Corona-Krise

VfL hat erste Zusagen – und wartet aufs TV-Geld

Die Maßnahmen scheinen zu greifen. Vor knapp zwei Wochen wurde im Umfeld des VfL Bochum noch über eine drohende Insolvenz diskutiert, ausgelöst durch die Corona-Pandemie. Solange nicht gespielt werden darf, kommt kaum noch Geld in die Vereinskasse. Um weiter zahlungsfähig zu bleiben, bemühen sich die Verantwortlichen darum, die Kosten zu senken. Neben den bekannten Maßnahmen – dem Gehaltsverzicht der Spieler und der Kurzarbeit auf der Geschäftsstelle – gibt es nun weitere Erfolge. Das, was die Vereinsführung beeinflussen konnte, hat sie jetzt auf den Weg gebracht.

Hoffen aufs TV-Geld

Viele Gespräche verliefen positiv, bestätigt Geschäftsführer Ilja Kaenzig auf Nachfrage. Besonders die Stadtspitze und die Sparkasse haben dem VfL ihre Zusagen gegeben. Sie ermöglichen Stundungen von Zahlungsverpflichtungen. Dass einige Forderungen nicht sofort, sondern erst in der Zukunft fällig werden, heißt natürlich auch: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Corona-Krise wird in den kommenden Wochen, Monaten und sogar Jahren zu spürbaren Einschnitten führen. Wie groß sie am Ende sein werden, hängt auch davon ab, wie viel und wann frisches Geld fließt, etwa von den Fernsehpartnern. Die Gelder der Rechteinhaber machen in der Jahresplanung des VfL mehr als 40 Prozent der Einnahmen aus. Die letzte Saisonrate steht noch aus.

Die positive Nachricht: Sie könnte schon bald gezahlt werden, wenn auch mit Abzügen. Denn vor der DFL-Versammlung am 23. April sickert durch, dass sich die Verantwortlichen des Ligaverbandes mit Vertretern von Sky, der ARD und dem ZDF offenbar in guten Gesprächen befinden. Kommt es tatsächlich zu einer Einigung und einer schnellen Zahlung, würde auch der VfL davon profitieren. Für die Bochumer geht es um mehrere Millionen Euro. Eine Insolvenz wäre dann vorerst vom Tisch. Der Kompromiss mit den TV-Partnern wäre auch deshalb so entscheidend, weil noch immer unklar ist, wann genau die Saison fortgesetzt werden kann. Neun Spieltage stehen noch aus, der VfL wartet auf eine Entscheidung der Politik.

Abstiegsgefahr bleibt

Die Länderchefs wollen erst Ende April beschließen, ob Geisterspiele, also Partien ohne Zuschauer, stattfinden dürfen. Positive Signale gibt es aber schon. Großveranstaltungen mit Fans sind hingegen bis zum 31. August untersagt – was übrigens auch schon Einfluss auf die neue Saison hätte. Doch so weit mag beim VfL Bochum derzeit kaum jemand denken. Ilja Kaenzig ist vorsichtig optimistisch, die unterbrochene Saison noch auf dem sportlichen Weg zu beenden, womöglich ab Mitte Mai. Das würde für seinen Klub aber auch altbekannte Sorgen mit sich bringen: Es bestünde wieder Abstiegsgefahr. Der Vorsprung von drei Punkten auf den Relegationsplatz ist in der Corona-Pause schließlich nicht größer geworden.

(Foto: Imago / Team 2)

Kommentar

Gehälter beim VfL Bochum: Fair ist das nicht

Der Applaus war ihnen gewiss. Als der VfL Bochum vor einigen Wochen verkündete, dass die Spieler in der Corona-Krise freiwillig auf Teile ihres Lohns verzichten, waren viele Fans entzückt. Auch Sebastian Schindzielorz war glücklich und wählte salbungsvolle Worte: „Dieses Angebot vom Team freut uns sehr, schließlich hat man im ganzen Stadtgebiet von Bochum gesehen und gehört, was Solidarität bedeutet.“

Der Manager nutzte dabei das Zauberwort: Solidarität. Trotzdem muss der VfL weiter kämpfen, um die Corona-Krise halbwegs unbeschadet zu überstehen. Die meisten Mitarbeiter der Geschäftsstelle wurden mittlerweile in Kurzarbeit geschickt. Und vor knapp einer Woche gab Ilja Kaenzig, Schindzielorz‘ Kollege in der Geschäftsführung, unumwunden zu, dass der VfL bei einer weiteren Spielpause und ohne Gegenmaßnahmen in arge Geldnöte kommen würde.

