Vereinsspitze

Präsidiumswahl 2025: Neue Teams aus zwei Lagern

Es kam aus heiterem Himmel: Noch vor der obligatorischen Aussprache kündigte Uwe Tigges in der Mitgliederversammlung des VfL Bochum vor gut einer Woche vorgezogene Neuwahlen an. Bereits im Sommer 2025 statt turnusmäßig im Herbst 2026 dürfen die mehr als 31.000 Mitglieder in einer außerordentlichen Versammlung ein neues Aufsichtsgremium wählen. Die Neuwahl soll möglichst schnell nach dem Ende der laufenden Saison stattfinden, also Ende Mai oder im Juni. Tigges und seine Mitstreiter haben damit unter anderem auf den größer werdenden Druck und die Kritik an der Arbeit des Präsidiums reagiert. Im Vorfeld der Sitzung hatte es einen nicht satzungskonformen Antrag von Vereinsmitglied Carsten Loer gegeben, der darauf abzielte, das aktuelle Präsidium abzuwählen.

Tenhagen hält zu Villis

Für die Einberufung einer außerordentlichen Versammlung seitens der Mitglieder bedarf es seit kurzem eigentlich einer Zustimmung von mindestens 10 Prozent aller Wahlberechtigten. Dieses Quorum ist nun hinfällig, weil das Präsidium selbst Neuwahlen ausgerufen hat. Ein weiterer Grund für diese Entscheidung liegt auf der Hand: Innerhalb des Gremiums sind in den vergangenen Monaten zwei Lager entstanden. Uwe Tigges, Martin Volpers, Christina Reinhardt und Andreas Eickhoff haben sich nach umfassenden Recherchen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin deutlich von Hans-Peter Villis, dem bisherigen Vorsitzenden, distanziert. Jupp Tenhagen gilt als einziger Verbündeter von Villis. Das Präsidium wird von Volker Goldmann komplettiert, der Vorsitzender des Wirtschaftstrates ist.

Ausweichende Antworten

Bereits im Oktober soll das genannte Quartett eine Abwahl von Villis geplant haben, wozu es allerdings nicht kam, weil sich der seit 2012 amtierende Vorsitzende aus „gesundheitlichen Gründen“ vorübergehend zurückgezogen hat. Diese sollen aber nur ein Vorwand sein, um die zunächst inhaltlichen und mittlerweile auch zwischenmenschlichen Differenzen innerhalb des Präsidiums zu überdecken. Mehrfach und auch öffentlich haben Tigges, Volpers und Co. dieser Darstellung bislang widersprochen. Nachfragen von Mitgliedern wurden ausnahmslos umschifft und nicht konkret beantwortet. Tigges sagte lediglich: „Unsere Handlungsfähigkeit ist nicht eingeschränkt.“ Reibungspunkte seien „normal“ und fast alle Entscheidungen in der jüngeren Vergangenheit einstimmig getroffen worden.

Kritik an Führungsstil

Villis, der auf einen Besuch der Mitgliederversammlung am Donnerstag verzichtete, soll sich nach Ansicht seiner internen Kritiker mehrfach nicht an Absprachen gehalten und nach außen nicht die nötige Geschlossenheit demonstriert haben. Ein Streit entzündete sich unter anderem an der Entscheidung für Trainer Peter Zeidler. Villis hatte sich im zurückliegenden Sommer für eine Verpflichtung von Andre Breitenreiter ausgesprochen und nach dem Fehlstart früh gegen Zeidler positioniert, nicht nur intern. Mehrere Präsidiumsmitglieder haben sich zudem für eine klare Aufgabenverteilung innerhalb des Gremiums ausgesprochen, die Villis angeblich torpediert haben soll. Der 66-Jährige verzichtete bislang auf eine öffentliche Reaktion, zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

Villis-Rückkehr denkbar

Weil aufgrund belastbarer Quellen fraglich ist, ob Villis wirklich so krank ist, wie es von Vereinsseite bislang dargestellt wurde, ist mit seiner baldigen Rückkehr zu rechnen. Da Villis im Präsidium keine Mehrheit mehr hat, ist eine Abwahl jederzeit möglich. Dann wäre er kein Vorsitzender mehr, jedoch nach wie vor Mitglied des Präsidiums. In diesem Fall würden seine Kritiker jedoch ihrer bisherigen Darstellung widersprechen und erstmals öffentlich bestätigen, dass es erhebliche Differenzen gibt. Gleiches gilt für eine getrennte Kandidatur im Sommer 2025. Optimale Voraussetzungen für bevorstehende Weichenstellungen sind das freilich nicht. Weil erst in knapp sechs Monaten gewählt werden soll, ist das Präsidium noch unter anderem an der Verpflichtung eines neuen Sportchefs beteiligt.

