Abgänge

Bochumer Kader zu groß: Kwarteng & Elezi vor Leihe

Um allen Profis Spielpraxis zu gewähren, setzte der VfL Bochum am vergangenen Wochenende auf eine eher ungewöhnliche Maßnahme. Die Verantwortlichen vereinbarten für den Sonntag gleich zwei Testspiele: das eine gegen den Regionalligisten Wuppertaler SV (6:2), das andere gegen den niederländischen Erstligisten Heracles Almelo (1:0). Insgesamt fitte 27 Spieler kamen zum Einsatz, darunter U19-Talent Kasper Koscierski und U21-Torjäger Semin Kojic. Moritz Kwarteng und Aliou Balde blieben dagegen in beiden Partien außen vor. Trainer Dieter Hecking verzichtete auf ihre Einwechslung und setzte damit ein klares Signal. Die beiden Offensivkräfte spielen in seinen Plänen für die Rückrunde nur noch eine untergeordnete Rolle. Sie gehören zum Kreis derer, die der VfL gerne abgeben würde.  

Denn mit 31 Spielern ist der Kader nach Ansicht von Hecking zu groß. Das hat er bereits im Dezember mehrfach betont. Mit dem erst im Sommer verpflichteten Niklas Jahn sowie den Eigengewächsen Mohammed Tolba und Lennart Koerdt hat Hecking schon vor Weihnachten drei Spieler zur U21 in die Oberliga geschickt. Dort werden sie wahrscheinlich auch bleiben, es sei denn, sie finden bis zum Transferschluss am 3. Februar einen anderen, höherklassigen Klub. Der VfL würde in den meisten Fällen eine Leihe bevorzugen und den genannten Wechselkandidaten keine Steine in den Weg legen. Gleiches gilt für den eingangs erwähnten Kwarteng, der auch in seinem zweiten Bundesliga-Jahr noch weit vom gewünschten Leistungsniveau entfernt ist, aber noch bis 2027 in Bochum unter Vertrag steht. An Kwarteng soll Zweitligist Fortuna Düsseldorf interessiert sein. Der Vorteil: Spieler und Trainer kennen sich bereits.

Riemann und Balde dürfen gehen

Bei Balde indes strebt der VfL ein möglichst schnelles Ende des selbst initiierten Leihgeschäfts mit dem französischen Klub OGC Nizza an. Der Nationalspieler Guineas war erst im August nach Bochum gekommen, ist seither aber vor allem mit disziplinarischen Defiziten aufgefallen. Mehrfach kam der 22-Jährige zu spät zum Training und ließ generell die notwendige Ernsthaftigkeit vermissen. Die erste Einheit nach der kurzen Winterpause verpasste er sogar komplett, weil er keinen passenden Rückflug aus seiner Heimat zurück nach Deutschland fand – und somit wiederholt demonstrierte, an keiner Verhaltensänderung zu arbeiten. Auch Nizza und Balde selbst dürften kein Interesse daran haben, dass der flinke Flügelspieler ein weiteres Halbjahr nur auf der Tribüne sitzt. Noch blocken allerdings seine Berater.

Das ist bei Agon Elezi anders, der die Reihe der Leihkandidaten komplettiert und aktuell in Verhandlungen mit einem kroatischen Klub steht. Elezi wartet seit gut einem Jahr auf seinen ersten Bundesliga-Einsatz und wird in seiner Entwicklung nur vorankommen, wenn er Spielpraxis sammelt. Das Test-Wochenende verpasste er verletzungsbedingt. Unterdessen feierte Manuel Riemann nach einer mehr als halbjährigen Auszeit sein Comeback. Der zwischen Mai und November nicht berücksichtigte Keeper durfte gegen Wuppertal eine Halbzeit lang das Tor hüten. An seiner Rolle hat sich damit aber nichts geändert. Riemann bleibt nach Auskunft von Trainer Hecking die Nummer drei im VfL-Tor. Spätestens mit Riemanns Vertragsende im Sommer wird die Zusammenarbeit nach dann zehn Jahren enden. Sollte Riemann bereits im Winter den Verein wechseln wollen, hätten die Verantwortlichen nichts dagegen.  

