Bochumer Erfolgsfaktoren

Riemann: „Unser Weg kann in der Bundesliga enden“

Geschichtsbücher zu wälzen, ist vermutlich nicht das größte Hobby von VfL-Torhüter Manuel Riemann. Doch er würde dabei Spannendes entdecken. Denn so erfolgreich wie momentan, gemessen an den Punkten, war der VfL Bochum zuletzt vor 25 Jahren. Im Falle eines Sieges am Sonntag beim Hinrundenabschluss in Sandhausen könnte das Konto auf 35 Zähler anwachsen. „Das ist selbstverständlich unser Ziel“ sagt Torhüter Manuel Riemann.

Teamgeist und Ehrgeiz

Der 32-Jährige ist beim VfL Bochum längst unumstrittene Stammkraft, hat sich zum wichtigen und zugleich sicheren Rückhalt entwickelt. „Er ist ein im positiven Sinne verrückter Typ“, beschreibt ihn Trainer Thomas Reis. „Sportlich, aber auch abseits des Platzes ist er sehr wichtig für uns.“ Die Spiele vor leeren Rängen belegen, dass Riemann ein Führungsspieler und anerkannter Wortführer innerhalb der Mannschaft ist. Immer wieder gibt er Anweisungen, selbst den Stürmern.

Dass sich der VfL Bochum in den vergangenen zwölf Monaten vom Abstiegs- zum Aufstiegskandidaten entwickelt hat, ist nach Ansicht von Manuel Riemann auf zwei Faktoren zurückzuführen: Teamgeist zum einen, Siegermentalität zum anderen. „Genau das, was ich jahrelang bemängelt habe, hat sich speziell in der Corona-Pause entwickelt – warum auch immer. Wir treten jetzt extrem als Team auf, wir akzeptieren uns gegenseitig, und ich glaube, das sieht man auch“, sagt Riemann.

Riemann redet über Aufstieg

Die Geschlossenheit kann in dieser Saison zum entscheidenden Faktor werden, glaubt der Schlussmann: „Die Mannschaft, die am häufigsten als Team auftritt, wird aufsteigen.“ Fußballerische Qualität habe er beim VfL nie vermisst, wohl aber andere Faktoren: „Diesen Erfolgsdrang hatte bei uns nicht jeder. Deshalb waren unsere Leistungen und Ergebnisse so schwankend.“ Dabei sei es nicht zu viel verlangt, „dass wir täglich zwei Stunden im Training oder im Spiel Vollgas geben.“

Für diese Entwicklung verantwortlich ist nach Ansicht von Manuel Riemann übrigens auch das Team hinter dem Team: „Die Trainer, die medizinische Abteilung, auch Patrick Fabian und Sebastian Schindzielorz und viele andere gehören dazu.“ Auf welchem Tabellenplatz der VfL am Ende dieser Saison landen könnte, darüber möchten viele Spieler noch nicht reden. Manuel Riemann macht da eine Ausnahme: „Unser Weg muss nicht, aber er kann in der Bundesliga enden.“ Dann wäre auch ein neuer Eintrag ins Geschichtsbuch fällig…

(Foto: Imago / Jan Huebner)

Transferperiode läuft

Maier verlässt den VfL – weitere Wechsel möglich

Dieser Wechsel hatte sich abgezeichnet. Sebastian Maier verlässt den VfL Bochum und spielt ab sofort für Türkgücü München. Der Drittligist kann sich wieder auf die finanzielle Hilfe seines Investors verlassen. Gemeinsam peilen sie sogar noch in diesem Jahr den Aufstieg an. Dabei soll Maier nun mithelfen. Beim VfL war der zentrale Mittelfeldspieler zuletzt nur noch eine Randfigur. In dieser Saison kam er gar nicht mehr zum Einsatz. Auch aus finanziellen Gründen legte ihm der VfL keine Steine in den Weg. Sein Vertrag in Bochum wäre im Sommer ohnehin ausgelaufen. Praktisch für Maier: Er spielt jetzt wieder in der Nähe seiner Heimat, ist in Niederbayern aufgewachsen.

