Vfl spielt 2:2 gegen Fürth

Die Geister-Meister: Noch ein Ziel fürs letzte Spiel

In der Krise schlug die Stunde des Marketings. Weil Zuschauereinnahmen plötzlich fehlten, wurden die Mitarbeiter kreativ. Der VfL verkaufte Sondertrikots, Geisterspieltickets und einiges mehr. Am Sonntag waren sogar Fotos von Fans auf den Werbebanden zu sehen. Womöglich gibt es schon bald das nächste Angebot: T-Shirts mit dem Aufdruck „Geister-Meister 2020“. Denn nach dem 2:2 gegen Greuther Fürth ist klar: Die Bochumer sind und bleiben der punktbeste Zweitligist seit dem Ende der Corona-Pause.

Punkt gegen Fürth

Sicherheit im Hinblick auf das finanziell so wichtige TV-Geld herrscht vor dem letzten Spieltag allerdings noch nicht. Denn nur mit einem Sieg gegen Fürth wäre der siebte Tabellenplatz sicher gewesen – und der ist notwendig, um im TV-Ranking nicht abzurutschen. Doch weil der VfL noch den Ausgleich kassierte, wird es am kommenden Sonntag noch einmal spannend. Beim Tabellennachbarn in Hannover würde ein Unentschieden aber wohl schon ausreichen, um das letzte verbliebene Saisonziel zu erreichen. Für den VfL geht es um eine hohe sechsstellige Summe.

Notwendig ist dafür aber eine bessere Leistung als im Heimspiel gegen Greuther Fürth. Die Franken dominierten von Beginn an die Partie, waren schneller und wacher, agierten technisch auf einem hohen Niveau. Früh geriet der VfL in Rückstand und erholte sich davon erst gegen Ende der ersten Halbzeit, als Robert Tesche per Kopf das 1:1 erzielte. Vor allem in der Offensive lief es lange Zeit nicht rund. Auf fünf potenzielle Stammkräfte musste Trainer Thomas Reis in den vorderen Reihen verzichten. Während Thomas Eisfeld ähnlich wie in Aue noch recht ordentlich spielte, war von Tom Weilandt bei dessen Startelfcomeback kaum etwas zu sehen.

Trotzdem: Eine starke Phase erwischten die Gastgeber nach dem Seitenwechsel, als sie mehr Druck entfachten und sich schnell dafür belohnten. Jordi Osei-Tutu, neben Danilo Soares und Cristian Gamboa der beste Bochumer, umkurvte den Fürther Torhüter und brachte sein Team in Führung. Doch die Spielvereinigung gab nicht auf. Sebastian Ernst nutzte in der Schlussphase ein Abstimmungsproblem in der Bochumer Abwehr und sicherte seiner Mannschaft am Ende einen verdienten Punkt. Immerhin ist die Erfolgsserie des VfL damit nicht gerissen: Seit elf Spielen ist der Ruhrgebietsklub jetzt ungeschlagen.

Starker Endspurt

Dieser eindrucksvolle Endspurt hat den VfL überhaupt erst in die Lage gebracht, am letzten Spieltag „nur“ noch ums TV-Geld zu spielen. Anfang März, kurz vor der Saisonunterbrechung, galt der Verein noch als akut abstiegsgefährdet. Auch die Fans haben die positive Entwicklung zuletzt honoriert. So haben in den vergangenen Wochen rund 2.000 Dauerkarteninhaber auf eine Rückerstattung für vier Heimspiele verzichtet. Das ist ein weiterer Grund, warum der Kassensturz nach der Saison deutlich positiver ausfallen wird als zu Beginn der Corona-Krise befürchtet. Wird Bochum in der Endtabelle mindestens Siebter, wäre die Freude umso größer.

