1:1 gegen Hannover

Bochumer Abschiedsspiel: Bei elf Abgängen bleibt es nicht

Die Rückennummern auf der Auswechseltafel waren die von Leandro Morgalla und Kjell Wätjen. Doch zuerst lief Matus Bero an den Spielfeldrand. Der Kapitän des VfL Bochum nahm die Binde von seinem Arm und übergab sie an Kevin Vogt – ein Zeichen der Wertschätzung bei dessen letztem Spiel an der Castroper Straße und vermutlich auch generell. Vogt wird seine Karriere nach der Saison beenden. Trainer Uwe Rösler schenkte ihm in der Schlussphase gegen Hannover einen letzten Auftritt und damit sein exakt 500. Spiel in der 1. oder 2. Liga. „Als kleiner Junge habe ich hier die Bälle reingeworfen, nun konnte ich wiederkommen und hier meine Karriere beenden. Das ist für mich der perfekte Abschluss“, sagte Vogt später in den Katakomben. Zwei Tage zuvor hatten er und der Verein das Karriereende verkündet.

Elf Spieler schon verabschiedet

Eigentlich wäre der 34-Jährige noch bis 2027 beim VfL geblieben, doch sein Körper machte nicht mehr mit. Beide Parteien fanden deshalb einen Kompromiss, der Vogt einen sanften Übergang in den neuen Lebensabschnitt und dem Verein zugleich die Möglichkeit einer Neubesetzung ermöglicht. Damit ist auch klar: Die Veränderungen im Kader fallen noch größer aus als ohnehin schon. Vor dem Spiel gegen Hannover haben die Verantwortlichen insgesamt elf Spieler verabschiedet. In mindestens acht Fällen herrscht bereits Gewissheit, dass es keine gemeinsame Zukunft mehr geben wird. Neben Vogt verlassen auch Bero, Morgalla, Wätjen, Erhan Masovic, Francis Onyeka, Marcel Sobottka sowie Romario Rösch den Klub nach dem letzten Saisonspiel beim Karlsruher SC am kommenden Sonntag.

Auch bei Noah Loosli, Farid Alfa-Ruprecht und Callum Marshall stehen die Zeichen klar auf Abschied. Wobei Loosli und Alfa-Ruprecht gegen Hannover die besten Bochumer Feldspieler waren. Loosli verteidigte stets aufmerksam und bereitete mit einer Seitenverlagerung den Ausgleichstreffer zum 1:1 vor, das Alfa-Ruprecht sehenswert erzielte. Doch Trainer und Management wollen im Abwehrzentrum künftig schnellere und spielstärkere Verteidiger einsetzen – was gegen einen Verbleib von Loosli spricht. Auch bei Alfa-Ruprecht und Marshall stehen die neuen Prinzipien einer weiteren Zusammenarbeit eher im Weg. Das Ziel ist es, deutlich weniger Leihspieler im eigenen Kader zu haben. Das Duo zu kaufen, ist für den VfL nicht darstellbar. Eine erneute Leihe ist zwar denkbar, aktuell aber nicht in Sicht.

Fünf weitere Abgangskandidaten

Die Liste der Abgänge wird ohnehin noch größer als kleiner werden. Cajetan Lenz wechselt bekanntlich zur TSG Hoffenheim. Der Transfer ist nur noch nicht offiziell kommuniziert, weshalb Lenz am Samstag auch noch nicht verabschiedet wurde. Während mit ihm ein weiterer Stammspieler geht, stehen ansonsten noch einige Reservisten auf der Streichliste. Mit Ibrahim Sissoko planen die Verantwortlichen schon länger nicht mehr, und auch den aktuell verliehenen Profis fehlt die Perspektive an der Castroper Straße. Das gilt insbesondere für Samuel Bamba, Lirim Jashari und Mathis Clairicia, aber auch für Colin Kleine-Bekel, der beim FC St. Gallen bleiben könnte. Sollte es so kommen, wäre Philipp Strompf der einzige von den elf Sommerneuzugängen 2025, der länger als eine Saison beim VfL bliebe.

