0:4-Pleite in Leipzig

VfL im Pokal ohne Chance: Rotation aus gutem Grund

Der Klassenunterschied war nicht zu übersehen, und von einer Sensation im Pokal-Achtelfinale war der VfL spätestens zur Pause schon weit entfernt. Bereits nach 45 Minuten führte RB Leipzig verdient mit 0:2, weil der Favorit die Fehler der bis dahin passablen Bochumer gnadenlos ausnutzte. Nach dem Seitenwechsel verdoppelten die Gastgeber ihre Führung, der VfL verlor mit 0:4 – in Summe etwas zu hoch, unter dem Strich aber absolut verdient.

Reis rotiert

Um mit einem der besten Bundesligisten ansatzweise mithalten zu können, wird sich der VfL Bochum im Falle eines Aufstiegs noch deutlich steigern müssen. Wobei diese Aussage einer Einordnung bedarf. Denn Trainer Thomas Reis veränderte seine eingespielte Stammelf auf sechs Positionen. Nicht deswegen, weil er das Pokalspiel von vornherein herschenken wollte, sondern weil die Belastung mit vier Partien in nur zehn Tagen für einige Spieler schlicht zu hoch ist. Das Problem: Die Anpassungen machten sich bemerkbar. Leistungsträger wie Simon Zoller, Robert Zulj oder Maxim Leitsch, die wohl noch am ehesten mit Leipzig hätten mithalten können, saßen nur auf der Bank oder kamen erst in der Schlussphase ins Spiel.

Der Klassenunterschied war also nicht nur zwischen Leipzig und dem VfL, sondern teilweise auch innerhalb der Bochumer Mannschaft zu erkennen. Auch wenn es schwer war: Wirklich überzeugen konnte aus der zweiten Garde niemand, insbesondere Erhan Masovic und der eingewechselte Raman Chibsah. Auch nicht Ersatztorhüter Patrick Drewes, der den gesperrten Manuel Riemann ersetzte. Drewes verschuldete den Elfmeter vor dem 0:2, griff beim 0:4 daneben und wirkte in einigen Situationen etwas unbeholfen und schwerfällig. Eine umfangreichere Einzelkritik verbietet sich indes, im Kollektiv war der Zweitligist dem Champions-League-Teilnehmer einfach zu klar unterlegen.

Dass seine Mannschaft den Leipzigern nur selten den „Spaß am Fußball“ nahm, wie es sich Thomas Reis im Vorfeld gewünscht hatte, sah er nach dem Spiel dann auch ein: „Wir haben durch einfache Fehler die Leipziger Tore möglich gemacht. Nach vorne konnten wir ein paar Ballgewinne verzeichnen, waren aber insgesamt zu harmlos.“ Was ihn sicher selbst etwas verwundert haben dürfte, ist die Tatsache, dass der VfL trotz eines engagierten Pressings fast keine Torchance zustande brachte. Einen Vorteil hat die hohe Pokalniederlage aber: Niemand wird einer verpassten Chance hinterhertrauern. Der Fokus gilt nun komplett der Liga, 15 Spiele stehen noch an. Am Samstag reisen die Bochumer zum VfL Osnabrück.

Kurze Pause

Diese Ansetzung unterstreicht die Notwendigkeit, warum Reis am Mitwochabend gegen Leipzig auf eine „Rotation light“ setzte. Denn warum der VfL schon so schnell wieder zum nächsten Pflichtspiel antreten muss, bleibt nach wie vor ein Rätsel. Während zum Beispiel Paderborn oder Fürth im Pokal am Dienstag gespielt haben und in der Liga erst am Sonntag wieder auflaufen müssen, haben die Bochumer statt vier nur zwei Tage Pause. Hoffentlich kein Nachteil.

(Foto: Imago / Revierfoto)

Neuer Vertrag bis 2023

Kommentar: Der Ehrgeiz von Reis ist ansteckend

Was sich in einem Jahr so alles entwickeln kann, ist mir erst neulich wieder bewusst geworden. Am 28. Januar, ausgerechnet an meinem Geburtstag, sah ich Anfang 2020 eines der schlimmsten Fußballspiele des VfL Bochum der jüngeren Vergangenheit. Klingt hart, war aber so: Bei Arminia Bielefeld gab es eine hochverdiente 0:2-Niederlage, und dieses Ergebnis war keineswegs nur der Klasse des späteren Aufsteigers geschuldet. Ich bezeichnete das, was ich dort sah, als Angsthasenfußball. Thomas Reis hatte sich im ersten Spiel nach der Winterpause für sieben Defensiv- und für nur drei Offensivspieler entschieden. Kein Wunder, dass es bis zur zweiten Halbzeit dauerte, ehe der VfL den ersten richtigen Torschuss abfeuerte.

