Kandidat für oben? Zwischen Zuversicht und Skepsis
3. August 2026 von
Philipp Rentsch
Die VfL-Kolumne ist ein festes Format auf Tief im Westen – Das VfL-Magazin. Regelmäßig gibt es einen kurzen Kommentar, einen Denkanstoß oder eine Einordnung zu einem ausgewählten Thema – zum sportlichen Geschehen an der Castroper Straße oder zum Drumherum. Die Regel: Maximal 1.848 Buchstaben. Das Ziel: Diskussionen anzustoßen. Das Thema heute: Die Saisonprognose.
Schulterklopfer sind im Fußball nicht unüblich. Vor einer Saison aber sind sie an der Tagesordnung. Natürlich sind alle Neuzugänge Wunschkandidaten und deshalb auch echte Verstärkungen, und egal, wie die Vorbereitung verlief, die Mannschaft ist selbstverständlich startklar. Kritik ist in dieser Phase nicht gern gesehen und wird teils persönlich genommen.
So war es auch im Sommer 2025. Der damalige Trainer verwies gerne darauf, dass die Kritiker ja gar nicht vor Ort seien. Umso alarmierender, dass sie die Probleme trotzdem früher erkannt haben als die Verantwortlichen! Auch der Sportchef pries seine Neuverpflichtungen noch selbstbewusst bei Anhängern und Medien an; Stirnrunzeln auf der Gegenseite sorgte für Verwunderung.
Die aktuell zuständigen Personen mit ihren Vorgängern zu vergleichen, wäre nicht fair. Doch ein Muster bleibt: Sie sind genauso überzeugt von ihren Entscheidungen und verwundert über Skepsis. Zugegeben: Wenn es anders wäre, würde das auch irritieren. Vermutlich sogar noch mehr. Die entscheidende Frage lautet also: Ist ihr Optimismus berechtigt? Die Testspielauftritte in diesem Sommer waren überzeugender als im vergangenen Jahr. In punkto Routine und Mentalität hat der VfL definitiv zugelegt. Und ein guter Saisonstart kann vieles begünstigen.
Doch woher kommt der Glaube, dass diese Mannschaft gar um den Aufstieg mitspielen wird? Sicher: Die Innenverteidigung ist stabiler, die offensiven Außenpositionen sind vermutlich besser besetzt. Auf anderen Positionen wiederum – etwa rechts hinten und vor allem im zentralen Mittelfeld – fehlen Alternativen, fehlt Qualität. Sind mal drei, vier Spieler verletzt oder noch nicht richtig fit – und das war bei der Generalprobe gegen Sheffield United bereits der Fall – dann stellt sich das Team im Grunde von selbst auf.
Vor dem ersten Pflichtspiel gibt es bekanntlich viele Prognosen. Gerade in der 2. Liga sind viele davon schon nach wenigen Wochen überholt. Ich finde: Für den VfL wäre eine sorgenfreie Runde – gerade nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre – ein erster wichtiger Schritt. Wenn am Ende dann noch eine bessere Platzierung steht als im Mai 2026, dann war die Saison ein Erfolg. Chancen im Aufstiegsrennen sehe ich keine. Sachlichen Widerspruch nehme ich jederzeit entgegen – Schulterklopfer müssen nicht sein.
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(Foto: Marc Niemeyer).
In eigener Sache
Saisonstart fürs VfL-Magazin: Was bleibt und was sich ändert
von
Philipp Rentsch
Liebe Leserinnen und Leser,
wenn die Sonderhefte zum Saisonstart erscheinen, dann wissen wir alle: Der erste Spieltag ist nicht mehr fern. In den kommenden Tagen kommt sowohl das kicker-Sonderheft als auch „100 Prozent VfL Bochum“ aus dem Bochumer 3satz-Verlag auf den Markt. An beiden Ausgaben habe ich mitgewirkt.
Parallel ruhte natürlich auch das Tagesgeschäft nicht. Der kicker und die Ruhr Nachrichten wurden mit aktuellen Berichten versorgt. Auch mein Hauptjob beim WDR hat mich unverändert gefordert. Für Tief im Westen – Das VfL-Magazin blieb somit weniger Zeit als gewünscht. Aktuell schaffe ich es lediglich, im Schnitt alle fünf Tage einen neuen Bericht, eine Kolumne oder eine Podcast-Folge zu veröffentlichen. Weil größtmögliche Transparenz seit der Gründung vor mittlerweile sieben Jahren dazugehört, muss ich an dieser Stelle verkünden: Das wird auch so bleiben. Die Jobs und Aufträge, mit denen ich mein Geld verdiene, haben Vorrang.