Das wiederum verdeutlicht einmal mehr, dass die fast beendete und insgesamt enttäuschende Saison schon während der ersten Transferperiode verloren wurde. Der Auftrag an die neuen Kaderplaner ist somit klar. Sie müssen zahlreiche Positionen neu und zugleich besser besetzen, in der Innenverteidigung und im zentralen Mittelfeld ganz besonders. Für das Gespann vor der Abwehr, das bei Rösler in der Regel aus einem Sechser und einem Achter besteht, gibt es im derzeitigen Kader sechs mögliche Kandidaten. Fünf von ihnen werden den Klub verlassen – und der sechste droht länger auszufallen. Mats Pannewig musste gegen Hannover mit einer Knieverletzung früh ausgewechselt werden. Eine genaue Diagnose soll es am Montag geben. Eigentlich ist Pannewig als Stammkraft für die neue Saison fest eingeplant.

Cokaj wird der erste Neuzugang

Immerhin: Einen neuen Spieler fürs Mittelfeld hat der VfL bereits gefunden. Enis Cokaj vom griechischen Erstligisten APO Levadiakos wird an die Castroper Straße wechseln. Der 27-jährige Albaner ist ein klassischer Sechser, der in Griechenland mit einem guten Passspiel und seinen Zweikampfwerten überzeugt hat, sich hinsichtlich Intensität und Spieltempo aber umstellen muss. Dass er die benötigte Verstärkung auf dieser Schlüsselposition ist, lässt seine Vita zwar noch nicht vermuten, klar ist aber auch: Kein Transfer wird in der Bochumer Preisklasse ohne Risiko bleiben. Zugleich besteht die Hoffnung, dass eigene Talente einen ähnlichen Weg einschlagen wie Lenz. Im zentralen Mittelfeld gibt es mit Tom Meyer, Moritz Göttlicher und insbesondere Lasse Isbruch gleich drei Kandidaten dafür.


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(Foto: Imago / Team 2)

Podcast

Kosten, Dauerkarten und mehr: Details zur Stadionsanierung

Unsere neue Podcast-Folge ist online! In dieser Ausgabe sprechen wir über die anstehende Stadionsanierung. Womit müssen Dauerkarteninhaber und Mitglieder rechnen und wie könnte eine faire Ticketvergabe in den kommenden drei Jahre aussehen? Was bedeutet die Baumaßnahme aus wirtschaftlicher Sicht, sowohl für den Verein als auch für die Stadt? Außerdem werfen wir einen Blick auf die Neuvergabe des Stadionnamens. Ist es ein Vor- oder Nachteil, das Sponsoring für eine Baustelle zu übernehmen? Zum Abschluss geht es außerdem um die Zukunftsperspektiven und um eine Grundsatzfrage, die viele Fans umtreibt: Wäre ein Neu- oder Ausbau nicht die bessere Lösung, oder ist das gar nicht umsetzbar? Viel Spaß beim Anschauen und Zuhören!


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(Foto: Claudio Gentile)

1:1 in Bielefeld

Klassenerhalt dank Kwarteng: Bochumer Kaderumbau beginnt

Nur wenige Augenblicke war Moritz Kwarteng nach seiner späten Einwechslung auf dem Platz, als er mit einem Salto vor dem Bochumer Block für das Bild das Tages sorgte. Mit seinem ersten Ballkontakt hatte der Offensivallrounder gerade das Tor zum 1:1 erzielt und sicherte seinem VfL damit einen glücklichen Auswärtspunkt in Bielefeld. Mehr noch: Der Klassenerhalt ist mit Erreichen der 40-Punkte-Marke praktisch sicher. Ein Grund zum Feiern ist das aber nicht, schließlich ist der Revierklub mit ganz anderen Ambitionen in die Saison gestartet. Wieso es für den VfL nicht zu mehr gereicht hat, war auch in Bielefeld zu erkennen. Vor allem in der ersten Halbzeit zeigten die Gäste eine erschreckend schwache Leistung, gingen mit einem hochverdienten 0:1-Rückstand und ohne echte Torchance in die Pause.

„Die ersten 45 Minuten waren in allen Bereichen inakzeptabel“, leitete Trainer Uwe Rösler sein Spielfazit ein und wehrte Nachfragen zu den Ursachen weitestgehend ab: „Da müsst ihr die Spieler fragen.“ Die wiederum lieferten zwar keine Erklärungen, wollten und konnten ihrem Trainer aber nicht widersprechen. „Das einzig Positive war, dass wir nur einen Gegentreffer kassiert haben. Wir haben es nicht geschafft, uns zu befreien, wir haben uns nicht gewehrt. Das war leblos“, kritisierte Torwart Timo Horn, der nach einer gemeinsamen Halbzeitansprache von Kapitän Matus Bero und Rösler eine „Reaktion“ sah. Doch warum nicht gleich so, vor allem nach den Ankündigungen vor der Partie? Spieler wie Trainer haben mehrfach die Bedeutung des Spiels hervorgehoben und indirekt einen couragierten Auftritt versprochen.

