0:5 gegen Leverkusen

Pleite statt Party: Der letzte Punkt wird der schwierigste

Nicht nur Fußballer sind abergläubisch, viele ihrer Anhänger ganz genauso. Im Mai vor einem Jahr gelang dem VfL Bochum der Klassenerhalt zu Hause gegen Leverkusen. Die Spielplanmacher ermöglichten an diesem Sonntag eine Wiederholung, und die Fans taten dafür alles, dass sich die Erfolgsgeschichte wiederholt. Mehrere tausend von ihnen marschierten vor dem Spiel also wieder zu Fuß vom Rathaus zum Ruhrstadion in der Hoffnung auf einen unvergesslichen Fußballabend. Alles war angerichtet für die große Party. Nur ein Punkt fehlt(e) dem VfL noch, um sich ein weiteres Jahr in der Bundesliga zu sichern. Die Konkurrenz hatte am Samstag die Vorlage geliefert. Zwar gewann Mainz 05 mühelos gegen wenig motivierte Dortmunder und verhinderte damit Bochumer Feierlichkeiten auf der Couch, doch Union Berlin patzte beim 1. FC Köln und steht weiter drei Punkte hinter dem VfL. Angesichts dieser Ausgangslage beunruhigte viele Bochumer nicht einmal die Tatsache, dass ausgerechnet der neue Deutsche Meister als möglicher Partycrasher ins Ruhrstadion kam. Schließlich war es doch der VfL, der Leverkusen vor ziemlich genau einem Jahr die bis heute letzte Pflichtspielniederlage bescherte. 

Früher Platzverweis

Doch schon eine Viertelstunde nach dem Anpfiff schwand die Hoffnung. Die Bochumer begannen stark, waren zunächst die bessere Mannschaft. Doch dann sah Felix Passlack nach einer Notbremse die Rote Karte, und Leverkusen ging noch vor der Pause mit 2:0 in Führung. Schon da glaubte beim VfL offensichtlich niemand mehr an ein Fußballwunder. Linksverteidiger Bernardo, einer der besten Bochumer in dieser Saison, wurde vorsorglich ausgewechselt, weil er im Falle einer Gelben Karten für das Spiel in Bremen gesperrt gewesen wäre. Gegen ein Team der höchsten Güteklasse „muss alles perfekt laufen“, sagte Mittelfeldspieler Patrick Osterhage später im Interview, und das sei nicht der Fall gewesen. In Unterzahl 75 Minuten das Unentschieden zu verteidigen, war praktisch unmöglich, obwohl die Leverkusener auf zahlreiche Leistungsträger verzichteten. Der Platzverweis entwickelte sich zur Schlüsselszene, mit 0:5 ging der VfL schließlich unter. Gegenwehr war am Ende nur noch eingeschränkt vorhanden, auch die Fans gaben auf und verschwanden schon vor dem Abpfiff in Scharen. Die, die blieben, heizten die Mannschaft bei ihrer Ehrenrunde auf das Saisonfinale in Bremen ein.

Nur ein Punkt fehlt noch

Eine Woche länger müssen Fans, Spieler und Verantwortliche nun bangen, ob der Klassenerhalt gelingt oder doch noch eine Teilnahme an der ungeliebten Relegation droht. Der Druck steigt, und wahrscheinlich ist nichts im Fußball so kompliziert wie den letzten noch fehlenden Punkt einzufahren. „Die Ausgangssituation ist immer noch okay“, meint Osterhage vor seinem womöglich letzten Spiel im VfL-Trikot, „wir haben alles in der eigenen Hand.“ Gegen Bremen nur ein Remis zu sichern, werde aber sicher nicht die Marschroute sein. „Das wäre der falsche Ansatz“, sagte der künftige Freiburger. Zwar möchten sich die Bochumer ungern auf andere verlassen, sein neuer Arbeitgeber kann dem VfL beim Erreichen des großen Ziels aber helfen. Sollten die Breisgauer, für die es immerhin noch um die Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb geht, am kommenden Samstag auswärts bei Union Berlin punkten, wäre Bochum in jedem Fall gerettet. „Ich werde mit ein paar Nachrichten versuchen, dass das klappt“, kündigte der aus Freiburg ausgeliehene Keven Schlotterbeck an, wohlwissend, dass sein Einfluss begrenzt ist. Sein in Dortmund spielender Bruder hatte „110 Prozent Einsatz“ gegen Mainz versprochen – das Ende ist bekannt.

