen ursprünglicher Vertrag bis 2023 datiert war, bindet sich nun um zwei weitere Jahre, also bis 2025. Bis dato kam Masovic für den VfL in 23 Pflichtspielen zum Einsatz, darunter zwölfmal in der Bundesliga.

„Erhan Masovic hat die in ihn gesetzten Erwartungen vollauf erfüllt“, sagt Sebastian Schindzielorz, VfL-Geschäftsführer Sport. „Wir haben in ihm einen variabel einsetzbaren Spieler gesehen, der sowohl in der Abwehr als auch im Mittelfeld Akzente setzen kann. Dies hat er in den bisherigen Spielzeiten beim VfL unter Beweis stellen können. Neben seiner körperlichen Robustheit und seinen technischen Fähigkeiten ist seine Ruhe am Ball bemerkenswert. Erhan hat sich bei uns schon sehr gut entwickelt, hat nachgewiesen, dass er auch in der Bundesliga bestehen kann und ist bereit, sich weiterzuentwickeln.“

Für den Verein und für den Spieler ist der neue Vertrag gleichermaßen lohnenswert. Masovic ist im Spätsommer 2020 als Perspektivspieler in der 2. Liga nach Bochum gewechselt und dürfte nun ein deutlich höheres Gehalt beziehen. Der VfL wiederum sichert sich ab für den Fall, dass auch andere Klubs auf den Newcomer aufmerksam werden. Die Unterschrift jetzt verhindert womöglich einen Verkauf im kommenden Sommer – oder treibt die Ablöse nach oben.

(Foto: Imago / Nordphoto)

Kaderplanung

Zu- und Abgänge: VfL hat Ideen für Wintertransfers

Die Winterpause in dieser Saison ist kurz. Nur drei Wochen liegen zwischen dem Jahresabschluss gegen Union Berlin (18.12.) und dem Rückrundenstart gegen den VfL Wolfsburg (9.1.). Ein paar freie Tage wird Thomas Reis seiner Mannschaft gönnen, doch schon vor Silvester geht es mit dem Training weiter.

Leihkandidaten im Blick

Auch Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz wird kaum eine Verschnaufpause erhalten. Denn der Manager schaut sich auf dem Transfermarkt um. „Wir haben Ideen im Kopf und sind nicht abgeneigt, aktiv zu werden, wenn es sportlich und wirtschaftlich passt“, sagte er am Donnerstag auf Nachfrage von ‚Tief im Westen – Das VfL-Magazin‘. Wo genau sich der VfL verstärken möchte, wollte er nicht verraten. Naheliegend wäre jedoch eine Neuverpflichtung für den Angriff, wo Simon Zoller noch einige Monate fehlen wird und sich hinter Sebastian Polter kaum jemand als Alternative aufdrängt. Auch im zentralen Mittelfeld könnten die Verantwortlichen eventuell noch Handlungsbedarf sehen.

Doch ob der Markt passende Lösungen hergibt, ist offen. „Im Winter ist es immer schwieriger als im Sommer. Es gibt keine auslaufenden Verträge, also keine ablösefreien Spieler, auf die wir im Regelfall angewiesen sind“, erklärt Schindzielorz, der ähnlich wie im Sommer vor allem den deutschen Markt beobachtet. „Wir müssen unter anderem berücksichtigen, dass es schnell weitergeht und kaum Zeit für die Integration bleibt. Deshalb kommen eher Spieler infrage, die keine lange Anlaufphase benötigen, und die die Bundesliga womöglich schon kennen. Vielleicht auf Leihbasis.“ Da im Januar schon vier Pflichtspiele anstehen, würde ein früher Transfer Sinn ergeben, wobei Schindzielorz auch eine spätere Verpflichtung nicht ausschließt. Bis zum 31. Januar ist das Transferfenster geöffnet.

