Wintertransfers

Esser, Osterhage, Kunde: Bewegung im Kader des VfL

Am Dienstag feierte Michael Esser seinen 35. Geburtstag – vermutlich im Kreise seiner Familie. Auch deswegen war der Schlussmann im Sommer 2021 ins Ruhrgebiet zurückgekehrt. Dass ihm der VfL Bochum einen Zweijahresvertrag als Ersatzkeeper in der Bundesliga anbot, machte den heimatverbundenen Familienvater ziemlich glücklich. Viermal kam Esser seit seiner Rückkehr nach Bochum zum Einsatz, zuletzt im Mai beim Auswärtsspiel gegen Union Berlin. Esser gilt als loyal, verlässlich und äußerst mannschaftsdienlich, er nimmt die Rolle als Nummer zwei voll an. Nun könnte sich für ihn aber eine neue Tür öffnen.

Wie der kicker am Donnerstag berichtete, zeigt der 1. FC Nürnberg starkes Interesse an einer Verpflichtung des Torhüters. Weil Stammkeeper Christian Mathenia verletzungsbedingt wohl bis zum Saisonende ausfällt, ist der Zweitligist auf der Suche nach einer neuen Nummer eins. Esser soll auf der Wunschliste ganz oben stehen. Die Nürnberger wollen ihm einen Vertrag bis zum Sommer anbieten. Die Frage ist nur: Will er das überhaupt – und wie steht der VfL Bochum dazu? Für einen Wechsel nach Nürnberg spräche, dass Esser im Herbst seiner Karriere noch einmal Spielpraxis erhalten würde. Einsätze wären praktisch garantiert.

Da Esser seinen Lebensmittelpunkt aber langfristig im Ruhrgebiet sieht, könnte eine Vertragsverlängerung beim VfL Bochum für ihn mindestens genauso attraktiv sein. Esser ist nur noch bis zum Sommer an den Bundesligisten gebunden, eine weitere Zusammenarbeit scheint aber nicht ausgeschlossen. Zumal die Verträge von Marko Johansson und Paul Grave ebenfalls enden. Ein Wechsel von Esser nach Nürnberg ist auch ihretwegen keinesfalls sicher. Denn Johansson ist vom Hamburger SV nur ausgeliehen (allerdings mit Kaufoption), Paul Grave nach einer Schulter-OP in der Reha und noch etwas länger außer Gefecht gesetzt.

Osterhage verlängert bis 2026

Während die Entscheidungen auf der Torhüter-Position noch ausstehen, ist Geschäftsführer Patrick Fabian im zentralen Mittelfeld schon einen Schritt weiter. Patrick Osterhage hat seinen Vertrag zu Beginn der Woche um zwei Jahre bis 2026 verlängert. Der 22-Jährige war kurz nach dem Bundesliga-Aufstieg aus der Regionalliga-Mannschaft des BVB zum VfL gekommen und hat sich dort wie erhofft entwickelt. Osterhage pendelt zurzeit zwischen Startelf und Ersatzbank. Perspektivisch trauen ihm die Verantwortlichen die Nachfolge von Anthony Losilla zu, dessen Vertrag in wenigen Monaten ausläuft. Wie es für den Routinier weitergeht, ist noch offen.   

Gleiches gilt für Jacek Goralski, der sich vor der Abwehr ebenfalls am wohlsten fühlt. Der polnische Nationalspieler hat nach seiner Verpflichtung in diesem Sommer bislang kaum gespielt. Erst hinderte ihn eine dringend notwendige Augen-Operation an Training und Wettkampf, aktuell leidet er unter muskulären Problemen und verpasst deshalb auch die Weltmeisterschaft. Goralski wird im neuen Jahr Werbung in eigener Sache betreiben müssen. Denn nur im Falle des Klassenerhalts würde er dem VfL über das Saisonende hinaus erhalten bleiben. Anderenfalls endet sein Vertrag und Goralski würde den Klub wieder verlassen.

Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass der VfL in diesem Winter noch einen weiteren Mittelfeldspieler verpflichten wird. So könnte etwa Pierre Kunde von Olympiakos Piräus noch einmal zum Thema werden. Der 27-Jährige war schon im Sommer ein Kandidat beim VfL, ein Wechsel kam aber nicht zustande. Kunde gehört aktuell dem WM-Kader seines Heimatlandes Kamerun an. Für Piräus hat er zuletzt Anfang September ein Ligaspiel absolviert, ansonsten kam er lediglich in der Europa League zum Einsatz. Aus diesem Wettbewerb sind die Griechen aber ausgeschieden. Der Kader umfasst zurzeit 39 Spieler, Kunde darf im Winter gehen.

Auf welcher Position sollte sich der VfL Bochum in diesem Winter am ehesten verstärken?

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(Foto: Firo Sportphoto)

WM 2022

Ausgerechnet Asano: VfL-Profi ärgert Deutschland

Schon seit April wusste Bundestrainer Hansi Flick, dass er auf Takuma Asano Acht geben muss. Beim Bochumer Auswärtssieg in Hoffenheim schnürte der Japaner einen Doppelpack – und der DFB-Coach war live dabei. Nach der Partie gab Asano allerdings zu, den prominenten Tribünengast gar nicht zu kennen. „Hansi Flick, was ist das?“, entgegnete der 28-Jährige im Sportstudio-Interview.

Eingewechselter Siegtorschütze

Seit diesem Mittwoch geht diese kurze Videosequenz im Internet viral. Denn während Flick und die Deutschen bei der WM in Katar eine bittere Auftaktniederlage hinnehmen mussten, feierten die Japaner ausgelassen und herzten den Angreifer vom VfL Bochum dabei besonders. Asano, der in der 57. Minute eingewechselt wurde, erzielte in der Schlussphase das spielentscheidende 2:1. Ein langer Ball genügte, um die deutsche Abwehr auszuhebeln. Takuma Asano setzte sich gegen Dortmunds Nico Schlotterbeck durch, rannte ihm davon und traf aus spitzem Winkel. Schon an den Offensivaktionen davor war Asano entscheidend beteiligt. „Ich habe mich viereinhalb Jahre auf diesen Tag vorbereitet“, schrieb er am Abend auf Twitter. „Die frustrierenden Dinge und die glücklichen sind alle mit diesem Moment verbunden.“ Für Asano ist es die erste WM-Teilnahme in seiner Karriere.

Rechtzeitig fit geworden

Dass der schnelle Offensivallrounder überhaupt in Katar auflaufen kann, freut ihn besonders. Asano verletzte sich im September beim Derby gegen Schalke am Knie, fiel mit einem Innenbandanriss wochenlang aus und absolvierte seitdem kein Bundesligaspiel mehr. Erst im November kehrte er ins Mannschaftstraining zurück und wurde schließlich auch für den WM-Kader seines Heimatlandes nominiert. Trainer Thomas Letsch spricht mit Blick auf den Rehaverlauf von einer „Punktlandung“ und freut sich in absehbarer Zeit auf einen gefühlten Neuzugang, den er verletzungsbedingt bislang kaum kennengelernt hat. Womöglich werden sich die beiden auch erst im neuen Jahr wieder begegnen. Mit dem Sieg gegen Deutschland sind die Chancen der Japaner auf ein Weiterkommen deutlich gestiegen. Und der Marktwert von Asano, der bis 2024 an den VfL gebunden ist, sicher auch…

WM-Pause

Zwischen Training und Transfers: Langer Winter für den VfL

Die Alternativen sind durchaus attraktiv. Offensiv wirbt der VfL Bochum dieser Tage für den Live-Sport in seiner Stadt. Am vergangenen Wochenende gab es bei der U19 das Revierderby gegen Dortmund, am kommenden Sonntag treten die Zweitliga-Basketballer in der Rundsporthalle an und am Wochenende darauf spielen auch die Frauen des VfL wieder zu Hause. Niemand ist also gezwungen, den Fernseher einzuschalten und die WM in Katar zu verfolgen.