Drei Chancen für Bochum

Auch der VfL Wolfsburg könnte den Bochumern im Zweifel noch helfen. Sollte Berlin gegen Freiburg gewinnen und Bochum in Bremen verlieren, würde für den Ligaverbleib des VfL auch ein Sieg des namensgleichen Klubs aus Wolfsburg gegen Mainz reichen. Drei Chancen auf drei Fußballplätzen hat der VfL also am letzten Bundesliga-Spieltag, und plant bis dahin „nichts Außergewöhnliches“ mehr, verriet Sportdirektor Marc Lettau. Die Mannschaft sei intakt und werde sich von der deutlichen Niederlage gegen den seit 50 Pflichtspielen ungeschlagenen Meister nicht aus der Bahn werfen lassen. Ob sich die Fans noch einmal etwas Besonderes ausdenken, ist zur Stunde nicht überliefert. Die Ultras hatten bereits vor dem Spiel in Berlin zum Besuch des Abschlusstrainings aufgerufen und vor der Partie gegen Leverkusen einen Fanmarsch organisiert, parallel noch eine aufwendige Choreografie gestaltet. Einzig der permanente Einsatz von Pyrotechnik während des gesamten Spiels kam bei zahlreichen Zuschauern nicht so gut an. „Ultras raus“ riefen sie zwischendurch, die Atmosphäre im Stadion litt merklich unter den Differenzen. Wobei der Spielverlauf natürlich der größte Stimmungskiller war.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Torhüter im Fokus

Der mitspielende Co-Trainer: VfL will Riemann länger binden

Der Ball lag erst wenige Sekunden im Tornetz, da brüllte Manuel Riemann bereits los. Wild gestikulierte er in Richtung Trainerbank. Ohne eine nähere Beschreibung der Szene wäre zunächst nicht klar, welches Spiel überhaupt gemeint ist. Immer wieder regt sich der Torhüter des VfL Bochum unmittelbar nach einem Gegentreffer über das Zustandekommen und die Arbeit seiner Vorderleute lautstark auf und nimmt gelegentlich auch Kontakt zum Trainerteam auf. Das häuft sich mittlerweile. So geschehen im Heimspiel gegen Hoffenheim und beim Auswärtsspiel vergangenen Sonntag in Berlin. Unmittelbar nach dem 1:3 in der Alten Försterei kam es zu einer besonderen Situation: Riemann wollte unbedingt mit Co-Trainer Marc-Andre Kruska sprechen. Also lief der Assistent von Fußballlehrer Heiko Butscher los und sprintete bis hinter das Tor von Riemann. Kurz danach riefen Butscher und Kruska zwei Ersatzspieler zur Trainerbank und bereiteten einen Doppelwechsel vor. Reiner Zufall? Was genau der Keeper loswerden wollte, ist nicht überliefert. Sportdirektor Marc Lettau könnte es mitbekommen haben, umschiffte eine Nachfrage nach dem Sieg aber geschickt.