Nur zwei Auswärtssiege

Speziell auswärts offenbart der VfL seit Monaten immer wieder große Anlaufschwierigkeiten. Die Leistungen in der ersten Halbzeit waren in diesem Kalenderjahr fast immer schlechter als in der zweiten. Erfolgserlebnisse waren somit kaum möglich. Zwei Siege nach 16 Begegnungen in der Fremde sind ein Negativwert in der Zweitliga-Geschichte des VfL, der einzig beim Auswärtsspiel in Karlsruhe noch verhindert werden kann. Den Verantwortlichen bleibt dieses Problem freilich nicht verborgen. Längst gibt es im Hintergrund konkrete Überlegungen, wie der Kaderumbau gestaltet werden muss, damit die kommende Saison erfolgreicher verläuft. „Wir müssen einen großen Schritt gehen, damit wir nächstes Jahr nicht wieder in diese Situation kommen“, betonte Rösler nach dem Spiel bei Arminia Bielefeld.

Trotz sinkender TV-Erlöse und Mindereinnahmen durch die Stadionsanierung plant die VfL-Spitze mit einem ähnlichen Etat wie in dieser Saison. Dazu soll unter anderem der Verkauf von Cajetan Lenz an die TSG Hoffenheim beitragen. Das Bochumer Eigengewächs verschuldete in Bielefeld den Elfmeter, der zum 0:1 führte, und sah überdies seine zehnte Gelbe Karte, weshalb ihm ein letztes Spiel im heimischen Ruhrstadion verwehrt bleibt. Neben Lenz könnten gegen Hannover 96 am kommenden Samstag theoretisch schon weitere Spieler verabschiedet werden. Neben Francis Onyeka und Leandro Morgalla, deren Leihverträge auslaufen und die ihr Glück künftig höherklassig suchen, stehen Erhan Masovic, Marcel Sobottka und Romario Rösch auf der Streichliste. Auch Kjell Wätjen wird den Klub wohl verlassen.

Kwartengs Zukunft offen

Insgesamt zehn Verträge laufen in diesem Sommer aus, darunter auch die von Bero, Callum Marshall, Farid-Alfa-Ruprecht und Noah Loosli. Klare Auskünfte zu ihrer Zukunft gibt es noch nicht. Bei Marshall und Alfa-Ruprecht ist das Problem, dass sie nur geliehen sind. In beiden Fällen wäre der VfL nicht abgeneigt, die Zusammenarbeit fortzusetzen, doch ein Kauf ist nicht darstellbar, allenfalls eine erneute Leihe. Davon soll es aber deutlich weniger geben – erstens für mehr Planungssicherheit und zweitens, um Kaderwerte zu schaffen. Vor allem sollen keine Ergänzungsspieler mehr geliehen werden, sondern nur noch potenzielle Stammkräfte. Klar ist zudem: Alle Mannschaftsteile sollen und müssen im Sommer verstärkt werden, wobei der Fokus auf der Innenverteidigung und dem zentralen Mittelfeld liegt.

Dafür befindet sich der VfL in fortgeschrittenen Verhandlungen mit Enis Cokaj. Der Albaner spielt aktuell für den griechischen Erstligisten APO Levadiakos. Der 27-Jährige würde als klassischer Sechser die Nachfolge von Lenz antreten. Ob Cokaj dann auch mit Kwarteng zusammenspielen wird? In seiner dritten VfL-Saison ist er wiederholt nicht über die Reservistenrolle hinausgekommen. Die Frage, ob Kwarteng ins vierte vereinbarte Vertragsjahr gehen wird, ist noch zu klären. „Die ganzen drei Jahre waren schwierig für mich. Von außen ist es schwer nachvollziehbar, was man da durchmacht“, sprach Kwarteng am Samstag über zahlreiche Rückschläge, aber auch über sein erstes Tor im VfL-Trikot: „Ich habe immer versucht, da wieder rauszukommen. In einem solchen Moment sieht man wieder den Ausgang.“


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(Foto: Imago / osnapix)

