Debatte

VfL-Kolumne: Großer Umbruch im Sommer ist absehbar

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Immer zu Wochenbeginn gibt es einen kurzen Kommentar zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Abgänge im Sommer.

Am Montag hat der VfL Bochum den Wechsel von Patrick Osterhage zum SC Freiburg bestätigt. Anzeichen für diesen Transfer gab es schon länger. Auch deshalb hat der Klub nun reagiert. Der Abgang des talentierten Mittelfeldspielers mag viele Fans verärgern, war angesichts der vertraglich vereinbarten Ausstiegsklausel jedoch zu erwarten.

Schon jetzt sollten sich die Anhänger des VfL darauf einstellen, dass es in den kommenden Wochen und Monaten weitere Meldungen dieser Art geben wird. Für den Sommer zeichnen sich große personelle Veränderungen ab, selbst im Falle des Klassenerhalts. Eine gewagte Prognose ist es nicht: Die Zahl der Spieler, die den VfL Bochum in diesem Sommer verlassen, wird am Ende zweistellig sein. Reservisten wie Danilo Soares, Philipp Förster oder Goncalo Paciencia werden kein neues Arbeitspapier erhalten, Michael Esser und Andreas Luthe denken über ihr Karriereende nach.

Auch zahlreiche Leistungsträger liebäugeln mit einem Vereinswechsel. Kevin Stöger war schon im Winter auf dem Sprung, nun wird er den VfL verlassen. Bei Takuma Asano ist ein Abgang recht wahrscheinlich, bei Christopher Antwi-Adjei zumindest nicht ausgeschlossen. Gerne würde der VfL auch Keven Schlotterbeck halten, doch der Leihvertrag mit dem SC Freiburg endet. Sollten andere Bundesligisten um die Dienste des Innenverteidigers mitbieten, ziehen die Bochumer vermutlich den Kürzeren. Denn in den allermeisten Fällen schauen die Spieler nur aufs Geld. Beziehungen zwischen Klubs und Fußballern sind in der Regel erst dann stabil, wenn das Karriereende naht oder der Spieler nicht gut genug ist, um bei finanzstärkeren Klubs unterzukommen.

Deshalb ist es auch eine Illusion zu glauben, dass Bernardo, Erhan Masovic und Tim Oermann noch länger das blau-weiße Trikot tragen. Spätestens 2025 werden sie wechseln, einer oder zwei von ihnen vermutlich schon in diesem Jahr. Dafür wären sie aber nicht allein verantwortlich. Denn Transfererlöse sind ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells, auch beim VfL Bochum. Fußballfans müssen das nicht gut finden, sollten es aber verinnerlichen. Das schützt vor Enttäuschungen.


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(Foto: Marc Niemeyer)

1:1 gegen Heidenheim

Letsch-Fußball mit Butscher: Laune steigt, Vorsprung schmilzt

Beim VfL Bochum herrschte nach dem 1:1 gegen den 1. FC Heidenheim Verwechslungsgefahr. Kapitän Anthony Losilla lief mit dem falschen Trikot durch die Katakomben. Auf seinem Rücken: die Nummer 31 und der Name Schlotterbeck. Irgendwie passend, denn die Leihgabe aus Freiburg trat an diesem Samstag gleich doppelt in Erscheinung: Zunächst in der 81. Spielminute, als dem Innenverteidiger ein ärgerliches Slapstick-Eigentor unterlief. Nur neun Minuten später traf Schlotterbeck erneut, dann aber ins richtige Tor. Mit dem Ende der regulären Spielzeit erzielte er den Ausgleich. Immerhin. „Wir haben Moral bewiesen und das geschafft, was in den vergangenen Wochen gegen uns gelaufen ist: ein spätes Tor. Deshalb sind wir mit dem Punkt halbzufrieden“, erzählte der Doppeltorschütze später im Interview.