Deshalb wird es an dieser Stelle in der neuen Saison auch nicht mehr standardmäßig zu jedem Spiel einen Text geben. Ziel bleibt es aber, dass zwischen zwei Veröffentlichungen im Normalfall höchstens fünf Tage liegen sollen. Es wird also auf eine, maximal zwei Neuerscheinungen pro Woche hinauslaufen. Das war in den vergangenen Monaten ohnehin schon oft der Fall, wird aber nun zur Regel.
Doch weniger ist manchmal mehr. Ich verspreche euch, dass mein Anspruch an alle Veröffentlichungen unverändert hoch bleibt: hintergründig, gut recherchiert, verständlich aufbereitet. Ich freue mich über jeden, der dieser Website treu bleibt und meine Berichterstattung auch in den genannten anderen Medien verfolgt. Ebenso danke ich all denen, die mit ihren monatlichen, jährlichen oder anlassbezogenen Unterstützungsbeiträgen die Fixkosten für Tief im Westen – Das VfL-Magazin decken, also für den Server, für Fotos und die Podcast-Plattform, die wir zur Aufnahme nutzen.
Ganz zum Schluss freue ich mich noch darüber, einen immer wieder geäußerten Wunsch erfüllen zu können: Mein VfL-Quiz im Sonnendeck, das ich vor Corona-Pandemie und noch zu westline-Zeiten mehrfach veranstaltet habe, feiert im Herbst sein Comeback. Weitere Informationen dazu folgen.
Auf eine spannende, sorgenfreie Saison – und ein herzliches Glück auf!
Euer Philipp Rentsch
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(Foto: Marc Niemeyer)
Saisonvorbereitung
Startelf, Talente und Transfers: Der große VfL-Kadercheck
29. Juli 2026 von
Philipp Rentsch
In diesem Jahr waren alle zufrieden. Vom Trainingslager in Gais schwärmen viele Fans zwar noch heute, die Spieler jedoch weniger. In Scheffau passten die Bedingungen fürs Team, aber nicht für die Anhänger. Von Bramberg am Wildkogel sind sie dagegen alle begeistert. „Es ist nicht selbstverständlich, dass der Verein uns ein solches Trainingslager ermöglicht hat. Die Bedingungen waren super, vom Platz bis zum Hotel“, lobte Trainer Uwe Rösler die Organisatoren und war zugleich auch mit der sportlichen Entwicklung zufrieden. Die Startelf nimmt Formen an vor dem letzten Testspiel der Saisonvorbereitung. Ein Überblick zu allen Spielern – und Vakanzen.
Tor: Die Frage, wer zwischen den Bochumer Pfosten stehen wird, stellt sich gar nicht. Nach starken Leistungen in der vergangenen Saison ist Timo Horn natürlich gesetzt. Überdies ist er ein aussichtsreicher Kandidat fürs Kapitänsamt, das Rösler in dieser Woche vergeben wird. Nach dem Abgang von Niclas Thiede ist noch offen, wer die neue Nummer zwei wird. Die Verantwortlichen planen eigentlich mit Hugo Rölleke, doch beim Keeper der U21 wechseln Genie und Wahnsinn noch zu häufig. Alternativ stünde Neuzugang Tino Casali bereit.
Außenverteidigung rechts: In der Rückrunde der abgelaufenen Spielzeit lieferten sich Leandro Morgalla und Oliver Olsen ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Platz in der Startelf. Weil Morgalla nicht mehr da ist, dürfte Olsen trotz Schwächen in den Testspielen vorerst gesetzt sein. Ein echter Herausforderer fehlt bislang. Rösler sieht Jean Manuel Mbom zwar vorrangig als Außenverteidiger, den Ex-Bremer braucht er im Mittelfeldzentrum aber dringender. Kacper Koscierski wiederum wartet noch auf seinen Durchbruch. Der Spieler soll mit seiner Situation nicht ganz glücklich sein, eine Leihe könnte sinnvoll sein. Im vergangenen Sommer noch hochgelobt, ist aktuell unklar, was der VfL seinem Eigengewächs und U19-Nationalspieler wirklich zutraut.