Wechsel

Warum der Lenz-Deal für den VfL gut und wichtig ist

Wer den Deal zuerst verkündet, war im Grunde klar. Seit Monaten informierte Sky-Reporter Florian Plettenberg die Öffentlichkeit über den aktuellen Stand der Interessenten für Cajetan Lenz. Aus welchem Kreis die Informationen kamen, war mehr als offensichtlich. Mehrfach fand der Berater von Lenz Erwähnung in den Beiträgen von Plettenberg, am Montagmorgen natürlich auch. Das alles ist aber nur eine Randnotiz wert, denn der Kern der Meldung ist eine andere: Cajetan Lenz wechselt nach der laufenden Saison zur TSG Hoffenheim. Beim künftigen Europapokal-Teilnehmer absolvierte der defensive Mittelfeldspieler am Montag seinen Medizincheck. Dass er den VfL Bochum im Sommer verlassen will, war schon länger klar, nur das genaue Ziel noch nicht. Mehrere Bundesligisten und Klubs aus dem Ausland buhlten um den 19-Jährigen.

Lange galt Eintracht Frankfurt als Favorit, doch die Hessen waren im Gegensatz zu den Kraichgauern nicht bereit, eine Ablöse zu zahlen, die sich im Bereich von 10 Millionen Euro bewegt – zuzüglich Bonuszahlungen, etwa bei einem Weiterverkauf. Damit wird Lenz hinter Armel Bella-Kotchap zum zweitteuersten Abgang der Vereinsgeschichte. Zwar gab es in Fankreisen teils höhere Ablöseforderungen, sie entsprachen aber nicht der Marktrealität. Im Vergleich zu anderen Zweitliga-Spielern, die in den vergangenen Jahren in die Bundesliga gewechselt sind, hat der VfL einen sehr guten Deal abgeschlossen. Can Uzun etwa, der vor zwei Jahren vom 1. FC Nürnberg zu Eintracht Frankfurt transferiert wurde, kostete dem Vernehmen nach nur eine Million Euro mehr. Im Vergleich zu Lenz war er aber ein offensichtlicher Leistungsträger und eine prägende Figur der Liga.

Erstaunliche Entwicklung

Das soll die Entwicklung des Bochumer Eigengewächses, der beim SV Höntrop mit dem Fußball begann und seit dem achten Lebensjahr für den VfL spielt, natürlich nicht schmälern. Selbst klubintern hatte ihn vor einem Jahr nicht jeder für eine Profilaufbahn auf dem Zettel. Vor allem Ex-Sportchef Dirk Dufner setzte sich dafür ein, dass Lenz einen Profivertrag erhält, wobei eigentlich geplant war, dass er in erster Linie für die U21 in der Regionalliga spielt. Doch Lenz überzeugte in der Saisonvorbereitung, rutschte noch unter Ex-Trainer Dieter Hecking in die Startelf und erhielt auch von dessen Nachfolger dank seiner Spielintelligenz, seiner Ballgewandtheit und Zweikampfstärke das Vertrauen. Uwe Rösler prognostizierte Lenz am Sonntag nach dem 2:1-Heimerfolg gegen Greuther Fürth eine „große Karriere“, wohl schon in dem Wissen, dass der deutsche Juniorennationalspieler mit Wurzeln in der Schweiz bald in die Bundesliga wechselt.

Die Vertragslaufzeit bis 2029 ließ zwar theoretisch noch einen längeren Verbleib in Bochum zu, doch zum einen wäre eine weitere Wertsteigerung in der 2. Liga eher unwahrscheinlich, und zum anderen ist der VfL auf Transfererlöse angewiesen. Mehrfach haben die Verantwortlichen betont, dass sie geringere Einnahmen durch den Verkauf von Spielern erzielen als viele Mitbewerber. Die Zielmarke liegt bei acht bis zehn Millionen Euro – pro Jahr. Das Problem: Bis auf Lenz und mit Abstrichen Mats Pannewig gibt der aktuelle Bochumer Kader keine Verkaufskandidaten her. Pannewig wurde zwischenzeitlich unter anderem von Werder Bremen beobachtet; über ein konkretes Interesse ist zur Stunde aber nichts bekannt. Alle anderen Stammspieler sind zu alt oder nur geliehen. Dementsprechend ist der Verkauf von Lenz quasi alternativlos.

Teils sinkende Einnahmen

Wie genau der VfL die Ablöse reinvestieren wird, ist noch offen. Logisch, es braucht in jedem Fall einen sportlichen Ersatz, einen neuen Sechser mit den Fähigkeiten, als Leistungsträger voranzugehen. Wie üblich wird das Geld nicht nur in eine einzige Neuverpflichtung gesteckt, sondern soll dem gesamten Kader zugutekommen. Der VfL plant für die neue Saison mit einem ähnlichen Etat wie in der laufenden Spielzeit. Weitaus größere Sprünge sind aus mehreren Gründen nicht möglich: Die Einnahmen aus dem TV-Topf werden wegen der maximal mittelmäßigen Endplatzierung zurückgehen, außerdem fehlt nach jetzigem Stand ein Sponsor für den Stadionnamen, weil Vonovia die Werberechte abgibt. Zudem wird die Sanierung des Ruhrstadions für Mindereinnahmen aus dem Ticketing sorgen.