Mainz rückt noch näher heran

Generell waren die Bochumer nach dem Abpfiff eher positiv gestimmt. Von den Fans im Stadion gab es größtenteils Applaus, aus den eigenen Reihen optimistische Töne. „Das Glas ist nach diesem Spiel definitiv halbvoll“, meinte Sportdirektor Marc Lettau. Doch der Tabellenstand passt nicht zur Gefühlslage. Weil der VfL auch sein siebtes Spiel in Folge nicht gewonnen und Mainz erneut dreifach gepunktet hat, beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz nur noch einen Zähler. Zur Erinnerung: Mitte Februar waren es noch zehn. Sollte sich dieser Trend nicht schleunigst umkehren, dann steuert der VfL womöglich auf eine Saisonverlängerung zu. Es droht die erste Relegationsteilnahme seit 2011, und die erste als Bundesligist seit 34 Jahren. Momentan Dritter in Liga zwei ist Fortuna Düsseldorf.

Butscher ändert nicht viel

Doch noch lebt die Hoffnung, dass mit Heiko Butscher, dem neuen und altbekannten Interimstrainer, der direkte Klassenerhalt gelingt. Wobei der Heimauftritt gegen Heidenheim nicht von besserer Qualität war als die allermeisten Darbietungen unter Vorgänger Thomas Letsch. Zwar verteidigte der VfL meist souverän und kontrollierte zumindest in der zweiten Halbzeit das Geschehen, doch im vorderen Drittel fehlte abermals die Durchschlagskraft. Kein Wunder, schließlich ist Butscher erst wenige Tage im Amt. Personell und auch taktisch erinnerte vieles an die Zeit unter Thomas Letsch. Im Vergleich zur Niederlage in Köln gab es sogar nur eine personelle Änderung. Speziell im Angriff mangelte es mit dem krankheitsbedingten Ausfall von Christopher Antwi-Adjei aber auch an Alternativen.

Nächste Woche in Wolfsburg

Butschers Einstand hätte schließlich in alle Richtungen kippen können. Heidenheims Jan-Niklas Beste traf kurz vor der Halbzeitpause ins VfL-Tor, der Treffer wurde wegen eines Handspiels allerdings zurückgenommen. Auch der VfL ging später vermeintlich in Führung. Dem erfolgreichen Abschluss von Takuma Asano war jedoch ein Foulspiel vorausgegangen. Dass die angeschlagenen Bochumer nach Schlotterbecks Eigentor zumindest noch den Ausgleich erzielten, dient nun als Mutmacher, obgleich ein erneutes Remis eigentlich zu wenig war. „Wir haben gezeigt, dass wir noch leben“, sagte Losilla. „Nächste Woche haben wir die Chance, einen direkten Konkurrenten zu überholen.“ Dann gastiert der VfL aus Bochum beim VfL in Wolfsburg, der nur einen Punkt besser platziert ist.


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(Foto: Imago / Team 2)

Personalticker

Klausel gezogen: VfL bestätigt Abgang von Osterhage

Der Personalticker ist zurück! Ab sofort liefert Tief im Westen – Das VfL-Magazin wieder gebündelt Informationen zu allen möglichen Zu- und Abgängen, Vertragsverlängerungen oder Veränderungen auf anderen Positionen. Neben Vollzugsmeldungen gibt es auch einen Überblick zu Gerüchten, wie gewohnt mit einer Einschätzung und eigenen Recherchen.

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15. April: Patrick Osterhage wird den VfL Bochum am Saisonende verlassen und zum SC Freiburg wechseln. Den Transfer zum Bundesliga-Konkurrenten hat der VfL an diesem Montag bestätigt. Gerüchte über einen Wechsel gab es schon länger. Anfang April hatte Tief im Westen – Das VfL-Magazin exklusiv über die in Osterhages Vertrag verankerte Ausstiegsklausel berichtet. Die Ablöse für den 24-Jährigen soll bei rund fünf Millionen Euro liegen. Osterhage war vor knapp drei Jahren aus der Zweiten Mannschaft des BVB nach Bochum gewechselt und kommt bis dato auf 56 Bundesliga-Einsätze für den VfL. In dieser Saison ist er zur unumstrittenen Stammkraft gereift.