Außenverteidigung links: Nach mehreren Operationen am Oberschenkel ist Maximilian Wittek wieder einsatzfähig. Dass er den ersten Teil der Saisonvorbereitung verpasst hat und noch Spielpraxis fehlt, war im Trainingslager nicht zu übersehen. Nach einer überzeugenden Rückrunde dürfte Wittek beim Eröffnungsspiel gegen Hertha BSC am 7. August dennoch zur Startformation gehören. Auch er ist ein Kandidat für die Kapitänsbinde. Sollte er noch nicht durchhalten, stehen zwei vielversprechende Talente bereit. Zum einen Darnell Keumo, zum anderen Leon Sawas. Letztgenannter wurde eigentlich nur für die U21 verpflichtet, hat Trainer Rösler aber so begeistert, dass er ihn vorerst zu den Profis beordert hat. Offen ist noch, für wen der beiden sich Rösler entscheidet. Klar ist: Für Winterneuzugang Mikkel Rakneberg, der sich nach einer Verletzung in Aufbautraining befindet, wird es schwer. Ein vorzeitiger Abschied ist denkbar.
Innenverteidigung: Die personelle Konstellation im Abwehrzentrum hat sich stark verändert. Kevin Vogt hat seine Karriere beendet, Erhan Masovic und Noah Loosli haben den VfL ebenfalls verlassen und sind immer noch auf Vereinssuche. Neu dabei sind Michael Steinwender, Karol Mets und Yigit Karademir. Die beiden Erstgenannten sind derzeit Röslers Favoriten. Steinwender spielt unaufgeregt und soll den Part des rechten Innenverteidigers einnehmen, ist also der etwas schnellere und spielstärkere Nachfolger von Loosli, ohne allerdings in diesen Kategorien herausragend zu sein. Mets wiederum hat schon nach wenigen Tagen den oft wackligen und fußballerisch limitierten Philipp Strompf verdrängt. Mets‘ Problem ist die Spielfitness. Perspektivisch plant ihn Rösler aber als Führungskraft ein. Sollte er zum Start nicht mitwirken können, stünde Karademir bereit, der im Zentrum sowohl rechts als auch links spielen kann. Strompf, der bis Mai Stammkraft war, ist nur noch Innenverteidiger Nummer vier. Sollte er noch wechseln wollen, wären die Verantwortlichen gesprächsbereit.
Defensives Mittelfeld: Der Abgang von Cajetan Lenz hat die Vereinskasse aufgefüllt und trägt entscheidend dazu bei, dass der VfL seinen Etat annähernd halten konnte. Die entstandene sportliche Lücke soll Enis Cokaj füllen. Der Albaner fügt sich bislang gut in die Mannschaft ein, wirkt abgeklärt und bissig. Noch fehlt ihm aber Zweitliga-Erfahrung. Als Alternative stünde allenfalls Mbom bereit, der allerdings auch als rechter Außenverteidiger oder Achter spielen soll. Ein weiterer Mittelfeld-Stratege, der auch Cokaj vertreten könnte, würde dem Team gut zu Gesicht stehen.
Zentrales Mittelfeld: Mit Matus Bero, Kjell Wätjen und Francis Onyeka sind im Saisonvergleich gleich mehrere Optionen für die Achter-Rolle weggebrochen und bislang nicht ersetzt worden. Da Mats Pannewig große Teile der Vorbereitung verpasst hat, klafft hier die größte Lücke im Team des VfL. Mbom hat in dieser Rolle, die Laufstärke und auch Offensivqualitäten erfordert, noch nicht überzeugt. Tom Meyer und vor allem Lasse Isbruch haben zwar großes Potenzial, aber noch keinerlei Profierfahrung. Rösler hofft deshalb noch auf einen Neuzugang, der sofort helfen kann. Anderenfalls wird es zum Saisonstart auf eine Notlösung hinauslaufen – wahrscheinlich auf Mbom. Meyer könnte parallel auch in der U21 spielen, Isbruch sogar noch in der U19. Von Winterneuzugang Moritz Göttlicher spricht derzeit niemand mehr.