Außergewöhnlich ist die aktuelle Phase dennoch. Die Fußball-Bundesliga pausiert im Winter so früh und lange wie noch nie. Insgesamt 71 Tage, also mehr als zwei Monate, werden zwischen dem letzten Pflichtspiel im Jahr 2022 gegen Augsburg und dem Auftaktspiel 2023 gegen Hertha BSC liegen. Zum Vergleich: Im Sommer, zwischen der alten und neuen Saison, waren es nur zwei Wochen mehr. Wie füllt der VfL Bochum also die ungewöhnlich lange Pause?

Zwei Trainingsabschnitte

Einige Ideen – etwa die einer Auslandsreise – wurden verworfen, andere hingegen umgesetzt. Trainer Thomas Letsch und Manager Patrick Fabian haben sich dazu entschieden, die Vorbereitung auf die restliche Saison mit 19 Bundesliga-Partien und mindestens einem Pokalspiel zu teilen. Die erste dreiwöchige Trainingsphase endet kurz vor Weihnachten; der zweite, ebenso lange Trainingsabschnitt startet am 2. Januar. Dazwischen gibt es einen knapp einwöchigen Urlaub.

Die etwas längere Ruhepause gibt es also schon jetzt. Bis zum 2. Dezember ruht der Ball an der Castroper Straße. Für jeden Punkt beim letzten Auswärtsspiel in Augsburg hat Thomas Letsch seiner Mannschaft einen zusätzlichen Tag Urlaub versprochen, für den Sieg gegen Mönchengladbach einen weiteren. „Wir haben jetzt die Gelegenheit, ein bisschen runterzufahren“, erklärt der Übungsleiter. „Anschließend wollen wir die gemeinsame Zeit nutzen.“

Nur ein WM-Teilnehmer vom VfL

Bochums noch recht neuer Chefcoach musste seit seinem Amtsantritt Ende September immer von Spiel zu Spiel denken – nun kann er sich auch grundsätzlichen Themen widmen. „Wir sind schon weiter als erwartet. Trotzdem wollen wir unser Spiel in allen Phasen weiter verbessern.“ Sein Vorteil: Der VfL stellt mit Takuma Asano lediglich einen WM-Fahrer. Mit allen anderen Spielern, sofern fit und gesund, kann Letsch in der Adventszeit also in Ruhe arbeiten.

Um die Spannung halbwegs hochzuhalten, sind bis zu den Feiertagen auch zwei Testspiele geplant: Am 10. Dezember daheim gegen den Karlsruher SC, am 16. Dezember auswärts beim SC Paderborn. Weitere Begegnungen folgen nach dem Jahreswechsel. Dann steht auch das erste Winter-Trainingslager seit knapp drei Jahren auf dem Programm. Vom 7. bis zum 14. Januar trainiert die Mannschaft unter der spanischen Sonne in Jerez de la Frontera.

Wintertransfers erst ab Januar

Ob bis dahin auch neue Gesichter dabei sind, ist noch offen. Aus wirtschaftlicher Sicht wären Kaderkorrekturen möglich, der Etat wurde im Sommer nicht ganz ausgeschöpft. Dass für Wintertransfers bis zu zehn Millionen Euro bereit stehen, wie es zuletzt die Sport Bild berichtet hat, ist jedoch falsch. Nur ein Bruchteil dessen könnte in Verstärkungen fließen, vorrangig für die Innenverteidigung oder das defensive Mittelfeld, zwei Schwachstellen in der Hinrunde.