Riemanns großer Einfluss

Dabei ist längst offensichtlich, dass Riemann mehr ist als nur ein Torhüter. Er ist der mitspielende Co-Trainer des VfL Bochum. Schon unter Ex-Coach Thomas Reis nahm wie Riemann kein anderer Spieler Einfluss auf die Herangehensweise der Mannschaft, sowohl auf als auch neben dem Platz. Unter Thomas Letsch ging Riemann noch weiter und forderte auf dem Platz – und für alle Zuschauer sichtbar – Spielerwechsel oder taktische Anpassungen. Vor laufenden Kameras war Letsch meist bemüht darum, die Situation abzumoderieren. Intern aber sah er seine Autorität untergraben, weshalb die Beziehung zwischen den beiden am Ende weit von einer Musterehe entfernt war. Heiko Butscher hingegen scheint sich über die Unterstützung zu freuen. „Wir haben Trainer auf der Tribüne und wir haben mit Manuel Riemann einen Torwart auf dem Platz, der ein Spiel sehr gut lesen kann. Das nutzen wir. Wie wir dann entscheiden, das ist uns überlassen“, sagte Butscher der WAZ. In der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Leverkusen antwortete der Interimstrainer auf Nachfrage von Tief im Westen – Das VfL-Magazin fast wortgleich.

Veränderte Konstellation im Tor

Weil sich Riemann im Vergleich zur vergangenen Saison zudem sportlich wieder stabilisiert hat und mit seiner Spieleröffnung ohnehin Maßstäbe setzt, wollen die Verantwortlichen die Zusammenarbeit mit dem extrovertierten Torwart weiter fortsetzen. Riemanns Vertrag endet 2025, eine Vertragsverlängerung ist nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin jedoch sehr wahrscheinlich. Damit wäre auf der Torhüterposition für Kontinuität gesorgt. Riemann, der im September 36 Jahre alt wird, würde wohl weiter als Nummer eins in die neue Saison gehen, ligaunabhängig. Hinter ihm soll Niclas Thiede als Nachfolger aufgebaut werden. Der 25-Jährige wurde im vergangenen Sommer auf Empfehlung von Torwarttrainer Peter Greiber nach Bochum zurückgeholt; Thiede spielte bereits in der Jugend für den VfL. Andreas Luthe und Michael Esser, zwei Bochumer Urgesteine und zuverlässige Vertreter, werden in diesem Sommer sehr wahrscheinlich ihre aktive Karriere beenden. Vom Wuppertaler SV wird Paul Grave zunächst zurückkehren, über die neue U21 soll zudem Eigengewächs Hugo Rölleke an den Profifußball herangeführt werden.  


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(Foto: Marc Niemeyer)

Mehr Platz für die Jugend

Für 20 Mio. Euro: NLZ-Ausbau mit Mini-Stadion soll bald starten

Seit Monaten diskutieren die Stadt, der VfL und seine Fans über die Zukunft des Bochumer Ruhrstadions. Ein wahrscheinlich hoher zweistelliger Millionenbetrag soll in die Modernisierung gesteckt werden. Zahlreiche Mängel müssen behoben werden, außerdem soll der Komfort steigen. Die ersten Entwürfe sind der Öffentlichkeit mittlerweile bekannt, ein ausführlicher Bericht dazu ist am Ende dieses Beitrags verlinkt.

Konkurrenz hat den VfL überholt

Dabei geht ein anderes, nicht weniger wichtiges Bauprojekt fast ein bisschen unter. Denn die Stadt Bochum ist nicht nur bereit, das Ruhrstadion zu sanieren, sondern auch rund 20 Millionen Euro in das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) an der Hiltroper Straße zu stecken. Das 2003 eröffnete Trainingsgelände für die VfL-Jugend befindet sich ebenfalls nicht mehr in einem zeitgemäßen Zustand. „Wir werden links und rechts überholt“, betonte VfL-Geschäftsführer Patrick Fabian jüngst beim Mitgliederabend anlässlich der geplanten Baumaßnahmen. Nicht nur Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen oder Schalke 04 könnten dem Nachwuchs deutlich bessere Bedingungen, „mittlerweile auch der SC Paderborn, Arminia Bielefeld oder Rot-Weiss Essen.“ Der VfL gerate beim Werben um die besten Talente mehr und mehr ins Hintertreffen. „Mit Geld können wir Talente ohnehin nicht überzeugen“, sagte Fabian. „Mit der Infrastruktur und den Bedingungen aber auch nicht.“

