Update

Riemann vs. Esser: Neue Nummer eins steht fest

Stolz postete Thomas Ernst am Mittwochabend ein Foto auf Instagram. Darauf zu sehen: Sein Sohn Tjark mit dem fünffachen Welttorhüter Gianluigi Buffon. Thomas Ernst, früher selbst Schlussmann beim VfL Bochum und später im Vorstand des Vereins, schrieb dazu: „Der Anfang ist gemacht. Tjarks Debüt heute bei den Profis. Eine Halbzeit beim 1:0-Sieg gegen Parma und ein Foto mit einem der größten der Zunft.“

Ernst junior ist einer von vier Torleuten beim VfL. Der 18-Jährige spielt seit der F-Jugend beim größten Klub der Stadt, trainiert schon länger bei den Profis mit und durfte sich nun zum ersten Mal in einem Testspiel beweisen. Von Trainer Thomas Reis gab es hinterher ein Lob: „Fürs erste Spiel auf diesem Niveau hat er schon sehr viel Ruhe ausgestrahlt und war auch mutig dabei, seine Mitspieler zu coachen. Ein gelungenes Debüt.“ Viel zu halten gab es für Tjark Ernst allerdings nicht. Ohnehin werden Einsätze bei den Profis vorerst die Ausnahme bleiben. Zwar zählt er zu den größten Torwarttalenten in Deutschland, doch Spielpraxis soll der 1,93-Meter-Hüne zunächst in der U19 sammeln. Denn in der Bundesliga-Mannschaft herrscht zwischen den Pfosten ein großer Konkurrenzkampf.

Riemann mit Vorsprung

Dabei gibt es am Ende nur Platz für einen. Die anderen drei müssen zuschauen. Gewechselt wird auf der Torhüterposition selten bis gar nicht. Für die Schlussmänner ist die Saisonvorbereitung also besonders wichtig. Eine Verletzung kommt deshalb zur absoluten Unzeit – und wird möglicherweise Einfluss nehmen auf den Kampf um die Nummer eins. Denn Neuzugang Michael Esser hat sich im Trainingslager am Knie verletzt, eine Diagnose steht noch aus. Der bisherige Stammkeeper Manuel Riemann ist dagegen wieder fit, sein Mittelhandbruch, den er sich im Endspurt der Vorsaison zugezogen hatte, überstanden. Rückkehrer und Herausforderer Esser dürfte es nun schwer haben, an Riemann vorbeizukommen, sollte er nicht zeitnah ins Training zurückkehren.

Selbst im Falle einer schnellen Genesung von Esser wird Thomas Reis wohl weiter seinem Aufstiegsschnapper vertrauen: „Wenn Manuel gesund ist, hat er einen gewissen Vorsprung. Aber wir sind froh, dass wir uns so gut verstärken konnten. Wir spielen jetzt in der Bundesliga, da müssen wir auf allen Positionen gut aufgestellt sein.“ Heißt übersetzt: Riemann wird vermutlich als Nummer eins in die Saison gehen, soll aber intern mehr Druck verspüren und einen erfahrenen Vertreter haben, sollte er ausfallen oder enttäuschen. Seine Art mitzuspielen und die Mannschaft mitzureißen dürften bei der Entscheidung von Thomas Reis entscheidende Argumente sein. Esser wiederum ist ruhiger, übrigens auch deutlich größer gewachsen, gilt aber als loyal und wird sich ohne zu murren auf die Bank setzen.