Doch die Möglichkeiten, die der Markt hergibt, sind im Winter meistens begrenzt. Daran wird auch das Turnier in Katar als Schauplatz für mehr als 800 Fußballer aus der ganzen Welt nur wenig ändern. Selbst einen Zeitvorteil gibt es für die Klubs in diesem Winter nicht. Die Transferperiode beginnt wie üblich erst im Januar. Transfers schon im November oder Dezember sind deshalb nicht möglich. Bis zum Jahreswechsel kann allenfalls im Hintergrund verhandelt werden.

(Foto: Firo Sportphoto)

Kommentar

Bauer hat die Probleme erkannt – Villis muss sie jetzt lösen

Dass es beim VfL Bochum noch nie eine Kampfabstimmung um das höchste Amt im Verein gegeben hat, ist nicht ganz richtig. Tatsächlich kam es schon vor Jahrzehnten zum Duell zwischen dem damaligen Amtsinhaber Ottokar Wüst und seinem Herausforderer Hans-Georg Rehs. Wüst gewann die Wahl, verstand es aber, seinen Widersacher in der Folgezeit einzubinden. Rehs wurde zum Vizepräsidenten ernannt. Damit ist bei Hans-Peter Villis und Dr. Karl-Heinz Bauer wohl nicht zu rechnen. Über diesen Schatten wird Villis nicht springen. Obwohl der langjährige Teamarzt für das Gremium sicher ein Gewinn wäre. Denn wenn einer der langjährigsten Mitarbeiter, der in seinem Hauptberuf ebenfalls eine hochrangige Position bekleidet, erhebliche Führungsdefizite identifiziert hat, ist das nicht kleinzureden.

Bobon hat seinem Team geschadet

Bauer hat etwa die Personalflucht von Führungskräften thematisiert, die eigentlich ein Herz für den VfL hatten und wahrscheinlich immer noch haben. Seine inhaltlichen Unterschiede gegenüber Villis waren marginal. Es ging ihm vor allem um das Zwischenmenschliche. Seine Kernaussage: „Es gibt keine offene Diskussionskultur in diesem Verein. Kritik wird oft persönlich genommen.“ Immerhin ein Drittel der Mitglieder haben ihm zugestimmt, andere zumindest darüber nachgedacht. Villis schien angreifbar. Doch das en-bloc-Wahlverfahren kam Bauer, der als Kopf der Gruppe durchaus punkten konnte, nicht entgegen. Sein Team blieb insgesamt zu blass. Wer vom Klub eine bessere Kommunikation fordert, hätte damit schon bei der eigenen Kandidatur beginnen müssen.

Einzig bei der Diskussion nach der Vorstellungsrunde hätte die Stimmung noch kippen können. Immer wieder gab es deutlich hörbaren Applaus für das Team Bauer. Kontraproduktiv war jedoch der letzte Wortbeitrag von Andreas Bobon. Dass er auf Nachfrage offen zugab, bislang noch keine nennenswerten Berührungspunkte mit dem VfL Bochum gehabt zu haben, war zwar ehrlich, aber ein Schuss ins eigene Knie. Dass sich selbst die größten Kritiker von Hans-Peter Villis, die Bochumer Ultras, nicht klar zur Wahlalternative bekannt haben, war schließlich ein deutliches Zeichen dafür, dass Bauer und seine Mitstreiter nicht gewinnen werden. Ihre Kandidatur und ihr Mut verdient dennoch Respekt. Initiativen wie diese braucht es, um die Vereinsdemokratie mit Leben zu füllen.

Impulsgeberin für das Präsidium

Doch wie geht es nun weiter? Das Präsidium bleibt nahezu unverändert, einzig Martin Kree scheidet aus und Dr. Christina Reinhardt von der Ruhr-Universität ist neu dabei. Sie könnte, sie muss vielleicht sogar zur entscheidenden Impulsgeberin werden. Sie stehe für einen „Kulturwandel“, außerdem für mehr Diversität und für eine Verjüngung, hat sie in ihrer kurzen, aber überzeugenden Vorstellungsrede erklärt. Kenner der RUB loben sie für ihre Führungskompetenzen, insbesondere für ihre Kommunikationsfähigkeit. All das braucht es jetzt auch beim VfL, um genau das zu erreichen, was der Capo der Ultras in seinem Redebeitrag gefordert hat: „Diese Wahl darf den Klub nicht spalten.“ Hier ist auch Villis gefragt: Er muss zeigen, dass er die vorgetragene Kritik ernst nimmt und aus Fehlern gelernt hat.