Wahl mit neuen Teams

So oder so ist klar: Das jetzige Präsidium wird spätestens zur Neuwahl auseinanderbrechen. Mindestens ein Mitglied möchte nicht mehr antreten, zudem muss der Fanvertreter neu gewählt werden. Zumindest Uwe Tigges und Christina Reinhardt dürften erneut ins Rennen gehen, benötigen aber neue Mitstreiter. In der Satzung des VfL ist eine Blockwahl vorgesehen. Einem Team müssen fünf Personen angehören. Auch mit einer erneuten Kandidatur von Hans-Peter Villis ist zu rechnen, der sich ebenfalls ein neues Team zusammenstellen müsste. Dank der Vorlaufzeit ist davon auszugehen, dass sich noch weitere Gruppen bilden werden. Im Jahr 2022 war der langjährige Mannschaftsarzt Karl-Heinz Bauer gegen das jetzige Präsidium angetreten, unterlag mit seinem Team allerdings.

Ehrenamt mit viel Arbeit

Bauer hatte unter anderem die Führungskultur kritisiert und mehr personelle Kontinuität angemahnt. Wesentliche Besserung ist seither nicht eingetreten, im Gegenteil. Bauer bekam seinerzeit rund ein Drittel der Stimmen. Seine Kandidatur war in erster Linie nicht an ihm, sondern an der Besetzung des Teams gescheitert, das zumindest in einem Fall keinen VfL-Bezug vorweisen konnte. Für die Bildung von Wahlblöcken ist grundsätzlich die Findungskommission zuständig, wobei sich sowohl Einzelkandidaten als auch ganze Gruppen bewerben können. Die Arbeit im Präsidium ist und bleibt ein Ehrenamt, das nach Auskunft aktueller und ehemaliger Gremiumsmitglieder einen hohen Zeitaufwand erfordert. Auch deshalb kommen viele potenzielle Kandidaten aufgrund ihrer beruflichen Situation kaum infrage.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Klubführung

Neuer VfL-Sportchef erst 2025 – Millionen-Kosten für Ehemalige

Wer dieser Tage durchs vierte Stockwerk des Bochumer Stadioncenters und damit durch die Chefetage läuft, dem fällt auf, dass in einigen Büros derzeit trotz der dunklen Jahreszeit kein Licht brennt. Der Sport-Geschäftsführer und der Sportdirektor, die sich ein Büro geteilt haben, sind schon länger nicht mehr im Amt, und auch der Direktor für Marketing und Vertrieb hat den VfL Bochum Ende November verlassen. Tim Jost, der erst Anfang 2023 von Holstein Kiel an die Castroper Straße gewechselt war, hat ein verlockendes Angebot erhalten und angenommen. Er arbeitet ab sofort als einer von vier Geschäftsführern für die TSG Hoffenheim. „Tim hat maßgeblichen Anteil an der positiven Geschäftsentwicklung des VfL in der jüngeren Vergangenheit“, sagt VfL-Chef Ilja Kaenzig zum Abschied von Jost.

Vonovia bleibt weiter Hauptsponsor

Der 38-Jährige hat sich mit seiner empathischen und verlässlichen Art sowie mit seiner kreativen Arbeitsweise über die Grenzen von Bochum hinaus einen Namen gemacht hat. Mit Jost verliert Kaenzig einen weiteren wichtigen Zuarbeiter, der vor allem die Gespräche mit den wichtigsten Sponsoren geführt hat, unter anderem mit Hauptsponsor Vonovia. Nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin und der WAZ ist es Jost und seinem Team gelungen, den am Saisonende auslaufenden Vertrag ligaunabhängig zu verlängern, obwohl der DAX-Konzern die sportliche und außersportliche Lage zuletzt mit großer Skepsis beobachtet hat. Vonovia-Vorstand Arnd Fittkau hatte sich zuletzt unter anderem für einen wertschätzenderen Umgang mit dem lange Zeit aussortierten Torhüter Manuel Riemann eingesetzt.

Zwei Direktoren-Posten unbesetzt

Auch wenn dieses Thema nun geklärt ist, landen mit dem Abgang von Jost weitere Aufgaben auf dem ohnehin schon vollen Schreibtisch von Kaenzig, der seit einem halben Jahr alleiniger Geschäftsführer ist. Direkt unter ihm wurden insgesamt neun Direktoren-Posten geschaffen, neuerdings beispielsweise auch für Kommunikation oder den Frauenfußball. Die vielleicht wichtigsten für Marketing und Vertrieb sowie für die Profiabteilung sind derzeit unbesetzt. Für Neueinstellungen ist Kaenzig verantwortlich, wobei das Präsidium speziell bei der Sportlichen Leitung mitreden möchte. Das Kontrollgremium denkt darüber nach, die erst im Sommer geschaffene Struktur aufzulösen und zusätzlich wieder einen Sport-Geschäftsführer zu installieren – nicht um Kaenzig zu entmachten, sondern um ihn zu entlasten.

