Kolumne

Ist das noch Volkssport? Topzuschlag für VfL-Tickets

Die VfL-Kolumne ist ein festes Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die Ticketpreise.

Die vermeintlich rote Linie rückt näher. Bereits vor mehr als 15 Jahren haben die aktiven Fanszenen in Deutschland ein Preislimit für Stehplätze definiert. Ihr Credo: Ein Einzelticket soll weniger als 20 Euro kosten. Der VfL Bochum kratzt bereits an dieser Marke. Ein Stehplatzticket für das Heimspiel gegen Osnabrück an diesem Freitagabend kostet 19 Euro; normalerweise sind es 17. Doch der VfL erhebt für die Partie gegen den Aufsteiger einen Topzuschlag wie einst gegen Bayern oder Dortmund.

Dass der VfL Bochum versucht, seine Einnahmen zu maximieren, ist legitim, verständlich und auch notwendig – schließlich sind die Anhänger die ersten, die meckern, wenn Geld für gute Spieler fehlt. Dennoch müssen die Verantwortlichen aufpassen, die Preisschraube nicht zu überdrehen. Viele Fans durchschauen den Versuch, vor der Stadionsanierung noch einmal abkassieren zu wollen. Kein Wunder also, dass am Donnerstagmittag noch rund 700 Karten für das Spiel gegen Osnabrück zu haben waren, vor allem für Block D. Dort kostet ein Ticket mit Topzuschlag fast 50 Euro. Das will – und kann – sich nicht jeder leisten und dürfte sich mit Blick auf die steigende Abgabenlast in diesem Land auch so schnell nicht ändern. Ein Verein, der gerne von „Volkssport“ spricht, sollte den damit verbundenen Erwartungen auch gerecht werden. Auch wenn der Balanceakt zwischen Faninteressen und Konkurrenzfähigkeit zweifellos ein schwieriger ist!

Was bei genauerer Betrachtung auffällt: Die Preisentwicklung im Ruhrstadion (und im Fußball generell) hat sich von der normalen Lebensrealität längst entkoppelt. Ein Beispiel: Eine Karte für Block D kostete im Jahr 2000 regulär 35 DM, sogar für ein Bundesliga-Spiel. Seither sind die Preise hierzulande um durchschnittlich um rund 66 Prozent gestiegen. Umgerechnet würde das bedeuten, dass ein Ticket heute knapp 30 Euro kosten sollte. Die Realität sieht anders aus: Regulär sind es 39 Euro, mit Topzuschlag sogar 49 – für ein Zweitliga-Spiel, wohlgemerkt. Besserung ist übrigens nicht in Sicht, im Gegenteil: Spätestens mit Abschluss der Stadionsanierung dürften die Eintrittskarten noch teurer werden. Und im Zweifel subventioniert der Sitzplatzkunde den günstigen Stehplatz mit.

(Foto: Marc Niemeyer)

Podcast

Dezimiert in Runde zwei: Wo der VfL nachbessern müsste

Dank einer geschlossenen Mannschaftsleistung hat der VfL Bochum hat die zweite Pokalrunde erreicht. Die Defensive hat wieder einmal überzeugt, die Offensive weniger. Personalsorgen kommen hinzu. In unserer neuen Podcast-Folge sprechen wir über das Spiel in Fürth und die letzte Transferwoche: Wo sollte der VfL nachbessern – und was ist überhaupt realistisch?

(Foto: Marc Niemeyer)

Tief im Westen und noch mehr: VfL-News auf WhatsApp & Co.

Liebe VfL-Fans,

Ihr wollt stets auf dem Laufenden bleiben, wenn es um das Geschehen an der Castroper Straße geht? Dann ist der WhatsApp-Kanal „VfL-News von Philipp Rentsch“ genau der richtige für euch! Dort verpasst ihr keinen meiner Online-Artikel und erfahrt zügig, wenn eine neue Podcast-Folge online geht. Auch meine regelmäßigen kicker-Berichte zum VfL Bochum verlinke ich auf WhatsApp.

Der Kanal ist selbstverständlich kostenlos und über einen Klick auf das unten stehende WhatsApp-Symbol zu erreichen. Auch auf X (vormals Twitter) erfahrt ihr regelmäßig Neues aus der VfL-Welt inklusive Fotos und Nachrichten abseits meiner Berichte. Eine Facebook-Seite sowie unser YouTube-Kanal, auf dem jede Podcast-Folge veröffentlicht wird, komplettieren das Angebot. Nutzt diese Kanäle gerne ebenfalls. Auch hier genügt ein Klick auf das Symbol der Plattform, um eine Verbindung zum jeweiligen Account aufzubauen.