Ekincier darf auch noch gehen

Nach Lars Holtkamp, Moritz Römling (beide auf Leihbasis zum Wuppertaler SV) und Stelios Kokovas (Wechsel zum tschechischen Erstligisten MFK Karvina) ist Maier schon der vierte Abgang in diesem Winter – und womöglich nicht der letzte. Auch Baris Ekincier, Jungprofi ohne Aussicht auf Einsätze, dürfte den Verein im Falle eines Angebots verlassen. Weitere Spieler stehen allerdings nicht auf der Verkaufsliste. Aktuell gehören 25 Profis zur Mannschaft des VfL, zuzüglich einiger Nachwuchsspieler, die nun dauerhaft bei der Zweitligamannschaft mittrainieren. Verteidiger Verthomy Boboy und Angreifer Luis Hartwig gehörten zuletzt sogar schon zum Spieltagskader der Bochumer.

Neueinkauf eher unwahrscheinlich

Dass bis zum Ende der Transferperiode noch eine externe Verstärkung hinzukommen wird, ist nicht auszuschließen, aber eher unwahrscheinlich, sagt VfL-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz auf Nachfrage. Wirtschaftlich seien die Möglichkeiten bekanntlich begrenzt. Nicht kommentieren wollte Schindzielorz indes die erneut aufkeimenden Gerüchte, dass Florian Kamberi vom FC St. Gallen ein möglicher Kandidat sei. Der Angreifer wurde bereits im Sommer mit dem VfL Bochum in Verbindung gebracht. Handlungsbedarf im Angriff besteht aber eigentlich nicht. Simon Zoller ist dort Stammspieler, Silvere Ganvoula und Soma Novothny stünden als Alternativen bereit.

(Foto: VfL Bochum 1848)

Matchwinner gegen Nürnberg

Reis über Tesche: „Kann ich beruhigt Kaffee trinken…“

Robert Tesche ist kein Mann der großen Worte. In Interviews fasst er sich meist so kurz, dass der Reporter mehr redet als der eigentliche Hauptdarsteller. Das war auch nach dem 3:1-Erfolg gegen den 1. FC Nürnberg der Fall. Für den fünften Heimsieg in Serie war Tesche mitverantwortlich. In der Schlussphase traf er gleich doppelt. Erst landete ein platzierter Schuss mit seinem schwächeren linken Fuß im oberen Torwinkel. Genau zehn Minuten später war es dann eine technisch gelungene Direktabnahme nach einem Freistoß, mit dem der 33-Jährige seine Mannschaft erneut zu drei Punkten führte. „Natürlich war das so gewollt“, grinste Tesche später vor der Kamera. Ansonsten gab sich der gebürtige Mecklenburger aber eher bescheiden.

Wichtige Stütze vor der Abwehr

Dem Bochumer Understatement schloss er sich entsprechend an. „Der Sieg war wichtig, aber wir schauen von Spiel zu Spiel. Wir werden alles geben, um so lange wie möglich da oben zu bleiben.“ Über einen möglichen Aufstieg wollte er nicht reden. Selbst als er auf seine beiden Tore angesprochen wurde, hätte er mehr erzählen können. „Es war mein erster Doppelpack in der 1. oder 2. Bundesliga“, sagte Tesche nach dem Spiel, das schon sein 217. im deutschen Profifußball war. Allerdings sind ihm zwei Treffer in einer Partie bereits gelungen: 2009 mit dem Hamburger SV, damals in der Europa-League-Qualifikation. Über Fortuna Düsseldorf und Stationen in England kehrte Tesche im Sommer 2017 nach Deutschland zurück. Erst war ein Jahr an den VfL ausgeliehen, anschließend wurde er fest verpflichtet.

Was viele nicht wissen: 2019 gab es ernsthafte Überlegungen, ihn auszusortieren, gemeinsam Stefano Celozzi und Tim Hoogland. Doch Tesche blieb dann doch in Bochum und entwickelte sich unter dem neuen Cheftrainer Thomas Reis zur wichtigen Stütze. Jetzt agiert er als kontrollierender Sechser vor der Abwehr, übernimmt also den eher defensiveren Part im zentralen Mittelfeld. Versuche ohne ihn auszukommen scheiterten meist, der VfL verlor an Stabilität. Besonders seine Erfahrung weiß Thomas Reis zu schätzen. Schon neulich sagte der Übungsleiter in einer Pressekonferenz, Tesche sei so zuverlässig, dass „ich beruhigt Kaffee trinken kann, und trotzdem weiß, dass er das umsetzt, was ich von ihm verlange.“

