3:1 gegen Hertha

Zuversicht nach Startsieg: VfL blickt wieder gern auf die Tabelle

Dass der Schiedsrichter noch vor den eigenen Spielern bejubelt wird, kommt im Ruhrstadion eher selten vor. Beim ersten Heimspiel im neuen Kalenderjahr war das aber der Fall. Martin Petersen, der Unparteiische, nahm den frühen Führungstreffer der Berliner zurück, weil der Ball zuvor im Aus gelandet war. Mit dieser Entscheidung ging auch durch die Bochumer Mannschaft ein Ruck, die zunächst Mühe hatte, ins Spiel zu kommen – dann aber maximale Effizienz an den Tag legte, gegen die Hertha mit 3:1 gewann und somit einen perfekten Start ins neue Fußballjahr feierte.

Hofmann trifft doppelt

„Das vermeintliche 0:1 war der Wachmacher für uns“, sagte Philipp Hofmann, dem später sein erster Doppelpack in der Bundesliga gelang. „Danach haben wir den klassischen Bochum-Fußball gezeigt. Viele zweite Bälle gewonnen, gute Zweikämpfe geführt.“ Der VfL machte sicher nicht sein bestes Saisonspiel, traf aber immer wieder zum richtigen Zeitpunkt: Zunächst durch Hofmann kurz nach dem aberkannten Gegentor, dann durch Keven Schlotterbeck unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff. Die Bochumer holten aus einer eigentlich ausgeglichenen ersten Hälfte das Maximale heraus.

Nach dem Seitenwechsel waren die Gäste zunächst stärker, doch ein blitzsauber vorgetragener Konter, den Hofmann vollendete, sorgte für die Entscheidung. Der späte Anschlusstreffer war lediglich Ergebniskosmetik. „Jeder hat mit Leidenschaft und Mentalität gespielt. Das zeichnet unsere Mannschaft aus. Anders geht es nicht, um in der Bundesliga erfolgreich zu sein“, lobte Trainer Thomas Letsch sein Team, dem die lange Pause anzumerken war, das aber als Einheit funktionierte und enttäuschende Testspielergebnisse schnell vergessen ließ.

Schlotterbeck debütiert und überzeugt

Personell hat Letsch mit seiner Aufstellung auf einer Position überrascht: Zoller spielte für Asano. „Simon hat enorme Qualitäten gegen den Ball“, erklärte der Trainer auf Nachfrage. „Das war mir im ersten Spiel nach der Pause wichtiger als die Offensivstärke von Takuma.“ Diese Aufgabe erfüllte Zoller mit Bravour, war stark beim Anlaufen und Dirigent der Mannschaft – aber eher selten in Tornähe. Zoller unterstützte auf seiner Seite auch Saidy Janko, der solide spielte und gute Aktionen hatte, in einigen Szenen aber zu früh abschaltete und dadurch den Ball oder einen Zweikampf verlor.

Neben Doppelpacker Hofmann trat auch Philipp Förster dank zwei Torbeteiligungen wieder positiv in Erscheinung; mit fünf Vorlagen ist er aktuell Bochums bester Vorlagengeber. Einmal profitierte davon auch Keven Schlotterbeck. „Erstes Spiel, erstes Tor, erster Sieg – das ist einfach wunderschön, was ich hier erleben durfte“, sagte der Innenverteidiger, der Anfang Januar für sechs Monate vom SC Freiburg ausgeliehen wurde. Nicht nur wegen seines Treffers feierte Schlotterbeck einen gelungenen Einstand. Er überzeugte mit klugem Stellungspiel und kommunizierte auch viel.

Drei Tabellenplätze geklettert

Nebenmann Ivan Ordets überzeugte ebenfalls und half dabei mit, seinem Trainer eine unverändert makellose Heimbilanz zu bescheren. Viermal stand Thomas Letsch nun im Bochumer Ruhrstadion an der Seitenlinie, alle Partien gewann er. Vier Bundesliga-Heimsiege in Serie sind dem VfL zuletzt vor mehr als 25 Jahren gelungen. Der Trainer warnt allerdings davor, diese Zwischenbilanz überzubewerten. „Wir sind weit davon entfernt, etwas erreicht zu haben“, sagte er mit Blick auf die Tabelle, bei dem auch die Bochumer Fans endlich wieder Freude und Zuversicht verspüren.