Viel Spaß beim Mitlesen und Diskutieren!

Euer Philipp Rentsch

Erste Runde gegen Fürth

Warum ein VfL-Sieg im Pokal wirtschaftlich wichtig wäre

Trier, Halle oder Lübeck – die Liste der sportlich wie touristisch attraktiven Reiseziele in der ersten Runde des DFB-Pokals ist lang. Doch Losglück hat der VfL bekanntlich selten. Zum dritten Mal in vier Jahren müssen die Bochumer zu Beginn der Pokalsaison gegen einen Zweit- oder Drittligisten antreten. 2023 und 2024 endeten beide Duelle mit einer Niederlage. Das soll in diesem Jahr nicht passieren. Allerdings hat der VfL mit dem Ligakonkurrenten Greuther Fürth den wahrscheinlich schwersten und undankbarsten Gegner erwischt, der sich in der Lostrommel befand. Aus sportlicher Sicht ist ein Spiel auf Augenhöhe zu erwarten. Auch aus Fansicht ist die Begegnung angesichts der weiten Reise an einen längst bekannten Ort maximal unattraktiv.

Einnahmen gesunken

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist auch die wirtschaftliche Bedeutung des Wettbewerbs. Im DFB-Pokal könnte der VfL zusätzliche Einnahmen erzielen, die den Handlungsspielraum erhöhen würden. Wegen des schweren Gegners ist im Etat momentan lediglich die Antrittsprämie für die erste Runde eingepreist. Ein Weiterkommen gegen Fürth würde rund 425.000 Euro zusätzlich in die Klubkasse spülen; Zuschauereinnahmen aus dem Pokalspiel Ende Oktober kämen noch hinzu, egal ob zu Hause oder auswärts. Mit jeder weiteren Runde bestünde die Chance, die Bonuseinnahmen zu erhöhen. In der vergangenen Saison hat der VfL im DFB-Pokal rund 1,5 Millionen Euro allein aus dem Fernsehtopf erhalten, bevor im Achtelfinale gegen Stuttgart Endstation war.

Der Saisonvergleich zeigt ohnehin, dass dem VfL bereits einige Einnahmen weggebrochen sind. Weil der Vertrag mit Stadionsponsor Vonovia seitens des Immobilienkonzerns nach zehn Jahren nicht verlängert wurde und noch kein Nachfolger in Sicht ist, fehlt nach jetzigem Stand ein hoher sechsstelliger Jahresbetrag. Zudem können während der Stadionsanierung nicht alle Zuschauerplätze genutzt werden; zeitweise könnten bis zu 8.000 pro Spiel weniger zur Verfügung stehen. Der VfL rechnet bis 2029 mit Einnahmeverlusten zwischen zwei und drei Millionen Euro. Noch bedeutender sind die Verschiebungen im TV-Ranking der Liga, die nach Auskunft von Geschäftsführer Ilja Kaenzig „rund sechs Millionen Euro“ ausmachen, die der VfL in diesem Jahr weniger erhält.

„Wir verlieren Plätze im TV-Geld-Ranking durch die drei Absteiger, dazu werden wir wohl deutlich weniger aus der Nachwuchssäule generieren“, erklärte Kaenzig jüngst im Interview. In der zurückliegenden Saison kamen beim VfL zahlreiche in Deutschland ausgebildete Nachwuchsspieler zum Einsatz, wofür die Liga einen Bonus zahlt. Das wird in dieser Saison wohl anders sein. Zuletzt schickten die Bochumer die älteste Startelf der Liga ins Rennen. Aufgefangen werden all diese Verluste vor allem durch den Verkauf von Cajetan Lenz, der rund zehn Millionen Euro eingebracht hat. Hinzukommen kleinere Ablösesummen sowie Ausbildungsentschädigungen, etwa für Tjark Ernst und Armel Bella Kotchap, die in Summe einen Betrag knapp über der Millionengrenze ergeben.

Geld für Transfers

Gleichzeitig ist der Lizenzspieleretat gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken, als der VfL mehr ausgegeben als eingenommen hat. Dennoch: Ein zentraler Mittelfeldspieler sowie ein linker Flügelstümer stehen in dieser Reihenfolge noch auf der Wunschliste, auch Leihen sind denkbar. Ob beide Transfers auch im Falle einer Pokalpleite realisiert werden würden, ist ungewiss. In jedem Fall wäre es hilfreich, wenn Ibrahim Sissoko einen neuen Verein finden würde. Der Angreifer zählt zu den Besserverdienenden und ist seit Vorbereitungsbeginn vom Mannschaftstraining freigestellt. Das wiederum könnte die Suche nach einem Abnehmer erschweren. Bei einem passenden Angebot wäre der VfL auch bei Philipp Strompf gesprächsbereit, der nur noch Innenverteidiger Nummer vier ist.