„Potenziale wie das von Patrick Osterhage zu erkennen, das Talent zu fördern und so auszubilden, dass es gleichermaßen einen sportlichen und finanziellen Mehrwert für den VfL schafft, ist für uns essenziell. Wir wünschen Patrick Osterhage alles Gute in Freiburg“, sagt Bochums Sportdirektor Marc Lettau. „Wir haben ihn als stets leistungsbereiten und tadellosen Charakter kennengelernt und sind überzeugt davon, dass er weiterhin alles dafür gibt, um mit uns das Ziel Klassenerhalt zu erreichen.“

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11. April: Herber Rückschlag für Jordi Osei-Tutu: Der nach Griechenland ausgeliehene Flügelspieler hat vor kurzem einen Kreuzbandriss erlitten und wird mindestens ein halbes Jahr ausfallen. Osei-Tutu war erst im Januar 2024 vom VfL Bochum zum Erstligisten PAS Giannina gewechselt. Dort stand er bis zuletzt fast immer in der Startelf. Der griechische Erstligist besitzt eine Kaufoption. Ob sie angesichts der Verletzung gezogen wird, ist zweifelhaft. Nach jetzigem Stand wird Osei-Tutu im Sommer zum VfL zurückkehren. Sein Vertrag in Bochum läuft noch bis 2025. Unter Ex-Trainer Thomas Letsch besaß er keine sportliche Perspektive mehr.

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9. April: Heiko Butscher wird den VfL Bochum bis zum Saisonende trainieren. Nach Absagen verschiedener Kandidaten für die Nachfolge von Thomas Letsch hat sich die Vereinsführung nun für eine interne Lösung entschieden. Butscher ist beim VfL eigentlich als U19-Coach und Sportlicher Leiter der Nachwuchsabteilung tätig. Der 43-Jährige hat die Bochumer bereits 2018, 2019 und 2022 in je einem Pflichtspiel übergangsweise betreut. Nun erhält er das Vertrauen für sechs bzw. acht Spiele. Externe Kandidaten wie Urs Fischer und Peter Stöger haben abgesagt oder waren kurzfristig nicht verfügbar.

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8. April: Thomas Letsch wird am Samstag beim Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim nicht mehr auf der Bochumer Trainerbank sitzen. Letsch und sein Co-Trainer Jan Fießer wurden bereits über diese Entscheidung informiert. Am Nachmittag bestätigte der Klub die Trennung. Sie ist das Ergebnis verschiedener Gespräche und Krisensitzungen nach der 1:2-Niederlage in Köln und der anhaltenden sportlichen Talfahrt. Die Verantwortlichen wollen kurzfristig einen Nachfolger präsentieren.

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4. April: Schon seit längerer Zeit wird VfL-Mittelfeldspieler Patrick Osterhage mit dem SC Freiburg in Verbindung gebracht. Bereits 2022 bekundeten die Breisgauer erstmals ihr Interesse an einer Verpflichtung. Osterhage blieb allerdings in Bochum und verlängerte seinen Vertrag bis 2026. Dieser beinhaltet nach exklusiven und gesicherten Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin aus dem Freiburger Umfeld allerdings eine Ausstiegsklausel. Über die genaue Höhe der fälligen Ablöse ist nichts bekannt. Marktüblich dürfte sie aber wohl im mittleren einstelligen Millionenbereich liegen, im Optimalfall auch leicht darüber. Das kicker-Sportmagazin berichtete in dieser Woche von einer bevorstehenden Einigung zwischen Osterhage und dem Sportclub, was die Gerüchte erneut befeuert hat. Ein Wechsel des Spielers nach der Saison ist sehr wahrscheinlich.

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Fragen & Antworten

Pläne vorgestellt: Wie und wann das Ruhrstadion saniert wird

Der Abend begann mit einem kleinen Fauxpas. Der etwas übereifrige Moderator eröffnete die Mitgliederversammlung zur Sanierung des Bochumer Ruhrstadions mit einem Begriff, den Hans-Peter Villis, der Vorsitzende des VfL Bochum, wenige Augenblicke einkassierte. Von einem „Neubau“ war in den einleitenden Worten die Rede. Sanierung oder Modernisierung trifft es viel eher.

