VfL wartet auf Entscheidung

Spiele & Verträge: Enger Zeitplan für Schindzielorz

Geduld ist gefragt, auch bei Sebastian Schindzielorz. Der Manager des VfL Bochum wartet auf frohe Kunde. Seine Hoffnung ist die einer ganzen Branche: Trotz der anhaltenden Corona-Pandemie soll die Bundesliga-Saison fortgesetzt werden. „Darauf arbeiten wir hin“, sagt Schindzielorz. Noch fehlt die Erlaubnis. Die Signale aus der Politik sind zwar positiv, doch sicher ist in diesen Tagen kaum etwas. Erst am 6. Mai könnte es eine Entscheidung geben. Neun Spieltage sollen noch gespielt werden. Der VfL würde nach wie vor um den Klassenerhalt in der 2. Liga kämpfen. Nur drei Punkte Vorsprung sind es auf den Relegationsplatz.

Englische Wochen wahrscheinlich

Ursprünglich hatten die 36 Erst- und Zweitligisten den Re-Start für Anfang Mai geplant – dieser Termin ist aber kaum noch zu halten. Wahrscheinlicher ist es, dass der Ball erst ab Mitte oder Ende des Monats rollen wird, natürlich ohne Zuschauer. Schon seit drei Wochen trainieren die Profis des VfL Bochum wieder, allerdings ohne Zweikämpfe und Körperkontakt, nur in Kleingruppen und abgeschottet hinter einem riesigen Sichtschutz. Schindzielorz betont, dass für einen Wiederbeginn der Saison weitere Vorlaufzeit benötigt werde: „Wir wissen zur Stunde noch nicht, wann ein normales Mannschaftstraining möglich sein wird.“

Das sei aber notwendig, um wieder Pflichtspiele bestreiten zu können. „Vermutlich stehen uns einige Englische Wochen bevor. Wir wollen optimal vorbereitet sein“, sagt Schindzielorz. Aktuell konzentriere sich das Trainerteam auf Übungen mit dem Ball, auf Kraft- und Konditionstraining. Sollte die Saison tatsächlich erst Ende Mai fortgesetzt werden, gerät auch der Zeitplan durcheinander. Bei neun Partien, die absolviert werden müssen, plus einer möglichen Relegation, droht den Profis ein Saisonendspurt im Drei-Tage-Rhythmus. „Unser Ziel ist es, die Saison am 30. Juni zu beenden“, betont Schindzielorz und gibt sich optimistisch: „Und wir gehen davon aus, dass das möglich sein wird.“

Vertragsgespräche ohne Abschluss

Die Verantwortlichen haben vor allem das Vertragswerk im Blick. Nicht nur die Spielerverträge sind bis zum 30. Juni datiert. Zwar versichert der Ligaverband, auch darauf vorbereitet zu sein, sollte die Saison erst später enden, doch in diesem Fall droht es kompliziert zu werden. Allein beim VfL Bochum laufen 12 Spielerverträge aus. Bislang wurde noch keiner davon verlängert. Von den Stammspielern sind zum Beispiel Manuel Riemann, Robert Tesche und Danilo Soares betroffen, wobei der Brasilianer den Klub im Sommer verlassen möchte. Auch müssten Leihspieler wie Jordi Osei-Tutu, Vasilios Lampropoulos und Manuel Wintzheimer zu ihrem jeweiligen Stammverein zurückkehren.

„Viele Gespräche laufen natürlich schon“, versichert Schindzielorz, dem es jedoch schwerfällt, jetzt schon Abschlüsse zu erzielen. Das gilt auch für potenzielle Neuzugänge. Zu unsicher ist die Gesamtsituation. Schließlich weiß niemand, in welcher Liga der VfL in der kommenden Saison spielen wird. Ist die Mannschaft im Kampf um den Klassenerhalt in der Lage, nicht nur dem psychischen Druck, sondern auch der physischen Belastung standzuhalten? Mehr Optionen im Kader, über die der VfL zumindest auf einigen Positionen verfügt, könnten sich als vorteilhaft erweisen. Zumal die internationalen Regelhüter vorübergehend fünf statt drei Wechsel pro Spiel erlauben wollen.