Vertrag von Tesche läuft aus

Nach dem Doppelpack gegen Nürnberg erneuerte Reis seine Lobeshymne: „Robert hat eine unheimliche Qualität. Ich freue mich sehr, dass er uns und sich belohnt hat.“ Ein wichtiges Tor hatte Tesche in dieser Saison bereits erzielt. Er traf im Pokal zum 2:2 gegen Mainz und ebnete so den Weg ins Achtelfinale. Seine Schwächen, wozu etwa das mangelnde Tempo gehört, versucht er mit seiner Routine und „durch geschicktes Positionsspiel“ zu kaschieren. „Das gelingt ihm auch im fortgeschrittenen Fußballeralter noch sehr gut“, sagt Reis. Tesche wird im Mai 34 Jahre jung, sein Vertrag läuft einen Monat später aus. Noch ist offen, ob er seine Karriere beim VfL fortsetzen wird – und wenn ja, in welcher Liga….

(Foto: Imago / Norbert Schmidt)

3:1-Sieg gegen Nürnberg

Spitzenreiter VfL Bochum: Fast schon unheimlich

Gertjan Verbeek, ehemaliger Trainer des VfL Bochum, würde jetzt vermutlich Wortklauberei betreiben. Man erinnere sich kurz an eine legendäre Pressekonferenz zurück. Muss es nun das Ziel sein, aufzusteigen, oder reicht die Ambition, wieder ins Oberhaus zurückkehren zu wollen? Ganz ehrlich, das ist völlig egal. Spätestens nach dem 3:1-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg ist klar: Wer kurz vor dem Hinrundenabschluss einen Schnitt von genau zwei Punkten pro Partie vorweisen kann, der sollte sich nicht dagegen wehren, wenn immer mehr vom möglichen Aufstieg gesprochen wird. Auch wenn sich die Spieler und die Verantwortlichen noch dagegen wehren, zumindest öffentlich.

16 Spiele, zehn Siege

Doch sportlich wird es langsam fast schon unheimlich. Unheimlich schön! Von 16 Spielen hat der VfL Bochum in dieser Saison zehn gewonnen, hat im neuen Kalenderjahr noch keinen Punkt verloren und ist für mindestens zwei Nächte an die Tabellenspitze gesprungen – vorbei am HSV, der erst am Montag spielt. Viel wichtiger ist aber das, was an diesem Samstag passiert ist. Der VfL hat erneut ein enges Duell für sich entschieden. Dank eigener Stärke und Dominanz war der Sieg am Ende auch verdient. Was auffällt und was in diesem Jahr anders ist: Der VfL hat endlich ein Team zusammen, das gut harmoniert und viel Qualität mitbringt – nicht nur sportlich, sondern auch darüber hinaus.

„Wir haben die Gier entwickelt, wirklich unbedingt gewinnen zu wollen“, sagt Torhüter Manuel Riemann und erklärt damit, warum der VfL auch gegen Nürnberg wieder erfolgreich war. Wie schon gegen Darmstadt und Regensburg fielen die wichtigen Tore erst in der Schlussphase. Der überragende Robert Tesche traf einmal sehenswert aus der Distanz, das andere Mal nach einem Freistoß. Entscheidend war außerdem, dass sich die Mannschaft nicht von einem Rückstand beeindrucken ließ, sondern sofort konterte. Keine zwei Minuten lagen zwischen dem 0:1 durch Nürnbergs Manuel Schäffler und dem Ausgleich durch Robert Zulj. So widerstandsfähig war der VfL in der Vergangenheit selten.

Historische Chance

Trotz des erneuten Sieges versuchen Riemann und auch Trainer Thomas Reis die Bodenhaftung zu bewahren. Überheblichkeit bringe den Klub nicht weiter, betonen beide. Die Hälfte der Saison steht noch bevor. Aber es wäre auch fatal, diese historische und vielleicht einmalige Chance, die sich in dieser Saison bietet, nicht als solche zu begreifen. Schließlich spielt der VfL seit mehr als zehn Jahren im Unterhaus, meist war die dritte Liga sogar näher als die erste. Wer weiß, wann eine solche Gelegenheit wiederkäme? Traurig nur, dass kein Fan live dabei sein darf. Das wird sich in dieser Saison vermutlich auch nicht mehr ändern. Das sollte bei aller Euphorie nicht ganz vergessen werden.