Auch Abgänge möglich

Abgänge könnte es bis dahin ebenfalls geben. 31 Profis gehören momentan zum Bochumer Kader, und einige von ihnen haben beim VfL keine Perspektive mehr. „Wir haben einige Spieler, die sehr wenig oder noch gar nicht zum Einsatz gekommen sind“, sagt Schindzielorz und denkt zum Beispiel an Tarsis Bonga, Raman Chibsah und Tom Weilandt. Das Trio hätte schon im Sommer gehen können, hat sich aber für einen Verbleib in Bochum entschieden. Auch Saulo Decarli, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, dürfte gehen, sofern er diesen Wunsch äußert; Luis Hartwig ist zudem ein Leihkandidat. Konkrete Anfragen für diesen Winter liegen aber noch keine vor. Auch nicht, und das ist fast noch wichtiger, für einen der Leistungsträger.

(Foto: Imago / DeFodi)

0:2-Niederlage

VfL auf der Alm: Die erste echte Enttäuschung

Wenn selbst der zuletzt so starke Manuel Riemann spielentscheidend patzt, spricht das für einen gebrauchten Tag des VfL Bochum. Beim zweiten Gegentor in Bielefeld war dem Keeper der Ball durch die Hände gerutscht. Die 0:2-Niederlage bei der angeschlagenen Arminia war damit besiegelt. Das Gefühl, dieses Spiel noch einmal drehen zu können, hatte wohl keiner der knapp 1.000 VfL-Fans auf der Alm. Gemessen am Gegner, der eigenen Leistung und der Erwartungshaltung war es die erste echte Enttäuschung in dieser Saison. 

Trainer Thomas Reis sprach schließlich das aus, was alle dachten: „Ich kann dieses Spiel mit einem Satz zusammenfassen: Das war gar nichts von uns.“ Und doch fand der Fußballlehrer noch ein paar erklärende Worte mehr: „Wir waren nicht wach, hatten nicht die geistige Frische, waren in den Handlungen zu langsam und oft einen Schritt zu spät.“ Einige Spieler hatten ganz offensichtlich Probleme, das Derby gegen Dortmund schnell abzuhaken und sich nur drei Tage auf das nächste Spiel einzustellen.

Lücken hinten, harmlos nach vorne

Bochum hatte vor dem Spiel doppelt so viele Punkte wie Bielefeld, doch davon war am Dienstagabend nichts zu sehen, im Gegenteil. „Wir haben uns im Mittelfeld zu viele Ballverluste erlaubt und den Gegner zu Torchancen eingeladen“, monierte Reis, wobei weitere Mängel dazukamen. Lücken in der Abwehr und fast keine Entlastungsangriffe waren ebenso Gründe für die verdiente Niederlage. Nur einmal wurde der VfL gefährlich, als Gerrit Holtmann in der ersten Halbzeit frei vor Arminia-Keeper Stefan Ortega aufgetaucht war, aber den Führungstreffer verpasst hatte. 

In der zweiten Hälfte nutzte Bielefeld die nicht enden wollende Bochumer Schlafmützigkeit dann aus. Erst köpfte der kleine Masaya Okugawa gegen den vielfach überforderten Cristian Gamboa zur Führung ein. Dann legte Patrick Wimmer mit freundlicher Unterstützung von Manuel Riemann nach. Aber: Nicht einzelne Spieler haben enttäuscht, sondern die gesamte Mannschaft, „und das weiß sie auch“, sagte Thomas Reis. Nach der Erfolgsserie zuletzt will er dieses einzelne Spiel aber auch nicht überbewerten. „Niederlagen wie jetzt in Bielefeld kann es immer wieder geben.“

Soares blieb angeschlagen in der Kabine

Selbstkritisch machte er sich trotzdem noch Gedanken über seine Rotation. Auf zwei Positionen veränderte Reis seine Startelf im Vergleich zum Derby gegen Dortmund. Konstantinos Stafylidis und Maxim Leitsch mussten auf der Bank Platz nehmen. „Sie kommen aus längeren Verletzungen, da müssen wir etwas vorsichtig sein“, begründete der Trainer seine Entscheidung. „Aber vielleicht hätten noch weitere Wechsel Sinn gemacht.“ Bochums Chefcoach tauschte dann während des Spiel so früh wie selten, schon nach 57 Minuten standen drei neue Spieler auf dem Platz.