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(Foto: Firo Sportphoto)

Mitgliederversammlung

VfL wächst auf allen Ebenen und hat Geld für Wintertransfers

Sportlich hat der VfL Bochum das Fußballjahr 2022 mit zwei Siegen beendet, und auch wirtschaftlich gibt es erfreuliche Entwicklungen. Der Bundesligist plant in dieser Saison mit einem Gewinn in Höhe von 9,8 Millionen Euro. Das gab die Vereinsführung auf der Mitgliederversammlung am Dienstagabend vor knapp 1.700 Anhängern bekannt. Der Umsatz soll auf 82,4 Millionen Euro steigen. Hauptgrund dafür sind die höchsten Transfereinnahmen der Vereinsgeschichte. Für den Verkauf von Armel Bella Kotchap, Maxim Leitsch und Sebastian Polter hat der VfL im Sommer insgesamt 16,2 Millionen Euro kassiert. Nach Abzug von Steuern, einer unumgehbaren Kredittilgung und Transferbeteiligungen etwa für Berater sind davon netto 7,9 Millionen Euro übriggeblieben.

In der vergangenen Saison lag der Gesamtumsatz noch bei 65,7 Millionen Euro. Da erzielte der Klub einen Gewinn in Höhe von 5,8 Millionen Euro. „Wir streben perspektivisch einen Umsatz von mehr als 100 Millionen Euro an. Nur so können wir die Lücke zu den Konkurrenten in der Bundesliga schließen“, sagte Geschäftsführer Ilja Kaenzig. Die Zuwächse in den zurückliegenden Jahren haben auch die Schuldenlast gedrückt. „Wir werden allein von 2021 bis 2023 Verbindlichkeiten in Höhe von acht Millionen Euro abgebaut haben. Darauf sind wir stolz und dafür müssen wir uns nicht entschuldigen.“ Etwas mehr als zehn Millionen Euro bleiben übrig, verteilt auf das immer noch nicht abbezahlte Stadioncenter und ein KfW-Darlehen aus der Corona-Krise.

VfL investiert in Steine und Beine

Insgesamt verzeichnet der VfL Zuwächse in fast allen Bereichen – vom Fanartikelverkauf über das Sponsoring bis hin zu den Dauerkarten. Hier wurden in der zurückliegenden oder laufenden Saison neue Vereinsrekorde erzielt. Auch die Mitgliederzahl ist sprunghaft gestiegen. Seit dem Aufstieg im Mai 2021 sind mehr als 5.000 Fans dazugekommen. Insgesamt sind es derzeit rund 22.000 Mitglieder. Auch auf der Ausgabenseite hat sich deshalb einiges verändert. Der Lizenzspieleretat wurde von 24 Millionen Euro in der vergangenen Saison auf mehr als 30 Millionen Euro in der laufenden Spielzeit erhöht. Patrick Fabian, zuständig für den Sport, betonte in seiner Rede, dass dieser Etat noch nicht ausgeschöpft sei. Somit gebe es Spielraum für Wintertransfers.