Verhältnisse stimmen nicht

Dabei auch die Rolle der Berufsfußballer zu hinterfragen, liegt auf der Hand. Zur Einordnung sind zwei Dinge sicher entscheidend. Zum einen: Ein Profi, der beim VfL unter Vertrag steht, kassiert keine Millionen, zumindest nicht im Jahr. Aber ein mittlerer sechsstelliger Betrag pro Saison ist mit etwas Talent am Ball und dem richtigen Berater möglich. Zum anderen: Dieses Geld ist nicht vom Himmel gefallen. Das Geschäft boomte jahrelang, den Fans sei Dank.

Insofern ist jede Gehaltsdiskussion im Fußball gefährlich, sie droht schnell zu einer Neiddebatte zu werden. Zumal die Spieler das ganze System maßgeblich prägen. Dass sie mehr vom großen Kuchen abbekommen, ist nur logisch. Doch wer in guten Zeiten die Hände offen hält, sollte sie in schlechten Zeiten nicht schließen. Das tun die Profis des VfL Bochum auch nicht, aber ihr Zugeständnis wirkt im Gesamtzusammenhang eher bescheiden. Während sie dem Verein für drei Monate 10 bis 15 Prozent ihrer Gehälter schenken, müssen die übrigen Angestellten in (notwendiger) Kurzarbeit auf bis zu 40 Prozent verzichten.

Nehmen wir also zwei fiktive Gehälter, um zu zeigen, dass die Verhältnisse nicht stimmen: Ein Fußballer, der sonst 25.000 Euro im Monat kassiert, verzichtet zwar freiwillig auf eine vierstellige Summe, wird sich aber trotzdem nicht einschränken müssen. Ein Mitarbeiter der Geschäftsstelle spürt die Abzüge dagegen sofort. Wer unter normalen Umständen 2.500 Euro brutto im Monat kassiert, also nur ein Zehntel dessen, was der Fußballer bekommt, hat in Kurzarbeit nur etwas mehr als 1.000 Euro netto in der Tasche. Fair und solidarisch ist das nicht, die Schieflage offensichtlich.

Solidarität in der Kabine

Und ein Thema mit noch mehr Brisanz wird schon bald dazukommen. Denn in der nächsten Saison wird auch die Mannschaft auf dem Rasen zweigeteilt sein. Die einen besitzen noch großzügige Altverträge, die anderen unterschreiben unter gänzlich anderen Voraussetzungen – dass sie (deutlich) weniger Geld kassieren werden, hat Geschäftsführer Ilja Kaenzig schon mehrfach prophezeit. Spätestens dann wird sich zeigen, ob die Spieler verstehen, dass sie es sind, die in der Krise die größten Opfer bringen müssen.

(Foto: Sportfoto Gerd Krause)

Kommentar

VfL versus BVB: Zwischen Demut und Dreistigkeit

Ilja Kaenzig prescht vor in diesen Tagen. Es mag absurd klingen und verfrüht erscheinen, doch der Finanzchef des VfL Bochum kann der Corona-Krise im Fußball auch etwas Gutes abgewinnen. „Wir waren auf dem besten Weg, dass Fußball zum Entertainment wird und nicht mehr Sport ist. Die Etats und die Summen, die an Spieler fließen, werden in Zukunft geringer“, sagte der Schweizer der Sportschau. In seiner Heimat legte er nach: „Wir waren wie Junkies: Abhängig von der Droge Fernsehgeld. Und dieses floss direkt in die Spielerlöhne. So hat sich alles hochgeschaukelt. Der Markt kühlt ab, das ist nicht schlimm.“ Den allermeisten Fans spricht Kaenzig vermutlich aus der Seele.