Mit Mut und Tempo führt zum Erfolg

Ein Jahr später, ebenfalls am 28. Januar, lief alles anders. Ich sah eine runderneuerte Mannschaft, taktisch und personell deutlich verändert. Sie begeisterte zum Rückrundenstart gegen den FC St. Pauli, ließ sich auch von zwei Rückständen nicht beeindrucken – und gewann am Ende verdient. Mit mutigem Angriffsfußball, ohne die Abwehr zu vernachlässigen, mit Tempo, Pressing und großer Leidenschaft, hat sich der VfL Bochum mittlerweile auf Platz zwei gespielt. Das ist nicht nur, aber auch ein Verdienst von Thomas Reis. Ich gebe offen zu: Es hat wirklich lange gebraucht, bis ich zu der Überzeugung gelangt bin, dass er der richtige Trainer für diesen Klub ist. Die Vertragsverlängerung, die der VfL am Dienstag verkündete, ist der verdiente Lohn für eine gute Entwicklung.   

Denn beim VfL Bochum ist in den vergangenen Monaten endlich ein funktionierendes Team entstanden, auf und neben dem Platz. Es wäre in diesem Zusammenhang übrigens falsch zu sagen, Thomas Reis hat seinen Weg endlich gefunden. Richtig ist: Er hat ihn nicht mehr verlassen – spätestens nach dem Sieg in Hamburg Ende November. Das war der Wendepunkt, aus meiner Sicht ein Schlüsselspiel. Denn in dieser Partie hat Thomas Reis nicht nur seine heutige Erfolgsformation erstmals auf den Rasen geschickt, er hat sie auch taktisch optimal eingestellt. Gegen Fürth zwei Wochen zuvor hatte er nämlich noch das versucht, was ihm bislang selten gelungen ist: Mit einer abwartenden, am Gegner ausgerichteten Strategie zum Erfolg zu kommen.

Reis kommuniziert auf Augenhöhe

Thomas Reis hat sich seinen neuen Vertrag bis zum Sommer 2023 auch deshalb verdient, weil sein Führungsstil zu dieser Mannschaft passt. Er ist kommunikativer als Gertjan Verbeek, emotionaler als Jens Rasiejewski, souveräner als Ismail Atalan und konsequenter als Robin Dutt im Umgang mit teils schwierigen Charakteren. Thomas Reis spricht die Sprache der Spieler, er kommuniziert auf Augenhöhe. Er weiß, wie er sie kitzeln muss. Er greift durch, wenn jemand nicht mitzieht. Arroganz und vor allem Selbstzufriedenheit sind ihm zuwider. Sein Ehrgeiz ist spürbar, die Gier nach Siegen besonders ausgeprägt. Das wiederum überträgt sich auf den ganzen Klub – und ist eine wichtige Eigenschaft, um den VfL Bochum auch in den kommenden zwei Jahren zum Erfolg zu führen.

(Foto: Imago / Laci Perenyi)

1:2-Niederlage gegen den KSC

Müde Bochumer frustriert – Folgen fürs Pokalspiel?

Minutenlang verharrte Manuel Riemann nach der 1:2-Niederlage gegen den Karlsruher SC noch vor dem Torpfosten. Nach Abpfiff verschwanden alle Bochumer recht schnell in der Kabine. Doch der Schlussmann blieb auf dem Platz, setzte sich auf den Rasen und sinierte offenkundig über das Spiel. Die Greenkeeper wollten das Tor sogar schon abbauen, doch Riemann blieb an Ort und Stelle. Erst als Karlsruhes Marco Thiede, ein alter Bekannter von Riemann, auf ihn zuging, ließ sich der Keeper irgendwann überreden, seinen Platz zu räumen.