Für Grave wir es schwer

Eher ungünstig ist die Situation dagegen für Paul Grave. Das Bochumer Eigengewächs, mittlerweile 20 Jahre alt, wartet weiter auf seinen ersten Pflichtspieleinsatz im Seniorenbereich. Grave ist vorerst nur die Nummer drei, ohne Aussicht auf Wettkampfpraxis. Im vergangenen Jahr hat er knapp das interne Duell gegen Ersatzkeeper Patrick Drewes verloren. Der wiederum kam im Aufstiegsfinale fünfmal zum Einsatz und spielt jetzt beim SV Sandhausen. Die Rolle als Riemann-Vertreter trauen die Verantwortlichen Paul Grave in der Bundesliga offenbar noch nicht zu. Thomas Reis sieht das jedenfalls so: „Wir haben zwei erfahrene und zwei junge Torhüter. Es liegt an den jüngeren, wie schnell sie von den erfahrenen lernen und sie dann überholen.“

+++ Update: Wenige Stunden nach Veröffentlichung dieses Artikels gab es für Michael Esser die Diagnose. Eine Meniskusverletzung zwingt ihn wahrscheinlich zu einer mehrwöchigen Pause. Somit ist klar, dass Manuel Riemann definitiv als Nummer eins in die Saison gehen wird. +++

(Foto: Imago / Team 2)

Kadercheck

VfL-Startelf steht – bis Neuzugänge kommen

Beim VfL Bochum ist die Vorbereitung auf die erste Bundesliga-Saison seit elf Jahren fast abgeschlossen. Am Donnerstag gab es eine 1:2-Niederlage gegen den niederländischen Erstligisten Vitesse Arnheim, wobei überwiegend die Spieler aus der zweiten Reihe zum Einsatz kamen.

In bestmöglicher Besetzung wird der VfL dann am Samstag seine Generalprobe gegen den FC Utrecht absolvieren. Danach trifft der VfL im DFB-Pokal auf den Wuppertaler SV und eine Woche später in der Bundesliga auf den VfL Wolfsburg. Das Team für den Start steht im Prinzip fest. Das Bochumer Trainerteam setzt überwiegend auf die Mannschaft aus der Aufstiegssaison – zumindest vorerst. Ein Überblick.

Tor: Manuel Riemann ist nach seinem Mittelhandbruch wieder fit und wie gewohnt der Dirigent der Mannschaft. Er bleibt die Nummer eins. Das liegt auch daran, dass sich Neuzugang und Herausforderer Michael Esser am Knie verletzt hat. Dessen Vertreter Paul Grave fällt mit einer Schulterverletzung ebenfalls aus. Auf der Bank wird nun Tjark Ernst Platz nehmen. Der 18-Jährige ist immerhin Junioren-Nationaltorwart und schon erstaunlich abgeklärt für sein Alter – auf und neben dem Platz. Ein weiterer Transfer ist nicht geplant.

Außenverteidigung: Mit Danilo Soares steht aktuell nur ein fitter Linksverteidiger zur Verfügung, der offensiv stärker ist als defensiv. Manager Sebastian Schindzielorz will möglichst bald einen weiteren Spieler für diese Position verpflichten, die Gespräche laufen und sind schon fortgeschritten. Ganz oben auf der Wunschliste steht ein Kandidat mit Bundesliga-Erfahrung, es deutet sich ein Leihgeschäft an. Auf der rechten Seite hat Cristian Gamboa noch etwas Trainingsrückstand, Herbert Bockhorn ist an Covid-19 erkrankt. Gegen Wuppertal dürfte Gamboa von Beginn an spielen, anschließend könnte es ein enges Duell um den Platz in der Startelf geben.

Innenverteidigung: Mit dem 19-jährigen Armel Bella Kotchap und dem 23-jährigen Maxim Leitsch schicken die Bochumer womöglich das jüngste Abwehrduo ins Rennen. Beide haben großes Potenzial, aber noch keine Bundesliga-Erfahrung. Dahinter stehen Vasilios Lampropoulos und Saulo Decarli bereit, wobei Lampropoulos in der Vorbereitung souveräner war. Auf dieser Position wird es wohl keine Veränderungen mehr geben.