(Foto: Imago / Revierfoto)

2:1-Erfolg in Aue

Plötzlich ein Team: VfL macht Ausfälle vergessen

Mit Thomas Eisfeld hat beim Auswärtsspiel in Aue wohl kaum jemand gerechnet. Der Mittelfeldspieler rückte am Mittwochabend für den zuletzt starken Robert Zulj in die Startformation. Seit Monaten nahm Eisfeld beim VfL Bochum nur noch eine Außenseiterrolle ein. Doch nach einer halben Stunde besänftigte er seine Kritiker. Mit einem sehenswerten Schuss leitete er den 2:1-Sieg im Erzgebirge ein. Die außergewöhnliche Erfolgsserie des VfL Bochum geht damit weiter. Seit zehn Partien ist das Team von Trainer Thomas Reis jetzt ungeschlagen, in sieben Geisterspielen gab es fünf Siege und zwei Unentschieden. Jetzt ist der Klassenerhalt auch rechnerisch sicher. Die Souveränität der Bochumer bleibt beeindruckend, ebenso ihre Effizienz und die neue innere Geschlossenheit.

Reis rotiert in Englischer Woche

Phasenweise entsteht der Eindruck, die Mannschaft wäre im März ausgewechselt worden – oder die Trainer haben hinter verschlossenen Toren ein wahres Wunder bewirkt. Auch in Aue hat der VfL bewiesen, dass selbst eine kleine Personal-Rotation kein Problem mehr ist. Das Team funktioniert. Thomas Reis hatte mit Cristian Gamboa, Robert Tesche und Robert Zulj auf drei Stammkräfte freiwillig verzichtet, dazu fehlten die Top-Scorer Silvere Ganvoula, Danny Blum und Simon Zoller verletzt. „Es zeichnet uns gerade aus, dass wir Ausfälle gut kompensieren können“, bestätigt Thomas Reis den Eindruck vieler Beobachter, tut sich mit einer Analyse aber schwer: „Das ist gar nicht so leicht zu erklären. Klar ist natürlich, dass mit jedem Sieg das Selbstvertrauen wächst.“ Was übersetzt bedeutet, dass es im Erfolgsfall deutlich leichter ist, einzelne Spieler zu ersetzen.  

Nur der Platzverweis störte am Ende

Anlaufprobleme zeigte der VfL in Aue nur kurz. „In der ersten Viertelstunde waren wir nicht richtig auf dem Platz, unser Spiel war zu statisch“, bemängelt Reis. „Aber danach hat es die Mannschaft besser gemacht, wir hatten mehr Läufe in die Tiefe. Das Tor war der Dosenöffner.“ Eisfelds Tor hatte der flinke Jordi Osei-Tutu vorgelegt. Kurz vor der Pause baute Anthony Losilla die Führung sogar noch aus. Im zweiten Durchgang beschränkte sich der VfL dann auf das Notwendigste, ließ dabei aber kaum etwas anbrennen. Der Anschlusstreffer war nur noch Ergebniskosmetik, der Platzverweis gegen den ohnehin schwachen Milos Pantovic störte da schon eher. Bochums Offensivmann hatte kurz vor Schluss einen Gegenspieler ohne Not ausgebremst, Schiedsrichter Lasse Koslowski zückte die Rote Karte – eine harte Entscheidung.

Mit Weilandt gegen Greuther Fürth

Für Pantovic ist die Saison wahrscheinlich beendet, Rückkehrer gibt es vorerst keine. Doch das ermöglicht dem nächsten Ersatzspieler, sich möglichst nahtlos in das Team einzufügen. Beim letzten Heimspiel gegen Greuther Fürth am Sonntag dürfte Tom Weilandt im Mittelfeld starten. Viel mehr darf personell aber nicht mehr passieren. Maximal sechs Offensivspieler stehen für vier Positionen noch zur Verfügung, vor allem auf den Außenbahnen und im Angriff gibt es keine Alternativen. Womöglich rückt Moritz Römling deshalb in den Kader, denn der junge Linksverteidiger könnte notfalls auch offensiver spielen. Ein Hoffnungsträger bleibt Sebastian Maier, so er denn fit ist. Doch der technisch starke Spielmacher gehört eigentlich ins Zentrum. Und da hat neben Robert Zulj jetzt auch Thomas Eisfeld wieder ein Lebenszeichen gesendet.   