Bernardo und de Wit sollen bleiben

Gleiches gilt für Paul Grave, der sich in der Torhüter-Rangfolge sogar noch hinter Riemann einsortiert. Auch Erhan Masovic, der zuletzt sogar seinen Kaderplatz verloren hat und unter Hecking allenfalls Innenverteidiger Nummer fünf ist, dürfte im Falle eines Angebots gehen – wobei in seinem Fall eine Ablöse im klar siebenstelligen Bereich fällig wäre. In der jüngeren Vergangenheit haben jedoch vor allem Klubs aus Russland angefragt. Einen Transfer dorthin hat der VfL aufgrund der politischen Lage allerdings ausgeschlossen. So oder so: Insgesamt neun Spieler stehen derzeit auf der Liste der potenziellen Abgänge. Bernardo, Dani de Wit, Samuel Bamba und Mats Pannewig gehören entgegen diverser Spekulationen nicht dazu. Mit ihnen plant Trainer Hecking fest für die mindestens 19 Partien bis Mitte oder Ende Mai. 

Bei Bamba und Pannewig sehen die Verantwortlichen eine ansteigende Formkurve, die notwendige Lernbereitschaft und noch unausgeschöpftes Entwicklungspotenzial. Bernardo wiederum, der im zurückliegenden Sommer seinen Wechselwunsch geäußert hatte, gehört seit seinem Comeback Ende November wieder fest zur Bochumer Startelf und hat entscheidend dazu beigetragen, die Gegentorflut einzudämmen. Bei ihm hat sich Hecking klar für einen Verbleib ausgesprochen. Sollte kein unmoralisch hohes Angebot samt Ablöse für den Defensiv-Allrounder eingehen, wird er auch in den kommenden Monaten das Bochumer Trikot tragen. Das gilt schließlich auch für Dani de Wit. Der designierte Stöger-Nachfolger und Hoffnungsträger fürs Mittelfeld hat seinen Stammplatz zwar verloren und ist den Erwartungen bislang in keinster Form gerecht geworden, will sich beim VfL aber durchbeißen und einen neuen Anlauf nehmen.

Dieser Artikel wurde nach seiner Veröffentlichung um neue Informationen zu den Spielern Kwarteng und Elezi ergänzt.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Debatte

VfL-Kolumne: Das (Halb-)Jahr der Weichenstellungen

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Einmal pro Woche gibt es einen kurzen Kommentar zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die Schlüsselmomente der ersten Jahreshälfte.

Wegweisend ist ein Wort, das wir Journalisten gerne und fast inflationär nutzen, um die Bedeutung eines Ereignisses hervorzuheben. Manchmal ist dieses Wort aber wirklich zutreffend. Das Spiel gegen Heidenheim kurz vor Weihnachten war für den VfL Bochum ganz sicher wegweisend. Im Falle einer Niederlage wäre der Abstand auf den Relegationsplatz derart groß geworden, dass nur noch ein Fußballwunder geholfen hätte, um den Klassenerhalt doch zu schaffen. Und jetzt? Dank des Sieges sind vier Punkte Rückstand in noch 19 verbleibenden Partien definitiv aufholbar. Vielleicht sind es am 9. Januar sogar nur noch zwei Zähler auf Heidenheim, sofern das Sportgericht dem VfL einen weiteren Sieg am grünen Tisch zuspricht. Der Ausgang ist jedoch völlig offen.

Konzentrieren wir uns also besser auf das, was in den eigenen Händen liegt. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2025 stehen drei große Weichenstellungen bevor. Erstens: Die Winter-Transferperiode. Ja, die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking hat zuletzt endlich ihre Bundesligatauglichkeit bewiesen. Aber das Gebilde ist auf einigen Positionen weiterhin fragil. Echte Verstärkungen würden die Wahrscheinlichkeit des Klassenerhalts erhöhen. Ein Abstieg würde den VfL zurückwerfen, weil ein Wiederaufstieg nicht planbar ist.