Offensives Mittelfeld: In der vergangenen Saison hatte das Trainerteam die Qual der Wahl und bis zu vier unterschiedliche Optionen auf dieser Position. Aktuell hat Berkan Taz klar die Nase vorn. Die Neuverpflichtung vom SC Verl erinnert ein wenig an Zvjezdan Misimovic – technisch hoch veranlagt, aber nicht allzu schnell und mit Defiziten bei der Arbeit gegen den Ball. Mit gefährlichen Distanzschüssen, präzisen Standards und möglichst vielen Torvorlagen soll er der neue Spielmacher werden. In der Vorbereitung blitzte sein Können bereits auf. Als Alternative stünde Mittelfeldallrounder Koji Miyoshi bereit.
Rechte offensive Außenbahn: Die Entscheidung fällt schwer. Mit Miyoshi und Neuzugang Christian Rasmussen verfügt Trainer Rösler über zwei passende, wenngleich unterschiedliche Optionen für diese Aufgabe. Miyoshi, der in der Rückrunde überzeugt hat, in der Vorbereitung aber unauffällig blieb, ist kein klassischer Außenbahnspezialist, dafür sehr agil und souverän in der Ballbehandlung. Rasmussen wiederum ist kräftiger, schnell und technisch ebenfalls sehr gut ausgebildet. Sein Nachteil: Er ist noch nicht bei 100 Prozent. Alternativ stünde auch noch der pfeilschnelle Babis Drakas zur Verfügung. Samuel Bamba hingegen soll abgegeben werden, es gibt Interesse aus Portugal.
Linke offensive Außenbahn: Eigentlich befinden sich die Verantwortlichen noch auf der Suche nach einer zusätzlichen Alternative für diese Position. Doch womöglich wurde sie bereits im internen Kreis gefunden. Alessandro Crimaldi ist der große Gewinner der Saisonvorvereitung und darf sich dank guter Testspielleistungen berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der Startelf machen. Körperlich und taktisch hat der Deutsch-Italiener zwar noch unübersehbare Defizite, fußballerisch aber kann der 18-Jährige problemlos mithalten. Als Joker und Teilzeitkraft steht der wiedergenesene, aber noch nicht gänzlich fitte Gerrit Holtmann bereit. Auch Miyoshi und Rasmussen könnten auf dem linken Flügel spielen. Fraglich also, ob der VfL sein knappes Geld ausgerechnet auf dieser Position investieren sollte.
Angriffszentrum: Niemand im Team das VfL ist erfahrener und hat mehr Zweitliga-Spiele absolviert als Philipp Hofmann. Kann er die gute Form der Rückrunde beibehalten, dann steht einer zweistelligen Zahl an Saisontoren kaum etwas im Wege. So oder so: Der kopfballstarke Mittelstürmer ist gesetzt. Dahinter, daneben oder als Alternative steht Neuzugang Daniel Hanslik zur Verfügung. Auch er kennt die Liga bestens, scheint aber Anlaufzeit zu benötigen. In den Testspielen tauchte er unter. Vorgänger Callum Marshall fügte sich schneller und besser ein. Ibrahim Sissoko, der nicht mehr am Mannschaftstraining teilnimmt, darf und soll den Klub nach wie vor verlassen. Unabhängig von dieser Personalie ist die Verpflichtung eines hybriden Angreifers, der innen wie außen spielen kann, nach wie vor eine Option.
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(Foto: Marc Niemeyer)
Podcast
Neuzugänge, Testspiele, Fans: Einblick ins VfL-Trainingslager
24. Juli 2026 von
Philipp Rentsch
Der VfL Bochum bereitet sich in Bramberg am Wildkogel auf die neue Saison vor. In unserer neuen Podcast-Folge gibt es Einblicke ins Trainingslager und Antworten auf die wichtigsten Fragen: Welche Neuzugänge und Talente fallen auf? Wie zufrieden sind die Fans? Und was gibt es Neues zur Kaderplanung? Viel Spaß beim Zuschauen und Anhören!
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(Foto: Marc Niemeyer)
Kolumne
„Kannst direkt wieder gehen“: Welcome to VfL, Karol Mets!
