0:1-Niederlage

VfL verliert in Mainz: Auch aus elf Metern zu harmlos

Der perfekte Einstand war möglich. Es lief schon die Nachspielzeit, als Debütant Jürgen Locadia den Ausgleich auf dem Fuß hatte. Aus gut 20 Metern fackelte der Bochumer Neuzugang nicht lange, doch Keeper Robin Zentner wehrte den Ball ab. Wenige Augenblicke später war das Spiel vorbei, die 0:1-Auswärtsniederlage aus VfL-Sicht besiegelt. Locadia war daran aber kaum beteiligt. Der Angreifer kam erst nach 80 Minuten ins Spiel – zu spät, um die Bochumer Offensive zu beleben.

Defensiv stabil, vorne zu harmlos

In einer über weite Strecken ausgeglichenen Partie waren die Mainzer vor dem Tor cleverer und gefährlicher. Jeremiah St. Juste erzielte das Tor des Tages in der 48. Minute, als der VfL nach einer abgewehrten Ecke den Ball in der Vorwärtsbewegung doch wieder hergab, Jonathan Burkardt von außen in den Rückraum passen konnte und der Mainzer Verteidiger den Führungstreffer erzielte. In der Phase nach der Halbzeitpause hatten die Mainzer drei weitere Gelegenheiten. „Da sind wir am meisten unter Druck geraten“, analysierte Trainer Thomas Reis, der sich bei Torhüter Manuel Riemann bedanken durfte, dass das Spiel spannend blieb.

Die sichere VfL-Abwehr ließ ansonsten wenig zu, auch wenn es kurzfristig eine Änderung gab: Konstantinos Stafylidis vertrat Danilo Soares, der aus privaten Gründen nicht dabei war. Seine Frau ist hochschwanger. Innen verteidigte wieder Armel Bella Kotchap für Erhan Masovic, und er machte seine Sache ordentlich. Schwachpunkt in der Viererkette war nicht zum ersten Mal Cristian Gamboa, der bei mehreren Mainzer Angriffen nicht auf Ballhöhe war.

Das wäre mit mehr Torgefahr auf Bochumer Seite allerdings auch weniger aufgefallen. Vor allem im letzten Drittel passierte zu wenig, und wenn doch, dann waren die Abschlüsse nicht gut. Milos Pantovic und Eduard Löwen hatten im Mittelfeld nur selten zündende Ideen. Die beiden Flügelspieler, Takuma Asano und Christopher Antwi-Adjei, waren meist abgemeldet, haben kaum einen Ball festgemacht und warten weiter auf ihr erstes Saisontor. Und ganz vorne in der Spitze gab Sebastian Polter die nächste Bewerbung für eine Schaffenspause ab.

Diskussion am Elfmeterpunkt

Probleme, die nicht neu sind, weiß auch Thomas Reis: „Wir sind mit unseren Chancen fahrlässig umgegangen, haben uns mal wieder technische Unsauberkeiten erlaubt.“ Auch ärgerte er sich über einen verschossenen Elfmeter in der ersten Halbzeit nach einem Foul an Polter. Warum der Stürmer dann selbst schießen durfte und nicht Milos Pantovic, sorgte bei vielen Fans für Verwunderung. Denn Pantovic hatte den Ball schon in seinen Händen, doch plötzlich forderte Polter das Spielgerät, das er mit Unterstützung von Eduard Löwen auch bekam.

„Wir haben keinen Schützen festgelegt, ich habe mich einfach sicher gefühlt“, erklärte Pantovic, dem ja schon im November gegen Hoffenheim ähnliches passiert war. Da nahm ihm Manuel Riemann den Ball weg – und drosch ihn auf die Tribüne. Reis kündigte danach an, sich ab sofort in die Auswahl des Elfmeterschützen einmischen zu wollen. Doch offenbar beschränkte er sich darauf, seinem Torhüter einen Ausflug nach vorne zu verbieten. „Vielleicht muss ich es noch deutlicher machen“, sagte Reis nach der erneuten Diskussion am Punkt, die auch nur deshalb zum Thema wurde, weil Polter aus elf Metern scheiterte. Sein Schuss war so harmlos wie viele Bochumer Angriffe.