Einen Spieltag vor dem Ende der Hinrunde und zum ersten Mal seit der Niederlage in Hoffenheim Mitte August steht der VfL wieder auf einem Nicht-Abstiegsplatz. Zur Erinnerung: Bei der Amtsübernahme von Thomas Letsch Ende September waren die Bochumer noch abgeschlagen Tabellenletzter. Jetzt sind sie von Rang 17 auf 14 vorgerückt, stehen sieben Punkte vor Schalke und haben auch die Hertha erstmals hinter sich gelassen. Die Signalwirkung ist klar: Mit dem VfL ist auch im neuen Jahr zu rechnen, und der Klassenerhalt keineswegs unrealistisch.

(Foto: Marc Niemeyer)

Dritter Wintertransfer

Einigung erzielt: Neuer VfL-Stürmer kommt vom BVB

Update: Der VfL hat den Transfer am Sonntag bestätigt!

Innerhalb des Ruhrgebiets bahnt sich ein Stürmertransfer an. Moritz Broschinski aus der U23 von Borussia Dortmund steht nach gemeinsamen Recherchen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin und den Ruhr Nachrichten vor einem Wechsel zum VfL Bochum. Dort soll der 22-Jährige einen Vertrag mit einer Laufzeit von dreieinhalb Jahren erhalten. Die Vereine und der Spieler haben sich bereits geeinigt, der Wechsel dürfte noch an diesem Wochenende bestätigt werden. Dazu passt, dass sich Broschinski bereits am Freitag von der Mannschaft beim BVB verabschiedet hat. Sein Vertrag in Dortmund wäre im Sommer ohnehin ausgelaufen, auch andere Klubs zeigten Interesse an einer Verpflichtung. Der VfL muss vermutlich eine kleine Ablöse zahlen.

Mit seinem insgesamt dritten Wintertransfer erweitert er die Möglichkeiten im Angriff und belebt hinter Stammspieler Philipp Hofmann, dem etatmäßigen Mittelstürmer, den Konkurrenzkampf – wobei Broschinski zunächst als Perspektivspieler eingeplant ist. Der großgewachsene und schnelle Angreifer kann in der vorderen Reihe sowohl zentral als auch außen eingesetzt werden, wobei er seine Stärken als Mittelstürmer am besten entfalten kann. Broschinski kam in der aktuellen Drittliga-Saison in 15 Partien zum Einsatz und erzielte drei Treffer. Bei den Profis des BVB kam er in Testspielen zum Einsatz. Vor seinem Wechsel nach Dortmund im Sommer 2020 spielte er insgesamt acht Jahre für Energie Cottbus.

Ob die Bochumer Personalplanungen mit der Verpflichtung von Broschinski für diesen Winter bereits abgeschlossen sind, steht noch nicht fest. Aufgrund der Knieverletzung von Cristian Gamboa denken die Verantwortlichen darüber nach, auch diese Position zu verstärken. Aktuell gehören 26 Feldspieler und vier Torhüter zum Kader des VfL, Broschinski schon eingerechnet. Mit Lys Mousset und Tarsis Bonga stehen aber noch zwei Profis auf der Streichliste.

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(Foto: Firo Sportphoto)

Problemfall mit Ansage

VfL suspendiert Mousset: Wie es jetzt weitergeht

Diese Meldung ist eigentlich keine Überraschung mehr. Fast täglich war damit zu rechnen, im Grunde schon seit Wochen, aber spätestens seit Sonntagabend. VfL-Angreifer Lys Mousset hatte das Kunststück vollbracht, im Trainingslager zu spät zum Training zu kommen, obwohl der Übungsplatz der Bochumer direkt neben dem Teamhotel liegt. Chefcoach Thomas Letsch bestrafte ihn zunächst mit einem Ausschluss vom Mannschaftstraining. Mousset wurde individuell betreut. Am Montagmorgen gingen Letsch und VfL-Geschäftsführer Patrick Fabian noch einen Schritt weiter: Sie suspendierten Mousset und baten ihn, das Teamhotel im Laufe des Tages zu verlassen.