Trainingsplätze und Räume fehlen

Das Hauptproblem: Die Anzahl und Qualität der Trainingsplätze. „Wir verfügen zwar über fünf Plätze, aber zwei davon sind vor allem im Winter kaum nutzbar. Aktuell müssen sich unsere Jugend-Mannschaften teilweise einen Platz teilen, wenn sie trainieren. Das ist alles andere als optimal“, erklärte Fabian. Auch Umkleidekabinen, Büros für die Trainer oder Räumlichkeiten für Video-Analysen fehlen derzeit. Eher notdürftig ist vor einiger Zeit immerhin ein Fitness-Container installiert worden. Alles in allem ist das aber nicht mehr bundesligatauglich. „Wir brauchen kein pompöses Nachwuchsleistungszentrum, aber eines, das den heutigen Anforderungen entspricht“, so Fabian, der sich einen „Treffpunkt für Kinder und Jugendliche in unserer Stadt“ wünscht, „an dem sie gemeinsam Sport treiben können.“ Wie alle beim VfL Bochum ist er dankbar dafür, dass sich die Stadt maßgeblich an den Baumaßnahmen beteiligt. Alleine könnte sie der Klub nicht stemmen.

Erweiterung auf neuem Gelände

Zwei Entwürfe für den Umbau liegen derzeit vor. Sie unterscheiden sich nur in der Anzahl und Anordnung der Fußballplätze. Insgesamt drei bis vier Naturrasenplätze, zwei Kunstrasenplätze sowie eine Traglufthalle soll es in Zukunft geben. Auch ein sogenannter Soccerbot für computer-gestütztes Fußballtraining ist angedacht. Zudem soll das Funktionsgebäude erweitert werden. Darin sollen sich ausreichend Kabinen, Aufenthaltsbereiche für Spieler und Trainer, Besprechungsmöglichkeiten, Fitness- und Physio-Räume, Büros sowie eine Gaststätte befinden. Ein Naturrasenplatz soll künftig über eine Tribüne mit mehr als 1.000 Sitzplätzen verfügen. Je nach Beschaffenheit und Ligazugehörigkeit könnten hier sogar die VfL-Frauen oder die neue U21 der Männer Pflichtspiele bestreiten. Weil das bestehende Gelände keinen Raum für eine unmittelbare Erweiterung bietet, wird das Nachwuchsleistungszentrum künftig aus einem Nord- und einem Südabschnitt bestehen.

Stadt muss Gutachten abwarten

Der neue Teil entsteht auf einer Fläche im Norden der Hiltroper Straße und südlich der A43. Beide Teile sollen künftig durch eine Fußgängerbrücke miteinander verbunden sein. Schon in diesem Jahr könnten die ersten Bagger rollen, wobei es noch Hürden vor dem Baustart gibt. Aus Vereinskreisen ist zu hören, dass im Umfeld des neuen Teilstücks möglicherweise geschützte Tierarten (konkret: Fledermausarten) leben sollen. Auf Anfrage von Tief im Westen – Das VfL-Magazin teilte ein Sprecher der Stadt mit, dass „eine Artenschützprüfung I, wie in fast allen Bebauungsplanverfahren erforderlich“, bereits beauftragt wurde. Allerdings sei eine „weitere, vertiefende Art-für-Art-Betrachtung“, ebenfalls notwendig. Dies sei aber eine „normale Vorgehensweise.“ Ob der angedachte Zeitplan dadurch beeinflusst wird, ist nicht bekannt. Am 13. Mai (18 Uhr, VIP-Lounge im Ruhrstadion) will die Stadt den Bebauungsplan der Öffentlichkeit vorstellen.