Noch keine konkreten Gespräche

Wobei hier Vorsicht geboten ist: Je nach Vereinbarung im Sommer und im Falle einer ungeschickten Vorgehensweise könnte Kaenzig verprellt werden, wenn dieser das Gefühl hat, zum Spielball des Präsidiums zu werden. Kaenzig ist bislang derjenige, der den Klub noch halbwegs zusammenhält, während es auf fast allen Ebenen bröckelt. Kurzfristig wird sich an der bestehenden Struktur ohnehin noch nichts ändern. Der neue Sportchef wird, egal auf welcher Führungsebene, frühestens Anfang 2025 seinen Dienst antreten. Einen aussichtsreichen Kandidaten gibt es nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin noch nicht, konkrete Gespräche wurden bislang auch noch nicht geführt. Bis dahin liegt die Verantwortung für den Sport bei Kaenzig, der bereits Trainer Dieter Hecking ausgesucht hat.

Millionen-Kosten für Ehemalige

Immerhin spart der VfL somit Kosten für weiteres Führungspersonal. Die Liste derer, die beurlaubt wurden und noch bezahlt werden müssen, ist bekanntermaßen ziemlich lang. Allein die Ex-Trainer Thomas Letsch und Peter Zeidler belasten den Etat spürbar, schätzungsweise mit fast zwei Millionen Euro im Jahr. Hinzukommen Zeidlers Assistent Maxime Antonilli, Teammanager Hannes Hahn und Ex-Interimstrainer Markus Feldhoff, für den nach wie vor eine neue Aufgabe innerhalb des Klubs gesucht wird. Auch Ex-Sportdirektor Marc Lettau erhält weiterhin sein Gehalt, ebenso wie der ehemalige Sport-Geschäftsführer Patrick Fabian. Die Klubführung hat sich mit ihm im Sommer darauf verständigt, dass er weiterhin seinen Grundlohn erhält. Die Trennung erfolgte in beiderseitigem Einvernehmen.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Debatte

VfL-Kolumne zum Spiel in Berlin: Primitivität im Plural

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Einmal pro Woche gibt es einen kurzen Kommentar zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Der Feuerzeug-Wurf in Berlin.

Wer am Samstag bei Union Berlin sein erstes Fußballspiel sah, kann sich eigentlich nur angewidert von dieser Sportart abwenden, in der das Werfen von Gegenständen auf einen gegnerischen Spieler und ein primitives Verhalten auf den Rängen offensichtlich dazugehören und von zahlreichen Zuschauern goutiert wird. Die Attacke zu verharmlosen, nur weil kein Blut floss, ist absurd. Insofern passt es auch nicht, dass Berlins Manager Horst Heldt lediglich von einem Einzeltäter sprach und verschwieg, dass VfL-Keeper Patrick Drewes nach dem Feuerzeug-Wurf sogar noch beschimpft wurde, im Stadion wie später im Netz. Generell zeigten die Köpenicker wenig Demut und Reue.

Dass Drewes und der VfL an verschiedenen Stellen nun der Schauspielerei bezichtigt werden, liegt wiederum in den Eigentümlichkeiten des Fußballs begründet. Dass Spieler allzu oft länger am Boden liegen blieben als es eigentlich nötig wäre oder teilweise komplett simulieren, führt automatisch zu einer gewissen Skepsis. Das Verhalten einzelner Bochumer hat am Samstag leider nicht dazu beigetragen, diese Zweifel aufzulösen. Seltsam war zum Beispiel, dass Felix Passlack mit seinem Torwart mehrfach hinter vorgehaltener Hand gesprochen hat.

Diese Gedanken dürfen jedoch nicht zu einer Täter-Opfer-Umkehr führen. Wie sich der Aufprall eines Feuerzeugs am Kopf anfühlt und ob ein Besuch im Krankenhaus notwendig war, kann nur einer beurteilen: Patrick Drewes. Generell gilt: Mit Gegenständen auf Menschen zu werfen, ist schändlich und passiert auch im Ruhrstadion immer wieder. Erst vor einer Woche verpassten Bochumer Fans nur knapp die Spieler von Werder Bremen. Ein Lerneffekt ist nicht zu erkennen.

Wobei die Sportgerichtsbarkeit zumindest dafür sorgen könnte, dass es nicht noch schlimmer wird. Insofern wäre es verwunderlich, wenn die Partie nicht nachträglich für den VfL gewertet werden würde. Anderenfalls könnten Attacken auf gegnerische Spieler demnächst als taktisches Mittel genutzt werden. Ohnehin wäre der DFB gut beraten, eine klare Regelung zu schaffen. Wenn Angriffe auf Schiedsrichter üblicherweise einen Spielabbruch zur Folge haben, muss das umgekehrt auch für Spieler gelten.