DFL muss noch einige Details klären

Ungeklärt ist derweil noch, ob der VfL bei einem Wiederbeginn der Saison tatsächlich zuerst auf den 1. FC Heidenheim treffen würde. Das war die erste Partie, die Mitte März abgesagt werden musste. Noch hat die DFL nicht entschieden, ob die Spiele tatsächlich auch in der ursprünglichen Reihenfolge stattfinden würden. Unbeantwortet ist außerdem die Frage, was im Falle eine Infektionskette innerhalb einer Mannschaft passieren würde. Einen Spielraum für Terminverlegungen wird es vermutlich nicht geben.

(Foto: Imago / Team 2)

Widerspruch?

Villis will „keine Sonderrolle“ – aber Corona-Tests

Ob der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts Fußballfan ist, wissen wir nicht. Ein Freund von Sonderrechten ist Lars Schaade jedenfalls nicht. Der Infektionsepidemiologe lobt zwar das DFL-Konzept zur Durchführung von Geisterspielen. Doch an einer entscheidenden Stelle übt er Kritik. „Ich sehe nicht, warum bestimmte Bevölkerungsgruppen routinemäßig gescreent werden sollen“, sagte Schaade in einer Pressekonferenz des RKI, als er auf die Pläne der DFL angesprochen wurde. Das Regierungsinstitut zur Krankheitsüberwachung wird mit darüber entscheiden, ob der Ball in der Bundesliga schon bald wieder rollen darf.

Nimmt man den Vizepräsidenten beim Wort, dann könnte es für die Vereine trotz positiver Signale aus der Politik doch noch problematisch werden. Denn das Konzept basiert darauf, dass die rund 1.000 Bundesligaprofis bis zu zweimal pro Woche auf eine mögliche Corona-Infektion getestet werden – ohne Bedingungen. Nicht nur Schaade sieht das kritisch. Laut einer repräsentativen Umfrage von Infratest dimap, einem führenden Meinungsforschungsinstitut, hält die Mehrheit von 61 Prozent den Aufwand für nicht gerechtfertigt. Nur jeder Dritte hat nichts dagegen.

Seifert betreibt beste Lobbyarbeit

Dass überhaupt darüber nachdacht wird, die Bundesliga-Saison fortzusetzen, daran trägt Christian Seifert einen großen Anteil. Der Geschäftsführer des Ligaverbandes hat in den zurückliegenden Wochen nahezu perfekte Lobbyarbeit für den Fußball betrieben. Er kämpft dafür, das Geschäft der 36 Erst- und Zweitligisten aufrechtzuerhalten. „Wenn die Politik unser Konzept ablehnt, dann wäre die Bundesliga ein Kollateralschaden der Corona-Krise“, sagt Seifert. Er findet Zahlen, die belegen sollen, warum es unproblematisch sei, ausgerechnet von Fußballprofis im Drei-Tages-Rhythmus zu testen. „Wir beanspruchen nicht einmal 0,4 Prozent der Laborkapazitäten“, ist eines seiner Argumente.

Was nach wenig klingt, ist bei genauerer Betrachtung jedoch relativ viel. Schließlich handelt es sich um gerade einmal 1.000 Berufsfußballer in einem Land mit fast 83 Millionen Menschen. „Ich kann ihnen versichern, dass wir niemandem einem Test wegnehmen werden, der ihn dringender braucht als ein Fußballprofi“, hält Seifert dagegen. „Und sollte sich die Lage im Land so verändern, dass die Testlabore an Grenzen stoßen, dann wird der Fußball selbstverständlich zurückstehen.“ Fünf Labore, mit denen die DFL eine Kooperation vereinbart hat, hätten zugesichert, derzeit nicht ausgelastet zu sein.

