0:2-Niederlage in Hannover

VfL Bochum: So endet die Saison im TV-Ranking

„VfL im TV-Ranking: Warum Platz 7 so wichtig wäre“ war die ursprüngliche Überschrift dieses Textes, der schon Mitte Juni tausendfach angeklickt wurde. Und das Thema TV-Geld bewegt die Fans immer noch. Vor allem nach dem letzten Spiel in Hannover herrscht große Verwirrung, im Netz wird viel spekuliert. Denn der VfL Bochum ist nach seiner 0:2-Niederlage und dem späten Sieg von Aue in Regensburg auf Tabellenplatz acht abgerutscht. Das Ziel wurde also verfehlt.

Doch was bedeutet das konkret für die Vereinskasse? Das Portal „Fernsehgelder.de“ wird von vielen Anhängern genutzt, genügt aber allerhöchstens zur groben Orientierung. Denn die Zahlen beruhen auf ungenauen Schätzungen. In der Vorsaison waren die Einnahmen, die für den VfL Bochum ausgewiesen wurden, um rund 900.000 Euro zu niedrig. Die Berechnung der TV-Gelder ist allerdings auch ziemlich komplex und nicht immer leicht zu durchschauen.

Das alles aufzuschlüsseln, führt an dieser Stelle zu weit. Entscheidend ist vor allem das sogenannte Fünfjahresranking. Auf dem basiert ein Großteil des Verteilungsschlüssels, genau genommen 93 Prozent. Die Wertung erfolgt so: Für jeden Tabellenplatz gibt es eine festgelegte Anzahl von Punkten. Der Erste der 1. Liga erhält 36, der Letzte der 2. Liga nur einen Punkt. Die aktuellste Saison wird immer fünffach gewertet, die Spielzeit vor fünf Jahren nur noch einfach.

In dieser Saison wurde es für den VfL in diesem Fünfjahresranking besonders spannend. Denn mehrere Vereine kamen den Bochumern gefährlich nahe. Das Gute aber ist: Der VfL konnte sowohl Kiel als auch St. Pauli und Regensburg hinter sich lassen – sowohl in der Endtabelle der Saison als auch im Fünfjahresranking. Nur Aufsteiger Bielefeld ist vorbeigezogen. Das Problem: Überholt wurde niemand. Diese Chance hat der VfL am Sonntag verspielt.

Denn wäre er mindestens Siebter geworden, hätte der VfL in fünf Jahren mehr Fernsehgeldpunkte gesammelt als der SC Paderborn. Im Ranking ist der VfL im Vergleich zur letzten Saison also einen Platz abgerutscht. Verspielt wurde damit eine hohe sechsstellige Summe. Ausgleichen könnte der VfL diesen Verlust allerdings dann, wenn der 1. FC Nürnberg in der Relegation doch noch absteigt. Dann würde Bochum vom achten wieder auf den siebten Platz im Fünfjahresranking vorrücken. Aktuell steht der Club vor dem VfL.

Zur Erklärung ist eines noch wichtig: 7 Prozent der TV-Gelder werden nicht über das Fünfjahresranking vergeben. Es kann also sein, dass der VfL Bochum über diese Säulen des Verteilungsschlüssels so viel Geld verdient, dass die Gesamtsumme am Ende mit der des SC Paderborn vergleichbar ist oder sogar höher liegt. Fakt ist aber trotzdem, dass der VfL am Sonntag viel Geld verspielt hat. Richtig ist aber auch, dass ein größerer Verlust in den letzten Wochen schon verhindert wurde.

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Ursprünglicher Text vom 12. Juni 2020:

Wenn die Ränge leer und die Zuschauer daheim bleiben, ist das wirtschaftlich vorerst zu verkraften. Doch müssten die Erst- und Zweitligisten auf Fernsehgelder verzichten, würde das System kollabieren. Für viele Vereine sind sie die wichtigste Einnahmequelle – auch für den VfL Bochum. In der Corona-Krise gilt das mehr denn je. Aus keinem anderen Grund haben die Vereine darum gekämpft, die Saison trotz der Pandemie fortzusetzen. Der VfL kassiert in dieser Saison rund 15 Millionen Euro aus dem TV-Topf. Das sind mehr als 40 Prozent des Gesamtertrags.