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(Foto: Imago / Jan Huebner)

Transferbilanz

Kein Leistungsträger dabei: Bochumer Zugänge enttäuschen

Für Dieter Hecking sind die Profis des VfL Bochum im Grunde alle neu. Seit gut einem Monat trainiert der 60-Jährige den Revierklub. Ob ein Spieler schon länger oder erst seit wenigen Monat das blau-weiße Trikot trägt, ist für ihn nicht relevant. Für viele Fans allerdings schon. Um nach dem ersten Drittel der Saison eine vorläufige Transferbilanz zu ziehen, lohnt vor allem ein Blick auf die Einsatzzeiten. Und da fällt auf: Obwohl mit Kevin Stöger, Takuma Asano, Keven Schlotterbeck und Patrick Osterhage im Sommer mindestens vier Stammkräfte den Verein verlassen haben, spielen die zehn Neuerwerbungen bislang nur eine untergeordnete Rolle. Bei der 0:1-Niederlage in Augsburg gehörten mit Patrick Drewes und Jakov Medic lediglich zwei Neuzugänge zur Bochumer Startelf – so wenige wie noch nie in dieser Saison.

Den Höchstwert erreichte der VfL noch unter Peter Zeidler beim Auswärtsspiel in Freiburg, als neben Drewes und Medic auch Koji Miyoshi, Dani de Wit und Ibrahima Sissoko von Beginn an spielten. Geholfen hat es allerdings nicht: Der VfL ging wie in den meisten Spielen als Verlierer vom Platz – was sicher auch an den enttäuschenden Darbietungen der Sommer-Einkäufe liegt. Zu einem Leistungsträger hat sich bislang keiner von ihnen entwickelt. Nur Patrick Drewes und Ibrahima Sissoko haben überhaupt alle zwölf Bundesliga-Spiele auf dem Rasen miterlebt, wobei Drewes der einzige ist, der stets zur Startelf gehörte, während Sissoko, der von den neuen Feldspielern noch am meisten überzeugte, zuletzt nur eingewechselt wurde. Das ist insofern bemerkenswert, weil Drewes eigentlich nur als Ersatztorhüter geholt wurde.

Viele Fehleinschätzungen

Weil aber mehrere Transferideen scheiterten, darunter Münchens Daniel Peretz und Kölns Marvin Schwäbe, rückte Drewes zur Nummer eins auf, und der VfL verpflichtete Anfang August Timo Horn als Herausforderer. Dass Schwäbe Ende August doch noch hätte verpflichtet werden können, passt ins Bild. In zu vielen Fällen hat sich der ehemalige Sportdirektor Marc Lettau geirrt. Vor allem seine vermeintlichen Königstransfers, die den Verlust wichtiger Stammkräfte auffangen sollten, sind mit Ausnahme von Sissoko bislang noch nicht die erhofften Verstärkungen. Speziell Dani de Wit ist weit davon entfernt, die Rolle von Kreativkopf Kevin Stöger einzunehmen. Dass de Wit kein klassischer Spielgestalter und Passgeber ist, war von Beginn an klar. Doch der Niederländer konnte auch in anderer Rolle noch nicht glänzen.

Erst zwei direkte Torbeteiligungen stehen in der Bilanz des hochgelobten Top-Verdieners, der unter Hecking sogar seinen Stammplatz verloren hat. Seit dessen Amtsantritt darf de Wit nur noch auf der Bank Platz nehmen, in Augsburg wurde er nicht einmal eingewechselt. Aus der Mannschaft ist zu hören, dass de Wit den Wechsel nach Bochum angeblich schon bereut, sogar ein vorzeitiger Abgang ist nicht auszuschließen. Dabei ist sein Vertrag noch bis 2028 datiert, genauso wie bei Koji Miyoshi. Die Einsatzzeiten des Japaners stehen bislang ebenfalls noch nicht im Verhältnis zum vergleichsweise großen Invest am letzten Transfertag. Der agile Mittelfeld-Allrounder, der gegen Leverkusen das bislang einzige Tor unter der Leitung des neuen Trainers erzielt hat, wurde in Augsburg nur eingewechselt.

Zwei Verletzte

Vor Torhüter Drewes durfte sich am vergangenen Wochenende einzig Jakov Medic zeigen, der mit seiner resoluten Verteidigungsweise zu gefallen weiß, sich aber immer wieder Flüchtigkeitsfehler im Spielaufbau erlaubt. Auf ihn muss der VfL jedoch vorerst verzichten. Medic hat in Augsburg eine kleine Fraktur der Augenhöhle erlitten und musste im Krankenhaus behandelt werden. Auch Myron Boadu fällt für das kommende Heimspiel gegen Werder Bremen aus. Nach seiner Schambein-Entzündung befindet sich der schnelle und technisch versierte Angreifer noch im Aufbautraining, wenngleich er noch vor Weihnachten wieder spielen soll. Mit zwei Treffern ist der Leihspieler vom AS Monaco trotz seiner Pause seit Mitte Oktober der gefährlichste VfL-Stürmer und immerhin ein Hoffnungsträger für die Rückrunde.