(Foto: Imago / Picture Point)

2:0-Sieg in Osnabrück

Wintzheimer für Ganvoula: VfL will Torschützen halten

Fans des VfL Bochum sind es gar nicht gewohnt: Erstaunlich souverän bringt der Revierklub derzeit seine Führungen über die Zeit, ließ beim 2:0-Erfolg in Osnabrück nichts mehr anbrennen – auch deshalb, weil Torhüter Manuel Riemann in der Schlussphase noch einen Elfmeter parierte. Er hielt den vierten Sieg im sechsten Geisterspiel fest, wieder einmal blieb der VfL ohne Gegentor. Und: Zum ersten Mal in dieser Saison gelang der zweite Dreier in Folge.

Verdienter Auswärtssieg

All das war möglich, weil die Bochumer fußballerisch erneut überzeugten. Am Führungstreffer in der ersten Halbzeit waren Robert Zulj und Jordi Osei-Tutu beteiligt, vollendet wurde der Angriff von Osnabrücks Lukas Gugganig mit einem Eigentor. Der VfL drückte nach dem Seitenwechsel weiter und belohnte sich erneut, als Danilo Soares nach vorne stürmte und Manuel Wintzheimer gekonnt in Szene setzte. Der Leihstürmer erzielte das verdiente 2:0. Nachdem er schon in der Vorwoche zweimal gegen St. Pauli traf, aber beide Tore nicht zählten, durfte er jetzt wirklich jubeln.

Ohnehin hinterließ der 21-Jährige wieder einmal einen guten Eindruck. Zum zweiten Mal nach der Corona-Pause spielte er für Top-Torjäger Silvere Ganvoula. Den Kongolesen vermisste dabei kaum jemand. Wintzheimer suchte immer den Abschluss, war insgesamt deutlich fleißiger als sein Teamkollege in den Partien davor. Im Saisonendspurt scheint sich der Juniorennationalspieler zur Stammkraft zu entwickeln. Zumal Ganvoula mit muskulären Problemen das Saisonaus droht. Weil auch Simon Zoller verletzt ausfällt, ist Wintzheimer der einzig verbliebene Stürmer.

Wintzheimers Vertrag endet

Doch der Jungspund ist keineswegs eine Notlösung. Schon vor der Zwangspause gehörte er hin und wieder zur Startelf, in jedem zweiten Spiel traf er dann auch. Für Manager Sebastian Schindzielorz ist das durchaus ein Argument für eine Weiterverpflichtung. Der Leihvertrag läuft Ende Juni aus, doch der VfL ist an mehr interessiert. Schon vor der Partie in Osnabrück gab es ein Lob für Wintzheimer. Schindzielorz bezeichnete den Angreifer in der Presserunde als „wertvoll“ und „brandgefährlich“. Das Problem: Wintzheimer steht noch zwei Jahre beim Hamburger SV unter Vertrag.

Ob die Norddeutschen mit ihm planen, hängt auch davon ab, in welcher Liga sie künftig spielen. Offen ist auch, ob nur ein weiteres Leihgeschäft oder gar eine feste Verpflichtung möglich wäre. Aus wirtschaftlichen Gründen ist Letzteres aber ziemlich unwahrscheinlich. Es sei denn, ein Verkauf von Silvere Ganvoula im Sommer kommt doch noch infrage. Trainer Thomas Reis ließ zuletzt Kritik an dessen oft lustlos wirkender Spielweise durchschimmern, auch abseits des Platzes fällt Ganvoula mitunter negativ auf. All das kann man von Manuel Wintzheimer nicht behaupten.