Ob der VfL dieses Niveau in Zukunft halten kann, entscheidet sich wohl erst am letzten Spieltag der laufenden Saison. Denn jeder Tabellenplatz besser oder schlechter kann zu gravierenden Veränderungen im TV-Ranking für die neue Spielzeit führen. Mehr als 90 Prozent der Fernsehgelder verteilt die DFL auf Grundlage einer Fünfjahrestabelle. Entscheidend ist dabei nicht nur die eigene Endplatzierung, sondern auch die der Konkurrenz. Das Bochumer Problem: Der VfL kann in den nächsten Wochen nur wenig gewinnen, aber noch sehr viel verlieren.

In der aktuellen TV-Tabelle sind genau sechs Vereine besser platziert: Stuttgart, Hannover, Hamburg, Nürnberg, Darmstadt und Heidenheim. Sie zu überholen ist schwierig bis unmöglich. Dafür müsste der VfL am 34. Spieltag einen Platz vor Heidenheim landen, vier Plätze vor Darmstadt und gleich elf Plätze vor Nürnberg – oder darauf hoffen, dass der Club noch absteigt. Ungünstig wäre außerdem der zu erwartende Bundesliga-Aufstieg von Arminia Bielefeld. Ein Erstligist zieht automatisch am VfL vorbei. Die Bochumer würden im Ranking also einen Platz verlieren.

Diesen Verlust ausgleichen könnten sie dann, wenn sie in der aktuellen Saison mindestens Siebter werden. Dann nämlich würde der VfL in der Fünfjahreswertung wieder vor dem SC Paderborn landen, vorausgesetzt, die Ostwestfalen steigen ab. Der Unterschied wäre sofort spürbar – die Differenz pro TV-Rang liegt im hohen sechsstelligen Bereich. Damit die Einnahmen nicht sinken, sollte der VfL aber noch weitere Mannschaften im Blick behalten. Wichtig ist: Der VfL muss die aktuelle Saison zwingend vor dem FC St. Pauli und Holstein Kiel beenden.

Ansonsten ziehen die Norddeutschen in der Fünfjahreswertung gleich oder überholen den VfL Bochum. Auch Jahn Regensburg könnte noch gefährlich werden, wenn die Oberpfälzer am Ende vier Plätze vor der Mannschaft von Trainer Thomas Reis landen. In Summe geht es bis Ende Juni also noch um einen Millionenbetrag. Jeder Euro mehr oder weniger in der Kasse wird Einfluss auf die künftige Kaderplanung haben. Erst recht dann, sollten die Ränge auch in der neuen Saison weiter leer bleiben müssen.

(Foto: Imago / Poolfoto via Firo)

Linksverteidiger gesucht

VfL kämpft um Soares – Alternativen im Blick

Ein Saisonfinale gegen Hannover 96, das kennen die Fans des VfL Bochum bereits. Und die Geschichten, die sie darüber erzählen, könnten unterschiedlicher kaum sein. 2004 machte der VfL mit einem 3:1-Sieg gegen die Niedersachsen den Einzug in den UEFA-Cup perfekt. Es war einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte. Sechs Jahre später stürzte Bochum nach einer 0:3-Niederlage gegen Hannover in die 2. Liga ab. Für den VfL war es das bislang letzte Spiel in der Bundesliga.

Soares will in die Bundesliga

Um solch grundsätzliche Fragen geht es an diesem Sonntag zum Glück nicht mehr, wenn der VfL sein letztes Saisonspiel bestreitet. Trotzdem ist die Zukunft ein großes Thema. Vor allem personell gibt es weiter Ungewissheit. Zehn Spieler wurden am vergangenen Wochenende verabschiedet, darunter einige Leistungsträger. Das muss jedoch kein endgültiger Abschied sein, wie VfL-Manager Sebastian Schindzielorz andeutet: „Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind viele gewohnte Abläufe ins Wanken geraten.“ Deshalb habe man entschieden, „zunächst alle Spieler, deren Verträge in diesem Sommer auslaufen, zu verabschieden. Ein weiteres Engagement an der Castroper Straße ist dadurch nicht ausgeschlossen“, betont Schindzielorz. „Mit dem einen oder anderen Spieler werden wir uns sicher darüber unterhalten, ob er sich seine weitere Zukunft im VfL-Trikot vorstellen kann.“