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(Foto: Imago / Funke Foto Service)

4:3-Sieg bei Union

Nervenkitzel und Party in Berlin: Klassenerhalt zum Greifen nah

Nichts ließen die treuen Anhänger des VfL Bochum vor dem Kellerkrimi gegen Union Berlin unversucht. Rund 5.000 von ihnen besuchten am Samstagmittag das Abschlusstraining im Ruhrstadion und standen bei der Abfahrt der Mannschaft Spalier. Auch in Berlin war die Euphorie zu spüren. Bereits am Samstagabend versammelten sich zahlreiche Fans in der Stammkneipe der Bochumer Botschaft. Der Fanclub des VfL in der Hauptstadt organisierte außerdem eine Schiffstour zur Alten Försterei. Knapp 300 Fans legten am Sonntag im Stadtteil Köpenick an, gemeinsam mit Gleichgesinnten marschierten sie anschließend zum Stadion. 

Und da ging die Party direkt weiter. Der VfL überrollte den Tabellennachbarn regelrecht. Nach 37 Minuten führten die Bochumer bereits mit 3:0. Erst traf der vom Verteidiger zum Offensivspieler umfunktionierte Maximilian Wittek doppelt und technisch anspruchsvoll, dann legte der Ex-Unioner Keven Schlotterbeck noch vor der Pause das dritte Tor nach. Die zu Beginn ebenfalls lautstarken Fans aus Berlin verstummten – und im Gästeblock ertönte ein Klassiker. „Wir bleiben drin“, sangen die knapp 2.500 mitgereisten VfL-Fans und nahmen dabei die Melodie des Steigerlieds als Vorlage. 

Vorsprung wächst

Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Recht behalten, ist nach dem erst zweiten Auswärtssieg in dieser Saison deutlich gestiegen. Der direkte Abstieg ist nach dem 4:3-Erfolg in Berlin rechnerisch nicht mehr möglich. „Dieser Sieg ist ein großer Schritt für uns“, sagte der sichtlich erleichterte Keven Schlotterbeck. Drei Punkte rangiert Union Berlin nun hinter dem VfL, der Vorsprung auf Mainz 05 und den Relegationsplatz beträgt zwei Spieltage vor dem Saisonende sogar vier Zähler. Ausgerechnet gegen den Meister aus Leverkusen könnte der VfL bereits am kommenden Wochenende den Klassenerhalt feiern – ähnlich wie in der vergangenen Saison.

Doch zurück zum Spiel in Berlin. Die Elf von Trainer Heiko Butscher knüpfte nahtlos an den überzeugenden Auftritt im Heimspiel gegen Hoffenheim an und untermauerte, dass sie weiß, worauf es im Abstiegskampf ankommt. Sie stresste den Gegner permanent und verwickelte ihn immer wieder in Zweikämpfe. „Es gibt keine Mannschaft in der Bundesliga, die besser kämpfen kann“, stellte Bochums bester Verteidiger Bernardo nach dem Spiel heraus. Eine fast perfekte Chancenverwertung bescherte dem VfL die höchste Pausenführung seit dem Auswärtssieg in Augsburg Ende 2022. Da aber wurde es nach dem Seitenwechsel nochmal spannend. 

Wieder Drama

In Berlin war es an diesem Sonntag nicht anders. Beruhigende Vorsprünge gibt es für den VfL einfach nicht. Drama gehört zur Klub-DNA– das haben schon die vergangenen Wochen gezeigt. Union kämpfte sich mit einem Doppelschlag nach der Pause auf ein 2:3 heran. Philipp Hofmann stoppte den Offensivlauf der Gastgeber zwar kurzzeitig mit dem vierten Bochumer Tor, doch nur wenige Minuten später verkürzten die Berliner erneut. „Wir haben es leider wieder spannend gemacht“, stellte nicht nur Doppeltorschütze Maximilian Wittek fest. „Irgendwie können wir es nicht normal.“ 