(Foto: EPA Poolfoto)

VfL-Spielmacher

Endlich in Form: Geheimnis des doppelten Zulj

Die Familie von Robert Zulj ist fußballverrückt. Sein jüngerer Bruder spielt zurzeit beim RSC Anderlecht. Wie praktisch, dachten sich die beiden, und nutzten die Corona-Pause im März und April gemeinsam. Sie fuhren in ihre Heimat nach Österreich, quasi ins Home-Office. Dort trainierten Robert und Peter Zulj zusammen, Tag für Tag. Während die Saison in Belgien komplett abgebrochen wurde, rollt der Ball in Deutschland wieder – auch beim VfL Bochum, und seit fünf Spielen mit Robert Zulj in der Startelf.

Von Corona-Pause profitiert

Der 28-Jährige hat die Zwangspause optimal genutzt. „Mir persönlich kam sie gelegen. Ich habe sehr viel trainiert, für meine Fitness und für den Zustand meines Knies“, erklärt Robert Zulj sein Erfolgsgeheimnis und gibt unumwunden zu: „Ich war vorher nicht bei 100 Prozent. Aber jetzt fühlt sich auch das Knie wieder gut an.“ Zulj kam im Januar von der TSG Hoffenheim nach Bochum, erhielt beim VfL einen Vertrag für die kommenden dreieinhalb Jahre. Doch seine Anlaufschwierigkeiten hätten größer kaum sein können.

Er war nicht fit, wirkte nicht austrainiert, ihm fehlte Spielpraxis und im Training das volle Engagement. Vor allem: Seine Körpersprache fiel negativ auf. Trainer Thomas Reis verpackte seine Kritik meistens geschickt und elegant, doch sie war nicht zu überhören. Für Robert Zulj blieb deshalb nur ein Platz auf der Ersatzbank, Einsatzzeiten blieben rar. Dabei waren seine Qualitäten am Ball schon zum Zeitpunkt der Verpflichtung unbestritten vorhanden. Und mit Verspätung zeigt er sie jetzt auch.

Zulj schlägt kluge Pässe und gefährliche Standards, ist robust in Zweikämpfen und traut sich auch, aus der zweiten Reihe zu schießen. Er ist ein echter Zehner, ein Spielgestalter, macht fehlendes Tempo durch Cleverness und Übersicht wieder wett. Die Bilanz nach fünf Spielen ohne Zuschauer lässt sich sehen: Zulj spielte jedes Mal von Beginn, meistens über 90 Minuten. In allen drei Heimspielen legte er je einen Treffer vor, gegen St. Pauli traf er sogar selbst. Sicher und souverän vom Elfmeterpunkt.

In Bochum angekommen

Spätestens mit diesem Tor ist Zulj endgültig in Bochum angekommen. Er fühlt sich wohl in dieser Mannschaft. „Dass das Team funktioniert, ist in einer Phase ohne Zuschauer am allerwichtigsten“, ließ er sich jüngst im Stadionmagazin zitieren und erwähnte dabei auch seinen Bruder: „Er war für mich sehr wichtig, denn in so einer Phase kann es schwer sein, sich allein zu quälen. Wir haben uns gut ergänzt und richtig Gas gegeben.“ Geredet wird viel im Fußball, doch bei Robert Zulj sieht man es auch.

(Foto: Imago / Poolfoto via Firo)

Nach 2:0 gegen St. Pauli

VfL bleibt zweitklassig: Die Gründe für den Aufschwung

Selbst Statistik-Gurus mussten nach dem 2:0-Heimerfolg gegen den FC St. Pauli kurz nachdenken. Wann ist der VfL zuletzt acht Spiele in Folge ungeschlagen geblieben? Wir springen zurück in eine Zeit, in der Fußball-Bochum ebenfalls lange um den Klassenerhalt zittern musste. Unter der Regie von Trainer Robin Dutt hat der VfL im Frühjahr 2018 sogar neun Spiele hintereinander nicht verloren.