Zu einem der drei Wechsel wurde Reis allerdings gezwungen, weil Linksverteidiger Danilo Soares zur Pause mit Rückenproblemen in der Kabine bleiben musste. Nicht nur der Trainer wird nun hoffen, dass der Linksverteidiger am Samstag gegen Union Berlin wieder zur Verfügung steht. Denn einen weiteren Ausfall kann der VfL vor dem letzten Spiel des Jahres nicht gebrauchen. Vor erneut 13.800 Zuschauern will der Aufsteiger ein im Grunde fantastisches Jahr krönen und mit einem Erfolgserlebnis beschließen.

Suche nach frischen Alternativen

Wahrscheinlich wird Reis dann wieder zur Viererkette aus dem Dortmund-Spiel zurückkehren wollen. Im zentralen Mittelfeld wäre Patrick Osterhage, den der Trainer ständig lobt, ihm aber maximal Kurzeinsätze gewährt, eine Option. Auch Robert Tesche ist wieder fit. Weiter vorne wird es schwierig. Als Alternative zu Sebastian Polter drängt sich niemand auf. Und ob Danny Blum und Takuma Asano rechtzeitig zurückkehren werden, ist fraglich. Asano befindet sich offensichtlich in Quarantäne, und für eine mögliche Freitestung gibt es strenge Vorgaben.

(Foto: Firo Sportphoto)

1:1 im Revierderby

Dortmund geärgert: Bochum ist stolz aufs Team

So schnell wollte niemand das Stadion verlassen. Die knapp 13.000 Bochumer warteten nach dem 1:1 im Revierderby gegen Dortmund auf die Ehrenrunde ihrer Mannschaft. Die Spieler bedankten sich für die erneut lautstarke Unterstützung, und die Fans applaudierten minutenlang. Ihr Stolz auf dieses Team wächst, mit diesem Ergebnis im Revierderby umso mehr.

Bochum zufrieden mit dem Punkt

Elf Jahre nach dem bis dato letzten Aufeinandertreffen der beiden ungleich großen Nachbarn und Rivalen konnten die Bochumer eigentlich nur gewinnen. Trainer Thomas Reis sprach im Vorfeld von einem „Bonusspiel“, und hinterher von einem „Bonuspunkt“. Auch wenn der Ausgleich erst in der Schlussphase fiel, als der Sieg schon zum Greifen nah war: Beim VfL waren sie am Ende trotzdem zufrieden – auf dem Platz und auf den Rängen. Thomas Reis zeigte es sogar direkt beim Schlusspfiff, als er die Hände in den Himmel reckte, so, wie er das eigentlich nur nach Siegen macht.

„Die Mannschaft hat eine super Mentalität, sie hat unheimlich gefightet“, lobte Reis sein Team vor allem für die Defensivarbeit. Mit Entschlossenheit und großer Leidenschaft verteidigten die Bochumer über 90 Minuten. Vor allem nach der Pause rannten die Dortmunder fast im Minutentakt an, ohne Entlastungsangriffe des VfL. Tief in der eigenen Hälfte stemmte sich der Aufsteiger gegen die Dominanz des BVB. „Spielerisch und in allen Statistiken war Dortmund klar überlegen. Das ist aber nicht entscheidend.“ Sondern nur das Endergebnis. „Im Moment haben wir auch das Spielglück“, weiß Bochums Cheftrainer.