Villis auf einer Linie mit Seifert

Ähnlich wie Seifert argumentiert auch Hans-Peter Villis. Der Vorsitzende des VfL-Präsidiums ließ sich vor dem Wochenende von den Vereinsmedien interviewen. Villis sagte, „dass dem Fußball im gesamtpolitischen Kontext keine Sonderrolle zufallen darf, gerade in medizinischer Hinsicht.“ Ist das ist aber nicht automatisch der Fall, wenn Fußballer regelmäßig und in einem festen Rhythmus getestet werden – und andere Berufsgruppen, etwa Polizisten oder Altenpfleger, nicht? Es sind Berufe, die nicht nur das Land Nordrhein-Westfalen als systemrelevant eingestuft hat. Der Halbsatz von Villis wirft also die Frage auf, wie er mögliche Sonderrechte für den Fußball interpretiert.

Jedenfalls nicht so, dass prophylaktische Corona-Tests bei den Spielern des VfL Bochum dazu gehören würden. Dem Argument, der Otto-Normal-Bürger könne sich nicht so einfach auf eine Infektion testen lassen, weicht Villis aus. Er sagt, es sei legitim, dass bestimmte Berufsgruppen intensiver getestet würden, die durch Kontakte ein erhöhtes Risiko hätten. Ebenso wie Seifert versichert auch Villis, „dass wir nur freie Kapazitäten nutzen.“ Anders gesagt: Die Profiklubs sind in der Lage, jeden einzelnen Abstrich zu bezahlen, andere offenbar nicht. Zur moralischen Frage schweigt der Fußball bislang verdächtig.

(Foto: Pressefoto Eibner)

Crowdfunding

Das SACHS braucht eure Hilfe!

Das SACHS, der legendäre Nachtclub an der Viktoriastraße im Bochumer Bermuda-Dreieck, zählt zu den großzügigen Förderern dieser Seite. Jetzt, inmitten der Corona-Krise, benötigen die Betreiber ebenfalls Unterstützung. Im schlimmsten Fall fehlen bis zum Jahresende sämtliche Einnahmen, doch viele Kosten bleiben.

Die Betreiber, natürlich eingefleischte VfL-Anhänger, haben deshalb ein Crowdfunding gestartet. Das Besondere: Jeder Euro, der von euch eingezahlt wird, wird auch ausgeschüttet. Deshalb teilen wir gerne den Aufruf und bitten darum, die Kampagne zu unterstützen. Macht mit, denn Bochum zeigt sich in der Krise solidarisch!

Zur Kampagne: https://www.startnext.com/rettedeinsachs

Corona-Krise

Mit diesem TV-Geld kann der VfL Bochum planen

Aufatmen können die Verantwortlichen des VfL Bochum nach der DFL-Versammlung am Donnerstag noch nicht. Doch die Richtung stimmt. Denn Christian Seifert, der Geschäftsführer des Ligaverbandes, hatte eine gute Nachricht zu verkünden. Die DFL hat sich mit den allermeisten TV-Partnern auf einen Kompromiss geeinigt. Keiner der Klubs soll in der Corona-Pause in eine existenzbedrohende Situation kommen, weil Fernsehgelder nicht fließen. Bislang wurde die Rate für das letzte Saisonviertel noch nicht überwiesen, weil der Spielbetrieb seit Mitte März ruht. Doch die Signale der Politik, dass der Ball schon bald wieder rollen darf, sind so positiv, dass VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig von „immer mehr Planungssicherheit“ spricht.

Auf Nachfrage erklärt er, wie die Lösung der DFL ausschauen könnte. So erwartet der 46-Jährige schon in Kürze die erste Zahlung der TV-Partner, eine Art Sockelbetrag. Diese Summe, etwa eine Million Euro, könnte genutzt werden, um die Liquidität sicherzustellen. Alle weiteren Zahlungen würden auf Basis von erbrachten Leistungen erfolgen, also dann, wenn tatsächlich gespielt wird. Dabei soll jede Partie einzeln abgerechnet werden. Insgesamt erhofft sich der VfL Bochum noch 3,5 Millionen Euro. Geht alles gut und wird die Saison doch noch zu Ende gespielt, wären die Folgen der Corona-Krise sogar überschaubar. Dann wären es vor allem die Zuschauereinnahmen aus vier Heimspielen, die in der Saisonbilanz fehlen würden.