(Foto: Marc Niemeyer)

Erster Saisonsieg

Wunschelf mit reichlich Routine: VfL-Siegtor zur besten Zeit

Nicht wenige Fans des VfL Bochum schauen in Anlehnung an das angebliche Gründungsjahr um 18.48 Uhr besonders gern auf die Uhr. An diesem Freitagabend hatten sie dabei einen besonderen Grund zur Freude. Denn exakt zu dieser Zeit erzielte Philipp Hofmann beim Auswärtsspiel gegen Eintracht Braunschweig gegen den Führungstreffer zum 1:0, der zugleich auch der einzige in dieser Partie war. Auf den Tag genau 55 Jahre nach dem allerersten Bundesliga-Spiel des VfL Bochum, damals ebenfalls gegen Eintracht Braunschweig, trafen die beiden Klubs wieder aufeinander – und das Endergebnis war ebenfalls das gleiche. Nur hieß der Torschütze nicht Hans-Werner Hartl, sondern Hofmann. „Dieser Sieg“, betonte Trainer Uwe Rösler, „ist goldwert für die kommenden Wochen. Gerade nach der Auftaktniederlage.“

Starkes Abwehr-Duo

Der VfL steigerte sich gegenüber dem Auftritt gegen Hertha zumindest in kleinen Schritten. Der entscheidende: Vorne gelang das erste Saisontor. Ein schnell ausgeführter Freistoß von Berkan Taz landete über Koji Miyoshi bei Hofmann, der den Angriff souverän abschloss. Es war die erste Chance nach einer schwachen Anfangsphase, und gleichzeitig auch ein Brustlöser. Denn mit der Führung im Rücken übernahm der VfL bis zur Halbzeitpause die Spielkontrolle. Dass im zweiten Durchgang nichts mehr passierte, war der stabilen Defensive zu verdanken. Vor allem das neue Innenverteidiger-Duo, bestehend aus den Zugängen Michael Steinwender und Karol Mets, überzeugte mit einem klugen Stellungsspiel, einer abgeklärten Zweikampfführung und im Vergleich zur Vorsaison mit einem souveräneren Spielaufbau.  

„Dafür haben wir sie ja geholt“, kommentierte Rösler die Leistung zunächst sehr nüchtern, war dann aber voll des Lobes: „Mit ihnen haben wir mehr Ruhe am Ball und dadurch insgesamt mehr Ruhe im Spiel. Sie haben es sehr gut gemacht. Und sobald sie richtig eingespielt sind, können wir die Verteidigungslinie auch höher schieben.“ Generell tat es den Bochumern gut, dass mit Mets, Mats Pannewig und Gerrit Holtmann drei Stammkräfte wieder für mehr als eine Halbzeit zur Verfügung standen. Pannewig und Holtmann mussten zwar ausgewechselt werden, doch Rösler konnte zunächst auf seine momentane Wunschformation setzen – und damit auf reichlich Routine. Im Schnitt waren die Akteure in der Startelf 29,2 Jahre alt; fünf von ihnen sind jenseits der 30, einige andere nicht weit davon entfernt.

Noch zwei Transfers

Größer könnte der Kontrast im Vergleich zur vergangenen Saison kaum sein. Da schickte Rösler bei Anpfiff zeitweise fünf Spieler unter 21 ins Rennen, unter anderem beim Auswärtssieg in Braunschweig. Wobei Rösler angesichts der extremen Temperaturen und der frühen Wechsel darauf hinwies, dass nicht allein die Startelf den ersten Saisonsieg errungen hat: „Moderner Fußball funktioniert nicht mit nur elf Spielern. Die Eingewechselten haben auch einen wichtigen Teil beigetragen.“ Darunter waren mit Profidebütant Tom Meyer sowie Alessandro Crimaldi auch zwei vielversprechende Jungspunde. Rösler lobte sie für eine „reife Leistung“. Allerdings muss die Anmerkung erlaubt sein, dass die beiden womöglich auch nur deshalb zum Einsatz kamen, weil auf ihren Positionen noch nicht die von Rösler erhofften „Qualitätsspieler“ da sind.