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(Foto: Marc Niemeyer)

2:1 gegen Fürth

Gefeierter Sündenbock: VfL hat Klassenerhalt fast sicher

Die Bochumer wussten, bei wem sie sich zu bedanken haben. Unmittelbar nach dem Abpfiff bildete sich eine Jubeltraube um Philipp Hofmann. Logisch, denn ohne den 33-Jährigen wäre dem VfL im Heimspiel gegen Greuther Fürth wohl kaum der erhoffte Befreiungsschlag gelungen. Bereits in der ersten Minute erzielte der Angreifer den Führungstreffer und nahm damit Druck von der Mannschaft. Nach der Pause legte er mit einem Kopfballtor nach einer Ecke nach und sicherte dem VfL einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf. „Das frühe Tor war der Schlüssel zum Sieg“, erklärte Hofmann später in den Katakomben. Der Mittelstürmer hat generell für den Unterschied gesorgt: Immer anspielbar, körperlich präsent und fußballerisch erstaunlich elegant. Als Vorlagengeber trat jeweils Maximilian Wittek in Erscheinung.  

„Das erste Tor war eher Zufall, das zweite so einstudiert“, verriet Hofmann und erklärte zugleich seine gute Form: „Die Ausrichtung unter Uwe Rösler passt zu mir, es kommen viele Bälle in die Mitte. Und Tore sind meine Lieblingsbeschäftigung.“ Mit Hofmann und Wittek entwickeln sich im Saisonendspurt ausgerechnet die beiden zu Schlüsselspielern, die in der Hinrunde besonders heftige Kritik einstecken mussten und zu Sündenböcken wurden. Wie wichtig die beiden für das Team sind, war zuletzt unübersehbar. Ihr Fehlen machte sich beim Auswärtsspiel in Dresden deutlich bemerkbar. Die Bochumer Niederlage dort sowie die Resultate der Konkurrenz am Freitag und Samstag hatten den VfL gehörig unter Druck gesetzt. Die Nervosität im Stadion war spürbar, verschwand dank des schnellen Führungstreffers aber schnell.

Defensivere Ausrichtung

Unnötig spannend wurde es lediglich in der Schlussphase, als Fürth den Anschlusstreffer erzielte. „Wir hätten den Deckel früher draufsetzen müssen“, monierte Torwart Timo Horn, der aber eine insgesamt verbesserte Leistung seiner Mannschaft sah. Spieler und Trainer hatten sich im Vorfeld auf eine defensivere Herangehensweise mit weniger Spielkultur verständigt, um die Zahl der Gegentreffer zu reduzieren. „Unseren Verteidigern hat es geholfen, dass sie sich aufs Verteidigen konzentrieren konnten“, erklärte Rösler, der sein Team im Vergleich zur Vorwoche auf vier Positionen veränderte, drei davon in der Defensive. Dieser Plan ging auf. Dass Cajetan Lenz für Mats Pannewig begann, war ebenso hilfreich wie die Rückkehr von Noah Loosli, dessen Schwächen zwar bekannt sind, der aber konzentrierter und engagierter verteidigt als Erhan Masovic.

Dass der VfL auch in der kommenden Saison in der 2. Liga spielen wird, ist mit dem Sieg gegen Fürth deutlich wahrscheinlicher geworden. Die Bochumer haben sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und das beste Torverhältnis aller Abstiegskandidaten. „Es sieht extrem gut aus“, weiß auch Hofmann, der Glückwünsche zum Klassenerhalt noch nicht annehmen wollte – zu seinem Doppelpack und einer starken Form allerdings schon. Zurecht, denn seine Quote wird immer besser. Neun Tore hat der VfL Bochum in den zurückliegenden fünf Partien erzielt. An acht davon war Philipp Hofmann unmittelbar beteiligt: sechsmal als Torschütze und zweimal als Vorlagengeber. Mit 21 Scorer-Punkten, darunter zwölf Tore, gehört er zu den ligaweit torgefährlichsten Spielern. Damit bewegt er sich auf bekanntem Niveau.