Sondereinnahmen durch Sondertrikots

Offen ist noch, wie sich die Sponsoren verhalten, die nicht im TV-relevanten Bereich werben. Sie könnten Regressansprüche stellen. „Wir befinden uns mit allen Partnern im Austausch“, sagt Kaenzig und klingt dabei optimistisch – obwohl viele Firmen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie selbst zu spüren bekommen. Auch die Fans investieren in der fußballfreien Zeit fleißig in ihren Klub. So wurden knapp 8.500 Exemplare eines Sondertrikots verkauft, das der VfL im ersten Geisterspiel tragen möchte. Auch daraus schöpft Ilja Kaenzig seine Zuversicht, dass der Fußball nach der Krise regelrecht boomen könnte und die Sehnsucht nach einem Stadionbesuch größer denn je ist.

In Bochum wäre das aber allerhöchstens der Fall, wenn der VfL auch in Zukunft in der 2. Bundesliga spielt. Denn sportlich ist ein Abstieg in die 3. Liga immer noch denkbar. „In Zeiten von Corona wäre der Kraftakt noch größer“, sagt Kaenzig zum Worst-Case-Szenario. Planungen, wie die Zahlen in der neuen Saison aussehen könnten, laufen zwar schon, doch für konkrete Aussagen sei es noch zu früh. In jedem Fall hinterlasse die Corona-Krise eine „Delle“ in der Bilanz. Schließlich sei damit zu rechnen, dass auch in der kommenden Saison noch Spiele ohne Zuschauer stattfinden werden. „Es wird zu Anpassungen kommen“, gibt Kaenzig offen zu – auch beim Klassenerhalt.

Auch künftig vom TV-Geld abhängig

Die Mitarbeiter in der Verwaltung müssten sich diesem Fall aber wohl keine Sorgen machen. „Ich glaube, wir arbeiten im gesamten Verein schon sehr effizient. Einen Wasserkopf haben wir nicht“, betont Kaenzig. Bei den Profis zu sparen, ist allerdings auch nicht leicht. Zwar glaubt Bochums Geschäftsführer, dass die „Preise und Kosten für Spieler erst einmal sinken werden.“ Allerdings gilt das nur für Neuverträge. Außerdem betont Kaenzig, dass der VfL „wettbewerbsfähig bleiben muss.“ Vieles hängt erneut vom TV-Geld ab. Stand jetzt schaut es nicht gut aus: Gleich vier Vereine würden den VfL Bochum im Sommer in der Fünfjahreswertung überholen. Mehr als zwei Millionen Euro könnten wegbrechen.

(Foto: Imago / Revierfoto)

DFL-Konzept

Geisterspiele: Strenge Corona-Regeln für den VfL

Für die Profis des VfL Bochum brechen harte Zeiten an. Um ihre Wäsche sollen sie sich in Zukunft selbst kümmern. Das geht aus einem 41-seitigen Geheim-Dokument des Ligaverbandes hervor. Es bildet die Basis für eine politische Grundsatzentscheidung: Darf die Bundesliga schon in wenigen Wochen wieder starten und die Saison vor leeren Rängen zu Ende spielen? Wobei die Antwort seit Montag eigentlich schon bekannt ist: Ministerpräsidenten wie Armin Laschet oder Markus Söder haben der Liga positive Signale gesendet, dass die Saison trotz der anhaltenden Corona-Pandemie fortgesetzt werden kann. Vermutlich noch nicht am 9. Mai, aber sehr wahrscheinlich kurze Zeit später. Offensichtlich hat das Konzept der „DFL-Task-Force“ Eindruck hinterlassen. Es ist für alle Erst- und Zweitligisten bindend und hat nur ein Ziel: Infektionen innerhalb der Mannschaften und Vereine zu verhindern.