Boadu ist neben Medic und Balde einer von drei Neuen, die der VfL zunächst nur für eine Saison an sich gebunden hat, anschließend aber eine Kaufoption besitzt. Wobei diese bei Boadu derart hoch angesetzt ist, dass ein Verbleib auch im Falle des Klassenerhalts praktisch ausgeschlossen ist. Ähnliches gilt für Aliou Balde, bei dem es aber keine finanziellen, sondern sportliche wie disziplinarische Gründe sind. Bereits zweimal hat ihn Hecking wegen eines Fehlverhaltens öffentlich ermahnt und daraufhin aus dem Kader gestrichen. Angesichts dieser Umstände ist ein vorzeitiges Ende der Leihe im Winter denkbar. In diesem Zusammenhang muss sich der VfL jedoch die Frage gefallen lassen, wie er zum wiederholten Mal einen Spieler verpflichten konnte, der zwar als Profi bezeichnet wird, sich aber nicht so verhält.

Ohne Perspektive

Nicht wesentlich anders ist der Fall Samuel Bamba gelagert. Nur ein Kurzeinsatz als Joker steht derzeit in den Büchern; weitere werden vorerst nicht dazukommen. Bamba gehört seit Wochen und unabhängig vom Übungsleiter nicht mehr zum Spieltagskader. Peter Zeidler kritisierte mehrfach seinen Fitnesszustand – ein Problem, das schon in Dortmund existierte und somit vor der Verpflichtung hätte bekannt sein müssen. Bamba sammelte zuletzt gemeinsam mit Neuzugang Niklas Jahn Spielpraxis in der U21, fiel dort aber nicht sonderlich auf. Jahn wiederum zeigte zumindest vollen Einsatz, ist von der Klasse eines Bundesliga-Spielers aber noch weit entfernt. Ihm und auch Bamba würde im Winter sicher eine Leihe helfen. Konkrete Anfragen anderer Klubs liegen dem VfL bislang aber noch nicht vor.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Feuerzeug im Fokus

Remis errungen, Sieg noch möglich: VfL legt Einspruch ein

Vielleicht war es nur Anstand, vielleicht aber auch die Erkenntnis, dass der Platzverweis regeltechnisch korrekt war. Bereits nach 13 Minuten sah Koji Miyoshi nach einem rüden Foulspiel zurecht die Rote Karte. Der VfL Bochum musste bei Union Berlin fortan und damit fast das ganze Spiel in Unterzahl absolvieren. Die Herausforderung, nach drei torlosen Partien wieder zu treffen und den ersten Saisonsieg einzufahren, wurde damit noch größer. Doch anstatt zu verzweifeln, wehrte sich das Team von Dieter Hecking mit Leidenschaft und kluger Taktik – und verdiente sich am Ende einen Punkt. „Die Reaktion auf die Rote Karte war gut“, lobte der Trainer seine Spieler. Ibrahima Sissoko hatte den VfL zehn Minuten nach dem Platzverweis sogar in Führung gebracht, doch weitere zehn Minuten später erzielte Union den Ausgleich zum 1:1-Endstand.

Erster Auswärtspunkt

Die Bochumer verteidigten ihren Strafraum im Stile einer Handballmannschaft, sorgten aber immer wieder für Entlastung und hatten sogar Chancen zu gewinnen. Die Unterzahl machte sich kaum bemerkbar. „Die Führung hat uns wieder an ein erfolgreiches Spiel glauben lassen. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie nie aufgibt. Das zeichnet sie aus“, sagte Hecking, der Glückwünsche für das dritte Unentschieden der Saison und den ersten Punkt in der Fremde entgegennahm. Womöglich kann er nachträglich sogar den ersten Saisonsieg feiern. Denn das sportliche Geschehen rückte in der Nachspielzeit weit in den Hintergrund. VfL-Keeper Patrick Drewes hatte für sein wiederholtes Zeitspiel die Gelbe Karte gesehen, wollte den Ball zurück ins Spiel bringen und wurde plötzlich von einem Feuerzeug am Kopf getroffen.