Rotation im DFB-Pokal

Immerhin gibt es schon am Dienstag die Chance zur Revanche. Dann trifft der VfL im DFB-Pokal und auf eigenem Platz wieder auf Mainz. Thomas Reis hofft darauf, dass neben Danilo Soares auch Gerrit Holtmann ins Team zurückkehren kann. Der Top-Scorer der Bochumer musste sich unter der Woche mehrfach übergeben und fühlte sich zu schwach, um seiner Mannschaft in Mainz zu helfen. Auch Elvis Rexhbecaj war angeschlagen, blieb deshalb zunächst auf der Bank, dürfte im Pokal aber wieder zur Startelf gehören. Reis wird wahrscheinlich rotieren, auch auf anderen Positionen sind Wechsel möglich, etwa im Sturm. Dann könnte sich Jürgen Locadia vielleicht länger als zehn Minuten zeigen.

(Foto: Imago / Fotostand)

Zweimal gegen den Ex-Klub

Top-Scorer Holtmann ist ein Mainzer Geschenk

Den Zweitklässlern der Bochumer Wilbergschule ist kurz vor Weihnachten ein YouTube-Hit gelungen. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 2c haben mit ihrem Lehrer einen VfL-Song geschrieben und anschließend gemeinsam gesungen. Mehr als 25.000 Menschen haben das Video allein auf dieser Plattform schon gesehen. Auch über Facebook und Instagram hat sich das Video schnell verbreitet.

Zu den begeisterten Zuschauern gehört auch Gerrit Holtmann, denn Bochums Flügelflitzer spielt in dem Lied quasi die Hauptrolle. Auf die Melodie des bekannten „Wellerman“-Songs heißt es im Refrain: „Hier kommt der VfL! Der Holtmann, der ist superschnell! Erste Liga, wir sind da! Bochum, schieß ein Tor!“ Und genau das hat Bochums flinker Außenbahnspieler in den nächsten Tagen wieder vor.

Zwei Spiele gegen Mainz

Gleich zweimal trifft der VfL auf Holtmanns Ex-Verein, den FSV Mainz 05, für den er drei Jahre lang gespielt hat. Im Sommer 2020 ließen ihn die Rheinhessen schließlich ziehen, denn Holtmann war nur noch Reservist. Also wechselte er ablösefrei nach Bochum – ein Geschenk für den VfL. Denn seither ist er fast unumstrittener Stammspieler, hat nur wenige Partien verpasst. „Die Konkurrenzsituation beim Bundesligisten Mainz 05 war einfach eine andere als beim Zweitligisten VfL Bochum. Außerdem hatte ich in Mainz auch mit Verletzungen zu kämpfen. Wenn man alles aneinanderreiht, war ich da im Grunde eine komplette Saison raus“, erklärt der 26-Jährige seinen persönlichen Aufwärtstrend.

Nun kommt es sogar zum doppelten Wiedersehen mit seinem alten Arbeitgeber – am Samstag in der Bundesliga, am kommenden Dienstag dann im DFB-Pokal. „Ich freue mich extrem. Wir haben die Chance, Mainz in der Liga zu überholen und im Pokal ins Viertelfinale einzuziehen“, sagt Holtmann. Auf ihn werden viele Augenpaare gerichtet sein, denn der Linksfuß war gegen seinen Ex-Klub zuletzt schon zweimal erfolgreich: Ende 2020 im Pokal, und im Hinspiel, als er das erste Bochumer Bundesliga-Tor seit mehr als elf Jahren schoss. Holtmann umkurvte sechs verdutzte Mainzer zwischen Mittellinie und Fünfmeterraum, bevor er den Torhüter tunnelte. Dafür nominierte ihn die Sportschau nun auch für das Tor des Jahres. „Dieser Treffer war bis hierhin vielleicht der schönste meiner Karriere. In der Form wird es wohl so schnell nicht wieder passieren“, sagt er mit einem Grinsen.

Trainer Thomas Reis war zunächst wenig begeistert. „Wir standen draußen und dachten immer: schieß, schieß, schieß! Aber Gerrit lief immer weiter“, kommentierte der Trainer die Szene. Statt von der Strafraumkante direkt aufs Tor zu zielen, setzte Holtmann zum Sololauf an. „Weil ich nicht so viel Vertrauen in meinen rechten Fuß habe“, scherzte er seinerzeit. Und was sagt er heute dazu? „Es ist immer noch so, dass ich den linken Fuß bevorzuge. Aber wir arbeiten daran, dass ich für den Gegner schwerer ausrechenbar werde und somit auch mal auf den rechten wechsle, sei es bei einer Flanke oder beim Abschluss.“