„Wir haben ihm immer wieder eine Chance gegeben, jetzt hat es keinen Sinn mehr“, sagte Patrick Fabian den anwesenden Medienvertretern in Jerez de la Frontera. „Das ist ziemlich enttäuschend, weil wir uns sportlich von ihm natürlich einiges erhofft haben. Aber irgendwann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir die Gruppe insgesamt schützen müssen.“ Nicht nur bei den genervten Fans, auch in der Mannschaft war das fehlende Engagement des Franzosen zuletzt immer wieder ein Thema. Das blieb auch den Verantwortlichen nicht verborgen, die im Abstiegskampf niemanden gebrauchen können, der ständig für Negativ-Schlagzeilen sorgt.

Letsch zieht einen Schlussstrich

Deshalb zogen sie am Montag die Reißleine. Lange hielt vor allem Thomas Letsch noch die schützende Hand über Mousset, auch wenn er sich dabei merklich zusammenreißen musste. Doch jetzt genügte ein einziger Satz, um das Kapitel aus sportlicher Sicht zu schließen: „Für mich ist das Thema Lys Mousset erledigt.“ An der Gesamtsituation – und auch am Fitnesszustand des 26-Jährigen – hatte sich in zurückliegenden Wochen trotz Bemühungen des Trainerteams wenig bis gar nichts geändert. Der im August verpflichtete Franzose brachte zwar die Erfahrung aus 99 Premier-League-Spielen mit nach Bochum, aber keine professionelle Berufsauffassung.

Der Angreifer war bereits mit Übergewicht und schlechten Ausdauerwerten im Ruhrgebiet angekommen und ließ auch anschließend den Ehrgeiz vermissen, an seinen Defiziten zu arbeiten. Für einen Bundesliga-Einsatz kam er nie infrage. Ganz abgehakt ist das Thema mit der Suspendierung aber noch nicht. Mousset wird zwar nicht ins Mannschaftstraining zurückkehren, doch sein Vertrag läuft noch anderthalb Jahre, und er bezieht für Bochumer Verhältnisse ein ziemlich gutes Gehalt. Eine einseitige Vertragsauflösung dürfte für den VfL aus juristischen Gründen eher schwierig werden. Die Verantwortlichen hoffen deshalb, dass Mousset in der laufenden Transferperiode einen neuen Verein findet.

Missverständnis mit Ansage

Welcher Klub sich angesichts der öffentlich bekannten Vorgeschichte aber für diesen Stürmer begeistern kann, ist eine berechtigte Anschlussfrage. Ebenso, welche Lehren der VfL aus diesem Fall ziehen wird, auch wenn die Führungsriege längst eine andere ist. Für den Transfer von Lys Mousset war seinerzeit noch Sebastian Schindzielorz zuständig, der den Spieler erst zur Vertragsunterschrift persönlich traf. Dass Mousset bereits in England mehrfach negativ aufgefallen war, wussten im August nicht nur aufmerksame und recherchierende Fans, sondern auch die Macher beim VfL. Trotz interner Warnungen brachte die sportliche Leitung den Deal zum Abschluss.

Dass seine Suspendierung nun dazu führt, dass die Bochumer in diesem Winter noch einen zusätzlichen Stürmer verpflichten, ist nicht ausgeschlossen, aber eher nicht zu erwarten. Denn Mousset war kein elementarer Bestandteil der Mannschaft, der ersetzt werden müsste. In Fankreisen fällt oft der Name Jürgen Locadia. Doch eine Rückkehr nach Bochum steht intern gerade nicht zur Debatte. Er überzeugte beim VfL zwar sportlich, war aber ähnlich schwer in die Mannschaft zu integrieren wie Mousset – und hat sich noch vor wenigen Monaten gegen das Vertragsangebot des VfL entschieden, um in den Iran zu wechseln. Von dort ist er nun wegen der politischen Lage geflohen.