Wenn die Verantwortlichen und viele Fans einen Wunsch frei hätten, dann würden sie sich wohl am ehesten über eine Vertragsverlängerung von Danilo Soares freuen. Doch sehr wahrscheinlich spielt der 28-Jährige am Sonntag ein letztes Mal für den VfL Bochum. Der spiel- und zweikampfstarke Brasilianer darf ab Juli ablösefrei wechseln, hofft auf einen Sprung in die Bundesliga und den vielleicht letzten großen Vertrag seiner Karriere. Zwar liegt ihm auch ein gutes Angebot des VfL vor, doch der Linksverteidiger prüft längst Alternativen. Dafür hat er sogar einen neuen Berater engagiert – in der Branche gilt dies oft als Indiz für einen Vereinswechsel. Ganz will und sollte der VfL die Hoffnungen auf einen Verbleib des zuletzt so starken Außenverteidigers noch nicht aufgeben, sicherheitshalber sucht Sebastian Schindzielorz aber schon einen bezahlbaren Nachfolger.

Jung bleibt ein Wunschkandidat

Dabei gerät auch ein Spieler in den Fokus, den die Bochumer bereits im vergangenen Winter verpflichten wollten: Anthony Jung vom dänischen Erstligisten Bröndby IF. Der Linksfuß stammt gebürtig aus Spanien, ist aber in Deutschland groß geworden und hat bereits für den FSV Frankfurt, RB Leipzig und den FC Ingolstadt gespielt. Im Januar ist ein Transfer an einer zu hohen Ablöseforderung der Kopenhagener gescheitert. Das Problem: Jungs Vertrag läuft noch ein weiteres Jahr, es würde also immer noch Geld kosten, ihn aus Dänemark loszueisen – für den VfL ein schwieriges Unterfangen, vor allem in Zeiten der Corona-Krise. Allein auf dem deutschen Markt gibt es aber noch zahlreiche Alternativen, die allesamt ablösefrei zu haben wären.

Einer davon stand sogar erst vor wenigen Tagen auf dem Rasen im Bochumer Ruhrstadion. Maximilian Wittek von Greuther Fürth hinterließ bei seinem Gastspiel einen sehr guten Eindruck. Sein Vertrag endet in wenigen Tagen, er wird die Franken definitiv verlassen und würde mit seiner Spielweise perfekt ins Bochumer Beuteschema passen. Doch der 24-Jährige verfolgt wohl andere Pläne. Realistischer dürften schon Kandidaten wie Leart Paqarada vom SV Sandhausen oder Florian Hartherz von Arminia Bielefeld sein. Mit noch mehr Erfahrung, aber ohne Spielpraxis wären auch Diego Contento von Fortuna Düsseldorf oder Matthias Ostrzolek von Hannover 96 zu haben. Der Ex-Bochumer würde gerne in seine Heimat zurückkehren.

(Foto: Imago / Team 2)

Ärmelsponsor bleibt

Neues Geschäftsjahr: Viele gute Nachrichten vom VfL

Für den VfL Bochum hat am Mittwoch ein neues Geschäftsjahr begonnen – direkt mit einer erfreulichen Nachricht: Die Viactiv-Krankenkasse, schon seit 2017 Ärmelsponsor des Zweitligisten, hat den auslaufenden Vertrag um zwei weitere Jahre bis 2022 verlängert. Damit gibt es bei den wichtigsten Geldgebern Planungssicherheit. Hauptsponsor Tricorp und Stadionpartner Vonovia hatten ihre Unterstützung ohnehin schon bis mindestens 2021 zugesichert. 

Hochstätter endgültig weg

Frisches Geld fließt also, und auch bei den Ausgaben gibt es positive, allerdings vorhersehbare Entwicklungen. Denn zwei Großverdiener sind von der Gehaltsliste verschwunden. Zum 30. Juni endeten die Verträge mit Ex-Trainer Robin Dutt und Ex-Manager Christian Hochstätter. Beide mussten nach ihrer Freistellung weiter bezahlt werden. Dutt hatte zuletzt freiwillig auf einen Teil verzichtet, Hochstätter übrigens nicht. Insgesamt spart der VfL nun pro Monat eine mittlere fünfstellige Summe.