Eine vergleichbare Serie sichert dem VfL auch jetzt wieder den Verbleib in der Zweiten Liga. Die bislang letzte Niederlage gab es im Februar gegen den VfB Stuttgart. Anschließend folgten vier Siege und vier Unentschieden. Nur in der Theorie ist der Abstieg noch denkbar. Beeindruckend ist vor allem die Bilanz nach der Corona-Pause mit elf von 15 möglichen Punkten. Kein Team in der Liga kommt mit den ungewohnten Umständen besser klar.

Die Gründe für den Aufschwung sind vielfältig:

Stabile Defensive: Vor der Zwangspause galt der VfL noch als Schießbude der Liga. Mit 45 Gegentreffern nach 25 Partien hatten die Bochumer eine der anfälligsten Abwehrreihen. Die individuellen Fehler häuften sich. Das hat sich komplett gedreht. Seit dem Re-Start stellt der VfL sogar die beste Hintermannschaft. In fünf Partien gab es nur ein einziges Gegentor. Der Hauptgrund: Das Duo Lampropoulos und Leitsch harmoniert, sind stärker als Decarli, Lorenz, Fabian oder Bella Kotchap.

Kompensierte Ausfälle: Gegen St. Pauli fehlten alle drei Topscorer – Silvere Ganvoula blieb auf der Bank, Danny Blum und Simon Zoller sind länger verletzt. Vor der Corona-Pause lief ohne sie nichts, jetzt nutzen andere die Chance, zum Beispiel Milos Pantovic oder Manuel Wintzheimer. Der Ersatz-Stürmer traf am Freitagabend sogar doppelt, doch beide Tore zählten nicht. Technisch und läuferisch war er sogar besser als Ganvoula. Die einzigen Offensivspieler, die weiter außer Form sind, heißen Tom Weilandt und Thomas Eisfeld.

Starke Neuzugänge: Vasilios Lampropoulos war im Winter nicht die erste Wahl, weiß auf dem Platz aber zu überzeugen. Seine Routine und sein resoluter Verteidigungsstil tun dem VfL gut. Auch Robert Zulj schlägt mit Verspätung ein, weil er die Pause genutzt hat und endlich fit ist. Er ist ein echter Spielmacher mit guter Technik, schlägt kluge Pässe und gefährliche Standards. Gefühlt ist auch Maxim Leitsch ein Neuzugang. Lange fiel der Innenverteidiger aus, jetzt erzielte er gegen St. Pauli sogar sein erstes Profitor.

Interne Aufsteiger: Den größten Formanstieg beim VfL verzeichnet Danilo Soares. Im Winter enttäuschte der Brasilianer noch, kam dann aus seinem Tief und war gegen St. Pauli der stärkste Mann auf dem Platz. Zweimal grätschte er in höchster Not dazwischen. Der Linksverteidiger ist vorne wie hinten stark, sein wahrscheinlicher Abgang im Sommer wird schmerzen. Eine passende Position hat jetzt auch Jordi Osei-Tutu gefunden. Im offensiven Mittelfeld kann er sein Tempo und seine Technik viel besser ausspielen.

Lernfähiger Trainer: Endlich stimmt die Balance zwischen Absicherung und Angriff. Das war lange Zeit das Hauptproblem. Die Rückkehr zum 4-2-3-1-System, das auch die Mannschaft bevorzugt, war richtig und wichtig. Thomas Reis hat somit doch noch eine funktionierende Einheit geformt, die Pause wurde genutzt. Seine Personalentscheidungen sind konservativer und nachvollziehbarer geworden, er setzt auf einen festen Stamm und tauscht das Personal nur dann, wenn es unbedingt nötig ist.