(Foto: Firo Sportphoto)

Vertrag läuft aus

Pantovic polarisiert: Was Reis & Co. an ihm schätzen

Über den Geistesblitz von Robert Zulj und den genialen Freistoß von Thomas Eisfeld wurde nach dem 2:0 des VfL Bochum in Regensburg schon ausführlich gesprochen. Nicht aber über einen Spieler, dessen Anteil am Erfolg ebenfalls von Bedeutung war. Der eingewechselte Milos Pantovic war es nämlich, der die beiden Freistöße herausgeholt hatte, die schließlich zu den Toren führten. Schon im ersten Spiel des neuen Jahres war er am Sieg beteiligt. Gegen Darmstadt leitete der 24-Jährige den entscheidenden Treffer nicht nur ein, sondern vollendete den Angriff auch mit seinem zweiten Saisontor.

Reis lobt Pantovic

Damit hat der offensive Mittelfeldspieler seine Kritiker Lügen gestraft, die ihm mangelnde Effektivität und Torgefährlichkeit vorwerfen. In 47 Zweitligapartien kam er bislang zu drei Treffern. Doch wie wertvoll ist der gebürtige Münchener wirklich? Kaum ein Spieler im aktuellen Kader polarisiert so sehr wie er. Im Netz, der einzige Ort für Fanreaktionen in Zeiten der Pandemie, entwickelten sich schon viele Diskussionen. Pantovic sei zu ineffizient, habe keine herausragenden Stärken und sei lediglich ein Ergänzungsspieler, sagen die einen. Viel Laufarbeit, eine gute Technik und Startelfqualitäten bescheinigen ihm die anderen.

Und was meint der Trainer dazu? Schon vor wenigen Wochen, als Pantovic Gegenstand einiger Analysen war, lobte ihn Thomas Reis ausdrücklich: „Milos ist ein absoluter Teamplayer. Er ackert unheimlich viel, hat eine gute Ballbehauptung und ein solides Passspiel.“ Vor allem nach dem Re-Start im Frühling des vergangenen Jahres und zu Beginn der laufenden Saison gehörte Pantovic zur Startelf. Zuletzt war er nur Joker. Tatsächlich funktioniert die Mannschaft aktuell besser mit echten Flügelspielern, die für mehr Tempo und Tiefe sorgen. „Milos hat seine Qualitäten in den Halbräumen“, erklärt Thomas Reis, „und ist unverändert wertvoll für uns.“

Bochums Trainer widerspricht damit sogar indirekt VfL-Legende Hermann Gerland. Bayerns Chefausbilder hatte bis Pantovic‘ Verpflichtung im Sommer 2018 noch etwas süffisant angemerkt, er habe „schon bessere Spieler nach Bochum geschickt.“ Pantovic spielte elf Jahre lang im Nachwuchs des Rekordmeisters. Er war seinerzeit die erste Verpflichtung von VfL-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz. Der lobt dessen Entwicklung vom Regionalliga- und Zweitligaprofi. Auch würdigt der Manager die charakterlichen Eigenschaften seines Spielers. Pantovic sei stets professionell und habe sich innerhalb des Teams ein hohes Ansehen erarbeitet.

Vertrag läuft aus

Natürlich weiß Schindzielorz, dass derzeit kaum ein Schützling so kritisch beäugt wird wie Pantovic. Bei vielen Fans hat er einen schweren Stand. Nachvollziehen kann der Geschäftsführer dies jedoch nicht. In naher Zukunft könnten die Diskussionen auch wieder neu entfacht werden. Denn Schindzielorz steht vor der Frage, ob der in diesem Sommer auslaufende Vertrag verlängert werden soll. Eine eindeutige Tendenz gebe es nicht. Grundsätzlich sei wirtschaftlich und sportlich noch vieles offen. Nimmt man die Aussagen von Chefcoach und Manager als Grundlage, könnte der Weg von Milos Pantovic beim VfL aber noch weitergehen.

(Foto: Firo Sportphoto)

Viele Diskussionen

Corona-Regeln: Der VfL steht unter Beobachtung

Der letzte VfL-Profi, der eine Vokuhila-Frisur trug, war Theofanis Gekas. Mehr als zehn Jahre später vergeht keine Woche, in der nicht irgendein Spieler seinen Salonbesuch in den sozialen Netzwerken groß inszeniert und seinem Friseur ein Trikot überreicht, als Dank für eine gewöhnliche Dienstleistung. Was würden die Fans auch denken, wenn jemand nicht top-gestylt ins nächste Spiel gehen würde?