Investiert wird auch in die Infrastruktur, etwa in eine technische Aufrüstung des Stadions, in die Modernisierung des VIP-Bereichs oder in das Nachwuchsleistungszentrum. Diese Maßnahmen sind bei einigen Fans umstritten, aus Sicht von Kaenzig und seinen Kollegen aber notwendig: „Wir verlieren im Ligavergleich sonst den Anschluss. Und teilweise schreibt sie die DFL bei der Lizenzierung sogar vor. Wir lösen den Investitionsstau, der sich speziell in den Zweitligajahren ergeben hat, gerade langsam auf.“ Kaenzig präsentierte überdies verschiedene Maßnahmen, die die Vereinsentwicklung betreffen, etwa zur Nachhaltigkeit. Auf dieses Thema und andere Aspekte wird Tief im Westen – Das VfL-Magazin in den nächsten Wochen noch detaillierter eingehen.

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(Foto: Imago / RHR-Foto)

1:0-Erfolg in Augsburg

Erster Auswärtssieg: VfL hat im neuen Jahr alle Möglichkeiten

Simon Zoller konnte sich so kurz nach dem Spiel noch nicht entscheiden. Einerseits freute er sich darüber, „endlich Urlaub“ zu haben. Andererseits bedauerte der Angreifer des VfL Bochum, sich nach dem 1:0-Erfolg in Augsburg in die sehr lange Winter-, Weltmeisterschafts- und Weihnachtspause verabschieden zu müssen. „Ausgerechnet jetzt, wo es so gut läuft“, sagte Zoller am Mikrofon von Sky. Denn in den 90 Minuten zuvor erkämpfte und erspielte sich der Revierklub den ersten Auswärtssieg der Saison, der nach dem Spiel erst vor der Kurve und anschließend im Mannschaftsbus kräftig gefeiert wurde.

Bedanken konnte sich die Mannschaft vor allem bei Christopher Antwi-Adjei. Der schnelle Flügelstürmer blüht unter Trainer Thomas Letsch weiter auf, traf schon zuletzt gegen Mönchengladbach und nun auch in Augsburg. Dort avancierte der potenzielle WM-Teilnehmer, der auf eine Nominierung für Ghana hofft, sogar zum Matchwinner. Nachdem Antwi-Adjei schon in der ersten Halbzeit drei gute Chancen hatte, aber einmal am gegnerischen Keeper, einmal am Pfosten und einmal an sich selbst scheiterte, belohnte er sich in der 58. Minute mit dem 1:0 – es war der einzige und entscheidende Treffer.

Älteste Startelf der Liga-Geschichte

Die insgesamt harmlosen Augsburger hätten lediglich direkt nach der Bochumer Führung zurück ins Spiel kommen können, als Schiedsrichter Felix Brych nach einem Handspiel von Simon Zoller auf den Elfmeterpunkt zeigte. Doch Augsburgs Mergim Berisha setzte den Ball über das Tor. „Da hatten wir ein bisschen Glück, aber ohne Glück geht es nicht“, sagte Trainer Thomas Letsch nach der Partie und war insgesamt erleichtert. „Wir hätten schon vor der Pause in Führung gehen müssen, das 1:0 war dann überfällig.“ Und es genügte, weil der VfL zum zweiten Mal in dieser Saison ohne Gegentreffer blieb.

Zwar blieb Augsburg über weite Strecken harmlos, doch die Bochumer verteidigten gut, waren präsent und aggressiv in den Zweikämpfen. Als richtig erwies sich auch die Maßnahme, Konstantinos Stafylidis für Philipp Förster in die Anfangself zu beordern. Der Defensivallrounder stärkte die Hintermannschaft und trat überdies als Vorbereiter beim 1:0 in Erscheinung. Zugleich bescherte er dem VfL indirekt einen Bundesliga-Rekord. Denn mit diesem Wechsel in der Startaufstellung schickten die Bochumer die älteste Mannschaft seit Gründung der Liga im Jahr 1963 ins Rennen. Im Schnitt waren die Spieler 31,5 Jahre alt.