Denn das Ruhrstadion bleibt an Ort und Stelle und soll fit gemacht werden für die Zukunft. „Wir haben verschiedene Alternativen diskutiert“, erklärte Villis vor etwas mehr als 600 Klubmitgliedern, „sind aber zu dem Ergebnis gekommen, aus unserem jetzigen Stadion das Optimale herausholen zu wollen“ – auch wenn die Möglichkeiten begrenzt sind. An Mittwochabend stellte die Stadt als Eigentümerin der Spielstätte, der VfL als Mieter und das beauftragte Planungsbüro Albert Speer + Partner die bisherigen Entwürfe erstmals der Öffentlichkeit vor. Tief im Westen – Das VfL-Magazin war im RuhrCongress dabei und fasst das Gesagte und Gezeigte zusammen, angereichert mit zusätzlichen Informationen.

Wie genau soll das Ruhrstadion saniert und modernisiert werden?

Zunächst einmal müssen zahlreiche Mängel behoben werden. Fast alle Strom- und Wasser-Leitungen werden ausgetauscht, die Haustechnik ist veraltet, insbesondere die Flutlichtanlage. Ausfälle im laufenden Betrieb hat es hier sogar schon gegeben. Zudem bestehen an den Kiosken und im Toilettenbereich Hygienemängel. Noch gravierender: Es gibt kein Brandschutzkonzept. In der fast 150-seitigen Machbarbarkeitsstudie des beauftragten Architekturbüros ist deshalb sogar von einem „erheblichen Sicherheitsrisiko“ die Rede. Auch die Sichelbinder, die das Stadion tragen, müssen dringend saniert werden.

Sichtbare Änderungen und Verbesserungen des Komforts soll es schließlich auch geben. Die sanitären Anlagen und Verpflegungsstände werden renoviert und erweitert, ganz besonders im Bereich der Südtribüne. Dort soll der Aufenthaltsbereich unter der Tribüne vergrößert werden, der Zaun wandert zur Castroper Straße. Der Einlass für fast alle Stadionbereiche erfolgt künftig über eine Plaza hinter der Osttribüne, die auf dem jetzigen VIP-Parkplatz entsteht. Stattdessen soll hinter dem Stadioncenter ein Parkhaus entstehen, von dem VIP-Kunden direkt in ihren Aufenthaltsbereich gelangen. Auf der Plaza soll es verschiedene Verweilmöglichkeiten geben, auch witterungsgeschützt und außerhalb von Spieltagen nutzbar. Die Spieler profitieren ebenfalls. Im Bereich unter der Nordtribüne entstehen neue Umkleidekabinen. Auch der Medienbereich wird erneuert.

Werden nach der Sanierung mehr Zuschauerplätze zur Verfügung stehen als bislang?

Die aktuelle Zuschauerkapazität von 26.000 wird allerhöchstens auf 27.500 Plätze steigen. Ziel ist es, Plätze wieder nutzbar zu machen, die aktuell nicht zur Verfügung stehen. Aus Sicherheitsgründen werden aktuell weniger Tickets für die Osttribüne verkauft als früher. Außerdem gibt es ungenutzte Plätze zwischen den Heim- und Auswärtsblöcken. Darüber hinaus sollen VfL-Fans künftig Teile des Gästekontingents nutzen können, wenn dieses vom Gegner nicht abgerufen wird. Ebenfalls geplant: Das frühere Morrizz, der VIP-Raum unterhalb der Nordtribüne, wird kernsaniert und in Richtung Westen ausgebaut.

Warum wird das Stadion nicht vergrößert oder auf dem jetzigen Gelände neugebaut?