Plötzlich Bochums Top-Scorer

​Ein klassischer Torjäger ist Holtmann allerdings auch mit dem linken Fuß nicht. Seine herausragende Stärke ist die Schnelligkeit. In der 2. Liga hat er sogar einen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt. Auch eine Klasse höher stellt Holtmann viele Abwehrreihen vor Probleme. An der Ballverarbeitung, an den Flanken und auch am Torabschluss müsse er weiter arbeiten, sagt Trainer Thomas Reis immer wieder. Doch erste Erfolge sind bereits zu erkennen. In 15 Bundesliga-Partien für den VfL kommt Holtmann auf zwei Tore und fünf Vorlagen. Damit ist er sogar Top-Scorer der Bochumer – und auch für die Nationalmannschaft der Philippinen wieder ein Kandidat. Gerrit Holtmann würde gerne für das Heimatland seiner Mutter spielen, erhielt im Mai 2021 seine erste Einladung. Dann aber fehlten wichtige Unterlagen. Sein Ziel bleibt klar: „Wir bleiben dran und ich hoffe, dass irgendwann ein Einsatz möglich ist.“

(Foto: Imago / Beautiful Sports)

Tief im Westen

Das VfL-Magazin wünscht frohe Weihnachten!

Liebe VfL-Fans,

ein überaus ereignisreiches, emotionales Fußballjahr liegt fast hinter uns. Ein Jahr, in dem der VfL Bochum eine Geschichte geschrieben hat, die wir uns alle gewünscht haben: die Rückkehr in die Bundesliga. In unverändert schwierigen Zeiten haben es Trainer, Mannschaft und die Verantwortlichen geschafft, euch allen Freude zu bereiten, zuletzt sogar wieder im Stadion statt nur auf der Couch. Jedes Spiel in der Bundesliga wird zelebriert, die Stimmung ist so gut wie lange nicht mehr.

Das Jahr 2022 wird leider wieder ohne Jubel auf den Tribünen beginnen. Und doch bin ich hoffnungsvoll: Dass wir uns bald alle an der Castroper Straße wiedersehen, um dort besondere Momente zu erleben. Und ganz gleich, was passieren wird: Berichte, Reportagen, Analysen und Kommentare zu dem, was die Bochumer Fanseele bewegt, werdet ihr wie gewohnt an dieser Stelle finden. Denn dank eurer Hilfe kann ‚Tief im Westen – Das VfL-Magazin‘ auch im dritten Jahr fortbestehen.

Die Zahlen für 2021 sind durchaus beeindruckend: Allein in diesem Jahr gab es exakt 126 Spenden, für die ich mich noch einmal ganz herzlich bedanken möchte. Dass die knapp 700.000 Seitenzugriffe auf insgesamt 158 Texte überhaupt möglich waren, ist auch der Verdienst eines stillen Mitstreiters im Hintergrund. Daniel Busch, natürlich VfL-Fan, kümmert sich seit der Gründung darum, dass technisch alles reibungslos läuft. Mein Dank auch an dieser Stelle.

Euch allen wünsche ich nun frohe Weihnachten, schöne Feiertage, einen ruhigen Jahresausklang und natürlich alles Gute für 2022. Und das Wichtigste: Bleibt gesund.

Ein herzliches Glück auf!

Philipp Rentsch

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Autohaus Frohn: Der VfL auf vier Rädern

Einen Vergleich mit dem VfL Bochum scheut das Autohaus Frohn keineswegs. „Wir sind ein bisschen so wie unser Klub – das kleine gallische Dorf“, sagt Serviceberater Jens Schikowski. Das Besondere: Sein Betrieb ist der letzte unabhängige, nicht zu einer Autohausgruppe gehörende Volkswagen-Partner auf Bochumer Stadtgebiet. Das Motto: „Bei uns ist der Kunde keine Nummer, wir beraten umfassend und vor allem persönlich.“ Kundinnen und Kunden wissen das zu schätzen: Viele von ihnen halten dem Familienbetrieb schon seit Jahrzehnten die Treue. Das Autohaus besteht seit nunmehr 70 Jahren und wird mittlerweile in dritter Generation geführt.  

Persönlich und kompetent

Frohn steht gleichermaßen für Tradition und Innovation. Verkauf und Werkstatt sind stets auf dem neuesten Stand und übertrumpfen mit ihrem individuellen, schnellen und kompetenten Service die namhafte Konkurrenz. Dank der ausgezeichneten Lage im Bochumer Norden mit den Nachbarstädten Castrop-Rauxel, Herne und Dortmund ist das Autohaus längst über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. „Wir stehen für kurzfristige Terminvereinbarungen und ein gutes Preis-Leistungsverhältnis“, sagt Jens Schikowski. Sein Team besteht aus langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die ihre Erfahrung nutzen, sich aber auch regelmäßig fortbilden. Nicht wenige von ihnen wurden sogar im Autohaus Frohn ausgebildet – längst keine Selbstverständlichkeit mehr.