Zentrales Mittelfeld: Thomas Reis bevorzugt in der neuen Saison ein System mit einer Sechs und einer Doppel-Acht. Auf der Sechs könnte Routinier und Aufstiegsheld Robert Tesche spielen, einen wirklichen Konkurrenten gibt es nicht. Reis wünscht sich deshalb noch Verstärkung. Auf der Doppel-Acht ist Kapitän Anthony Losilla erste Wahl. Aber auch er soll intern herausgefordert werden und zugleich einen starken Nebenmann erhalten. Top-Kandidat bleibt Elvis Rexhbecaj vom VfL Wolfsburg, der ausgeliehen werden soll. Neuzugang Eduard Löwen hat in den ersten Testspielen überzeugt, war dann aber bei Olympia und kehrt erst in der kommenden Woche ins Training zurück. In Wuppertal wird sich Bochums Coach wohl für Milos Pantovic entscheiden, den Reis eher im Zentrum als auf der Außenbahn sieht. Neuzugang Patrick Osterhage hat sein Können angedeutet, braucht aber noch Zeit, sich an das Niveau zu gewöhnen. Lars Holtkamp wechselt zum Bonner SC, auch Erhan Masovic und Raman Chibsah können gehen – der eine auf Leihbasis, der andere komplett.

Offensive Außenbahn: Aktuell haben die beiden Flügelflitzer Gerrit Holtmann und Takuma Asano die Nase vorn. Asano hinterließ in der Vorbereitung einen guten Eindruck, ist sehr agil und dribbelstark. Er könnte zum Start der einzige Neuzugang in der Startelf sein. Christopher Antwi-Adjei ist im Sommer ebenfalls zum VfL gekommen und eine Alternative für beide Seiten, war in den Testspielen aber nicht ganz so stark. Danny Blum befindet sich im Aufbautraining und ist kein Kandidat für die ersten Spiele. Tarsis Bonga, Tom Weilandt und Baris Ekincier wurde ein Vereinswechsel nahegelegt.

Angriff: Als Top-Torjäger der Vorsaison genießt Simon Zoller den Aufstiegsbonus. Silvere Ganvoula ist aber auch eine Option. Zoller punktet mit seiner Laufstärke, Ganvoula mit seiner körperlichen Wucht. Soma Novothny bleibt wohl als Joker beim VfL. Eigengewächs Luis Hartwig könnte auf Leihbasis bei einem anderen Klub unterkommen. Die Verpflichtung eines weiteren Stürmers ist nicht ausgeschlossen, zu groß soll der Kader aber auch nicht werden.

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(Foto: Firo Sportphoto)

Testspielsieg gegen Parma

Bundesliga? Reis hat „keinen Köttel in der Buxe“

VfL-Chef Hans Peter Villis setzt auf den Geist von Gais. Bei der Ankunft im Bochumer Trainingslager erwähnte er, dass die letzte Bundesliga-Mannschaft, die in der norditalienischen Ortschaft Quartier bezog, am Ende der Spielzeit DFB-Pokalsieger wurde. Das war Eintracht Frankfurt in der Saison 2017/18. „Die Ziele sind damit gesetzt“, sagte Villis mit einem Schmunzeln.

Gute Bedingungen

Die Bedingungen, die der VfL Bochum in dieser Woche vorfindet, stellen die Verantwortlichen auf jeden Fall zufrieden. Für Bundesliga-Verhältnisse haben die Bochumer zwar ein relativ schlichtes Hotel bezogen, doch der Trainingsplatz befindet sich in einem ausgezeichneten Zustand. Auch das Wetter spielt mit, die Gastfreundlichkeit wird von allen gelobt. Etwa zwei Dutzend VfL-Fans sind die ganze Zeit vor Ort, am Donnerstag reist eine Sponsoren-Delegation nach.

Auch sie werden dann sehen, wie die Bochumer Mannschaft ins Schwitzen kommt. Trainer Thomas Reis lässt zweimal täglich trainieren. Vor allem wird an den Abläufen in der Offensive gefeilt. „Nur eine ordentliche Defensive reicht in der Bundesliga nicht. Dann werden wir nicht viele Punkte holen“, betont der Fußballlehrer. „Wir arbeiten in dieser Woche also besonders an den Abläufen in der Vorwärtsbewegung.“ Zu Beginn der Vorbereitung stand die Verteidigung im Vordergrund.