Der BVB jammert…

Es sind deutliche, ja gar drastische Worte, die der 46-Jährige wählt. Und sie stehen im krassen Widerspruch zu dem, was nur wenige Kilometer östlich von Bochum geschieht, offensichtlich in einer anderen Fußball-Welt. Dort bittet BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer darum, auf eine Rückgabe von Tickets für nicht mehr stattfindende Heimspiele zu verzichten. Selbst in Dortmund, wo die Borussia vergöttert wird, wird das als Dreistigkeit empfunden. Der Fan, der in der Krise um seinen Arbeitsplatz bangt, soll sein Geld verschenken, damit Millionäre weiter ihr üppiges Gehalt kassieren. Das ist sicher verkürzt und klingt populistisch, doch es ist die Botschaft, die bei vielen Schwarz-Gelben so ankommt.

Zur Einordnung ist natürlich eines entscheidend: Das Geld für horrende Spielergehälter haben die Fans selbst in den Markt gepumpt. Sie haben höhere Ticketpreise akzeptiert und die Versteigerung von TV-Rechten geduldet. Die Einnahmen der Klubs sind also gestiegen, und das Geld wurde ausgegeben, manchmal sogar verprasst. Spieler, ihre Berater und Vereinsbosse haben das genutzt. Aus kleinen Klubs sind große Konzerne geworden. Doch statt Dankbarkeit zu zeigen, dass der Fußball überhaupt derart wachsen konnte, zeigt sich bei den Verantwortlichen Borussia Dortmund vor allem eines: Ihre Angst davor, plötzlich den Rückwärtsgang einlegen zu müssen.

…und der VfL reagiert

Nicht nur im Fußball gilt: In einer Krise zeigt sich der Charakter. Kaenzig und der VfL bilden in dieser Hinsicht einen wohltuenden Gegenpol. Demut ist für sie kein Fremdwort. Sie haben die schwierige Situation längst akzeptiert. Sie wissen, dass sich nur die Zahlen verändern, nicht aber der Sport an sich. Fraglich ist allerdings, ob der Selbstreinigungsprozess, den Kaenzig der Branche prophezeit, tatsächlich eintreten wird. Denn bleibt die Anziehungskraft des Fußballs unverändert, werden sich die Klubs irgendwann von der Krise erholen. Und es steht zu befürchten, dass das irrsinnige Millionen-Spiel dann von Neuem beginnt.

(Foto: Pressefoto Eibner)

Corona-Krise

Training in Kleingruppen: VfL will ab Mai spielen

Eines muss man den 36 Erst- und Zweitligisten ja lassen: Sie strotzen vor Optimismus. Ihr Plan für den weiteren Saisonverlauf liegt seit dieser Woche offiziell auf dem Tisch. Bis Ende April wird der Spielbetrieb noch ruhen. Anschließend soll der Ball wieder rollen – jedoch ohne Zuschauer vor Ort. Auch der VfL Bochum hat am Dienstag auf der DFL-Mitgliederversammlung für diese Lösung gestimmt. Ob all das, was sich die Klubs jetzt wünschen, auch wirklich umsetzbar ist, bleibt allerdings abzuwarten.

Denn niemand weiß, wie sich die Corona-Pandemie in den kommenden Wochen entwickelt und mit welchen Vorgaben die Behörden darauf reagieren werden. Vorerst rechnet der VfL Bochum aber damit, das letzte Saisonviertel bis spätestens Ende Juni doch noch über die Bühne zu bringen. Die Verantwortlichen arbeiten deshalb an einem Plan, wie sich die Spiele mit einem möglichst geringen Personalaufwand realisieren lassen. Vier Partien im Ruhrstadion stünden noch an, dazu fünf in der Fremde.

Rückkehr auf den Trainingsplatz

Um auch sportlich für den möglichen Start im Mai gewappnet zu sein, soll das Training wieder aufgenommen werden. Nach einer dreiwöchigen Pause plant Cheftrainer Thomas Reis, ab dem 6. April wieder in Kleingruppen zu arbeiten. Das Land hat Berufssportlern hierfür die Freigabe erteilt, sofern Abstände und Hygienevorschriften eingehalten werden. Die DFL will ohnehin eine sogenannte „Task Force“ für Sportmedizin ins Leben rufen, die den Vereinen dabei hilft, die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

Denn klar ist: Sollte das Coronavirus wieder in eine Mannschaftskabine eindringen, wäre der optimistische Plan der DFL wieder hinfällig. Mehrere Erst- und Zweitligisten waren zu Beginn der Pandemie bereits betroffen, weil sich einzelne Spieler infiziert hatten. Anschließend mussten sich alle Akteure des jeweiligen Klubs für zwei Wochen in Quarantäne begeben. Ein geordneter Spielbetrieb wäre unter solchen Voraussetzungen gar nicht möglich, vor allem dann nicht, sollten sich innerhalb eines Teams gleich mehrere Personen anstecken.