Zweitens: Die Verpflichtung des neuen Sportchefs als wichtige Führungskraft und Entscheider. Ob dieser nun als Geschäftsführer Sport oder als Sportdirektor betitelt wird, ist zweitrangig – wobei Ersteres die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der VfL den für ihn bestmöglichen Kandidaten bekommt. Die Frage ist nur: Wer wählt ihn aus? Das Präsidium ist in der Vergangenheit nicht mit einer besonderen Marktkenntnis aufgefallen. Einzig Ilja Kaenzig könnte an dieser Stelle helfen.

Und drittens: Die Präsidiumswahl. Nach den Differenzen im jetzigen Gremium braucht es ein Team, das den VfL mit einer Mischung aus Präsenz und Zurückhaltung, mit Entschlossenheit und Fachexpertise in die Zukunft führt. Die Wahl liegt in den Händen der Mitglieder. Ihre Entscheidung wird die weitere Entwicklung ihres Klubs maßgeblich beeinflussen. Oder anders gesagt: Wegweisend sein.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Neuzugänge

Der Transferplan von Kaenzig & Hecking – Kramer kein Kandidat

Für die Klub-Verantwortlichen im Fußball gibt es im Grunde nur drei ruhige Tage im Jahr. Vom 24. bis zum 26. Dezember pausiert das Geschäft. Anschließend geht es in gewohnter Weise weiter. Vor allem dann, wenn die anstehende Transferperiode genutzt werden soll, um den eigenen Kader zu verstärken. Das ist beim VfL Bochum in diesem Winter der Fall. Das Ziel ist klar: Der Revierklub möchte den Klassenerhalt schaffen und die Mannschaft deshalb so umbauen, dass sie in der Rückrunde deutlich erfolgreicher spielt als in den ersten 15 Partien dieser Saison. Punktuelle Verstärkungen sollen helfen, bestehende Kaderlücken zu schließen und die Qualität anzuheben. Weil ein neuer Sportchef wahrscheinlich erst im Februar oder März kommen wird, sind Geschäftsführer Ilja Kaenzig und Trainer Dieter Hecking für die Transfers zuständig. Hecking darf Wünsche äußern, Kaenzig kümmert sich um die Abwicklung.

Transferphase bis 3. Februar

Doch Hecking dämpft die Erwartungen: „Die Transferphase im Winter ist traditionell schwierig. Wir müssen die Erwartungshaltung zurückfahren, zumal nicht alle Spieler ‚Hurra‘ schreien werden, wenn der Tabellenletzte aus Bochum anruft.“ Immerhin hat der Sieg gegen Heidenheim kurz vor Weihnachten geholfen, um den Glauben an den Klassenerhalt aufrechtzuerhalten. Hecking blickt dennoch mit gewohntem Pragmatismus auf die Wochen bis zum Transferschuss am 3. Februar: „Wenn wir am Ende keinen neuen Spieler finden, dann müssen wir die besser machen, die schon da sind.“ Die nötigen Finanzmittel für zwei, maximal drei Verstärkungen auf VfL-Niveau sind vorhanden. Dass Ex-Trainer Thomas Letsch kürzlich bei RB Salzburg untergekommen ist und damit nicht mehr auf der Bochumer Gehaltsliste steht, hilft zusätzlich. „Das Problem ist weniger das Finanzielle“, erklärte Kaenzig jüngst in einer Medienrunde.

Fokus auf Offensivspielern

Deutlich schwieriger sei es, „Spieler zu finden, die uns sofort weiterhelfen.“ Der VfL hat vor allem deutschsprachige Profis mit Bundesliga-Erfahrung in den Blick genommen, die besser sein sollen als die vorhandenen Stammkräfte. Leihgeschäfte bis zum Sommer werden aus Kostengründen bevorzugt, langfristige Verträge mit einem Abstiegskandidaten schließt zum gegenwärtigen Zeitpunkt ohnehin niemand ab, der die genannten Kriterien erfüllt. Weil sich die Defensive zuletzt stabilisiert hat, haben Kaenzig und Hecking nach jetzigem Stand vor allem Offensivkräfte ins Visier genommen. Der bislang harmlose Angriff könnte verstärkt werden, ebenso wie die dünn besetzte offensive Außenbahn. Auch ein Spielgestalter fehlt. Womöglich gelingt es, mit einem Neuzugang gleich zwei Positionen abzudecken, damit der Kader für die Rückrunde nicht zu groß wird. Schon jetzt stehen 31 Profis unter Vertrag.