Volle Konzentration: Etliche Punkte hat der VfL in dieser Saison schon nach einer eigenen Führung verspielt, besonders in Schlussphasen und im eigenen Stadion. Das ist zuletzt nicht mehr passiert. Kleinere Schwächephasen gab es zwar in jeder Partie, blieben aber ohne Folgen. Auch gegen St. Pauli ließ der VfL nicht locker und belohnte sich mit dem zweiten Treffer, der Sieg war verdient. Trainer Thomas Reis warnt aber: „Das soll noch nicht das Ende sein. Wir haben keine gute Saison gespielt, jetzt will ich noch mehr…“

(Foto: Imago / Poolfoto via Firo)

Transfers beim VfL

Schindzielorz: „Normale Kaderplanung ist schwierig“

Unter normalen Umständen wären die ersten Transfers vermutlich schon verkündet worden. Im Monat Juni wäre die alte Saison beendet – und die neue schon in Sichtweite. Eigentlich eine spannende Zeit, doch in diesem Jahr ist alles anders. Die Corona-Pandemie hat die Planungen von VfL-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz ordentlich durcheinandergewirbelt. Noch läuft die Spielzeit 2019/20, und der VfL weiß noch nicht einmal, in welcher Liga er künftig spielen wird – auch wenn die Chancen auf den Klassenerhalt in den letzten Wochen deutlich gestiegen sind.

Folglich kann Bochums Manager derzeit nur vorbereiten, aber noch keine neuen Verträge unterzeichnen. „Die Situation ist eine komplett andere. Wir müssen uns davon verabschieden, diesen Transfersommer so zu planen, wie wir es kennen“, sagt Schindzielorz und bringt es so auf den Punkt: „Eine normale Kader- und Saisonplanung ist schwierig.“ Die Folgen der Corona-Krise seien vor allem aus wirtschaftlicher Sicht immer noch nicht absehbar – dabei geht es um die Kalkulation von Zuschauereinnahmen, um die künftige Verteilung der TV-Gelder und auch um Sponsoren, bei denen unklar ist, ob sie die Krise überhaupt schadlos überstehen.

Zukunft bei zehn Spielern unklar

Auch organisatorisch hat Schindzielorz mit noch unbekannten Variablen zu kämpfen. Ein Rahmenterminplan für die neue Saison fehlt zum Beispiel noch, frühestens im September soll es weitergehen – zumindest in Deutschland. Doch der Markt muss schließlich global betrachtet werden. Das hat zur Folge, dass noch niemand sagen kann, wie es mit Vasilios Lampropoulos und Jordi Osei-Tutu weitergehen wird. Die beiden Legionäre sind nur ausgeliehen, Lampropoulos von Deportivo La Coruna aus Spanien und Osei-Tutu vom FC Arsenal aus England. Insgesamt laufen beim VfL Bochum zehn Spielerverträge aus. Eine Entscheidung, wie es mit ihnen weitergeht, steht noch aus. Doch es gibt Tendenzen.

So sucht Danilo Soares eigentlich eine neue Herausforderung. Er will sich noch einmal in der Bundesliga beweisen. Ob das unter den veränderten Umständen leichter oder schwieriger wird, ist offen. Ein Verbleib in Bochum ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Zurückgehen zum HSV wird wohl Manuel Wintzheimer. Und auch Stefano Celozzi wird das Trikot des VfL nicht mehr allzu lange tragen. Der Ex-Kapitän stand schon im vergangenen Jahr auf dem Abstellgleis, wurde nach der Freistellung von Trainer Robin Dutt jedoch reaktiviert und war zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. Jetzt stehen die Zeichen endgültig auf Trennung. Der VfL sucht einen günstigeren Spieler mit mehr Perspektive.

Fabian hat einen Anschlussvertrag

Offen ist, wie die Bochumer mit Ulrich Bapoh und Simon Lorenz planen. Bapoh war lange verletzt und hat sich gerade erst von einem Kreuzbandriss erholt. Lorenz war hingegen fit, spielte in der Rückrunde aber keine nennenswerte Rolle mehr. Die Leistungen in der Hinrunde waren auch eher mäßig. Längst auf Vereinssuche befinden sich Jan Wellers und Maxim Gyamfi, für die der Schritt zu den Profis deutlich zu groß war. Seine Karriere beenden wird indes Patrick Fabian, der wie geplant ins Management wechseln soll. Welche Position dort für ihn vorgesehen ist, ist noch nicht bekannt. Am liebsten würde er ins Scouting und in die Kaderplanung einsteigen. Viel zu tun gibt dort ganz bestimmt.