1:0 gegen Parma

Was seine Mannschaft davon schon verinnerlicht hat, durfte sie am Mittwoch im Test gegen den Serie-B-Klub Parma Calcio unter Beweis stellen. Im Duell gegen den mehrfachen Welttorhüter Gianluigi Buffon, der bei den Italienern zwischen den Pfosten stand, gab es einen 1:0-Erfolg. Den Treffer des Tages erzielte Raman Chibsah in der zweiten Halbzeit. Bis auf Herbert Bockhorn, der aus gesundheitlichen Gründen zurück nach Bochum gereist ist, und Michael Esser, der sich am Knie verletzt hat, standen alle Spieler zur Verfügung.

Ein weiterer Neuzugang war noch nicht dabei. Insbesondere für die defensive Außenbahn wünscht sich Thomas Reis noch Verstärkung, erst recht nach dem Ausfall von Bockhorn. Aktuell stehen nur Danilo Soares für die linke und Cristian Gamboa für die rechte Seite zur Verfügung. „Ich kann meine Wünsche äußern, aber es ist natürlich klar, dass wir nicht so viel Geld haben wie andere“, hofft Thomas Reis trotzdem noch auf Zuwachs für die Abwehr – und fürs Mittelfeld.

Der 47-Jährige möchte ein konkurrenzfähiges Team stellen, mit dem der Klassenerhalt gelingt, er sagt aber auch: „Selbst wenn niemand mehr kommen sollte, habe ich keinen Köttel in der Buxe.“ Dann sei eben der Zusammenhalt seiner Mannschaft gefragt, wobei Reis stets betont, dass der VfL jetzt in einer „Qualitätsliga“ spielt, „in der Fehler und Defizite schneller bestraft werden.“ Die 2. Liga war dagegen „eher eine Mentalitätsliga“. Und in die möchte der VfL nur ungern zurückkehren.

„Tief im Westen – Das VfL Magazin“ ist nicht nach Italien gereist, bedankt sich aber bei allen Lesern und Unterstützern, die dabei sind und täglich Eindrücke und Informationen vom Trainingsplatz nach Bochum übermitteln. Ihr seid großartig!

(Foto: Imago / RHR-Foto)

Kaderplanung

Noch drei VfL-Transfers? Einordnung der Gerüchte

Natürlich hat auch Sebastian Schindzielorz mitbekommen, über welchen seiner Spieler in den vergangenen Tagen besonders viel gesprochen und geschrieben wurde. Verteidiger Maxim Leitsch soll das Interesse von Borussia Mönchengladbach auf sich gezogen haben, mehr noch: Er soll kurz vor einem Wechsel stehen. Auf Instagram und im Forum von Transfermarkt nahm das Gerücht über vermeintliche Insider seinen Lauf. VfL-Geschäftsführer Schindzielorz stellte nun auf Nachfrage klar, dass für Maxim Leitsch definitiv kein Angebot vorliegen würde. Thema erledigt, vorerst.

Hofmann zu teuer

Doch es gibt dieser Tage weitere Transfergerüchte. Vor allem über mögliche Neuzugänge wird diskutiert. Bekannt ist, dass der Aufsteiger noch einen zentralen Mittelfeldspieler verpflichten möchte. Ein Kandidat: Der Wolfsburger Elvis Rexhbecaj. In diesem Fall sind die Bochumer tatsächlich an einem Leihgeschäft interessiert. Anders sieht es bei Philipp Hofmann aus. Zwar schätzt insbesondere Trainer Thomas Reis die Qualitäten des klassischen Mittelstürmers vom Karlsruher SC, doch der Zweitligist fordert eine Ablöse im Millionenbereich, die für den VfL nicht zu stemmen ist.