Erstes Ligaspiel am 11. Januar

Namen von potenziellen Neuzugängen sind bislang noch keine durchgesickert, wobei naheliegend ist, über welche Spieler intern diskutiert werden dürfte. Da wäre zum Beispiel Mittelfeld-Allrounder Florent Muslija vom SC Freiburg, der schon im vergangenen Jahr auf der Kandidatenliste stand. Auch Florian Neuhaus, den Hecking noch aus Mönchengladbach kennt, oder Angreifer Karim Onisiwo von Mainz 05 würden ins Beuteschema passen. Sie alle haben in der Hinrunde nur selten gespielt. Das Problem: Der VfL muss darauf hoffen, dass ihm die abgebenden Vereine finanziell entgegenkommen. Auch deshalb ist nicht damit zu rechnen, dass zum Trainingsauftakt am 2. Januar bereits ein Neuzugang dabei sein wird. Womöglich muss sich der VfL noch einige Tage oder gar Wochen gedulden – auch wenn die zweite Saisonhälfte bereits wieder am 11. Januar mit einer englischen Woche beginnt.

Kein Gespräch mit Kramer

Kein Thema ist entgegen anderslautender Meldungen eine Rückkehr von Christoph Kramer. Der 33-Jährige trug bereits zu Beginn seiner Profikarriere das Trikot des VfL und befindet sich seit seiner Vertragsauflösung in Mönchengladbach im August auf Vereinssuche. Kaenzig wurde kürzlich von der BILD direkt auf Kramer angesprochen „Er war schon Spieler von Dieter Hecking, die beiden hatten ein gutes Verhältnis zueinander. Wir brauchen auch verrückte Ideen, einen anderen Blickwinkel“, sagte Kaenzig. Ein Neuzugang müsse die Mannschaft „auf und neben dem Platz besser machen. Mit 08/15-Lösungen werden wir den Verein nicht retten.“ Fakt ist aber: Der VfL hat mit Kramer bislang nicht gesprochen und sucht auch gar nicht für diese Position. Zudem ist fraglich, ob Kramer dem VfL überhaupt schon zeitnah weiterhelfen würde. Der defensive Mittelfeldspieler hat sein letztes Mannschaftstraining vor vier Monaten absolviert.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Rückblick

Frohe Weihnachten & danke für eure Treue im Jahr 2024!

Liebe Leserinnen und Leser,

kurz habe ich darüber nachgedacht, an dieser Stelle einen ganz klassischen Jahresrückblick zu veröffentlichen, in dem ich noch einmal auf die bewegendsten Momente der vergangenen zwölf Monate eingehe. Viel ist passiert beim VfL Bochum, auf und neben dem Platz. Doch zum einen habe ich die wichtigsten Ereignisse hoffentlich schon hinreichend dargestellt, zum anderen waren Highlights, auf die wir gerne zurückschauen, eher rar. Natürlich, da war der fulminante Sieg in der Relegation oder die drei Punkte gegen Bayern München. Wirklich zufriedenstellend verlief das Jahr 2024 für den VfL aber nicht, ganz im Gegenteil. Nur wenige Erfolgserlebnisse, mehrere Trainerwechsel sowie zahlreiche Themen abseits des Rasens haben das Kalenderjahr geprägt. Setzen wir am besten schnell einen Haken dahinter. Der Sieg gegen Heidenheim kurz vor Weihnachten schenkt allen Anhängern neue Hoffnung für ein besseres und hoffentlich auch ruhigeres Jahr 2025.

Viel zu oft gab es neue Entwicklungen, die eine möglichst tagesaktuelle Berichterstattung erfordert und das selbst auferlegte Zeitkonto abermals gesprengt haben. Den 170 veröffentlichten Texten gingen hunderte Gespräche und Telefonate sowie tausende Reisekilometer zu den Spielen des VfL voraus. Das Erfreuliche: Mit erstmals mehr als zwei Millionen Seitenaufrufen hat sich Tief im Westen – VfL-Magazin längst unter den zehn größten verlagsunabhängigen Klub-Portalen etabliert. Möglich war und ist dies nur dank der Unterstützungsbereitschaft zahlreicher Leserinnen und Leser, die in den zurückliegenden zwölf Monaten zur Finanzierung des Magazins beigetragen haben und sich vermehrt für eine monatliche Zuwendung entschieden haben. Der Kreis der einmaligen oder regelmäßigen Unterstützerinnen und Unterstützer umfasst mittlerweile mehr als 600 Fans und Sympathisanten des VfL. Dafür einen ganz herzlichen Dank! 