So ruhig wie Riemann in dieser Situation wirkte, so sehr tobte er noch in der Schlussphase des Spiels. Dem Schiedsrichter reichte es irgendwann, Riemann sah für sein Meckern die Gelbe Karte. Nicht nur er, sondern einige Bochumer hatten sich im Laufe des Nachmittags auf Christof Günsch eingeschossen. Insgesamt sechsmal zückte er den gelben Karton gegen Spieler in den dunkelblauen Trikots. Einige Entscheidungen waren zweifelhaft, doch ihren Frust hätten die Spieler und Offiziellen des VfL nicht unbedingt am Unparteiischen auslassen müssen.

Zwei Gegentore nach Ecken

Schließlich gab das eigene Spiel genug Anlass, um sich zu beklagen und Ursachen für die erste Pflichtspielniederlage im neuen Kalenderjahr zu finden. Siebenmal in Folge blieb der VfL zuletzt ungeschlagen. Doch gegen den KSC ist diese Serie gerissen. „Es ist sehr bitter, wenn man durch zwei Standardsituationen verliert“, sagte Trainer Thomas Reis nach der Begegnung. Sowohl Robin Bormuth als auch Jerome Gondorf trafen jeweils nach einem Eckstoß. Kapitän Anthony Losilla gelang in Bochums bester Phase nach der Pause der zwischenzeitliche Ausgleich.

Der VfL spielte nicht schlecht, knüpfte aber auch nicht an die überzeugenden Leistungen der vergangenen Wochen an. „Das Passspiel war unsauber, besonders beim entscheidenden Zuspiel vor dem Tor“, benannte Thomas Reis „das größte Manko“ nach einem munteren, offenen Zweitligaspiel. Dass am Ende auch ein bisschen Müdigkeit in den Beinen und Köpfen steckte, soll keine Ausrede sein, betonte Torschütze Anthony Losilla: „Natürlich war es eine anstrengende Woche, aber das gilt für alle Mannschaften. Wir dürfen jetzt nach einer Niederlage nicht den Kopf hängen lassen.“

Mittwoch gegen RB Leipzig

Das ist auch deshalb wichtig, weil die Bochumer schon am Mittwochabend im DFB-Pokal beim Bundesligisten RB Leipzig antreten werden. Trainer Thomas Reis muss vor diesem Duell schwierige Fragen beantworten: Verschafft er den etablierten Stammkräften eine Pause, um sie für die bevorstehenden Aufgaben in der Liga zu schonen? Oder wäre es eine Art Bestrafung, ausgerechnet den Leistungsträgern der jüngeren Vergangenheit dieses Highlight-Spiel nicht zu gönnen? Wie wichtig ist überhaupt der Pokal – und wie bedeutsam der Erfolg in der Liga?

Gegen Karlsruhe hatte Thomas Reis seine Startelf aus nachvollziehbaren Gründen noch nicht verändert. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass der Kader in der Breite gar nicht so viele Optionen hergibt. Die Leistungslücke zwischen der Stammformation und den Kräften dahinter ist auf manchen Positionen schon relativ groß. Einen Wechsel wird es am Mittwoch aber ganz sicher geben: Torhüter Manuel Riemann ist gesperrt, ihn wird Patrick Drewes ersetzen. Ob sich Riemann auf der eigenen Couch auch so aufregt oder im Stillen grübelt, wird wohl nur seine Frau erleben.

(Foto: Imago / Norbert Schmidt)

3:2-Sieg gegen St. Pauli

Zoller und Zulj: Starke Zahlen belegen den Erfolg

Der Tabellenstand zaubert allen Fans des VfL Bochum weiter ein Lächeln ins Gesicht. Nach dem 3:2-Erfolg beim FC St. Pauli am Donnerstagabend steht der Revierklub weiter auf Platz zwei, nach den Ergebnissen der Konkurrenz sogar mit einem kleinen Vorsprung auf den Relegationsrang. Was Statistiker interessieren dürfte: Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel vor 25 Jahren hatten zu diesem Zeitpunkt der Saison acht Teams exakt 36 Punkte, so wie jetzt der VfL. Sechs davon sind am Saisonende aufgestiegen.