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Gamboa fällt länger aus

VfL Bochum denkt über neuen Rechtsverteidiger nach

In weniger als zwei Wochen endet die Transferperiode. Bis zum 31. Januar sind Kaderkorrekturen noch möglich, anschließend nicht mehr. Der VfL Bochum ist in diesem Monat bereits aktiv geworden. Mit Innenverteidiger Keven Schlotterbeck und Mittelfeldspieler Pierre Kunde gab es zwei Neuzugänge. Beide wurden frühzeitig verpflichtet, waren im Trainingslager sowie in den Testspielen dabei und sind bereits in die Mannschaft integriert. Damit sollten die Transferaktivitäten für diesen Winter eigentlich abgeschlossen sein. Doch jetzt gibt es neue Überlegungen. Grund dafür ist die Verletzung von Cristian Gamboa, der sich in dieser Woche das Innenband im rechten Knie angerissen hat. Der Rechtsverteidiger hat sich im Training verletzt und fällt mindestens vier Wochen aus.

Plötzlich Mangel an Außenverteidigern

„Es ist eine neue Situation eingetreten. Wir haben uns zuletzt sicher keine Gedanken über diese Position gemacht. Nun gibt es die Verletzung von Gamboa, und auch Konstantinos Stafylidis, der dort spielen könnte, fällt mit einem Rippenbruch aus. Wir diskutieren jetzt intern, wie wir damit umgehen werden“, erklärte Geschäftsführer Patrick Fabian am Donnerstag auf Nachfrage von Tief im Westen – Das VfL-Magazin und bezog dabei auch eine mögliche Neuverpflichtung mit ein. Derzeit steht mit Saidy Janko nur ein etatmäßiger Rechtsverteidiger zu Verfügung. Janko ist allerdings auch angeschlagen, er hat sich im Trainingslager die Nase gebrochen. Der Schweizer steht zwar zur Verfügung, wird aber womöglich mit einer Schutzmaske spielen. Als naheliegende Option verbleibt also lediglich Jordi Osei-Tutu, der sich offensiv jedoch wohler fühlt.

Auch auf der linken Seite gibt es hinter Danilo Soares aktuell ein Vakuum, nachdem Jannes Horn vor knapp zwei Wochen zum 1. FC Nürnberg ausgeliehen wurde, sich dort aber ebenfalls verletzt hat. Ob der VfL tatsächlich noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv wird, hängt nun von verschiedenen Fragen ab: Wie schnell werden Konstantinos Stafylidis und Cristian Gamboa zurückkehren? Welche kaderinternen Alternativen ergeben sich noch? Und: Ergibt sich überhaupt eine passende Option auf dem Transfermarkt? Dabei spielt auch der Faktor Zeit eine wesentliche Rolle. Bis Mitte Februar stehen gleich zwei englische Wochen an. Gerade hierfür benötigt der VfL eine Lösung. Doch so schnell lässt sich ein Transfer inklusive Eingewöhnung kaum realisieren. Anschließend wiederum könnten die jetzt verletzten Spieler schon wieder zurückkehren, vor allem Stafylidis.

Zwei Spieler sollen noch gehen

Das Erfreuliche: Finanziell ist der VfL in der Lage, personell noch einmal nachzulegen. Zusätzlicher Spielraum würde sich ergeben, wenn Lys Mousset, der weiter suspendiert ist, noch einen neuen Verein findet. Der Problemprofi ist aktuell freigestellt. Das gilt auch für Tarsis Bonga. Der Offensivallrounder, der beim VfL keine Perspektive besitzt, ist als Probespieler mit ins Trainingslager von Eintracht Braunschwieg geflogen. In der neuen Woche soll eine Entscheidung fallen.