Da die Winterpause kurz ist, wird es an dieser Stelle keine komplette Ruhepause geben. Allerdings wird die Berichterstattung bis zum Wiederbeginn der Saison vom Umfang reduziert sein. Ich wünsche euch nun ein frohes Weihnachtsfest, schöne Feiertage sowie einen guten, glücklichen und vor allem gesunden Start ins (Fußball-)Jahr 2025!

Glück auf!

Euer Philipp Rentsch


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(Fotos: Marc Niemeyer)

2:0-Sieg gegen Heidenheim

Bochumer Weihnachtsgeschenk: Erster Sieg und neue Hoffnung

Oft sagen Bilder mehr als viele Worte. Als Moritz Broschinski bereits in der sechsten Spielminute das 1:0 für den VfL Bochum im Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim erzielte, strahlte er mindestens so wie ein glücklickes Kind, das gerade das ersehnte Weihnachtsgeschenk auspackt. Selbst der häufig eher skeptisch wirkende Dieter Hecking jubelte beim 2:0 durch Matus Bero auf eine ungewohnt extrovierte Art. Wobei: Allzu viele Gelegenheiten für einem Gefühlsausbruch hatte er als Trainer in Bochum ja noch nicht. Umso größer war die Freude bei ihm, bei allen Spielern, Mitarbeitern und Verantwortlichen, dass der VfL pünktlich zu den bevorstehenden Festtagen endlich den ersten Saisonsieg einfuhr. Exakt 209 Tage waren seit dem zuvor letzten Pflichtspielsieg in der Relegation vergangen. 

Abstand auf Heidenheim verkürzt

Im Gegensatz zum Duell in Düsseldorf hatte die Partie gegen Heidenheim zwar noch keinen Endspiel-Charakter, das bislang wichtigste Spiel der Saison war es dennoch. Im Falle eines Auswärtssieges wäre der Bochumer Rückstand zum Relegationsplatz auf zehn Punkte angewachsen und der Klassenerhalt fast aussichtlos geworden. Mit dem ersten Saisonsieg sind es jetzt aber nur noch vier Punkte auf Heidenheim. Die Bochumer Hoffnung auf den Verbleib in der Bundesliga ist somit mehr als berechtigt. „Wir sind herangerobbt, haben aber noch nichts erreicht“, sagte Trainer Hecking nach dem hochverdienten 2:0-Erfolg. „Wir sind auf dem richtigen Weg und wissen, dass wir im neuen Jahr mehr Siege als die anderen brauchen.“ Vor allem mit den treuen und optimistischen Fans sei „vieles möglich.“ 

Laufintensiv und leidenschaftlich

Auch an diesem Sonntag hat der VfL die besondere Atmosphäre an der Castroper Straße für sich genutzt und das Publikum mit dem frühen Führungstreffer optimistisch gestimmt. Moritz Broschinski erzielte sein erstes Tor seit Februar und freute sich sehr darüber: „Für uns alle ist das ein kleines Vorweihnachtsgeschenk.“ Trotz der Ausfälle von Koji Miyoshi und Gerrit Holtmann, der kurzfristig doch aussetzen musste und das Spiel mit den Fans in der Ostkurve verfolgte, war der VfL von Beginn an die spielbestimmende Mannschaft, vor allem dank einer leidenschaftlichen, laufintensiven, defensiv disziplinierten und auch fußballerisch ansprechenden Leistung. „So muss es aussehen, wenn wir erfolgreich sein möchten“, betonte Hecking, den insbesondere die wiedergefundene Stabilität der Abwehr erfreute. 