Der Trainer geht davon aus, dass bis zum Transferschluss am 1. September noch ein zentraler Mittelfeldspieler für die Achter-Rolle sowie ein schneller linker Außenstürmer verpflichtet wird. Der jüngst eingekaufte Mansour Ouro-Tagba ist quasi eine Art Bonusspieler. Ihn sieht Rösler in erster Linie als Mittelstürmer, also als Ergänzung zu Hofmann und dem bislang schwachen Daniel Hanslik. Weil Ouro-Tagba Trainingsrückstand hat, ist er keine Soforthilfe. Der Plan mit ihm sei ein „mittel- bis langfristiger“, erklärte Rösler neulich. Aktuell setzt er lieber auf die arrivierten Kräfte. Perspektivisch aber muss er auch die Jüngeren einbauen. Denn das erklärte Ziel der Vereinsführung ist es, Jahr für Jahr Transfererlöse im mindestens hohen einstelligen Millionenbereich zu erzielen. Realistisch ist das nur mit Spielern, die den Großteil ihrer Laufbahn noch vor sich haben.

(Foto: Imago / HMB-Media)

Podcast

Nach der Auftaktniederlage: Woran der VfL arbeiten muss

Erneut ist der VfL Bochum ohne Punkte in die Saison gestartet. Im unserer neuen Podcast-Folge sprechen wir über die Gründe dafür, über Stärken und Schwachstellen des Kaders und blicken voraus: Wie groß ist der Erfolgsdruck bereits nach einer Niederlage? Viel Spaß beim Anschauen und Zuhören!

(Foto: Marc Niemeyer)

Zum Saisonstart

Interview: Kaenzig über Geld, Transfers und Stadionumbau

Zehn Jahre liegt der bislang letzte Auftaktsieg des VfL Bochum zurück. 2016 bejubelte der Zweitligist einen 2:1-Erfolg gegen Union Berlin. Zum Eröffnungsspiel in diesem Jahr empfängt der Revierklub wieder einen Verein aus der Hauptstadt. Hertha BSC ist zu Gast an der Castroper Straße. Was es braucht, um den Start erfolgreich zu gestalten, wie der VfL wirtschaftlich aufgestellt ist und welche Nachteile der Stadionumbau mit sich bringt, darüber spricht Geschäftsführer Ilja Kaenzig im Interview.

In den vergangenen Jahren hat der VfL stets einen Fehlstart hingelegt. Was muss in diesem Sommer anders laufen, damit sich Fußball-Bochum über einen gelungenen Auftakt freuen kann?

Erstens braucht es Resilienz gegenüber den im Bochum herrschenden Druckverhältnissen. Zweitens eine starke Mentalität in der Mannschaft. Und drittens einen Flow, der aus Teamgeist entsteht. Eine einfache und doch so schwere Formel!

Wie chancenreich und gefährlich die Liga ist, war in der vergangenen Saison nicht zu übersehen. Was kann der VfL von Paderborn und Elversberg im positiven und von Düsseldorf im negativen Sinne lernen?

 Dass der maximale Erfolg niemals allein durch Reden, Zielsetzungen oder Erhöhung des Drucks kommt. Es muss alles passen – dafür muss man präzise sein und sich auch noch das Glück erarbeiten. Beispielsweise beim Spielplan. Die Bayern sind die einzigen, die trotz permanentem Lärm, einer unverhandelbaren Erwartungshaltung und brutalstem öffentlichen Druck immer perfekt performen. Insofern sollten wir von ihnen zu lernen versuchen – von den Besten.

Die neue Saison wird für den VfL auch abseits des Rasens mächtig fordern. Das Ruhrstadion wird saniert. Ein Nachteil?

 Es werden drei harte Jahre, das steht jetzt schon fest und es soll niemand überrascht sein darüber. Aber: Das Motto des VfL heißt „Trotzdem“. Wenn die VfL-Familie nicht nur wie gewohnt zusammensteht, sondern noch einen Tick intensiver zusammenrückt, wird uns die Herausforderung der Modernisierung resilienter, stärker, innovativer machen.

Was bedeutet es – in Zahlen ausgedrückt – das Stadion drei Jahre lang nur teilweise nutzen zu können?

Rund zwei bis drei Millionen Euro weniger Einnahmen, die wir anders und anderswo reinholen müssen. Nach dem Umbau wird zudem die Stadionpacht neu berechnet. Das wissen wir heute schon und planen entsprechend.

Welche Abstriche muss der VfL machen, wo muss gespart werden? Und wo ergeben sich, auch abseits des Stadions, neue Einnahmefelder?