Warum sich zwischen zahlreichen Bundesligaprofis und ihren Haupthaardoktoren in den vergangenen Jahren so eine innige Beziehung entwickelt, weiß wohl niemand so genau. Doch genau das führt während des zweiten, womöglich noch länger andauernden „Lockdowns“ zu einem echten Problem, zumindest aus Sicht einiger Fußballer. Denn die Gekas-Frisur von einst, den langen Wildwuchs, favorisiert heute niemand mehr.

Kritik an Fußballerfrisuren

Der „Zentralverband Friseurhandwerk“ hat das bereits registriert und deswegen sogar den DFB-Präsidenten angeschrieben. Dieser Brief machte an dieser Woche die Runde, fand quasi in allen namhaften Medien Erwähnung. Man sei erstaunt, dass „an den vergangenen Spieltagen ein Großteil der Fußballprofis sich mit frischgeschnittenen Haaren auf dem Platz präsentierte“, schrieb der Verbandspräsident der Friseure.

Die Vermutung des Experten: Da waren Profis am Werk. Schließlich waren reihenweise „saubere Konturen“ zu sehen. Der Handwerksverband vermutet also eine illegale Tätigkeit. Denn Friseure dürfen aktuell nicht arbeiten. Fördern also auch Profis des VfL diese Form der Schwarzarbeit? Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz ist „darüber nichts bekannt. Wir sensibilisieren unsere Spieler und halten das Hygienekonzept so genau wie möglich ein.“

DFL ermahnt die Vereine

Zwei Corona-Fälle wurden beim VfL bislang bekannt, liegen aber schon einige Monate zurück. Regelmäßige Testungen schließen Ansteckungen untereinander nicht völlig aus, machen sie aber unwahrscheinlich. Auch deshalb wird über innige Umarmungen oder Kabinenpartys oft hinweggesehen. Obgleich es Menschen, die nichts mit Fußball zu tun haben, teilweise irritiert, wenn sie solche Szenen beobachten.

Die DFL hat die Diskussionen in dieser Woche jedenfalls zum Anlass genommen, um alle 36 Profiklubs noch einmal an die Einhaltung des Hygienekonzepts zu erinnern. Das ist Grundlage dafür, dass die Bundesliga weiterspielen darf, während die Politik immer mehr Bereiche des öffentlichen Lebens einschränkt. Der Ligaverband fordert „weiterhin höchste Aufmerksamkeit und Disziplin“. Verwiesen wird dabei auch auf die Vorbildfunktion.

Neue Maßnahmen in Aussicht

Dieser ist sich auch Bochums Trainer Thomas Reis bewusst: „Natürlich haben wir eine Vorbildfunktion. Wir stehen ständig unter Beobachtung. Wir wollen uns so verhalten, dass uns niemand etwas vorwerfen kann. Oberstes Ziel muss es sein, dass sich niemand infiziert.“ Zugleich merkt der 47-Jährige an, dass er es „etwas übertrieben findet, sich in der öffentlichen Debatte so sehr auf den Fußball zu konzentrieren.“

Dass der Spielbetrieb insgesamt noch einmal in den Fokus der Politik geraten könnte, wenn es um verschärfte Regeln geht, fürchtet Sebastian Schindzielorz indes nicht. „Ich denke, dass wir uns da einen Vertrauensvorschuss erarbeitet haben“, sagt der Manager. Für die kommende Woche wurde erneut ein Bund-Länder-Treffen angesetzt. Dem Vernehmen nach soll es dabei um weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gehen.

(Foto: Firo Sportphoto)

Jungprofis gehen

Leihgeschäfte: So will der VfL seine Talente fördern

Der Weg von Bochum nach Wuppertal ist nicht weit. In diesen Tagen ist es allerhöchstens der Schnee, der die Fahrt ins Bergische Land ein bisschen erschwert. Für Moritz Römling und Lars Holtkamp wird es nun der neue, bald gewohnte Arbeitsweg sein. Die beiden VfL-Jungprofis werden bis zum Sommer an den WSV in die Regionalliga verliehen. Das vorrangige Ziel: Spielpraxis zu sammeln.