VfL-Defensive deutlich stabilisiert

Seit seinem Amtsantritt hat der VfL im Schnitt lediglich einen Gegentreffer pro Partie kassiert. Zuvor waren es mehr als drei. Gegen Heidenheim hielt der Revierklub sogar zum ersten Mal seit 30 Bundesliga-Spielen die Null auf der richtigen Seite. Insbesondere die Rückkehr von Bernardo, aber auch Tim Oermann und Ivan Ordets haben zur erfolgreichen Neuordnung der Defensive beigetragen. Auch das zentrale Mittelfeld mit Matus Bero und Ibrahima Sissoko harmoniert immer besser; Hecking bezeichnete die beiden gar als „Herzstück“ seines Teams. Zum Dank gab es bei Sissokos Auswechslung einen Sonderapplaus – dem sich sogar Anthony Losilla anschloss. Der Kapitän fasste die Gefühlslage aller Bochumer treffend zusammen: „Diesen Sieg haben wir gebraucht. Wir gehen mit einem guten Gefühl in die Pause.“ 

Englische Woche zum Start 2025

Nach zehn freien Tagen geht es am 2. Januar mit dem ersten Training und am 5. Januar mit einem Doppel-Test gegen Heracles Almelo und den Wuppertaler SV weiter. Auf ein Trainingslager verzichtet der VfL, denn: Die zweite Saisonhälfte beginnt bereits am 11. Januar auswärts gegen Mainz 05. Es folgt eine englische Woche mit zwei Heimspielen, unter anderem gegen Mitkonkurrent St. Pauli. Auf die ersten Punkte im neuen Jahr hofft der VfL aber schon am 9. Januar, wenn über den Einspruch und die Spielwertung gegen Union Berlin entschieden wird. Ein Erfolg vor dem Sportgericht würde den Abstand zur Konkurrenz weiter verkürzen. So oder so ist klar: Die hoffnungsstiftende Tabellenkonstellation hilft auch bei der Suche nach neuen Spielern. Der VfL möchte in erster Linie seine Offensive verstärken. 


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(Foto: Marc Niemeyer)

Jahresabschluss

Vorwürfe gegen Drewes: Kein Urteil vor Sechs-Punkte-Spiel

Die Hoffnung, dass der VfL Bochum noch vor dem nahenden Weihnachtsfest insgesamt fünf Punkte verbuchen kann, hat sich zerschlagen. Über den Einspruch gegen die Spielwertung vom vergangenen Wochenende entscheidet das DFB-Sportgericht erst am 9. Januar. Aus eigener Kraft wäre am Sonntag gegen den 1. FC Heidenheim dennoch der erste Saisonsieg möglich, womit der Revierklub den Rückstand auf den direkten Konkurrenten reduzieren könnte. Bei dann vier Punkten Unterschied wäre in der zweiten Saisonhälfte noch alles möglich und der Glaube an den Klassenerhalt deutlich größer als noch vor wenigen Wochen. Das gilt für Spieler und Fans gleichermaßen. „Wir dürfen die Partie gegen Heidenheim nicht mit Bedeutung aufladen. Aber die Spieler sagen ja sogar selbst, dass wir dieses Duell gewinnen müssen“, berichtete Trainer Dieter Hecking bereits nach dem Spiel bei Union Berlin, das ein unrühmliches Ende nahm. 

Kaenzig reagiert verwundert

VfL-Torwart Patrick Drewes wurde in der Nachspielzeit von einem Feuerzeug am Kopf getroffen und sah sich nicht mehr in der Lage weiterzuspielen. Die Begegnung endete nach einer längeren Unterbrechung mit einem Nicht-Angriffspakt. Der in Unterzahl spielende VfL profitierte zwar einerseits davon, weil das Unentschieden damit sicher war, den Bochumer wurde zugleich aber eine Siegchance genommen. Deshalb und auf Grundlage des Regelwerks legten die Verantwortlichen zu Wochenbeginn Einspruch gegen die Spielbewertung ein. Zwei weitere Punkte am sogenannten grünen Tisch würden dem VfL im Abstiegskampf natürlich helfen. Wobei Geschäftsführer Ilja Kaenzig irritiert auf Vorwürfe aus Berlin reagiert, der VfL wolle die Situation schlicht ausnutzen. „Wir haben den Konflikt nicht gesucht. Wir wären mit dem einen Punkt, den wir uns mit zehn Mann hart erkämpft haben, zufrieden gewesen“, sagte er der WAZ.