Weil auch insgesamt zehn Spielerverträge ausgelaufen sind, müssen diese Gehälter ebenfalls nicht mehr gezahlt werden – zumindest für den Moment. Die 22 Lizenzspieler, die weiter an den VfL gebunden sind, bekommen ab sofort aber wieder den vollen Lohn. Der zu Beginn der Corona-Krise vereinbarte Teil-Verzicht endet nach drei Monaten. Auch viele Mitarbeiter der Geschäftsstelle sind in den vergangenen Wochen allmählich in den Normalbetrieb zurückgekehrt. Für sie hatte der Verein Kurzarbeit beantragt.

Nürnberg müsste absteigen

Abwarten müssen die Verantwortlichen weiter, wie viel Geld sie in der neuen Saison aus dem TV-Topf erhalten. Eine Mindestsumme steht zwar schon fest, offen ist aber, ob nicht noch ein hoher sechsstelliger Betrag hinzukommt. Das wäre der Fall, wenn der 1. FC Nürnberg in den Relegationsspielen Mitte Juli noch absteigen würde. Dann würde der VfL in der sogenannten Fünfjahreswertung wieder einen Platz aufrücken und somit das Vorjahresniveau erreichen.

(Foto: Imago / Team 2)

Bochum wird Achter

Kommentar zur VfL-Saison: Besser als befürchtet

Thomas Reis hat sich schnell entschieden, wie er die 0:2-Niederlage im letzten Spiel gegen Hannover einordnen soll. Der VfL zeigte eine ordentliche Leistung, hatte die besseren Chancen, doch nur die Hausherren trafen zweimal ins Tor. Die Erfolgsserie der Bochumer mit elf Spielen ohne Niederlage ist damit gerissen. Besonders bitter: Ein Unentschieden hätte gereicht, um im wirtschaftlich so wichtigen TV-Ranking nicht abzurutschen. Nun fehlen mehrere hunderttausend Euro in der Kasse. Doch Thomas Reis geht trotzdem mit einem guten Gefühl in die Sommerpause.

„Es überwiegt der Stolz auf meine Mannschaft“, sagte der Trainer des VfL und schob die Begründung gleich hinterher: „Wir haben in der letzten Zeit viel geleistet, um in die jetzige Situation zu kommen. Es ist ärgerlich, dass wir auf Platz acht landen. Aber vor einigen Wochen hätten wir das definitiv so genommen.“ Damit hat er wohl Recht. 25 Spieltage lang galt der VfL als Abstiegskandidat, die Verantwortlichen mussten Szenarien durchspielen, die Bauchschmerzen verursachten. Dann geschah das Wunder: Nach der Corona-Pause holte kein Zweitligist mehr Punkte als der VfL.

Vielleicht hat diese Mannschaft ja einfach nur Angst vor den eigenen Fans. Im Ernst: Rückblickend war die Entscheidung, die Saison fortzusetzen, doch die richtige. Nicht nur, weil es für Bochum besser lief als befürchtet. Sondern auch, weil das Hygienekonzept funktioniert hat, trotz aller Skepsis, auch an dieser Stelle. Verstöße, die es in Bochum ebenso gab, blieben zum Glück im Verborgenen, die Lage im Land hat sich vorerst beruhigt. Dass die Fans die Geisterspiele so klaglos akzeptiert haben, verwundert aber schon. Wirklich rebellisch waren die Bochumer nicht.

Schwacher Start, guter Endspurt

Das lag vielleicht auch daran, dass sie von ihrer Mannschaft schnell besänftigt wurden. Sie sahen, dass Thomas Reis und seine Spieler die Zwangspause genutzt haben. Mit großer Verspätung, aber gerade noch rechtzeitig, stand endlich ein Team auf dem Platz. Eine erkennbare Einheit, die siegen wollte und konnte, die nach einem Erfolgserlebnis nicht sofort wieder nachließ. Wie es ohne die Unterbrechung gelaufen wäre, ist Spekulation. Genau wie der Gedanke daran, was möglich gewesen wäre, hätte diese Mannschaft schon früher ihr Potenzial ausgespielt.