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(Foto: Firo Sportphoto)

Vor dem Ligastart

Bochums A-Elf: Schlaflose Nächte und elf Glückliche

Als VfL-Trainer Thomas Letsch seinen Kader für die beiden Testspiele gegen den Diosgyöri VTK sowie den FC Luzern aufteilte, war die Tendenz schon klar erkennbar: Gegen den ungarischen Zweitligisten lief nur die vermeintliche B-Elf auf, gegen den schweizerischen Erstligisten hingegen eine mögliche Startaufstellung für den Bundesliga-Start gegen Hertha BSC. Schon gegen den Grasshopper Club Zürich hatte Letsch auf exakt diese elf Spieler gesetzt – ein klares Indiz dafür, dass der Fußballlehrer sein Team womöglich schon gefunden hat.

Die Spieler, die gegen die Ungarn antraten, waren also besonders gefordert, um den Trainer an seiner Entscheidung zweifeln zu lassen – und enttäuschten auf ganzer Linie. Phasenweise deuteten einzelne Akteure ihr Potenzial an, etwa Neuzugang Pierre Kunde oder Gerrit Holtmann – viel mehr war von den Bochumern aber nicht zu sehen. Die B-Elf hatte ihren Namen an diesem Tag ausnahmsweise verdient. Vorne brachte der VfL kaum einen gefährlichen Angriff zustande, hinten fehlten Ordnung und Zugriff gleichermaßen. „Es ist nur noch eine Woche bis zum Pflichtspielstart. Da muss man zeigen, dass man bereit ist. In dieser Partie haben wir das nicht gezeigt“, ließ sich Thomas Letsch vom kicker zitieren.

Auch mit dem zweiten Test nur wenige Stunden später war er nicht wirklich zufrieden. Denn auch die letzte Siegchance der Vorbereitung konnten die Bochumer nicht nutzen. Vier Testspiele gab es vor Weihnachten, drei weitere nach dem Jahreswechsel – gewonnen hat der Bundesligist keines davon. Zum Abschluss des Trainingslagers gab es zunächst eine 0:3-Niederlage gegen Diosgyöri, dann das 1:1 gegen Luzern. „Das Spiel war okay, aber okay reicht nicht. Wir müssen auf ein höheres Level kommen, um Hertha zu besiegen, gerade vorne zwingender werden“, kritisierte Letsch die in der Vorbereitung insgesamt schwache Offensive, der insgesamt nur fünf Tore gelangen.

Personell viel Auswahl

Dabei hat Bochums Chefcoach dieser Tage so viel Auswahl wie noch nie. 23 Feldspieler gehören derzeit zum Profikader, wenn man Tarsis Bonga und Lys Mousset, die sich einen neuen Verein suchen sollen, nicht dazu zählt. Fünf von ihnen wird Letsch in wenigen Tagen enttäuschen müssen und nur einen Tribünenplatz zuweisen können. „Bis dahin gibt es für mich noch ein paar schlaflose Nächte“, gibt der Coach offen zu. Auf praktisch jeder Position tobt ein interner Konkurrenzkampf; vor allem in der Innenverteidigung, wo sich sechs Spieler um nur zwei Plätze rangeln, oder auf der offensiven Außenbahn mit fünf Kandidaten für zwei Positionen. Letsch spricht folglich von einem „Hauen und Stechen.“

Das aber – mit Blick auf die Startaufstellung – schon mehr oder weniger entschieden ist. Im Tor steht Manuel Riemann, außen verteidigen wohl Saidy Janko und Danilo Soares. Janko, der noch vor wenigen Wochen mit zwei Vereinen aus der Schweiz in Verbindung gebracht wurde, erhielt schon im Dezember ein Sonderlob vom Trainer. Der 27-Jährige war besonders austrainiert aus dem Urlaub zurückgekehrt und hat offenbar auch an seiner Zweikampfschwäche gearbeitet, um den zuvor fast unantastbaren Cristian Gamboa in dessen Verletzungspause zu überholen. „Ganz klar“, betont Letsch, „Saidy hat seine Chance genutzt.“ Beim VfL ist er der große Gewinner des Winters.