Maximal 300 Personen im Stadion

Auch der VfL Bochum steht deshalb vor gewaltigen organisatorischen Aufgaben. Denn der Ligaverband macht strenge Vorgaben zum Ablauf eines Spieltags. Viermal zu Hause und fünfmal in der Fremde wird der VfL noch antreten müssen – mindestens. Maximal 300 Unverzichtbare dürfen sich dann im Stadion und in dessen Umfeld aufhalten. Für sie gibt es teils minutiöse und ortsgebundene Regeln. Vorgaben gehen bis ins letzte Detail, etwa, zu welcher Uhrzeit sich wie viele Balljungen an welchen Positionen aufhalten dürfen. Bei allen Zugangsberechtigten erfolgt eine Temperaturmessung, vom Greenkeeper bis hin zum Reporter. Das Konzept der DFL umfasst allerdings nicht nur die Spieltagsorganisation und die TV-Produktion vor Ort, die bei Geisterspielen noch einmal an Bedeutung gewinnt. Auch gibt es Pläne zur Wiederaufnahme des Mannschaftstrainings, für Reisen in andere Stadien und die häusliche Hygiene der Spieler.

Die Quintessenz: Möglichst viel Abschottung, wenige Kontakte und große Abstände in der Kabine, auf der Trainerbank oder unter der Dusche. In einigen Fälle sollen die Profis und Betreuer auch einen Mundschutz tragen. Klar ist: Nichts wird so sein wie es beim bislang letzten Bochumer Pflichtspiel am 7. März gegen Darmstadt 98 der Fall war. Hygiene und Isolierung dienen dazu, „dass auf dem Spielfeld keine weiteren Maßnahmen notwendig sind und 22 Spieler ohne aktuelle Infektion aktiv sind“, heißt es in dem Konzeptpapier. Denn Fußball ist schließlich ein Kontaktsport – manchmal auch beim VfL Bochum. Körperliche Nähe, im Training oder im Spiel, lässt sich gar nicht vermeiden. Fraglich ist natürlich, ob sich alle Spieler wirklich so genau an die Vorgaben halten werden, vor allem im privaten Bereich, zusammen mit ihren Familien.

Konzept mit Schwächen

Offen bleibt ebenso, was passiert, wenn ein positives Testergebnis vorliegt. Bei den Spielern sollen zwar regelmäßig Abstriche genommen werden. Doch das verhindert keine einzelne Ansteckung, sondern im Idealfall nur eine weitere Verbreitung. Gerade an dieser Stelle bietet die Task-Force eine große Angriffsfläche. Bedenklich ist etwa die Absicht, positive Testergebnisse möglicherweise zu verschweigen. So geht es aus dem Dokument der DFL hervor. Auch soll im Falle einer Infektion nicht mehr die komplette Mannschaft in Quarantäne gesteckt werden – alles um den Fortgang der Saison nicht zu gefährden. Der wäre aber ohnehin bedroht, sollten sich innerhalb einer Mannschaft zu viele Spieler anstecken. Der Ligaverband gibt darauf keine klare Antwort und übergibt die Verantwortung an die Klubs, die „frühzeitig für einen ausreichend großen Kader im Saisonfinale sorgen“ sollen. Auch die U19-Spieler sollten besser schon lernen, ihre Klamotten selbst zu waschen.

(Foto: Imago / eu-images)

Corona-Pause

Signal der Politik: VfL-Spiele ab Mai denkbar

Der VfL Bochum könnte sein erstes Spiel nach der Corona-Pause möglicherweise schon ab dem 9. Mai bestreiten. Die Ministerpräsidenten Armin Laschet und Markus Söder äußerten sich am Montag (20.4.) in einem Live-Interview der „BILD“ positiv zu den Plänen der Erst- und Zweitligisten. Zuvor diskutierten bereits die Innenminister der Länder über die Perspektiven für den Profisport und Fußballspiele ohne Zuschauer. Zu einer abschließenden Einigung kam es noch nicht. Auch ein etwas späterer Start ab Mitte oder Ende Mai sei demnach denkbar. Ein Beschluss soll am 30. April gefasst werden.