Wieder einmal zeigte der VfL Anpassungsschwierigkeiten nach Umstellungen beim Gegner, wieder einmal brachten sich die Bochumer beinahe um den verdienten Lohn ihrer Arbeit. Wie schon gegen Hoffenheim retteten die Bochumer den Sieg aber über die Zeit. Sehr zur Freude der mitgereisten Zuschauer. „Auf einem Sonntagnachmittag einmal quer durch Deutschland zu fahren, ist nicht selbstverständlich“, lobte Wittek die Fans. Generell kam die Unterstützung bei den Spielern gut an. „Alle Aktionen waren cool. Wir sind mit dem Zug in Berlin angekommen und einige Fans haben uns am Bahnhof empfangen. Wir sehen, was sie für uns leisten“, sagte Bernardo stellvertretend für die Mannschaft, die sich ihrerseits mit drei ganz wichtigen Punkten bedankte. 


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(Foto: Imago / Jan Huebner)

Debatte

VfL-Kolumne: Wo ein Wittek ist, ist auch ein Weg

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Immer zu Wochenbeginn gibt es einen kurzen Kommentar zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die nervenaufreibende Schlussphase der Saison.

Verteidiger, Mittelfeldspieler, Stürmer – die Wunschliste für den Sommer ist lang. Spätestens nach dem spektakulären 4:3-Zittersieg bei Union Berlin sollten die Verantwortlichen des VfL diese Liste aber noch um eine Personalie erweitern. Auch ein Klub-Kardiologe wird dringend benötigt. Schon Frank Goosen wusste: Der VfL Bochum ist der (einzige) Klub, für den es keinen beruhigenden Vorsprung gibt. Die Spiele gegen Hoffenheim und Berlin haben die Herzen vieler Fans überstrapaziert. Gesund ist das auf Dauer nicht.

Aber: Lieber Spannung am 32. Spieltag als ein Drama in der Relegation. Denn von allen Abstiegskandidaten hat der VfL vermutlich das schwierigste Restprogramm. Leverkusen ist seit 48 Pflichtspielen ungeschlagen, Bremen hofft noch auf die Conference League. Dass der VfL im Mai 2023 der letzte Klub war, die Leverkusen besiegen konnte, ist immerhin ein Mutmacher. Gegen den neuen Meister den Klassenerhalt erneut im eigenen Stadion zu feiern, würde alle Bochumer glücklich machen – und ärztliche Konsultationen rund um den letzten Spieltag deutlich senken.

Je nach Ausgang der Partien am kommenden Samstag muss der VfL gegen Leverkusen vielleicht gar nicht mehr gewinnen. Union Berlin spielt in Köln, Mainz zu Hause gegen Dortmund. Siegt der BVB, dann feiert der VfL den Klassenerhalt sogar schon am Samstagabend auf der Couch. Also Daumen drücken für den Rivalen? Fußballfans sind da meist flexibel – die Hauptsache ist, es hilft dem eigenen Verein. Dann würde die Party am Sonntag schon vor dem Spiel gegen Leverkusen beginnen.

Wie auch immer: Die Ausgangslage vor dem 33. Spieltag ist viel besser als in den turbulenten Wochen nach Ostern befürchtet. Der direkte Abstieg ist nicht mehr möglich – und der direkte Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen. Die zwei Siege gegen Hoffenheim und Berlin waren nach dem langen Abwärtstrend aber auch dringend nötig. Die Mannschaft des VfL Bochum hat zum richtigen Zeitpunkt die Kurve gekriegt und möchte unbedingt in der Bundesliga bleiben. Das hat sie an den vergangenen beiden Wochenenden eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Und spätestens seit dem Spiel in Berlin wissen wir alle: Wo ein Wittek ist, ist auch ein Weg.