Für den VfL geht es um Millionen

Warum der Ligaverband überhaupt auf eine Fortsetzung der Saison drängt, hat vorrangig wirtschaftliche Gründe. Für den VfL Bochum geht es um einen mittleren bis hohen einstelligen Millionenbetrag, der bei einem vorzeitigen Saisonabbruch wegbrechen würde. Fehlende Zuschauereinnahmen sollen durch einen Geldverzicht der Spieler, Kurzarbeit in der Verwaltung und weiteren Einsparungen kompensiert werden. Auch haben zahlreiche Fans signalisiert, auf eine Teilerstattung ihrer Dauerkarten zu verzichten.

(Foto: Pressefoto Eibner)

Stand der Dinge

Millionenverlust? VfL-Boss Kaenzig zur Corona-Krise

Auch die Führungskräfte des VfL Bochum halten Abstand voneinander. Wenn sich die Mitglieder der Vereinsführung derzeit beraten, dann vor allem telefonisch. Täglich tauschen sie sich aus. Die zentralen Fragen lauten: Was ist in der Corona-Krise zu tun? Wie fängt der Revierklub die drohenden Verluste in Millionenhöhe auf? „Wir spielen alle Szenarien und alle möglichen Maßnahmen durch“, sagt Ilja Kaenzig, Sprecher der Geschäftsführung, auf Nachfrage. Denn wann und ob die Saison überhaupt fortgesetzt werden kann, ist weiter ungewiss.

Zuschauereinnahmen fehlen

Im Kern geht es um drei Szenarien. Möglichkeit eins: Die Saison wird mit Geisterspielen fortgesetzt und der VfL schafft sportlich den Klassenerhalt. Möglichkeit zwei: Es geht weiter, aber der VfL steigt in die dritte Liga ab. Und Möglichkeit drei: Die Spielzeit wird abgebrochen, der VfL bliebe also zweitklassig. Die Tabelle würde eingefroren oder alle Ergebnisse annulliert. Klar ist schon jetzt: In jedem dieser Szenarien würde es für den VfL Bochum finanzielle Einbußen geben – in dem einen Fall mehr, in dem anderen weniger.

Planbar ist schon jetzt, dass weitere Zuschauereinnahmen ausbleiben werden. Vier Heimspiele hätte der VfL in dieser Saison noch zu absolvieren. Wenn überhaupt, dann werden sie vor leeren Rängen stattfinden. Eingeplant waren Einnahmen von rund 4,5 Millionen Euro aus 17 Partien. Umgerechnet wird der VfL wohl mehr als eine Million Euro verlieren. Gerüchte darüber, dass die Mitarbeiter deshalb in Kurzarbeit geschickt werden, um die Kosten zu senken, dementiert Kaenzig: „Das stimmt so nicht. Richtig ist, dass wir das prüfen müssen. Eine Entscheidung steht noch aus.“

Rückforderungen der Sponsoren

Ohnehin betont er, dass konkrete Aussagen derzeit kaum möglich seien: „Ich verstehe, dass von uns Antworten erwartet werden. Aber das ist so kurzfristig und in dieser ungewissen Lage gar nicht so leicht.“ Nicht nur der VfL befinde sich in einer „Ausnahmesituation. Und daran gemessen leisten wir intern gute Vorarbeit.“ In einigen Fällen sei erst dann eine Entscheidung möglich, wenn klar ist, wie es sportlich weitergeht. Die Vertreter der 36 Erst- und Zweitligisten treffen sich am 30. März wieder. Der Spielbetrieb pausiert offiziell bis Anfang April, die nächste Auszeit wird folgen.