Das wäre zwar baulich teilweise machbar, nach einer Bewertung des beauftragten Architekturbüros und der Stadt aber in der Praxis nicht umsetzbar. „Die Wahrscheinlichkeit, das rechtssicher hinzubekommen, geht gegen Null“, sagte Stadtdezernent Markus Bradtke. Das Ruhrstadion genießt Bestandschutz. Dieser wäre gefährdet, „sobald relevante Änderungen am Bauwerk vorgenommen werden“, erklärte Matthias Schöner vom Architekturbüro Albert Speer + Partner. Im direkten Umfeld des Stadions befinden sich dutzende Häuser und mehrere hundert Wohnungen. Bei einem Aus- oder Neubau entstünde eine neue Lärm- und Verkehrssituation. Infolgedessen sei mit Anwohnerklagen zu rechnen. Sie könnten die Pläne entweder ganz zu Fall bringen oder die Baumaßnahmen jahrelang hinauszögern. „Ich kann nicht empfehlen, dieses Wagnis einzugehen“, so Bradtke. Die Fläche an der Castroper Straße zu verlassen, um andernorts ein neues Stadion zu bauen, lehnt die Lokalpolitik mehrheitlich ab – ebenso wie viele Fans. Eine optimale Fläche als Alternative stünde derzeit ohnehin nicht zur Verfügung.

Wann sollen die Baumaßnahmen starten?

Wahrscheinlich erst im Jahr 2026. Noch in diesem Jahr wird aber eine eigene Besitzgesellschaft für die vom VfL Bochum genutzten Spielstätten gegründet. Weil es sich um eine Tochtergesellschaft der Stadt handelt, müssen die Aufträge für das Stadion öffentlich ausgeschrieben werden. Auch der Rat der Stadt muss den Plänen und der Finanzierung noch zustimmen. Erst danach können die sichtbaren Baumaßnahmen beginnen. Kleinere und akute Mängel könnten bereits vorher behoben werden. Ob während der Bauphase durchgängig im Ruhrstadion gespielt werden kann, ist noch offen. „Das ist die Vorgabe an alle Planer, aber versprechen kann ich es nicht“, sagte Ralf Meyer als designierter Geschäftsführer der Stadiongesellschaft. Das übergeordnete Ziel ist klar: „Wir wollen dem VfL langfristig ein bundesligataugliches Stadion zur Verfügung stellen.“

Was soll die Sanierung kosten – und wer wird sie bezahlen?

Eine konkrete Summe wollte oder konnte Ralf Meyer den Mitgliedern des VfL Bochum noch nicht nennen. In der Machbarkeitsstudie, auf der die jetzigen Überlegungen basieren, wurden allerdings schon Zahlen genannt. Demnach ist – Stand jetzt – von einer hohen zweistelligen Millionensumme auszugehen. Die Kosten trägt die Stadt. Allerdings muss der VfL mit einer Mieterhöhung rechnen. „Wir werden uns anschauen, was andere Klubs für vergleichbare Spielstätten zahlen“, sagte Ralf Meyer. „Geplant ist eine marktübliche Miete. Wir werden den VfL im Wettbewerb nicht benachteiligen.“ VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig ergänzte, dass der Klub anschließend nicht gezwungen sei, deshalb die Eintrittspreise zu erhöhen. Die höhere Miete soll über Mehreinnahmen in den VIP-Bereichen, externe Veranstaltungen oder mehr Konsum an den Stadionkiosken getragen werden. „Das Ruhrstadion“, betonte Kaenzig abschließend, „bleibt ein Sehnsuchtsort für Fußballromantiker.“ Auch nach der Sanierung.


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(Foto: Marc Niemeyer)

Trainerwechsel

Ob Wunschlösung oder nicht: Butscher auf Rettungsmission

Ein letztes Mal betrat Thomas Letsch am Dienstag die Mannschaftskabine des VfL Bochum. Der 55-Jährige verabschiedete sich von den Spielern und Mitarbeitern. Nur wenige Stunden nach der Verabschiedung saß schon sein Nachfolger auf dem Podium im Bochumer Presseraum. Heiko Butscher wird die Mannschaft bis zum Saisonende betreuen. Der Fußballlehrer ist seit 2013 im Verein tätig, zuletzt als Trainer der U19 und als Sportlicher Leiter der Nachwuchsabteilung. In der kommenden Saison soll Butscher die U21 übernehmen. Nun springt er bereits zum vierten Mal übergangsweise bei den Profis ein, zum ersten Mal aber für mehr als nur ein Spiel.