„Wie bei Lars Holtkamp gilt auch für Moritz Römling: Einsatzzeit ist für junge Spieler das A und O. Und da wir ihnen diese aktuell nicht bieten können, ist eine Leihe zu einem Klub in einer anspruchsvollen Liga die sinnvollste Lösung. Wir sind von ihrem Talent weiter überzeugt“, sagt VfL-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz, der auf Nachfrage weitere Vorteile nennt: So müssen die beiden Talente nicht umziehen und können den Kontakt zum VfL halten.

Der wiederum kann die räumliche Nähe nutzen, um „jeden Entwicklungsschritt genau zu beobachten“. Dass es in diesem Winter gleich zwei Spieler zum Wuppertaler SV zieht, sei eher Zufall. Und nicht etwa das Ergebnis einer fest vereinbarten Kooperation. Vor einigen Jahren war das mal Thema. Doch mehr als ein regelmäßiger Austausch sei nicht geplant, bekräftigt Schindzielorz. Schließlich müssten die Spieler ebenfalls mit einem Wechsel einverstanden sein.

Kokovas und Ekincier könnten auch noch gehen

Bochums Manager schließt weitere Wechsel dieser Art aber auch nicht aus. Nach der Abmeldung der U23 vor mehr als fünf Jahren muss der VfL immer wieder Wege finden, um Talenten Spielpraxis zu ermöglichen. Denn nicht jeder schafft auf Anhieb den Sprung aus dem Nachwuchs- in den Seniorenfußball. Aus Kostengründen war eine konkurrenzfähige Reservemannschaft nicht mehr zu halten. Die Entscheidung wurde damals viel diskutiert.

Allein auf Testspiele zu setzen, funktioniert nicht, denn der Wettkampfcharakter fehlt. Also prüft der VfL externe Optionen für junge Hoffnungsträger. Römling wurde auch deshalb verliehen, weil man ihm zutraut, in Zukunft der eigenen Profimannschaft zu helfen. In dieser Saison kam der 20-Jährige nur zu einem Kurzeinsatz. Im Heimspiel gegen Heidenheim wurde er eingewechselt. Auch Holtkamp gehörte schon zum Kader. Doch gespielt hat er nur im Pokal.

Noch schwerer hatten es Stelios Kokovas und Baris Ekincier. Bei Kokovas gibt es mittlerweile eine Lösung: Er wechselt zum tschechischen Erstligisten MFK Karvina; nicht auf Leihbasis, sondern endgültig. Dass Römling und Kokovas auf derselben Position spielen, nämlich links hinten, und nun beide weg sind, sei kein Problem, erklärt Schindzielorz. Auch Maxim Leitsch, Gerrit Holtmann oder Herbert Bockhorn könnten aushelfen, sollte Danilo Soares einmal ausfallen.

Boboy und Ernst sind neue Hoffnungsträger

Die Entwicklung von Talenten ist übrigens auch für die künftige Verteilung der Fernsehgelder von Bedeutung. Ab der kommenden Saison wird bei der Ausschüttung berücksichtigt, wo die Spieler der 1. und 2. Liga ausgebildet wurden, die jünger als 23 sind. Aktuell würde der VfL von dieser Regelung nicht profitieren. Außerhalb von Bochum erfüllen nur wenige Spieler diese Bedingung. Und zum Einsatz ist in dieser Saison bislang keiner gekommen.

Beim VfL sind es zurzeit zwei Eigengewächse, die zum Stammpersonal bei den Profis gehören: Armel Bella Kotchap und Maxim Leitsch. Weitere Nachwuchsspieler, die entweder mit oder ohne Zwischenschritt durchstarten wollen, stehen schon in den Startlöchern. Etwa Verthomy Boboy, der gegen Darmstadt erstmals zum Profikader gehörte, oder Tjark Ernst. Der Sohn von Thomas Ernst gehört zu den größten Torwarttalenten in Deutschland.

Auf sie und damit auf den VfL Bochum kommt allerdings noch ein ganz anderes Problem zu. Denn wegen der Corona-Pandemie darf die U19 schon seit Monaten nicht spielen. Wann es weitergeht, ist offen. Wertvolle Ausbildungszeit geht somit verloren, Spielpraxis fehlt. Der VfL hat einigen Talenten deshalb ermöglicht, zumindest gelegentlich am Profitraining teilzunehmen. Wie es dann weitergehen soll, steht noch in den Sternen.

(Foto: VfL Bochum 1848)