Zentral muss Bochums Trainer ebenfalls keine unnötige Spannung aufbauen: Ivan Ordets und Keven Schlotterbeck dürften das neue Innenverteidiger-Duo bilden. Von Ordets‘ Entwicklung ist Letsch schon seit Wochen begeistert, der Ukrainer also gesetzt. Den passenden Partner hat er offensichtlich auch gefunden. Der Wunsch von Freiburg-Leihgabe Keven Schlotterbeck nach mehr Spielpraxis dürfte direkt in Erfüllung gehen. „Es fühlt sich so an, als ob er schon acht Wochen bei uns wäre“, lobt Thomas Letsch den Neuzugang. Die Alternativen – Erhan Masovic, Dominique Heintz, Vasilios Lampropoulos und Tim Oermann – müssen sogar um ihren Platz auf der Ersatzbank fürchten.

Nicht in Stein gemeißelt

Das gilt wahrscheinlich auch für Jacek Goralski, der seinen Trainingsrückstand nach langer Verletzungspause noch nicht gänzlich aufgeholt hat und dabei zusehen muss, wie sich Anthony Losilla, Philipp Förster und Kevin Stöger die drei Plätze im zentralen Mittelfeld vorerst gesichert haben. Pierre Kunde, Bochums zweiter Neuzugang im Januar, hat sein Potenzial – vor allem seine Dynamik und Schussgewalt – zwar schon angedeutet, ihn sieht Letsch aber noch nicht in der Startelf. „Er hat zwar bei der WM gespielt, davor aber nicht so oft. Man sieht, dass er noch nicht ganz im Rhythmus ist.“ Vor allem Philipp Förster müsste, wenn Kunde bei einhundert Prozent angelangt ist, um seinen Platz fürchten.

Auf den offensiven Außenbahnen ist ebenfalls nichts in Stein gemeißelt. Dort hat Christopher Antwi-Adjei gemeinsam mit WM-Teilnehmer Takuma Asano derzeit aber die besten Karten. Antwi-Adjei erkämpfte sich bereits vor der langen Pause einen Platz im Team. Auch Asano blühte gegen Jahresende auf, als er mit der japanischen Nationalmannschaft das DFB-Team ärgerte. Dass er unter Letsch wegen einer Knieverletzung noch kein einziges Spiel absolviert hat, scheint kein Nachteil zu sein. Bochums Trainer schätzt den dynamischen Außenbahnspieler für die rechte Seite sehr. Deshalb müssen sich Gerrit Holtmann, Jordi Osei-Tutu und Simon Zoller zunächst hinten anstellen.

Doch Ende Januar und Anfang Februar stehen gleich zwei englische Wochen an, einiges könnte sich dann schon wieder neu sortieren. Zoller wäre rein theoretisch auch eine Option für das Angriffszentrum, wobei Letsch dort eher einen kantigen Mittelstürmer bevorzugt – also Philipp Hofmann. An ihm kommt Silvere Ganvoula nicht vorbei, weitere Alternativen gibt der Kader nicht her. Sollte der VfL in diesem Winter doch noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden – was allerdings ziemlich unwahrscheinlich ist – dann am ehesten in vorderer Front.

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(Foto: Firo Sportphoto)

Transferperiode

Jetzt geht es um Abgänge: Bochum nutzt den Winter

Mit 25 Feldspielern und drei Torhütern ist der VfL Bochum am Samstag in sein diesjähriges Wintertrainingslager aufgebrochen und am Mittag sicher in Spanien gelandet. Eine Woche lang wird sich der Vorletzte der Bundesliga-Tabelle in Jerez de la Frontera auf die mindestens 20 Pflichtspiele im zweiten Saisonabschnitt vorbereiten. Je nach Endplatzierung und einem möglichen Weiterkommen im Pokal könnten es sogar noch einige Partien mehr werden. Ein Kader, der auch in der Breite gut besetzt ist, könnte also von Vorteil sein. Nach den Verpflichtungen von Keven Schlotterbeck und Pierre Kunde dürfte der VfL dieses Kriterium erfüllen. Jede Position ist mindestens doppelt besetzt, einige sogar dreifach. Weitere Neueinkäufe sind deshalb nicht geplant.