Feuerzeug trifft Drewes

Drewes sackte benommen zu Boden und wurde ärztlich behandelt, nach Vereinsangaben später sogar mit Übelkeit und Kopfschmerzen in ein Krankenhaus gebracht, wo allerdings keine Gehirnerschütterung festgestellt werden konnte. VfL-Profi Matus Bero schnappte sich das Feuerzeug kurz nach dem Wurf und zeigte es den aufgebrachten Fans aus Berlin, die trotz des offensichtlichen Vergehens der Meinung waren, dass Drewes nur simulieren würde. „Steh‘ auf, Du Sau“, sangen etliche Fans auf der Heimtribüne, während die Bochumer einen Spielabbruch forderten. Schiedsrichter Martin Petersen schickte die Mannschaften zunächst in die Katakomben. „Wir haben uns warm gehalten. Unser Trainer hat mit dem Schiedsrichter geredet und dann war klar, dass wir wieder rausgehen und unter Protest weiterspielen.“ Weil Drewes nicht mehr mitwirken konnte, stellte sich Hofmann ins Bochumer Tor.

Kein Spielabbruch

Doch einen Schuss musste der Mittelstürmer nicht mehr abwehren. Die Mannschaften einigten sich auf einen Nicht-Angriffspakt, weil der VfL schon alle Wechselphasen ausgeschöpft hatte und nur noch zu neunt auf dem Rasen stand. Dir Bochumer plädierten für einen Spielabbruch, doch Schiedsrichter Petersen entschied anders. Dieser hielt vorher Rücksprache mit seinen Verantwortlichen beim DFB. Wird ein Spieler oder ein Unparteiischer von einem Gegenstand verletzt – wie der Linienrichter beim Becherwurf in Bochum anno 2022 – ist ein Abbruch möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Petersen war vor einigen Jahren sogar schon selbst betroffen und beendete daraufhin die Partie. An diesem Samstag entschied er anders. „Nur der Schiedsrichter kann ein Spiel abbrechen. Das hätte er aus unserer Sicht tun müssen“, erklärte VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig, der ankündigte: „Wir werden gegen die Spielwertung Einspruch einlegen.“

Sportgericht muss entscheiden

Die Entscheidung darüber, wie die Partie gewertet wird, liegt beim DFB-Sportgericht. Im Erfolgsfall wird das Spiel mit 2:0 und drei Punkten für den VfL gewertet. Auch ein Wiederholungsspiel an gleicher Stelle wäre theoretisch denkbar, ist aber sehr unwahrscheinlich. Wie gut die Chancen auf eine Wertung im Sinne des VfL stehen, ist unklar; in der jüngeren Vergangenheit gab es keinen vergleichbaren Fall. „Uns ist ein sportlicher Nachteil entstanden“, begründet Kaenzig die Entscheidung. So steht es auch im Regelwerk des DFB. Die „Schwächung der eigenen Mannschaft durch einen während des Spiels eingetretenen Umstand, der unabwendbar war und nicht mit dem Spiel und einer dabei erlittenen Verletzung im Zusammenhang steht“ rechtfertigt einen Einspruch. Auch wenn nur noch drei Minuten zu spielen waren, wurde der VfL um eine Siegchance gebracht.

Wütende Berliner Fans

Wobei es sogar Bochums Trainer Hecking war, der nach dem um 28 Minuten verzögerten Schlusspfiff beschwichtigte und relativierte. Er wies darauf hin, dass sich die eigenen Fans auch nicht immer korrekt verhalten. Schließlich flogen im Bochumer Ruhrstadion zuletzt ebenfalls einige Gegenstände auf den Rasen, sie trafen nur keinen Spieler. Und: Der mutmaßliche Täter wurde nach Angaben der Unioner schnell ermittelt. Berlins Manager Horst Heldt verurteilte das Fehlverhalten „eines Einzelnen“, wobei er verschwieg, dass zahlreiche Fans den am Boden liegenden Drewes beschimpften und sogar wütend der Schauspielerei bezichtigten. Den Anstand und die Erkenntnis, dass ihr Verhalten unsportlich und damit inakzeptabel ist, unabhängig davon, wie hart Drewes getroffen und verletzt wurde, hatten sie jedenfalls nicht.


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(Foto: Imago / Matthias Koch)

Mitgliederversammlung

VfL auf Wachstumskurs: Wintertransfers sind möglich

Aus sportlicher Sicht ist der VfL Bochum derzeit nicht in der Lage, für ein erfreuliches Zahlenwerk zu sorgen. Mit zwei mageren Pünktchen nach 13 Spielen steht der Revierklub auf dem letzten Platz der Bundesliga-Tabelle. Immerhin sorgt die wirtschaftliche Entwicklung für einen Lichtblick in einer eher düsteren Zeit. Denn die Bilanz, die Geschäftsführer Ilja Kaenzig den Mitgliedern am Donnerstagabend auf der turnusmäßigen Jahreshauptversammlung präsentiert hat, bestätigt den Trend der vergangenen Jahre.