Kaenzig stellte klar: „Nicht wir haben das Feuerzeug geworfen, sondern jemand aus dem Fanblock von Union Berlin. Patrick Drewes wurde getroffen. Punkt.“ Der 51-Jährige kennt die Problematik, war der VfL im März 2022 doch selbst betroffen, als aus dem Heimbereich im Ruhrstadion ein Becher auf den Schiedsrichter-Assistenten flog, das Spiel abgebrochen und gegen die Bochumer gewertet wurde. „Das kann überall, auch bei uns, immer wieder passieren. Solch ein Verhalten muss dann bestraft werden“, bekräftigte Kaenzig. Fans der Köpenicker fluten derweil die Kommentarspalten in den sozialen Netzwerken und lenken von der eigentlichen Tat ab. Zur Wochenmitte gab es unter einem älteren Instagram-Beitrag von Patrick Drewes mehrere hundert hämische und zum Teil auch beleidigende Kommentare. Selbst unter einem Facebook-Beitrag zum Weihnachtssingen im Ruhrstadion – womit der VfL gar nichts zu tun hatte – ging es fast nur um Drewes und dessen Reaktion. Dem 31-Jährigen wird Schauspielerei unterstellt.

Keine Entschuldigung aus Berlin

Der VfL hat seinem Schlussmann bereits rechtliche Unterstützung zugesichert. Schon im Stadion wurde Drewes von den Zuschauern angefeindet und beleidigt. Die Berliner Verantwortlichen haben noch keine Entschuldigung ausgesprochen und werden dies nach eigener Aussage auch nicht tun. Im Gegensatz zum VfL, der seinerzeit nach dem Becherwurf die Schuld sofort auf sich nahm, sehen sich die Berliner für die Tat nicht verantwortlich. Das passt ins Gesamtbild. Schon während der Spielunterbrechung dauerte es auffallend lange, ehe der sonst so eloquente, einfühlsame und einflussreiche Stadionsprecher das Wort ergriff. Auch die Kommunikation nach der Partie war eher zurückhaltend und zum Teil von Relativierungen geprägt. Nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin aus dem Umfeld der Berliner gab es vor allem Verwunderung darüber, dass sich Drewes, der laut VfL über Übelkeit und Kopfschmerzen klagte, sogar in eine Klinik bringen ließ, obwohl die Bochumer einen eigenen Arzt dabei hatten.

Nachdem dort keine Verletzung festgestellt werden konnte, soll sich Drewes recht schnell auf den weiten Heimweg begeben haben. Zu Wochenbeginn pausierte die Nummer eins des VfL, trainierte nur im Kraftraum und nicht auf dem Platz. „Es war extrem, was in den sozialen Medien auf ihn eingeprasselt ist, wer sich alles geäußert hat und wie sich geäußert wurde. Ich glaube, das unterschätzen viele, was sich bei ihm mental abgespielt hat nach dem Feuerzeugwurf“, sagte Trainer Dieter Hecking in einer Medienrunde. Erst am Donnerstag kehrte Drewes auf den Trainingsplatz zurück und wird auch am Wochenende das Bochumer Tor hüten. Fehlen wird indes Koji Miyoshi, der nach seinem Platzverweis gegen Union für zwei Partien gesperrt wurde. Der zuletzt angeschlagene Gerrit Holtmann steht indes zur Verfügung. 


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(Foto: Marc Niemeyer)

Neuer Vertrag

„Zug nach Nirgendwo“: Chef von Vonovia rügt VfL-Führung

Beim VfL Bochum war mal wieder Tag der offenen Tür. Die Stadiontore standen am Freitagmittag sperrangelweit offen, und für jeden Spaziergänger war auf den Stadionleinwänden schon zu sehen, was eine gute Stunde später offiziell verkündet werden sollte: Hauptsponsor Vonovia hat den Vertrag mit dem Bundesligisten bis 2028 verlängert. Tief im Westen – Das VfL-Magazin hatte darüber bereits am Donnerstag berichtet. Für den Klub handelt es sich zweifellos um einen wichtigen Deal, der Planungssicherheit bietet, und zwar ligaunabhängig. „Für uns ist es ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk“, sagte VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig in einer Medienrunde und betonte: „Abschlüsse dieser Art sind angesichts der gesamtwirtschaftlichen Lage nicht selbstverständlich.“ 