18. Juli 2026 von
Philipp Rentsch
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Bisweilen könnten die Pressemitteilungen des VfL etwas aussagekräftiger sein. Simon Zoller bescheinigt Neuzugang Karol Mets „Qualität, Ruhe und Mentalität“, geht auf den ersten Punkt aber nicht näher ein. Dabei kennt Zoller den Nationalspieler aus Estland von allen Bochumern am besten. Die beiden haben einst zusammen beim FC St. Pauli gespielt. Nun soll Mets den Platz in der Bochumer Innenverteidigung einnehmen, den bislang der wenig überzeugende Philipp Strompf inne hatte. Einiges spricht dafür, dass dieser Transfer den VfL besser macht.
Eine etwas detailliertere Ausführung von Zoller hätte womöglich geholfen, um die Kritiker der Neuverpflichtung etwas zu beruhigen. Die Kommentarspalten in den sozialen Netzwerken sind voll mit Ablehnung. „Kannst direkt wieder gehen“, schreibt einer, „33 Jahre und vereinslos – das ist ein schlechter Scherz“, postet ein anderer und ist damit nicht allein. Eine solche Willkommenskultur ist gefährlich. Und die hohe Erwartungshaltung, die durch wenige, aber offensichtlich weitreichende Aussagen („Key Player“) vereinsseitig aufgebaut und medial verstärkt wurde, ist eine große Bürde für Karol Mets.
Doch woher kommt die Ablehnung überhaupt? Mets war zuletzt Stammspieler in der Bundesliga und erfüllt viele Kriterien. Sein Stellungsspiel und seine Zweikampfführung sind positiv hervorzuheben, er beherrscht das von Uwe Rösler gewünschte „Vorwärtsverteidigen“, verfügt über einen soliden Spielaufbau und auch sein Tempo ist okay. Zur Erinnerung: Der VfL ist Zweitligist! Fast alle Wunschkandidaten der Fans liegen fernab der Bochumer Möglichkeiten, finanziell wie sportlich. Ein junger, schneller und spielstarker Verteidiger, der keine Schwächen hat, wechselt nicht nach Bochum.
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ein kritischer Blick ist wichtig. Der größte Nachteil der Mets-Verpflichtung ist ja unübersehbar: sein Alter. Generell wirkt die Transferstrategie in diesem Sommer recht konservativ. Offensichtlich glauben die Verantwortlichen, sich über Namen und Erfahrung eine gewisse, vielleicht auch trügerische Sicherheit zu kaufen. Echte Potenzialspieler, die erst am Anfang ihrer Karriere stehen, sind bisher die Ausnahme.
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(Foto: VfL Bochum 1848)
Transferpolitik
Danish Dynamite: VfL sucht Spieler verstärkt im Norden
16. Juli 2026 von
Philipp Rentsch
Die Marketingabteilung des VfL Bochum ist schon ein Jahr weiter. Wie üblich gibt sie in diesen Tagen bereits das Trikot für die folgende Saison, also für die Spielzeit 2027/28, in Auftrag. Dieser geht erstmals an den dänischen Ausrüster Hummel, der nach fünf Jahren den japanischen Hersteller Mizuno ersetzt und dem Klub höhere Einnahmen beschert.
Es ist nicht die einzige Beziehung zwischen dem VfL Bochum und Dänemark. Vor allem auf sportlicher Ebene werden immer mehr Verbindungen sichtbar. Vier Spieler und mehrere Verantwortliche haben eine Vergangenheit im Land des Europameisters von 1992, darunter Trainer Uwe Rösler. Der 57-Jährige coachte zwischen 2022 und 2025 den Aarhus GF. Nur wenige Monate nach seinem Vertragsende heuerte er an der Castroper Straße an. Auch in Schweden und Norwegen kennt sich Rösler bestens aus, war dort für Malmö FF, Molde FK, Viking Stavanger und Lilleström SK tätig. Insgesamt war Rösler fast zehn Jahre Trainer im skandinavischen Raum.