Horn wechselt nach Nürnberg

Schließlich kann Cheftrainer Thomas Letsch in der heißen Phase der Vorbereitung praktisch aus dem Vollen schöpfen. Bis auf Ersatztorhüter Paul Grave, der sich nach einer Operation an der Schulter noch in der Reha befindet, sind alle Profis fit. Also auch Jacek Goralski, der in den zurückliegenden Monaten häufiger verletzt war; Dominique Heintz, der ebenfalls länger gefehlt hat; und Takuma Asano, der wegen einer Knieverletzung unter Thomas Letsch noch kein einziges Spiel absolviert hat, auf den der Coach aber große Stücke hält. Angesichts dieser Personalauswahl könnte es nun sogar wieder zu einer Verkleinerung des Kaders kommen. Den Anfang hat am Samstag bereits Jannes Horn gemacht, der nicht mehr mit ins Trainingslager geflogen ist.

Der Defensivspezialist, der erst im Sommer als Ersatz für den seinerzeit verletzten Danilo Soares nach Bochum gekommen war, läuft bis zum Saisonende für den 1. FC Nürnberg auf. Beim VfL hat der 25-Jährige bislang nur zwei Bundesliga-Spiele absolviert und wäre hinter Soares und Konstantinos Stafylidis lediglich als Linksverteidiger Nummer drei in die Rückrunde gegangen. „Für beide Seiten ist das die beste Lösung“, sagt VfL-Geschäftsführer Patrick Fabian. „Wir erhoffen uns von der Leihe nach Nürnberg, dass er durch regelmäßige Einsätze sein Leistungspotenzial voll ausschöpfen kann und erwarten ihn dann im Sommer in guter Verfassung wieder zurück in Bochum.“ Interessant: Der VfL hat dem Zweitligisten keine Kaufoption gewährt.

Bonga zur Probe in Braunschweig

Auch Tarsis Bonga könnte in diesem Winter eine Klasse tiefer unterkommen. Der Offensivallrounder ist vom VfL Bochum für die Dauer des Trainingslagers freigestellt. Er absolviert seit Samstag ein Probetraining bei Eintracht Braunschweig. Bongas Vertrag läuft in wenigen Monaten ohnehin aus, spätestens dann wird er Bochum verlassen müssen. Sollte er schon vorher einen neuen Klub finden, würden ihm die Verantwortlichen beim VfL keine Steine in den Weg legen. Für wen das bis zum Transferschluss am 31. Januar noch gelten könnte, dürfte sich im Trainingslager zeigen. Obwohl es insgesamt drei Testspiele geben soll – das erste gegen den Grasshopper Club Zürich sogar über 120 Minuten – kann es passieren, dass nicht jeder Profi zum Einsatz kommt.

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(Foto: Imago / Revierfoto)

Zweiter Wintertransfer

Kunde ist der König: Wie der VfL seinen Kader aufwertet

Frohe Kunde vor dem Trainingslager des VfL Bochum – ein Wortspiel, das in diesem Fall ziemlich passend ist. Denn am Tag vor dem Abflug ins spanische Jerez de la Frontera, wo sich der VfL vom 7. bis zum 14. Januar auf den zweiten Saisonabschnitt vorbereiten wird, präsentierte Geschäftsführer Patrick Fabian den zweiten Neuzugang in diesem Winter. Auf Keven Schlotterbeck, der am Montag vorgestellt wurde, folgte am Freitag Pierre Kunde Malong. Er kommt vom griechischen Traditionsklub Olympiakos Piräus. Der Mittelfeldspieler wechselt zunächst auf Leihbasis bis zum Saisonende an die Castroper Straße. Für den Fall des Klassenerhalts sicherten sich die Bochumer zudem eine Kaufoption. Eine Kaufverpflichtung, worüber griechische Medien zum Teil berichten, besteht nicht.