VW-, Audi- und Seat-Partner

Überzeugt euch am besten selbst von der Kompetenz und Freundlichkeit im Autohaus Frohn und besucht das Team an der Dieselstraße in Bochum-Gerthe. Service und Verkauf sind von Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 17 Uhr für euch da, samstags außerdem von 9 bis 13 Uhr – ganz gleich, um welches Anliegen es geht. In der Werkstatt steht modernste Diagnostik für alle PKWs von VW, Audi und Seat sowie für alle Nutzfahrzeuge von VW zur Verfügung – natürlich für sämtliche Antriebstechnologien. Ebenso ist das Autohaus Frohn seit kurzem mit einer neuen Karosserierichtbank ausgestattet, sodass jegliche Karosserieschäden beseitigt werden können. Auch die Verkaufsabteilung hat immer die aktuellsten Fahrzeuge von Volkswagen vor Ort, darüber hinaus eine Auswahl an Gebrauchtwagen. Ob Kauf, Leasing oder Mietwagen: Das Autohaus Frohn ist bestens auf alle Wünsche vorbereitet!

Kontakt:

Friedrich Frohn GmbH & Co. KG
Dieselstraße 2
44805 Bochum
Telefon: (0234) 85751
E-Mail: info@auto-frohn.de
Website: www.auto-frohn.de

1:0 zum Rückrundenstart

Pantovic trifft zum Sieg – und muss trotzdem bangen

Ja, er kann es auch aus der Nahdistanz. Weitschussexperte Milos Pantovic hat dem VfL Bochum in dieser Saison schon zu zwei Heimsiegen verholfen. Am Sonntagabend gegen den VfL Wolfsburg war er nun zum dritten Mal entscheidend beteiligt. Nach einer Flanke von Gerrit Holtmann löste sich Pantovic von seinen Gegenspielern, köpfte den Ball ins Tor und brachte sein Team zum Rückrundenstart zurück in die Erfolgsspur. Vor der kurzen Winterpause hatten die Bochumer zwei Spiele verloren, nun gab einen glanzlosen 1:0-Erfolg gegen harmlose Wolfsburger. Pantovic sei Dank.

Spiel auf überschaubarem Niveau

Sein Treffer in der 65. Minute war praktisch der einzige Höhepunkt in einem eher niveauarmen Bundesliga-Spiel. Beide Mannschaften taten sich schwer, Torchancen gab es nur selten, und wenn, dann eher aus der zweiten Reihe. „Technisch haben wir uns viele Fehler erlaubt“, sagte Bochums Trainer Thomas Reis nach der Partie. Aber: „Wir haben hinten wenig zugelassen, gut verteidigt. Ich habe eine super Teamleistung gesehen.“ Reis hatte auch selbst ein glückliches Händchen, vor allem bei der Entscheidung, Erhan Masovic und Konstantinos Stafylidis zu ersetzen.

Die Wahl fiel auf Cristian Gamboa und Armel Bella Kotchap, es gab allerdings auch andere Optionen. Doch das Duo machte ein gutes, fast fehlerfreies Spiel und legte den Grundstein für den fünften Heimsieg der Saison. Außerdem beorderte der Fußballlehrer Milos Pantovic in die Startelf und nicht Eduard Löwen. „Ich kann im zentralen Mittelfeld zwischen mehreren Spielern wählen. Im Nachhinein war es natürlich die richtige Entscheidung“, freute sich der Coach über den gelungenen Start ins neue Jahr, auch wenn es noch Steigerungsbedarf gibt.

Vor allem in der Offensive. Elvis Rexhbecaj und Takuma Asano gaben in den Anfangsminuten gleich zwei Warnschüsse ab, doch allzu viel folgte danach nicht. Immerhin waren die Bochumer vor leeren Rängen die etwas aktivere Mannschaft. Auch nach dem Seitenwechsel gab es allerhöchstens Torannäherungen, aber kaum nennenswerte Chancen auf beiden Seiten. Bis die Bochumer den Ball in der eigenen Hälfte eroberten, Gerrit Holtmann eine Flanke schlug und Mittelfeldspieler Milos Pantovic dort stand, wo normalerweise ein Torjäger stehen sollte.