Ob die Bochumer in diesem Sommer noch einen Stürmer verpflichten werden, ist ohnehin nicht sicher. Mit Simon Zoller, Silvere Ganvoula, Soma Novothny und Takuma Asano stehen bereits vier Angreifer zur Verfügung – mit unterschiedlichen Qualitäten. Erst, wenn sich im gesamten Kader etwas auf der Abgangsseite tut, wäre Spielraum für einen weiteren Transfer vorhanden. Schon jetzt stehen 30 Profis unter Vertrag, darunter fünf externe Neuzugänge. Bis Ende August dürfen die Bochumer noch Spieler verpflichten oder abgeben.

Verteidiger soll kommen

Hinzukommen soll auch noch ein linker Verteidiger. unabhängig von möglichen Abgängen. Der neue Mann könnte sogar schon zeitnah zur Mannschaft stoßen. Welcher Spieler das sein wird? Dass es sich um Konstantinos Stafylidis von der TSG Hoffenheim handelt, wollte Schindzielorz auf Nachfrage nicht kommentieren. Zumindest würde der 27-Jährige mit seinem Tempo, seiner Zweikampfstärke und seiner Bundesliga-Erfahrung ins Anforderungsprofil passen. Das gilt allerdings auch für Robert Bauer, der zuletzt in Russland und davor in Bremen gespielt hat.

(Foto: Imago / Revierfoto)

Gerüchteküche

VfL-Glosse: Leitsch reitet auf dem Fohlen davon

„Tief im Westen“, das sind nicht nur die ersten Worte der berühmten Bochum-Hymne von Herbert Grönemeyer. Nein, es war auch der Nickname eines unvergessenen Insiders, als es das alte westline-Forum noch gab. Es war Sommer 2014, und die Bochumer Öffentlichkeit war bestens darüber informiert, was im Stadioncenter hinter verschlossenen Türen besprochen wurde. Immer kurz vor der Bekanntgabe eines Transfers schlug ein Nutzer des Forums einen neuen Spielernamen vor, über dessen Verpflichtung die Verantwortlichen „ja mal nachdenken könnten“. Meist am nächsten Tag präsentierte der VfL genau diesen Spieler als Neuzugang.

Es kann kein Zufall sein, dass diese Seite, auf der ihr euch gerade befindet, auch „Tief im Westen“ heißt. Oder doch? Ich möchte euch nicht zu sehr verwirren. Denn das machen schon andere. Aktuell vergeht kaum eine Woche, in der der VfL Bochum nicht mit irgendeinem Jahrhunderttalent aus einem fernen Land oder einem Leistungsträger eines Champions-League-Teilnehmers in Verbindung gebracht wird. Blöd nur, dass Sebastian Schindzielorz neulich erzählte, dass er so manchen Spielernamen erstmal selbst googeln müsse. Ohnehin deuten viele Meldungen darauf hin, dass der Einstieg eines Investors aus Dubai unmittelbar bevorsteht und sein Geld sofort in Ablösesummen investiert wird.

Leitsch nach Mönchengladbach?

Über mögliche Abgänge wird natürlich auch spekuliert. Aktuell im Fokus: Innenverteidiger Maxim Leitsch. Weil das Bochumer Eigengewächs das Testspiel am Mittwoch gegen Bonn verpasste, setzte ein User noch während der Partie das Gerücht in die Welt, Leitsch würde zu Borussia Mönchengladbach wechseln. Auf Instagram und Twitter, in Gruppen und Foren, selbst unter den Facebook-Posts des Vereins gab es auch am Tag danach kaum ein anderes Thema. Dass Cheftrainer Thomas Reis nach der Partie bereits die Auflösung lieferte – Leitsch habe im Training einen Schlag aufs Knie bekommen und fehlte deshalb verletzt – interessierte dagegen nur wenige.