Der VfL muss nicht wegen der Modernisierung sparen. Er muss dies, weil er aktuell gerade wieder in der 2. Liga spielt. Es wird Einschnitte geben. Um diese nicht zu radikal ausfallen zu lassen, arbeiten wir entsprechend gleich intensiv an der Einnahmeseite. Kaderwertmanagement als Leuchtturmprojekt, inklusive des Übergangsbereich – das predigen wir permanent. Sowie ein massiv optimiertes Stadionerlebnis für „normale“ Zuschauer und im Hospitalitybereich.

Ist es ein Nachteil, dass ausgerechnet jetzt der Vertrag mit Vonovia für den Stadionnamen ausgelaufen ist? Dem VfL fehlt das Geld – und eine Baustelle ist aus Werbesicht sicher nicht allzu attraktiv, oder?

 Die Frage zeigt deutlich, welche Bedeutung Vonovia für den VfL Bochum besitzt. Wir müssen tagtäglich dankbar sein, einen solchen Partner an unserer Seite zu wissen. Dass sich ihr Vorstand Arnd Fittkau zudem – in seiner Freizeit, wohlgemerkt – im Präsidium sowie Wirtschaftsrat engagiert, ist nicht hoch genug anzurechnen. Ja, es ist viel Arbeit, einen neuen Namenspartner zu finden, doch diese geht unvermindert intensiv weiter. Dabei werden wir gerade vom neuen Wirtschaftsrat großartig begleitet. Und: Die Baustelle Ruhrstadion wird bundesweit für Interesse sorgen, ist also attraktiv. Schließlich wird hier ein ikonisches Stadion des deutschen Fußballs im laufenden Spielbetrieb modernisiert und immer wieder thematisiert werden, was für Sponsoren sogar einen deutlichen Mehrwert bieten kann.

Sinkende Einnahmen im Zusammenhang mit dem Stadion sind das eine, Verluste im TV-Ranking das andere. Können Sie beziffern, auf viele Millionen Euro der VfL im Vergleich zur vorherigen verzichten muss?

Rund sechs Millionen Euro. Wir verlieren Plätze im TV-Geld-Ranking durch die drei Absteiger, dazu werden wir wohl deutlich weniger aus der Nachwuchssäule generieren. Zweite Liga ist hartes finanzielles Brot!

Wie gelingt es Ihnen trotzdem, einen ambitionierten Etat für die anstehende Saison auf die Beine zu stellen?

Wir machen einen guten kommerziellen Job, dies bestätigen auch Vergleiche innerhalb der Liga und ähnlichen Clubs. Doch wir wissen genau, dass dies kein Selbstläufer ist. Darum wird es doppelte Anstrengungen brauchen, um das aktuelle Niveau in der Vermarktung zu steigern. Weiter wird es das Kaderwertmanagement sein. Ein Cajetan-Lenz-Transfer muss jedes Jahr zur Normalität werden. Plus weitere dazu. Weil die Konkurrenz eben sehr, sehr gut ist.

Wo bewegt sich mit der VfL mit diesem Etat im Ligavergleich?

Aktuell im obersten Drittel. Das entspricht der gespürten Erwartungshaltung beim VfL Bochum.

Wie wichtig ist die Etathöhe überhaupt im Hinblick auf die Erfolgsaussichten?

Genau darum geht es ja. Die Geldtabelle entspricht kaum der wahren Tabelle in der 2. Liga. Man kann mit wenig Lizenzetat aufsteigen. Man kann aber auch mit wenig absteigen. Vor allem kann man mit viel Lizenzetat nicht aufsteigen. Es sind andere Faktoren entscheidend. Mentalität schlägt Qualität, nicht nur in der 2. Liga, sondern wie wir sehen auch international, teilweise auch bei der WM. Und es braucht Teamgeist. Teamgeist entsteht, wenn möglichst viele Spieler in einem Kader sich am richtigen Ort zur richtigen Zeit sehen. Das wiederum ist die Kunst der Kaderplanung.

Das komplette Interview mit Ilja Kaenzig findet Ihr in der aktuellen Ausgabe von ‚100% VfL Bochum‘, das frisch im Bochumer 3satz-Verlag erschienen ist. Auf mehr als 100 Seiten bietet das Magazin zum Saisonstart mehrere Interviews, ausführliche Porträts und interessante Hintergrundgeschichten. Gedruckte Exemplare sind kostenlos an vielen Stellen im Bochumer Stadtgebiet oder direkt beim 3satz-Verlag (Alte Hattinger Str. 29) zu bekommen.