Eines ist klar: Bei der Saisonanalyse muss jeder Abschnitt gleich gewichtet werden, der schlechte Start wie das gute Ende. Schon in der Vorbereitung waren viele Probleme erkennbar, der Kader war nicht komplett und der Trainer auf dem Holzweg. Dass Robin Dutt gehen musste, tat menschlich weh, war aber die richtige Entscheidung. Doch auch Thomas Reis bekam die vielen Probleme lange Zeit nicht in den Griff. Der VfL blieb die Schießbude der Liga, ließ den Ehrgeiz und die Konzentration oftmals vermissen. Der Trainer machte viele Fehler, aus denen er lernte.

Erst im Endspurt hatte er ein Team zusammen, das funktionierte. Reis erkannte, auf wen er sich verlassen konnte, sah, wer zusammenpasste und fand die Balance zwischen Abwehr und Angriff. Für jedes kritische Wort, nicht nur hier, auch woanders, gab es lange Zeit gute Gründe. Genauso verdienen die Protagonisten jetzt aber ein Lob, auch Sebastian Schindzielorz. Vor allem die Umstände vieler Transfers waren skurril. Spieler kamen zu spät, waren nicht fit, wurden für die falsche Position verpflichtet. Eines muss man ihm aber lassen: Gut kicken können sie alle, sie haben Qualität.

Große Erleichterung, mehr nicht

Auch deshalb geht der VfL bald in seine elfte Zweitliga-Saison in Folge. Einerseits ist das gut, wenn man bedenkt, wen es in dieser Zeit schon erwischt hat. Andererseits ist das aber auch eine mahnende Erinnerung. Der VfL hat es in zehn Jahren nicht geschafft, das zu erreichen, was er eigentlich immer vorhatte: Den Sprung zurück in die Bundesliga. Platz acht ist jetzt in Ordnung und viel besser als befürchtet. Zufrieden sollte trotzdem niemand sein. Dafür genügt ein Blick nach Bielefeld oder Heidenheim. In dieser Liga ist mehr möglich, auch für Bochum. Vielleicht ja im nächsten Jahr.

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(Foto: Imago / foto2press)

Zehn Verträge laufen aus

VfL: Wer wirklich geht – und wer noch bleiben könnte

Vor knapp einer Woche hat der VfL Bochum alle zehn Spieler verabschiedet, deren Verträge zum Saisonende auslaufen. Schon da ließ Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz durchklingen, dass dies vor allem den ungewöhnlichen Umständen geschuldet sei. Auf dem Transfermarkt herrscht große Ungewissheit, und der VfL weiß noch nicht genau, mit wie viel Geld er für die neue Saison planen kann. „Wir werden mit Hochdruck daran arbeiten, den ein oder anderen doch noch künftig hier im Stadion zu sehen“, macht Schindzielorz Hoffnung auf den Verbleib einiger Leistungsträger.

Gespräche mit Bapoh

Konkret bemüht sich der VfL noch um eine Vertragsverlängerung mit Danilo Soares. Außerdem soll das Leih-Trio um Jordi Osei-Tutu, Vasilios Lampropoulos und Manuel Wintzheimer nach Möglichkeit gehalten werden. Interessant: Auch mit Ulrich Bapoh werden noch Gespräche geführt, verriet Schindzielorz auf Nachfrage. Der Jungprofi hatte sich im Oktober einen Kreuzbandriss zugezogen, konnte also keine Eigenwerbung mehr für einen neuen Vertrag betreiben. Möglich ist, dass er für weniger Geld eine neue Chance erhält.

Definitiv nicht mehr für den VfL spielen werden Jan Wellers, Maxwell Gyamfi, Simon Lorenz und Stefano Celozzi. Patrick Fabian beendet seine aktive Karriere und arbeitet künftig als Assistent von Schindzielorz. Auch Lorenz weiß schon, wie es für ihn weitergeht. Der Innenverteidiger hat vor wenigen Tagen beim Ligakonkurrenten Holstein Kiel unterschrieben. Lorenz gehörte in der Hinrunde noch zum Bochumer Stammpersonal, in der Rückrunde blieb ihm nur noch ein Platz auf der Bank oder der Tribüne. Wohin es Ex-Kapitän Celozzi nach sechs Jahren beim VfL ziehen wird, ist noch offen.