Abwehrschlacht bis zum Schluss

Wobei sich das VfL dieses Glück auch an diesem Samstag erarbeitet hat. Erling Haaland zum Beispiel, Dortmunds Top-Stürmer, war lange Zeit abgemeldet, trat erst in der 85. Minute beim Ausgleichstreffer in Erscheinung. Haaland bereitete das Tor von Julian Brandt vor. Ansonsten aber hatten ihn Erhan Masovic und Maxim Leitsch, die beiden Bochumer Innenverteidiger, gut im Griff. Thomas Reis hatte sich für Leitsch anstelle von Vasilios Lampropoulos entschieden, in erster Linie wegen seiner Schnelligkeit. Auch im Angriff setzte Reis auf Tempo. Christopher Antwi-Adjei vertrat Takuma Asano und war an den wenigen Bochumer Offensivaktionen fast immer beteiligt, speziell an der Entstehung des 1:0. Antwi-Adjei war nach einem genialen Pass von Elvis Rexhbecaj in die Tiefe enteilt, Gästekeeper Gregor Kobel könnte den Flügelstürmer nur noch mit einem Foul stoppen. Sebastian Polter verwandelte den fälligen Elfmeter und sorgte für Ekstase an der Castroper Straße.

Die Überraschung, die Sensation schien möglich – auch wenn der BVB den VfL im zweiten Durchgang dominierte und mehrere Hochkaräter vergab. Mehrfach retteten die Bochumer erst auf der Torlinie, entweder Schlussmann Manuel Riemann, oder aber seine Verteidiger, die sich in jeden Schuss hineinwarfen. Einmal half auch der Videoassistent. Ein Treffer von Marius Wolf kurz nach der Pause wurde wegen einer Abseitsposition von Jude Bellingham aberkannt, der die Sicht von Riemann entscheidend einschränkte. Es blieb eine Abwehrschlacht bis zur letzten Minute, doch ein hart erkämpfter Punkt ging am Ende nach Bochum.

Englische Woche geht weiter

20 davon hat der VfL nach diesem Derby auf dem Konto, eine Bilanz, die jetzt schon für fröhliche Weihnachten sorgt, aber noch ausgebaut werden soll. Unter der Woche spielt der VfL in Bielefeld, dann kommt Union Berlin ins Ruhrstadion – zwei Partien, in die der Revierklub nicht unbedingt als Außenseiter geht. Je nach Ausgang der Sonntagsspiele bleibt der VfL sogar auf einem einstelligen Tabellenplatz. Den zu verteidigen und noch weiter nach oben zu schauen, ist aber nicht das primäre Ziel, obwohl einige Bochumer schon von mehr träumen. „Das geht mir alles zu schnell. Unser Ziel bleibt der Klassenerhalt“, sagt Thomas Reis, der nicht ohne Grund eher nach unten blickt. Nur vier Punkte sind es bis zum Relegationsrang, immerhin schon zehn auf Bielefeld und den ersten Abstiegsplatz. Am Dienstag sollen es noch mehr werden.

(Foto: Imago / RHR-Foto)

Bochum gegen Dortmund

Derby mit Maske: VfL „warnt“ seine Fans

+++ Update vom 10. Dezember +++

Der VfL weist darauf hin, dass das Derby gegen Dortmund unter Einhaltung der 2G-Regel durchgeführt wird, in den VIP-Bereichen muss zusätzlich ein tagesaktueller Corona-Test nachgewiesen werden. Neu ist die Maskenpflicht am Platz während des gesamten Spiels. Der VfL warnt davor, dass eine Missachtung zu einer weiteren Kapazitätsreduzierung führen kann. „Sollten wir alle morgen den Nachweis schuldig bleiben, dass eine Maskenpflicht am Sitzplatz funktioniert, so müsste der VfL Bochum zum kommenden Spiel die Plätze im Schachbrettmuster verkaufen. Die Sitzplatzdauerkarten würden ruhen und insgesamt nur 7.000 Tickets zur Verfügung stehen“, heißt es in einer Mail des Vereins an alle Zuschauer.