Widersprüche bei der Trainersuche

Sport-Geschäftsführer Patrick Fabian sprach am Dienstag von der „Ideallösung“ und einer Entscheidung „aus voller Überzeugung.“ Das allerdings steht dem entgegen, was am Sonntag und Montag aus dem direkten Vereinsumfeld zu erfahren war. Der VfL soll sich mit mehreren externen Kandidaten ausgetauscht und Absagen kassiert haben. Ein Problem sieht Fabian darin allerdings nicht, im Gegenteil: „Es ist unsere Aufgabe, uns mit verschiedenen Optionen zu befassen und mit Kandidaten zu sprechen. Nur so ist eine wirklich fundierte Entscheidung möglich.“ Auf der Kandidatenliste standen insbesondere Urs Fischer, Peter Stöger und Stefan Kuntz.

Was womöglich ein Teil des Problems war: Bis zur schmerzhaften 1:2-Niederlage in Köln war ein Trainerwechsel klubintern noch kein ernsthaftes Thema. Die Vereinsführung war offensichtlich schlecht vorbereitet, wenn sie ihre Ideen erst nach der Trennung von Letsch ernsthaft geprüft und auf Umsetzbarkeit abgeklopft hat. Und weil es nun schnell gehen musste, war Butscher die einzig umsetzbare Option. Der 43-Jährige war sofort bereit, die Rettungsmission anzugehen. „Ich kann doch nicht ablehnen, wenn mein Verein Hilfe braucht“, erklärte Butscher seine Zusage und präsentierte sich in seiner ersten Pressekonferenz demütig und selbstbewusst zugleich.

Mit einem „guten Grundgerüst, in dem jeder weiß, was zu tun ist“, möchte er die Trendwende herbeiführen und den VfL in der Bundesliga halten. Genau das war Letsch zuletzt zum Verhängnis geworden, der personell wie taktisch zunehmend die Klarheit und Nachvollziehbarkeit bei seinen Entscheidungen vermissen ließ. Es ist anzunehmen, dass Butscher, der die Mannschaft kennt, keine gravierenden Änderungen plant, sondern versuchen wird, eine möglichst feste Startformation zu bilden. Sechs Spiele hat er nun Zeit, damit der VfL die für den Klassenerhalt notwendigen Punkte einfährt. Dafür stehen ihm aktuell alle potenziellen Leistungsträger zur Verfügung.

Zunächst bis zum Saisonende

Butschers erste wichtige Aufgabe: das Heimspiel am Samstag gegen Heidenheim. Sollte der Interimscoach in den kommenden Wochen überzeugen, ist ein längerfristiges Engagement als Profitrainer zumindest nicht ausgeschlossen. Grundsätzlich würde ihn die Aufgabe auch reizen, ist aus seinem Umfeld zu hören. Allerdings möchte der Ex-Profi in Bochum sesshaft werden, was als Übungsleiter oder Führungskraft im Nachwuchsbereich deutlich leichter ist als auf der Trainerbank im Profigeschäft. Parallel zur Saisonendphase werden Patrick Fabian und Sportdirektor Marc Lettau also weiter den Trainermarkt sondieren müssen. Für welche Liga? Das bleibt offen.


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(Foto: Imago / RHR-Foto)

Debatte

VfL-Kolumne: Klubführung gibt gerade kein gutes Bild ab

Die VfL-Kolumne ist ein Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Immer zu Wochenbeginn gibt es einen kurzen Kommentar zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Der Trainerwechsel.

Fast auf den Tag genau elf Jahre ist es her, da trug der Bochumer Messias den Vornamen Peter. Sechs Spieltage vor dem Ende der Saison sollte er den abstiegsbedrohten VfL retten – in Liga zwei. Das gelang. Nun, im April 2024, geht es erneut um den Klassenerhalt. Aber in der Bundesliga. Und der neue Trainer heißt doch nicht Peter, sondern Heiko.