Kalkuliertes Minus

​Der VfL Bochum befindet sich in vielen Bereichen weiterhin auf einem Wachstumskurs, auch wenn das abgeschlossene Geschäftsjahr 2023/24 mit einem Fehlbetrag von rund 5,2 Millionen Euro abgeschlossen wurde. „Es handelt sich um ein kalkuliertes Minus“, erklärte Kaenzig. Schließlich habe der VfL in den beiden Jahren zuvor einen Gewinn in mittlerer siebenstelliger Höhe verzeichnet. Die Erträge zwischen Juli 2023 und Juni 2024 lagen in der ausgegliederten Kapitalgesellschaft bei rund 77,3 Millionen Euro, die Aufwendungen bei 82,5 Millionen Euro. Der eingetragene Verein erzielte bei Erträgen von 5,2 Millionen Euro einen Fehlbetrag von rund 230.000 Euro.

Im Gegensatz zum Vorjahr fehlten dem VfL in erster Linie Transfereinnahmen. In allen anderen Bereichen verzeichnete der Klub einen Anstieg der Erträge, etwa beim Sponsoring oder beim Fanartikel-Verkauf. Auch deshalb planen die Verantwortlichen für die laufende Saison mit Erträgen von 86,4 Millionen Euro, den Aufwendungen in Höhe von rund 85,1 Millionen Euro gegenüberstehen sollen. Die deutlich höheren Erträge kommen durch den Verkauf von Patrick Osterhage und deutliche Mehreinnahmen aus dem Topf der Fernsehgelder zustande.

Spieleretat erhöht

Läuft alles nach Plan, dann hat der VfL seine verbliebenen Verbindlichkeiten von rund 6,2 Millionen Euro gegenüber Kreditinstituten bis zum Jahr 2027 getilgt. Schon jetzt ist das Eigenkapital mit rund 3,3 Millionen Euro positiv. Kaenzig ging in diesem Zusammenhang erneut auf den Vorwurf einiger Fans ein, der VfL würde sich angeblich totsparen. Der VfL habe unter anderem Geld in die Weiterentwicklung der Nachwuchs- und Frauenabteilung gesteckt, zudem die Infrastruktur modernisiert. Als weiteres Beispiel nannte der alleinige Geschäftsführer den Lizenzspieleretat. Dieser lag im ersten Jahr nach dem Aufstieg bei rund 24 Millionen Euro. In der vergangenen und der laufenden Saison peilt der VfL Aufwendungen von rund 41 Millionen Euro für seine Bundesliga-Mannschaft an.

Der aktuelle Etat würde trotz des Trainerwechsels im Herbst auch noch Mittel für Wintertransfers hergeben, betonte Kaenzig gegenüber den Mitgliedern: „Natürlich nur für Spieler unserer Preisklasse. Aber wir haben im Sommer nicht den letzten Cent ausgegeben. Zum einen, weil es von der sportlichen Leitung keine weiteren Wünsche mehr gab, zum anderen, weil wir bereits 31 Spieler im Kader hatten.“ ​Bis zu zwei Verstärkungen für die Rückrunde seien realisierbar. Trainer Dieter Hecking dürfe Wünsche äußern, Kaenzig kümmert sich um die Umsetzung. Ein neuer Sportchef soll dann ab Februar übernehmen und mit den zweigleisigen Planungen für die kommende Saison beginnen.

Rückkehr zur Effizienz

An dieser Stelle schlug der 51-Jährige den Bogen zur aktuellen sportlichen Lage: „Wir sind von unserem Weg abgekommen. Das zusätzliche Geld hat uns nicht geholfen. Effizienz war unsere Paradedisziplin und muss es wieder werden. Der Schlüssel liegt in der Vereinfachung.“ Kaenzig betonte, dass beim VfL Bochum trotz einer „katastrophalen Zwischenbilanz“ niemand aufgeben werde und der erneute Klassenerhalt das große Ziel bleibt. Nur so wird der Klub den Wachstumstrend der vergangenen Jahre fortsetzen können.

Dieser Bericht enthält auch Aussagen aus einem Medien-Termin im Vorfeld der Mitgliederversammlung. Weitere Berichterstattung zur Versammlung (vor allem zur Stadion-Modernisierung, zur Lage im Präsidium und den Neuwahlen im Sommer 2025) erfolgt aus zeitlichen Gründen wahrscheinlich erst zu einem späteren Zeitpunkt – inklusive weiterführender Informationen.