Ursprünglicher Text vom 10. April mit Hintergründen:

Geheimtraining ist beim VfL Bochum nicht die Regel. Dieser Tage wird der Zweitligist allerdings dazu gezwungen. Seit Montag arbeiten die Profis einzeln oder in Kleingruppen wieder mit dem Ball. Um die notwendigen Abstände einzuhalten, wird auf zwei Plätzen trainiert. Schaulustige werden durch Sichtblenden vom Trainingsgelände ferngehalten. Auch der Rasen im Stadion wird genutzt.

Politik entscheidet über Saisonfortsetzung

An leere Tribünen und die Stille im Bochumer Ruhrstadion sollten sich die Profis besser schon gewöhnen. Spiele mit Zuschauern wird es vorerst nicht geben, eine schnelle Rückkehr zur Normalität ist ausgeschlossen. VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig geht sogar davon aus, dass die Einschränkungen für Großveranstaltungen für das gesamte Kalenderjahr bestehen bleiben. „Wir haben viele Szenarien für 2020 durchgesprochen, aber eine mit Zuschauern ist nicht dabei“, sagte Kaenzig in dieser Woche dem Tagesanzeiger in der Schweiz.

Ob die noch laufende Saison überhaupt fortgesetzt werden darf, entscheidet sich wohl in der Woche nach Ostern. Dann möchten die Ministerpräsidenten der Länder auch über die Perspektiven für den Profifußball sprechen. „Der Plan ist, dass die Saison am 2. oder 9. Mai fortgesetzt wird. Der Spielplan steht, aber noch fehlt das Go seitens der Politik“, sagt Kaenzig. Der VfL würde vermutlich mit einem Heimspiel gegen Heidenheim starten. Damit würde die Partie nachgeholt werden, die wegen der Corona-Pandemie zuerst abgesagt wurde.

Geisterspiele müssen organisiert werden

Der VfL arbeitet bereits an einem Konzept, wie Spiele mit möglichst wenig Personal durchgeführt werden könnten. Für alle Personengruppen, die normalerweise an einer Partie beteiligt sind, soll es klare Regeln geben – vom Balljungen bis zur Vereinsführung. Auch die Sicherheit muss gewährleistet sein. Vor allem sollen Ansammlungen vor dem Stadion verhindert werden. Das Problem: Wenn Fans nicht im Stadion dabei sein dürfen, müsste es Alternativen geben, um die Spiele trotzdem verfolgen zu können.

Denn Gaststätten und Kneipen bleiben wohl ebenfalls geschlossen. Die Rechte zur Live-Übertragung liegen beim Bezahlsender Sky. „Alle Spiele frei zugänglich zu machen, würde die Wertigkeit der Verträge komplett zerstören. Damit würden wir vertragsbrüchig werden“, stellt DFL-Boss Christian Seifert klar. „Aber wir arbeiten an Lösungen, die dieser Ausnahmesituation gerecht werden.“ Denkbar ist, dass Parallelspiele in einer frei empfangbaren Konferenz gezeigt werden – oder Partien einzeln, also ohne Abonnement, gebucht werden können.

(Foto: Pressefoto Eibner)

Corona-Krise

VfL Bochum vor Insolvenz? Das sind die Hintergründe

Die Meldung schlug ein wie eine Bombe. 13 von 36 Erst- und Zweitligisten stünden vor einer Insolvenz, meldete der „Kicker“ am Freitagabend – vorausgesetzt, die Saison könne wegen der anhaltenden Corona-Pandemie nicht in wenigen Wochen fortgesetzt werden. Die „WAZ“ legte am Samstag nach und schrieb, auch der VfL Bochum würde zu den Klubs gehören, die in diesem Worst-Case-Szenario nicht mehr zahlungsfähig wären, beschwichtigte allerdings mit einigen Hintergrundinformationen.

Trotzdem: Die Anhänger sind in Sorge um ihren Klub – und haben viele Fragen. „Tief im Westen – Das VfL-Magazin“ liefert die wichtigsten Antworten.

Warum wird plötzlich über eine drohende Insolvenz beim VfL Bochum berichtet?