„Ich glaube, das stimmt“, schreibt zum Beispiel Justin auf Facebook zu den Wechselgerüchten, „auf Trainingsbildern ist er auch nicht mehr zu sehen“, weiß Detektiv Wojtek aus der Zweitligastadt Gelsenkirchen. Beide philosophieren schließlich über Sinn und Widersinn dieses Wechsels, auch über das mögliche Gehalt am Niederrhein. Tanja wittert sogar eine konzertierte Aktion zwischen Trainer und Presse, sprich: Die Aussage von Thomas Reis sei frei erfunden, um vom Wechsel abzulenken. „Er soll schon zum Medizincheck in Gladbach sein“, konkretisiert Insider Sascha, der in seinem Profil auch Corona-Verschwörungsmythen teilt. Fragt sich nur, wer hier wirklich zum Medizincheck muss.

Erinnerungen ans Vorjahr

Doch zurück zum Thema: Nein, Maxim Leitsch reitet noch nicht auf dem Fohlen davon. Klar, irgendwann wird er den VfL verlassen, das ist ziemlich logisch und wahrscheinlich. Aber konkrete Anzeichen für einen Wechsel in diesen Tagen gibt es keine. Ohnehin erinnert diese Geschichte irgendwie an das, was im letzten Jahr passierte. Als Danilo Soares angeblich in einer Gelsenkirchener Bäckerei gesichtet wurde und deshalb mit Schalke 04 in Verbindung gebracht wurde. In Wirklichkeit trank er seinen Kaffee aber in Bochum-Grumme, bevor er zum Stadion düste und einen neuen Vierjahresvertrag unterschrieb. Wäre doch nett, wenn das bei Maxim Leitsch auch passieren würde.

(Foto: Imago / RHR-Foto)

Möglicher Neuzugang

Bochum wartet auf Elvis und prüft Alternativen

Der VfL Bochum will sich bis zum Ablauf der Transferperiode Ende August weiter verstärken. Das ist der gemeinsame Plan von VfL-Geschäftsführer Sebastian Schindzielorz und Cheftrainer Thomas Reis. Gesucht werden auf jeden Fall noch ein linker Verteidiger als Back-up sowie ein zentraler Mittelfeldspieler mit Stammplatzpotenzial.

Nach dem Abgang von Top-Scorer Robert Zulj und der Verabschiedung von Thomas Eisfeld hat der VfL mit Eduard Löwen und Patrick Osterhage bereits Ersatz fürs Mittelfeld verpflichtet. Doch dabei soll es nicht bleiben. Schließlich muss und möchten sich die Bochumer für die Bundesliga qualitativ verbessern. Weil die Saisonvorbereitung mit dem Trainingslager in Südtirol (18. bis 25.7.) bereits ihren Höhepunkt erreicht und Eduard Löwen für einige Wochen mit der deutschen Olympia-Mannschaft in Tokio weilt, würde Thomas Reis den neuen Mann gerne schon in Kürze begrüßen. Doch der Fußballlehrer muss sich wahrscheinlich noch gedulden.

Interesse an Rexhbecaj

Konkret ist der VfL Bochum an Elvis Rexhbecaj vom VfL Wolfsburg interessiert. Der 23-Jährige war in der Vorsaison an den 1. FC Köln ausgeliehen, der aber konnte die Kaufoption in Höhe von sieben Millionen Euro nicht stemmen. Dazu wären die Bochumer natürlich auch nicht in der Lage, streben aber immerhin ein Leihgeschäft an. Thomas Reis kennt den Spieler bereits aus seiner Zeit als Nachwuchstrainer bei den Niedersachsen. Rexhbecaj hat mittlerweile 71 Partien in der Bundesliga absolviert und kann im zentralen Mittelfeld defensiv wie offensiv eingesetzt werden.