Update vom 8. Dezember:

Lange hat das Bochumer Gesundheitsamt den VfL und seine Fans warten lassen, doch nun ist klar: Der VfL Bochum darf zum Revierderby gegen Borussia Dortmund an diesem Samstag rund 13.800 Zuschauer begrüßen. 50 Prozent der Plätze dürfen somit genutzt werden – ausschließlich Sitzplätze. Die Ostkurve bleibt leer, Stehplätze dürfen nicht genutzt werden. So schreibt es die Landesverordnung vor.

Der VfL hat diese Entscheidung zum Anlass genommen, die Ticketvergabe noch einmal zu überdenken. Das ursprünglich angedachte Losverfahren wurde nach heftiger Fan-Kritik (siehe unten) gestrichen. Nun wird es so ablaufen: Inhaber einer Sitzplatzdauerkarte können ihren angestammten Platz wie gewohnt nutzen. Inklusive VIP sind das etwas mehr als 8.000 Zuschauer. Abzüglich des Gästekontigents von knapp 700 Tickets bleiben noch ungefähr 5.000 Plätze übrig. Die werden nach dem Schnelligkeitsprinzip an die etwas mehr als 7.000 Fans mit einer Ostkurvendauerkarte vergeben – zu Stehplatzpreisen.

„Natürlich hätten wir uns gewünscht, jedem Fan am kommenden Samstag den Stadionbesuch zu ermöglichen“, schreibt der VfL auf seiner Homepage. „Gerade für unsere Anhängerinnen und Anhänger auf der Ostkurve können wir leider nicht die gewohnte Menge an Karten zur Verfügung stellen. Das stimmt auch uns sehr traurig.“ Rund 2.000 Dauerkarteninhaber könnten wegen der landesweit vorgeschriebenen Kapazitätsreduzierung womöglich leer ausgehen.

Ursprünglicher Text vom 3. Dezember:

Die perfekte Lösung gibt es nicht. Dass der VfL Bochum weit weniger Karten für das Revierderby gegen Borussia Dortmund anbieten kann als nachgefragt werden, ist schon seit Tagen klar. Doch das nun gewählte Vergabeverfahren hat in den sozialen Netzwerken einen Shitstorm ausgelöst. Viele Dauerkarteninhaber fühlen sich benachteiligt. Der Grund dafür: Sie müssen an einem Losverfahren teilnehmen, an dem sich auch die Vereinsmitglieder beteiligen können.

Heißt also: Die 15.500 Dauerkarteninhaber und die rund 18.000 Mitglieder dürfen sich um je eine Karte für das große Spiel am 11. Dezember bewerben. Weil es Fans gibt, die sowohl eine Dauerkarte als auch einen Mitgliedsausweis haben, gibt es etwa 26.000 Losberechtigte. Wie viele Tickets genau angeboten werden, klärt sich erst in einigen Tagen. Auf Grundlage der neuen Corona-Schutzverordnung könnten es bis zu 13.500 sein.  

Viel Kritik im Netz

Es braucht also Glück, um das erste Revierderby nach mehr als elf Jahren live miterleben zu können. Darüber sind vor allem langjährige Dauerkarteninhaber verärgert, die ihren Klub auch in schwierigen Zeiten unterstützt haben und nun leer ausgehen könnten. „Das ist ein Schlag ins Gesicht treuer Fans“, schreibt zum Beispiel Riccardo Murgia auf Instagram. „Elf Jahre bin ich dem Verein in der zweiten Liga hinterhergereist und beim ersten Derby, dem größten Spiel der Saison, muss ich Glück haben, das goldene Los zu ziehen?“, kritisiert auch Phil Chamberlain. Viele sehen es wie Sebastian Frömgen: „Das ist die schlechteste Option von allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.“ Zumindest die, die für den meisten Ärger sorgt.