Neuzugang Jürgen Locadia, der erstmals zum Kader gehörte und sich schon intensiv warmmachte, musste sein Debüt anschließend verschieben. Souverän brachten die Bochumer die knappe Führung über die Zeit. Wolfsburg fiel erschreckend wenig ein, und wenn doch, dann verteidigten die Hausherren konzentriert und konsequent. Mit 23 Punkten schiebt sich der VfL auf Platz 11, bleibt auch vor den Wölfen. Nun folgen die Mainzer Wochen: Erst mit einem Auswärtsspiel in der Bundesliga, dann mit einem Heimspiel im Pokal.

Neuer Mittelfeldspieler gesucht

Ganz sicher hat Matchwinner Pantovic den Platz im Team für diese Spiele allerdings nicht, er muss bangen. Zum einen, weil Eduard Löwen nach seiner Corona-Infektion und kleineren Wehwehchen in die Startelf zurückdrängt. Zum anderen, weil der VfL noch einen Mittelfeldspieler verpflichten möchte. Die Verantwortlichen wünschen sich mehr Kreativität – warum, das war auch gegen Wolfsburg zu sehen. Dass sie deshalb Robert Zulj nach Bochum zurückholen, ist nicht ausgeschlossen, zur Stunde aber nicht wahrscheinlicher als die Verpflichtung eines ganz anderen Spielers.

(Foto: Imago / Nordphoto)

Mehr Spieler geimpft

Geisterspiele werfen Pläne des VfL durcheinander

Der VfL Bochum schaut auf ein überaus erfolgreiches und emotionales Fußballjahr zurück. Ob sich der sportliche Erfolg 2022 wiederholen lässt, hängt in erster Linie von der Mannschaft ab. Doch ob sich auch die Emotionen ins neue Jahr transportieren lassen, darauf hat sie nur teilweise Einfluss. Der Rückrundenstart zu Hause gegen Wolfsburg wird nach den Beschlüssen der Ministerpräsidentenkonferenz ohne Zuschauer stattfinden. Weitere Geisterspiele könnten hinzukommen.

Der Grund: Die wohl deutlich ansteckendere Omikron-Variante zwingt die Politik zum Handeln, und auch Geisterspiele – dieses Mal bundesweit – sind Teil der Maßnahmen. Das Robert-Koch-Institut stuft die Infektionsgefahr selbst für doppelt Geimpfte oder Genesene als „hoch“ ein, zu einer Booster-Impfung wird dringend geraten. Die vierte Corona-Welle ist noch nicht überstanden, da kündigt sich bereits die fünfte an.

Jedes Geisterspiel kostet Geld

Die neuen Einschränkungen treffen den Klub natürlich auch finanziell. Sie könnten auch Einfluss auf mögliche Wintertransfers haben, sagte Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz am Dienstag. Allerdings hat der VfL bei den Ausgaben für diese Saison schon zurückhaltend kalkuliert und womöglich noch etwas Spielraum. Die Planzahlen, die in der Mitgliederversammlung Ende Oktober präsentiert wurden, sehen einen Überschuss von rund 4,5 Millionen Euro vor. Darin sind jedoch auch Ticketeinnahmen in Höhe von rund 6 Millionen Euro enthalten, die nun teilweise wegbrechen werden. Auch bei den Sponsoring-Einnahmen drohen spürbare Einbußen, etwa für VIP-Tickets oder Bandenwerbung.

Spielabsagen wie in England, wo in der letzten Woche neun von 20 Partien nicht stattfinden konnten, müssen aus sportlicher Sicht ebenfalls einkalkuliert werden. Wobei die Impfquote in der Bundesliga deutlich höher liegt als in der Premier League. Auch der VfL versucht Spielabsagen zu verhindern und hat seine Spieler bereits boostern lassen – teilweise schon im November, teilweise nach dem Spiel gegen Union Berlin. Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz hat gegenüber ‚Tief im Westen – Das VfL-Magazin‘ außerdem verraten, dass in der Rückrunde alle Spieler den 2G-Status erfüllen werden. Heißt: Weitere Profis, die vorher abgeneigt waren, haben sich nun impfen lassen, oder sie gelten dann als genesen. Gegenüber der WAZ hat Schindzielorz zudem bekräftigt, dass der Impfstatus bei Neuverpflichtungen ebenfalls eine Rolle spielen werde.