Nach Gesprächen mit externen Kandidaten setzt der VfL (notgedrungen) auf eine Interimslösung. U19-Coach Heiko Butscher springt bereits zum vierten Mal übergangsweise ein, zum ersten Mal aber für mehr als nur ein Spiel. Das beweist zum einen: Die Trennung von Thomas Letsch kam so plötzlich, dass Geschäftsführer Patrick Fabian und Sportdirektor Marc Lettau keine sichere Alternative in der Hinterhand hatten. Es entsteht der Eindruck, dass sie unvorbereitet waren. Zum anderen: Dieser VfL ist für gute Trainer derzeit nicht attraktiv. 

Auch wenn die Verantwortlichen es anders kommunizieren: Butscher ist weder die A- noch die B-Lösung. Irgendwie erinnert das an den Winter, als die Führungscrew einen neuen Stürmer verpflichtet wollte, einige Gespräche geführt hatte, am Ende aber erklären musste, dass sie niemanden gefunden hat und der Kader stark genug sei. Aus der Vereinsbrille mag das alles begründbar sein. Nach außen aber gibt die VfL-Führung gerade kein gutes Bild ab.

Generell muss sie sich Kritik in der Causa Letsch gefallen lassen. Wie kann es sein, dass Fabian, Lettau und Co. den Trainer-Vertrag erst im Winter verlängert haben und nicht müde wurden, die Bedeutung von personeller Kontinuität zu betonen, nur um ihn wenige Monate später zu freizustellen? Die Trennung zum jetzigen Zeitpunkt ist absolut nachvollziehbar – der Schlingerkurs allerdings nicht. Denn die sportliche Entwicklung war im Oktober oder November keine wesentliche andere. 

Wie auch immer: Nun geht es gemeinsam um den Klassenerhalt, der die weitere Vereinsentwicklung maßgeblich beeinflussen wird. So oder so steht im Sommer ein mächtiger Umbruch bevor. Mit vielen neuen Spielern – und einem neuen Trainer. Hoffentlich in der Bundesliga. 


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Trainerwechsel

Stöger, Kuntz & Co.: Kein Letsch-Nachfolger zu bekommen

Wer ein Beispiel für die Dynamik im Fußballgeschäft sucht, wird gerade an der Castroper Straße in Bochum fündig. Gemeinsam haben der VfL und Thomas Letsch die Zukunft geplant. Immer wieder war von personeller Kontinuität die Rede. Nun aber endet die vermeintliche Traumehe ziemlich abrupt. Der Bundesligist hat sich am Montag von Letsch und seinem Co-Trainer Jan Fießer getrennt. Zuerst wurden die beiden von der Vereinsspitze informiert, kurz danach auch die Mannschaft, die ansonsten einen trainingsfreien Tag genießen durfte. Am Dienstag soll mit einem neuen Übungsleiter die Vorbereitung auf das wichtige Heimspiel gegen Heidenheim beginnen.

Trennung trotz Vertragsverlängerung

Auf eine solche Entwicklung deutete bis zur bitteren Last-Minute-Niederlage in Köln nur sehr wenig hin. Erst im November des vergangenen Jahres hatten sich die Klub-Verantwortlichen und Fußballlehrer Letsch auf eine Vertragsverlängerung geeinigt, sogar bis 2026. Schon da ruckelte es sportlich bisweilen. Doch weder zu diesem Zeitpunkt noch bis vor wenigen Tagen gab es Anzeichen für eine Trennung. Weil der VfL nach sechs sieglosen Spielen mit nur einem Punkt aber zunehmend in Abstiegsgefahr geriet, sahen sich Geschäftsführer Patrick Fabian und Sportdirektor Marc Lettau mit der Zustimmung des Präsidiums zum Handeln gezwungen.