Auf den Verein prasselt überwiegend Kritik ein, die Reaktionen sind teils heftig. Die Verantwortlichen haben sie vernommen. Zum jetzigen Zeitpunkt wollen sie sich aber noch nicht dazu äußern, hieß auf Anfrage von ‚Tief im Westen – Das VfL-Magazin‘ am Freitagabend. Rund 850 Anhänger haben sich schon via Facebook und Instagram zu Wort gemeldet, auch auf Twitter und in den Foren wird eifrig diskutiert. Viele von ihnen hinterfragen den Sinn einer Dauerkarte und sind enttäuscht von ihrem Klub. Warum sich der VfL nun zum ersten Mal für ein Losverfahren entschieden hat, wurde nicht kommuniziert. Zu Saisonbeginn, als es wegen der Zuschauerbeschränkungen ebenfalls nur Einzelkarten gab, wurden diese nach dem Schnelligkeitsprinzip vergeben – erst an Dauerkarteninhaber, dann an Vereinsmitglieder. Kritik daran gab es kaum.

Kinder im Nachteil

Dass nun Chancengleichheit herrscht, finden einige Fans aber auch gut so. „Wer hier dem VfL einen Vorwurf macht, denkt einfach nur egoistisch“, meint Sean Hütter via Facebook und fragt, „ob der Verein ein Ranking aufstellen soll, wer am meisten schreit oder am häufigsten auswärts fährt.“ Ein solches Punktesystem ist vor allem in England nicht unüblich. Paul Effe fände das weniger gut: „Verlosung finde ich unter den Umständen gerecht, irgendeine Lösung braucht es. Und die Fans in besser oder schlechter einzuteilen, fände ich absolut fehl am Platz.“ So gibt Christian Dettke auf Instagram zu bedenken, dass auch Mitgliedern ein Vorkaufsrecht zugesichert wurde. Kurzum: Es ist ein Verteilungskampf entbrannt, der bei Topspielen nicht ganz neu ist, nun aber eine noch größere Dimension erreicht.

Dass der VfL von seinem Losverfahren noch Abstand nehmen wird, ist eher unwahrscheinlich. An einigen Stellen ist dieses Konzept aber noch nicht zu Ende gedacht. Vor allem Mütter und Väter sind irritiert, wie zum Beispiel Stefanie Burchardt auf Facebook: „Wie soll das funktionieren bei minderjährigen Dauerkarteninhabern, die normalerweise neben einem Elternteil sitzen?“, fragt sie in die Runde. Die Plätze werden per Zufallsprinzip vergeben, nur die Preiskategorie kann vorher ausgewählt werden. „Sollen jetzt Kind und Elternteil in völlig verschiedenen Blöcken sitzen? Oder es wird nur das Kind ausgelost und soll dann alleine ins Stadion?“ Karin Böhmer ist ebenfalls konsterniert: „Also können Kinder nicht mehr ins Stadion. Super System.“ Offenbar hat dies beim VfL niemand bedacht.

Pandemisch unklug

Paare und Freunde, die sonst gemeinsam ins Stadion gehen, werden ebenfalls getrennt. „Da wird das Stadionerlebnis komplett ruiniert, wenn man alleine neben Wildfremden sitzt“, kritisiert Yannick Ortmann. „Wohlgemerkt in Zeiten der Kontaktreduzierung“, ergänzt Jan Gräbe, ebenfalls auf Facebook. Ein wichtiger Punkt, zumal Stehplätze laut Verordnung nicht genutzt werden dürfen. Alle Stadionbesucher werden also zufällig auf die Sitzplätze verteilt. So ergeben sich ganz neue Kontaktmöglichkeiten zwischen Menschen, die sich sonst nie begegnet wären. Das ist in dieser pandemischen Lage eher unklug, trotz Maskenpflicht und 2G-Regel.

(Foto: Imago / Revierfoto)