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(Foto: Imago / Jan Huebner)

Rechte Abwehrseite

Passlack, Oermann oder ein Neuer: VfL sucht Dauerlösung

Die Freude über den ersten Sieg seit Mitte Februar war beim VfL Bochum am vergangenen Freitag riesengroß. Nicht nur die Fans lagen sich in den Armen, auch die Spieler. Vor allem der Jubel von Felix Passlack wurde von zahlreichen Kameras eingefangen. Mit dem Abpfiff sank er zu Boden, seine Erleichterung war ihm anzusehen. „Da hatte ich tatsächlich ein paar Tränen in den Augen“, verriet der 25-Jährige im Interview. „Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und die letzten Wochen haben mich schon sehr mitgenommen. In meiner Karriere habe ich noch nie einen Abstiegskampf erlebt. Das macht natürlich etwas mit einem. Deshalb fällt mir ganz schön viel vom Herzen.“

Plötzlich wieder gefragt

Für Passlack waren es besonders komplizierte Wochen. Der Neuzugang von Borussia Dortmund startete als Stammspieler in die Saison, verlor seinen Platz nach dem sechsten Spieltag aber wieder und kam monatelang nicht mehr zum Einsatz. Zeitweise strich ihn Trainer Thomas Letsch sogar aus dem Spieltagskader. Als Fehleinkauf bezeichneten ihn die allermeisten Fans, das Urteil der Verantwortlichen fiel intern nicht wesentlich anders aus. Erst als auf der Rechtsverteidiger-Position weder Cristian Gamboa noch Noah Loosli oder Erhan Masovic überzeugten und sich Tim Oermann auch noch verletzte, bekam Passlack Ende März wieder eine Chance. Und die nutzte er.

Fünfmal in Folge gehörte Passlack nun zur Startelf, zweimal unter Thomas Letsch, dreimal unter Heiko Butscher. Gegen Köln und Hoffenheim konnte der frühere Juniorennationalspieler sogar zwei Tore verbuchen. Passlack nutzt das Saisonfinale, um Werbung in eigener Sache zu betreiben. Sein Vertrag läuft zwar noch bis 2025 und gilt auch im Abstiegsfall, eine vorzeitige Trennung war bis vor wenigen Wochen aber alles andere als unwahrscheinlich. Generell stehen die Rechtsverteidiger bei der Kaderplanung für die kommende Saison im Fokus. Auf keiner anderen Position gab es in dieser Spielzeit so viele Personalwechsel, so viele Experimente und ja, auch viele Enttäuschungen.  

Gamboa nur noch Ersatz

Klar ist: Die Zeit von Cristian Gamboa in Bochum neigt sich allmählich dem Ende entgegen. Der 34-Jährige war in der Aufstiegssaison und auch in den beiden Jahren danach mehr oder weniger gesetzt. In dieser Saison aber haben sich seine Einsatzzeiten schon merklich verringert. Auch Gamboas Vertrag läuft noch bis 2025. Im Zuge der Vertragsverlängerung im vergangenen Jahr haben ihm die Verantwortlichen aber bereits mitgeteilt, dass sie ihn künftig nicht mehr unbedingt als Stammspieler sehen. Für das Team- und Kabinenklima ist Gamboa mit seiner positiven und sehr loyalen Art allerdings so wichtig, dass er ein weiteres Jahr beim VfL bleiben darf.

Das wiederum deutet auf eine externe Neuverpflichtung im Falle Klassenerhalts hin, sofern Felix Passlack nicht plötzlich zur Ideallösung für die rechte Abwehrseite ernannt wird. Bereits im Winter waren Geschäftsführer Patrick Fabian und Sportdirektor Marc Lettau nicht abgeneigt, auf dieser Position aktiv zu werden; ein passender Spieler ging ihnen aber nicht ins Netz. Schließlich fand man in Tim Oermann eine interne Lösung, um das Personalproblem zeitweise zu lösen. Oermann ist aber eigentlich im Abwehrzentrum zu Hause, und auch dort zeichnet sich für den Sommer ein Personalbedarf ab, sollten Keven Schlotterbeck, Erhan Masovic oder Bernardo den Verein verlassen.  