Das Geschäftsmodell basiert darauf, durch Fußballspiele Geld zu verdienen. Wegen der Corona-Pandemie ist das zurzeit nicht möglich. Deshalb hat der Ligaverband, die DFL, alle Vereine um eine Bestandsaufnahme gebeten. Auch der VfL musste angeben, wie lange er ohne den laufenden Spielbetrieb überlebensfähig wäre. Viele Einnahmen sind fast vollständig weggebrochen, die Kosten in vielen Bereichen aber unverändert. Rücklagen, um diesen Verlust auszugleichen, sind nicht vorhanden. Ohne Gegenmaßnahmen wäre der VfL schon in absehbarer Zeit, womöglich ab Mai, von einer Zahlungsunfähigkeit bedroht.

Welche Einnahmen fehlen konkret?

Schon jetzt steht fest, dass Ticketeinnahmen von vier Heimspielen fehlen werden. Selbst dann, wenn die Saison noch fortgesetzt werden könnte, würden die Spiele vor leeren Rängen stattfinden. Wird die Saison gar abgebrochen, würden vor allem die sogenannten Fernsehgelder wegfallen. Unter normalen Umständen würde dem VfL Bochum noch ein Betrag zwischen 3,5 und 4 Millionen Euro zustehen. Auch Sponsorengelder in noch nicht definierbarer Höhe müssten eventuell zurückgezahlt werden. In Summe geht es um einen höheren siebenstelligen Betrag, der fehlen würde, wenn die verbliebenen neun Spieltage nicht mehr stattfänden.

Was tut der VfL dafür, um die Kosten zu senken?

Kurzfristig ist das gar nicht so einfach, weil Verträge und Vereinbarungen in der Regel bis zum 30. Juni oder darüber hinaus gelten. In der Planung des Geschäftsjahres entsprechen die Ausgaben fast den Einnahmen – sie liegen bei rund 34,5 Millionen Euro. Bekannt ist, dass viele Mitarbeiter aus der Verwaltung in Kurzarbeit geschickt wurden. Außerdem verzichten die Lizenzspieler für drei Monate auf 10 bis 15 Prozent ihrer Gehälter. Diese beiden Maßnahmen führen aber nur zu Einsparungen im hohen sechsstelligen Bereich. Möglicherweise sind also weitere Gespräche mit den Profis notwendig, weil es der einzige Hebel ist, die Kosten auch kurzfristig weiter zu senken.

Wie ließe sich die Liquiditätslücke ansonsten schließen?

Die Verantwortlichen des VfL Bochum führen viele Gespräche: mit der Stadtspitze, mit Geldinstituten, aber auch mit der Berufsgenossenschaft. Dabei geht es darum, Zahlungsverpflichtungen, zum Beispiel für das Stadioncenter, in die Zukunft zu schieben. In einigen Fällen handelt es sich um höhere Summen, etwa bei der Berufsgenossenschaft, die Kosten im siebenstelligen Bereich verursacht. Parallel arbeitet die DFL an Lösungen für alle Vereine. Denkbar ist zum Beispiel, dass Fernsehgelder aus der neuen Saison vorgezogen werden. Offen ist, ob es Gönner im Umfeld gibt, die im Notfall bereit wären, eine akute Liquiditätslücke zu schließen.

Wie wahrscheinlich ist es also, dass es zu einer Insolvenz kommt?

„Wir können unseren Fans keine absolute Garantie liefern, dass dieses Szenario nicht eintritt. Wir können sie aber guten Gewissens beruhigen und sagen, dass eine Insolvenz Stand jetzt sehr unwahrscheinlich ist“, versichert VfL-Geschäftsführer Ilja Kaenzig auf Nachfrage. Der Verein wäre nur dann bedroht, wenn „alle Gegenmaßnahmen, von uns, aber auch von der Liga, scheitern würden.“ Die auf dem Papier einfachste, aber angesichts der Lage unsicherste Lösung ist die, dass ab Mai wieder gespielt werden kann. Bei sogenannten Geisterspielen, also ohne Fans in den Stadien, würden zumindest die Fernsehgelder wieder fließen. „Wir bereiten uns auf alle Szenarien vor, auch darauf, dass in den nächsten Monaten gar nicht gespielt werden kann“, sagt Kaenzig.

(Foto: Imago / Nordphoto)