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(Foto: Marc Niemeyer)

0:1-Niederlage in Augsburg

„Ordentliches Spiel“? Bochums seichte Selbstanalyse

Viele Spieler haben beim VfL Bochum in dieser Saison bislang nicht überzeugt. Dass ausgerechnet zwei von den etwas Besseren in Augsburg auf der Bank Platz nehmen mussten, war durchaus überraschend. Ibrahima Sissoko und Gerrit Holtmann mussten für Ivan Ordets und Lukas Daschner weichen. Die Idee von Trainer Dieter Hecking, der in taktischer Hinsicht nur Nuancen veränderte, ging nicht auf. Bei einem nominell wie fußballerisch eher schwächeren Konkurrenten verlor der VfL nach einem Elfmetertor mit 0:1 und ließ abermals seine Bundestauglichkeit vermissen. Geradezu verwunderlich sind deshalb Aussagen wie die von Felix Passlack, Philipp Hofmann und Lukas Daschner, die allesamt „ein ordentliches Spiel“ ihrer Mannschaft sahen. Seichte Spielanalysen dieser Art hat es zuletzt häufiger gegeben.

Sonderbare Startelf

Zumindest ist es Dieter Hecking seit seinem Amtsantritt vor gut einem Monat gelungen, die Defensive zu stabilisieren. Die eigene Offensive bleibt dagegen erschreckend harmlos und ist zusammen mit Union Berlin und dem FC St. Pauli die schwächste der Bundesliga. In Augsburg gelang dem VfL nur ein einziger Schuss direkt auf das gegnerische Tor. Generell mangelte es an gefährlichen Strafraumaktionen, an Ballstafetten und zündenden Ideen. „Wir hätten mehr Durchsetzungsvermögen und Überzeugung im letzten Drittel gebraucht. Wir hatten drei, vier Abschlüsse, die knapp vorbeigehen, aber eben nicht aufs Tor kommen“, bemängelte Hecking, der sich erstmals auch selbst kritisieren lassen muss. Seine Startaufstellung war von außen betrachtet nicht nachvollziehbar und ganz offensichtlich die falsche Wahl.

Alternativlose Angreifer

Mit Bernardo und Sissoko saß ein zweikampfstarkes Duo zunächst nur auf der Bank, Ballgewinne blieben folglich Mangelware. Erneut lag auch das Flügelspiel brach, die passenden Kandidaten hierfür blieben ebenso draußen und sorgten erst spät für etwas Belebung. Koji Miyoshi und Gerrit Holtmann waren nach ihrer Einwechslung agiler als zum Beispiel Lukas Daschner, der zwar im Training überzeugt, in den Pflichtspielen aber meist das genaue Gegenteil zeigt. Dass mit Moritz Broschinski und Philipp Hofmann zum wiederholten Mal die beiden Angreifer starten durften, die zusammen erst ein Saisontor erzielt haben, ist Hecking jedoch kaum anzukreiden. Es fehlen Alternativen. Myron Boadu kämpft sich nach seiner Schambein-Entzündung gerade erst zurück, weitere Stürmer gibt der Kader nicht her.

Katastrophale Kaderplanung

Zahlreiche Fehler wurden bereits bei der Kaderplanung im Sommer gemacht. Dass es auch dem erfahrenen und von vielen Spielern geschätzten Dieter Hecking bislang nicht gelungen ist, sicht- und messbare Fortschritte zu erzielen, spricht für ein generelles Qualitätsproblem. Zusätzlich hat auch die Mentalität im vierten Bundesliga-Jahr nachgelassen. Wirklich wehrhaft wirkt aktuell kaum ein Bochumer. Als Jakov Medic kurz vor Spielende nach einem Schlag ins Gesicht minutenlang am Boden lag und anschließend ohne Ersatz das Spielfeld verlassen musste, beschwerte sich nicht einmal Ersatz-Kapitän Philipp Hofmann, dessen negative Körpersprache ohnehin sinnbildlich ist für die Lage beim VfL Bochum. Der Bundesliga-Abstieg lässt sich wohl nur noch mit einer furiosen Aufholjagd stoppen.

Riesiger Rückstand

Doch der Glaube an die Wende schwindet mit jeder weiteren Niederlage. Auf jetzt schon neun Punkte ist der Rückstand zum rettenden Ufer angewachsen. Nach zwölf Spieltagen stehen die Bochumer mit zwei Pünktchen nach wie vor am Tabellenende. In der Bundesliga-Historie war zu diesem Zeitpunkt bislang nur ein einziges Team noch schlechter. „Wir müssen jetzt anfangen, dreifach zu punkten, am besten schon nächstes Wochenende“, meint Passlack. Ein Satz, der in dieser Saison schon häufiger über die Lippen von Spielern oder Verantwortlichen kam, auf den bislang aber nie Taten folgten. Hoffnung macht einzig das Restprogramm mit zwei Heimspielen bis Weihnachten. Die kommenden Gegner Bremen, Berlin und Heidenheim sind grundsätzlich schlagbar. Allerdings nur, wenn der VfL mal wieder das Tor trifft…


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(Foto: Imago / Oryk Haist)