Suche nach Verstärkung

Doch zurück zur Außenposition: Öffentlich bekannt geworden war im Winter das Interesse an Daiki Hashioka, dessen Vertrag beim belgischen Klub VV St. Truiden in diesem Sommer ausgelaufen wäre. Doch der japanische Nationalspieler entschied sich bereits im Januar für einen Wechsel zu Luton Town in die englische Premier League. Wer kommt also nun infrage? Österreichische Medien bringen den VfL derzeit mit Nikolas Veratschnig vom dortigen Erstligisten Wolfsberger AC in Verbindung. Der 21-Jährige gilt als Newcomer in der Alpenrepublik. Auch andere, finanzstärkere Klubs sollen an einer Verpflichtung des schnellen Verteidigers interessiert sein.  


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(Foto: Marc Niemeyer)

Debatte

VfL-Kolumne: Wenn Bochum ins „höhere Regal“ greift

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Immer zu Wochenbeginn gibt es einen kurzen Kommentar zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die Möglichkeiten auf dem Transfermarkt.

Da ist sie wieder, eine der meistzitiertesten Aussagen der Saison. Schon im vergangenen Sommer sprach VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig davon, dass die Bochumer bei Transfers nun in ein „höheres Regal“ greifen könnten. In einem Interview mit dem Online-Portal Spox, das am Montag veröffentlicht wurde, nutzte er dieselbe Formulierung wieder. Die vergangenen Monate haben gezeigt: Das weckt bei vielen Fans falsche Erwartungen – obwohl die Formulierung inhaltlich nicht falsch ist.

Das Problem ist, dass es Kaenzig anders meint als es bei vielen Fans ankommt. Kaenzig meint damit offensichtlich: Der Spieleretat des VfL ist deutlich gestiegen, der Abstand zu einigen Mitbewerbern wird mit jedem Erstligajahr geringer. Stammspieler aus dem Ausland oder Leistungsträger aus der 2. Liga wechseln an die Castroper Straße, Leihverträge werden weniger, Neuzugänge bringen Spielpraxis mit. Was bei vielen Fans dagegen ankommt: Der VfL kann sich gefragte Bundesliga-Profis leisten, kann Ablösesummen von drei oder vier Millionen Euro stemmen und die meisten Neuzugänge sind auf Anhieb Leistungsträger.

Ohne Branchenkenntnis fällt eine Einschätzung logischerweise schwer, welche Spieler tatsächlich im Bochumer Regalfach liegen. Die Realität aber ist: Sollte der VfL den Klassenerhalt erneut schaffen, dann wird sich an den Möglichkeiten auf dem Transfermarkt immer noch nichts Entscheidendes ändern, auch wenn der Spielraum durch zu erwartende Ablösesummen weiter steigen würde. Als Faustregel gilt: Sobald ein anderer Bundesligist ins Wettbieten um einen Spieler einsteigt, sinken die Chancen, diesen Spieler nach Bochum zu locken, oft rapide. Denn die allermeisten Profis schauen zunächst einmal auf die Zahlen in ihrem Vertrag. Und da stechen Augsburg, Mainz oder Berlin den VfL im Normalfall aus, weil sie schon länger etablierte Mitglieder der Bundesliga sind.

Darum ist genau das notwendig, was Ilja Kaenzig seit Jahren predigt: Der VfL muss die Umsatzmarke von 100 Millionen Euro knacken, um dauerhaft konkurrenzfähig zu sein. Wahrscheinlich wäre es bis dahin besser, bei Transfers nicht mehr vom Griff ins „höhere Regal“ zu sprechen. Einfach deshalb, weil es falsche Erwartungen weckt.


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(Foto: Imago / Team 2)