Vier Skandinavier im Bochumer Kader
Kein Wunder also, dass sich diese Vergangenheit nun auch im Bochumer Kader widerspiegelt. Anfang des Jahres wechselte mit Mikkel Rakneberg von Kristiansund FK ein norwegischer Linksverteidiger zum VfL, wenige Wochen später mit Oliver Olsen vom Randers FC ein dänischer Rechtsverteidiger. Die Entwicklung der beiden verläuft jedoch höchst unterschiedlich. Raknebergs sportliche Eingewöhnung verlief holprig. Bei seinem bislang einzigen Startelfeinsatz Ende Februar gegen Fortuna Düsseldorf enttäuschte er, einige Wochen später verletzte er sich folgenschwer. Nach einer Knie-OP verpasst Rakneberg die gesamte Saisonvorbereitung und wird wohl erst im Herbst wieder zur Verfügung stehen. Olsen hingegen hat sich bereits nach wenigen Monaten einen Stammplatz erkämpft. Auch wenn seine Leistungen in der Rückrunde der vergangenen Saison noch schwankend waren, dürfte der 25-Jährige als Stammkraft in die neue Saison gehen.
Als Alternative ist neben dem deutschen U19-Nationalspieler Kacper Koscierski Jean Manuel Mbom eingeplant. Auch er war zuletzt in Dänemark aktiv. Der Defensiv-Allrounder, der einst bei Werder Bremen ausgebildet wurde und dort zum Profi reifte, hat auf dieser Position drei Jahre für Viborg FF gespielt. Vorrangig ist Mbom allerdings im Mittelfeld eingeplant – auf einer Position, die er noch aus Bremen kennt. Das Quintett mit skandinavischer Vergangenheit komplettieren Christian Rasmussen und Gustav Schjött. Rasmussen ist Anfang Juli ablösefrei von Fortuna Düsseldorf zum VfL Bochum gewechselt und soll die rechte Außenbahn verstärken. Der 23-Jährige kann aber auch auf der gegenüberliegenden Seite oder als zweite Spitze agieren. Schjört wiederum ist in der Innenverteidigung zu Hause. Der dänische U19-Nationalspieler darf sich nach einem überzeugenden Halbjahr in der DFB-Nachwuchsliga nun auch bei den VfL-Profis beweisen.
Erinnerungen an Madsen, Colding und Co.
Dass die Bochumer bei ihrer Suche nach einem Abwehrchef, einer Verstärkung für die linke Außenbahn sowie einem zentralen Mittelfeldspieler erneut in Skandinavien fündig werden, ist durchaus möglich. Schließlich ist es nicht allein Rösler, der seine Marktkenntnis einbringt. Auch Markus Brunnschneider, der verantwortliche Kaderplaner des VfL seit November 2025, verfügt über gute Kontakte in den hohen Norden. Diese hat er während seiner vorherigen Tätigkeit als Chefscout von Ligakonkurrent Holstein Kiel aufgebaut, intensiviert und bereits mehrfach genutzt. Unterstützt wird Brunnschneider neuerdings von einem weiteren Dänemark-Experten. Hendrik Enge hat die Funktion als Scout mit Datenschwerpunkt übernommen und zuvor für Aalborg BK gearbeitet.
Für Rösler ist dieser Schwerpunkt bei der Spielersuche nur allzu logisch: „Wir können nicht auf allen Märkten unterwegs sein. Ich kenne mich dort sehr gut aus, Markus auch. Skandinavier waren in der Geschichte des VfL meist sehr erfolgreich, sind fußballerisch gut ausgebildet, oft unkomplizierte Typen und sehr anpassungsfähig. Sie passen zur Kultur des Klubs und zu unserer Spielweise.“ Das hat sich bereits in der Vergangenheit gezeigt. Schon vor gut 20 Jahren beschäftigte der VfL mit Thomas Christiansen, Sören Colding, Peter Madsen, Tommy Bechmann und Peter Graulund zahlreiche Dänen, die sich fast alle zu Leistungsträgern entwickelten und bei den Fans äußerst beliebt waren. An diese Tradition wollen die Bochumer nun anknüpfen.
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(Foto: Marc Niemeyer)
Podcast
Rasmussen da, Kwarteng weg: VfL-Kader weiter im Umbruch
9. Juli 2026 von
Philipp Rentsch
Die Saisonvorbereitung des VfL Bochum läuft, doch der Kader ist noch längst nicht komplett. In unserer neuen Podcast-Folge sprechen wir über die Verpflichtung von Christian Rasmussen, den Abgang von Moritz Kwarteng und über noch vorhandene Schwachstellen. Außerdem Thema: die ersten Testspiele sowie die neue Trikot-Kollektion.
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