Zu hören ist dieser Tage von verschiedenen Optionen, die Saison doch noch zu beenden, etwa in einem Turniermodus im Juni. Ein Abbruch soll unbedingt vermieden werden, denn die wirtschaftlichen Auswirkungen wären gewaltig. Kaenzig spricht von „Regressansprüchen der Sponsoren. Wir werden dann zurückzahlen müssen.“ Zur Orientierung: Der VfL hat in diesem Bereich mit Einnahmen von rund 11,4 Millionen Euro kalkuliert. Ein Teil davon, der noch definiert werden muss, würde wegbrechen. Die größten Verluste drohen allerdings in einem ganz anderen Bereich.

TV-Geld droht wegzubrechen

Würden insgesamt neun Spieltage ersatzlos entfallen, kann der Ligaverband die sogenannten Fernsehgelder vermutlich auch nicht mehr überweisen. Etwas mehr als 15 Millionen Euro erhält der VfL aus diesem Topf, es ist der größte und wichtigste Posten in der Bilanz. Etwa ein Viertel davon könnte am Ende fehlen. „Das liegt aber nicht in unserer Hand“, sagt Kaenzig. „Die DFL versucht, den Schaden für die Klubs so gering wie möglich zu halten.“ Das erklärt auch, warum der Ligaverband auf Zeit spielt. Die Hoffnung, die Saison fortsetzen zu können, ist nicht groß, aber sie lebt noch.

Bochums Chefcoach Thomas Reis kann deshalb nur kurzfristig planen. Die Trainingspause wurde nun bis zum 29. März verlängert. Seine Spieler haben individuelle Übungspläne erhalten. Wann ein Mannschaftstraining wieder möglich sein wird, ist nicht absehbar. Bundesweit gibt es immer mehr Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren. Der Ausnahmezustand könnte also noch länger anhalten. Deshalb spricht auch Ilja Kaenzig nicht nur über Zahlen, sondern über das große Ganze: „Wichtig ist, dass wir alle gesund bleiben.“  

(Foto: Imago / Team 2)

Corona-Krise

VfL-Mitarbeiter in Kurzarbeit – Profis verzichten auf Geld

Wenn Einnahmen plötzlich wegbrechen, müssen die Kosten gesenkt werden. Das ist logisch, aber auf die Schnelle gar nicht so leicht. Auch beim VfL Bochum gerät die Finanzplanung wegen die Corona-Krise durcheinander. Die Besserverdienenden haben vorgelegt. Das Trainerteam und die Mannschaft verzichten für die kommenden drei Monate, also bis zum 30. Juni, auf Teile ihrer Gehälter. Auch die Geschäftsführung schließt sich dieser Aktion an. Im Idealfall könnte der Klub einen mittleren sechsstelligen Betrag einsparen.

Erhebliche Einbußen befürchtet

Schindzielorz betont, dass dieser Vorschlag nicht von der Vereinsführung gekommen sei. „Die Spieler und Trainer haben erklärt, dass sie freiwillig ihren Beitrag dazu leisten wollen, um den VfL zu unterstützen“, wird der Ex-Profi in einer Vereinsmitteilung zitiert. In einer „Ausnahmesituation, in der wir uns befinden“, seien „außergewöhnliche Maßnahmen jeder Art herzlich willkommen.“ Der VfL folgt damit dem Beispiel anderer Klubs, bei denen Führungskräfte und Fußballprofis ebenfalls selbstgewählte Einbußen in Kauf nehmen.

Der Anfang ist also gemacht, um die zu erwartenden Verluste infolge der Corona-Pandemie auszugleichen. Der VfL hat für diese Spielzeit eigentlich mit einem Gesamtetat in Höhe von 34,4 Millionen Euro geplant. Durch mögliche Geisterspiele oder einen Saisonabbruch drohen aber in fast allen Bereichen Einbußen. Im schlimmsten Szenario könnte ein mittlerer siebenstelliger Betrag wegbrechen. Das wäre der Fall, wenn die Saison nicht mehr fortgesetzt werden kann. Mindestens bis Ende April wird der Spielbetrieb pausieren.

Kurzarbeit in der Verwaltung

Dass jedoch ab Mai schon wieder gespielt werden kann, gilt nach Einschätzung vieler Experten aus der Medizin und Politik als unwahrscheinlich. Deshalb muss der VfL an weiteren Stellschrauben drehen, um die Kosten zu senken. Konkret hat die Vereinsführung nun entschieden, einen Großteil seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Positive Signale gibt es unterdessen aus der Fanszene. Zahlreiche Dauerkarteninhaber haben dem Verein signalisiert, auf eine Rückerstattung zu verzichten, sollten die vier übrigen Heimspiele nicht mehr stattfinden.