Der Haken: Rexhbecaj plant unter dem neuen Wölfte-Coach Mark van Bommel einen neuen Anlauf. Die Bochumer müssen sich also noch gedulden – womöglich bis zum Saisonstart, bei dem die beiden Teams direkt aufeinandertreffen. Hinzu kommt, dass eine Leihe von Rexhbecaj keine nachhaltige Lösung wäre, um die Nachfolge von Anthony Losilla oder Robert Tesche einzuleiten. Kompromisse muss der VfL aber eingehen, um die Qualität in seinem Kader trotz eines überschaubaren Etats zu erhöhen – was mit Rexhbecaj der Fall wäre.

Stöger als Alternative

Alternativ könnten die Verantwortlichen eine Rückkehr von Spielgestalter Kevin Stöger in Betracht ziehen. Beim FSV Mainz 05, wo er zurzeit unter Vertrag steht, wäre der Österreicher wohl auch in der neuen Saison nur zweite Wahl. Stöger könnte der passende Spielertyp sein, um insbesondere die schnellen Angreifer in Szene zu nutzen. Die Integration wäre selbst bei einem späteren Transfer kein Problem. Und weil Schindzielorz und Reis in diesem Sommer besonders auf Bundesliga-Erfahrung achten: Bei Stöger wäre auch dieses Kriterium erfüllt. 

(Foto: Firo Sportphoto)

Neue Rubrik

Leserfrage: Welches Shirt ist das Heimtrikot?

Der VfL Bochum hat am Montag seine neuen Trikots für die Bundesliga-Saison vorgestellt. Für den Stückpreis von knapp 80 Euro sind drei Shirts erhältlich: Ein dunkelblaues mit schmalen weißen Streifen, ein weißes mit dunkelblauen Applikationen am Ärmel sowie ein schlichtes in mintgrün. Zum ersten Mal wirbt der VfL auf der Brust für Vonovia, den neuen Hauptsponsor. Produziert wurden die Trikots von der Firma Nike. 

Erneut verzichtet der Verein nach außen auf eine klare Trennung zwischen Heim- und Auswärtstrikot. Das hat im vergangenen Jahr dazu geführt, dass das hellblaue Shirt vor der Saison häufiger verkauft wurde als das dunkelblaue, das die Mannschaft anschließend in sämtlichen Heimspielen getragen hat. Mit beiden Trikots zusammen hat der VfL einen Verkaufsrekord aufgestellt.

Zu Hause im dunkelblauen Trikot

Auch nach dem Aufstieg habe man „wie in der vorherigen Saison kein Heimtrikot festgelegt“, heißt es auf Nachfrage beim Klub. Das stimmt jedoch nicht ganz. Der Schlusssatz in der offiziellen Pressemitteilung gibt neugierigen Fans den entscheidenden Hinweis: „Da die Heimtrikots zunächst nur in Slim Fit erhältlich sind, wird empfohlen, eine Nummer größer als gewöhnlich zu bestellen.“

Mit einem Blick in den Online-Shop des Klubs lässt sich das Rätsel lösen: Das dunkelblaue Shirt ist erst ab Oktober in sämtlichen Normalgrößen erhältlich, erstmals auch in 3XL. Dieses Jersey ist folglich das Heimtrikot. Der VfL läuft also auch in der Bundesliga überwiegend in Dunkelblau auf. Als Alternativen stehen ein weißes und ein mintgrünes Shirt zur Verfügung.

Neue Rubrik

Die Leserfrage ist eine neue Rubrik für alle ‚Tief im Westen‘-Unterstützer. Den Anfang macht Johannes Doll mit seiner Frage zum neuen Heimtrikot. Wenn ihr auch etwas wissen wollt, meldet euch per Mail an rentsch@vfl-magazin.de oder über die sozialen Netzwerken. Regelmäßig wird dann eine Frage ausgewählt und beantwortet. In der Themenauswahl seid ihr frei – alles, was den VfL betrifft. Wichtig noch: Das Einreichen der Fragen ist zunächst den knapp 250 Unterstützern dieser Seite vorbehalten.

(Foto/Grafik: VfL Bochum 1848)