(Foto: Imago / DeFodi)

0:0 in Karlsruhe

VfL schlafmützig: Riemann wütet und weckt das Team

Nach 20 Minuten platzte Manuel Riemann der Kragen. Seine Mitspieler kamen nicht in die Zweikämpfe, sie spielten Fehlpass um Fehlpass, hatten keine Lufthoheit und hielten die Abstandsregel auch auf dem Fußballfeld ein. Der VfL verschlief die Anfangsphase beim 0:0 in Karlsruhe komplett. „Männer, wacht endlich auf“, brüllte Bochums Torhüter schließlich durch den Wildpark. Das Stadion blieb aus bekannten Gründen leer, jedes Wort war zu hören. Und Riemanns Aufforderung zeigte Wirkung. Der VfL berappelte sich, nachdem der KSC die Partie zunächst dominierte und die Führung nur knapp verpasste.

Bochum zu nachlässig

Dass der Keeper überhaupt so laut werden musste, ist auf Bochumer Seite das wohl größte Ärgernis zu Beginn der Englischen Woche. Trainer Thomas Reis hatte im Vorfeld extra betont, dass es keine Schlafmützigkeit und keine Nachlässigkeiten geben dürfe. Er kennt sein Team mittlerweile gut genug und ahnte wohl schon, dass einige Spieler nach dem 3:0 gegen Heidenheim wieder einmal zur schnellen Selbstzufriedenheit neigen könnten. Schon oft folgte in dieser Saison auf ein ordentliches Spiel ein schwächeres, noch nie schaffte der VfL zwei Siege in Folge. Dabei blieb es auch an diesem Sonntag. Immerhin: Mit der Punkteteilung hält der VfL den KSC in der Tabelle vorerst auf Abstand.

Zu einem Befreiungsschlag reichte es auch deshalb nicht, weil Stützen wie Anthony Losilla oder Maxim Leitsch nicht ihren besten Tag erwischten, und Offensivkräfte wie Robert Zulj und Silvere Ganvoula es zunächst mit angezogener Handbremse versuchten. Erst nach einer halben Stunde präsentierte sich der VfL ebenbürtig mit den Gastgebern. Thomas Reis hatte sogar erstaunlich früh gewechselt. Der zuletzt starke, in Karlsruhe aber komplett untergetauchte Jordi Osei-Tutu musste noch in der ersten Halbzeit das Spielfeld räumen, für ihn kam Milos Pantovic in die Partie. Linksverteidiger Danilo Soares setzte mit einem Lattenkracher noch vor der Pause ein erstes Zeichen – der VfL war tatsächlich im Wildpark angekommen. Trotzdem war der Zwischenstand aus Bochumer Sicht eher glücklich.

Mittwoch gegen Kiel

Doch nach einer Kabinenpredigt und dem Seitenwechsel zeigten die Bochumer plötzlich ihren Siegeswillen, zumindest für einige Zeit, ehe es am Ende auf ein gerechtes Unentschieden hinauslief. Silvere Ganvoula scheiterte gleich zweimal am starken Karlsruher Schlussmann, auch Simon Zoller vergab eine gute Chance. Der Angreifer hatte später noch mehr Pech, er musste angeschlagen ausgewechselt werden. Eine Diagnose steht noch aus, sein Einsatz am Mittwoch gegen Holstein Kiel könnte aber gefährdet sein. Dann nämlich geht für den VfL die Mission Klassenerhalt schon weiter. In der kurzen Pause wird Thomas Reis wohl noch einige mahnende Worte an die Mannschaft richten und hoffen, dass sie nicht wirkungslos verhallen.

(Foto: GES Pool / Pressefoto Eibner)