Rettendes Ufer ist wieder in Sicht

Bei der Mission Klassenerhalt setzt der VfL also weiter auf Erfahrung. Der Glaube daran, dass dieses Vorhaben erneut gelingt, ist vor allem in dieser Woche wieder deutlich größer geworden. Mit den sechs Punkten zum Abschluss des ersten Saisonabschnitts hat der VfL den Kontakt zum rettenden Ufer hergestellt. Der Abstand auf den Relegationsrang und den ersten Nicht-Abstiegsplatz beträgt nur noch einen Zähler. Auch Mannschaften wie Köln oder Augsburg sind wieder in Reichweite. Zur Erinnerung: Als Thomas Letsch den VfL nach dem siebten Spieltag übernahm, stand nur ein einziger Punkt auf der Habenseite.

Was danach folgte, ist aus Klub- und Fansicht höchst erfreulich. Letsch und seine Mannschaft holten aus acht gemeinsamen Partien zwölf Punkte, überdies gelang ein Weiterkommen im DFB-Pokal. „Unser Ziel war es, in Schlagdistanz zu bleiben“, erinnert sich Letsch an seinen Amtsantritt. Die erste Zwischenbilanz fällt also positiv aus – der VfL ist wieder im Geschäft und hat nach der langen Pause noch alle Möglichkeiten auf den Klassenerhalt. Doch zunächst steht ein kleiner Urlaub bevor. Ab Mittwoch bekommen die Spieler knapp zwei Wochen bis zum 2. Dezember frei – ob es Simon Zoller nun passt oder nicht.

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(Foto: Firo Sportphoto)

Verstärkung im Winter?

In Mainz nicht glücklich: VfL denkt an Leitsch-Rückkehr

35 Gegentore nach 13 Bundesliga-Partien sind beim VfL Bochum nicht allein der Innenverteidigung anzulasten. Doch die Probleme in der Abwehr sind offenkundig. Nach dem Verkauf der Stammspieler Armel Bella Kotchap und Maxim Leitsch im Sommer hat der VfL die entstandene Lücke nicht adäquat schließen können; vor allem fehlt es an Dynamik und Handlungsschnelligkeit. Die Neuzugänge Ivan Ordets und Dominique Heintz verstärken den VfL bislang noch nicht wie erhofft. Auch deshalb denken die Verantwortlichen intern über einen durchaus spektakulären Wintertransfer nach.

Leitsch pausiert zurzeit

Nach Informationen von Tief im Westen – Das VfL-Magazin und dem Fanblog Einsachtvieracht loten sie die Möglichkeiten einer Rückkehr von Maxim Leitsch aus. Diese Gedankengänge befinden sich allerdings erst im Anfangsstadium, konkret ist noch nichts. Leitsch trägt mittlerweile das Trikot des FSV Mainz 05. Der Wechsel zu den Rheinhessen hat dem VfL im Sommer rund 3,5 Millionen Euro eingebracht. Doch für Leitsch läuft es beim Ligakonkurrenten bislang nicht wie erhofft. Zu Saisonbeginn war er an mehreren Gegentreffern entscheidend beteiligt. Auch privat ist er in Mainz noch nicht richtig angekommen. Im Oktober wurde schließlich bekannt, dass der schnelle Linksfuß aufgrund körperlicher und mentaler Erschöpfungserscheinungen bis auf Weiteres pausieren wird.

Leihgeschäft denkbar

Seither befindet sich Leitsch wieder im Ruhrgebiet. Wann und ob er nach Mainz zurückkehren wird, ist noch offen. Der VfL wäre jedenfalls bereit, dem 24-Jährigen ein Comeback in seinem gewohnten Umfeld ermöglichen, sofern er gesund ist und auch Mainz 05 mit einem Transfer in die umgekehrte Richtung einverstanden ist. Ein Knackpunkt könnten die Finanzen sein. Denkbar ist allerhöchstens ein Leihgeschäft; alles andere ist unrealistisch. Für den Fall, dass die Rückkehr von Leitsch nicht gelingt, beschäftigen sich die Verantwortlichen aber auch mit anderen Kandidaten.

(Foto: picture alliance)