Zwei Rückstände waren kein Problem

Zum Rückrundenstart gaben die Bochumer ihren Anhängern zusätzliche Hoffnung darauf, dass in dieser Saison Großes gelingen könnte. Bemerkenswert ist vor allem, dass den VfL so schnell nichts mehr aus der Bahn wirft. Selbst zwei Rückstände, einer davon bereits nach vier Minuten, wurden gegen St. Pauli so gut weggesteckt, als sei nichts leichter als das. „Jeder sieht, dass die Moral in unserer Truppe sehr groß ist“, sagt Robert Zulj. Was nach einer Floskel klingt, enstpricht in Bochum tatsächlich der Wahrheit.

Die Bochumer verdienten sich den Sieg speziell im zweiten Durchgang, weil sie strukturierter auftraten und konsequent verteidigten. In den ersten 45 Minuten war es noch ein wildes Spiel mit zwei agilen Offensivreihen, aber auch Lücken in beiden Hintermannschaften. Der VfL bot den Gastgebern teilweise zu viel Platz, war bei beiden Gegentreffern zu passiv. Geschenkt. Denn: „Das Gute war, dass wir immer schnell zurückgekommen sind. Das ist das, was die Mannschaft momentan auszeichnet“, lobt Trainer Thomas Reis.

Schon am Sonntag gegen Karlsruhe

Die Hartnäckigkeit der Bochumer ist tatsächlich beeindruckend und längst auch durch Fakten zu belegen. Allein in diesem Kalenderjahr hat der VfL in vier Spielen zurückgelegen, am Ende aber 10 von 12 möglichen Punkten geholt. Am Millerntor ermöglichten das vor allem Robert Zulj und Simon Zoller als Torschützen und Vorbereiter. Nach einem genialen Zuspiel von Zulj in die Tiefe erzielte Zoller das 1:1. Auch für das 2:2 war der Mittelstürmer verantwortlich. Zulj freute sich schließlich über das 3:2.   

Genau dieses Duo führt schon seit Wochen die interne Statistik an. Zusammen kommen sie bereits auf 20 Saisontore und 15 Vorlagen. Während Robert Zulj als Spielmacher glänzt, hat Simon Zollers Rückkehr ins Sturmzentrum den gewünschten Effekt erzielt. Dort fühlt er sich am wohlsten und unterstreicht seinen Wert für das Team. Die nächste Gelegenheit zu glänzen gibt es übrigens schon an diesem Sonntag. Nur 63 Stunden liegen zwischen dem Abpfiff in St. Pauli und dem Anpfiff des Heimspiels gegen Karlsruhe.

(Foto: Firo Sportphoto)

Transfergerücht

Ganvoula nach China? Schindzielorz äußert sich

Bahnt sich beim VfL Bochum noch ein millionenschwerer Transfer – genauer: ein Abgang – an? Der „Kicker“ hat am Donnerstagmorgen überraschend vermeldet, dass Angreifer Silvere Ganvoula ganz oben auf der Wunschliste des chinesischen Erstligisten Shanghai SIPG stehen soll. Der Klub möchte den 24-Jährigen demnach als Ersatz für Marko Arnautovic verpflichten. Der Österreicher soll vor einem Wechsel nach Italien zum FC Bologna stehen. Der VfL könnte, so berichtet es das Sportmagazin, eine Ablöse kassieren, die zwischen zwei und drei Millionen Euro liegt. 

Kein Angebot eingegangen

Der Haken: Beim VfL Bochum ist zur Stunde noch kein Angebot, nicht einmal eine lose Anfrage aus China eingegangen. Auch der Berater von Ganvoula oder der Spieler selbst hätten sich bei den Verantwortlichen nicht nach den Möglichkeiten eines Wechsels erkundigt, erklärte Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz am Mittag auf Nachfrage von „Tief im Westen“. Ein Wechsel in diesem Winter ist damit praktisch vom Tisch, selbst wenn in Kürze noch ein Angebot beim VfL eingehen würde. Denn: Während das Transferfenster in China noch etwas länger geöffnet ist, sind Neuverpflichtungen in Deutschland nur noch bis zum kommenden Montag (1.2.) möglich.

Vertrag gilt bis 2023

Einen Ersatz für Ganvoula zu finden wäre also fast unmöglich. Mal abgesehen davon, dass die Verhandlungen mit den Chinesen innerhalb von wenigen Tagen oder gar Stunden abgeschlossen sein müssten. Der Nationalspieler aus dem Kongo wird dem VfL Bochum also auch in der Rückrunde zur Verfügung stehen, in welcher Rolle auch immer. Ganvoula war zu Saisonbeginn noch Stammspieler, verlor seinen Platz in der ersten Elf aber nach dem vierten Spiel. In der Folge konnte er als Joker nur selten überzeugen. Die Bilanz nach der Hinrunde: ein Tor und drei Vorlagen. In der Vorsaison waren es am Ende 20 Scorer-Punkte. Ganvoula ist noch bis zum Sommer 2023 vertraglich an den VfL gebunden.