„Wir wissen um die Verdienste von Thomas Letsch sowie Jan Fießer und danken ihnen ausdrücklich für ihre geleistete Arbeit. Die emotionalen Momente, vor allem nach dem Klassenerhalt in der vergangenen Saison, werden immer mit ihren Namen verbunden sein“, sagte Fabian am Montag im Zuge der Trennung. Aber: „In unserer aktuellen Situation haben wir nicht mehr die Überzeugung, es in der bisherigen Konstellation zu schaffen.“ Sportdirektor Lettau wird in einer Klubmitteilung ebenfalls zitiert: „Die Mannschaft hat die Qualität, in der Bundesliga zu bestehen, weshalb wir durch den Wechsel einen entscheidenden Impuls für den erfolgreichen Klassenerhalt setzen möchten.“

Menschlich passend, sportlich nicht mehr

Dass Letsch und der VfL nicht im Streit auseinandergehen, belegt die Tatsache, dass sich der beurlaubte Coach über die Vereinsmedien noch einmal abschließend äußern durfte. „Ich wünsche dem VfL Bochum alles Gute für die Zukunft – auf dass er auch in der kommenden Saison in der Bundesliga spielt“, sagte Letsch, dessen erster Trainer-Job in der Bundesliga damit endet, obgleich er natürlich weiter bezahlt werden muss. Ursächlich dafür war einzig und allein die sportliche Entwicklung. Für seine Menschenführung wurde Letsch klub- und teamintern immer wieder gelobt, zudem hat sich der 55-Jährige voller Hingabe mit dem Ruhrgebietsverein identifiziert.

Die sportlichen Fehlentscheidungen häuften sich allerdings. Schon im Sommer scheiterte Letsch daran, der Mannschaft ein neues Spielsystem zu vermitteln, obwohl die Kaderplanung in erster Linie auf die neue Herangehensweise ausgerichtet war. Mit der Rolle rückwärts folgten im Spätherbst die ersten Erfolge. Auch zu Beginn des neuen Kalenderjahres wirkte der VfL stabil, gewann gegen Stuttgart und die Bayern. Nach dem 3:2-Sieg gegen den Rekordmeister wähnten sich einige Spieler aber offensichtlich in falscher Sicherheit. Der Klassenerhalt schien wahrscheinlich, war aber noch keineswegs geschafft. Es folgten fünf Niederlagen und ein Unentschieden.

Letsch fehlte ein glückliches Händchen

Dass der VfL aus den direkten Duellen gegen die Tabellennachbarn aus Mainz, Darmstadt und Köln nur einen Zähler holte, ließ den Glauben an eine gemeinsame Wende mit Trainer Letsch schwinden. Auch aus dem Mannschaftsrat gab es am Sonntag Signale, dass ein neuer Impuls von außen notwendig sei. Letsch experimentierte zunehmend bei Personal und Taktik und bewies insbesondere bei seinen Ein- und Auswechslungen kein glückliches Händchen, hatte bisweilen aber auch Pech, etwa mit Schiedsrichter-Entscheidungen. Über allem steht jedoch, dass die gewünschte Weiterentwicklung der Mannschaft ausgeblieben ist, Probleme nicht abgestellt wurden.

Doch wer soll den VfL nun vor dem siebten Bundesliga-Abstieg bewahren? Die Klubverantwortlichen hatten zunächst Urs Fischer auf der Liste. Der langjährige Union-Trainer war ebenso nicht überzeugt wie Stefan Kuntz. Und auch Peter Stöger wechselt nicht nach Bochum. Stöger zeigte zwar großes Interesse, am Montagabend folgte allerdings die Absage. „Es war ein tolles Gespräch. Es wäre auch sehr interessant und spannend für mich gewesen. Aber die Kurzfristigkeit hat am Ende dagegen gesprochen. Auch wegen der Vertragssituation bei der Admira“, sagte er der österreichischen Zeitung Heute. Nicht nur die Freistellung von Letsch zeigt, dass im Fußball wenig planbar ist.

Dieser Artikel wurde erstmals am Montagnachmittag veröffentlicht und seither mehrfach aktualisiert. Aktuelle Entwicklungen zur Nachfolgelösung mit Heiko Butscher könnt ihr im Personalticker verfolgen.


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(Foto: Imago / Beautiful Sports)