Duo kehrt zurück

Während bei den Abgängen also schon erste Entscheidungen bekannt sind, hält sich der VfL bei neuen Vertragsabschlüssen noch zurück. Aktuell laufen jedoch Verhandlungen mit Lars Holtkamp aus der eigenen U19. Der Mittelfeldspieler trainiert schon einigen Wochen mit der Profimannschaft. Er könnte künftig dauerhaft zum Zweitligakader gehören. Schindzielorz erwartet außerdem eine (vorläufige) Rückkehr von Dominik Baumgartner und Baris Ekincier. Das Duo wurde im vergangenen Sommer nach Österreich verliehen.

(Foto: Imago / DeFodi)

Vfl spielt 2:2 gegen Fürth

Die Geister-Meister: Noch ein Ziel fürs letzte Spiel

In der Krise schlug die Stunde des Marketings. Weil Zuschauereinnahmen plötzlich fehlten, wurden die Mitarbeiter kreativ. Der VfL verkaufte Sondertrikots, Geisterspieltickets und einiges mehr. Am Sonntag waren sogar Fotos von Fans auf den Werbebanden zu sehen. Womöglich gibt es schon bald das nächste Angebot: T-Shirts mit dem Aufdruck „Geister-Meister 2020“. Denn nach dem 2:2 gegen Greuther Fürth ist klar: Die Bochumer sind und bleiben der punktbeste Zweitligist seit dem Ende der Corona-Pause.

Punkt gegen Fürth

Sicherheit im Hinblick auf das finanziell so wichtige TV-Geld herrscht vor dem letzten Spieltag allerdings noch nicht. Denn nur mit einem Sieg gegen Fürth wäre der siebte Tabellenplatz sicher gewesen – und der ist notwendig, um im TV-Ranking nicht abzurutschen. Doch weil der VfL noch den Ausgleich kassierte, wird es am kommenden Sonntag noch einmal spannend. Beim Tabellennachbarn in Hannover würde ein Unentschieden aber wohl schon ausreichen, um das letzte verbliebene Saisonziel zu erreichen. Für den VfL geht es um eine hohe sechsstellige Summe.

Notwendig ist dafür aber eine bessere Leistung als im Heimspiel gegen Greuther Fürth. Die Franken dominierten von Beginn an die Partie, waren schneller und wacher, agierten technisch auf einem hohen Niveau. Früh geriet der VfL in Rückstand und erholte sich davon erst gegen Ende der ersten Halbzeit, als Robert Tesche per Kopf das 1:1 erzielte. Vor allem in der Offensive lief es lange Zeit nicht rund. Auf fünf potenzielle Stammkräfte musste Trainer Thomas Reis in den vorderen Reihen verzichten. Während Thomas Eisfeld ähnlich wie in Aue noch recht ordentlich spielte, war von Tom Weilandt bei dessen Startelfcomeback kaum etwas zu sehen.

Trotzdem: Eine starke Phase erwischten die Gastgeber nach dem Seitenwechsel, als sie mehr Druck entfachten und sich schnell dafür belohnten. Jordi Osei-Tutu, neben Danilo Soares und Cristian Gamboa der beste Bochumer, umkurvte den Fürther Torhüter und brachte sein Team in Führung. Doch die Spielvereinigung gab nicht auf. Sebastian Ernst nutzte in der Schlussphase ein Abstimmungsproblem in der Bochumer Abwehr und sicherte seiner Mannschaft am Ende einen verdienten Punkt. Immerhin ist die Erfolgsserie des VfL damit nicht gerissen: Seit elf Spielen ist der Ruhrgebietsklub jetzt ungeschlagen.

Starker Endspurt

Dieser eindrucksvolle Endspurt hat den VfL überhaupt erst in die Lage gebracht, am letzten Spieltag „nur“ noch ums TV-Geld zu spielen. Anfang März, kurz vor der Saisonunterbrechung, galt der Verein noch als akut abstiegsgefährdet. Auch die Fans haben die positive Entwicklung zuletzt honoriert. So haben in den vergangenen Wochen rund 2.000 Dauerkarteninhaber auf eine Rückerstattung für vier Heimspiele verzichtet. Das ist ein weiterer Grund, warum der Kassensturz nach der Saison deutlich positiver ausfallen wird als zu Beginn der Corona-Krise befürchtet. Wird Bochum in der Endtabelle mindestens Siebter, wäre die Freude umso größer.