(Foto: Imago / Beautiful Sports)

4 Spiele in 10 Tagen

VfL im Nachteil? Reis findet Spielplan „nicht optimal“

Auf das Auswärtsspiel gegen den SV Sandhausen konnte sich der VfL Bochum noch in aller Ruhe vorbereiten. Doch nun haben die beiden stressigsten Wochen der Saison begonnen. Denn innerhalb von nur zehn Tagen stehen vier Pflichtspiele an, drei davon auswärts. Zunächst gastiert die Mannschaft von Trainer Thomas Reis am Donnerstag (28.1.) beim FC St. Pauli. 

Schindzielorz will nicht jammern

Diese Ansetzung hat zur Folge, dass das Heimspiel gegen den Karlsruher SC auf einen Sonntag (31.1.) fällt. Weil der VfL Bochum auch noch im DFB-Pokal vertreten ist, geht es in diesem Rhythmus weiter. Mittwochs (3.2.) wird der Revierklub bei RB Leipzig gastieren – wieder ein weit entferntes Auswärtsspiel. Was dann folgt, ist schlimmstenfalls ein Wettbewerbsnachteil. Denn die Bochumer müssen nach der Partie in Leipzig direkt wieder samstags antreten, auswärts beim VfL Osnabrück (6.2.). Zwischen den beiden Partien werden keine 72 Stunden liegen, dafür zwei Reisen. Auch zwischen dem Abpfiff in St. Pauli und dem Anstoß gegen Karlsruhe vergehen nur 63 Stunden.

Hauptproblem ist die späte Ansetzung des Spiels gegen St. Pauli am Donnerstag. Daraus ergeben sich die beiden folgenden Termine automatisch. Zusätzliches Pech für die Bochumer: Sie haben nach dem Pokalduell ein Samstagsspiel erwischt, während die anderen Zweitligisten, die noch im Achtelfinale vertreten sind, erst einen Tag oder gar zwei Tage später antreten müssen. Optimal ist das nicht. Sebastian Schindzielorz, Geschäftsführer Sport beim VfL Bochum, möchte aber nicht jammern: „Man kann sich subjektiv vielleicht benachteiligt fühlen, wir tun das aber nicht. Wir wissen nämlich auch, wie schwierig es für die DFL-Abteilung unter der Leitung von Ansgar Schwenken ist, gerade in diesem Corona-Jahr alles und alle unter einen Hut zu bekommen.“

Trainer Thomas Reis will ebenfalls nicht laut klagen. Der 47-Jährige betont schließlich immer wieder, dass Profifußballer froh sein sollten, überhaupt noch spielen dürfen, während der Einzelhandel, die Gastronomie oder die Kultur weiter massiv eingeschränkt sind. Doch er würde auch lügen, wenn er über die Spielplangestaltung glücklich wäre: „Wenn wir Wünsche hätten äußern können, hätten wir die Termine sicher etwas anders gelegt. Alle drei Tage zu spielen, ist nicht optimal“, sagt Reis, der den Fokus auf eine möglichst optimale Regeneration legen will. „Ich sehe nicht nur eine körperliche, sondern auch eine mentale Belastung. Aber besser so, als wenn wir im Pokal gar nicht mehr dabei wären.“

Pokalspiel nicht herschenken

Ob Reis seine erfolgreiche Startelf nun häufiger verändern wird, lässt er offen. Denn jede Anpassung birgt Risiken und gefährdet womöglich die Stabilität der Mannschaft. Doch viermal Vollgas geben? Das kann wohl auch nicht jeder. Die Idee, vor allem das Pokalspiel in Leipzig zur Rotation zu nutzen, findet Reis nicht gut: „Was möglich ist, hat doch Kiel gegen die Bayern gezeigt…“

(Foto: Imago / Eibner)

1:1 in Sandhausen

Ohne Flügel hebt der VfL Bochum nicht ab

Die Illusion, ohne Punktverluste durch die Liga zu marschieren, hatte in Bochum wirklich keiner. Außerdem bleibt der VfL auch nach dem 1:1 in Sandhausen Tabellenzweiter. Eine leichte Unzufriedenheit mit dem Ergebnis ist dennoch zu spüren, bei einigen Fans und bei der Mannschaft gleichermaßen. Der Grund: Zum Abschluss einer insgesamt starken Hinrunde präsentierten sich die Bochumer im Hardtwald lange Zeit äußerst pomadig und uninspiriert.