(Foto: Firo Sportphoto)

Neuzugang

Halbes Jahr ohne Klausel: Details zum Locadia-Deal

Die ganz große Überraschung war es nicht mehr, als der VfL Bochum am frühen Donnerstagmorgen den Transfer von Jürgen Locadia verkündet hat – zumindest nicht für die Leser von Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Bereits am Abend zuvor sickerte durch, dass der Revierklub den Angreifer gerne verpflichten würde. Wenige Stunden später war die Tinte unter dem Vertrag schon trocken, letzte Details geklärt. Der 28-Jährige kommt ablösefrei aus der Premier League, wo er zuletzt für Brighton & Hove Albion gespielt hat.

Wobei er in dieser Saison nur ein einziges Mal in Englands höchster Spielklasse auflaufen durfte. Das hat den Transfer für den VfL aber erst möglich gemacht. „Ich freue mich, erneut in der Bundesliga zu spielen. Nachdem ich zuletzt wenig Einsatzzeit hatte, hoffe ich natürlich, dass sich das beim VfL ändert“, sagte Locadia vor der ersten Trainingseinheit, die er am Donnerstag direkt absolvierte. „Wir sind sehr froh, einen solch interessanten und international erfahrenen Spieler für den VfL begeistern zu können“, ergänzte Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz.

Ersatz für Zoller

Der aus den Niederlanden stammende Mittelstürmer ist 1,85 Meter groß, gilt als beweglich und körperlich robust, der das Pressing beherrscht und über einen kräftigen Abschluss verfügt. Locadia soll beim VfL die Lücke schließen, die durch die schwere Verletzung von Simon Zoller schon im Herbst entstanden war, ihre Spielweise ist vergleichbar. Bochums Neuzugang kann sowohl im Sturmzentrum – alleine oder zu zweit – als auch auf dem Flügel spielen und grenzt sich somit klar von Sebastian Polter ab.

Der hat mit sechs Toren in der Hinrunde zwar ordentlich performt, war aber über weite Strecken Alleinunterhalter im Sturmzentrum. Silvere Ganvoula hat sich in der Bundesliga bislang nicht wie erhofft durchsetzen können, und Soma Novothny hat den Verein vor wenigen Tagen in Richtung Zypern verlassen. Mit Locadia hat der VfL im Regal nun deutlich höher gegriffen, was allein diese Zahl untermauert: Für satte 17 Millionen Euro wechselte er vor vier Jahren von PSV Eindhoven zu Brighton & Hove Albion.

Vertrag bis zum Sommer

Doch wirklich durchsetzen konnte sich Locadia auf der Insel nicht. Er wechselte nach Deutschland zur TSG Hoffenheim, für die er 2019 eine Halbserie spielte und in elf Bundesliga-Partien vier Tore erzielte. Es folgte eine Leihe in die USA und schließlich die Rückkehr nach England. Nun, ein halbes Jahr vor Vertragsende, folgte er dem Lockruf des VfL Bochum und nimmt dafür auch finanzielle Einbußen in Kauf. Deshalb hat er zunächst nur für ein halbes Jahr unterschrieben. Anders war die Verpflichtung für den Klub nicht darstellbar.

Im Falle des Klassenerhalts müsste also neu verhandelt werden, eine Vertragsklausel gibt es nicht – eine weitere Zusammenarbeit ist aber keineswegs ausgeschlossen. Ohne Kompromisse geht es für den VfL bei Transfers dieser Größenordnung jedoch nicht. Die Gehaltsunterschiede zwischen einem etablierten Premier-League-Klub und einem Bundesliga-Aufsteiger sind eklatant. Locadia wird in Bochum nur einen Bruchteil dessen bekommen, was ihm Brighton zahlen konnte.

Mittelfeldspieler gesucht

Weitere Zu- und Abgänge, vielleicht auf ähnlichem Wege, sind weiter möglich. Mit Saulo Decarli, Raman Chibsah, Tom Weilandt und Tarsis Bonga dürfen vier Reservisten gehen, sie alle haben aber noch einen gültigen Vertrag. Gesucht wird noch ein zentraler Mittelfeldspieler für mehr Kreativität. Wobei die Verantwortlichen nur dann zuschlagen werden, wenn es sportlich und wirtschaftlich wirklich passt. Ohne weitere Abgänge ist ein zweiter Neuzugang nicht ausgeschlossen, aber weniger realistisch. Das Transferfenster ist noch bis zum 31. Januar geöffnet.

(Foto: Imago / RHR-Foto)