(Foto: Imago / Revierfoto)

2:1-Erfolg in Aue

Plötzlich ein Team: VfL macht Ausfälle vergessen

Mit Thomas Eisfeld hat beim Auswärtsspiel in Aue wohl kaum jemand gerechnet. Der Mittelfeldspieler rückte am Mittwochabend für den zuletzt starken Robert Zulj in die Startformation. Seit Monaten nahm Eisfeld beim VfL Bochum nur noch eine Außenseiterrolle ein. Doch nach einer halben Stunde besänftigte er seine Kritiker. Mit einem sehenswerten Schuss leitete er den 2:1-Sieg im Erzgebirge ein. Die außergewöhnliche Erfolgsserie des VfL Bochum geht damit weiter. Seit zehn Partien ist das Team von Trainer Thomas Reis jetzt ungeschlagen, in sieben Geisterspielen gab es fünf Siege und zwei Unentschieden. Jetzt ist der Klassenerhalt auch rechnerisch sicher. Die Souveränität der Bochumer bleibt beeindruckend, ebenso ihre Effizienz und die neue innere Geschlossenheit.

Reis rotiert in Englischer Woche

Phasenweise entsteht der Eindruck, die Mannschaft wäre im März ausgewechselt worden – oder die Trainer haben hinter verschlossenen Toren ein wahres Wunder bewirkt. Auch in Aue hat der VfL bewiesen, dass selbst eine kleine Personal-Rotation kein Problem mehr ist. Das Team funktioniert. Thomas Reis hatte mit Cristian Gamboa, Robert Tesche und Robert Zulj auf drei Stammkräfte freiwillig verzichtet, dazu fehlten die Top-Scorer Silvere Ganvoula, Danny Blum und Simon Zoller verletzt. „Es zeichnet uns gerade aus, dass wir Ausfälle gut kompensieren können“, bestätigt Thomas Reis den Eindruck vieler Beobachter, tut sich mit einer Analyse aber schwer: „Das ist gar nicht so leicht zu erklären. Klar ist natürlich, dass mit jedem Sieg das Selbstvertrauen wächst.“ Was übersetzt bedeutet, dass es im Erfolgsfall deutlich leichter ist, einzelne Spieler zu ersetzen.  

Nur der Platzverweis störte am Ende

Anlaufprobleme zeigte der VfL in Aue nur kurz. „In der ersten Viertelstunde waren wir nicht richtig auf dem Platz, unser Spiel war zu statisch“, bemängelt Reis. „Aber danach hat es die Mannschaft besser gemacht, wir hatten mehr Läufe in die Tiefe. Das Tor war der Dosenöffner.“ Eisfelds Tor hatte der flinke Jordi Osei-Tutu vorgelegt. Kurz vor der Pause baute Anthony Losilla die Führung sogar noch aus. Im zweiten Durchgang beschränkte sich der VfL dann auf das Notwendigste, ließ dabei aber kaum etwas anbrennen. Der Anschlusstreffer war nur noch Ergebniskosmetik, der Platzverweis gegen den ohnehin schwachen Milos Pantovic störte da schon eher. Bochums Offensivmann hatte kurz vor Schluss einen Gegenspieler ohne Not ausgebremst, Schiedsrichter Lasse Koslowski zückte die Rote Karte – eine harte Entscheidung.

Mit Weilandt gegen Greuther Fürth

Für Pantovic ist die Saison wahrscheinlich beendet, Rückkehrer gibt es vorerst keine. Doch das ermöglicht dem nächsten Ersatzspieler, sich möglichst nahtlos in das Team einzufügen. Beim letzten Heimspiel gegen Greuther Fürth am Sonntag dürfte Tom Weilandt im Mittelfeld starten. Viel mehr darf personell aber nicht mehr passieren. Maximal sechs Offensivspieler stehen für vier Positionen noch zur Verfügung, vor allem auf den Außenbahnen und im Angriff gibt es keine Alternativen. Womöglich rückt Moritz Römling deshalb in den Kader, denn der junge Linksverteidiger könnte notfalls auch offensiver spielen. Ein Hoffnungsträger bleibt Sebastian Maier, so er denn fit ist. Doch der technisch starke Spielmacher gehört eigentlich ins Zentrum. Und da hat neben Robert Zulj jetzt auch Thomas Eisfeld wieder ein Lebenszeichen gesendet.   

(Foto: Imago / Picture Point)