Hinweis: Dieser Text ist zum ersten Mal am 24. März erschienen und wurde nun um weitere Informationen ergänzt.

(Foto: Frank Vincentz)

Corona-Krise

Solidarität: Verzichten auch die VfL-Profis auf Geld?

Frank Goosen war eine Art Vordenker. Auf seiner Facebook-Seite hat der ehemalige VfL-Funktionär schon in der vergangenen Woche darüber sinniert, wie es denn wäre, wenn Fußballprofis auf einen Teil ihres großzügigen Lohns verzichten würden. In der Corona-Krise sei Solidarität gefragt. Jeder sollte, soweit möglich, seinen Teil dazu beitragen. Der Hintergrund ist: Verluste durch fehlende Fernsehgelder oder Partien ohne Zuschauer könnten auch den VfL Bochum hart treffen. Einbußen im siebenstelligen Bereich sind zu erwarten, wie hoch sie genau ausfallen, ist noch nicht absehbar. Die Kosten dagegen bleiben zunächst fast unverändert.

Zwei Teams solidarisch

Also muss über vieles gesprochen werden, auch über die Gehälter der Profis. Sie sind der größte Posten in der Bilanz. Nach DFL-Angaben machen sie etwa ein Drittel des Gesamtetats aus. Beim VfL ist das ähnlich, der Personalaufwand für die Lizenzspielerabteilung wird in der offiziellen Saisonplanung auf 11,9 Millionen Euro taxiert. Zum Vergleich: Der Personalaufwand für die Verwaltung liegt bei 3,6 Millionen Euro, verteilt auf etwa 70 Festangestellte und zahlreiche Aushilfen. Die Spieler verdienen also ein Vielfaches dessen, was ein Mitarbeiter im Hintergrund erhält, beim VfL etwa das Fünf- bis Zehnfache.

Um auch die Jobs rund um ein Fußballteam zu erhalten, sind zwei Mannschaften an diesem Donnerstag bereits vorangegangen. Die Spieler von Borussia Mönchengladbach in der ersten und des Karlsruher SC in der zweiten Liga verzichten freiwillig auf Teile ihrer Gehälter – aus Solidarität. Öffentliche Forderungen danach hatte Kölns Manager Horst Heldt zu Wochenbeginn noch als „populistisch“ zurückgewiesen, nachdem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, ähnlich wie Goosen, auf diese Option verwiesen hatte. Dabei sind Söder und Goosen ansonsten sicher keine Brüder im Geiste.

Weniger Geld im Umlauf

Vom VfL und seinen Spielern ist in dieser Hinsicht (noch) nichts zu hören. Gegenüber der WAZ bestätigte die Geschäftsführung allerdings, dass das Thema noch auf den Tisch komme, von Vereinsseite also. Doch der Wunsch nach einem freiwilligen Gehaltsverzicht der Spieler als Zeichen des Zusammenhalts ist mittlerweile auch in der Fanszene ein Thema, in den Foren wird darüber diskutiert. Berater oder die Spielergewerkschaft VDV wehren sich natürlich dagegen. Nicht grundsätzlich, aber sie verweisen zum Beispiel auf bereits ausbleibende Prämien. Leistungsgebundene Zahlungen, etwa für Einsätze oder Siege, entfallen ohnehin, weil gar nicht gespielt wird. Ihre Klienten hätten also schon Einbußen.

Der VfL hat sich für all diese Fragen natürlich rechtlichen Beistand organisiert. Manche Klubs denken über Kurzarbeit nach, vier Drittligisten haben es schon umgesetzt. Die Bochumer Vereinsführung diskutiert ebenfalls darüber. Gibt es keine kurzfristige Lösung, dann werden zumindest bei künftigen Verhandlungen andere Summen auf den Tisch kommen als bislang. Der Markt hat teils horrende Profigehälter jahrelang hergegeben, die Einnahmen der Klubs sind gestiegen. Doch wenn weniger Geld im Umlauf ist, werden auch die Profis weniger davon abbekommen. Das gilt nicht nur für den VfL, sondern für die ganze Liga.

(Foto: Pressefoto Eibner)