Ursächlich dafür, dass der VfL auswärts Punkte liegen ließ, war vor allem die schwache erste Halbzeit. Die Mannschaft von Trainer Thomas Reis entwickelte kaum Torgefahr. Dass mit Danny Blum und Gerrit Holtmann die beiden schnellen Flügelstürmer fehlten, machte sich besonders bemerkbar. Das Bochumer Angriffsspiel lebt von der Dynamik. Herbert Bockhorn und Milos Pantovic waren kein gleichwertiger Ersatz. Hinzu kam, dass der VfL eine Standardsituation unachtsam verteidigte und somit in Rückstand geriet. Weil Cristian Gamboa im entscheidenden Moment das Abseits aufhob, köpfte Kevin Behrens erst unbedrängt gegen den Pfosten und traf dann ins Tor.

Ausgleichstreffer durch Robert Zulj

Die Bochumer zeigten auch nach dem Seitenwechsel keine besonders gute Leistung, waren aber dennoch deutlich besser als noch im ersten Durchgang. Die Belohnung gab es spät, als Robert Zulj eine punktgenaue Hereingabe des frisch eingewechselten Thomas Eisfeld per Kopf zum 1:1 verwertete. Es war der verdiente Ausgleich. Für einen Sieg jedoch war der gesamte Auftritt nicht stimmig genug. „Wir hatten zu wenig Tiefgang, zu wenige Situationen in Richtung Strafraum und zu wenige Abschlüsse“, bemängelte Torschütze Robert Zulj, lobte aber auch: „In der zweiten Halbzeit hat mir das Gesicht unserer Mannschaft besser gefallen.“

Sein Trainer sah das ähnlich: „Nach der Pause haben wir gefühlt nur in einer Hälfte gespielt. Der Ausgleich war deshalb verdient.“ Rundum zufrieden war Reis natürlich nicht. „Wir haben in der ersten Halbzeit zwar versucht, Fußball zu spielen, doch im Mittelfeld hat die Laufbereitschaft gefehlt. Wir wollten tiefe Laufwege, konnten uns über die Außen aber nicht richtig durchsetzen.“ Ohne seine etatmäßigen Flügelspieler scheint der VfL Bochum entscheidend geschwächt zu sein. Blum ist nach wie vor verletzt, Holtmann erhielt eine Schaffenspause und wurde erst in der 63. Minute eingewechselt. In puncto Tempo, Tiefe und Tordrang wurde das etablierte Duo schmerzlich vermisst.

Probleme ohne Blum und Holtmann

Denn obwohl der Kader nominell viele Optionen hergibt, sind die Möglichkeiten de facto begrenzt. Sommerneuzugang Tarsis Bonga ist nach längerer Pause erst neulich wieder ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. Wie gut er wirklich ist, weiß noch niemand so genau. Tom Weilandt ist zwar fit, doch er hinkt seiner Bestform so weit hinterher, dass er seinen Kaderplatz an den erst 18-Jährigen Luis Hartwig verloren hat. Der Nachwuchsspieler feierte in der Schlussphase sein Profidebüt. Außerdem ist Weilandt kein Sprintertyp. Bockhorn ist das schon eher und wohl der stärkste Ersatzmann für die offensiven Flügel, blieb in Sandhausen aber meist unsichtbar.

Auch Milos Pantovic hat erneut bewiesen, dass er für bestimmte Spielmomente ein wertvoller Joker sein kann, aber eben kein klassischer Außenspieler ist. Wohl mit Holtmann, aber vermutlich ohne Blum, hat der VfL bereits am Donnerstag die nächste Chance auf drei Punkte. Dann beginnt auswärts beim FC St. Pauli die Rückrunde. Nach dem Ergebnis in Sandhausen hebt in Bochum zumindest niemand ab, ohne Flügel erst recht nicht…

(Foto: Imago / Eibner)