Eingewöhnung im Trainingslager

Vor allem der Zeitpunkt des Kunde-Transfers sorgt beim VfL Bochum gerade für zufriedene Gesichter. Geschäftsführer Patrick Fabian zeigte sich am Freitag erfreut darüber, dass „der Wechsel noch vor unserer Abreise ins Trainingslager realisiert werden konnte. Wir wollen Pierre nun schnellstmöglich an die Mannschaft heranführen, dafür ist das Trainingslager optimal.“ Die Zeit bis zum ersten Pflichtspiel gegen Hertha BSC ist knapp bemessen. Bereits am 21. Januar absolviert der VfL die erste Partie in der Bundesliga. „Danach geht es Schlag auf Schlag: Englische Woche, normale Woche, englische Woche – viele Spiele in kurzer Zeit. Es geht darum, einen Spieler schnell in die Mannschaft zu integrieren, sportlich wie menschlich“, sagte Thomas Letsch im Interview mit Tief im Westen – Das VfL-Magazin.

Bochums Chefcoach hatte sich vor Weihnachten klar positioniert und sich je einen Neuzugang für die Innenverteidigung und für das zentrale Mittelfeld gewünscht. Beides hat geklappt, sogar frühzeitig – was unter anderem daran lag, dass speziell der Kontakt zu Pierre Kunde schon länger bestand. Interessant ist dabei insbesondere die Tatsache, dass der Nationalspieler und WM-Teilnehmer Kameruns auch die neuen Verantwortlichen beim VfL überzeugt hat. Schließlich waren im Sommer, als der VfL bereits vergeblich an einem Transfer gearbeitet hat, noch Trainer Thomas Reis und Manager Sebastian Schindzielorz im Amt. Ihre Nachfolger schätzen den Spieler ganz offensichtlich ähnlich ein, anderenfalls hätten sie keinen erneuten Versuch unternommen, Pierre Kunde nun endlich nach Bochum zu lotsen.

Konkurrenzkampf im Mittelfeld

Die Voraussetzungen dafür, dass Kunde und auch Schlotterbeck künftig eine wichtige Rolle im Kader einnehmen werden, sind nicht nur aufgrund der rechtzeitigen Verpflichtung vor dem Trainingslager gegeben. Beide kennen die Bundesliga bereits, bringen es auf jeweils 70 Spiele in Deutschlands Eliteklasse. Außerdem haben sie, anders als einige Neuzugänge im Sommer, keinen nennenswerten Trainingsrückstand. Weil beide zuletzt bei einem Verein unter Vertrag standen, der international vertreten ist, bringen sie zumindest Spielpraxis aus der Europa League mit. Kunde hat zudem mit Kamerun an der Fußball-WM in Katar teilgenommen und gehörte in zwei von drei Gruppenspielen zur Startformation. Kunde hat damit zweifellos das Potenzial, sich zu einer Art Königstransfer zu entwickeln.

Der robust gebaute 27-Jährige ist ein ganz neuer Spielertyp im Kader des VfL. Er ist im zentralen Mittelfeld defensiv wie offensiv einsetzbar, er verfügt über eine gute Übersicht gepaart mit einer ordentlichen Ballbehandlung, einem kräftigen Schuss, reichlich Tempo und einer aggressiven Spielweise. „Dass er die Bundesliga kennt und mit Mainz auch schon den Kampf um den Klassenerhalt erfolgreich bestritten hat, sind neben seiner internationalen Erfahrung weitere Pluspunkte, die für ihn und seine Leihe sprechen“, sagt Patrick Fabian. Im zentralen Mittelfeld herrscht nun ein gesunder Konkurrenzkampf. Für voraussichtlich drei Positionen gibt es nun bis zu sieben Kandidaten. Neben Kunde sind das: Anthony Losilla, Kevin Stöger, Philipp Förster, Patrick Osterhage, Konstantinos Stafylidis und Jacek Goralski.

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(Foto: VfL Bochum 1848)