Wichtigster VfL-Sponsor

Vonovia hält bereits seit 2016 die Namensrechte am Ruhrstadion. Nach der Bundesliga-Rückkehr im Jahr 2021 stieg der DAX-Konzern mit Sitz in Bochum auch als Haupt- und Trikotsponsor beim VfL ein. Für den Klub ist Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen der mit deutlichstem Abstand wichtigste Partner auf der Sponsorenebene. In Summe überweist Vonovia dem VfL jährlich einen mittleren einstelligen Millionenbetrag. Im Abstiegsfall wäre es naturgemäß weniger. Damit es dazu nicht kommt, hat Vonovia-Vorstand Arnd Fittkau die Vereinsführung bei der Bekanntgabe der Vertragsverlängerung in ungewohnter Deutlichkeit ermahnt und öffentlich kritisiert: „In meiner Rolle als Fan sehe ich zu viele Ereignisse, die nicht für Kontinuität stehen.“ 

Fittkau vermisst Kontinuität

Fittkau zählte die Namen der geschassten Trainer und Manager auf, die er sich zuvor extra notiert hatte. „Und das alles in nur acht, neun Monaten“, fügte er vielsagend hinzu. Statt sich zurückzuhalten, wie es Fittkau in all den Jahren zuvor getan hat, machte er aus seinem Herzen keine Mördergrube und blickte kritisch auf die sportliche und außersportliche Lage: „Wenn die Erdmännchen-Klasse aus Bochum noch ein neues Lied präsentieren würde, wäre es wahrscheinlich ‚Es fährt ein Zug nach Nirgendwo‘.“ Fittkau sprach eine „herzliche Einladung zu mehr Kontinuität und Nachvollziehbarkeit“ bei der Entscheidungsfindung aus. Der 51-Jährige hatte sich zuletzt unter anderem für eine außergerichtliche Einigung in der Angelegenheit um den ausgemusterten Manuel Riemann eingesetzt. 

Fittkau zur Causa Riemann

Auf Nachfrage von Tief im Westen – Das VfL-Magazin erklärte Fittkau die Gründe dafür: „Manuel Riemann spielt seit neun Jahren für den VfL, er ist ein toller Fußballer mit Verdiensten für den Klub. Die einen mögen ihn, die anderen mögen ihn nicht. Aber für solche Typen gehe ich ins Stadion.“ Dass sich Riemann und der VfL Bochum im November beinahe vor Gericht getroffen hätten, fand er „unglücklich.“ Fittkau betonte: „Kern unseres Vereins sollte ein guter Umgang miteinander sein. Und im Ruhrgebiet setzt man sich bei Differenzen an einen Tisch und versucht eine Lösung zu finden.“ Diese Gesprächsbereitschaft haben Teile der Bochumer Führungsriege über Monate vermissen lassen, ehe es kurz vor dem Gerichtstermin doch noch zur einer Lösung kam.

Viel Planungssicherheit

Hinderlich für den erneuten Vertragsabschluss waren all diese Aspekte jedoch nicht. Trotz der Krisenstimmung gelang dem VfL sogar ein Deal, der nicht nur eine Spielzeit umfasst, sondern gleich drei. Damit hat der VfL mit sämtlichen Sponsoren der ersten Reihe ligaunabhängige Verträge vereinbart, die den ungewissen Saisonausgang überdauern. Bis 2026 läuft der Vertrag für die Namensrechte des Stadions, selbiges gilt für alle Werbeleistungen der Stadtwerke Bochum. Ausrüster Mizuno bleibt bis mindestens 2027 an Bord, Haupt- und Trikotsponsor Vonovia noch ein Jahr länger. Die Zusammenarbeit mit Ärmelsponsor Mtel wurde sogar für fünf Jahre, also bis 2029, geschlossen. Auch die aus Fansicht wichtige Kooperation mit der Fiege-Brauerei ist bis 2026 vereinbart.


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(Foto: Imago / RHR-Foto)