Hofmanns Formanstieg

Vor seinem Wechsel nach Bochum im Sommer 2022 traf Hofmann in der 2. Liga viermal in Folge zweistellig. Selbstverständlich ist die Bestätigung dieser Leistungen im Herbst seiner Karriere nicht. Bis Ende November 2025 verzeichnete Hofmann nur ein einziges Tor und war keineswegs gesetzt. Aus Sorge vor Anfeindungen wurde seine Vertragsverlängerung wochenlang verschwiegen. Ausgerechnet mit dem Hinspiel gegen Fürth ging es bergauf, und seit Anfang März erlebt er eine Art zweiten Frühling. Der soll natürlich noch seine Fortsetzung finden. Dafür hofft Bochums bester Torschütze auf eine bessere Teamleistung in der Fremde. Aktuell ist der VfL Letzter in der Auswärtstabelle. „In Bielefeld dürfen wir uns nicht wieder verstecken“, fordert Hofmann. Mit einem Sieg wäre der Verbleib in der 2. Liga endgültig sicher.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Kolumne

Bochumer Stadion-Sanierung: Hohe Kosten, geringer Effekt

Die VfL-Kolumne ist ein festes Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die Stadion-Sanierung.

Viele VfL-Fans sind schon aufgeregt. Am Dienstag (28.4.) präsentieren der Verein und die Stadt Details zur Stadionsanierung, die im Sommer 2026 beginnt und erst 2029 enden soll. Die zentrale Frage viele Anhänger lautet: Was passiert mit meinem Platz? Klar ist: Jeder Dauerkarteninhaber wird mindestens zeitweise betroffen sein – andere sogar für immer. Denn mehrere Blöcke werden neu sortiert. Aus Sitzplätzen werden Stehplätze und umgekehrt. Die Zahl der Sitzplätze sinkt sogar. Die Fans des VfL haben klare Antworten und faire Lösungen verdient.

Gewiss: Es ist schön, dass das Schmuckkästchen an der Castroper Straße erhalten bleibt. Aber es geht jetzt auch um eine ehrliche Einordnung: Für den VfL Bochum wird sich – abgesehen vom Komfort – nach drei Jahren Bauzeit mit geringerer Zuschauerkapazität nur wenig verbessern. Wer nur den offiziellen Verlautbarungen glaubt, könnte indes anderes vermuten. Ein Beispiel: Als die Stadt- und Vereinsspitze kurz vor Ostern die Modernisierung des Bochumer Ruhrstadions endgültig auf den Weg gebracht haben, versprach Oberbürgermeister Jörg Lukat ein „bundesligataugliches Stadion für Jahrzehnte“.

Lukats Aussage passt leider ins Bild. Die Macher verkaufen das Projekt als großen Wurf. Das aber ist Augenwischerei. Die Fakten sind ernüchternd: Die Stadt steckt – Stand heute – mehr als 90 Millionen Euro in das Stadion, ohne dass sich die Wettbewerbsfähigkeit für den VfL dadurch erhöht oder deutlich mehr Zuschauer zu einem Heimspiel kommen können. Wenn die Baumaßnahmen abgeschlossen sind, dann verfügt das Stadion über lediglich 2.000 Plätze mehr als heute, in Summe also 28.000. Nimmt man die Spielstätten aller Erst- bis Drittligisten als Maßstab, landet der VfL anschließend auf Platz 25, bezogen auf die Stadionkapazität. Das ist Zweitliga-Mittelmaß.

Unstrittig ist, dass das Ruhrstadion sanierungsbedürftig ist. Ohne Maßnahmen hätte der VfL in wenigen Jahren keine nutzbare Spielstätte mehr. Nichts zu tun, ist keine Option. Aber die teure Sanierung nun als großen Wurf darzustellen, hilft keinem – vor allem nicht dem VfL Bochum.


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Podcast

Unnötige Spannung beim VfL: Die Probleme im Saisonfinale

Warum holt der VfL Bochum im Saisonendspurt kaum noch Punkte? In unserer neuen Podcast-Folge analysieren wir die Niederlage in Dresden und was sie über den aktuellen Zustand der Mannschaft aussagt. Wir diskutieren, welche Formation für den Rest der Saison die größten Erfolgsaussichten verspricht und wie viele Punkte der VfL für den Klassenerhalt noch braucht. Zum Abschluss werfen wir einen Blick nach vorne: Wo sollte die Kaderplanung für die kommende Saison ansetzen? Viel Spaß beim Zuschauen oder Anhören!


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